Knöllchen an Scheibe
Nebel über Buchenwald
Fahrt in den Regen
Knöllchen an Scheibe
Nebel über Buchenwald
Fahrt in den Regen
Harte Etappe
Gastgeberin besoffen
Beredtes Schweigen
Bis auf den Typen,
der unbeweglich dasteht,
tanzt der ganze Saal
[PVA@Mikropol, Berlin (sold out)]
Unbekümmertheit
Sanfter Gitarrenohrwurm
Melbourne lässt grüßen
[The Sugargliders – Will We Ever Learn? von We’re All Trying to Get There, 1994]
Die Frau neben mir
Traf in Paris auf Truffaut
Er war ziemlich klein
[Richard Linklater – Nouvelle Vague]
Dudelsackpfeifer
Managt ganzes Orchester
Power trifft auf Pop
[Teenage Fanclub – Is This Music? von Bandwagonesque, 1991]
Es war schon dunkel
Athen nicht mehr weit, aber
die Nacht so endlos
Jeden Tag einen
anderen, kürzeren Weg
ins Büro finden
I asked the painter why the roads are colored black
He said: „Steve it’s because people leave
And no highway will bring them back.“
[Silver Jews (David Berman) – Random Rules]
Und wenn ein Ohrwurm
tödlich ist für die, die ihn
erstmals anhören
[Another Sunny Day – You Should All Be Murdered von London Weekend, 1992]
Von Musik umarmt
Deine Stimme macht mich schwach
Wozu aufwachen?
[Aberdeen – Handsome Drink von Homesick and Happy to Be Here, 2002]
Diesel getankt. Preis
steigt in einer Woche um
50 Cent. Er war’s.
Trunkene Saiten
Sacht in Zeitlupe schwingend
[Blur – Miss America von Modern Life Is Rubbish, 1993]
Warum aufstehen
Wenn ich liegenbleiben kann
Im mollig Warmen?
20. Juli
Hinrichtungsrechnungen an
Angehörige
Teppichverkäufer
macht dem den besten Preis, der
sich nicht offenbart
Teppichverkäufer
Geschichtenerzähler, die
permanent lächeln
Teppichausverkauf
Preis sinkt mit Anzahl und wenn
man mit Cash bezahlt
Pflaume, Nelke, Zimt
Lakritz, Muskat, leichtflüssig
Alkoholbombe

Körperbutter, die
beim Einsalben hängen bleibt
in Körperhaaren
Von Farben sprechen
Tour ums Gesamtwerk
[Tom Liwa / Florian Glässing – Kathleen in Grün von Lopnor, 2002]
Ausatmen, zählen
Hypnagog starr da liegen
Besser als Tiefschlaf
Stein fällt vom Herzen
Jemand kann das Geheimnis
anvertraut werden
[Spain – Untitled #1 (live), ursprünglich von The Blue Moods of Spain, 1995]
Luxemburg, Party
Hier geht grade die Post ab
Wir tanzen alle
[The Lemonheads – Bit Part von It’s a Shame About Ray, 1992]
Blond und blauäugig
Die Erste im Krankenhaus
Separat zahlen
Ein paar Monate
Waren wir beste Freunde
Doch du wusstest es
Ein Künstlerleben
Von einem Freund komprimiert
Auf drei Minuten
[John Cale – Style It Takes von Songs for Drella, 1990]
Wandlöcher bohren
Männer unter sich auf See
Alles mit Maßen
[Die Buchhändlerin rät ab: Casanova – Geschichte meiner Flucht, Patrick O’Brian – Master und Commander, James Hilton – Shangri La]
Du bist verschwunden
Und mein Autoschlüssel auch
Am Neujahrsmorgen
Mein Körpertempel
Sofort nach dem Aufstehen
Zwölfkampf mit mir selbst
Nach dreißig Jahren
Dank für die Einführung in
Kultur und Bücher
Du springst hinunter
Vom Euratomgebäude
Freitagnachmittag
Über die Wange
Streichen die Pinselhärchen
Der Ton rein und sanft
[Fresu, Galliano, Lundgren – Que reste-t-il de nos amours? (Trenet) von Mare Nostrum, 2007]
Draußen vor Disco
Eyes closed. Lasse Kopf kreisen
Dreht sich schon alles?
Rotkehlchen zwitschert
Windschutzscheibe freigekratzt
Nachbarin joggt längs
Mittendrin Abbruch
Aus dem Leben gerissen
In Takt 2-3-9
[JS Bach – Die Kunst der Fuge (Contrapunctus XIV) gespielt von András Schiff@Casals Forum, Kronberg]
Steh im Handballtor
Rossi wirft Ball in Ecke
Halte mit Hechtsprung
Ein Korkenzieher
Dreht sich peu à peu ins Herz
Minimal kitschig
[Phil Glass – Glassworks: Opening (Ólafsson, 2017)]
Der Wald steht nie still
Baerler Busch zerschnitten von
A42
Am Meisenknödel
Fünf Schwanzmeisen hauen rein
Reiher guckt auf Teich
Treppe hochgestürzt
Quiche am Achtundachtzigsten
Keramik verschenkt
Wiedersehensglück
Großes Personentableau
Rückwärtserzählung
[Iris Wolff – Lichtungen]
Geräusche im Raum
Talk Talk, ick hör dir trapsen
Trip ins Offene
[Apparat – Hum of Maybe]
Hinter der Ecke
Auf der Hecke, in Greifnähe
Steht ein Graureiher
Erdnussbutter scheint
Ratte geschmeckt zu haben
War Henkersmahlzeit
Graue Ratte huscht
hin und her vor schneeweißer
Nachbarsgarage
Manchen Menschen kann
man nicht helfen, egal wie
nah man ihnen ist
[John Cale – Close Watch, Version von Music for a New Society, 1982]
Tag nach weißer Nacht
Wagen kommt ab, stoppt auf Feld
Sie: „Arme Eltern“
Krokusse sprießen
Dauerregen beendet
Der Frühling ist da!

