Wir beginnen die sowohl von der Länge als auch von den Höhenmetern anspruchsvollste Etappe mit einem Frühstück im Festsaal, wo offensichtlich bald eine Feierlichkeit bevorsteht. Heute werden wir zehn Seen sehen und insgesamt 9,5 Stunden unterwegs sein. Wir sind bereits vor acht Uhr auf der Strecke.
Wensickendorf, Landhotel
Das Wetter ist angenehm, nicht mehr so hochsommerlich wie vor zwei Tagen, mit Temperaturen etwas über 20 Grad. Im Wegstück Richtung Stolzenhagener See hören wir immer wieder den hohen Gesang der Gartengrasmücken, die hier in den Bäumen sitzen. Am See hat jedes Grundstück einen Steg, teilweise mit Veranda und Bank, die Tore sind alle abgeschlossen.
Stolzenhagener See
Hinter dem noch geschlossenen Strandbad liegt direkt der Wandlitzsee, dessen Wasser sehr sauber ist und den wir unter den Augen eines Radfahrers beschwimmen. Am Ufer sehen wir einen Buntspecht, eine Elster sowie eine Amselfrau, die das Laub mit dem Schnabel durchwühlt.
Wir gehen nun die nach dem westdeutschen Kommunisten Phillipp Müller, der 1953 von der Polizei bei einer verbotenen Demo gegen die Wiederaufrüstung in Essen 1953 mit 21 Jahren erschossen wurde, benannte Uferstraße, an der einige Villen liegen, entlang. Am Chausseerand bröckelt der Asphalt ab, so dass ich ins Straucheln komme und auf die Knie falle. Glücklicherweise nur leichte Schürfungen.
Wandlitzsee
In Wandlitzsee trinken wir im Ristorante alla Fontana, in der wir vor zwei Tagen bereits gegessen hatten, einen der schlechtesten Cappuccinos meines Lebens und kaufen noch Obst etc. ein.
Hinter Wandlitz erreichen wir die drei heiligen Pfühle, an deren Ufer sehr viele umgestürzte Bäume liegen, die vom Biber abgesägt wurden.
Der Biber war hier
Hier gehen wir ein Stück in die falsche Richtung und folgen dann für eine Weile dem Liepnitzsee mit der Großen Werder, zu der man mit einer Fähre übersetzen kann, in der Mitte. Die Endmoränen von der letzten Steinzeit sorgen für ein abwechslungsreiches Höhenprofil mit viel Auf und Ab.
Liepnitzsee
Wir beobachten einen Reetdachdecker dabei, wie er das Reetdach eines Bistros abklopft und glattzieht.
LiepnitzseeRegenbogensee
Die Tierwelt kommt heute auch nicht zu kurz. Neben einem Mandarinentenpaar, das vor uns davonschwimmt, sehen wir später am Obersee auf einem Baumstamm im Wasser eine Wasserschildkröte, die just in dem Moment, wo ich auslöse, ins Wasser taucht und von uns danach nicht mehr gesehen wurde. Dort sind auch sehr viele Fische im Baumschatten am Ufer, das Wasser ist kristallklar und wir gönnen uns eine weitere Abkühlung.
Vorher hatten wir Ützdorf passiert und waren unter der A11, die nordwärts nach Stettin führt, durchgewandert. Außerdem treffen wir ein junges Paar mit langer, schwarzer Hose und Rucksack, die ihrem Hund überallhin folgen.
Mandarinenten
Man sieht auch hier wieder schön, was der verschiedene Baumbewuchs ausmacht. Links lichte Kiefern und relativ viel Bodenbewuchs, rechts Fichten und durch den Schatten weniger Vegetation am Boden.
WegObersee: Und weg ist sieObersee, Fische am UferrandObersee
Nun geht es ein langes Stück am Hellsee lang. Anschließend durch den Wald an mehreren Fließen vorbei nach Biesenthal. Man muss hier in Bewegung bleiben, sonst stürzen sich sofort Schwärme von Mücken auf einen. Wir sind ein einfaches Ziel mit unseren kurzen Hosen, wehren uns aber wacker mit Mückenspray.
HellseeRudnitzer Fließ
In Biesenthal kaufen wir Salat und Rotwein für heute Abend, sowie unser Frühstück für morgen.
Biesenthal, Marktlinde
Die letzten 4 km nach Melchow erst an der Straße, dann an einem Getreidefeld mit singenden Feldlerchen über uns entlang, schaffen wir auch noch. Etwas erschöpft und verschwitzt kommen wir im Begegnungszentrum an, wo der Schlüssel im Safe hinterlegt ist und wir den Abend mit Spaghetti in Tomatensauce, gemischtem Salat und einer Flasche Corbières ausklingen lassen. Um 10 fallen wir ins Bett.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Gestern war unser Ruhetag. Ich schlafe nach der anstrengenden Vortagsetappe wie ein Murmeltier. H. hat die ganze Nacht Wasser getrunken und sein Dehydrierungsproblem gelöst.
Wir frühstücken im Herrenzimmer fürstlich mit Spiegelei etc. Ich werde heute viel Zeit mit meinem Laptop in dem besagten Zimmer verbringen, da ich noch etwas fertigstellen muss. Ohne Maus und mit kleinem Bildschirm dauert alles doppelt so lange.
