lee fields @ lido, 22.3.2012

März 23, 2012

auf dem weg zum konzert gestern abend rappt ein typ in der u1, ist das jetzt eine neue masche? scheint sich auf jeden fall finanziell auszuzahlen. gleich zwei junge männer geben ihm was. im lido geht es nicht sofort los, die discokugel rotiert so vor sich hin und wirft schattenmuster, die leute quatschen und ich stehe rum und warte. der laden ist übrigens nicht ganz voll, obwohl sie mich draußen gefragt hatten, ob ich noch eine karte übrig habe. irgendwann so gegen halb 10 kommt die band auf die bühne, alle recht jung bis auf den älteren trompeter, ein saxofonist, ein keyboarder, ein drummer, und der sehr britisch aussehende, pilzköpfige bassist mit schlafzimmerblick (erinnert mich an jemand von the who) sowie der dunkelhaarige gitarrist mit südländischen einsprengseln. die beiden geben ein lustiges paar ab, sie wippen oft synchron von links nach rechts und zurück und geben gelegentlich den background choir. nach zwei instrumentalstücken wird der von dem bassisten großspurig mit „welcome to the stage. mister. lee. fields.“ angekündigte sänger auf der bühne unter frenetischem applaus begrüßt. er hat einen leicht goldenen glitzeranzug an, von dem er nach recht kurzer zeit die jacke auszieht, dann das hemd aus der hose nimmt und das hemd aufkrempelt. auf der bühne scheint es mindestens genauso heiß zu sein wie im zuschauerraum. lee fields singt alte songs und songs vom neuen album. das publikum schreit lauter bei den alten sachen, mir gefallen die neuen besser. die alten stücke gehen mehr in richtung james brown, sind weniger melodisch und kruder während die neuen für meine begriffe fast alle ohrwürmer sind, die nach klassischem soul original aus den 70ern klingen. musik, die irgendwie in einem zeitloch festsaß und erst jetzt 40 jahre später wieder hervorgekommen ist. er singt diese lieder auch ganz anders, mit einer sehr viel ruhigeren, souligeren stimme, nicht so animalisch shoutend eher mit einer spirituellen intensität. er ist ein vollblutentertainer, der gerne das publikum ins konzert einbezieht, er sagt geschätzte zwanzig mal, dass er uns liebt, will uns dauernd zum armeschwenken animieren – was auch klappt obwohl mich das entfernt an einen gruß erinnert, den ich in deutschland eigentlich nicht mehr sehen will und lässt die menge als echogeber ins mikrofon grölen. das konzert ist nach ein paar zugaben gegen elf zu ende, für sein fortgeschrittenes alter hat lee fields gut durchgehalten. auf dem rückweg in der u1 wieder eine seltsame begegnung. am u-bahnhof kurfürstenstraße steigt ein junges mädchen – offensichtlich eine prostituierte – mit ihrem zuhälter ein. er redet auf sie ein in einer mir sehr fremden sprache, wahrscheinlich albanisch. sie sagt nix und sitzt einfach nur da. außerdem steigen dort noch zwei alte griechen in den siebzigern ein, die ausgiebig miteinander reden. eine seltsame stimmung macht sich breit. bin froh als alle ausgestiegen sind.

soul, anyone?

März 21, 2012

Lee Fields, von dem ich das erste mal letzten Freitag im Soundcheck auf radioeins gehört habe – wo sie auch eine Menge Mist vorstellen – ist morgen in Berlin und spielt im Lido in Kreuzberg. Eigentlich war Soul & Funk ja nie so meine Musik in den Siebzigern, heute weiß ich eigentlich gar nicht mehr warum. Zu soft? Zu warm? Zu kitschig? I don’t know. Inzwischen habe ich schon eine Art Faible für einen gewissen Soul entwickelt, Funk auch aber weniger. Ich denke da an Curtis Mayfield und Gil Scott-Heron, eher eine urbane Variante von Soul. Marvin Gaye mag ich irgendwie auch, aber was ich so von der neuen Platte von Lee Fields gehört habe, hat mich fast noch mehr umgehauen. Man fühlt sich wie mit einer Zeitmaschine zurückversetzt in die frühen Siebziger. Kein Wunder, Lee Fields hat Ende der Sechziger angefangen und er hat eine Soulstimme wie sie im Buche steht. Irgendwie weich und von innen kommend, da singt jemand seine Seele aus seinem Leib. Ich werde da sein, hat jemand Lust mitzukommen? Kostet so um die 25 uros.

Timm Kruse: 40 Tage Fasten

März 17, 2012

Nachdem ich ja vorletzte Woche selber fünf Tage gefastet habe und zufällig von diesem Buch gehört hatte, musste ich es mir natürlich sofort besorgen und habe es in kürzester Zeit verschlungen. Es ist sehr einfach zu lesen, mich hat allerdings die Geschwätzigkeit irritiert. Der Autor ist freier TV-Redakteur beim NDR und arbeitete z.T. auch während der Fastenperiode weiter. Gerade bei einem Buch über das Fasten, das für Konzentration und Einkehr bei sich selbst steht, hat es mich verwundert, dass einerseits soviel banale „Erkenntnisse“ ausgebreitet werden, z.B. der doch sehr abgedroschene Gedanke, wie gut es uns doch in der Wohlstandsgesellschaft geht, und dass andererseits bestimmt die Hälfte des Buches aus im Internet aufgelesenen Informationen besteht. Besonders hanebüchen war da die Sache mit der Lichtnahrung: angeblich kann man nach einer Woche Fasten und Dursten (für eine Weile?) nur noch von Licht leben. Esoterischer Humbug. Mitgenommen habe ich aus dem Buch u.a. dass das Schlafen wohl immer schwieriger wird je länger man fastet, ähnliches hatte ich ja auch selber bei meinem Kurzfasten schon bemerkt. Der Autor kämpft hier besonders mit seiner Blase, da er abends viel trinkt, muss er nachts oft mehrmals aufs Klo. Nicht überraschend fand ich, dass sich im Laufe der langen Fastenzeit der Körper immer mehr runterregelt (Puls geht runter, Blutdruck dito, man friert, man wird langsamer in den Bewegungen) in eine Art Winterschlafmodus. Auch die Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Eindrücken – sehr schön als eine erhöhte Durchlässigkeit des Körpers gegenüber der Umwelt gedeutet – und der Hang, sich auf sich selbst zurückziehen, der parallel läuft zu einer gewissen sozialen Inkompatibilität bzw. Unausstehlichkeit waren mir nicht ganz neu. Angeblich soll die Lust auf Sex nachlassen, das halte ich für eine individuelle Eigenheit des Autoren und kann ich aus meiner im Verhältnis sehr kurzen Fastenzeit nicht bestätigen. Dass die Verdauung nahezu bis zum Ende der 40 Tage aktiv ist und Einläufe daher an der Tagesordnung bleiben, war mir vorher noch nicht bekannt. Man hat am Ende des Buchs allerdings ein bisschen das Gefühl, dass es dem Autor mehr darum geht, sich selbst zu beweisen, dass er 40 Tage ohne Essen durchhalten kann als diese Aktion dafür zu nutzen, wirklich neue Erkenntnisse über sich selbst bzw. eine tiefere Selbsterfahrung zu machen. Hierzu passt auch, dass er nach Ende seiner Fastenzeit seinen Job hinwirft, nach Indien reist und einem Guru auf seiner Weltreise zu seinen Anhängern als Assistent folgt. Der Mann ist vierzig, aber scheint noch einen großen Bedarf nach Abenteuer und Flucht vor der Realität zu haben. Das lässt ihn eher als sprunghaften Teenager erscheinen denn als reifen Mann. Er erinnert mich auch in seiner Naivität an mich selbst vor dreißig Jahren. Neben der Gurugeschichte, von der er auch völlig überdreht in Elstners „Menschen der Woche“ erzählt hat, denke ich da an seine Bettelgeschichte, er sagt zwar nicht warum er einmal bettelt, aber ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass er sich auch hier austesten wollte, ob er den eigenen Stolz soweit überwinden kann, sich soweit erniedrigen kann, dass er andere anschnorrt. Eine andere Banalität, die er nicht müde wird dauernd zu wiederholen, ist dass wir alle riesige Egoisten sind. Aber muss man, um das zu realisieren wirklich 40 Tage fasten?

Zwei Sterne.

Fasteneinstieg zu Zeiten Jesu

März 14, 2012

Darum sucht einen großen Rankkürbis mit einer Ranke von der Länge eines Mannes; nehmt sein Mark aus und füllt ihn mit Wasser des Flusses, das die Sonne erwärmte. Hängt ihn an den Ast eines Baumes und kniet auf den Boden vor dem Engel des Wassers und führt das Ende der Ranke in euer Hinterteil ein, damit das Wasser durch alle eure Eingeweide fließen kann. Lasst das Wasser dann aus eurem Körper fließen, damit es aus dem Inneren alle unreinen und stinkenden Stoffe des Satans wegspült. Und ihr werdet […] mit eurer Nase all die Abscheulichkeiten und Unreinheiten riechen, die den Tempel eures Körpers beschmutzen, und sogar all die Sünden, die in eurem Körper wohnen und euch mit allen möglichen Leiden foltern.

Schriften der Essener

Changes

März 12, 2012

Hat das Fasten irgendetwas in mir verändert bzw. angestoßen? Ja, ich glaub schon und zwar

1. Habe ich 5-6 Pfund verloren und fühle mich leichter. Ich bewege mich übrigens jetzt am oberen Rand des Normalgewichts nach BMI.
2. Esse ich bewusster, kaue ich langsamer, genieße ich das Essen länger und mehr.
3. Werde ich viel schneller pappsatt als vor dem Fasten.
4. Möchte ich (mehr) kochen.
5. Ekle ich mich gerade vor Fleisch.
6. Denke ich ernsthaft darüber nach, vor dem Essen zu beten.
7. Bin ich etwas gelassener geworden und nicht mehr ganz so gereizt wie vorher, scheint mir.
8. Möchte ich bald wieder fasten.
9. Möchte ich beim nächsten Mal ein richtiges Tagebuch schreiben.
10. Möchte ich Fasten und Wandern kombinieren.
11. Möchte ich gemeinsam mit C. fasten.
12. Habe ich als Extremzukunftsprojekt sogar 40 Tage Fasten vor Augen (Moses, Buddha & Jesus können nicht irren), das Buch von einem, der es gemacht hat, habe ich mir schon gekauft.
13. Habe ich seit über eine Woche keinen Kaffee getrunken und habe auch jetzt keine Lust darauf.
14. Habe ich seit über einer Woche nicht mehr ferngesehen und vermisse es auch nicht.

Essenspause

März 10, 2012

Letzte Woche habe ich es endlich einmal geschafft, länger als zwei Tage ohne Aufnahme fester Nahrung durchzuhalten. Ich hatte es in der Vergangenheit schon diverse Male probiert, war aber immer relativ schnell schwach geworden und hatte dann auch noch den Fehler gemacht, mir anschließend den Magen voll zu schlagen. Der Ausstieg ist so ziemlich das wichtigste beim Fasten, die Verdauungsorgane sollten langsam wieder ihre Arbeit aufnehmen; heute habe ich das Fasten mit einem Apfel gebrochen, als zweites Frühstück eine Banane ganz langsam zerkaut und mir heute Mittag ein Gemüsegericht auf Brokkolibasis gekocht.

Fünf Tage nichts zu essen war einfacher als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Immer wenn ich Hunger hatte, habe ich einfach etwas getrunken. Am Tag so um die fünf Liter, davon 3 l Kräutertee und 1 l Wasser. Mittags und abends gab es als Hauptspeise Gemüsesaft bzw. -brühe, der Nachttisch bestand aus einem Obstsaft, den ich mir genüsslich auf der Zunge zergehen ließ. Buchingerfasten also, das Buch, das mich begleitet hat, war Fasten von Hellmut Lützner. So – als Hungerkünstler – hätte ich eigentlich weitermachen können, heute morgen verspürte ich keinerlei Lust auf feste Kost, man kann sich wirklich daran gewöhnen mal eine Weile nichts außer Flüssigkeiten oral zu konsumieren. Ein Ergebnis war der Verlust von sieben Pfunden, wobei das Gewicht die letzten beiden Tage laut Körperfettwaage angeblich unverändert geblieben ist. Die Gewichtsabnahme war allerdings nicht der Grund für die Abstinenz.

Mir ging es eher um ein Abschalten, ein zu mir kommen, eine Periode des Nachdenkens über mich selbst und meinen Weg, den ich gehe. Das ist nicht so richtig gelungen, der Haupteffekt des Fastens war gerade nicht eine Beruhigung, sondern eher eine Aufputschung. Dadurch, dass meine Gedärme für fünf Tage still standen, fühlte ich mich selbst sehr aufgekratzt und hibbelig. Hierzu passt die Beobachtung der den ganzen Tag wiederkäuenden Kühe, deren ausgefeiltes Verdauungssystem ja wohl auch eher beruhigend wirkt. Der Schlaf war eher kurz, ich kam morgens meist deswegen nicht raus weil ich die Wärme nicht gegen die Kälte tauschen wollte, ich hatte übrigens Urlaub genommen, was das Projekt enorm erleichtert hat. Im Arbeitsstress bei dauernd klingelndem Telefon mit Leuten, die etwas von mir wollen, hätte ich wahrscheinlich sehr bald dem Essenstrieb nachgegeben.

Der Körper kennt zwei Energieprogramme. Zum einen das normale, in dem ihm Nahrung zugeführt wird, die er dann in Magen und Darm verarbeitet und in Energie umwandelt, die er für seinen Betrieb benötigt. Bei diesem Programm gehen allein 30% der Energie für die Verdauung drauf, ein Wirkungsgrad, der übrigens gar nicht so übel ist. Zum andern gibt es das Fastenprogramm, in dem die Verdauung ruht und die Energie aus den körpereigenen Reserven – der eigenen Speisekammer – bezogen wird. Alle überflüssigen und giftigen Stoffe im Körper werden in diesem Modus abgebaut. Man muss nur den Schalter zwischen den zwei Programmen umschalten, was am besten durch eine Reinigung der Gedärme eingeleitet wird.

Eine kleine Herausforderung war der Einstieg am Montag. Bei früheren Versuchen hatte ich es mit Glaubersalz versucht, das ist zwar sehr effektiv, aber dadurch wird auch die Innenflora, wie ich sie jetzt mal umschreiben will, vollständig wegschwemmt. Bei mir hat es anschließend immer mindestens eine Woche gedauert bis sich alles wieder intern normalisiert hatte. Nein, dieses Mal habe ich eine auch in dem o.g. Buch als sanfter empfohlene Methode probiert: den Einlauf. Ein entsprechendes Gerät habe ich in der Apotheke für 10 Euro erworben, es besteht aus einem Wassersack, den man z.B. an der Türklinke befestigt, einem daran hängenden Schlauch sowie einem Plastikrohr. Ich glaube, ich brauche das Vorgehen nicht im Detail zu beschreiben, es ist nicht die schönste Erfahrung, es gibt aber auch schlimmere. Auf jeden Fall ist auch dieses Verfahren sehr effektiv, es dauert gerade mal eine Minute bis zur ebenfalls explosiven Entleerung.

Während der Fastentage bin ich relativ viel spazieren gegangen, der Körper will sich einfach bewegen, es ist ein bisschen wie ein zur Ruhe kommen im Gehen. Man fühlt sich auch leichter und beschwingter im Fastenmodus, was ja auch einleuchtend ist. Ich bin allein zweimal von Wilmersdorf in die Nähe des Alexanderplatzes gegangen. Wichtig bei längeren Promenaden war auf jeden Fall, sich Zeit zu nehmen, also auch mal ein Päuschen zu machen, bei dem man sein Wasserfläschchen getrunken hat. Nächstes Mal möchte ich unbedingt Fasten und Wandern noch besser kombinieren, ich denke an Langstreckenwandern, z.B. Jakobsweg von Berlin nach Tangermünde mit 20 Km-Etappen.

