Archive for November 2010

1:11 Bill Evans – My Heart Stood Still (1964, Rodgers 1927)

November 30, 2010

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Wie kann es sein, dass dieser Jazz-Standard aus dem Musical A Connecticut Yankee (1927) in dieser Fassung so kurz ist? Ganz einfach, er wird hier dreimal gespielt! Allerdings kein einziges Mal bis zum Ende! Das Herz des vom Trio aus Bill Evans am Klavier, Gary Peacock am Bass und Paul Motian an den Drums gespielten Stücks bleibt dreimal stehen. Warum, wieso, weshalb leuchtet mir nicht so wirklich ein. Zumindest nicht bei Take 3 und bei Take 1 eigentlich auch kaum. Irgendetwas war nicht so, wie es hätte sein sollen. Es gibt wohl nur wenige Musiker, die auf so hohem Niveau scheitern wie Bill Evans und seine Mitspieler.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 264 Stücke ist hier.)

1:12 Mittagspause – Innenstadtfront (1979)

November 29, 2010
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Panik in Grafenberg,
stahl ein Irrer den grünen Gartenzwerg.

Ein weiterer Beweis dafür, dass das spießige Düsseldorf Ende der Siebziger die Punk- und damit die Musikhauptstadt Deutschlands war. Und natürlich auch ein Beispiel für das physikalische Gesetz von Kraft und Gegenkraft im soziologischen Kontext. Wer singt hier bloß, den kenn ich doch? Es ist der Mann von Rank Xerox, der dann später die falsche Farbgebung in einen Bandnamen verdichtet hat. Ja, es ist Peter Hein von den Fehlfarben, der hier noch etwas rotziger singt – man könnte auch sagen shoutet – als später zu seinen Glanzzeiten. Den Sinn für humorige, prägnante Liedertexte nah am Zeitgeist hat er auch in diesem frühen Stadium schon gehabt. Ich glaube, die Fehlfarben touren gerade mal wieder, sie sind bestimmt immer noch ziemlich gut. Mittagspause war übrigens so etwas wie eine Mischung aus Nukleus und Supergroup der damaligen Punk-/NDW-Szene. Bis Ende 1978 war Gabi Delgado-Lopez (später DAF) als zweiter Sänger mit von der Partie. Ab Anfang 1979 war Thomas Schwebel (Ex-S.Y.P.H., Solinger Band, später auch in den Fehlfarben) als Gitarrist mit an Bord. Das Stakkatohafte und Monotone dieses kurzen Stücks war übrigens typisch für Mittagspause, die keinen Bassisten hatten, und nimmt den roboterhaften DAF-Sound zu einem guten Teil vorweg.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 263 Stücke ist hier.)

1:13 Ramones – Judy Is a Punk (live, 1979)

November 29, 2010
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Jackie is a punk
Judy is a runt
They both went down to Berlin, joined the Ice Capades

Beim Gehen gedacht
Dieser Weg ist mein Meister
Er hat kein Ende

(So., 28.11. Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 262 Stücke ist hier.)

1:14 Black Dice – Island (2004)

November 28, 2010

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Konkret plus abstrakt
Interessanter Cocktail
In Brooklyn gemixt

(Sa., 27.11. Die Liste aller seit 1. Februar ausgewählten 261 Stücke ist hier.)

1:15 Atomic Death Circle – Returning to Port (200?)

November 28, 2010

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Ist das ein Walzer?
Mir ist grad nicht nach Tanzen
Vom Netz abgekappt

(Fr., 26.11. Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 260 Stücke ist hier.)

1:16 fennesz – gr_500 (1997)

November 28, 2010

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Geräusche aus Wien
Über den Prater wabernd
Austro-Elektro

(Do., 25.11. Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 259 Stücke ist hier.)

1:17 Jonathan Richman – Egyptian Reggae (1977, live Central Park, 2000)

November 24, 2010

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Winter has arrived in Berlin today. On the way to work – I walk about a mile up the Motzstraße to catch the subway at the Nollendorfplatz – it was raining a mixture of rain and snow. On the way back finally it snowed snow and the temperature was below zero degrees Celsius as I could scratch the ice from the windshield of my car at home. When this instrumental came up on my iPod I could not refrain from dancing, it is such a fun to bounce up and down to this easy-going tune full of good vibrations.

(The list of all selected tracks since February, 1st is here.)

