Archive for Oktober 2010

1:41 Pixies – Isla de Encanta (1987)

Oktober 31, 2010
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Donde no hay sufrimiento

Im Grunde war das schon immer mein Lieblingslied auf der Debüt-EP Come On Pilgrim und wenn ich es mir recht überlege vielleicht sogar mein liebster Pixiessong überhaupt. Er kicked ass wie es sich für eine neue Band gehört und das Riff lässt dasjenige von Smoke on the Water, von dem immer alle in meiner Schulzeit geschwärmt haben, aber sowas von uralt aussehen. Dies ist Black Francis Ode an Puerto Rico, wo er einige Zeit zugebracht hat, der Titel bezieht sich auf den Spitznamen des Eilands: „Insel der Verzauberung“.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 234 Stücke ist hier.)

1:42 Boards of Canada – Constants Are Changing (2005)

Oktober 30, 2010

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Nur ein Satz: Mystik, Magie und Melancholie verschmelzen zu Musik.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 233 Stücke ist hier.)

1:43 John Carpenter – Shape Escapes (1978)

Oktober 30, 2010

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Eine Filmmusik und damit eine Premiere in dieser Reihe, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt. Ich habe Halloween nie gesehen, meine mich aber vage an die Szene zu erinnern, wo das Thema zuerst auftaucht: In einem dunklen Raum blickt die Kamera auf einen Vorhang vor einem Fenster, auf dem plötzlich ein Schatten erscheint, der sich hin und her bewegt und dann wieder verschwindet. Fast noch schöner als diese mit Synthesizer unterlegte Keyboardfassung aus dem Film ist die Klavierinterpretation. Man sieht förmlich wie die Spannung aufgebaut wird durch die schnelle, hohe, mit der rechten Hand gespielte Melodie, der der tiefe, langsame von der linken Hand gespielte Begleitteil gegenübergestellt wird.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 232 Stücke ist hier.)

1:44 Moondog – Lament 1 (1971)

Oktober 28, 2010

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Irgendwie ist hier ein bisschen die Luft raus. Die Besucherzahlen wollen einfach nicht anziehen (verstehe ich ja wirklich nicht). Der letzte Urlaubshiatus hat mich etwas aus der Blogpostroutine gebracht. Die Tracks sind inzwischen so kurz, dass sie meist nur noch Intermezzi sind, keine durchkomponierten Stücke mehr, fast nur noch Instrumentals. Außerdem gibt es nur noch 20 – 30 Tracks pro Tag zu hören, wovon einige Wortbeiträge, Klatschen, Vogelgezwitscher und abgebrochene Downloads sind. Heute haben wir Glück mit dem exzentrischen Moondog, der jahrelang auf den New Yorker Straßen in seltsamen Wikinger-Outfits herumlief, denn es ist seine auch unter dem Namen Bird’s Lament bekannte Erkennungsmelodie. An Moondog fasziniert seine völlige Singularität, seine Musik ist häufig recht orchestral und dem Kontrapunkt verpflichtet, sie schwebt zwischen perkussivem Barock, Minimal Music und improvisiertem Jazz, ist unglaublich harmonisch und melodisch und in einer angenehmen Art weich. Moondog hieß ursprünglich Louis Hardin und hat sich sein Pseudonym 1947 nach seinem Blindenhund angelegt, der den Mond anheulte wie kein anderer. Begraben liegt Moondog in Münster, die letzten 25 Jahre seines Lebens war er als Straßenmusiker in Deutschland unterwegs.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 231 Stücke ist hier.)