Was habe ich sonst so während der fünf Tage gemacht? Ich bin sie eher ruhig angegangen. Habe viel gelesen, viel Musik gehört, war im Kino, wo ich nachmittags in einer Vorstellung, in der ich mit Abstand der jüngste war, The Artist gesehen habe, einen Zombiefilm, in dem die Stummfilmzeit perfekt nachgebildet wird, der aber völlig hohl und leer erscheint, ein symptomatischer Film für unsere Zeit, in der die Nachempfindung vergangener Epochen egal ob in Kunst, Musik oder Film der Hauptzeitvertreib des Mainstreams in den schönen Künsten geworden zu sein scheint. Gegen Ende der Woche habe ich dann endlich unter dem Druck der mir davonlaufenden Zeit etwas mit dem Aufräumen begonnen. Ich habe übrigens überhaupt nicht ferngesehen, hingegen habe ich natürlich jede Menge Zeit im Internet vor dem Monitor des Netbooks verbracht. Sportlich habe ich neben den Spaziergängen ein bisschen mit den Hanteln gearbeitet, etwas jongliert und einmal habe ich mich sogar auf das Ergometer gesetzt, trotz im Verhältnis zum normalen Programm deutlich reduzierter Maximalleistung von 275 Watt, habe ich allerdings nach knapp 20 Minuten abgebrochen, die Atmung war etwas kurz und unregelmäßig, aber der Grund für die Aufgabe lag vor allem im Kopf, ich verspürte keinerlei Lust auf den Kampf mit dem inneren Schweinehund.

Gerüche waren während der Fastenperiode besonders penetrant, das war neben der Aufgedrehtheit und generellen Überempfindlichkeit ein weiterer Grund, wieso ich kaum unter Leute wollte. Zum einen natürlich Essensdüfte, die auch das Wasser eines Fastenden im Munde zusammenlaufen lassen. Am schlimmsten waren allerdings ganz klar die Parfüme und Deos. Die Attacke auf meinen Geruchssinn Kulminierte in der Volksbühne am Donnerstag Abend beim Tindersticks-Konzert. Was da einige Damen aufgetragen hatten, das ging auf keine Hundenase. Wobei ich gerechterweise sagen muss, dass ein Fastender jetzt auch nicht immer nach Rosenwasser riecht, vor allem nicht aus dem Mund, aber lassen wir das jetzt.

Was habe ich im einzelnen zu mir genommen? Da waren neben dem Mineralwasser – ich hatte medium, still war eigentlich empfohlen – natürlich zum einen verschiedene Teesorten, anfangs habe ich mir morgens schwarzen Tee geleistet, das aber bald aufgegeben, als ich gemerkt habe, dass die aufputschende Wirkung noch stärker war als sonst schon. Als Kräutertee habe ich häufig Minze getrunken, auch leicht belebend, gleichzeitig gut für den Atem. Andere Kräutertees waren eher beruhigend wie Rooibos, Zitronengras (gerne mit Minze oder Johanniskraut gemischt) und Süßholz. Ich habe auch oft frischen, in Scheiben geschnittenen Ingwer hinzugetan, dessen reinigende Wirkung sich in der Schärfe manifestierte, die er auf dem Boden der Teekanne entwickelte. Außerdem hatte ich noch einen sehr aromatischen, erfrischenden Früchtetee, der vor allem aus roten Früchten wie Erd- und Himbeeren bestand. Die klare Gemüsebrühe, die ich die ersten Tage in Niederhöchstadt gegessen habe, hatte C gekocht. Sie basierte auf Karotten, Stangensellerie, Tomaten, Porree, Kartoffeln, Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Chili, Thymian und Salz. Die Gemüsesäfte, die ich probiert habe, waren ein gemischter Saft (im Grunde mein Lieblingsgemüsesaft), ein Tomatensaft (auch gut), sowie ein Karottensaft und ein Sauerkrautsaft, die ich beide allein nicht trinken konnte, der eine war zu süß, der andere zu sauer. Aber in der Kombination waren sie genießbar. Schlussendlich noch die Obstsäfte, die ich meist als Nachtisch trank. Sehr lecker war der trübe Apfelsaft von einer lokalen Apfelkelterei, die Süße konnte ich in kleinen Zügen genießen. Außerdem habe ich eine leckere Mischung aus Wasser und Johannisbeersaft zu mir genommen. Morgens trank ich meist mein Gläschen Orangen- bzw. Grapefruitsaft.

Tindersticks @ Volksbühne, Berlin, 8.3.2012

März 9, 2012

Auf dem Weg zur Volksbühne, den ich zu Fuß zurücklege, laufe ich südlich am Tiergarten vorbei. Da höre ich trotz Ohrhörern ein seltsames Geräusch im Hintergrund, es hört sich wie ein hohes, durchdringendes Rauschen an, es sind Vuvuzelas, die unseren Kurzpräsidenten standesgemäß aus dem Bellevue verabschieden. Er hat sie sich wohlverdient. In der Volksbühne ist es tatsächlich ziemlich rappelvoll, hatte mich etwas gewundert, dass die Tindersticks zweimal hintereinander den Laden vollmachen, und dann auch noch bei salzigen Preisen um die 40 Euro. Ich zähle durch und komme auf ca. 500 Sitzplätze, weniger als ich gedacht hatte. Ich habe die Tindersticks vor knapp 20 Jahren schon einmal in Nancy gesehen, da war ich mit meinem italienischen Freund A und seinem besten Kumpel O, der sich bei dem Konzert fürchterlich gelangweilt hat, da er eher der Headbangerfraktion angehörte. Ca. eine halbe Stunde nach der pünktlich um acht anfangenden französischen One Man Band, die ihre Sache gar nicht so übel macht obwohl a. die meiste Musik aus der Retorte als kurz vorher live aufgenommer Loop über die Anlage kommt (s. 3. Kommentar) und b. ich fast weggepennt wäre weil es nicht sehr abwechslungsreich ist, was er da an Percussion, Gitarre und Gesang fabriziert, kommt der inzwischen ergraute, etwas tapsige Stuart Staples mit seiner Band auf die Bühne. Sie starten mit einem Lied von der ersten – und mir immer noch liebsten – Platte, ich glaube es heißt Blood. Diese sonore Baritonstimme steht immer noch für Late Night Gänsehautatmosphäre, hört sich kitschig an, muss manchmal sein. Die Band ist meist zu sechst, außerdem ein Gitarrist, ein Bassist, ein Drummer, ein Keyboarder und ein Saxofonist, der auch manchmal an dem 2. Keyboard spielt. Staples spielt gelegentlich auch Gitarre, ich höre sie allerdings kaum raus. Der Leadgitarrist spielt ein Instrument mit einem riesigen Hohlkörper und arbeitet mit diversen Hall- und Kratzeffekten, ein sehr guter Mann. Der Bassist ist auch nicht so leicht zu hören, obwohl sein E-Bass ziemlich laut ist und sehr schön swingt. Der Drummer kommt mir anfangs sehr mechanisch in seinem Spiel vor, fast wie eine drum machine aber im Laufe des Abends trommelt er variationsreicher. Der Keyboarder sorgt natürlich für den nötigen Groove, der Northern Soul lässt grüßen. Er spricht auch das überlange Chocolate: der Opener des exzellenten neuen Albums mit der überraschenden Wendung in den Lyrics. Das Stück besteht aus zwei Teilen, im ersten wird ein wildes, freejazziges Crescendo aufgebaut, das langsam ausklingt. An der Stelle klatscht das Publikum, die Band nimmt es locker. Höhepunkt des Abends ist zweifelsohne Frozen, auch vom neuen Album. Auch dieses Stück schwillt an, der Gesang und die Leadgitarre hallen sehr stark, der Gitarrist streicht sehr schnell über die Saiten was eine Art peitschendes Schnarren erzeugt, einen interessanten Effekt, den ich so noch nie gehört habe. Der Song wird sehr intensiv, nahezu ekstatisch mit einem Stuart Staples, der die Silben verschluckt „I want to hold you“ zigmal wiederholt, sehr eindrucksvoll. Zur Zugabe lassen sie die Zuschauer sich mehrere Minuten die Hände wundklatschen. Dann kommt zuerst die exzellente Ballade If She’s Torn von den vierten Album Simple Pleasure, die sich wohl auch jemand lautstark gewünscht hatte, der angeblich nur wegen diesem Lied gekommen war. Dann kommt noch ein rockiges Stück, das okay war, aber im Tinderstickkosmos wie ein schwarzes Loch dasteht, ein Fremdkörper in ihrem Oeuvre. Zuletzt noch ein ruhiges Ständchen mit glockenspieligem Keyboard und Gesang. Gerade mal 90 Minuten. So sind sie halt die Engländer. Ausdauer ist ihre Stärke nicht.

Low im Lido, Berlin, 30.5.2011

März 5, 2012

Hier ein paar Sätze, die ich zu meinem letztjährigen Lieblingskonzert notiert hatte:

Gehe dann ins Lowkonzert im Lido (U-Bahn Schlesisches Tor). Am Anfang ist es sehr leer, der Saal füllt sich langsam. Die Vorgruppe ist irgendwo in Indien hängengeblieben, daher fängt Low schon so gegen 10 Uhr an. Es ist sehr warm, mir rinnen Schweißbäche die Wangen runter. Low sind zu viert, außer Alan, Mimi und dem Bassisten noch ein zotteliger Keyboarder mit trendiger Sonnenbrille. Sie schaffen es sofort wieder diese spirituelle Stimmung zu erzeugen. Mich wundert allerdings, dass das Publikum sich fast gar nicht bewegt. Ich komme mir vor als wäre ich der einzige, der auf der Stelle und mit dem Kopf tanzt. In einem Lied singen sie vom Retten der Welt – „to save the world“ – und ich möchte immer hören “to say the word”. Als würde es ausreichen mit einem Wort, die Welt zu retten, ein magisches Wort und alles wird gut. Irgendwann fragt jemand, ob wir uns was wünschen dürfen – wie putzig diese Höflichkeit und ehrfürchtige Zurückhaltung des Publikums – ich rufe Transmission aber Alan hört es nicht. Das Mädchen vor mir dreht sich nach mir um, im Grunde habe ich es nur wegen ihr gerufen. Ich habe mich unsterblich in sie verliebt, sie ist mittelgroß. Sie ist der Jean Seberg-Typ, kurze Haare, Haare irgendwie blond, aber nicht zu blond.

tindersticks – the something rain

Februar 29, 2012

das album des monats, eine band, die ich ganz am anfang, ich glaube es war 1993, heiß und innig geliebt habe – allein schon dieses tolle cover mit der tänzerin im roten ballkleid – und nach drei alben aus den augen verloren habe. sie haben sich nach dem wahnsinnsdebüt, das die achtzig cd-minuten fast vollständig auf eine perfekte weise – da war keine sekunde zu viel – ausgenutzt hat, fast nur noch wiederholt, stuart staples hat seine rauchige whiskystimme zu streichern und getragenen nachtballaden erklingen lassen. jetzt sind sie wieder da, seine stimme nicht mehr ganz so versoffen, die musik luftiger und rhythmischer und minimalistischer. nicht so viel arrangement, mehr coolness. das lässigere, jazzigere element kommt auch durch das saxophon, dass die geigen ersetzt hat. der titel macht mich etwas perplex, hört sich nicht sehr muttersprachlich an. egal, hauptsache die musik sitzt.

p.s. sehe gerade, dass sie nächste woche mittwoch und donnerstag in der volksbühne spielen. ob sie die wirklich gleich zweimal hintereinander vollmachen? ich glaube, ich gehe am donnerstag, hat wer lust mitzukommen? nicht die größte liveband der erde, dafür ist die musik etwas zu langsam, aber irgendwie habe ich jetzt mal wieder lust auf die.

I Love Music Album Poll 2011

Februar 3, 2012

ILM 2011 poll

Advice for smokers

Januar 31, 2012

Don’t stop smoking if you want to continue telling everyone including yourself that if you wanted you could easily stop but as it would be so piss-easy, you see no point in pulling the plug.

Eulen nach Athen tragen

Januar 24, 2012

Es ist also möglich, die Worte als Hinweis auf die unsinnige Tätigkeit zu deuten, Weisheit in die Stadt zu bringen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er sich auf die Münzen bezog, auf denen das Tier prangte. Aristophanes bezeichnete es als überflüssig, ins reiche Athen Silbermünzen (mit der Eule) zu schicken. In Vers 1106 schreibt er dazu etwa: „An Eulen wird es nie mangeln.“ (q)

Filme, die ich evtl. sehen möchte

Januar 17, 2012
  • Melancholia (OmU) ‎2Std 16Min‎‎ (Rollberg Kinos 21h15)
  • Der atmende Gott – Eine Reise zum Ursprung des modernen Yoga ‎1Std 44Min (Rollberg Kinos 19h)
  • Ziemlich beste Freunde (OmU) 1h52Min (Cinema Paris 18h)
  • William S. Burroughs – A Man Within (OmU) 1h31Min (Central 18h)

The Walkabouts – Every River Will Burn

Januar 16, 2012


Gestern im fast halbleeren Flieger habe ich mir eine alte Humeur Vagabonde-Sendung zum 100. Geburtstag von Lévi-Strauss angehört. Da ging es auch darum, dass er wohl der Ansicht war, dass das Problem der Menschheit ein Zuviel und nicht ein Zuwenig an Kommunikation ist, dass der – inzwischen geradezu beängstigend rasant zunehmende – Informationsaustausch eine Gefahr darstellt weil er, so interpretier ich das jetzt mal, die Vielfalt und zwar insbesondere die Vielfalt der verschiedenen Lebensformen der Völker, durch Einebnung der Unterschiede und eines Setzens einer universalen Kultur bzw. Unkultur vollständig zerstört. Lévi-Strauss hat immer versucht, der modernen, gleichförmigen Welt aus dem Weg zu gehen. So ist er bei den Indianern in Brasilien gelandet, die abgeschottet von der Zivilisation ihre eigene Kultur entwickelt hatten. Man könnte meinen, dass die heutigen Onlinemedien bzw. die zum Abklatsch von ihnen gewordenen Zeitungen diese Kritik bestätigen. Aber eigentlich ist es ja wohl eher so, dass wir den Höhepunkt an Information schon lange überschritten haben. Die Information nimmt quantitativ zwar weiter deutlich zu, qualitativ nähert sie sich allerdings asymptotisch der x-Achse. Wir werden nur noch zugemüllt mit immer wieder neu recyceltem Infoschrott, wirklich wichtige Nachrichten gehen völlig unter, es gibt fast nur noch Simulationen von Nachrichten. Hype bestimmt die Medienwelt. Heutzutage kann eine völlig nichtssagende Person, sozusagen die Inkarnation des Langweilers die Nachrichtenkanäle wochenlang verstopfen. Wieso ich das jetzt schreibe, weiß ich jetzt auch nicht mehr, irgendwie muss ich jetzt zur Musik überleiten. Die Walkabouts aus Seattle gibt es seit dem Orwelljahr 1984 und sie lassen sich Zeit mit ihren Alben. Das letzte kam, glaube ich vor 5 Jahren raus, das neueste ist bei Glitterhouse erschienen und heißt Travels in the Dustland. Es ist ein Songzyklus über ein Amerika abseits des American Way of Life, eines urtümlichen, aber auch schroffen und spröden Landes. Das obige Lied hat diesen fast schon wahnsinnigmachenden schleppenden Rhythmus drauf, bei dem ich eine erbarmunglos auf die Wüste herabbrennende Sonne assoziiere. Es erzeugt so ein schläfriges Gefühl der Unbewusstheit, man meint, man torkelt einer auditiven Fata Morgana in Form der betörenden Stimme von Carla Torgerson entgegen. I love it.