Draußen an der Wand eines Lagergebäudes steht ein Spruch, der mich zum Nachdenken anregt. Er scheint symptomatisch für die Seelenlage der Ostdeutschen zu stehen. Für ihre Widerborstigkeit gegen den Staat – egal ob DDR oder BRD – ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihren Freiheitswillen. Ironischerweise angeblich geschrieben vom Verfasser des Deutschlandliedes, das er auf Helgoland schrieb. Wobei dieser Spruch nirgendwo in seinen Werken aufzutauchen scheint.
Wensickendorf, Wandspruch
Mittags gehen wir bei schönstem Sonnenschein – die Temperaturen haben sich heute auf etwas über 20 Grad abgekühlt – hinüber zur natürlich geschlossenen Feldsteinkirche. Auf der anderen Straßenseite ein ebenfalls geschlossener Imbiss bzw. Partyservice, das Schlemmerkörbchen.
WeißdornWensickendorf, Kirche
Beim Bäcker nehmen wir im familiären Ambiente des Hinterzimmers eine Soljanka sowie Kaffee und sehr leckeren Kirschkäsekuchen zu uns. Der Laden läuft gut.
Unser Hotel strahlt im Sonnenschein. Es ist mit dem Haus Oranienburg verbunden, war früher ein Gutshof und stammt aus der kurfürstlichen Zeit. Heute wird es gerne für Hochzeiten und Events wie Spätfrühstücke – also Brunche – genutzt.
Wensickendorf, Landhotel
Abends nehmen wir den Bus nach Osten in Richtung Rahmer See, wo in 5 km Entfernung das nächste Restaurant ist. Es gibt dort solide deutsche Küche, von den 24 Schnitzeln wähle ich die Romavariante mit Tomaten und überbackenem Feta. Absolut empfehlenswert.
Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick in den öffentlichen Bücherschrank in einer Ex-Telefonzelle an der Bushaltestelle. H. kann Thor Heyerdahls Buch über seine Fahrt mit einem Schiff aus Papyrus von Marokko über den Atlantik nach Barbados nicht widerstehen, ich finde ein schmales Lexikon über Weinirrtümer.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Nach einer Nacht, in der sich mein Körper den nötigen Schlaf holt, frühstücken wir gleichzeitig mit der am Vorabend eingetroffenen Busladung Schweden. Wir setzen uns nach draußen in den Innenhof, um Ruhe zu haben. Das Frühstücksbüffet ist reichlich.
Der Vietnamese gestern Abend muss Zusatzstoffe wie Maltodextrin ins Bami Goreng gemischt haben, ich habe schon morgens durchsichtige flotte Lotte.
Im Drogeriemarkt um die Ecke besorge ich mir Mückenspray, Sonnencreme und Ureafußcreme. Anschließend noch ein Bulettenbrötchen beim Bäcker.
Heute steht die bisher härteste Etappe auf dem Programm. 25 Km bei Temperaturen bis 27 Grad. Allerdings haben wir meistens Schatten. Der Wasserbedarf ist trotzdem enorm. Am Nachmittag spüre ich, wie sich mein Kopf im Briesetal stark erhitzt.
Henningsdorf, Havel
Gleich beim Hinausgehen an der Ausfallstraße, die nicht für Fußgänger zugeschnitten ist, kommen wir in Konflikt mit einem Radfahrer, der auf dem schmalen, nur schwer erkennbaren Radweg rumpöbelt, weil wir nicht schnell genug zur Seite springen. Dann kommt eine junge Frau mit angeleintem Kampfhund und schreit uns an, wir sollten Platz machen. Eine latente Aggressivität hängt in der Luft.
Es geht nun durch den Laubwald, wir kommen unter der Bahn durch, die von Marquardt bis Gesundbrunnen führt und mit der wir am Ende des ersten Wandertages über Jungfernheide zurück nach Hause gefahren waren. Anschließend geht es über eine kombinierte Radfahrer-, Fußgängerbrücke über die A111, die die westlichen Berliner Stadtteile mit dem Autobahnring A10 verbindet.
Wir kommen nun nach Birkenwerder. Es fällt auf, dass heute alle möglichen Einkehrorte auf dem Weg geschlossen sind. Auch die Havelbaude öffnet nur von Freitag bis Sonntag.
Havelbaude
Nach dem kleinen städtischen Mönchsee, an dem zwei junge Burschen in kompletter Anglermontur uns darauf hinweisen, ruhig zu sein, um nicht die Karpfen zu verschrecken, kommen wir jetzt zum schon außerhalb des Ortes gelegenen Boddensee. In Ufernähe liegen viele Äste am Seeboden, die für die Füße schmerzhaft zu begehen sind, aber nach zwei, drei Metern wird der Grund schlammig und wir stürzen uns zur Abkühlung in die Fluten. Herrlich! Hier halten wir auch unsere Mittagsrast, das Bulettenbrötchen mit Ketchup und Zwiebeln mundet hervorragend.
Nachdem wir die A10 und die Bahnstrecke von Berlin nach Oranienburg unterquert haben, kommen wir auf einen Holzbohlenweg durch das Briesetal, dem wir jetzt für viele Kilometer folgen werden.
Briesetal, Holzbohlen
Hier werden wir von den Erlen vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt. Das Mückenspray bewährt sich. Auf alten, zum Teil verrottenden Baumstämmen hängen immer wieder zum Teil recht große Populationen von Porlingen.
Briesetal, Porlinge
Ich höre, wie schon die vergangenen Tage, immer wieder einen Kuckuck rufen. Was er mir wohl sagen will? Dass ich besser auf meine Umwelt achten soll?
Mir fallen hier die vielen Grüntöne und die Wasserspiegelungen auf, die die Natur verzaubern.