1:45 Johann Sebastian Bach – Suite g-Moll BWV 995 III Courante (ca. 1730, Óscar Cáceres)

Oktober 28, 2010

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Das ist jetzt schon der dritte Tanz – vom Tempo her zwischen der gemächlichen Sarabande und der flinken Gigue – aus dieser herrlichen Lautensuite von Johann Sebastian Bach in der luziden Interpretation des Montevideoer Gitarristen Cáceres. In Der vollkommene Capellmeister (1739) schreibt Mattheson über die Courante (von mir aus dem Englischen zurückübersetzt):

Die Bewegung einer Courante ist hauptsächlich durch die Leidenschaft oder die Stimmung einer süßen Erwartung gekennzeichnet. Denn es ist etwas Inniges, etwas Sehnendes und auch Erfreuliches in der Melodie: Eindeutig Musik, auf die Hoffnungen aufbauen.

Cut. Auf der ersten Etappe auf dem Jesus Trail von Nazareth nach Cana war der Weg- und Straßenrand voller Müll. Wir sprachen später noch mit einem der amerikanischen Voluntaries in unserer Nazarether Herberge darüber und er sagte uns, dass sie vor kurzem jede Menge Müll entfernt hätten und sogar der israelische Tourismusminister da gewesen war und versprochen hatte, sich hier einzusetzen. Das Ergebnis war ernüchternd, insbesondere der Ort Mashhad kurz vor Cana ist eine einzige stinkende Müllhalde. Ich werde diese im Süden sehr verbreitete Mentalität, dass die Natur ein Feind ist und daher vermüllt werden darf nie verstehen. Was auch interessant auf dem Weg war: Den ersten israelischen Juden haben wir erst am Nachmittag des dritten Tages getroffen. 25% der Bevölkerung in den nichtbesetzten Gebieten in Israel sind Araber. Mit den besetzten Gebieten wären es noch wesentlich mehr. Kein Wunder, dass Israel denen keinen Staatsbürgerstatus geben will. Die Araber, die das Glück haben auf israelischem Territorium zu wohnen, sind nicht nur voll stimmberechtigte Bürger, sie haben sogar noch wie die Orthodoxen keine Militärpflicht. Ich glaube, die fühlen sich in Israel recht wohl, da der Lebensstandard höher, das Land wegen guter Bewässerungstechnik fruchtbarer und die Infrastruktur besser ist als in den arabischen Anrainerländern.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 230 Stücke ist hier.)

1:46 Lansing-Dreiden – Dazzle Magic (2006)

Oktober 26, 2010

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Dazzle Magic beschreibt die Musik des amerikanischen Künstlerkollektivs Lansing-Dreiden, dessen Mitglieder bis heute namentlich unbekannt sind, sehr gut. Es bedeutet nämlich eine Kombination aus Blendwerk und Zauber und was sie da in ihren diversen Alben abgefeuert haben in den letzten Jahren war zwar nie besonders neu, aber es klang mindestens genauso schillernd wie das Alte, ich denke da an diverse Musiken aus den Siebzigern und zwar zuallererst an Glam Rock, von dem sie sich offensichtlich haben inspirieren lassen. Bei dem Titel muss ich gerade auch an den auf dem Wasser wandelnden Jesus denken. Am Sonntag schwebte ich noch in Ein Gedi im Toten Meer bei weit über 30 Grad. In senkrechter Position guckte der Oberkörper in etwa bis zur Brust raus. Aus der Ferne hätte es so aussehen können als wäre ich durch das Wasser gelaufen. Schwenk. Ich habe ja bis heute nicht verstanden, warum die Siesta von kaum einem Unternehmen für seine Mitarbeiter angeboten wird. Noch besser wäre allerdings der Nachmittagsschlaf auf dem Rücken in einer Salzlösung. Etwas entspannenderes kann ich mir nicht vorstellen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 229 Stücke ist hier.)

short break

Oktober 14, 2010

bin dann mal ein paar tage weg, hier unterwegs. frieren werden wir wohl nicht, morgen sollen es 36 grad werden. komme am 25. wieder zurück. dann geht es mit dem musikalischen countdown hier weiter. in der zwischenzeit könnt ihr ja nochmal durchhören, was bis jetzt so gelaufen ist. alle bis auf die ersten 20 oder so songs sind weiterhin online.