Max Prosa – Visionen von Marie

Januar 15, 2012


Ein schöner Aspekt von Popmusik ist ja, dass man als langjähriger Hörer, der zwangsläufig auch älter wird, immer wieder mit neuen Generationen von Musikern konfrontiert wird. Dass das Hören von Musik von Leuten, die im Vergleich zu einem selbst immer jünger werden, einem irgendwie auch seine eigene Jugend wieder zurückgibt und zwar praktischerweise ohne, dass man ihre Verwirrungen neu durchleben muss. Man lässt sich so gerne von Musik davon überreden, dass man ja eigentlich im tiefsten Herzen immer noch der naive, romantische und gefühlsduselige Typ ist, der man meinte vor 25 Jahren gewesen zu sein. Max Prosa aus Charlottenburg, der hier – wahrscheinlich im Grunewald – mit seiner Band eine sachte, zarte Ballade spielt, hat mich heute genau an diesem nostalgisch-sentimentalen Punkt berührt, und dafür möchte ich ihm danken.

Quicksilver Messenger Service – Mona

Januar 8, 2012


Quicksilver Messenger Service waren in der zweiten Hälfte der Sechziger so ziemlich die abgefahrenste Gitarrenband an der Westküste. In San Francisco machten ihnen zwei andere Acidrockcombos Konkurrenz, die beide kommerziell erfolgreicher und bekannter waren, Jefferson Airplane und Grateful Dead. Live liefen QMS oft zu Hochform auf, die Doors waren eine ihrer Vorgruppen. Hier sieht man den relativ früh verstorbenen Leadgitarristen John Cipollina einen eigenen Tanz mit viel Gesäßeinsatz vollführen. Musikalisch handelt es sich hier wie häufiger bei QMS um ein Bo Diddley-Cover. Beinharter Bluesrock mit einem Schuss LSD. Ein phantastischer Tremolo-Gitarrensound. 1969, das waren noch Zeiten.

A perfect day (for a funeral)?

Dezember 3, 2011

Gestern war die Beerdigung meines Patenonkels, ich habe es schon erwähnt. Morgens fuhr ich mit der U2 und dann ab Turmstraße mit dem TXL-Bus zum Flughafen Tegel. Kurz vor dem Flughafen gucke ich auf die Uhr und es fällt mir auf, dass ich einen Denkfehler gemacht habe. Es ist 9h30. Nicht der Abflug von Tegel ist 10h10, nein die Ankunft in Frankfurt ist zu dieser Uhrzeit. Mit anderen Worten, ich haben meinen Flieger verpasst, der Abflug war um 8h55. Im Flughafen organisiere ich noch in letzter Sekunde – die Dame am Ticketschalter muss sich noch am Gate erkundigen, ob sie mich noch akzeptieren, da der Ticketverkauf eine halbe Stunde vor der Abflugzeit eigentlich geschlossen wird – ein Ticket mit dem nächsten Flugzeug, das wirklich um 10h10 abfliegt. Es ist von der anderen Airline. Den Preis erwähne ich jetzt mal nicht, ich glaube die Stunde, die ich mir morgens zusätzlich genommen habe, war eine der teuersten Stunden meines Lebens. Von jetzt an verzögern sich noch so einige Sachen, in Frankfurt-Zentrum bin ich erst kurz vor halb eins. Wir können es nicht schaffen bis um 1 nach Oberissigheim. Im Ort natürlich im Umkreis der Kirche kein Parkplatz, wir sind kurz vor Viertel nach eins dort, die Leute stehen im Regen vor der Kirche, die Kirche ist voll. Wir spannen die Regenschirme auf und hören Musik. Ich weiß wer da spielt, meine beiden Vettern, der eine die Geige, der andere die Orgel. Ich kann mir denken was, ich kenne die Musik, weiß es aber nicht genau. Ja es ist natürlich Bach, der erste Satz des Violinkonzerts a-Moll. Wie da an diesem trüben, regnerischen Dezembertag die Geige aus der Kirche nach draußen schallt, wo wir uns die Füße abfrieren, da frage ich mich, wie es möglich ist, dass mein Cousin diese überirdisch schöne Melodie auf der Geige spielen kann, ohne zu weinen. Vielleicht weint er ja, ich sehe ihn nicht, aber ich glaube es nicht. Ich hingegen stemme mich gegen die Tränenflut, die sich da Bahn brechen will, ich kann so gerade eben widerstehen, als die anderen nach der Predigt aus der Kirche kommen, muss ich mich auch nochmal zusammenreißen, mein Vater will mich ansprechen, lässt es aber dann, ein Wort hätte das Fass bei mir zum Überlaufen gebracht, ich glaube er hat es gemerkt. Die Trauergemeinde strömt zum Dorffriedhof, der sich ganz langsam füllt, es dauert bestimmt eine Viertelstunde bis alle da sind und der Pfarrer weitermachen kann. Es sind so um die 400 Leute, so viele Menschen habe ich bei einem Begräbnis noch nie erlebt. Da sind die Jagdhornbläser, die Johanniter, die Vereinskameraden, die Leute aus dem Dorf, die Freunde, die Familie etc. In dem Moment wo sein Sarg ins Grab hinabgelassen wird, intonieren die Jagdhörner noch einen letzten Tusch, wieder kämpfe ich mit den Tränen, wie unglaublich stark ein paar Töne in diesen Umständen wirken können, die wohlgewählten Worte des sehr jungen Pfarrers, der seine Sache sehr gut macht, haben eher eine beruhigende Wirkung.

Die Einschläge…

Dezember 1, 2011


Vor einer Woche ist mein Patenonkel gestorben, morgen ist die Beerdigung. Ich stand ihm nicht sehr nahe, heute frage ich mich warum, er gehörte einer Generation an, die noch die Kriegs- und Nachkriegszeit mit Haut und Haaren erlebt hat, aber ich glaube nicht, dass das der Grund war, warum wir eigentlich fast immer nur eher oberflächlich und smalltalkartig miteinander kommunizierten. Er lebte in einer völlig anderen Welt, auf einem Reiterhof mit vielen Pferden, in einem kleinen Dorf, wo jeder sich kennt. Eine Besonderheit an ihm war, dass er eine Art Patriarch war, also etwas was es heute in Deutschland kaum noch gibt, alle nannten ihn Papus. Als junger Teenager war ich in der Mitte der Siebziger mehrmals in den Ferien auf dem Hof reiten, da ich sein Patenkind war, mussten wir nichts bezahlen. Das Reiten war nicht so mein Ding, ich glaube mir tat schnell der Rücken weh, insbesondere beim Trab, Galoppieren war natürlich ein wildes Gefühl des über die Erde Fliegens. Während der Ferien dort habe ich hauptsächlich Tischtennis gespielt und wir haben Lieder gesungen, die ich nirgendwo anders je gehört habe (z.B. Lager-Boogie). Am Besten erinnere ich mich aber an die rauschenden Familienfeste, die wir bei E. gefeiert haben, er hat sein Leben in vollen Zügen genossen und hat uns, die recht große Familie, daran teilhaben lassen. Berüchtigt waren seine Reden, wenn er einmal angefangen hatte, fiel es ihm schwer wieder aufzuhören, er drehte häufig rhetorische Pirouetten, er stand gerne im Rampenlicht. Bei diesen Festen, die natürlich meist im Sommer stattfanden, habe ich dann oft bis zur Morgendämmerung beim zigten frisch gezapften Bier mit meinen Vettern und Kusinen über Gott und die Welt gequatscht. A propos Welt. Man sagt ja, dass mit jedem Menschen eine Welt untergeht, bei E. stimmt das auf jeden Fall, mit seinem Tod ist die Welt um ein großes Original ärmer geworden.

Das Lied da oben ist von den beiden Schotten Bill Wells (Piano) und Aidan Moffat (Gesang): Die Totenwache nimmt den Erzähler so mit, dass er sofort in den Pub neben dem Krematorium gehen muss.

P.S. Vor das Feiern hat der liebe G. die Arbeit gesetzt, das ist in dem Posting zu kurz gekommen. Mein Onkel hat vor allem natürlich in der Erntezeit, wenn das Heu auf dem Hänger eingefahren wurde – den Traktor fuhr er meistens selber, wenn ich mich recht erinnere – geschuftet wie ein Berserker, er war ein Typ, der auch sehr wohl in der Lage war, kaum Worte zu machen und einfach nur zuzupacken.

Wilco @ Tempodrom, 12.11.2011

November 14, 2011

Wir waren am Samstag abend in der Nähe des Anhalter Bahnhofs, wo seit ein paar Jahren die Nachbildung des Tempodromzelts aus Beton steht: sie wird auch mit der Kathedrale von Brasília verglichen. Ende der Achtziger habe ich mal das Weltmusikkollektiv Dissidenten im Zelt gesehen, unweit von der Stelle residiert jetzt unsere Bundesangela. Das Tempodrom war mehr oder weniger ausverkauft, es war bestuhlt und ich habe 2700 Sitzplätze gezählt von denen etwa 2500 besetzt waren. Nur ganz innen nahe der Bühne waren die Ränge leer. Wir saßen ziemlich weit unten auf der Tribüne gegenüber der Bühne, recht weit weg aber wir hatten eine sehr gute Sicht. Es ging pünktlich um acht mit der Vorband los, den Namen habe ich vergessen. Sie hörten sich ungefähr so an wie man sich eine amerikanische Coldplay vorstellen würde, die weiche, beliebige Stimme des Sängers war nicht auszuhalten, der Gitarrist machte dick einen auf David Gilmore, die Band war insgesamt gar nicht so übel mit ganz guten instrumentellen Passagen aber die Songs waren untergründig schlecht, nicht Fisch, nicht Fleisch. Nach einer längeren Pause kamen gegen neun Wilco auf die Bühne. Was mich während des ganzen Konzerts faszinierte bzw. irritierte war das permanente Kommen und Gehen von Leuten, die entweder zu spät kamen, gerade mal wieder auf den Topf mussten, eine rauchen gingen oder sich ein bis vier Bierchen besorgten. Man kam sich vor wie mitten in einem Bienenstock. Wilco lieferten eine recht solide zweistündige Show ab, sie machten teilweise gehörig Lärm, der Gitarrenkrach am Ende jeden zweiten Stückes hatte etwas Pubertäres aber er schien den Musikern gut zu tun. Die großen Entdeckung des Abends war für mich der Gitarrist. So physisch habe ich selten einen Rockgitarristen seine Klampfe bearbeiten sehen. Sein Name ist Nels Cline und er hat auch in jeder Menge Avantgarde-Jazzbands gespielt, dass er schon 55 Jahre alt ist, konnte man ihm kaum ansehen. Bei den krachigen Passagen triezte er sein Instrument derartig brutal, dass sich die schnelle Auf- und Abbewegung der rechten Hand, die die Saiten anschlug, auf den Körper übertrug, der sich zeitweise derartig schüttelte, dass man das Gefühl hatte, der gute Mann würde gerade einen Stromschlag bekommen. Des weiteren hatte er zwei riesengroße Momente. Einmal bei dem neuen Lied Black Moon, einer ruhigen, stimmungsvollen Ballade, wo er die lap steel guitar spielt und Töne von einer überirdischen Schönheit erzeugt, die vor allem am Ende sehr stark an den schwebenden, ätherischen Sound eines Theremin erinnern.

Der andere Augenblick, in dem er im Mittelpunkt stand, zog sich einige Minuten hin. Es war sein Gitarrensolo in der Mitte von Impossible Germany, wo seine Gitarre anfangs sehr nach Carlos Santana klingt und er aber dann sein eigenes Ding durchzieht, gleichzeitig sehr virtuos und sehr eingängig. Natürlich war das Solo im Berliner Konzert noch besser und intensiver als in diesem Beispiel, das ich gefunden habe:

Das herausragende Stück des Abends war jedoch Art of Almost, der Opener des neuen Albums The Whole Love, der so klingt als würden Radiohead ein wildes Krautrock-Stück von Can spielen. Eine ganz phantastische Bandperformance, so viel jugendliche Frische und Spielfreude hätte ich dieser alten Americanacombo gar nicht mehr zugetraut.

Retro music & retro post

Oktober 10, 2011


I spent more or less the whole month of July 1979 in the United States very close to New England. It was my first encounter with US American culture and people and it made a big impression on me. The family I lived with had a wooden summer house on the Truesdale Lake in South Salem, New York. The next town was Ridgefield, Connecticut which was maybe 5 miles away and we went there occasionally to have a sundae, an ice-cream with a delicious, very rich chocolate sauce. The family had three sons, one older than me, one younger than me and one my age. Robert already had a driving license and he had a Bug. Nobody said Beetle, of course. Sometimes he drove the family car, a huge American road cruiser, no clue what brand it was. We also went to Bridgeport, Connecticut (and probably Stamford) where there was a university. Anyways this band called the Stepkids is from Bridgeport. The song which they perform live in the video is by far the best on their first album which was released a couple of months ago and which I purchased today. Call it psychedelic funk in the 2010s. The extremely groovy track could have been recorded in the early seventies, I still cannot help thinking that it is a cover but I haven’t found the original yet. It definitely sounds like a an old classic, especially the killer bassline after about half a minute which immediately hooks the listener without ever releasing him again.

P.S. Now I am almost 100% sure that there is a very similar tune by Lansing-Dreiden, another very derivative, eclectic band originally from Miami but now based in New York. I am too lazy now to check the iPod and nail it though.

Kurt Vile – Jesus Fever

September 21, 2011


Zwischen Berlin und dem Rhein-Main-Gebiet pendel ich ungefähr jedes zweite Wochenende entweder mit dem Flieger, der Bahn oder dem Auto. Durch die verschiedenen Verkehrsmittel ergeben sich andere Perspektiven, der erhabene Blick aus dem Flugzeug von oben auf die Stadt, der verhuschte Blick auf die vorüberfliegende Umgebung aus dem ICE, der mit 300 Sachen dahinrast und der nach vorn gerichtete Blick des Autofahrers, der am meisten drin ist in der Landschaft, durch die er hindurchfährt. Wenn ich mit dem Wagen fahre, versuche ich Leute mitzunehmen, die ich übers Internet finde. Zum einen vergeht die Zeit schneller zu zweit, jedenfalls, wenn man ins Gespräch kommt, zum andern kann man so die Treibstoffkosten teilen. Und das ökologische Gewissen beruhigt es auch ein bisschen. Neulich auf dem Weg zurück nach Berlin hatte ich einen jungen Mann aus der Filmbranche dabei, ich glaube er war Cutter oder so was ähnliches und er hatte gerade an einer TV-Produktion zu einem Jazzmusiker (Chet Baker?) mitgearbeitet. Da im Radio nichts Hörenswertes kam, stöpselte ich irgendwann meinen iPod in die Anlage und ließ ihn die Playlist mit den 365 Stücken aus meinem inzwischen abgeschlossenen Internetprojekt a day, a second durchshuffeln. Das hatte ich auch bei vorherigen Fahrten schon getan; es hatte allerdings nie einer der Mitfahrer ein Wort zu der Musik verloren. Dieses Mal war das anders. Es kamen zwei Bemerkungen, zum einen die, dass die Auswahl relativ ausgefallen wäre und, dass ich ja wohl eine ganze Menge verschiedenartiger Musik hören würde. Zum andern die, dass ich offensichtlich ein Faible für Gitarren (und zwar oft akustische) hätte. Das fiel mir dann plötzlich auch auf, geschätzte zwei von drei Stücken wurden von Gitarren dominiert. Womit wir bei Kurt Vile wären. Das obige Lied Jesus Fever habe ich gestern das erste Mal gehört und der warme Gitarrenklang hat bei mir sofort ein wohliges, inneres Gefühl ausgelöst, obwohl die Melodie eher melancholisch ist und langsam gespielt wird, ist unbestreitbar, dass hier ein Gitarrenmagier am Werke ist, der auch noch eine gut abgehangene, leicht hingenuschelte Stimme hat. In seiner Band, den Violators gibt es drei Gitarristen. Vom Äußerlichen erinnert Kurt Vile etwas an J. Masics von Dinosaur Jr., musikalisch setzt er sich von Mascis dadurch ab, dass er weniger laut ist, aber seine fließenden Gitarrenklänge umso mehr im Ohr des Zuhörers haften bleiben.