Lächeln auf Saiten
Gitarrenloop. Federleicht.
Sich selbst erneuernd
[John Cale/Brian Eno – Spinning Away von Wrong Way Up, 1990]
Nachbar begrüßt mich
Als wär nie was gewesen
Gassi mit Kimba
Mythenumwoben
Beobachter des Menschen
Unzähmbar, trickreich
[Cord Riechelmann – Krähen (aus einem Wilmersdorfer Bücherschrank)]
Tune that started me
And lots of other people
To learn the guitar
[John Renbourn – Anji (David Graham) von Live in Kyoto 1978]
Am 1. April
eingezogen, mit Abi
allein auf Stube
Fünf Waschmaschinen
Gesaugt, gebügelt, gekocht
Steuer begonnen
Sich auf Flucht finden
Verlorener Sohn kehrt heim
Gerührt vom Vater
Medienfuzzi
erliegt Charme des Lebens auf
Hof in Brandenburg
[Dieter Moor – Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht]
Mehr Groove, mehr Coolness
Mehr Spiel- und Lebensfreude
Mehr Seele geht nicht
[Jill Scott – Beautiful People vom Tiny Desk Concert, 16.2.2026]
Schon seit zwei Tagen
Flaues Gefühl im Magen
Kombucha gekippt?
Sehr lange gesucht
Eine Landschaft tut sich auf
Bukolisch. Friedlich.
[Ralph Towner – Drifting Petals von Solstice, 1975]
Eine Frau sagt mir
Wieviel Kilo ich verlor
In der letzten Zeit
Außer Kontrolle
Teekochfeuer spätmorgens
Abends vor Gericht
Erstes Treffen bei
diesem Stück und die Liebe
wird ewig halten
[Bill Evans Trio – My Foolish Heart (Young/Washington) von Waltz for Debby, 1962]
Ten days from Cape Town
Bœuf et homard gratuit
Inselglück finden
Bassist. Unfalltod.
Zu Eltern nach Florida.
Neue Kraft schöpfen.
Minnesota nach
New York mit einem Koffer,
sechs Bücherkisten
Timing ist alles
Nebel hängt über der Nacht
Drei harmonieren
[Bill Evans & Stan Getz – But Beautiful von Undercurrent, 1962]
Rehherde in Au
Wettlauf gegen den Regen
Odyssee zurück
Morgens treffe ich um 8 vor dem Abmarsch noch meine Wirtin, die sich sehr für mein Fastenregime interessiert.
Die Landschaft draußen ist in Nebel gehüllt. Die Konturen der Windräder schälen sich erst langsam heraus. Ihr Geräusch empfinde ich als nicht unangenehmes Säuseln. Die Landstraße, der ich bis Plattenburg folge, ist so gut wie unbefahren, aber in einwandfreiem Zustand. Wie es mir überhaupt aufgefallen ist, dass die Infrastruktur hier oft neu und gut ist, ich hatte auch überall Internetempfang.

Schnee und Eis sind auf und neben der Straße völlig weggetaut, ich bin am letzten Tag endlich im Flow. Die obligatorische Kuhherde darf auch auf dieser Wanderung selbstverständlich nicht fehlen. Diese erwartungsvoll auf mich gerichteten Blicke…

Der nächste Orte ist Söllenthin, die einfache Feldsteinkirche natürlich geschlossen. Am Straßenrand jetzt viele Birken, was zu dem wenig nährstoffteichen Sandboden zu passen scheint. In Klein-Leppin steht noch Arbeit an, es verfällt z.T. so vor sich hin.