1:18 Yo La Tengo – Too Much Pt. 1 (1996)

November 23, 2010

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Wie das hier eigentlich weiter gehen soll mit dem Musik-Countdown wurde ich heute von einem treuen Leser gefragt. Ursprünglich wollte ich ja bei dreißig Sekunden aufhören, da es danach ein bisschen lächerlich wird. Aber ich hab es mir anders überlegt. Ich mache so lange weiter bis mir die Musikstücke ausgehen. Sollte ich also mit z.B. 45 Sekunden nichts auf der Festplatte meines Rechners finden, so ist Schluss. Ansonsten geht es bis runter auf eine Sekunde, vorausgesetzt ich habe für jede Sekundenlänge mindestens einen Track. Momentan habe ich so zwischen zehn und zwanzig Stücke pro Tag, es sieht so aus als ginge das noch eine Weile gut. Die Einminutenmarke werden wir voraussichtlich locker unterschreiten, spätestens unter dreißig Sekunden wird es dann eng.

Im Moment behagt mir übrigens sehr, dass ich endlich mal die Zeit habe alle Stücke von Anfang bis Ende durchzuhören. Die Kürze der Songs führt eben gerade nicht zu einer stressigen Beschleunigung sondern im Gegenteil zu einer beruhigenden Verlangsamung. Dadurch, dass ich nicht mehr skippen muss und alles bis zum Ende anhören kann, ist die Auswahl möglicherweise auch fairer, vielleicht sogar objektiver, jedenfalls kann ein mieser Start eventuell noch ausgebügelt werden, da ich in dem Fall ja noch nicht weiterspringe.

Heute mal wieder etwas von einer meiner Lieblingsbands und zwar von der sehr schönen Doppel-CD Genius + Love = Yo La Tengo, deren zweite Scheibe nur aus Instrumentals besteht, wovon einige Covers und einige selbstkomponiert bzw. improvisiert sind. Dieses Gitarrenfeedbackstück lässt an die wildesten Krautrockzeiten denken und erinnert mich an das erste, phantastische Konzert von Yo La Tengo, dem ich beigewohnt habe, an einem warmen Sommerabend 1997 im Knaack Klub, der ja jetzt leider schließen musste. Damals haben sie wirklich alles gegeben, vor allem Ira an der Gitarre gebärdete sich wie ein reinkarnierter Hendrix und sein und mein Schweiß schien gemeinsam von den Decken des Klubs herunterzulaufen. A propos, war eigentlich jemand meiner Leser bei der Geburtstagsparty zum Zwanzigsten von City Slang im Admiralspalast am Sonntag?

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 257 Stücke ist hier.)

1:19 Boards of Canada – Rodox Video (1996)

November 22, 2010

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Ich hätte nichts dagegen, wenn es jetzt hier nur noch – immer schön alternierend – mit den Boards of Canada und Neil Young weitergehen würde, und ihr? Was soll ich sagen, BoC haben es einfach drauf, Musik zu machen, die mich da abholt, wo ich gerade bin (hahaha!). Nee, mal ganz ehrlich, im Grunde höre ich ja Musik außer zur Entspannung vor allem für den Kick, und zwar in dem Sinne, dass die Musik mich am Schlawickel packt, die Erde quasi in dem Moment, wo ich sie höre, zum Stillstand bringt, jedes noch so intensive Gespräch in ein Hintergrundrauschen verwandelt, mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht völlig lähmt und fixiert; die beste Musik ist eigentlich immer die, die mich in eine Schlange verwandelt, die ihr blind gehorcht, die vom Flötenspiel beschworen wird.

BoC berühren mich unglaublich stark, ganz tief innen, da wo die Erinnerung an meine frühe Kindheit gespeichert ist. Da ist ganz viel Unschuld drin und ein Versprechen auf die Zukunft und etwas sehr Weiches, Zartes; ich glaube, man nennt es auch Liebe.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 256 Stücke ist hier.)

P.S. Sorry, aber auf meinem Netbook-Computerlautsprecher hört sich das hier übrigens im Vergleich zum iPod ganz, ganz beschissen an.

1:20 Neil Young – Till the Morning Comes (1970)

November 21, 2010
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I’m gonna give you till the morning comes
Till the morning comes, till the morning comes.
I’m only waiting till the morning comes
Till the morning comes, till the morning comes.

Wenn man abends um zehn anfängt, dieses Lied zu singen und morgens um sechs damit aufhört, dann hat man es insgesamt dreihundertsechszigmal gesungen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 255 Stücke ist hier.)

