Du bukst die Pizza
Nietzsche, Keith Jarrett & Nick Drake
Dazu Badenwein
Knarsch, Klack-Klack, Krächzen
Wildtiere fliehen vor mir
Die Sonne kommt raus
Letzte Nacht haben mindestens vier Personen im Hotel geschlafen, sehr diskrete Zeitgenossen. Nach dem „Frühstück“ versuche ich es mit Berlinaletickets um 10, bekomme aber nur Karten für einen Film. Die Strategie mit mehreren Fenstern im Browser geht nicht auf, ich werde geblockt.
Ich komme daher erst 10h20 los und bin etwas unter Stress, da die längste Etappe ansteht, die ich aber leicht abkürzen kann, was allerdings bedeutet, dass ich zwischen Start und Ziel nur durch drei Orte komme. Das Wetter ist trüb, Eis habe ich genug um mich rum.

Ich warte dauernd auf den See, bis mir auffällt, dass es den ja gar nicht gibt. Da habe ich Fehrbellin mit Werbellin verwechselt, wohin Erich Honecker 1981 Helmut Schmidt einlud.
Außer Tieren treffe ich zwischen den wenigen Orten, die ich heute ansteuere, nur ein paar Autos, einen Radfahrer und mehrere Gassigeher. Niemand anderes ist so verrückt, in dieser unwirtlichen Landschaft herumzuwandern. Die Spuren im Schnee deuten darauf, wen ich heute vor allem treffen werde: wilde Tiere.

Die Wiesen und Felder sind übersät mit Maulwurfshügeln, außerdem wurden die Heuballen auf einer Wiese vergessen, die werden ja sicher nicht schlecht.

An einer abgeschiedenen Kreuzung weit von jeglicher Zivilisation komme ich an einer Gerichtsstätte vorbei. Hier wurden u.a. Todesurteile an Kindsmörderinnen vollstreckt, die vor allem auch der Abschreckung dienten.

Am Himmel ziehen zwei Kraniche nach Norden. Gegen halb zwei kommt die Sonne raus. Vor mir pickt ein Spatzenschwarm auf dem Weg.

Ich komme nun nach Garz. Hier gibt es einen Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert (der letzte dieser Art in der Mark Brandenburg), in dem die Familie von Quast wohnte, die hier lange das Sagen hatte.

Bei der schlichten Kirche fällt der spitze Turm auf.

Ich verlasse den Ort über die Temnitz.

Auf dem Weg nach Barsikow scheuche ich am Wegesrand einen Feldhasen auf, der in Heidenangst vor mir ins Feld rennt. Hier gibt es größere Schneeverwehungen, z.T. über 30 cm tief. Gut, dass ein Allradfahrzeug Spuren hinterlassen hat, in die ich stapfen kann. Man sieht hier übrigens Wege oft sehr gut aus der Ferne, weil sie sich durch Baumreihen andeuten, die sich als Alleen herausstellen.

Heute habe ich immer wieder das Problem, dass die Stöcke zwischen Betonplatten bzw. Steinen wie auf dem alten Pflasterweg vor Barsikow steckenbleiben. Das hindert das Fortkommen – gefühlt – ungemein. Ansonsten genieße ich es, dass das Gras unter dem abtauenden Schnee so langsam zum Vorschein kommt, die Weichheit des Bodens ist eine Wohltat für die Füße.
Vor mir höre ich plötzlich Stimmen, es hört sich an, als hätte jemand ein Radio sehr laut aufgedreht. Es handelt sich um einen Schwarm von Zugvögeln, ich glaube es waren schnatternde Wildgänse. Es sind generell viele Zugvögel unterwegs, die meisten fliegen Richtung Osten. Heißt das, dass der Winter bald vorbei ist?
Es ist nun schon nach fünf und dämmert so langsam. In großer Entfernung vor mir rennen drei Damwildweibchen in einem Affenzahn ins weite Feld. Kurz danach sehe ich ein weiteres Rudel von vier Tieren Reißaus vor mir nehmen.
In Metzelthin passiere ich die schöne Feldsteinkirche und erfreue mich kurz an dem Herrnhuterstern über dem Eingang.