Briesetal
Wir kommen an einer Einrichtung für Suchtkranke am Briesesee vorbei. Man kann sich gut vorstellen, dass sich die idyllische, ruhige, naturnahe Lage positiv auf die Rekonvaleszenz der Patienten auswirkt.
Die Erlen stehen oft im Wasser, die umgefallenen Bäume zersetzen sich langsam und werden irgendwann zu Torf. Nach einer Weile – wir laufen gut 2 Stunden an der Briese entlang – haben auch wir uns satt gesehen am Erlenbruch und erreichen die von vielen Lkw befahrene Summter Chaussee.
Briesetal
Hier geht es weiter geradeaus zur Zühlsdorfer Mühle, wo überall Nutzholz rumliegt. Von hier sind es nur noch drei Km auf sandigem Pfad durch den Kiefernwald nach Wensickendorf. Wir sind hier in einer völlig anderen, für Brandenburg typischeren, trockenen Vegetationszone.
Wensickendorf
An der Summter Chaussee im Ort erfrische ich mich mit einem Softeis, unser historisches Landhotel liegt an der T-Kreuzung zweier Hauptstraßen, wir kommen im ruhigen hinteren Bereich unter.
Da es hier keinerlei Restauration gibt, fahren wir mit Bus und Bahn über Wandlitz nach Wandlitzsee, wo wir beim Italiener im riesigen Wintergarten mit Blick auf Strandbad und See die am Tag verbrannten Kalorien wieder zu kompensieren versuchen. Ich verschlinge meine Gemüsepizza Ancona mit Knoblauch mit gesundem Appetit. Der Rückweg gestaltet sich komplex, da wir in Wandlitz versehentlich den Bus nach Bernau nehmen. Als wir den Fehler bemerken, steigen wir im Wald an der Haltestelle Anglersruhe aus, wo uns derselbe Busfahrer nach einer halben Stunde wieder lachend aufsammelt. Hier wäre noch so gut wie nie jemand zugestiegen, wir wären gut für die Statistik.
Morgen legen wir einen Ruhetag ein. H. wird seinen durch Dehydration leicht angeschlagenen Körper auskurieren, ich ein bisschen Statistik treiben. Übermorgen geht es dann weiter mit der Königsetappe von Wensickendorf nach Melchow.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Ich verbringe eine gefühlt schlaflose Nacht mit vielen Schlafunterbrechungen, bin am nächsten Morgen dank zweier Sprühstöße Melatonin jedoch trotzdem recht ausgeruht.
Wir frühstücken im Gemeinschaftsraum unserer Unterkunft. Der mit Frischkäse gefüllte Hefezopf und der Naturjoghurt munden sehr gut. Wir treffen auf eine Frau aus Stuttgart mit einem Pekinesen namens Big Boy. Sie ist alleine mit dem Nachtzug für das Pokalfinale angereist.
Wir sind bereits 8h23 auf unserem Weg und springen in den bereits gut frequentierten, sehr angenehm temperierten, nagegelegenen Nymphensee.
Brieselang, Nymphensee
Der heutige Pfingstmontag beschert uns wiederum hochsommerliche Temperaturen. Es geht anfangs am Havelkanal entlang, später kommen wir in den Wald, wo mir die letzten Tropfen meines grünen Fläschchens Anti-Brumm gute Dienste gegen die Mückenschwärme leisten.
Strommasten
Am Kanal hängen zwischen den Erlen drei Hängematten. Drei junge Männer genießen das dolce far niente.
Havelkanal
Es geht sich heute besser als gestern, der Naturweganteil ist größer und die Füße haben sich eingegroovt. Auf dem Weg treffen wir vor der Schönwalder Schleuse niemanden. Dort kommen uns Leute mit Rädern entgegen, andere rasten.
Schönwalde, Schleuse
Im Wald kann man schön beobachten, wie der lichte Mischwald zu einer ausgiebigen Bodenbewachsung geführt hat, während der reine Laubwald weniger Licht durchlässt und der Boden unbewachsen und stattdessen mit abgefallenen Blättern bedeckt ist.
In Schönwalde Dorf rasten wir in einer überdachten Bushaltestelle, die etwas Schatten spendet. Hinter uns sitzt ein Typ im mittleren Alter auf dem Fensterbrett eines Hauses oben im 1. Stock und glotzt aufs Handy, ohne von seiner Umwelt Notiz zu nehmen.
Die barocke Schönwalder Kirche mit einer Wagner-Orgel von 1739 – der Silbermann des Nordens – ist uns leider verschlossen.
Schönwalde, Kirche
Hier in der Gegend sind sehr viele Pferdehöfe, wir sehen eine junge Frau auf der Reitbahn Dressur üben. Zudem sind Heerscharen von Radlern – sowohl E-Bikes als auch Rennräder – unterwegs, Fußgänger treffen wir kaum. Ein Radler will uns einen anderen, angeblich kürzeren Weg nach Henningsdorf an der Hauptstraße weisen und schüttelt den Kopf über unsere Beratungsresistenz. Er kennt offensichtlich nicht den schönen sandigen Weg durch den Wald, der nicht länger ist.