Über 11 Mio. Songs sind nicht genug

Juli 7, 2011

Ich bin jetzt auch Mitglied bei simfy (Registration mit Benutzername, Passwort und E-Mail reicht) und kann Millionen von Lieder komplett streamen. Brauch also keine CDs mehr kaufen. Dachte ich, stimmt aber nicht. Den ersten Musiker, den ich gesucht habe, James Blake, der vor einem knappen halben Jahr (also einer Ewigkeit in Netzzeit) in aller Munde war, habe ich mit diversen Veröffentlichungen problemlos gefunden. Aber von dem anderen, von dem im Moment alle schwärmen, gab es gar nichts. Das hat mich jetzt noch nicht so überzeugt, das kostenpflichtige Abo mit Smartphonezugriff und ähnlichem Schnickschnack spar ich mir erstmal. Da müsst ihr noch etwas näher an den Zeitgeist rankommen, liebe Leute.

Rheinsteig

Juni 22, 2011

Bin letzte Woche mit W. sechs Tage auf dem Rheinsteig gewandert, von Assmannshausen nach Kamp-Bornhofen. In Kaub haben wir zwei Nächte verbracht. Am ersten Abend kamen wir etwas zu spät, um mit dem Schiffchen zur auf einer Insel im Rhein gelegenen Zollburg Pfalz(grafenstein) überzusetzen. Der Kapitän, der bestimmt zehnmal täglich rüberschippert, meinte auf die Frage von W., was es auf der kleinen Burg zu sehen gäbe, er wisse es nicht, er wäre noch nie da gewesen. Aber er hätte gelegentlich die Leute, die er mitnähme auf ihrer Rückfahrt gefragt wie es denn gewesen wäre. Die hätten zwei Dinge gesagt. Zum einen wäre die Burg sehr schön, zum andern könnte man all das, was man dort sähe nicht in einem Satz beschreiben. Genau so verhielt es sich auch mit unserer Rheinsteigwanderung. Natürlich sind wir am zweiten Nachmittag zur Pfalz übergesetzt. Wobei wir wirklich auf die Minute pünktlich für die letzte Überfahrt waren.
Die Pfalz

Quiz time

Mai 4, 2011

Ein paar Fragen zu diesem Lied für Leute mit Stamina, seine Dauer in Sekunden stellt eine Schnapszahl dar. Es passt in großen Teilen ganz gut zur chilligen Stimmung in der Shisha Lounge heute abend, wo wir eine Kollegin verabschiedet haben.

1) Wie heißt das Lied?
2) Von wem wurde es ursprünglich gespielt?
3) Von wem wird es hier gespielt?
4) Nach welchem bekannten Rocksong, der by the way einer meiner Lieblingssongs ist, klingt dieses Cover am Anfang?

Honey B. & the T-Bones – Rocket to the Moon (live 1987)

Mai 3, 2011


Finnische Bands kannte ich bis jetzt erst zwei. Einmal natürlich die Leningrad Cowboys aus den Kaurismäkifilmen, dann die Indierocker 22 Pistepirkko (22 Marienkäfer). Auch die Gruppe hier ist schräg. Sie spielen in diesem älteren Stück einen ziemlich speedigen, schmutzigen, harten Bluesrock. Insbesondere dem psychedelischen Slidegitarrensound bin ich rettungslos verfallen. Eine Kollegin hat eine Best Of-Kompilation der Combo im Musikprogramm eines Finnairfluges nach China gehört(!). Außerhalb von Suomi scheint sie völlig unbekannt. Kein englischer oder deutscher Wikipediaeintrag, nix in I Love Music, aber eine hauptsächlich finnische Homepage mit ein paar mp3s. Konzerte meist in Helsinki, außerhalb von Skandinavien scheinen sie in den letzten Jahren nicht aufgetreten zu sein.

.

April 15, 2011

ob das wohl eine weise entscheidung war, die nato-außenministerkonferenz im zentrum von berlin stattfinden zu lassen? wieso treffen die sich nicht an irgendeinem verlorenen brandenburgischen see? stattdessen muss die halbe stadt abgeriegelt werden und tausende von polizisten werden mobilisiert. was das kostet, wie das nervt, wie da absolut nix hinten rauskommt.

***
was sucht man auf dem jakobsweg? körperliche genesung? trost? die erleuchtung? gott? die körperliche herausforderung? den partner fürs leben? ich jedenfalls habe dort nur meinen rhythmus, mein tempo, meinen schritt gesucht. und war auch kurz davor, ihn zu finden. aber am ziel, in santiago habe ich ihn dann verloren. da war schluss mit dem kontinuierlichen gehen. da gab es wieder ampeln, die den fluss der bewegung störten. städte sind nix für langstreckenwanderer.

6:05 Maximum Joy – Let It Take You There (1982)

März 24, 2011

A forgotten band from Bristol – long before it became famous for trip-hop – with a funky and vibrant post-punk track. Is there a more adequate way to finish off a project which stayed an insider tip for more than a year from the beginning to the end? Thanks for the comments, especially from here, here and here. Next will be the book of course (Nick Hornby will be put to shame) and then the audio book consisting of four cd-roms with all songs in 192 bit+ mp3 quality plus my avid and erudite comments read by myself. I am still thinking about the film but it will definitely feature all musicians – if still alive – which have been performing the music. There is a lot of organisation involved which will keep me busy for the next twelve months. Merchandise will include cups with implanted chips and loudspeakers, a teddy bear reading the posts and a card game with 365 singing cards. Some more thanks go to Charles Babbage and Tim Berners-Lee for inventing the computer and the internet, the Fraunhofer institute for the mp3 compression algorithm, WordPress for the blogging software and the servers, Google also for its servers, Apple for the iPod, Bose for the ear plugs, all the musicians and composers, my readers and listeners, the evolution for my ears and fingers, my teachers for teaching me how to write in German and English and finally my parents for making me. Did I forget someone?

(The list of all 365 selections since 1st February 2010 is here).

6:04 Yo La Tengo – Nowhere Near (1993)

März 23, 2011

When I see you look at me
I’m not sure of anything
All I know is when you smile
I believe in everything

Ein von Georgia gesungenes Gutenachtlied, das gleichzeitig eine Liebeserklärung für ihren Ira ist. Wer danach keine schönen Träume hat, dem kann ich nun wirklich nicht helfen.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 364 Stücke ist hier.)

6:03 Bark Psychosis – Shapeshifting (2004)

März 22, 2011

All you people make me ill
You’re not really touching me

Just one comforting thought when I left the apartment this morning: At least I am not alone. I have got some good company which does not leave me. Never. My blues.

***

Sorry to Mark Tranmer and Roger Quigley from the Montgolfier Brothers. I could have chosen the simple and melancholic Between Two Points from Seventeen Stars as well. And I could have written more or less the same words. Sad music is so soothing.

(The list of all 363 selections since 1st February 2010 is here).

6:02 Joni Mitchell – Amelia (1976)

März 21, 2011

I was driving across the burning desert
When I spotted six jet planes
Leaving six white vapor trails across the bleak terrain
It was the hexagram of the heavens
it was the strings of my guitar

Dieses Lied und das zugehörige Album hörte ich das erste Mal in der Nähe von München am kleinen, aber feinen Pilsensee. So richtig habe ich nie verstanden, was die Leute an Bob Dylan so toll fanden (er war ok), seine Stimme war ein grässliches, unverständliches Krähenkrächzen, seine Melodien entweder simpel oder nicht vorhanden, seine streberhaften Texte aus der Bibel und diversen anderen Quellen zusammengeklaubt. Diese Art von schlaumeierhafter, geheimbündischer Musik – wie auch die literarische Variante bei James Joyce, Arno Schmidt, Thomas Pynchon et al. – war mir immer zu anstrengend und zu weit hergeholt. Man hatte bei ihr auch immer das Gefühl, dass man dem Autoren seine eigenen Elaborate auslegen musste. Bei Joni war das alles viel einfacher und komplexer. Einfacher weil direkter. Komplexer von der Psychologie her; es ging meist wie auch hier um Beziehungen zu dem anderen Geschlecht. Über Joni und dieses Lied will ich jetzt auch gar nichts mehr schreiben, es hat damals ganz alleine ohne Erklärungen Dritter zu mir gesprochen und es war gut so.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 362 Stücke ist hier.)

6:01 Talk Talk – Tomorrow Started (1984)

März 20, 2011

I’ve said I’m wrong when I’ve been right
I’ve seen times when I’ve been sure but still I find
I’m just the first that you take

Not all of the synthesizer music in the eighties was rubbish. On this song there is a two note motif – which is played first after hundred seconds – so full of yearning and longing that it is impossible not to fall for it if you have a soft spot for romantic feelings. Like a cork-screw it drills deep into my heart. But this is just a tiny part of the gorgeous song. There is also Paul Webb’s cosy, bubbly electric bass and the omnipresent drumming and percussion. Not to forget the trumpet solo and last but not least Mark Hollis singing which is rather restrained and confident here. The marriage of pop music with other genres like jazz, world and classical music has hardly ever been as convincing as on this track.

***

A question for my English readers. Are you actually reading what I write here or does this not reach you at all? For the last couple of weeks I have alternated between German and English but I didn’t get any feedback of English-speaking readers so I wondered if there is a point in continuing the English exercise. Thanks for answering.

(The list of all 361 selections since 1st February 2010 is here).

6:00 Talk Talk – Ascension Day (1991)

März 19, 2011

I’ll burn on judgement day

Heute waren wir in Friedrichshain. Sind aus der U1 Warschauer Straße ausgestiegen über die Bahnbrücke, in die Revaler Straße und dann über das ehemalige Gelände des RAW, wo heute das Astra Kulturhaus ist. Außerdem diverse andere Projekte u.a. eine Skatehalle und ein cooles Café. Die Sonne schien als gäbe es kein Morgen. Dann ging es über die schattige Simon-Dach-Straße an einigen Cafés vorbei rechts in die Krossener Straße und zum Boxhagener Platz, wo der Wochenmarkt sich gerade auflöste. Über diverse andere Stationen ging es dann schließlich die Sonntagstraße runter hin zum Lenbachplatz. Auf der langen roten Bank verweilten wir anschließend, hörten die Sechsminutenlieder durch, guckten uns das bunte Treiben an, blinzelten in die Sonne, dösten dahin. Und stiegen schließlich am nahegelegenen Ostkreuz in die S-Bahn gen Hackescher Markt.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 360 Stücke ist hier.)

5’59 Blonde Redhead – In Particular (2000)

März 19, 2011

Lying on my back,
I heard music,
Felt unsure & catastrophic,
Had to tell myself it’s only music,
It blows my mind,
But it’s like that.

That verse could almost be about me. Kazu Makino, Blonde Redhead’s Japanese high-pitch voice, sings about an Alex but apparently it is the teenager from Anthony Burgess A Clockwork Orange who gets a kick from listening to Beethoven. At one point of the story Alex is subjected to an overdose of classical music and tries to kill himself by jumping out of a high window. That is a setting I have always been afraid of. To be driven crazy by having to listen to my favourite music forever. The biggest nightmare imaginable for a music lover.

(The list of all 359 selections since 1st February 2010 is here).

Werden wir sie je verstehen?

März 17, 2011

Hokusai - Große Welle von Kanagawa

Dort (in Tokio) wurde noch einmal Hokusais legendärer Holzschnitt Die Welle von Kanagawa aus dem Jahre 1832 gezeigt – der Inbegriff dessen, was die Welt für japanische Kunst hält. Und den die Welt seit fast zweihundert Jahren missversteht. Der Westen sah in der „Welle“ immer ein Symbol für die unbeherrschbare Naturgewalt. Die Japaner selbst jedoch sahen weniger die Welle als die winzigen gelben Schifferboote darin – und wie geschmeidig die Ruderer darin die Wellenkämme reiten. Die Welle ist also das Sinnbild dafür, wie gemäß der alten Schinto-Tradition Natur und Mensch im Einklang miteinander Höhen und Tiefen erleben.
(Florian Illies heute in der ZEIT)

Der Eintritt des Reaktorunfalls in Japan ist einerseits ein ungeheures, unvorhersehbares Unglück und andererseits deswegen unglaublich weil es einem klar macht, dass die Japaner anscheinend wirklich anders ticken als wir, dass sie nicht so ein starkes Sicherheitsstreben wie wir haben, dass sie irgendwo den Kamikaze in sich tragen. Wie konnte es dazu kommen, dass dieses relative kleine Land, das zu den dichtbesiedelsten Ländern der Welt zählt, sich so mit Haut und Haaren der Kernkraft ausgeliefert hat? Es gibt dort über 50 Kraftwerke, Fukushima hat glaube ich zehn Reaktoren mit ca. 10 GW, die größten deutschen Atommeiler haben zwei Reaktoren. Und das in einer Weltgegend, wo Erdbeben regelmäßig auftreten. Das Wort Tsunami ist japanisch, wie konnten sie so leichtsinnig sein, ihre KKWs direkt am Meer zu bauen? Wie konnten sie davon ausgehen, dass 8,0 auf der Richterskala nicht übertroffen werden nur weil in der jüngeren Vergangenheit kein Beben wesentlich stärker gewesen war? Das ist wohl ihre pragmatische, aber gleichzeitig ungeheuer leichtfertige Ader. Vorhin habe ich gehört, sie hätten die Pläne für Fukushima einfach von den Amerikanern kopiert und das Kraftwerk überhaupt nicht an die geografischen Gegebenheiten angepasst. Und schlussendlich die Erfahrung von Hiroshima und Nagasaki. Wie kann es sein, dass sich Japan trotzdem mit KKWs zugestellt hat? Sie haben den Strahlentod doch schon tausendfach erlebt. Versteht das einer?

5’58 The Golden Palominos – Pure (1994)

März 17, 2011

seven pale scars out of sheer love

1. Fünfundvierzig Lieder zur Auswahl heute abend aber kein wirklich Herausragendes.
2. Hier wird ein dichter Teppich aus Gitarrenklängen und Frauensprechgesang gewoben. Ein Teppich, der sich ganz langsam bewegt.
3. Der Frauenchorgesang im Hintergrund hier erinnert mich an einen Song der Field Mice, einen ihrer späteren, wo sie ins Mystische, in den Trockeneisnebel der Klubs abgleiten.
4. Da war auch etwas von Pat Metheny, das hätte ich auch nehmen können. Mit einem elektrischen Bass, der sich doch sehr nach Jaco Pastorius anhörte. Ich sehe gerade, es war Jaco. Track 5 von hier.
5. Heute morgen habe ich seit knapp zwanzig Jahren das erste Mal wieder geheult. Ich habe keine Ahnung warum. Ich saß im Wohnzimmer auf meinem Ledersessel, trank meinen Assam, hörte ein paar 5’58er Musikstücke auf dem iPod, ich glaube es lief gerade Porgy in der Interpretation von Bill Evans und ich las über die Begegnung und den Briefwechsel der Tochter von Ponto und der Schwester von Susanne Albrecht. Der jetzt als Buch veröffentlicht wurde, Patentöchter heißt es glaube ich. Besonders auffallend war die Betonung des hellen Lichtes Ende Juli 1977, am Tag des Mordes. Ich habe irgendwie versucht, mich daran zu erinnern, wo ich denn zu dem Zeitpunkt war und ich kam zu dem Schluss, dass ich wohl in England in Margate gewesen bin, mit einem anderen deutschen Schüler in einer englischen Gastfamilie. Und dann plötzlich flossen die Tränen, unmöglich sie zurückzuhalten, ich wollte es auch gar nicht. Es tat gut in dem Moment, war aber auch erschreckend weil ich nicht kapiert habe warum. Das letztes Mal war es wegen einer Frau gewesen, dieses Mal waren es Tränen, um der Tränen willen. Ich glaube ich habe das Weinen so lange aufgeschoben, dass es irgendwann kommen musste, nachdem ich viele Gelegenheiten, in denen ich gute Gründe zu heulen gehabt hätte, verpasst hatte, war dieser unschuldige Moment heute morgen, der aus dem Nichts auftauchte, perfekt. Hoffentlich dauert es jetzt nicht wieder zwanzig Jahre bis zum nächsten Mal.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 358 Stücke ist hier.)