1:21 Boards of Canada – Over the Horizon Radar (2002)

November 21, 2010

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Tief durchatmen, Augen zu und Lauscher auf. Die schottischen Analogsoundbastler nehmen uns mit auf einen Minispacetrip unter dem Radarschirm weg hinter den Horizont.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 254 Stücke ist hier.)

1:22 The Beatles – I Want to Hold Your Hand (1963)

November 19, 2010
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And when I touch you
I feel happy inside
It’s such a feeling
That my love I can’t hide

Auch nach all den Jahren immer noch ein tolles Lied. Hier in der Version von der Love-Kompi mit dem dazugemischten Mädchenkreischen im Hintergrund, das die Nummer dann auch stilecht beendet. Zum Schluss hört es sich an wie das Rauschen einer Meeresbrandung. Mehr braucht man zu dem Song kaum zu sagen, der Text ist so banal, dass er fast schon wieder gut ist. Elf Millionen Mal ging die Scheibe weltweit über den Ladentisch, eine der meistverkauften Singles aller Zeiten, die den Beatles den Durchbruch in den USA bescherte. Sie klingt immer noch frisch und jugendlich naiv, ziemlich unglaublich nach fast 47 Jahren.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 253 Stücke ist hier.)

1:23 Primal Scream – Velocity Girl (1986)

November 18, 2010
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Here she comes again
With vodka in her veins

Es gab einen Bobby Gillespie vor Primal Scream, das wissen die meisten, er war Drummer bei The Jesus & Mary Chain und vorher Roadie bei Altered Images. Aber es gab auch eine Band Primal Scream vor Screamadelica. Hier eröffnen sie den NME-Cassettensampler C86, der eine ganze Bewegung gestartet hat, weg von dem in den allerletzten Zügen liegenden synthielastigen und überproduzierten New Wave hin zum Indiegitarrenschrammelrock. Ein kleiner Song, der harmloser scheint als er ist. Zumindest was den Text angeht, wo es offensichtlich um ein Mädchen geht, das mit härteren Drogen herummacht. Diese frühen, naturbelassenen Primal Scream ziehe ich auf jeden Fall ihren späteren, härteren und abgedrehteren Alben ab etwa XTRMNTR zigfach vor.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 252 Stücke ist hier.)

1:24 Brian Eno – Sparrowfall (3) (1978)

November 17, 2010

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Ein Instrumental von einem meiner Lieblingsalben von Brian Eno, Music for Films, bei dem der Witz ist, dass die meisten Stücke – inklusive diesem hier – nur mögliche Soundtracks zu imaginären Filme sind. Die Filme gibt es also gar nicht, aber die Musik zu ihnen sehr wohl. Eine reizvolle Idee, und wenn sie dann auch noch so stringent umgesetzt wird…

Brian Eno hat übrigens ein neues Album raus und es ist nach langer Zeit (seit ca. 25 Jahren würde ich sagen) endlich mal wieder ein Gutes. Von den Videos hier, die peu à peu online geschaltet werden, finde ich übrigens das erste, japanische am besten, wie Eno da tänzerisch die Gerätschaften bedient, ist einfach umwerfend. Tanzmusik für das neue Jahrzehnt. Oder so.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 251 Stücke ist hier.)

1:25 This Mortal Coil – The Lacemaker II (1991)

November 16, 2010

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Diese Wahl ist mir sehr schwer gefallen. Eigentlich hätte es ja das Gitarrenduo Jansch/Renbourn mit dem luftigen East Wind sein müssen. Aber dann kam kurz danach dieses Instrumental der 4AD Supergroup und ich dachte erst, die oder vielmehr das, nämlich das Lied, gibt es noch? Als wäre ein Musikstück lebendig und könnte sterben. Seltsamer Gedanke, aber hier hat er mich dermaßen übermannt, dass ich genauer gelauscht habe und jetzt zum ersten Mal die bellenden Hunde bewusst gehört habe. Die die düstere, oppressive Stimmung nicht gerade aufhellen. Ein Track für den Soundtrack nach der Apokalypse.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 250 Stücke ist hier.)