Weg
Gegen 15 Uhr kommen wir an unserem abgerockten Hotel im Zentrum von Henningsdorf an und checken ein. In Henningsdorf wurde 1910 von dem AEG-Gründer Emil Rathenau, dem Vater von Walter, die Abteilung Flugzeugbau angesiedelt, die 1912 ein erstes Holzflugzeug baute. Heute ist Alstom im Bereich Bahntechnik tätig. Nach der Dusche und Siesta laufen wir durch die Fußgängerzone und essen wieder draußen bei einem Vietnamesen. Ich nehme Bami Goreng, was mich an meine Kindheit erinnert, wo wir gelegentlich beim Indonesier in Venlo essen waren. H. trinkt zum Abschluss einen vietnamesischen Kaffee auf Kondensmilch, der bestimmt 10 Minuten durchs Sieb tropft, bevor er fertig ist.
Am Hauseingang gegenüber spielt sich ein kleines Familiendrama ab. Eine junge Frau steht an der Tür mit ihren ca. 6-7 jährigen Kindern. Das Mädchen liegt am Boden mit einer kleinen Wunde am Knie, ihr Bruder hat sie wohl geschubst. Der Bruder läuft auf Zehenspitzen mit einem völlig nach innen verrenkten Fuß. Nachdem Mutter und Tochter ins Haus gegangen sind, sperrt er sich versehentlich aus, weint bitterlich und wird schließlich von seiner Mutter getröstet.
Henningsdorf, Postplatz, KZ-Gedenkstätte
Zum Abschluss trinken wir im verlassenen Außenbereich hinter dem Hotel noch ein Absackerbier und lassen den lauen Abend mit guten Gesprächen ausklingen.
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Nach einer erholsamen Nacht im heimischen Bett machen wir uns am Pfingstsonntag um viertel vor acht auf zur U-Bahnstation. Wir haben Glück mit den Verbindungen, der Regionalzug nach Potsdam muss auf den Zug einer anderen Gesellschaft warten, der anschließende Zug nach Marquardt wartet aber ebenso. In Marquardt steigen außer uns zwei weitere Wanderer aus, die vor uns laufen.
Das Wetter ist sommerlich mit Temperaturen um die 25 Grad, morgens ist es noch angenehm kühl. Wir gehen die Alternativroute über Uetz, ein verschlafenes Nest, das bereits Fontane bereiste, der sich hier von einem wegen zunehmend schlechter Geschäfte griesgrämigen Fährmann über die Wublitz übersetzen ließ. Mit dem Bau der Reichsautobahn – heute der knapp 200 km lange Autobahnring A10 um Berlin – in den 30er Jahren verlandete die Wublitz und die Fährstelle verschwand völlig.
Nachdem ich ein Foto des Protestplakats an dem Zaun eines Hauses gemacht habe, kommt eine Frau aus dem Haus und stellt sich hinter uns ostentativ auf den Weg, willkommen scheinen wir hier nicht zu sein.
Uetz
Es geht nun an verblühten Rapsfeldern vorbei hinauf auf den Galgenberg. Ich höre den glucksenden Gesang einiger Feldlerchen in der Luft. Ein großer Feldhase steht weit vor uns auf dem Weg. Am Feldrand neben Mohn auch Kornblumen, der Pestizideinsatz scheint begrenzt zu sein.
Galgenberg
Wir kommen nun zum Havelkanal, der auf 34 km von Paretz bis Henningsdorf die um Berlin mäandernde Havel mit sich selbst verbindet. Er wurde zu DDR-Zeiten angelegt, um Westberliner Gebiet zu umschiffen. Heute erfüllt er so gut wie keinen praktischen Zweck mehr und wird vor allem von privaten Motor- und Paddelbooten in der Freizeit genutzt. Einen großen Teil der Strecke gehen wir im Schatten von Erlen. Vor uns stolziert eine Bachstelze.
Havelkanal
Auf der anderen Seite des Kanals sehen wir zwei unscheinbare Graureiher, die unbeweglich dastehen und auf das Wasser nach Fischen schauen.
Eine zehnköpfige Entenfamilie schwimmt in Formation in unsere Gehrichtung. Die Vegetation ist üppig und vielfältig. Später als der Weg hinter Wustermark zum Wiesenweg wird, höre ich Mönchsgrasmücken ihr abwechslungsreiches Liedchen zwitschern.
Havelkanal, Entenfamilie
Der Weg heute ist zwar etwas eintönig, aber meist angenehm zu gehen. In Wustermark esse ich ein großes, erfrischendes Heidelbeersofteis an einem Eisstand, Einkehrmöglichkeiten gibt es nirgendwo.
Wustermark, Mohn
Tief über den Wiesen fliegen Schwalben. Unter einer Brücke treffen wir unsere Mitwanderer wieder, die in großen Abständen Tagesetappen auf dem 66 Seen Weg machen, von der Natur begeistert sind und etwas neidisch auf uns sind, die wir mehrere Etappen hintereinander machen und vor Ort übernachten.
In Brieselang liegt unsere Unterkunft am westlichen Ortsende hinter dem Bahnhof. Der Weg zieht sich ewig. Wir gönnen uns eine türkische Pizza, dazu schlürfe ich zwei kleine Ayranbecher. Unsere Unterkunft liegt an der Hauptstraße durch den Ort. Später nach der Dusche und Siesta gehen wir noch einmal raus um einen nahegelegenen, kleinen See und essen vietnamesisch. Der Tofu ist sehr weich und hat nur wenig Geschmack.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Pfingstsamstagmorgen, herrlichstes Sommerwetter und mein Nachbar H. und ich starten die nächste Wanderung, eine Woche auf dem 66 Seen Weg um Berlin. Hierzu fahren wir erstmal nach Potsdam, wo wir gegen 9 den Alten Markt mit der Nikolaikirche, dem Landtag und den Museen nahezu für uns allein haben. Da sich in Potsdam eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht, bleiben wir oft stehen und kommen hier noch nicht richtig in unseren Wanderfluss.