5’57 The Gun Club – Cry to Me (1993)

März 16, 2011

Yes I’ve heard
of your misfortune
Our misfortunes are nothing new
Yes it’s true
I’m watching you
It’s my wish to be with you
Cry to me

One of the swan songs of Jeffrey Lee Pierce from Lucky Jim, the last album of his band. The groovy keyboards and the guitar sound very much like Carlos Santana but the track is still 100% Pierce. Quite unlike the early, demonic stuff which was in between punk, blues and rockabilly though. Here he seems to have found his peace of mind after all the sex, drugs & rock’n‘ roll. Three years later he died of liver failure. He was thirty-eight years old.

(The list of all 357 selections since 1st February 2010 is here).

5’56 Michael Rother – Sonnenrad (1977)

März 15, 2011

Auch über dieses Instrumentalstück habe ich schon mal ein Sätzchen verloren („Gitarrenklänge mit einem unwiderstehlichen Sog“), im Anschluss an das 2007er Konzert von Michael Rother und Dieter Moebius im Frankfurter Sinkkasten. Ansonsten muss ich wie viele andere auch dauernd an Japan denken, wo die Lage aussichtslos scheint. Radioaktivität tritt zunehmend aus, die betroffenen Kraftwerksblöcke scheinen von der Betreibergesellschaft langsam ihrem Schicksal überlassen zu werden. Wenn es keine Kühlung mehr gibt, können die Blöcke eigentlich nur in die Luft fliegen (oder etwa nicht?), es wird Radioaktivität in hoher, lebensgefährlicher Dosis austreten, der Wind wird irgendwann von Norden kommen und der Fallout sich Richtung Tokio bewegen. Über dreißig Millionen Menschen zu evakuieren, was für eine übermenschliche Aufgabe, was für ein unvorstellbares Leid. Wie kann man das noch aufhalten? Man kann wohl nur noch beten, so schlimm scheint es zu stehen. Und beim Hören, Lesen und Sehen der Nachrichten komme ich mir zunehmend wie ein Voyeur vor. Werden wir jetzt live dabei sein, wie sie zu tausenden an Überdosen von Radioaktivität sterben? Was für eine perverse Welt. Wieso macht nur keiner was? Wieso schicken sie da keine Roboter hin, die Brände zu löschen und die Kernbrennstäbe zu kühlen? Stattdessen sehen wir jeden Abend einen alten, matten Mann in grauer Kleidung mit unbewegter Miene im Fernsehen wie er mit einschläfernden Sätzen abwiegelt. Was ist nur mit Japan passiert? War das nicht mal eine der fortschrittlichsten Nationen der Welt? Jetzt wollte ich noch gucken, was Momus zu der japanischen Tragödie schreibt, da muss ich sehen , dass er sein Blog vor einem guten Monat geschlossen hat und seinen letzten Eintrag mit Selbstbeweihräucherung vertändelt.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 356 Stücke ist hier.)

5’55 The Cure – A Forest (1980)

März 14, 2011

Suddenly I stop
But I know it’s too late
I’m lost in a forest
All alone
The girl was never there

How do you say Schnapszahl in English? I don’t know of any song which defined a band better than this one. The Cure without A Forest would not have been The Cure for me. I wrote about A Forest before when I chose my fave 1980 album. There is not a lot to add here. Maybe one thing. The guitar sounds so snakelike on this one, I never really thought about it before but the guitar is extremely smooth – I wanted to write the French „souple“. And the later dance remix is great as well. I don’t remember any cover of this. I don’t think this song can be separated from Robert Smith and his group.

(The list of all 355 selections since 1st February 2010 is here).

5’54 Sufjan Stevens – Casimir Pulaski Day (2005)

März 14, 2011

In the morning in the winter shade
On the first of March, on the holiday
I thought I saw you breathing

Heute am Sonntag mal wieder sanfte, die Ohren umschmeichelnde Töne. So viel Wohlklang wie bei Sufjan Stevens hat es in der Musik wohl seit dem Barock nicht mehr gegeben. Hier singt er allerdings über den Tod eines an einem Knochentumor leidenden Freundes am 1. März, der wenn er auf einen Montag fällt, in Chicago als Casimir-Pulaski-Tag gefeirt wird. Casimir Pulaski war ein General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der die Engländer mit seiner Kavallerie 1779 bei Charleston besiegte. Sufjan Stevens hat sein Projekt alle fünfzig amerikanischen Staaten mit einem Album zu beehren vorerst nach nur zwei Staaten (Michigan und Illinois) beendet. Man könnte auch hinzufügen: „Und das ist gut so“. Konzeptalben sind ja schon meistens nicht sehr spannend aber ein lebensumspannender Reigen von 50 dieser Teile wäre gleichzeitig langweilig und größenwahnsinnig gewesen. Was Sufjan stattdessen im Moment so macht, weiß ich nicht genau, aber ich habe so das Gefühl, dass nach diesem Pulaskilied nicht mehr sehr viel Erwähnenwertes gekommen ist. Seine Weichspülermusik kann nämlich manchmal auch ganz schön auf die Nerven gehen.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 354 Stücke ist hier.)

5’53 Ilhan Mimaroğlu – Fragmentation (1973)

März 12, 2011

Today I read an interview with Henryk Broder in Die Zeit where he said something about the angst of the – even after 47 years I hesitate to write ‚us‘ – Gernans. He thinks the Germans are still waiting for the punishment for what they have done to the world and especially to the Jews 70 years ago. In the meantime another nation which fought on the same side as the Germans has been punished twice. First in August 1945 when the Americans dropped two atomic bombs on two Japanese large cities: a cruel operation which was totally useless in terms of military logic. And for the second time yesterday morning. One of the strongest earthquakes ever hit the main island, a tsunami followed and a nuclear plant only 240 km from Tokyo has apparently exploded. We don’t know what will be the next terrible news from Nippon but I am sure the cherries will blossom in the next two weeks like they do every year. Nature is simply stronger than death.

(The list of all 353 selections since 1st February 2010 is here)

5’52 The American Analog Set – We’re Computerizing and We Just Don’t Need You Anymore (2001)

März 11, 2011

You and me
On half speed
Wild and free
But quietly
Like we’re supposed to be

Heute abend wieder mal den Soundcheck auf Radio1 – da labern verschiedene Musikkritiker über neue CDs – gehört und er war wie so oft, wenn man mal von der neuen Eleventh Dream Day – einer meiner ersten Blogposts überhaupt war über diese Chicagoer Gitarrenband – absieht, ziemlich grässlich, ich weiß nicht mehr wo sie hin ist die gute Musik, aber im Rundfunk kann man, glaube ich, lange nach ihr suchen. Unglaublich ist bei diesem Kritikergipfel auch, dass die Kritiker die von ihnen ausgewählte Musik meist selber auch nicht mögen. Niete. Niete. Niete. Niete.

Cut.

Heute abend mal wieder ein Stück zum relaxen. Mit meinem geliebten Xylophon. Sehr schön auch der Titel, der die gesamte tragische Geschichte der modernen Arbeitswelt zusammenfasst. Oder so.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 352 Stücke ist hier.)

wie im richtigen leben

März 10, 2011

Weiß zieht und gewinnt.

Wieder eine geklaute Schachaufgabe. Weiß zieht und gewinnt. Der schwarze König wird erst einmal verführt, dann über das komplette Brett gejagt und schließlich versetzt ihm sein Counterpart den Todesstoß indem er einfach aus der Schusslinie geht. Man möchte es kaum glauben, dass so etwas in einer realen Partie passiert ist. Der Führer der weißen Steine war hier übrigens Eduard Lasker.

5’51 Death – Politicians in My Eyes (1975)

März 10, 2011

Always trying to be slick
When they tell us their lies
They’re responsible for
sending young men to die

Death were a black trio from Detroit who made some kind of hard rock in the early seventies without any success. They were soon forgotten and were rediscovered a couple of years ago. Here they basically repeat one huge bass riff ad aeternam, use lots of beautiful distortion and sing about what they think about politicians near the end of the Vietnam war. Today one politician, the German ex-minister of defence, Mr Guttenberg received the grand tattoo (Großer Zapfenstreich) which is played by the military marching band. He had resigned from office last week because of a copyright scandal concerning his dissertation. For his sending-off he could choose three pieces of music and one of them was Deep Purple’s Smoke on the Water which surprised some people as he is known as a huge AC/DC fan. He should have chosen this Death song instead as not only the music is superior to the old histrionic and bombastic Deep Purple riff which has been played to death a long time ago but the lyrics would have fit almost exactly on his hopefully short career as a politician.

(The list of all 351 selections since 1st February 2010 is here)

P.S. Somehow this Death track reminds me of Golden Earring’s Radar Love which is older – from 1973 – and used to be one of my favourite songs they played in the cellar disco I went to in the mid-seventies. When the song began the girls used to kneel down and started to spin their heads and whirl around their long hair. It was phantatstic. Just listened to the song again, it did not age well at all.

bleib bei mutti

März 9, 2011

ein bisschen angst macht mir dieser hype um guttenberg schon. niemand konnte mir bisher sagen, was an diesem windbeutel so toll sein soll, aber jede menge leute halten ihn für einen fähigen politiker. das erinnert mich doch ein bisschen an einen gewissen h., dem die deutschen damals auch wie dem rattenfänger von hameln hinterhergelaufen sind. ich sag mal so, wenn der guttenberg je in die hohe politik zurückkommen sollte, dann seh ich für deutschland ziemlich schwarz. nach der art und weise zu urteilen wie der seinen lebenslauf frisiert hat, hat der gute mann übrigens einen riesigen minderheitskomplex. so etwas kann sehr schnell umschlagen in eine allmachtsphantasie. womit wir wieder bei h. wären. jetzt will ich über den lackaffen aber wirklich nichts mehr schreiben müssen.

5’50 Miles Davis – Don’t Lose Your Mind (1986)

März 9, 2011

Das war schon eine ziemlich gute Platte damals, Tutu. Sie hat mich während meines Studiums begleitet und vor allem dieses Stück hatte es mir angetan. Es ist so unglaublich reich, man hat das Gefühl in den knapp sechs Minuten stecken alle Musikstile drin, die man sich vorstellen kann. Neben Jazz und Rock, Zigeunermusik, Funk, Dub Reggae, Anklänge an Techno, moderne, avantgardistische Klassik etc. pp. Und wie das vor Lebensfreude groovt, dieser rumpelnde Bass, diese hallenden Keyboards, dieser kleine (das ist das Adjektiv, das ihn vielleicht am besten in einem Wort beschreibt) Trompetenklang. In diesem Teil steckt das komplette Universum drin. Von der Milchstraße über den Andromedanebel bis zum hintersten schwarzen Loch, da wo die Strahlen unserer Sonne noch nie hingekommen sind. Wer hier seinen Kopf nicht verliert, der hat keinen. Ich übertreibe, dabei hätte es dieses Meisterstück nun wirklich nicht nötig gehabt.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 350 Stücke ist hier.)

5’49 The Smashing Pumpkins – Window Paine (1991)

März 8, 2011

Window paine
Around my heart
Shadows streak
Around my heart

Do what you got to do
And say what you got to say
Do what you got to do
Yes, start today

There was a short period of time when I thought Billy Corgan and his Smashing Pumpkins were the greatest band on earth. The reason for this slightly exaggerated evaluation was their first album Gish. An amazing debut fusing heavy metal, psychedelic rock, goth rock, prog rock and something else hard to pin down. You could call it mystic. Additionally there is a lot of quiet-loud dynamics on this album – less on this song which stays pretty disciplined all the way through. Tracks are usually hardly audible in the beginning, get louder slowly and peak later. A little like post-rock though there is a hardcore element here. I used to listen to this album after having drunk and smoked with a friend. I always listened on my own on headphones. And each time it was an expedition into some weird continent which I somehow associate with snakes and magic. As I read just before starting this entry Billy says that Gish is a spiritual album. And other people think it was made under the influence of LSD. All that makes a lot of sense to me. The paine in „window paine“ seems to be an amalgam of pane and pain. At the same time the window is an object made of glass to look through and something which causes pain, maybe when the glass is broken. The quoted verse also reminds me of my favourite line by Blixa Bargeld of the Einstürzenden Neubauten.

Nagel mein Herz ans Fensterkreuz
(Nail my heart onto the crossbar)

I still think this song has hold up quite well against the ravages of time. Especially Billy’s voice is still bearable, later on his high-pitch singing (a typical heavy metal trait I abhor) became totally insufferable.

(The list of all 349 selections since 1st February 2010 is here)

5’48 Pharoah Sanders – Astral Traveling (1971)

März 8, 2011

Wo uns Pharoah – laut dem Heiligen Geist Albert Ayler der Sohn, John Coltrane war der Vater – mitnimmt auf eine Sternenreise durch eine friedliche Galaxie, wo die Vögel zwitschern, der Bass brummt, die Rhythmusglocken erklingen und das Tenorsaxophon die lyrisch-impressionistische Melodie hervorzaubert. Ein Trip in eine sehr entspannte Welt ohne Geschrei und Gelaber, dafür muss man nicht in die Raumkapsel steigen, dafür reichen ein paar gute Ohrhörer.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 348 Stücke ist hier.)

5’47 Portishead – Threads (2008)

März 6, 2011

I’m worn, tired of my mind
I’m worn out, thinking of why
I’m always so unsure

I am tired and unsure too, so I know what Beth is singing about. This song closes Portishead’s amazing comeback Third from almost three years ago. It is the last song we have heard from them – I think – and from the mood it joins their stark and oppressive debut; it is quite an antidote to yesterday’s shiny High Llamas song. Today we walked near the lake of Tegel which was still frozen at the parts not exposed to the current. Here in Berlin it is still bloody cold, they have announced minus eight for tonight. Additionally there was a lot of chilly wind hitting us hard in Lübars, the last remaining village of Berlin which must have a horse population significantly higher than the number of inhabitants. The sun which shone brightly kind of reconciliated us with the winterly climatic conditions.

(The list of all 347 selections since 1st February 2010 is here)

5’46 The High Llamas – Checking in, Checking out (1994)

März 6, 2011

if funny looks don’t get you down,
you could get on in this town.
the drivers crawl along the curb.
the thought of walking’s quite absurd,
the dumbest thing I’ve ever heard.

Ein herzerwärmender, melodiegeschwängerter, opulenter Song von Sean O’Hagan und seinen Mannen. Er hat sozusagen den Barock in den Indiepop gebracht. Es geht hier wohl um die Stadt der Engel und auch das passt natürlich perfekt, sonnigere Musik hat es aus dem neblig-regnerischen London wahrscheinlich kaum je gegeben.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 346 Stücke ist hier.)

Ulrike Haage

März 5, 2011
Fingerprints

Heute abend um acht im Radialsystem. Mal abstrakt, mal konkret, auf keinen Fall langweilig. Neuer Jazz, manchmal minimal, manchmal meditativ, manchmal melodisch. Wir sind gespannt.

5’45 Mark Hollis – Watershed (1998)

März 4, 2011

Come my love
Kick the line
Afield lies nothing but squalor to turn on

There are great days, there are normal days and there are shitty days. Guess what kind of day was today? I am glad that it is over and that I can hide under my blanket now, a blanket made of Mark Hollis voice, some percussion, guitars, harmonium and a trumpet.