1:26 Serge Gainsbourg – Champêtre et Pop No.2 (1967)

November 15, 2010

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Irgendwie haut mich die simple, coole Melodielinie dieses Instrumentals völlig um; ich würde sagen, es hat couilles. Gainsbourg war ja nicht nur Chansonnier sondern auch wie mir gerade erst klar geworden ist, Komponist von Filmmusiken. Hier werden immerhin 72 seiner Filmmusikstücke vereinigt, es wäre vielleicht mal an der Zeit, diese Seite seines Schaffens näher zu beleuchten, aber nicht heute. Ach eins noch, champêtre heißt ländlich und auf dem Land gedeiht die Pflanze, die Serge mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei der Komposition unterstützt hat, am Besten.

Meine Gedanken kreisen allerdings immer noch um ein seltsames Zusammentreffen mit zwei mittelalten (in der 2. Hälfte der Vierziger, wüde ich sagen) Frauen im ICE nach Berlin gestern. Sie hatten ein Wochenendseminar in Karlsruhe besucht und waren jetzt auf dem Weg zurück nach Hildesheim. Als ich mich auf meinen Tischplatz im Großraumwagen begeben wollte, sprach mich sofort eine der beiden an und sagte, dass sie schon auf die Person, die sich auf den vierten Platz am Tisch setzen würde – der dritte war von einem anderen Mann besetzt, den sie auch schon angequatscht hatten – gewartet hätten und gewettet hätten, ob es ein Mann oder eine Frau sein würde. Nach einer Weile verschwanden sie Gottseidank mit dem anderen Mann für ein Bierchen ins Bistro und ich hatte meine Ruhe bis 20 Minuten vor Hildesheim. In den 20 Minuten gelang es den beiden allerdings mich mit ihren inquisitorischen Fragen zu enervieren, was ich versucht habe, mir nicht anmerken zu lassen, ob mit Erfolg sei dahingestellt. Jedenfalls wollten sie zum Schluss unbedingt wissen, was ich beruflich mache. Jetzt im Nachhinein kommt es mir so vor als hätten sie in ihrem Seminar, in dem es um soziale und psychologische Dinge gegangen sein muss, die Aufgabe aufgetragen bekommen, jeden den sie auf dem Weg zurück treffen, nach seiner beruflichen Tätigkeit zu fragen. Jedenfalls habe ich ihnen dann gesagt, dass es etwas mit Zahlen zu tun hat und sie waren offensichtlich enttäuscht ob meiner profanen Antwort und versuchten, mir meinen Job schlechtzumachen. Etwas, das ich aber sowas von dringend gebrauchen kann im Moment und überhaupt. Die eine sagte, ihr hätte ihr Beamtenjob auch nicht gefallen und sie wäre krank geworden und hätte jetzt eine neue Stelle, in der sie ihre soziale Kompetenz besser einsetzen könne (oder so ähnlich). Hinterher sagte mir der Mann, der auch noch am Tisch war und mit den beiden im Bistro gewesen war, dass sie ihn natürlich auch nach seinem Job gefragt hätten und ihn halbwegs korrekt eingeschätzt hätten, mich jedoch für jemanden von der schreibenden Zunft gehalten hätten. Der sex appeal von Schriftstellern auf einen gewissen Frauentypus, das wäre bestimmt auch mal eine lohnenswerte soziopsychologische Untersuchung.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 249 Stücke ist hier.)

1:27 Tom Liwa/Florian Gässing – Kathleen in Grün (2002)

November 14, 2010
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Das Rot ist das Rot von einem Buchumschlag,
der aus meiner Jacke guckt.

Heute ist mir mein Handy in unseren Brunnen gefallen. Irgendwas soll mir das sagen. Dass ich nicht kompatibel mit der modernen Welt bin? Dass das Handy überbewertet wird? Dass ich statt die Leute nicht anzurufen, vielleicht besser direkt mit ihnen unter vier Augen sprechen sollte? Oder einfach nur, dass ich besser auf meine Sachen aufpassen sollte? In other news, in meinem Programm hier hat noch ein Lied des Duisburger Barden Tom Liwa gefehlt, ein Loch was ich hiermit gestopft hättte. Das Stück habe ich übrigens heute morgen das erste Mal gehört und habe mir nach den ersten Takten gedacht, das ist ja interessant, diesen Song von Nick Drake kennst du ja noch gar nicht…

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 248 Stücke ist hier.)