Potsdam, Alter Markt
Der 66 Seen Weg startet am Brandenburger Tor am Ende der Fußgängerzone. Die erste Baummarkierung mit dem blauen Punkt ist schon etwas verblichen, insgesamt ist der Weg heute nur sehr sporadisch markiert, aber ich habe ja den GPS-Track.
Potsdam, Brandenburger Tor, Startpunkt 66 Seen Weg
Das erste Highlight ist der Park von Sanssouci, in den wir am Obelisken einsteigen. Hier treffen wir auf eine Joggerin und sehen links die Friedenskirche. Von Schinkel bzw. Persius, seinem Schüler werden wir heute noch einige der charakteristischen, den italienischen Cantabiles aus der Renaissance nachempfundenen Türme sehen.
Potsdam, ObeliskPotsdam, Friedenskirche
Rechts im Park erreichen wir die Neptungrotte, die innen u.a. mit Jakobsmuscheln versehen ist, wie passend zu unserem Weg!
Potsdam, Neptungrotte, Detail
Am Schloss stehen die Worte „Sans, Souci.“. Eine zufriedenstellende Antwort auf den Sinn der ungewöhnlichen Schreibweise können uns weder die Einheimischen noch die KI geben. Es gibt sogar ein versponnenes Buch zum Thema. Evtl. liegen ästhetische Gründe vor. Im Museumsshop erstehe ich ein zweisprachiges Reclamheftchen mit Matk Twains The awful German language.
Potsdam, Sans, Souci.
Hinter dem Schloss kommen wir zur Alten Mühle, hier steht ein Flötenspieler in der Tracht Friedrichs des Großen, der in einer Flötenpause versucht, mit vorbeiflanierenden Touristinnen ins Gespräch zu kommen.
Potsdam, Alte Mühle
Bald stoßen wir auf den Bornstedter See zur Linken. Weiter geht es durch den Wald zum Ruinenberg, wo das Wasser zum Betrieb der großen Fontäne im Park Sanssouci hochgepumpt wurde. Von hier gibt es eine schöne Aussicht nach Potsdam, die wir leider nicht genießen.
Potsdam, Ruinenberg
Wir kommen zu der Alexandrowska, der Holzhaussiedlung, die Friedrich Wilhelm III. für die russischen Chorsänger errichten ließ. Sie werden z.T. noch heute von Nachkommen bewohnt, es gibt u.a. ein russisches Restaurant.
Potsdam, Alexandrowkahaus
Der nächste See, der Heilige See, ist rechts zu sehen. Am Marmorpalais können wir am Himmel drei Krähen beobachten, die einen Greifvogel im Flug mit den Schnäbeln attackieren, der majestätisch-ruhig durch die Luft schwebt.
Wir kommen zum Cäcilienhof, wo im Sommer 1945 Churchill, Stalin und Truman u.a. um die Zukunft Deutschlands verhandelten. Hier ist eine Baustelle, an der wir seitlich vorbeigehen zur Alten Meierei.
Potsdam, Cäcilienhof
An dem pünktlich um 12 öffnenden Biergarten halten wir Rast und haben von hier eine schöne Sicht auf den Jungfernsee, auf dem auch Personendampfschiffe unterwegs sind.
Potsdam, Alte Meierei
Nun geht es hinauf zum Pfingstberg, den eine private Gesellschaft meint, okkupieren zu können. Wir kommen an der Russisch-Orthodoxen Kapelle vorbei, in der ich mich über Google Translate mit der Russin am Eingang austausche. Es gibt hier für alle offene Gottesdienste.
Potsdam, Russisch-Orthodoxe Kirche
Der Rest des Weges verläuft flach im Barnimer Flur. Endlich können wir mal etwas Strecke machen. Wir kommen am Persiusturm – wieder in der Form eines schlichten Cantabile – vorbei und schließlich zum verwunschenen Park des Schlosses Marquardt. Hier finden wir eine gut besuchte Badestelle und stürzen uns langsam – das Wasser ist in Ufernähe sehr seicht – in die Fluten. Die Temperaturdifferenzen zwischen Oberfläche und tiefer unten sind enorm.
Bornimer Feldflur
Am ersten Ziel, dem Bahnhof Marquardt angekommen, nehmen wir den Regionalzug nach Jungfernheide, wo wir in die U7 zurück nach Wilmersdorf steigen. Ich habe in Marquardt kein Quartier gefunden, so dass wir zuhause übernachten dürfen. Ich spüre meine Füße und erhole mich auf dem Balkon bei zwei Weißbier.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Pünktlich zum Ende der Eisheiligen werden wir morgens von Sonnenstrahlen geweckt. Um 8 Uhr verlassen wir das Hotel, um in dem Bäckereicafe, wo wir schon gestern bei der Ankunft eingekehrt waren, zu frühstücken. Von Putendinkelbrötchen, Croissant und grünem Tee gestärkt, gehen wir bei blauem Himmel die Treppenstufen hinauf gen Schinderhannes Steig, ein kleiner Junge, der 8 Brötchen eingekauft hat, überholt uns leichten Fußes.
Schmitten
Eine riesige Glyzinie, die sich vor lauter Blüten hinabneigt, säumt den Weg aus dem Ort.