Ich setze mich auf eine überdachte Rastbank und bin erfolgreich beim Berlinaleticketkauf für Tristan forever. In den 20 Minuten auf der Bank – ich war vor 10 hier, wenn der Verkauf beginnt – kühle ich stark aus. Doch mit den Handschuhen und einem beherzten Gehtempo bin ich bald wieder aufgewärmt. A propos Handschuhe, ich habe da eigentlich sehr gute Fausthandschuhe, wo man vier Finger aufklappen kann. Wenn das jetzt noch mit dem Daumen, dessen Abdruck ich fürs Handy brauche, gehen würde, wäre das wunderbar.
In Groß-Leppin, das viel gepflegter als sein kleiner Namensvetter erscheint, ist die Kirche hinter einem Grundstück recht weit abseits von der Straße.

Den Ort verlasse ich auf einer Brücke über die Karthane und erblicke bald vor mir auf der ausgedehnten Wiese in 300 bis 400 m Abstand eine Herde von 12 Rehen, die eins nach dem anderen nach links vor mir wegrennen, die Tiere sind unglaublich scheu.
Ich laufe nun ein Stück auf Betonpflastersteinen durch den Wald, gelegentlich weiche ich Autos aus.
In Plattenburg, wo der Regen stärker wird, passiere ich die älteste Wasserburg Brandenburgs (immer diese Superlative!). In einem Bushaltehäuschen schlürfe ich die letzten Reste meines Tomaten- und des köstlichen Kirsch-Bananensaftes. Eine Frau, die ein Bustaxi nach Wilsnack bestellt hat und mich auf dem Weg gesehen hat, bietet mir an, mitzufahren: Ich lehne aus Pilgerstolz ab. Sie hat im nahen Bestattungswald ihren Mann „besucht“. Sie weist mich auf die Singschwäne hin, deren Ruf gerade erschallt.

Es geht nun nochmal auf glitschigen und zum Teil von Pfützen übersäten Wegen auf die letzten Meter durch den Wald.
Nach einem kleinen Einkauf im Supermarkt fürs morgige Fastenbrecher-Frühstück komme ich nun zum Ziel der Tour, der Wunderblutkirche von Bad Wilsnack. Im Jahr 1383 wurde der Ort nach der Legende von einem Ritter – und seinen Mannen – niedergebrannt. Anschließend fand ein Priester in der Kirchruine drei vom Feuer unversehrte mit Blut getränkte Hostien. Daraufhin wurde Wilsnack eine der wichtigsten Pilgerstätten Deutschlands. 1539 verbrannte der evangelische Pfarrer von Wilsnack die Hostien und Wilsnack fiel in den Dornröschenschlaf zurück.
Die Kirche kann mich nicht so richtig begeistern, neben einer großen Glocke mit Reliefs sind das sehr fein gearbeitete Taufbecken und die ebenso fein ziselierte Kanzel auffällig. Leider wird mir erst zu spät nach der Besichtigung beim Gespräch mit dem Küster klar, dass in der Kapelle neue, bunte Kirchenfenster von Leiko Ikemura sind. Auf jeden Fall ein Grund, nochmal hierher zu kommen
Es geht nun in rund vier Stunden über Wittenberge (Bus), Osterburg (Bus), Stendal (S-Bahn) und Spandau (ICE) nach Berlin (U7), wo es jetzt stark regnet. Im Vogelflug wären es etwas über 100 km gewesen.
Eine winterliche Fastenwanderung findet ihr Ende, die streckenweise etwas eintönig war, aber im großen und ganzen die Erwartungen erfüllt hat. Ich konnte Abstand zum Alltag und mehr Klarheit gewinnen. Es gab viele wilde und zahme Tiere zu bestaunen, die wenigen Menschen, die ich traf, waren fast alle sympathisch. Zudem habe ich viele schöne Feldsteinkirchen gesehen, die allerdings leider nur selten offen waren. Trotz der vereisten Wege bin ich nicht einmal hingefallen. Am Ende habe ich auch noch fünf Kilo verloren.



Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.
Nachtrag:

Kanadagansmeer
Trompetende Kraniche
Blässhühner verschreckt
Beim Verlassen meines Mansardenzimmers gegen 8 Uhr über die steile Treppe, finde ich nur noch einen Zettel vor. Ich lege das Geld auf die Kommode und mache mich aus dem Staube.
In der Kirche brennt Licht. Ich trete ein und höre eine Stimme, drei Menschen stehen vor dem Altar, einer liest etwas vor. Vor mir die filigrane aus Stein gehauene Kanzel. Ich lese, dass die Reformation sich hier langsam vollzog, da noch einige Jahrzehnte nach der offiziellen Einführung die alte katholische Liturgie gefeiert wurde.