1:28 Miles Davis – Mystery (Reprise, 1992)

November 13, 2010

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Das letzte Stück auf dem letzten, posthum veröffentlichten Album Doo-Bop. Sein Vermächtnis und was für eins. In achtundachtzig Sekunden einmal um sein Werk. Miles war zu diesem Zeitpunkt musikalisch in Richtung Hip-Hop unterwegs, was man – glücklicherweise, wenn ihr mich fragt – hier kaum hört. Es ist ein klassischer, unverkennbarer Miles Davis geworden, der sehr cool und rhythmusbetont daherkommt. Der Trompetenton immer noch voll da, klar und luzide, aber wie hinter einer Nebelwand gespielt. Wenn ich ihn höre, dann sehe ich immer einen Mann mit dem Rücken zum Publikum, einen einsamen Wolf inmitten von tausenden von Leuten. Der Minitrack macht Lust auf mehr und ich hätte schon gerne gewusst, wohin Miles Davis sich noch bewegt hätte, wenn er länger gelebt hätte. Um die elektronische Musik wäre er wohl kaum umhingekommen und sie vor allem nicht um ihn.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 247 Stücke ist hier.)

1:29 Marin Marais – Suite in g-moll, Courante (1711, Perl/Santana 2004)

November 13, 2010

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Marin Marais war etwa eine Generation älter als Johann Sebastian Bach und das hört man in seinen Kompositionen. Marais spielte am Hofe Ludwigs XIV. Viola da Gamba (Kniegeige) und seine beschauliche, pastorale Musik fließt wie ein träger Strom vor sich hin; es fehlt jegliche Dynamik. Durch den Film Tous les matins du monde, bei dem ich fast eingepennt wäre, bin ich das erste Mal auf Marais gestoßen; ich habe damals die ereignislose Handlung und die lahme Musik gehasst. Inzwischen bin ich ein paar Jahre älter geworden und kann die Interpretation des heutigen Auswahlstücks von Hille Perl an der Gambe und ihrem Mann Lee Santana an der Laute durchaus genießen. Diese Art von Musik ist nicht nur völlig zeitlos, die Zeit als Kategorie scheint auch in ihr selbst nicht existent.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 246 Stücke ist hier.)

1:30 Pixies – Broken Face (1988)

November 12, 2010
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I got no lips, I got no tongue
Where there were eyes, there’s only space

A ninety second glimpse into the crazy mind of Black Francis aka Frank Black born Charles Michael Kittridge Thompson IV. You have been warned.

(The list of all 245 chosen tracks since February, 1st is here.)

1:31 The Telescopes – Candy Says (1990, VU 1969)

November 10, 2010
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Candy says I’ve come to hate my body
and all that it requires in this world

Ich weiß wirklich nicht wie die Telescopes das machen, aber sie verkürzen den Song um zweieinhalb Minuten, sie verdichten ihn auf weniger als 40% des Originals und in dem Lied scheint nichts zu fehlen. Es ist nur alles etwas intensiver, kurzlebiger, komprimierter. Und das Dollste ist ja, dass sie sich gleichzeitig alle Zeit der Welt nehmen, dass sie eine Zeitlupenversion des Klassikers von Velvet Underground abliefern, der das selbstbetitelte dritte Album der Band startet. Sehr gelungenes Cover, das übrigens ziemlich nah am Vorbild bleibt. Was aber auch absolut nichts macht, da es mehr oder weniger perfekt ist.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 244 Stücke ist hier.)

1:32 Boards of Canada – Olson (1998)

November 9, 2010

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Wir floaten mit analogen Sounds durch die Galaxie. Eigentlich nur ein Sketch mit einem Touch New Age, gut als Gutenachtmusik geeignet.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 243 Stücke ist hier.)

1:33 Les Négresses Vertes – La Valse (1988)