Glyzinie
Im Wald hören wir im Baum direkt über uns einen Zaunkönig sein hohes Lied pfeifen. Auf den Lichtungen blüht überall der gelbe Ginster um die Wette. Auch wenn die heutige Etappe sehr kurz ist, so habe ich doch das Gefühl jetzt endlich im Flow zu sein, das Gehen, selbst bergauf, geschieht nahezu von alleine.
Nach einer Passage auf einem schmalen Wiesenpfad erreichen wir den Hauptweg, dem wir nach rechts folgen. Das heutige Highlight ist der auf dem Pferdskopf (661 m) gelegene Holzturm, zu dem es links hinauf geht. Von oben haben wir eine atemberaubende Sicht bis zur zweithöchsten Erhebung des Vogelsbergs, dem Hoherodskopf 60 km nördlich. Außerdem lässt sich im Nordwesten der Westerwald erahnen und man sieht im Osten natürlich das Feldbergplateau.
Pferdskopf, Blick nach Norden
Von hier geht es zwischen jungen Buchen hinunter Richtung Treisberg, einem sympathischen, einsam gelegenen Ortsteil von Schmitten mit rund 150 Einwohnern. Hier findet am heutigen Sonntag ein Trödelmarkt statt. Wir ergattern Christa Wolfs Kassandra aus dem Bücherschrank und laben uns in der Sonne an einem Pott Kaffee und einem Stück Käsekirschkuchen, welches beides die Freiwillige Feuerwehr ausgibt. Ich stelle mir vor, was für eine eng verschweißte Gemeinschaft so ein kleiner, abgelegener Ort doch sein muss.
Goldregen
Es geht nun weiter hinab durch ein Laubwäldchen zu unserem Etappenziel, das auch den Endpunkt des Schinderhannes Steigs darstellt, der Landsteiner Mühle in Weilrod, die heute als Seminarhaus genutzt werden kann. Die Kirchenruine Landstein, eine ehemalige Wallfahrtskirche, verfiel bald nach der Reformation.
Landstein, KirchenruineLandstein, Mühle
Hier sehen wir auch das Konterfei des unserem Steig den Namen gebenden Räubers, das allerdings den im Kreis um den Taunus herumführenden Schinderhannespfad markiert, dessen 189 km man in rund einer Woche absolvieren kann.
Landstein, Markierung Schinderhannespfad
Wir gehen nun noch zur knapp 20 Minuten entfernten Bushaltestelle von Altweilnau-Egertshammer hinter dem Campingplatz und nehmen auf der bei Rennradfahrern sonntags sehr beliebten Strecke den 245er Bus nach Bad Homburg, wo wir in die S5 nach Rödelheim und dort dann in die S3 nach Schwalbach-Nord steigen, von wo wir in 10 Minuten zuhause sind. Eine wunderbare Wanderung findet ihr Ende.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Die Nachtruhe wird um halb drei unterbrochen, anschließend geht nicht mehr viel mit Schlaf. Ob es mit der anstrengenden Etappe am Vortag, dem Wein oder dem zu stark beheizten Schlafzimmer in der Einliegerwohnung zu tun hat, bleibt unklar.
Wir frühstücken in der Souterrainküche einen Ananas-Kokosnuss-Banane-Smoothie, Zimtschnecken sowie Obstsalat mit Naturjoghurt, dazu trinken wir grünen Tee.
Auf dem Weg zur Hauptstraße kommen wir etwas vom Weg ab, so dass wir den öffentlichen Bücherschrank passieren, in dem ich Wolfgang Hildesheimers schwere Mozartbiographie entdecke.
Draußen ist es noch kälter geworden, was auch an der Höhe liegt, Glashütten liegt auf 507 m. Die Hände an den Stöcken bleiben kalt, es sind rund 5 Grad. C. geht vorneweg, um warm zu werden, ich kann ihr nur schwer folgen.
Wir sind jetzt im Mischwald, allerdings sind die meisten Fichten noch gesund. Hier wurde früher Glas hergestellt, dafür war viel Brennholz nötig. Nach einem längeren flachen Stück geradeaus im Wald geht es steil bergauf, vor uns der Fernmeldeturm auf dem großen Feldberg (881 m).
Hinter Glashütten, Feldbergblick
Wir kommen zum Roten Kreuz (688 m). Das Gasthaus ist seit 2022 geschlossen, die Betreiber sind nach Mosbach bei Gersfeld in die Rhön unweit des Hochrhöners, den wir im Juli gehen werden, umgezogen.
Rotes Kreuz, ehemaliges Gasthaus
Hier zweigt die Straße zum Großen Feldberg ab; mehrere Rennradfahrer kommen schon wieder runtergefahren.
Rotes Kreuz
Gelegentlich lockert der Wald auf und wir genießen die Sonnenstrahlen auf dem Körper. Die Mittagsrast machen wir auf dem Waldparkplatz Kittelhütte, es gibt Frikadellenbrötchen vom Metzger.
Wir gehen nun im großen Bogen um Seelenberg herum, das wir im Norden leicht streifen. Ein junger Wanderer mit Rucksack und Wanderhut kommt in der Gegenrichtung den Berg hoch.
Seelenberg, Vogelhäuschen
Mit der Wahl meiner Halbschuhe aus Leder (Meindl Jamaica) bin ich nicht wirklich glücklich. Die Füße sind beengt, ich stoße beim Bergabgehen vorne leicht mit den Zehen an, bei der nächsten Wanderung am Pfingstwochenende werde ich wieder meine knöchelhohen Wanderschuhe (ebf. Meindl) tragen, die zwar deutlich schwerer sind, in denen der Fuß aber mehr Platz hat.