1:47 Wire – Champs (1977)

Oktober 13, 2010
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the pace the pace,
the speed,
the need,
the need to seed,

Wire mit ihrem Kunstschulbackground oszillierten zwischen Punk und Experiment, hatten aber auch einen knack for melody und eine Affinität zu Kurzsongs, sowie eine Menge Punch und dabei meine ich nicht den Longdrink. In Champs bringen sie dies phantastisch gut auf den Punkt, in dem Lied ist wirklich jede Sekunde ein Volltreffer, es ist ein Stück perfekter Musik. Am Ende möchte man jubilieren „Hurra, Armada versenkt“.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 228 Stücke ist hier.)

1:48 Vashti Bunyan – Winter Is Blue (1966)

Oktober 12, 2010

[AUDIO https://docs.google.com/uc?id=0B6VP-jaS7U-JZTg4Y2IxZTktOWVmMy00NDA5LTlmYWMtOWM5ZjJhMDBhM2Rl&export=download&hl=de%5D

Why must I stay here
Rain comes I’m sitting here
Watching love moving
Away into yesterday

Hier geht es offensichtlich um das Ende einer Liebe, das mit dem Beginn des Winters koinzidiert. Vashti Bunyan’s zärtlich-sanfte Stimme evoziert für mich Flower Power wie kaum eine andere. Passenderweise war sie eine Weile mit einem Pferdewagen unterwegs und suchte mit ihrem Partner nach einer angeblich von Donovan auf einer schottischen Insel gegründeten Künstlerkommune. Während dieser Zeit on the road schrieb sie ihre Lieder, die dann 1970 auf Just Another Diamond Day veröffentlicht wurden. Dieser Song von einer älteren Aufnahmesession war ein später veröffentlichter Bonustrack.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 227 Stücke ist hier.)

1:49 The Durutti Column – Sleep Will Come (1980)

Oktober 11, 2010
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Peace will come and with it sleep
Forgotten dream
I clear my mind

Vini Reilly ist jemand, der seinen eigenen Sound bzw. Ton gefunden hat; man kann ihn nach wenigen Sekunden wiedererkennen. Mit seiner Spieltechnik auf der Gitarre erzeugt er einen rhythmisch ondulierenden, stark hallenden Klang, der mich etwas an New Age – das eigentlich erst später kam – erinnert. Bei dem heutigen Track fühlt sich der elastische Gitarrensound wie ein Trampolin an, in das der Hörer immer wieder zurückgeworfen wird, um dann wieder hochzuspringen. Man kann einfach nicht hinfallen, man wird immer wieder aufgefangen. Vom Titel bin ich mir nicht sicher, ob er autobiographisch ist. Ich kann ihn ganz gut nachvollziehen weil ich selber momentan nahezu täglich Schlafprobleme habe. Ich wache häufig lange vor fünf Uhr morgens auf und kann dann erst einmal nicht mehr einschlafen. Da helfen dann auch Schafzählsessions wenig. Der Schlaf kommt dann doch noch, allerdings oft erst ca. 5 Minuten bevor der Wecker gegen sieben klingelt. Toll ist in dem Moment dann immer, dass ich das Gefühl habe, aus tiefstem Schlummer zu erwachen und mich häufig phantastisch gut an meinen Traum erinnere, der dann normalerweise mittendrin abgebrochen ist.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 226 Stücke ist hier.)

1:50 The White Stripes – Fell in Love with a Girl (2002)

Oktober 10, 2010
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can’t keep away from the girl
these two sides of my brain need to have a meeting
can’t think of anything to do yeah
my left brain knows that our love is fleeting

1. Dieses Lied ist auch in John Peel’s Singles Box, auf seine späten Tage war der britische Radio DJ ein großer Fan von Jack und Meg White, von den 142 Singles sind 15 von den White Stripes bzw. von Kollaborationen mit ihnen.
2. Die White Stripes sind so ziemlich die letzte der neuen Bands, die sich überhaupt noch in meine Gehörgänge verirrt hat. Neu war ihre Art von schweißtreibendem, primitivem Garagenbluesrock zwar absolut nicht, aber zumindest vital. Und das ist heutzutage ja schon eine ganze Menge.
3. Ich habe mal kurz einen jungen Belgier kennengelernt, der meinte, die White Stripes wären die größte Band der Welt. Und wenn man die Aussage nur auf die Bands, die seit den White Stripes gegründet worden sind bezieht, dann hat sie durchaus ihre Plausibilität.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 225 Stücke ist hier.)