November 8, 2010

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Es gibt einige, ganz wenige Musikstücke, von denen ich nicht genug kriegen kann, nach denen ich süchtig bin. Insgesamt vielleicht eine Handvoll. Das kurze Instrumental La Valse, das das Debütalbum Mlah der Négresses Vertes einleitet, gehört hierzu. Ich habe es das erste Mal – glaube ich zumindest, vielleicht war es auch das zweite oder dritte Mal – in Luxemburg-Limpertsberg gehört. Wir waren zu viert – ein Niederländer, ein Belgier, ein Grieche und ich – und hatten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon vorher das eine oder andere Gläschen gesüffelt. Dann gingen wir in das Studio des Niederländers und setzten den feuchtfröhlichen Abend fort und ich legte die o.g. CD in den Schacht des CD-Spielers. Und was soll ich sagen, als das Stückchen zu Ende war, griff ich mir die Fernbedienung, sprang wieder an den Anfang zurück und spielte es erneut ab. Usw. Ich weiß jetzt nicht mehr wie oft ich das gemacht habe, bestimmt dreißig oder vierzig Mal, die anderen waren so in ihre Gespräche vertieft bzw. schon so angeheitert, dass sie es gar nicht gemerkt haben, zumindest haben sie sich nichts anmerken lassen. Ich glaube nicht, zumindest erinnere ich es nicht, dass wir den Rest der CD an dem Abend gehört haben. Mir hat dieses eine Stück auch vollkommen gereicht. Die nachfolgenden Songs hätten dieses Level sowieso niemals halten können.

Was mich hier so unglaublich anzieht, ist natürlich die traurige Weise, die für mich eine regnerische Stadt evoziert, auch gerade weil sie vom Akkordeon gespielt wird, kann es eigentlich nur Paris sein. Die Kombination von melancholischer Melodie und kreisendem Tanz gibt dem Ganzen noch einen zusätzlichen Tiefgang. Eine Traurigkeit, die sich immer wieder um sich selbst dreht, das ist auch eine Art von Sucht, die dann schließlich zur Depression werden kann. Komischerweise tut mir die permanente Wiederholung des Stückes allerdings eher gut, es hat zwar etwas von einem Suhlen in seinem eigenen Weltschmerz aber hinterher fühle ich mich eigentlich immer besser oder genauer erhabener.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 242 Stücke ist hier.)

1:34 Georg Philipp Telemann – Triosonate 7 F-Dur aus den ‚Essercizi musici‘ Mesto (18. Jhd.)

November 7, 2010

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Passend zum Sonntag mal wieder Barockmusik zum Chillen. Telemann war ja anscheinend zu seinen Lebzeiten ein großer Star, wurde dann für 200 Jahre vergessen bzw. nicht mehr wertgeschätzt und erst im 20. Jahrhundert wieder rehabilitiert.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 241 Stücke ist hier.)

1:35 Neil Young – Cripple Creek Ferry (1970)

November 6, 2010
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Hey hey, Cripple Creek Ferry
Butting through the overhanging trees
Make way for the Cripple Creek Ferry
The water’s going down, it’s a mighty tight squeeze

In diesen 95 Sekunden ist alles drin, was einen guten Song von Neil Young ausmacht. Die eingängie, verspielte Melodie, ein scheinbar einfacher Text und natürlich die charakteristische Fistelstimme. Neil Young in nuce. Und um eine Nussschale geht es hier auch, eine Fähre, die über einen Bach übersetzt. Cripple Creek ist ein Goldgräberort in den Rocky Mountains in Colorado, der während des Goldrauschs Ende der 1890er Jahre gegründet wurde. Und das Lied ist eines von zweien auf After the Goldrush, von denen Neil Young sicher sagen kann, das sie von dem verschollenen, gleichnamigen Filmskript von Stockwell/Berman inspiriert wurden. Mir gefällt vor allem diese Auf- und Abbewegung der Tonhöhe der Melodie, die so eine Art aurales Schaukeln auslöst, gekoppelt mit dem anschließenden vorsichtigen Innehalten. Man meint zu spüren, dass es eine unwägbare Unternehmung ist, zu dem Ziel auf der anderen Seite des Baches überzusetzen. Wie wir alle wissen, endete der Goldrausch für viele mit einem bösen Kater oder schlimmer.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 240 Stücke ist hier.)

1:36 The Four Seasons – December, 1963 (Oh, What a Night) (Auszug, 1975)

November 6, 2010
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You know, I didn’t even know her name
But I was never gonna be the same
What a lady, what a night

John Darnielle aka The Mountain Goats scheint auch ein Fan dieses Liedes zu sein, da es hier vor einem seiner Konzerte auf der Anlage gespielt wird. Für mich steht es irgendwie für die goldene Zeit meiner Jugend, ich war zwölf als es rauskam und es ist mir wahrscheinlich auch deswegen so gut im Gedächtnis haften geblieben, da es mein Geburtsjahr besingt und sogar im Titel führt. Die Four Seasons habe ich damals sehr gemocht, sie kombinierten geschickt Melodie und Rhythmus, so dass sehr gut tanzbare Songs herauskamen. Wobei ich auf diese Musik so weit ich mich erinnere überhaupt nicht getanzt habe, ich habe sie eher unbewegt genossen. Kurz danach kam dann die Discowelle (Saturday Night Fever) und da habe ich dann mehr oder wenig völlig zu gemacht gegenüber Chartmusik und versucht, einen eigenen Geschmack zu finden.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 239 Stücke ist hier.)