Wir gehen nun geradeaus recht steil bergab nach Schmitten rein, wo es anfängt, leicht zu tröpfeln, ich mache noch schnell ein Foto der Blume des Tages, es ist der Weiße Flieder.
Schmitten, Flieder
Wir nehmen im Supermarktcafe einen Cappuccino nebst Erdbeerkuchen zu uns und begeben uns nun zu unserem Hotel, das von Indern geführt wird. Hier sinken wir erst einmal aufs Bett und holen den in der Nacht versäumten Schlaf nach.
Abends essen wir hervorragend im angeschlossenen indischen Restaurant, hinter mir eine Gruppe älterer Engländer, vor mir ein Großbildschirm, auf dem ein Cricketspiel läuft. Danach gehen wir noch einmal durch den Ort und trinken beim Indo-Italiener einen Verdauungs-Grappa. Wir kommen erst recht spät zum Schlafen.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Nach einer erholsamen Nacht und einem eher überschaubaren Frühstück versorgen wir uns erst einmal beim Bäcker mit Proviant in Form belegter Brötchen und Mohnschnecken. Der Startpunkt des Schinderhannes Steigs liegt im Wald hinter dem Hof Gumbrecht, wo es Blumen zum Selberpflücken und eine Weide mit kleinen Ponies gibt. Die Markierung des Wegs ist aus der Ferne gesehen eher unscheinbar, aber sie wird recht konsequent durchgezogen.
Kelkheim, Schinderhannes Steig Markierung
Der Weg beginnt mit einem Waldlehrpfad mit um die 80 verschiedenen Baumarten und verläuft anschließend größtenteils durch intakten Buchenwald; bald sehen wir vor uns in der Ferne die weiße Kuppel des Bah’àí-Tempel von Hofheim-Langenhain aus dem Wald herausragen, eines von acht Häusern der Andacht, wie diese Tempel genannt werden, weltweit. Es geht auf kurvigem Weg aufwärts Richtung Staufen, im Wald treffen wir auf zwei junge Rehe. Eine gute Stunde nach Aufbruch kommen wir zum Aussichtspunkt auf Eppstein mit dem Mendelssohn-Gedenkstein, wo ich schon auf meiner Ost-West-Durchquerung des Taunus im letzten Dezember vorbeigekommen war. Wir gehen weiter zum nahegelegenen Kaisertempel aus der Gründerzeit und dann hinunter nach Eppstein.
Dort besichtigen wir nach einem Cappuccino im Supermarktcafe draußen die recht gut erhaltene Burg mit dem früher als Verließ genutzten Bettelbub-Turm und steigen auf den Bergfried, der vom Türmer bewohnt war, der Bescheid gab, wenn es im Ort brannte bzw. sich Feinde näherten.
Eppstein, Blick auf KaisertempelBurg EppsteinEppstein, Blick von BurgBurg Eppstein, Türmer
Es geht nun bald durch den Wald in Richtung Eppenhain, wo wir auf einer hinter Bäumen versteckten Bank unsere Mittagsrast halten. Den Schwenker über den Rossert sparen wir uns angesichts der langen Etappe heute und gehen stattdessen durch den hoch und einsam gelegenen Ort. Auf dem erst 2023 vollendeten Atzelbergturm aus Stahl – Vorgänger waren aus Holz gewesen und angezündet worden – läuft vor uns eine ukrainische Familie die 156 Stufen hoch. Oben wackelt der Turm etwas im Wind und ich kann das Unwohlsein der kleineren Tochter gut nachvollziehen. Der Blick über den Taunus ist grandios. Man sieht sowohl den Großen Feldberg als auch den Altkönig und hinter uns den nahegelegenen Fernmeldeturm und Eppenhain.
Atzelbergturm, Blick auf EppenhainAtzelbergturm, Blick auf Großen Feldberg links und Altkönig rechts
Wir bekommen nun einige Sonnenstrahlen ab, Regen hat es den ganzen Tag nicht gegeben, nur Haufenwolken sind über uns hinweggezogen.
Das nächste Zwischenziel ist das abgelegene Schlossborn, wo am 1. Mai immer die Rennradfahrer herumpesen. Wir gönnen uns beim gut frequentierten Bäcker einen weiteren Cappuccino.
An verschiedenen Teichen entlang gehen wir durch Wiesen zu unserem Etappenziel Glashütten, das ebenfalls einen verschlafenen Eindruck macht. Hier nächtigen wir in einer Einliegerwohnung im Souterrain, die Hausherrin macht sich Sorgen um Parkett, Mülltrennung und das Schließen der Tür, kredenzt uns dabei jedoch zwei Flaschen Mineralwasser, die unsere Organismen gut vertragen können.
Blume des Tages ist heute der gelb leuchtende Ginster, der uns in Glashütten am Wegesrand begrüßt.
Ginster
Nach der Dusche machen wir uns auf in den als Straßendorf angelegten Ort, essen bei einer Koreanerin sehr leckere, frische mit Gemüse und Salat gefüllte kalte Frühlngsrollen und schlürfen Buchweizentee dazu. Mein Hauptgericht sind Krevetten und gebratener Reis, C.s Gemüse mit Reis, Ei und Kimchi. Die exzellenten Internetbewertungen hat die Köchin, die den Laden allein schmeißt, absolut verdient.
