Archive for Dezember 2021

1760

Dezember 31, 2021

post-punk guitar swirl

spoken everyday thoughts

album of the year

[Dry Cleaning – Her Hippo from New Long Leg]

1759

Dezember 31, 2021

Schönster Sonnenschein.

Der Geruch von Holzfeuern.

Siedlung im Nebel.

[Randonnée de la faune et la flore, Laroque]

1758

Dezember 30, 2021

L’employée offre

trois fois son aide aux gens dans

la queue à la caisse.

1757

Dezember 30, 2021

Dreißig Minuten

im Laden warten weil nur

eine Kasse geht.

1756

Dezember 30, 2021

Die Yorkshire-Hündin,

die am Sandstrand begeistert

das Meerwasser schmeckt.

1755

Dezember 30, 2021

Solange Shakey

noch sprechsingt und Old Black grollt,

ist die Welt ok.

[Neil Young & Crazy Horse – Welcome Back]

1754

Dezember 30, 2021

Locker, luftig, leicht.

Gute Laune verbreitend.

Welch Start in den Tag!

[Kings of Convenience – Angel]

1753

Dezember 29, 2021

Der Himmel lodert,

changiert zwischen pastell, gold,

orange, feuerrot.

[Sonnenuntergang, Saint-Génis]

1752

Dezember 29, 2021

In weiß eingepackt.

Ein alter Asiate

mit Handy am Ohr.

1751

Dezember 29, 2021

Ein weißer Umriss,

an dem Wegesrand kauernd,

telefonierend.

1750

Dezember 28, 2021

Schwer unheimliche

Himmelssphärenbeatmusik,

die einen reinzieht.

[Boards of Canada – Reach for the Dead]

1749

Dezember 28, 2021

Die Yorkshire-Hündin,

ein wild tanzender Derwisch

mit Puppe im Maul.

1748

Dezember 28, 2021

Schlaflose Nächte

durch das Hören von Podcasts

zu überstehen.

1747

Dezember 27, 2021

Die Yorkshire-Hündin

öffnet das Maul und gähnt

voll synchron mit mir.

1746

Dezember 27, 2021

Vielleicht war früher doch

alles besser, man denke

nur an die Musik.

[Midlake – Roscoe]

1745

Dezember 27, 2021

Köstliche Stille

gegen Lärm der Welt tauschen.

Nicht leicht für Taube.

1744

Dezember 27, 2021

Leben und Schreiben.

Der Text als Wünschelrute,

die weiß, wohin’s geht.

[SWR2-Interview mit Judith Hermann]