1:37 Zk – In der Ecke stehen (1981)

November 4, 2010
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Auf ne Party gehen
und nichts als Leute sehen,
die in der Ecke stehen
wohin sie auch gehen

Wieder eine Gruppe aus Düsseldorf (in diesem Projekt nach den Fehlfarben und dem KFC bis dato die dritte), wieder von der Kompi Verschwende Deine Jugend. Es handelt sich um die Vorläuferband der Toten Hosen, die sich ursprünglich Zentralkomitee Stadtmitte nannte, Campino ist schon als Sänger mit von der Partie. Der melodische Song ist eher melancholisch angelegt, das punkige Element besteht im wesentlichen aus der schön verzerrten E-Gitarre. Diese Art von Parties kennen wir wahrscheinlich alle, meine Discobesuche in München Mitte der Achtziger liefen oft exakt so ab. Über das Thema haben auch andere gesungen (Michael Stipe in Losing My Religion: „That’s me in the corner“ oder Morrissey in ?). In any case, Düsseldorf ist in meinem kleinen Musikkosmos anscheinend ganz klar die deutsche Musikhauptstadt. Dabei fehlen noch so einige hochkarätige Vertreter wie z.B. DAF, Neu!, die frühen Kraftwerk mit Michael Rother, La Düsseldorf, Der Plan, Male und Mittagspause, um nur anderthalb Handvoll zu nennen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 238 Stücke ist hier.)

Dancing to Brian Eno

November 3, 2010


(via a post punk tumblr)
Eine junge Französin tanzt in ihrem Pariser Studio zu St. Elmo’s Fire aus Brian Eno’s Meisterwerk Another Green World. Das hat was. Die Idee ist einfach und cool, die Musikauswahl noch cooler und die Ausführung bezaubernd.

1:38 Man or Astro-man? – Intoxica (1994, The Revels, 1960s)

November 3, 2010

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Ich kenne weder die Coverband noch die gecoverte Band, die beide angeblich zum Genre Surfmusik zu zählen sind, das mir jetzt in dem Zusammenhang auch nichts sagt, für mich hört sich das eher an wie ein Soundtrack zu einem Western mit dem irgendwas nicht stimmt. Die Landschaft ist nicht weit und er spielt nicht in der Vergangenheit sondern eher in der Zukunft. Und er wird zu schnell abgespielt. Im Film wird viel gelacht und nur in die Luft geschossen und nicht auf Cowboys, Soldaten oder Indianer. Und die Pferde wiehern die ganze Zeit. Aber es ist schon ein Breitwandformat. Man merkt schon, im Grunde ist meine Suche nach dem perfekten Achtundneunzigsekundenstück auf meinem iPod noch voll im Gange.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 237 Stücke ist hier.)

1:39 The Durutti Column – Jazz (1980)

November 2, 2010

https://docs.google.com/uc?id=0B6VP-jaS7U-JMThhNjRkN2QtN2Q3OS00MWM5LTljZTEtNWY2ZmQzZjJjODk0&export=download&hl=de
Ein drittes Stück von Vini Reilly (1, 2), das zweite von seinem Debüt The Return of the Durutti Column (Factory Nr. 14), dessen erste 2.000 LPs von den Bandmitgliedern von Joy Division in Sandpapierhüllen gesteckt worden waren. Reilly’s typischer, fließender Gitarrensound wird hier in ein rhythmisches Flußbett aus Bass und recht stark nach vorne gemixten Drums geleitet. Mit Jazz hat das nicht direkt etwas zu tun aber mit Rock eben auch nicht. The Durutti Column bewegen sich hier zwischen den verschiedenen Genres, was zu einem guten Teil auch ihre Originalität ausmacht.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 236 Stücke ist hier.)

Ministerpräsident spielt lieber Schach

November 2, 2010

MP Peter Müller spielt lieber Schach als sich langweilige politische Debatten reinzuziehen.
(via Schachblog)
Neulich im saarländischen Landtag: Peter Müller spielt eine Partie Schach mit seinem iPad. Schach spielende Politiker können keine schlechten Politiker sein: Neben Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker fällt mir da jetzt noch Peer Steinbrück ein, bei Otto Schily bin ich mir jetzt nicht mehr ganz so sicher. Schach spielt er glaube ich schon, aber ist/war er ein guter Politiker?