Schlussendlich kaufen wir noch im Supermarkt am Ortsende das Frühstück für morgen und lassen den Abend bei einer Flasche badischem Blanc de Noir ausklingen.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Die nächste Wanderung steht vor der Tür. C. und ich sind dieses Mal auf den Spuren des Räubers Schinderhannes, der 1803 in Mainz unterm Fallbeil endete, im heimischen Taunus unterwegs. Nach einem üppigen Spargelmahl zuhause machen wir uns gegen Viertel vor zwei auf in Richtung des nahegelegenen Kelkheim, wo der Einstieg des Wanderwegs ist, der uns in drei Tagen nach Norden über die Höhen des Taunus bis nach Landstein kurz vor Neu-Anspach führen soll.
Das Wetter ist unstet und zu kalt für die Jahreszeit, bei Temperaturen leicht über 10 Grad kommt es immer wieder zu kurzen Regenschauern, die uns aber die gute Stimmung nicht verderben können. Aprilwetter im Mai, die Eisheiligen stellen sich dem Sommer standhaft entgegen.
Wir gehen den Anfang unserer Mammolshainrunde, die wir oft mit Kimba, der Berner Sennenhündin des Nachbarn machen. Es geht über den römischen Viergötterstein auf Schwalbacher Gemarkung am Friedhof vorbei über die L 3015 und dann parallel zu ihr durch den Wald. Rechts lassen wir den Altkönig hinter uns und kommen zu der Bad Sodener Sportanlage mit Tennisplätzen, -halle und Stadion.
Altkönig
Es geht nun am Waldrand entlang in Richtung Bad Soden, links tut sich ein Blick hinüber zu den gut 10 km entfernten Frankfurter Bankentürmen auf.
Frankfurt Skyline
In Bad Soden steigen wir über ein Holzgitter und gehen durch ein Wäldchen hinab in Richtung Quellenpark, von wo schon Blasmusik ertönt.
Bad Soden, Bank
Eine große Attraktion ist hier das Anfang der 90er gestaltete bunte Hundertwasserhaus, wo der Wiener Künstler seiner Kreativität freien Lauf gelassen hat. Das bewohnte Haus, das um einen 30 Meter hohen Turm mit vergoldeter Kugel obendrauf, errichtet ist, weist viele Rundungen auf, selbst das zugehörige, etwas beengte Parkhaus passt sich in den verspielten Architekturstil ein.
Bad Soden, HundertwasserhausBad Soden, Hundertwasserhaus
Zudem ist das neu gestaltete Badehaus von 1722 in den Komplex integriert. Hierum gab es harte Auseinandersetzungen mit der Stadt, die auf mehreren Tafeln dokumentiert sind.
Bad Soden, Erstes BadehausBad Soden, Erstes Badehaus, Tafeln
Nahebei können wir uns mit einem gespritzten Apfelsaft erfrischen, die Blasmusiker ziehen gerade ab.
Bad Soden, Hundertwasserhaus
Die Blumen des Tages sind heute die überall opulent blühenden Rhododendren, die die Augen erfreuen.
Rhododendren
Aus Bad Soden, das in einer Talsenke liegt, geht es über Treppen hinaus. Wir hören auch hier wieder in der Ferne Musik, der Feiertag wird ausgiebig begangen, wir sehen zudem gelegentlich junge Männer mit Bierflaschen in den Händen, die den Vatertag feucht feiern.
In Kelkheim quartieren wir uns in unserem schlichten Hotel ein, an das ein persisches Restaurant angeschlossen ist, wo wir später ein Reisgericht mit einem Tomaten-Auberginen-Mus mit Knoblauchnote und Ei sowie Safraneis zu uns nehmen werden.
Ein kleiner Rundgang durch den unspektakulären Ort zur höhergelegenen, Anfang des 20. Jahrhunderts im neuromantischen Stil errichteten Klosterkirche schließt den aktiven Teil des Tages ab.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
The lonely rider left the saloon. He had been the last guest anyway. There was only the barmaid left who stood behind the counter. He had met many people that night but for some reason now all their faces had become blurred images. Maybe it was the drinks. Maybe his tiredness. They had talked about this and that. Nothing important really. In the beginning he had tried to listen to what the others said but after a while their voices had turned into noises he couldn’t make sense of anymore. Whenever he had said something the others simply had ignored him and had carried on with their talk. And he couldn’t blame them really. For he had said too many things he shouldn’t have said to people he didn’t know. Outside of the saloon they were strangers.
In the road a fresh wind from the North was blowing. It was a relief. Slowly his mind cleared up again. The barmaid stepped out of the door and started the conversation:
B: Hey man, you forgot something.
LR: You know that’s what I am really good at. Forgetting things. What was it this time?
B: Your notebook. I have seen you writing in it when you were sitting at the bar on your own a couple of hours ago.
LR: Oh yes. You are right. But you know what. I think I wanted to forget it and apparently it worked. I didn’t forget it like I forget umbrellas in cafés when the rain has stopped. It was kind of intentional. If you want you can keep it.
B: Are you sure?
LR: Positive.
B: Can I ask you something personal?
LR: Go ahead.
B: Where are you going at this time of the night?
LR: I am going into the desert.
B: You mean you will ride into the desert?
LR: No. I don’t have a horse. I will walk into the desert.
B: And what will you do there?
LR: I will try to get back to the heart of things. There is a world outside the saloon, you know.
B: Will you ever come back here?
LR: I guess so.
B: When will it be?
LR: Count your heartbeats, girl. When you are at half a million you will see a man on the horizon. That man will be me.
B: And if I get the counting wrong?
LR: In that case we will never see each other again, I guess.
She counted till one hundred until his footsteps had died away. The lonely rider disappeared into the night, heading South.