1:51 The Lemonheads – Bit Part (1992)

Oktober 9, 2010
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I just want a bit part in your life
A bit part in your life
A little more than a cameo
Nothing traumatic when I go

Ein Lied für das englische Wörter wie catchy oder kick-ass erfunden worden zu sein scheinen. Powerpop wie er im Buche steht. Wie Evan Dando und seine Lemonheads in 111 Sekunden die Party kickstarten. Neben Dando brüllt und singt hier übrigens die schöne Juliana Hatfield. Eines der ganz wenigen Lieder, ansonsten fällt mir da jetzt gerade auf die Schnelle nur Panic ein, das selbst mich alten Tanzmuffel unwiderstehlich auf die Tanzfläche hinauszieht.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 224 Stücke ist hier.)

1:52 The Mountain Goats – See America Right (2002)

Oktober 8, 2010
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If we never make it back to California
I want you to know I love you
But my love is like a dark cloud full of rain
That’s always right there up above you

John Darnielle kenn ich ein bisschen von I Love Music und von seinem Blog Last Plane to Jakarta. Er ist ein Heavy Metal Fan, eigentlich eine Spezies, die ich aber sowas von nicht verstehe. Aber diesen Song und das Tallahassee-Album auf dem er drauf ist, kann ich sehr gut nachvollziehen. Hassliebe, Alkoholismus, Selbstzerstörung. Ein Paar, das nicht miteinander aber erst recht nicht ohne einander leben kann. Don’t we all know it? John ist glaube ich Psychotherapeut oder sowas ähnliches. Er weiß, wovon er hier singt.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 223 Stücke ist hier.)

1:53 Johann Sebastian Bach – Goldberg Variationen Aria (1741, Gould 1955)

Oktober 7, 2010

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Die Goldberg-Variationen in der berühmten 1955er Aufnahme von Glenn Gould gehen reflektiert und präzise los, das Tempo spart sich Gould für später auf. Ich weiß nicht mehr genau in welchem Jahr es war, vielleicht 1986, jedenfalls war ich auf Interrailtour in Griechenland, Italien und Portugal, wo ich gerade noch hingekommen bin in der begrenzten Zeit. Und ich habe in allen drei Ländern rein zufällig morgens zum Frühstück in den Hostels bzw. Privatquartieren die Gouldschen Goldberg-Variationen gehört. Sie waren der Soundtrack zu meiner ersten und letzten Interrailreise. Und mit dieser Aria geht der Trip los. Es gibt schlechtere.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 222 Stücke ist hier.)

1:54 The Beach Boys – Caroline, No (1966/1997, a cappella)

Oktober 6, 2010
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Where did your long hair go
Where is the girl I used to know
How could you lose that happy glow

Caroline hat sich verändert. Was ist nur mit ihr passiert? Warum liebt er sie nicht mehr? Wieso hat sie das glückliche Leuchten in den Augen verloren? Ist sie alt geworden? Oder hat sie sich ihr Haar schneiden lassen und hat ihn einfach verlassen? Und dieses Lied von Brian Wilson ist in Wirklichkeit nicht über ihre verblasste Schönheit sondern über seinen Liebeskummer? In any case seien wir froh, dass es mit Caroline und Brian so ein trauriges Ende genommen hat. Denn sonst gäbe es dieses wunderschöne Lied nicht, das in der reinen Vokalfassung aus den erst 1997 veröffentlichten Pet Sounds Sessions wie ich finde noch bewegender ist. Die Liebe zwischen den beiden Protagonisten wird in diesem Song sozusagen aufgehoben und kann somit gar nicht sterben.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 221 Stücke ist hier.)