(The list of all 345 selections since 1st February 2010 is here)

5’44 The Rolling Stones – Wild Horses (1971)

März 3, 2011

Wild, wild horses, we’ll ride them someday

Das erste Lied der Rolling Stones in meiner kleinen Musikauswahl. Tätä. Und dann auch noch eine Ballade. Tätä. Wie ich sie eigentlich hasse. Tätä. Okay, Schluss mit dem Unsinn, ich bin hier an der Spree, weit weg von Rhein und Main. Tja ich glaube das ist mein Lieblingslied der Stones, meine Lieblingsplatte ist Beggar’s Banquet weil sie so schön abgedreht ist – vor allem das Jigsaw Puzzle habe ich bis heute noch nicht entwirrt, aber eigentlich kenn ich die Stones gar nicht richtig. Für die Beatles war ich ja auch zu jung, aber deren Gesamtwerk habe ich mir dann später reingepfiffen während die Stones für mich im Grunde immer nur eine Band waren, die nicht rechtzeitig aufhören konnte und deren Musik – und zwar auch die aus ihrer Jugend – dadurch wie Altherrenmucke klang. Bei dem Lied hier habe ich früher übrigens immer gedacht, dass Mick Jagger von „white horses“ singt, wilde Pferde sind wirklich das Allerletzte, was ich mit dieser sanften, schleppenden Melodie in Zusammenhang bringen würde. Trotzdem oder gerade deswegen ein wunderschönes Liebeslied, das jung und faltenlos geblieben ist im Gegensatz zu seinem Sänger. So betrachtet ist es das Bildnis des Dorian Gray.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 344 Stücke ist hier.)

5’43 Howe Gelb – This Purple Child (1998)

März 3, 2011

there’s some monster within slipping from sleeping to arise.
and there’s some angels there too down and deep within darkening eyes.

In memoriam von unserem Ex-Verteidigungsminister, der gestern wohl die weiseste Entscheidung seines Lebens getroffen hat. Glückwunsch nachträglich. Drei Zitate ohne Quellenangabe. Sozusagen ein Plagiat mit Ansage. Beim letzten Zitat bin ich mir nicht sicher, ob es nicht auch schon ein Plagiat war. Da kursiert so ein Gerücht in den sozialen Netzwerken, das eigentlich zu schön ist, um wahr zu sein.

About the song:

There is this horn section sample after 2:50 which sounds like an intruder from outer space in the balanced song. For the next two minutes I just wait for this extraterrestrian to come back. And it does.

Von einem, dem die Zeit wie Sand durch die Hände rinnt:

Traum: Auf der Oberfläche der Sonne verursacht eine von der Erde ausgesandte Sonde eine Störung. Zuerst sieht man nur einen kleinen schwarzen Fleck, der sich aber rasch ausbreitet. Schließlich erlischt die Kernfusion auf der Sonne ganz. Im Dunkeln suche ich mit C. nach Kerzen. Aber sinnvoll scheint das nicht. Es kann nur noch Tage oder Stunden dauern, bis die Temperatur auf diesem Planeten für immer bei minus 273 Grad angekommen ist, da helfen Kerzen jetzt auch nicht weiter. Wir resignieren.

Last but not least:

Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.

(The list of all 343 selections since 1st February 2010 is here.)

5’42 Neil Young – Sugar Mountain (1968)

März 2, 2011

Oh, to live on Sugar Mountain
With the barkers and the colored balloons
You can’t be twenty on Sugar Mountain
Though you’re thinking that you’re leaving there too soon

Hier geht es offensichtlich ums Älterwerden. Da gab es diesen Klub in Kanada, in den man nur unter zwanzig reinkam. Inzwischen gibt es Parties in Deutschland speziell für über Vierzigjährige. Die Zeiten haben sich geändert. Früher war man mit zwanzig erwachsener als heute mit vierzig. Unser aller Karl Theo von und zu hat übrigens schon bald den nächsten Schock zu verkraften. Er wird dieses Jahr vierzig. Hier noch etwas mehr zu Sugar Mountain und welches Lied von Joni Mitchell damit etwas zu tun hat.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 342 Stücke ist hier.)

5’41 Captain Sensible – Wot (Maxi 1982)

März 1, 2011

It went bang – I said rap up.
Well I’m aware that the guy must do his work
But the piledriver man drove me berserk.

It’s strange but I am having all these flashbacks in the last couple of months. Mostly totally unimportant memories which suddenly come and go. Do I have an example? Yes, for instance the first time I drank alcohol. I must have been around 13 and there were all these blokes sitting at a long table at a friend’s house. We were maybe eight or nine altogether and IIRC everyone had two glasses of beer. I remember that I was disappointed as I hardly felt anything except a slight relaxation but nothing mind-bending. Why do I write this? Because if I had to choose one year, I would go for 1982. Not because of Captain Sensible’s one hit wonder, I heard it first a couple of years later. No, it was the end of school and I decided to make a cut. It was the best decision of my life. What an amazing Greek summer. Later on in November or something I came back to Germany. In retrospect it probably was the right thing to do but at the time I was in doubt. Now I can still dance to this song and it brings back myriads of memories. What more can you ask from pop music?

(The list of all 341 selections since 1st February 2010 is here.)

5’40 The Velvet Underground – Pale Blue Eyes (1969)

Februar 27, 2011

She said, money is like us in time,
It lies, but can’t stand up.
Down for you is up.

Dieser Song ist derjenige, der in meinen Ohren das dritte Album der einflussreichen New Yorker Kultband am Besten verdichtet. Der düstere, wilde Walliser John Cale ist weg und Lou besinnt sich auf seine alten Lieben. Hier geht es wohl um ein Mädchen von der Uni in Syracuse mit der Lou mal was hatte, die dann aber einen anderen heiratete. Die Ballade strahlt eine unglaubliche – fast schon beängstigende – Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Souveränität aus, ich habe sie vorhin im mit über 250 kmh dahinbrausenden Sprinter gehört und musste die Augen schließen, es ging nicht anders, manche Musik erfordert den ganzen Menschen inklusive aller seiner Sinne. Wie das grandios, geradezu Grand-Canyon-mäßig dahinfließt. Einfach mal einen Gang rausnehmen. Einfach mal nur da sein und genießen. Es lohnt sich. Ohne Schmu.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 340 Stücke ist hier.)

5’39 Tord Gustavsen Trio – Tears Transforming (2005)

Februar 26, 2011

Tord Gustavsen has been my favourite jazz pianist for quite a while now. In the early eighties it used to be Keith Jarrett (cf.). One difference between them is that whereas Keith Jarrett used to moan during his solo concerts, Tord Gustavsen remains perfectly quiet and only plays his instrument. The trio is a perfect place for him. Bass, drums and piano, it really is a minimal setting but absolutely sufficient to create the kind of intimate chamber jazz music I adore. Like Jarrett Gustavsen is on the Munich ECM label and he definitely belongs there with his introspective sound. I listened to this phantastic understated piece this morning on our leather couch with the B**e ear plugs and it was a revelation. The tender melody starting the piece, the subtle cymbals, the slow unfolding of things. Marvelous stuff, just listen and forget about these superfluous words…

(The list of all 339 selections since 1st February 2010 is here.)

5’38 Contriva – Stuck (1999?)

Februar 25, 2011

Eine relativ unbekannte Berliner Instrumentalband ohne Wiki- aber mit Indiepediaeintrag, die für mich sehr überraschend ein Cover von My Bloody Valentine (Sometimes von Japancakes countryfiziert) und ein spirituelles Stück von Pharoah Sanders (Colors) ausgestochen hat. An irgendwas erinnert mich das hier, es hat anfangs etwas von der Unschuld der Melodien der Montgolfier Brothers und kriegt dann einen Dreh ins Trancehafte. Der Gruppenname ist übrigens im wahrsten Sinne des Wortes ausgeklügelt.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 338 Stücke ist hier.)

5’37 Sandy Denny – Who Knows Where the Time Goes? (live at the BBC 1973)

Februar 24, 2011

Across the evening sky, all the birds are leaving
But how can they know it’s time for them to go?
Before the winter fire, I will still be dreaming
I have no thought of time

Sandy Denny’s most famous song recorded for a John Peel show on radio 1 called Sounds of the Seventies. Three things which made me choose this song tonight. First of all her voice of course, still the purest, most yearning of them all. How could someone with such a beautiful voice be so unhappy? Second the lyrics which have this Holden Caulfield appeal. An innocent question which goes straight to the heart of things. And then last but not least, the loose, floating structure of the song and the play of the instruments. So many pauses, so much air to breathe in between the music.

(The list of all 337 selections since 1st February 2010 is here.)

5’36 Beck – Broken Drum (2006)

Februar 23, 2011

and when I say
fare thee well
my only friend
oh how the days go

your setting sun
your broken drum
your little drugs

I’ll never forget you

Hier singt Beck, der mit „I’m a loser, why don’t you kill me“, über seinen Freund Elliott Smith, der es schließlich getan hat. Und zwar old school mäßig: Sich selbst das Messer in die Brust gerammt. Das mag jetzt etwas makaber klingen (ich wusste beim ersten Hören nicht, worüber das Lied war), aber ich brauchte etwas Cooles, Relaxendes heute abend. Aufregen ist wirklich das Dümmste, was man so tun kann.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 336 Stücke ist hier.)

Perpignan – Latour de Carol

Februar 23, 2011


Wegbeschreibung: Topo guide de Perpignan à Llivia
Tag 1: Perpignan – Millas 25,76 km
Tag 2: Millas – Vinça 21,32 km
Tag 3: Vinça – Villefranche 28,56 km
Tag 4: Villefranche – Thuès entre Valls 28,63 km
Tag 5: Thuès entre Valls – Llo 22,61 km
Tag 6: Llo – Latour de Carol ca. 22 km. Zurück nach Perpignan mit dem train jaune. Hoffentlich fährt der bis Ostern wieder, im Moment gibt es da wohl ein technisches Problem.

5’35 Blur – Miss America (1993)

Februar 22, 2011

Miss America sits in the shower
She’s plucking hours from the sky
Picks up the telephone into another home
Don’t ask me why

When you think it’s over, it has just begun. I have become addicted to post music on a daily base. I started a little more than a year ago with My Bloody Valentine’s 5’34 song I Only Said – which is still online btw – and counted down until 0’00. What now? The most obvious thing to do would be to count up from where I started. And that is what I am going to do. The whole thing will stop when I have no more tracks on the hard disk with the demanded length.

In the beginning I wanted to choose Yo La Tengo’s beautiful ballad Today Is the Day which immediately gave me the heebie-jeebies but then I went for this Blur track from their second album Modern Life Is Rubbish which is actually my favourite of theirs. Today’s song is not typical for that rather uptempo and rocking album. It would have fit better on Thirteen, the more sophisticated and varied later release.

It begins with someone shouting „Michael“. Apparently it is Graham Coxon, the guitar player, who calls the producer. Then someone else laughs. Immediately we are in a lively setting, the studio is not the clean, perfect place you’d imagine, no the studio is alive. The whole recording seems rather imperfect, the music starts with some seemingly disconnected tones, they just hang there in the room. And then the melody slowly unfolds. The piece is dominated by the warm sound of the acoustic guitar strings, the chord changes can be heard, the atmosphere is intimate. The melody is sweet and tender, to me the track is like the foreplay, it never really explodes, until the end it stays in slow-motion. And of course that is the charm of it, I recently listened to it when waiting to board an airplane on Frankfurt airport on Monday morning and I was immediately hooked and could not refrain from smiling while moving my feet very slowly. The rhythm had caught me and I closed the eyes to retreat into the music; my brain did not want to share it with the visual perceptions of my eyes. There is also a dozy and somnambulant quality to this song which is underlined by Damon Albarn’s gentle singing. And at the same time the guitar strings vibrate as if they were slightly drunk. In the good old cassette days I would have said the tape wows and flutters.

Concerning the lyrics the interpretation that he does not care about Miss America as he loves his (probably) British girl-friend, seems most likely. The words are occasionally cryptic and surreal, could that have to do with the inability of the narrator to understand American girls and especially the apotheosis of them, Miss America? In any case this is an uplifting love song and that makes it even more attractive and powerful. Magic music if there is any. Great to fall asleep to or wake up to.

(The list of all 335 selections since 1st February 2010 is here.)

DRL

Februar 21, 2011

Gestern waren wir im Cinema International in der Karl-Marx-Allee in der Nähe vom Alex. Es war der Publikumstag – sie sagen auch blödsinnigerweise Kinotag – der Berlinale, wo die Tickets nur die Hälfte kosten und in einem proppevollen großen Saal wurde die Trilogie Dreileben gezeigt, ein Gemeinschaftsprojekt von Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler. Die drei hatten vor ein paar Jahren diverse E-Mails zum Stand des deutschen Kinos ausgetauscht und daraus hatte sich das Projekt entwickelt, drei Filme zu machen, die drei Dinge gemeinsam haben sollten: den Ort, die Zeit und die Tat. Mit der Zeit hat es nicht ganz geklappt, aber davon evtl. später. Ich hatte von den Filmen nicht viel erwartet, die wenigen Kritiken, die ich dazu im Vorfeld gelesen hatte, waren eher zurückhaltend gewesen. Aber das war ein idealer Ausgangspunkt.

Der erste Film war Etwas Besseres als den Tod von Christian Petzold. Sehr ruhig, sich langsam vorwärtsbewegend mit viel Wald, viel Krankenhaus und vielen sehr nahen Gesichtsaufnahmen. Johannes, Zivi in einer Klinik irgendwo am Arsch der Welt, der hier zufälligerweise im Thüringer Wald liegt, verliebt sich in Ana, ein bosnisches Zimmermädchen – politically correct room-maid – in einem nahegelegen Sporthotel. Und es ist eine schöne, sachte Liebesgeschichte. Sie ist diejenige, die anfängt, er reagiert und scheint am Anfang völlig chancenlos zu sein. Sie ist die Powerfrau, er derjenige, der um sie kämpfen muss und dann schließlich bei ihr landet. Das ändert sich dann später wieder, aber nicht wirklich. Ein Lied spielt hier eine Rolle, ein ziemlich abgenudeltes, aber immerhin. Johannes tanzt engumschlungen mit Ana und übersetzt es für sie ins Deutsche. Und es geht ums Weinen von Flüssen in diesem Lied.

Der nächste Film war Komm mir nicht nach von Dominik Graf. Ein ziemlicher Schock nach dem eher – im positiven Sinne – langatmigen Petzoldwerk. Es wird viel geredet, viel genuschelt, die Aufnahmemikros stehen nicht immer da, wo sie die Stimmen so aufnehmen, dass der Zuhörer sie verstehen kann. Dominik Graf und sein Actionkino eben, oder sagt man Genrekino? Er versucht zwanghaft realistisch und lakonisch zu sein, aber es ist oft nur hingerotzt. In diesem Streifen ist die Polizeipsychologin die Hauptfigur. Sie schläft bei einer Freundin von früher – da das Hotel, in dem sie ein Zimmer reserviert hat, doch voll ist – und lernt ihren neuen Mann und eine gemeinsame bis dahin unbekannte Liebesgeschichte aus der Vergangenheit kennen (diesbezüglich intrigieren die beiden Weiber dann ausgiebig nachträglich). Die Schauspielerin, die Vera spielt, (Susanne Wolff) die Freundin, die mit einem Typen zusammmenlebt, der dicke Krimischwarten schreibt, die kein Mensch außer ihm selber kauft, ein Stephen King für Arme – hat mich vom Gesicht her unglaublich an Emmanuelle Béart erinnert. Nur interessanter. Was soll man noch sagen zu dem Film? Die Polizei wird als korrupt dargestellt. So richtig hat mich das nicht überzeugt, das ist mal wieder typisch Dominik Graf, der immer alles übertreibt. Hat der eigentlich schon mal einen Tatort gedreht? Er wäre der ideale Regisseur dafür. Es ist eigentlich immer zu dick aufgetragen, zu überfrachtet bei ihm, mach mal halblang, cool down, das Leben ist nicht so, möchte man ihm zurufen. Aber eins ist klar, wenn der Film im September im Fernsehen ausgestrahlt wird, dann muss ich ihn unbedingt nochmal sehen, denn ich habe die Hoffnung, einige Dialoge und Witze, die ich beim ersten Hören nicht verstanden habe, doch noch zu verstehen.

Der dritte Film war Eine Minute Dunkel von Christoph Hochhäusler und ich habe ihn von Anfang an nicht gemocht. Er konzentriert sich auf Molesch, den ausgebuchsten Mörder. Er flüchtet in einem Wäschesack aus der Klinik, wo er im Totenzimmer seine Mutter besuchen durfte. Dort sieht er auch Johannes, den Zivi aus Teil 1. Die Filme verschränken sich alle untereinander, blicken aufeinander, aber immer nur zwei nie alle drei gleichzeitig. In diesem Fluchtdrama geht es auch um die ziemlich unfähige Polizei, bis auf einen krankgeschriebenen Kriminalisten, der columbomäßig den Fall aufrollt und stringente Schlüsse zieht. Das Ende haben wir leider nicht mehr gesehen, C. musste ihren Flieger kriegen. Wir haben außerdem wahrscheinlich einen oder mehrere der Regisseure verpasst, gelohnt hat es sich trotzdem.