Rundlauf Laroque – Saint Génis – Villelongue – Laroque

Dezember 26, 2021

Gehe Kiesel-Auffahrt hoch,

das Tor bereits halb geöffnet,

nach nur wenigen Laufschritten

fühle ich das linke Knie,

gehe es langsam an,

links den asphaltierten Chemin de la Boutade hinab,

vor mir hinter einem rötlich-braunen,

in Morgensonne getauchten Streifen

die Corbières,

rechts ist das Mittelmeer zu erahnen,

davor in der Ebene,

die weiße Kathedrale von Elne,

links zum Greifen nah,

jedoch nur schwer erreichbar,

der langgezogene, mit Puderzucker bestreute

Bergrücken des Canigou-Massivs,

schneeweiß, jungfräulich,

in der Sonne glänzend,

die Landschaft vollkommen beherrschend,

vor der Doppelkurve

mit dem Schlenker

das Ortsausgangsschild,

laufe vor einer Linkskurve

rechts in das Wäldchen hinein,

über die Straße

dann zwischen alten Weinstöcken,

an der kleinen Brücke am Ortsrand von Saint Génis

der tiefste Punkt der Tour,

nun geht es aufwärts, erst leicht,

dann 100 m Steigung rauf zwischen den Pinien,

am Himmel die Halbmondsichel, abnehmend

rechts daneben fliegt

ein die Sonne reflektierendes

Propellerflugzeug durchs Bild,

vor mir im Hintergrund

erheben sich die grün bewaldeten Albères,

auf der rechten Straßenseite

– ich laufe links –

geht ein Paar mit zwei Hunden,

sie leinen sie beide an,

der Schäferhund schweigt,

der kleine Köter kläfft

als ich vorbeilaufe,

nun im Einfamilienhaus-Neubaugebiet

von Villelongue,

am Friedhof vorbei

hinaufgeschnauft ins Ortszentrum,

die enge Kurve

vor der Départmentale nach Laroque

schneidet ein dunkler französischer Kleinwagen

fährt Millimeter an mir vorbei,

ich kann mich gerade noch

an die mit Wein bewachsene

Hauswand schmiegen,

noch ein paar Meter

bis zum Zebrastreifen,

dem höchsten Punkt,

lasse die Beine locker auslaufen,

den Berg hinab

bis zum Ortsausgang,

dann rechts quer durch

ein Stück Wiese

hinunter zur ersten Brücke

hinter der Kurve,

die Straße wieder eben,

der Himmel voller Schäfchenwolken,

eine Amsel singt ihr Morgenlied,

rechts vor mir Schleierwolken

links unterhalb des Néolous,

da wo die Albères

langsam zum Mittelmeer hin auslaufen,

versucht die Sonne aufzusteigen,

überquere noch zwei Brücken,

vor mir zwei Frauen,

die eine jung, die andere alt,

was ich erst sehe

als ich sie links überhole,

setze zum Endspurt an,

direkt vor dem Ortseingangsschild

geht das Tor auf.

[33:18]

1743

Dezember 26, 2021

Nach dem Aufwachen

Schrift verschwommen wahrnehmen.

Aus Augen rieselt’s.

1742

Dezember 26, 2021

Im Ohr nachhallend:

seine sonore Stimme.

Tief, räsonierend.

1741

Dezember 25, 2021

Der Cocker-Jagdhund,

der in der Felsnische thront

nahe den Caranques.

1740

Dezember 25, 2021

Der Weihnachtsbrief als

die vorweggenommene

Todesanzeige.

1739

Dezember 24, 2021

Am Bach junges Paar

sie in T-Shirt, mit Katze,

Hund und zwei Eseln.

1738

Dezember 24, 2021

Partis, les anglais.

Maisons, thé, brume et crachin.

Ils les ont laissés.

[Randonnée de la faune et flore, Laroque-des-Albères]

1737

Dezember 24, 2021

Ein groovender Strom:

Beruhigend, aufrichtend,

leichtfüßig, tröstend.

[James Yorkston – To Soothe Her Wee Bit Sorrows]

1736

Dezember 24, 2021

A jogging group that

meets daily before sunrise

in all big cities.

1735

Dezember 24, 2021

Canigou versteckt.

Frischen Jogger überholt.

Am Ende spurtlos.

1734

Dezember 24, 2021

Die Erinnerung:

Aus der Hälfte der Teile

besteh’ndes Puzzle.

1733

Dezember 23, 2021

Zehn Kilometer

sind wir heute gegangen,

die Hündin fünfzehn.

1732

Dezember 23, 2021

Wir sind ungetrennt

vom Ganzen vor der Geburt.

Nach dem Tod dito.

[inspiriert von der ersten Seite von Lou Andreas-Salomés Lebensrückblick]

1731

Dezember 23, 2021

’ne sanfte Stimme,

lyrics, die ins Herz treffen,

pedal steel guitar.

[Faye Webster – I Know I‘ m Funny haha]

1730

Dezember 23, 2021

Was passiert, wenn sich

Geldmenge versiebenfacht

in dreizehn Jahren?

[ Hans-Werner Sinn: Kommt jetzt die Inflation?, 13.12.]

1729

Dezember 19, 2021

Blick erwartungsvoll,

Ohren gehen auf und ab,

Stummelschwanz aufrecht.

1728

Dezember 19, 2021

Ein Trompetenton

in brodelnden Klangräumen.

Traummusik. Magisch.

[Frosty presents Memory Flashes for Jon Hassell]

1727

Dezember 17, 2021

Öffne Klappläden.

Das Rotkehlchen zwitschert

sein Morgenliedchen.

1726

Dezember 16, 2021

Zentralbanken, die

Inflation ignorier’n,

sind ihr Geld nicht wert.

1725

Dezember 16, 2021

Ausgeschlafen sein:

Mit Drachenblut gewappnet

für den ganzen Tag.

1724

Dezember 16, 2021

Die Durchlässigkeit

durch das Intervallfasten

abends genießen.

1723

Dezember 16, 2021

Ein Gestank steigt auf.

Tretminensuche in Nacht

mehr als erfolgreich.