Die letzten Meter zu meinem Ziel Wusterhausen gehe ich im Dunkeln am Straßenrand entlang. Viele Autos, die mir entgegenkommen blenden auf. Ein junger Mann hinter mir hupt und bietet mir einen Lift an, was ich dankend ablehne.
Übernachten tue ich bei einer netten Gastfamilie in der Mansarde unterm Dach, die sich schon Sorgen gemacht hatte, weil ich eine Stunde später als angekündigt erscheine.
Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.
Sonntagvormittag
Lacht die Sonne in München,
ruft der Biergarten!
Klackernde Stöcke
Im Schnee knarschende Schuhe
Krächzende Krähen
Zu wenig essen
erzeugt ein Hungergefühl
Nichts essen keines
Filmriss auf Ios
Ich glaub, wir haben geküsst
Retsina und mehr
[Talking Heads – Road to Nowhere von Little Creatures, 1985]
Mad Max-Disco, M.
Blauäugige Brünette
Um mich ist’s geschehn
Viertel vor sechs kommt die SMS
Mit dem fünfstelligen Zugangscode
Kurz vor sechs gehe ich
Über den vereisten Schnee
Hinüber zum Wellnessgebäude
Code eingeben und es kommt ein Signal
Die Tür ist entriegelt, ich trete ein
Ziehe meine Klamotten aus
Lege sie auf einen Stuhl
Schnappe mir das bereit gelegte große Handtuch
Öffne die Glastür zur Sauna
Eine Hitzewand schlägt mir entgegen
80 Grad, 15% Luftfeuchtigkeit, die auf
20% ansteigen nach dem Aufguss
Mit der Kupferkelle geschöpft
Es zischt, die Steine knacken, es dampft
Dezenter Mentholgeruch steigt mir in die Nase
Ich werfe das Handtuch auf die Bank im 2. Stock
Lege mich auf das Handtuch,
So flach und tief wie möglich
Beginne die Atemzüge zu zählen
Sie werden langsamer und am Ende schneller
Atme erst durch den Mund
Doch die Zunge wird trocken
Dann durch die Nase
Die Hitze stößt gegen die Nasenscheidewand
Es brennt schlimmer als ein Wüstensturm
Von draußen ächzende, knarrende Geräusche
Bei hundert stehe ich auf
Öffne die Saunatür
Setze mich auf den Stuhl
Lege das Handtuch auf den Schoß
Nach fünfzig Atemzügen
Hört das Tropfen auf
Ich schwitze fast nur am Kopf
Der ist am wichtigsten
Der muss zuerst gekühlt werden
Bin nun bereit zum nächsten Gang
Tequilaparty
Der Kopf wird immer klarer
Blackout aus dem Nichts
Olydisco M.
Iren voll aus dem Häuschen
Auf die Tanzfläche!
[U2 – Sunday Bloody Sunday, live 1983 auf Under a Blood Red Sky]
Die Wege tauen
Immer am Graben entlang
Contenanceverlust
Die Nacht über schlafe ich mit offenem Fenster, da es mir aufgrund der nur schwer regelbaren Wandheizung zu heiß ist.
Zum „Frühstück“ genieße ich Orangen- und Apfelsaft sowie zwei Kännchen Tee im schönen Frühstückssaal. Es sitzt dort außerdem eine Gruppe, die über preußische Geschichte und Psychosomatik parliert.

Der fürsorgliche Herr an der Rezeption möchte mir eine Thermoskanne, Schuhkrallen und Kartenkopien mitgeben; ich lehne dankend ab.
Draußen taut es bei Temperaturen knapp über Null weiter vor sich hin, es ist weniger glatt als gestern. Ich gehe wieder an der Straße zurück nach Staffelde, ein Starenschwarm fliegt rauf und runter…
In der schlichten, geschlossenen Feldsteinkirche erfreut mich ein Herrnhuter Weihnachtsstern hinter dem Kirchenfenster.


Ich gehe jetzt wieder den freigeräumten Radweg Richtung A24 (Hamburg-Berlin) und dann ein Stück an der Autobahn entlang. Dort treffe ich auf ein junges Paar, er führt den Berner Sennenhund an der Leine(!), vom Zurückgrüßen halten sie nichts.
Nun geht es durch das Straßendorf Flatow, hier ist sogar das Tor zur Kirche geschlossen.