0:00

Februar 20, 2011

Finally I have done it and finished my little project. I have surprised myself. It’s time for a break. It won’t take long, I promise. Here is the ranking of the most featured bands and artists, those ten accounted for eighty of the three hundred and thirty-four tracks.

  • 13 The Smiths
  • 10 Joni Mitchell
  • 10 Nick Drake
  • 9 Johann Sebastian Bach
  • 7 Boards of Canada
  • 7 Joy Division
  • 7 Yo La Tengo
  • 6 New Order
  • 6 Serge Gainsbourg
  • 5 Cat Power

(The list of all 334 selections since 1st February 2010 is here.)

0:01 Alex whistles with four fingers (2011)

Februar 19, 2011

This is the final piece of my music countdown project. I learnt normal whistling about 40 years ago from my father’s mother. My parents gave up soon on me but she had enough patience to teach me how to do it. Actually out of tune whistling is the only music production technique – except out of tune singing – that I master. Today’s track though concerns a slight variation, the finger whistle which I learnt a couple of days ago. Many thanks to my colleague A. who gave me the idea. This is the video where I learnt it from and the secret is actually to fold back the tongue with the four fingers. Something which sounds easy but isn’t. My fingers usually slip on the tongue and I have big problems to get a whistling sound out of my mouth. I succeeded to whistle this way for a short time, that is one reason why the track is only a second long.

(The list of all 334 selections since 1st February 2010 is here.)

0:02 Ursula 1000 – Hip Length

Februar 18, 2011

Mit Ursula 1000 ist Ursula Andress gemeint, das sexy Schweizer Bond Girl aus Dr. No. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Brooklyner DJ; dieses Stück von ihm hat wohl nicht ganz die hippe Länge, schätze mal es ist ein abgebrochener Download. Heute war übrigens eine ganze Menge los im Büro, ungewöhnlich für einen Freitag. Und es gab gebratenen Red Snapper in der Kantine, einen meiner Lieblingsfische, den wir an der zypriotischen Südküste mal vor Jahren gegrillt gegessen hatten. Einige hundert Meter im Meer waren große Fischfarmen mit dieser Spezies. Wir hören jetzt die CD von James Blake, meine erste von 2001 2011 und ich gewöhne mich so langsam an die strangen Elektro- und Vokalspielereien.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 333 Stücke ist hier.)

.

Februar 18, 2011

Weiß zieht und gewinnt.
Weiß zieht und gewinnt. Wie Musik und Mathematik kann auch Schach manchmal überraschend schön sein. Kleiner Tipp: Ohne Opfer geht hier nix.

0:03 Electro Hippies – Mega Armaggedon Death (1987)

Februar 17, 2011

Today I have got a curiosity for you. A piece of music which is shorter than it takes to pronounce its name properly. I guess John Peel was a fan of this band as they performed live on his show. Here they just play a fanfare, actually there is a lot of silence here. The pause in the beginning is slowly mounting the tension towards the incredible end. Which is then followed by the total silence after the apocalypse. Quite realistic, like in real life. It’s rubbish but it’s short, so that’s fine with me.

(The list of all 332 selections since 1st February 2010 is here.)

0:04

Februar 16, 2011

First of all I have to offer an excuse to my English speaking readers that this will be another post in German as the choice of this track would not make any sense in your language.

Die anderen muss ich leider auch enttäuschen. Was das hier sein soll, das müsst ihr schon selber rauskriegen. Das absolute Gehör ist hier hilfreich oder der Hinweis, dass da der Name eines großen deutschen Komponisten sehr buchstäblich genommen wurde. War wohl auch eine beliebte Frage in Musikprüfungen, auf die viele Kandidaten nicht vorbereitet waren (Spielen Sie doch mal [hier den Namen des Komponisten einsetzen]!). In einer stressigen Prüfsituation versteht man so einen kleinen Scherz nicht unbedingt. Interessant ist hier außerdem das Kreuzmotiv, der fragliche Komponist war ziemlich christlich und seine Musik wird heute noch ausgiebig in vielen Kirchen in der ganzen Welt gespielt. Wer war’s?

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 331 Stücke ist hier.)

0:05

Februar 15, 2011

Ich hatte es ja schon erwähnt, einen Fünfsekundentrack habe ich auf meinem iPod nicht gefunden. Da aus dem zahlreichen Publikum leider auch keine Vorschläge gekommen sind, musste ich improvisieren. Ihr werdet es nicht glauben, aber diese Aufnahme ist diejenige, die mir bisher am meisten Arbeit gemacht hat. Nicht nur, dass ich eine kurze Reise in die falsche Richtung angetreten habe heute abend und Probleme mit der Feldaufnahme hatte. Noch viel schwieriger war die Umwandlung des Videos in einen reinen Soundclip. Schlussendlich habe ich es hingekriegt und kann euch nun eine Aufnahme mit Lokalkolorit präsentieren. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, diese Tonfolge hat wie das Ampelmännchen und der grüne Pfeil ihren Ursprung in dem Teil Deutschlands, der von dem anderen eingemeindet wurde. Schon interessant, dass alle diese drei Innovationen aus dem Verkehrsbereich stammen. Vier Fragen am Ende. Wieviele Töne sind das? Wann wird diese Fanfare abgespielt? Was kam danach? Wo war ich genau?

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 330 Stücke ist hier.)

James Blake – The Wilhelm Scream (Live BBC Session)

Februar 15, 2011


There is something about this James Blake. Somehow he reminds me of Arthur Russell. His music and his voice is so damn intense. He sings like a ghost, he sings ghost soul. I don’t like when he treats his voice with the vocoder like on his debut album. It does not add anything, it only subtracts from his beautiful voice. His most pop moment is of course his cover of Feist’s Limit to Your Love, I am not sure if I prefer the original or the cover but the latter seems a simplification. Whatever. I have to think more about James Blake, he definitely also has the aura of someone like Mark Hollis, someone who knows how to use breaks and pauses in music, someone who pushes borders.

0:06 Maher Shalal Hash Baz – Fern on the Slope (2003)

Februar 14, 2011

Dieses Mini-Instrumental von dem Japaner Tori Kudo und seiner Band, deren hebräischer Name (aus dem Buch Jesaja) wörtlich übersetzt angeblich so viel bedeutet wie „Sei schnell, wenn du etwas stiehlst!“ heißt laut dem ID3-Tag „Feren on the Scope“. Da hat wohl mal wieder der Fehlerteufel zugeschlagen, der vielleicht das wichtigste Bandmitglied von Maher Shalal Hash Baz ist.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 329 Stücke ist hier.)

0:07 Johnny Cash – The best part of wakin‘ up is Folgers in your cup (commercial, L. Pearl 1984)

Februar 13, 2011

Apparently this jingle is quite well-known in the US, I had never heard it before, not being an expert or aficionado of US coffee brands. Johnny Cash wasn’t the first to record it, I don’t even know from when his version dates. Hopefully he really liked the coffee and did not only sing for the cash.

(The list of all 328 selections since 1st February 2010 is here.)

0:08 Charles Mingus & Joni Mitchell – I’s a Muggin‘ (Rap, 1979)

Februar 12, 2011

I’s a muggin‘, boom bada yada
Bom ba doo boo, we boopa dooboop
I’s a muggin‘

Eine weitere Vokaleinlage von Mingus, das voller dieser kurzen Intermezzi ist. Hier singen Mingus & Mitchell im Duo. Man nennt diese Form von Gesang von semantisch sinnlosen Silbenfolgen, der Instrumentalphrasen nachahmt, Scat. Der Titel ist allerdings übersetzbar. „Ich ist ein Überfall“. Why not? Ist unser Herauskrabbeln aus dem Bauch unserer Mütter etwa keine plötzliche Invasion in diese Welt? Rimbaud ist ja damals auch mit dem Satz „Je est un autre.“ („Ich ist ein anderer“) durchgekommen. Oder sollte es eigentlich „Is a muggin'“ bzw. „It’s a muggin'“ oder sogar „Ice a muggin'“ (Eisanschlag) heißen? Da gibt es noch jede Menge Interpretationsmöglichkeiten. Charles können wir nicht mehr fragen und ob Joni es noch weiß bzw. je gewusst hat?

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 327 Stücke ist hier.)

0:09 Tortoise – Intro (live Frankfurt 1999)

Februar 11, 2011

The first time I heard something by Tortoise was in May 1999 in a bookshop somewhere in Massachusetts. It was a very long, instrumental piece with ups and downs, I think I didn’t leave the place before the end and I asked somebody what kind of music it was. It was Djed, from their chef d’œuvre millions now living will never die (what a great title), a natural symphony with thunder and wind and stuff, altogether twenty minutes long. Here they get nine seconds, hardly enough time to develop their sound. Cut. Today in the plane from Berlin to Frankfurt there was this red-haired lady, a couple of weeks ago I shared a flight with this man who looked even younger than on tv. Politicians seem to spend a lot of time in the air.

(The list of all 326 selections since 1st February 2010 is here.)

0:10 Maher Shalal Baz – Psalm 136 (2003)

Februar 10, 2011

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich; denn seine Güte währet ewig.

Das ist der erste Vers von Psalm 136; alle 26 Verse hören mit demselben Halbsatz auf. Es wird in diesem Psalm die Geschichte des Volkes Israel erzählt, von der Schaffung des Himmels, der Erde und der Sonne über den Auszug aus Ägypten, das Platz machende Schilfmeer, den Gang des Volkes durch die Wüste, das Erwürgen diverser – ich nehme mal an feindlicher – Könige usw. Für all das wird Gott in diesem Psalm gedankt. Ich danke nun auch mal meiner treuen Leserschaft, die bis jetzt durchgehalten hat, denn der Countdown hat nun wirklich begonnen. In zehn Sekunden bzw. Tagen ist alles vorbei. Was danach kommt, ihr werdet es hoffentlich lesen und hören.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 325 Stücke ist hier.)

0:11 Schoolchildren of Wanseko, Uganda – Row, Row, Row Your Boat (1971, Trad. 1852)

Februar 9, 2011

Row, row, row your boat,
Gently down the stream.
Merrily, merrily, merrily, merrily,
Life is but a dream.

Rowing down the stream of life together with a smile and the realisation that it’s all just a dream, that is quite a lot of wisdom in a little nursery rhyme.

(The list of all 324 selections since 1st February 2010 is here.)

0:12 Charles Mingus – Coin in the Pocket (1979)

Februar 8, 2011

I never had it too, too hard, you know
all my life, you know
just everything I touched, turned to gold
I am not rich but you know I always have some dollars in my pockets

From one of the great underrated masterpieces, Joni Mitchell’s Mingus. Joni always had a faible for bass players who in turn loved her, she even married one later on. Charles Mingus had contacted her after having heard the phantastic improvisational orchestrated piano piece Paprika Plains from Don Juan’s Reckless Daughter and wanted to work with her. The fruit of their collaboration was the Mingus album which was released without a lot of critical feedback just after his sudden death. Here he raps with his warm bass voice about his rather serendipitous relation to money.

(The list of all 323 selections since 1st February 2010 is here.)

0:13 Melt Banana – Zip Zero (2005)

Februar 7, 2011

Noch dreizehn Sekunden und wir haben es geschafft. Melt Banana ist wieder so eine Mädchenband, die ähnlich wie Bikini Kill die Frauenpower in die Rockmusik bringt. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache auch wenn die Musik jetzt nicht immer hundertprozentig meinen zugegeben manchmal schwierigen Geschmack trifft.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 322 Stücke ist hier.)

0:14 Faust – Tenne Laufen (1996)

Februar 6, 2011

Es geht jetzt diesem Projekt nicht nur so langsam die Zeit aus und es nähert sich seinem Ende. Mir gehen inzwischen auch die Worte aus; was soll ich zu dieser Aufnahme, die mit Musik nun wirklich kaum noch etwas zu tun hat, nur schreiben? Ich habe sie einem Adagio aus dem 3. Brandenburgischen Konzert vorgezogen. Manchmal ertrage ich Wohlklang einfach nicht ohne dass es dafür jetzt einen ersichtlichen Grund geben würde.

(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 321 Stücke ist hier.)

Monterey 1967

Februar 6, 2011


Quicksilver Messenger Service – All I Ever Wanted to Do

0:15 Bill Evans – I’ll See You Again (1964)

Februar 6, 2011

Tonight we went to see Eugene O’Neill’s autobiographical Long Day’s Journey into Night at the Renaissance Theater. David Bennent who I had noticed first and last in the Tin Drum more than thirty years ago played the twentysomething Edmund who was suffering from tuberculosis like O’Neill himself in his early years. His brother, the alcoholic Jamie was played by Ben Becker, a rather well-known German actor who had fought with drugs himself in the recent past. The father James, a miserly actor with a penchant for Whisky was incarnated by Gerd Böckmann, another well known actor. The story was simple. The whole family including the mother who was addicted to morphium lived in a pseudo-reality. The American dream had turned into a nightmare. By the way the piece was a little too long and repetitive for my likes.

(The list of all 320 selections since 1st February 2010 is here.)

0:16 Miles Davis Quintet – Paraphernalia (1969)

Februar 4, 2011

Friday evening is a good moment to hold your breath and slowly glide into the week-end. To help you in doing so I have chosen some cool jazz from the late second Miles Davis Quintet. They perform live in Brooklyn here and they almost play anachronistic music as at the time stylistically Miles was already moving somewhere else. Jazz rock was the big thing to come but this classic jazz aged way better than the new fad. Paraphernalia in German translates to Krimskrams, a word which I like a lot, as it seems very figurative and physical in a way. Its sound matches its meaning perfectly. Whatever.

(The list of all 319 selections since 1st February 2010 is here.)

0:17 Die Fantastischen Vier – Lauschgift (1995)

Februar 3, 2011

Ha! Da sind Sie Lieutenant!
Kronberger. Rauschgiftdezernat.
Was wollen Sie von mir?
Augenblick. Was soll das heißen? (Tohuwabohu)
Überall ist Lauschgift! Hier ist überall Lauschgift. In allen Ecken!
[Mr. Yunioshi (Mickey Rooney) in Frühstück bei Tiffany]

This is from a film scene of Breakfast at Tiffany’s. No clue how it was in English but the German synchronisation is quite funny. It plays with the Chinese pronounciation of the „r“ as an „l“. And it reminds me of that other famous scene in Casablanca where Humphrey says to Ingrid the toast „Here’s looking at you, kid!“ (instead of „Here’s good luck to you“ as it was written in the script) which in German changed to „Schau mir in die Augen, Kleines.“ (Look into my eyes, little one). Probably the most famous sentence of any movie in Germany.

(The list of all 318 selections since 1st February 2010 is here.)

0:18 Thinking Fellers Union Local 282 – Jagged Ambush Bug (1995)

Februar 2, 2011

This morning I learnt that the year of the rabbit has started today. They said that there was one Chinese zodiac sign that should beware this year. The rabbit himself. Rabbits are supposed to face a huge professional change this year. As they said it on the radio it wasn’t necessary a change for the better. Guess which sign I am? And guess with whom I had an argument today (hint: think Springsteen)? Today’s music fits well to all this. Not exactly a chart topper. By the way the next year of the dog is in seven years.

(The list of all 317 selections since 1st February 2010 is here.)

Here Before

Februar 1, 2011

is the three syllable name (cf. the first three LPs) of the new album by The Feelies which is supposed to be out in April. It has only been 19 years since their last and fourth offering Time for a Witness. There is a song called Should Be Gone from the new album over at Pitchfork. Breezy, tuneful, intricate and lovely as always. Maybe a little heavier than usual, the guitars have aged a little but they have aged well. In the meantime until April we can kill time by listening to the wonderful live show at NPR’s World Cafe from May last year where they played four of their classics. These new interpretations are for indie guitar rock what Glenn Gould’s second performance of the Goldberg Variations in 1981 was for classical music. Only better! Concerning news and stuff (the Wikipedia article still does not mention the forthcoming album), the I Love Music thread is a safe bet.