1722

Dezember 16, 2021

Mausefalle leer.

Kuchenkrümel verschwunden.

Sie hat sich’s verdient.

1721

Dezember 14, 2021

Im wilden Osten,

im Wohlstandsbauch des Westens.

Man bleibt unter sich.

[David Wagner & Jochen Schmidt – Drüben und drüben: Zwei deutsche Kindheiten]

1720

Dezember 12, 2021

Aus siebzehn Silben

von Zeit verwehtem Moment

Gedenkschrein bauen.

1719

Dezember 11, 2021

Die Kunst des Haikus:

Was da grade passiert ist

auf den Punkt bringen.

1718

Dezember 11, 2021

Die Sennenhündin

lässt sich von Labradorin

Gesicht abschlecken.

1717

Dezember 11, 2021

Vor mir der Apfel.

Labrador in Deckung blickt

voller Erwartung.

1716

Dezember 11, 2021

Korken zerbröselt.

Bouquet öffnet sich langsam:

Süßlakritz, Pflaume.

[Château la Chandellière 2012, Médoc]

1715

Dezember 11, 2021

Fahrt durch Schneelandschaft

mit Kindergesang im Ohr.

Es weihnachtet sehr.

[Vince Guaraldi Trio – Christmas Time Is Here]

1714

Dezember 11, 2021

Autobahnblindfahrt

im weißen Nebelkokon

über Elbbrücke.

1713

Dezember 11, 2021

In Deutschland wären

die Impfskeptiker:innen

eine Volkspartei.

1712

Dezember 11, 2021

Morgens um sieben

sich das Ohr streicheln lassen

am Strand von Rio.

[Luiz Bonfá – Bossa Nova Cha Cha]

1711

Dezember 7, 2021

Weder am Ausgang

noch mit Personal besetzt:

Kassen bei Zehnkampf*

[* französische Sportgeschäftskette]

1710

Dezember 7, 2021

Einfach losgehen.

Die Ängste zurück lassen.

Sich die Zeit nehmen.

[Gespräch mit Rebecca Maria Salentin über den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest]

1709

Dezember 6, 2021

Alles vermasseln.

Tief im Schlamassel stecken.

Nur Massel haben.

1708

Dezember 6, 2021

Es gibt den Moment,

wenn die Worte raus müssen.

Welcome back, Peter.

1707

Dezember 6, 2021

Zweitausendeins als

es noch kaum Blogger gab

und viel Resonanz.

1706

Dezember 6, 2021

Warum nur flüchten

wir uns in die Fiktion

und nicht ins Leben?

1705

Dezember 6, 2021

Beim Orthopäden

neunzig Minuten warten

und der Groll legt sich.

1704

Dezember 6, 2021

Der Typ, der abends

zehn Runden um den Block läuft

in kurzer Hose.

1703

Dezember 6, 2021

Blanke Todesangst

in den winzigen Äuglein.

Die Freiheit suspekt.

1702

Dezember 6, 2021

Dem Kuchengeruch

sechs Tage widerstanden.

Klappe zu. Maus lebt.

1701

Dezember 5, 2021

Eine Frau flüchtet

im Wald an einer Lichtung

auf einen Hochsitz.

[Karen Köhler – Wild ist scheu, Hörspiel]

1700

Dezember 5, 2021

Vom Himmel kommend

steigt’s Eichhörnchen Apfelbaum

zur Erde hinab.

1699

Dezember 4, 2021

Augen zudrücken.

Die La-Welle über sich

ro-holl-en lassen.

[Low – Silver Rider]

1698

Dezember 4, 2021

Seit zwanzig Jahren

Gefühl zeitlicher Sequenz

völlig verloren.

1697

Dezember 3, 2021

Die wirklich Großen

werden immer erst entdeckt,

wenn sie schon tot sind.

1696

Dezember 3, 2021

Morgendämmerung.

Hochdimmen des Tageslichts.

Sonne-Erde-Spiel.

1695

Dezember 3, 2021

Morgendämmerung.

Nobles Geschenk der Sonne:

ein raureifer Tag.

1694

Dezember 1, 2021

Abends Ingwertee.

Mit leerem Magen ins Bett.

Freuen aufs Müsli.

1693

Dezember 1, 2021

Der Apfelbaum kahl

bis auf die letzten Blätter,

die im Wind zittern.