Über die Dosse verlasse ich den Ort und komme bald zum Klempowsee, der still und schweigend zugefroren vor mir liegt. Nur wenige Menschen mit Hunden sind auf den vereisten Wegen unterwegs. Ich komme an einer alten Mühle vorbei.

Was mir schon mehrmals auf der Wanderung aufgefallen ist, sind blaugelb angestrichene Häuser oder Tore. Dabei kommt bei mir die Frage auf, ob wir die Ukrainer wirklich ausreichend unterstützen im Kampf gegen die russischen Angreifer.

Es geht anderthalb Stunden an der Westseite des Sees entlang bis ich auf eine schnurgerade Straße nach Westen stoße, die in ca. 30 Minuten in das Strandbad und die ehemalige Hansestadt Kyritz führt. Es gibt einen schönen Marktplatz und adrette Bürgerhäuser, allerdings ist die Kirche verrammelt und im örtlichen Plattenladen – so etwas gibt es hier noch – ist der Besitzer ins Gespräch über Musikanlagen mit einem anderen Kunden vertieft und würdigt mich keines Blickes. Ich sehe die CD-Auswahl, die sich von Schlager über Reinhard Mey und die böhsen onkelz erstreckt und verlasse das Etablissement postwendend. Insgesamt ernüchtert mich der Ort.

Mit schweren Beinen und einem Loch im Bauch geht es weiter Richtung Rehfeld, wo ein Stein exakt markiert, welche Gemeinde die Flächen bis wohin unterhalten muss. Das nenne ich Transparenz.

Rechts von mir in der Ferne die ersten Windräder. Am Straßenrand immer wieder unbeschnittene Bäume, deren Jungtriebe steil nach oben gerichtet sind, was mich etwas an unseren igelförmigen Apfelbaum erinnert, dem ich mich noch widmen möchte.

Das Feld vor mir ist überdeckt mit dunklen Punkten, es sind tausende von Kanadagänsen, die sich hier gütlich tun, es ist ja jetzt Tauwetter, da gibt der Boden bestimmt schon etwas von seinen Schätzen frei. Heute ist sowieso der Tag der Vögel. In der Luft hört man immer wieder die röhrenden, trompetenden Rufe, der meist in V-Formation fliegenden Kraniche.

Auf einer Pferdekoppel hinter Rehfeld zwei Schwarze, die mich von weitem erblicken und die ich mit etwas welken Grasbüscheln erfreuen kann. Ich bilde mir ein, sie sind genauso einsam wie ich in dieser unwirtlichen, kalten Natur und haben das Bedürfnis nach Körperkontakt.

Ich komme nun nach Berlitt, wo es doch tatsächlich eine Offene Kirche gibt, die wirklich offen ist – die in Rehfeld war es nur bis September – wofür ich mich im Gästebuch bedanke, der letzte Eintrag ist von Ende Oktober. Der schlichte, helle Innenraum gefällt mir genauso wie das Äußere der spätgotischen Feldsteinkirche mit Holztürmchen und Schieferhelm.


Im Ort gibt es eine Bücherzelle, wo ich Dieter Moor’s Buch über seinen Umzug aus der Schweiz nach Brandenburg Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht, nicht widerstehen kann.
Auf dem langen Stück nach Barenthin treffe ich auf weitere wilde Tiere. Ich sehe Gänse mit weißem Körper und schwarzem Kopf und umgekehrt. Vor mir läuft ein Damwildhirsch – Einzelkämpfer wie ich – über den Weg. Mir fällt wie schon gestern die große Geschwindigkeit und die Massigkeit des Körpers auf. Außerdem scheuche ich gegen Ende mehrere Blässhühner auf, die auf Zaunpfosten bzw. Bäumen direkt neben mir sitzen und die ich sonst nie wahrgenommen hätte. Bei ihnen erstaunt, wie sie es trotz der kugelhaften, scheinbaren Plumpheit schaffen, einfach so aufzufliegen.
Es hat nun doch noch angefangen, zu nieseln und ich stelle mich kurz in einer Bushaltestelle in Barenthin – ein Lob auf alle Bushaltestellen dieser Welt mit Häuschen – unter, um etwas zu trinken und den Rucksackregenschutz sowie den Regenschirm rauszuholen. Auf Rollsplit geht es am Straßenrand aus dem Ort raus, dann auf z.T. matschigen, z.T. noch vereisten Feld- und Waldwegen hinauf nach Görike, meinem Tagesziel. Hier beziehe ich meine großzügige Einliegerwohnung im Souterrain und lasse den Nachmittag ausklingen.

Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.