0:19 John Peel/Pink Floyd – Top Gear introduction (1968)

Februar 1, 2011

Top Gear was a BBC radio programme in the sixties. At the time the BBC had lost a lot of its young audience to RTL and pirate stations. In the early years of BBC Radio 1 from 1967 on the show was revived and by then it featured mainly progressive music. This small bit can be found on a Pink Floyd bootleg called Celestial Voices. John Peel announces the bands and artists he will play on the show and there is some menacing rather extraterrestrial sounding instrumental music by Pink Floyd, I suppose, in the background. This is radio and rock history.

(The list of all 316 selections since 1st February 2010 is here)

0:20 Sadja (w. K. Wells, R. Bunka, C. Burchard et al.) – Track 5 (1974)

Januar 31, 2011

136.1 Hertz or 136.1 Hz is the standard frequency of the Om tuning fork. It’s also the sound signature of the earth as it travels around the sun.

136.1 Hz is the frequency used to tune the instruments for Indian temple music. It is called Sadja, or Sa, the base tone of the Sitar and Tambura. The Om Tone is said to stimulate the Anahata (heart chakra) and hence is widely believed to be good for meditation. (s)

The world is full of egocentric assholes, narrow-minded crackpots and shameless liars. They drive me crazy. They suck the few energy which is left in me out of me. But there is a solution and it is easy. It is called Om, a syllable I should intonate more often. Humming all the shit away…

(The list of all 315 selections since February, 1st is here)

0:21 Yo La Tengo – Too Much, Pt. 2 (1996)

Januar 30, 2011

I already had part 1 of this track in this program. Both are from disc two – which assembles the instrumentals – of the wonderful compilation of rarities, alternate versions and out-takes Genius + Love = Yo La Tengo. Which I cannot find anymore at home for some reason. It’s always the same, the stuff you don’t care about fills the racks and the stuff you really, really love gets swallowed by a black hole or something. Besides that I am a little tired as I have just spent five hours on 550 km German motorways between Frankfurt and Berlin. I think I have earned my two Weißbier by now. Sleep well in your Bettgestell everybody!

(Die Liste aller 314 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:22 Johann Sebastian Bach – Lass ihn kreuzigen! (Matthäuspassion 1729, Harnoncourt 1970)

Januar 29, 2011

Ganz schwere Wahl heute abend, ich war hin- und hergerissen zwischen der Intro zu einem My Bloody Valentine Reunion Konzert von vor ein paar Jahren, wo das Pblikum die aus den Lautsprechern schallende psychedelische Beatleshymne I’m the Walrus mitgrölte und einem weiteren abgebrochenen Stück von Richard Buckner, dessen Stimme ich wirklich liebe, wahrscheinlich weil sie gleichzeitig maskulin und melancholisch ist und diesem vierstimmigen Kanon hier. Am Ende hat mal wieder Deutschland gewonnen. Bach vor dem amerikanischen Buckner und vor den britischen Beatles.

Wie der Chor hier mit Inbrunst das Todesurteil von Jesus besiegelt, das finde ich ziemlich unglaublich und fast schon erschreckend. Wieso lässt Bach den Chor in diesem Kanon so stark jubilieren? Soll das eine Art von Realismus sein, um das damalige aufgepeitschte Volk darzustellen, dass in Massenhysterie Jesus Tod fordert? Oder wird hier nicht vielmehr der Geburtsmoment des Christentums gefeiert? In dem Zusammenhang könnte man auf den Gedanken verfallen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Jesus damals nicht zum Märtyrer geworden wäre. Dann wären der Welt die Kreuzzüge, die Inquisition und der Kindesmissbrauch der Priester erspart geblieben. Gotische Kathedralen, der Jakobsweg und die Musik von Bach aber auch.

In dubio pro reo.

(Die Liste aller 313 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:23 „Unknown artist“ – Standby (Jahr?)

Januar 28, 2011

Viel weiß ich von diesem Track nicht. Weder die Sängerin noch den Titel noch das Jahr der Aufnahme. Das Lied habe ich schon mal gehört, ich weiß nur nicht mehr wo. Heute morgen habe ich auf dem rbb Inforadio minimalistische Klaviermusik irgendwo zwischen Klassik und Jazz gehört, die mir auch sehr gefallen hat, von der ich aber auch so ziemlich alles vergessen habe. Es war eine Pianistin, Name Kluge oder so ähnlich, Titel des Albums Infinitum oder so ähnlich. Außer ihr spielten ein Saxophonist und ein Schlagzeuger auf dem Album, das gerade rausgekommen ist. Anyone?

(Die Liste aller 312 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:24 – DJ Shadow – Untitled (1996)

Januar 27, 2011

Maureen’s got five sisters
They all got ass
One of them has eyes as big as Jolly Ranchers
Beautiful girl

Das hier könnte man einen hot chill nennen. Hat jedenfalls Groove und coole Lässigkeit in spades. Jolly Ranchers sind amerikanische Bonbons aus Colorado. File under useless knowledge.

(Die Liste aller 311 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:25 Johann Sebastian Bach – Wo willst du, dass wir dir bereiten das Osterlamm zu essen? (Matthäuspassion 1729, Harnoncourt 1970)

Januar 26, 2011

Die Auswahl war heute sehr übersichtlich, nochmal was von den Faust Tapes und zwei Stücklein von Maher Shalal Baz, nichts wirklich Umwerfendes. Auch dieser Bachchoral reißt mich nicht gerade vom Hocker. Die Titelfrage – und damit der gesungene Text – ist allerdings gelinde gesagt etwas bizarr. Sie wird in der Passion von den Jüngern an Jesus gestellt. Es kann sich hier eigentlich nur um das Passahfest handeln und nicht um Ostern. Denn Ostern gibt es ja erst durch Jesus Auferstehung, also nach seinem Tod. Obwohl, im Christentum ist alles möglich, wenn Jungfrauen Kinder kriegen können, wieso sollte nicht auch Jesus in eine Zeitmaschine in die Zukunft steigen können und ein Fest feiern, dass es erst nach seinem eigenen Tod gibt? Das sollte eigentlich eine Kleinigkeit für ihn sein, denn er ist ja immerhin Gottes Sohn. Ansonsten fällt mir hierzu eigentlich nur noch eins ein: The beat must go on!

(Die Liste aller 310 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

.

Januar 25, 2011


New Order play Ceremony live in New York City in 1981. Ian is there, floating in the air. Terrific performance and amazing how young they were.

0:26 Can – Pnoom (1968)

Januar 25, 2011

Endlich mal eine Kölner Band nach all den Düsseldorfer Gruppen. Ich glaube schon, dass man sagen kann, dass dies die wichtigste Formation aus der Karnevalhauptstadt ist, die mit Karneval aber normalerweise eher weniger zu tun hat. Hier spielen sie allerdings lustig ein bisschen freestylemäßig vor sich hin. Aus denen hätte auch eine große Freejazzkapelle werden können. Es kam dann ein bisschen anders aber nicht viel. Irgendwie muss ich jetzt die Kurve kriegen zu einem schwerwiegenden Problem, das sich in meinem Musikcountdown abzeichnet. Da gibt es ein Loch zu stopfen und ich verspreche mir in dem Zusammenhang viel von meiner kompetenten und musikalisch gut ausgestatteten Leserschaft. Ich habe bis jetzt keinen Fünfsekundentrack (in Ziffern 5). Geht da was? Wenn ja, die mp3 bitte an alex63ANbigfootPUNKTcom schicken oder mir sagen, wo ich sie im Internetz finden kann. Jute Nacht allerseits.

(Die Liste aller 309 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:27 Capsule – Phony Phonic (2003)

Januar 24, 2011

Eher ein harmloses, kindliches Stückchen Musik mit Glockenspiel hier, eine Art Gegenstück zu der Bikini Kill-Kreischorgie von gestern. Ein bisschen eine heile Welt, wie in einigen Filmen von Rudolf Thome (s.u.). Alternativ hätte ich auch Yoko Ono’s Toilet Piece auf dem iPod gehabt, aber das war mir dann doch zu bescheuert.

(Die Liste aller 308 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

***

Heute hat mich die dünnhäutige Reaktion eines von mir sehr geschätzten Filmregissseurs auf ein paar nicht so nette Sätze von mir zu seinem letzten Film (s. Eintrag von vorgestern) etwas verwundert. Vielleicht hätte ich mit dem Positiven anfangen sollen in meiner Kurzkritik. An seinem neuen Film Das rote Zimmer haben mir auch so einige Sachen gefallen. Da wären als erstes natürlich die beiden Schauspielerinnen zu nennen, die in der ménage à trois mit dem Kussforscher, der anfangs keine Kusspartnerin für seine Studien hat, ganz klar die Initiative ergreifen. Frauen, die wissen was sie wollen, finde ich schon einmal grundsätzlich sehr sympathisch. Sie spielen ihre Rollen eher unspektakulär und mit einer großen Natürlichkeit. Die Schauspielerinnen haben beide natürlich schon eine Menge Charme. Auch gefallen hat mir das Haus im Grünen im Schatten der hohen Laubbäume (wohl in Vorpommern gelegen). Der kleine See nahebei vervollständigt diesen Traumort, an dem dem man gerne selber mit zwei Frauen einen Sommer verbringen würde und mit ihnen beim Rotwein draußen auf der Holzbank am Holztisch sitzen möchte und einfach die Tage rumdiskutieren und die Nächte sich den anderen körperlichen Genüssen widmen möchte. Bei diesem Setting muss man natürlich auch sofort an Rainer Langhans denken aber bei dem sind/waren es mehr als zwei Frauen. Aber stören tun mich auch einige Dinge an dem Film. Zum einen die Marionettenhaftigleit des Mannes, das scheint aber schon fast ein Grundmotiv bei Thome zu sein, die Männer sind eigentlich immer schwach und ziemliche Langweiler. Die Dialoge sind ebenfalls nicht nach meinem Gusto. Es gibt eigentlich nur banale und/oder klischeehafte Dialoge. Man vergisst sie sobald man sie gehört hat. Kein Dialog aber unvergessen ist das Schild im Wagen als die drei am Ende nachdem sie ihren Ehevertrag geschlossen haben weg an die Küste (wahrscheinlich Ostsee) fahren, da steht „Just Married“ und man sieht das Auto einen Hügel hochfahren und verschwinden. Wie blöd und unoriginell ist das denn? Im von den Frauen aufgesetzten Ehevertrag sichert der Mann, der übrigens kein Doktor ist, von den Frauen aber immer so tituliert wird, den beiden dreitausend Euro pro Monat zu, wenn sie mit ihm zusammenleben. Wieder so ein beklopptes Klischee, der Mann hält die Frauen aus, er bezahlt sie wie Prostituierte. Und sie wollen es auch noch so. Wenn das keine bescheuerte Männerphantasie à la Berlusconi ist, dann weiß ich wirklich nicht. Die Kussforschung als solche ist ebenfalls sehr unersprießlich. Da wird erst geküsst und dann darüber gesprochen, was man dabei empfunden hat. Im Grunde eine ganz interessante Idee, aber leider kommen da rein überhaupt keine tieferen Erkenntnisse zustande. Für den Mann ist das Küssen der Prolog zum Sex, wie die Frauen das Küssen empfunden haben, weiß ich nicht mehr. Das war jedenfalls sehr ernüchternd, ansonsten hätte ich es mir gemerkt. Je mehr ich über den Film schreibe und nachdenke, desto besser wird er in der Erinnerung. Das liegt aber glaube ich auch daran, dass im Rückblick alles schöner wird. Auch und gerade weil man die unangenehmen, todlangweiligen, nervigen und peinlichen Momente einfach ausblendet.

0:28 Bikini Kill – In Accordance to Natural Law (1998)

Januar 23, 2011

„All Men Are Evil Except My Boyfriend“
Said the sound of the spectacle
I read it in a fanzine

Bikini Kill war eine Frauenband aus Olympia, Washington, die die feministische Bewegung der Riots Girls mit anführte. Sie haben damals in den frühen Neunzigern ziemlichen Lärm gemacht und ganz schön rumgeschrien. Hier eines ihrer späteren, kürzeren Stücke, mit achtundzwanzig Sekunden finde ich es trotzdem nicht eine Sekunde zu kurz.

(Die Liste aller 307 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:29 The Smiths – I Want a Boy for My Birthday (1982, The Cookies 1963)

Januar 22, 2011

I want a boy for my birthday
That’s what I’ve been dreaming of
I won’t have a happy birthday
Without a boy to love

Tschuldigung für die schlechte Qualität dieses unvollständigen Liedes. Es ist soweit ich weiß die älteste erhaltene Aufnahme der Smiths, sie covern eine amerikanische R&B Mädchenband der 50er und 60er. Den Liedtext trägt Morrissey mit hoher Überzeugungskraft vor, selbst in der grottenschlechten Qualität hört man doch auch schon hier – zumindest ging es mir so mit dem iPod – die einzigartige Magie des Smiths-Sounds. Ich hatte vorhin in der U-Bahn jedenfalls eine Gänsehaut über die knappe halbe Minute, bevor das Lied abbrach. Das Aufnahmejahr 1982 ist außerdem ein Jahr, in dem mein Leben eine interessante Wendung nahm, von der ich, wenn ich ehrlich bin, noch heute zehre. Und 1963, na ja, da schweigt des Sängers Höflichkeit oder wie es nochmal heißt.

(Die Liste aller 306 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

***

Wir haben heute übrigens den allerschlimmsten, banalsten, überflüssigsten Film von Rudolf Thome überhaupt gesehen. Schon die letzten Machwerke waren ja nicht sehr toll – beim Letzten von 2006 pennte lustigerweise Thome himself über die längste Zeit der Vorpremiere in der Sachsenhausener Harmonie, der wir beiwohnten. Das rote Zimmer ist eine Altherrenphantasie über einen Mann der mit zwei Frauen rummacht, die auch miteinander rummachen. Es wird viel geküsst, die Frauen dürfen sich ausziehen, der Mann natürlich nicht, und die Dialoge sind wieder mal an der Grenze der Debilität, hölzern und unlustig und ohne Charme. Der Film zog sich außerdem ewig in die Länge, die Einstellungen wollten nicht aufhören, es war eine Qual. Das war nun endgültig der letzte Thome, den ich mir in diesem Leben angetan habe.

0:30 Dissidenten – Do You Know the Way? (1980s)

Januar 22, 2011

Die Dissidenten habe ich in den frühen Neunzigern mal im Tempodrom gesehen. Eine Band, die ich immer bewundert habe weil sie Musik und Reisen auf eine perfekte Art und Weise vereinigt hat. Bis heute kenne ich kaum eine Gruppe, die östliche und westliche Musik so überzeugend fusioniert hat. Die Négresses Vertes haben später etwas ähnliches versucht, aber die Volksmusik, auf die sie sich bezogen haben, war nicht ganz so exotisch, eher aus dem mediterranen Raum (z.B. algerischer Raï). Embryo, aus denen die Dissidenten dissidiert sind, habe ich übrigens auch mal gesehen. Ganz am Anfang meines Studiums in München im Winter 1984. Sehr viel Getrommel in einem kleinen Klub. Da fehlte ein bisschen der sex appeal, den die Dissidenten dann später hatten.

(Die Liste aller 305 seit dem 1. Februar 2010 ausgewählten Stücke ist hier.)

0:31 Cat Power – Fiance (1996)

Januar 20, 2011

A guitar instrumental from the second Cat Power album Myra Lee. Yes, I must admit that I was in love with Chan Marshall. Though I am not quite sure anymore if it was her body, her hair, her eyes or her voice which attracted me most. When listening to this it suddenly dawned on me. It must have been the sound of her guitar.

(The list of all 304 selections since February, 1st is here)