Archive for Oktober 2021

1623

Oktober 18, 2021

„Ich muss los!“, ruft sie

und springt flugs mit dem Hündchen

über die Straße.

1622

Oktober 17, 2021

Weinberge wachsen

einer Pyramide gleich

gen Flammenhimmel.

[Kai Hackemann – Rheingauabend]

1621

Oktober 17, 2021

Spüre schon wenig.

Früher war ich stolz darauf,

viel zu vertragen.

1620

Oktober 17, 2021

Von der Dämmerung

in das Morgenlicht gejoggt.

Wolkendecke dicht.

1619

Oktober 16, 2021

Eine Stimme, die

sechs Jahre geschwiegen hat,

will explodieren.

[Adele – Easy on Me]

1618

Oktober 16, 2021

Ein Falke, ganz nah,

auf einem Pfosten thronend.

Die Hündin sieht nix.

1617

Oktober 16, 2021

Rauhreif auf Wiesen.

Hänger voller Pferdemist.

Dampfschwaden wabern.

1616

Oktober 16, 2021

Nach Sonnenaufgang

durch feuchte Wiesen gestreift.

Füße unterkühlt.

1615

Oktober 13, 2021

Ganz im Hier und Jetzt.

Anders priorisieren.

Stimmungen spüren.

[Respektvoll? – der Umgang mit Demenz]

1614

Oktober 13, 2021

Streicheln angesagt.

Kondensstreifen kreuzen sich.

Fallobst riecht süßlich.

1613

Oktober 10, 2021

Drehe Laufrunde,

sehe fern am Horizont

Sonne aufgehen.

1612

Oktober 10, 2021

Gellende Schreie

Am Himmel Kranichschwärme

Nach Süden ziehend

1611

Oktober 9, 2021

Über Abendrot

neben strahlender Venus

steht rechts Mondsichel.

1610

Oktober 9, 2021

Herbstsonne zeichnet

bewaldete Hügel weich

im Herzen Deutschlands.

1609

Oktober 9, 2021

Theaterdonner.

So ’ne Leber, kein Rückgrat.

Der Rest ist Schweigen.

[Klaus Pohl liest Sein oder Nichtsein]

1608

Oktober 7, 2021

Sie haucht Leben ein

in alles, was sie anfasst.

Und ganz viel Seele.

[Cat Power – Bad Religion (Frank Ocean)]

1607

Oktober 6, 2021

Bauer, der König

vor Turmschachgeboten schützt.

Klar, ein Regenschirm.

Perspektivenwechsel

Oktober 5, 2021

Die quasi völlige Resonanzlosigkeit als Auszeichnung der eigenen Einmaligkeit verstehen. Warum beschäftigt mich dieses Thema immer noch? Neulich kam mir plötzlich wie aus dem Nichts die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Der andere ist der Sinn, das Teilen, die Kommunikation mit dem anderen. Natürlich, was sonst? Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit nahm ich die U-Bahn statt des Rades weil es etwas regnete. Sie war proppevoll und ich hatte das Gefühl als würde ich nach dem Spurt, um sie nicht zu verpassen, unter meiner FFP2-Maske ersticken. Und dann hatte ich auch so ein Mini-Satori nachdem einige Leute am Wittenbergplatz ausgestiegen waren und ich einen Sitzplatz fand. In der Stadt versuchen die Leute sich gegenseitig auf Abstand zu halten, man wäre am liebsten ein Igel in der Masse. Körperkontakt mit den vielen um einen herum lässt sich kaum vermeiden aber menschlichen Kontakt gibt es kaum bzw. gar nicht. Auf dem Land bei niedriger Einwohnerdichte freut man sich, wenn man mal jemanden trifft auch wenn er fremd ist und kommt häufig miteinander ins Gespräch. Insbesondere wenn beide mit Hund unterwegs sind. Wo bin ich wohl lieber?

Oktober 5, 2021

Wir müssen uns eine demente Person als einen glücklichen Menschen vorstellen.

1606

Oktober 5, 2021

Zum Schluss die Frage

Wer wird zuerst verfallen?

Körper oder Geist?

1605

Oktober 3, 2021

Junger Schwede reist

durch ein Land in Ruinen,

schildert das Elend.

[Stig Dagerman – Deutscher Herbst]

1604

Oktober 3, 2021

Schwarzer Großvogel

flattert mit den Flügeln

ohne zu fliegen.

[Jo Berger Myhre – Aviary]

1603

Oktober 3, 2021

Schonungslos notiert.

Wie graue Zellen langsam

zu Schlamm mutieren.

[Michael Buselmeier – Elisabeth: Ein Abschied]

1602

Oktober 3, 2021

Statt hinzufallen

fliegt die Schwalbe und setzt matt

beim Problemschachspiel.

1601

Oktober 3, 2021

Hör auf die Stimme.

Die Nacht birgt ein Geheimnis.

Carver wusste es.

[Jo Berger Myhre – Smallest things, pt. 2]