The Pretty Things

November 2, 2010

spielten gestern im Quasimodo neben dem Theater des Westens. Es war sehr voll und sehr laut und es war neben dem Sänger Phil May noch der Gitarrist Dick Taylor – der eher wie ein schmaler, pensionierter Schullehrer mit kleiner, runder Nickelbrille daherkam – von der Ursprungsformation von 1963 mit an Bord. Der R&B war musikalisch eher grob geschnitzt bzw. ging im Lärm etwas unter (nächstes Mal unbedingt Ohrstöpsel mitbringen), aber Phil May’s schelmisches, lausbübisches Grinsen ins Publikum nach jeder dritten Liedzeile war einfach umwerfend. Er konnte es selber kaum glauben, dass so viele Leute ihn gestern in Berlin noch hören wollten. Vorne tanzten mindestens sechzigjährige Pärchen solo herum, die weißhaarigen Damen hätte ich ja gerne mal vor vierzig Jahren gesehen. Wen es interessiert, hier steht noch mehr über das Konzert.

Sounds and Silence

November 2, 2010


Am Samstag abend im netten Kreuzberger fsk-Kino am Oranienplatz endlich mal wieder einen guten Film gesehen bzw. in diesem Fall wohl eher gehört. Die Wartezeit vor dem Filmanfang hat uns das faszinierende Video mit der aus Holzlatten minütlich aktualisierten Bildschirmuhr verkürzt. Als besonderen Gag zeigen sie im Kino wie der Filmvorführer den Film auf die Spule legt. Neu entdeckt haben wir in diesem Musikfilm über das ECM-Label vor allem den tunesischen Oud-Spieler Anouar Brahem, der nicht nur phantastisch auf diesem traditionellen Instrument der arabischen Musik spielt sondern auch so einges zu erzählen hat. Andere beeindruckende, mitwirkende Musiker: Arvo Pärt (vor allem der Chor im Schlussstück, der auch im Trailer ist, war überirdisch schön), die zwischen Free und Fusion oszillierende Schweizer Jazzcombo um Nik Bärtsch, der argentinische Akkordeonist Bandoneonspieler Dino Saluzzi und natürlich Jan Garbarek und sein immer noch glasklarer Saxophonton. Keith Jarrett hat sich leider mal wieder geziert. Catherine und ich haben die Besucheranzahl an dem Abend um 67% erhöht, eigentlich unfassbar. Der Film ist ja nicht nur sehr gut sondern auch noch brandneu.

1:40 KFC – Stumpf ist Trumpf (1980)

November 1, 2010

https://docs.google.com/uc?id=0B6VP-jaS7U-JOTkxMTE5ZmItZDdkMi00NDdhLWE3MDEtMDc4OWJiZTRhZWI5&export=download&hl=de
Aus Düsseldorf kamen ja so einige Bands, es war aber oft so, dass diejenigen, die die interessantere, radikalere Musik gemacht haben, nicht den Erfolg gehabt haben, den dann andere, weichgespültere Gruppen gehabt haben. Ich denke da gerade an Neu! und Kraftwerk sowie den KFC (Kriminalförderungsclub) und Die Toten Hosen. Mit den jeweils letzteren konnte ich nie viel anfangen, das öde Autobahn hat mich in der ersten Hälfte der Siebziger mindestens genauso gelangweilt wie in der ersten Hälfte der Achtziger der im Stadionrock herummäandernde, schwache Punkabklatsch der Hosen. Die kamen nicht mehr zum Punkt, jedenfalls später nicht mehr. Der KFC hingegen war da ganz anders. Zum einen hat er sich, wie es sich für echte Punker gehört, nach nur vier Jahren wieder aufgelöst. Zum andern hat er mit dem für sich und den Sänger Tommi Stumpf sprechenden Titel dieses hundertsekündigen Songs eine animalische, hart rockende Version von Punk mit Ohrwurmcharakter kreiert, der man schwerlich widerstehen kann. Das Lied habe ich natürlich von der exzellenten Kompilation Verschwende Deine Jugend zum gleichnamigen Buch von Jürgen Teipel.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 235 Stücke ist hier.)