1:55 Joy Division – As You Said (1980)

Oktober 5, 2010

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Vor New Order war Joy Division und vor Joy Division war Warsaw und vor Warsaw, der Band war Warszawa, der Song (Eno & Bowie auf Low). Wieso schreib ich das? Na ja, auf meinem iPod läuft das Stück unter Warsaw und zwar als letzter Track auf der Warsaw-LP, die erst viele Jahre nach Ian Curtis‘ Tod publiziert wurde. Dabei hat er mit der Punk-Band vor Joy Division eigentlich nichts zu tun. Außer einer gewissen, sehr entfernten Ähnlichkeit – zumindest ist es auch ein ambienteskes Instrumental, allerdings mit Beats – mit dem Bowie-Stück. Ansonsten muss man natürlich sagen, dass As You Said, das als B-Seite auf der Gratissingle Komakino im April 1980 rauskam, hinausweist auf eine Zukunft der Band ohne den Sänger. Die Einfachheit des Stücks, das sich anhört wie das Ergebnis einer Rumspielerei von Stephen Morris mit dem Drum Computer und seiner Partnerin Gillian Gilbert an der Elektro-Orgel unter ausgiebiger Benutzung des Hallreglers, macht es mir sympathisch. Eigentlich ist es ein großes, schlagendes Nichts, New Order ohne Melodie, im Grunde schon so eine Art Technotrack, nur viel, viel besser natürlich. Manche Bands machen ihre ganze Karriere über nur Scheiße, andere pinkeln mal kurz in die Ecke im Probenraum und es ist große, zukunftsweisende Kunst. Ratet mal in welche Kategorie Joy Division gehören!

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 220 Stücke ist hier.)

1:56 Ougenweide – Rumet uz die Schäemel und die Stüele (1976)

Oktober 4, 2010
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Rûmet ûz die schämel und die stüele!
heiz die schragen
vuder tragen!
hiute sul wir tanzens werden müeder.
werfet ûf die stuben, sô ist ez küele,
daz der wint
an diu kint
sanfte waeje durch diu übermüeder!

(Räumt die Schemel und Stühle aus!
Lass die Tische
forttragen!
Heute wollen wir bis zum Umfallen tanzen.
Reißt die Türen auf, dann ist es luftig,
so dass der Wind
den Mädchen
kühlend durch ihre Mieder wehen kann.)

(Quelle)

Ougenweide war glaube ich die erste deutsche Band, die mittelalterliche Texte vertont hat. Sie gründeten sich 1970 und existieren bis heute und touren gerade mit einer ganz neuen CD namens Herzsprung. Dieses mittelhochdeutsche Lied ist – wie auch der Bandname – von Neidhart von Reuental (Anfang 13. Jahrhundert) und es beschreibt einen bäuerlichen Wintertanz, in dem es um das Werben um die Mädchen geht. Es hat mich damals schon im Deutschunterricht fasziniert, die Minnegesänge von Walther von der Vogelweide zu verstehen und es hat mich gewundert, dass so etwas möglich ist, dass eine Sprache in knapp 800 Jahren so relativ unverändert geblieben ist, dass man sich die Wörter mit etwas Geduld und Mühe heute immer noch herleiten kann. Ich sehe schon den Tag kommen, wo ich das Mittelhochdeutsche besser verstehe als die aktuelle Sprache der Jugendlichen. Auch daran kann man sehen, wie unglaublich sich das Leben in dieser Welt in den letzten fünfzig Jahren beschleunigt hat.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 219 Stücke ist hier.)

1:57 Pascal Comelade – Under My Thumb (2008, Rolling Stones 1966)

Oktober 3, 2010

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Ein alter Klassiker der Stones in einer liebevollen rein instrumentalen Bearbeitung mit Glockenspiel, Harmonika, Klavier, Gitarre und diversen Schlaginstrumenten. Der Katalane Pascal Comelade, der unweit Perpignan kurz vor den Pyrenäen in Céret wohnt, hat so ein wenig die naive Kunst in die Musik gebracht. Er arbeitet sehr gerne mit Spielzeuginstrumenten wie Klavieren und Gitarren in Miniaturform und spielt mit Vorliebe bekannte Lieder nach, schreibt aber auch selber welche. Er hat mit vielen bekannten Musiker zusammengearbeitet, sehr gelungen finde ich zum Beispiel seine Kollaboration mit Robert Wyatt mit dem Namen September Song. Das eigentlich sehr machohafte Under My Thumb wird bei ihm zu einer recht rührseligen Ballade zum Schunkeln. Muss auch mal sein. Passt außerdem gut zum Oktoberfestende.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 218 Stücke ist hier.)

1:58 Bob Marley & the Wailers – Sun Is Shining (1971)

Oktober 2, 2010
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When the morning gathers the rainbow
Want you to know I’m a rainbow too

1. Reggae ist so ein Stil, den ich zwar im Grunde ganz gerne mag, aber es gibt nur wenig Songs, die ich liebe.
2. An diesem Stück von Bob Marley haben mich sofort die atypischen Elemente fasziniert.
3. Da wäre zuerst der unheimlich schleppende Rhythmus zu nennen, um so langsame Musik zu machen, muss man mindestens einen Joint zu viel geraucht haben.
4. Dann das Klagende und das Bedrückende, was seltsam mit dem Titel kontrastiert als wollte der Sänger sagen, die Sonne scheint zwar, aber nicht für alle und zwar insbesondere nicht für seine Freunde. Hierhin passt auch, dass die Tonart anscheinend e-Moll ist. Die Wailers machen hier wirklich ihrem Namen alle Ehre.
5. Zu guter Letzt hat der Klang der Melodica mich sofort mitten ins Herz getroffen, es kommt mir vor als bündele er die Traurigkeit ähnlich wie in der Natur der Eselsschrei, wie die arme Kreatur ihre Gefühle direkt eins zu eins in Laute umsetzt, die jeder sofort verstehen kann ohne Übersetzer.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 217 Stücke ist hier.)

1:59 Felt – Ferdinand Magellan (1986)

Oktober 1, 2010

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Felt war so eine Art Kultband in Insiderkreisen in den 80ern. Ihr Leader war der enigmatische Lawrence, dessen Nachname lange ein Geheimnis blieb. Seine Stimme hatte etwas pathetisch Glitzerndes, ein bisschen wie ein introvertierter Bryan Ferry ohne Croonerqualitäten. Na ja, die werdet ihr hier jetzt leider noch nicht – wer weiß was die Zukunft bringen wird – hören, denn es handelt sich schon wieder um ein Instrumentalstück. Auf dem Klavier dieses Mal, sehr melodisch und leicht schwermütig und etwas unter die Oberfläche gehend. Von der Leichtigkeit und Schlichtheit durchaus vergleichbar mit den kurzen Klavierstücken von Satie. Als ich es heute morgen gehört habe, dachte ich erst, es wäre von dem kanadischen Pianisten Gonzales und war dann fürbass überrascht. Der Titel passt irgendwie ganz gut auf die Musik und den Bandleader. Magellan war ja bekanntermaßen derjenige, der die erste Weltumsegelung begann, sie aber nicht selber vollenden konnte weil er beim Versuch, die Bewohner einer philippinischen Insel zu unterwerfen, ums Leben kam. Als Lawrence dann Ende der 80er Felt (Filz) auflöste, nannte er seine nächste Band, die mehr in Richtung Glam-Rock tendierte, Denim. Den großen Durchbruch schaffte er auch mit ihr nicht.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 216 Stücke ist hier.)