Der Weg führt nun durchs Luch, ein ehemaliges Moor. Im 18. Jahrhundert wurde hier Torf abgebaut und auf Kähnen nach Berlin gebracht, was für einen gewissen Wohlstand sorgte. Friedrich der Große begann 1776 mit der Trockenlegung des Rhinluches, die Anfang des 20. Jahrhundert vollendet wurde. Die Gräben leiten das Wasser bis heute in den Rhin.
Über mir fliegen vier Schwäne gen Süden. Ich muss hier wieder ein Stück an der Straße entlang gehen. In den Bäumen am Straßenrand nisten mehrere schwarze, mittelgroße Vögel mit einem sehr charakteristischen Ruf, die ich aber leider nicht bestimmen kann, da sie zu schnell auffliegen, als ich versuche, die Handschuhe auszuziehen.
Ich komme nun in dem Storchendorf Linum an. Das eine Storchennest wird derzeit von schwarzen Vögeln – für Krähen zu klein? – bewohnt.

Hier genehmige ich mir eine Tasse grünen Tee in der Storchenklause. Nebenan bekommt man frische und geräucherte Süßwasserfische.

Ich stoße auf einen Entwässerungsgraben, dem ich ein gutes Stück folge. Die Landschaft ist weiterhin unspektakulär. Man kann nichts davon ahnen, dass hier in der Gegend 1675 der Große Kurfürst die Schweden entscheidend besiegte und den Grundstein für den Aufstieg von Preußen schuf. Bei der Schlacht war übrigens auch ein gewisser Prinz von Homburg, den Kleist in seinem Drama verewigte, zugegen.

Ich mache den kleinen Abstecher nach Hakenberg, gehe aber nicht bis zur 36 m hohen, begehbaren Siegessäule auf dem Kurfürstenhügel, die noch weiter südlich liegt (das wäre hin und zurück 1h Umweg gewesen). Stattdessen fällt mir unweit der Kirche eine Skulptur mit mehreren Reliefs und zwei widersprüchlichen Zitaten zum Krieg ins Auge.

Der nächste Ort, den ich erreiche, ist Tarmow, wo nichts Interessantes im Bücherschrank steht, außer dem Hinweis, doch bitte die ISBN-Nummern und den Barcode der gespendeten Bücher zu schwärzen, damit Buchsammler sie schlechter verkaufen können.
Hier gibt es allerdings eine Schinkelkirche.

Über die A24 komme ich nun nach Fehrbellin. Meine Unterkunft, ein vollautomatisierter Flachbau ist verschlossen, niemand da. Ich rufe an und echauffiere mich, da die E-Mail mit dem Zugangscode im Spam gelandet ist und die Lösung etwas auf sich warten lässt. Außerdem bin ich stark dehydriert, da ich zu wenig von dem eiskalten Wasser getrunken habe. Es klappt dann aber schließlich alles mit den vier Codes zum Eintritt ins Hotel, zum Ersteintritt ins Zimmer, zu weiteren Eintritten ins Zimmer, sowie später zur Sauna. Außer mir ist niemand zuhaus. Hier werde ich zweimal übernachten, da morgen ein mobiler Arbeitstag ansteht.
Schlussbetrachtung: Gestern – ich schreibe die Einträge immer am nächsten Morgen – während des Wanderns habe ich so eine luzide Wachheit gespürt, habe mir zum Beispiel im Kopf eine detaillierte Prioritätenliste gemacht, von dem was ich unbedingt in der nahen Zukunft machen muss. In dem Moment, wo ich angekommen bin, war diese Liste wie weggeflogen, ich konnte mich nur noch ins Bett legen, Tee trinken, entspannen und weiter prokrastinieren. Nicht mal die Liste zu machen, kam mir in den Sinn, die ja selber bereits eine subtile Form der Aufschiebung darstellt. Weil man ja meint, allein mit dem Aufschreiben die Sachen zumindest geistig schon angepackt zu haben. Ich möchte nicht wissen, wie viele Prioritätenlisten auf Zetteln ich zuhause rumfliegen habe. Die müsste man eigentlich mal konsolidieren…
Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.
Zurückgeworfen
Schneeweißer, vereister Weg
Gut geknirscht, Löwe!
Es geht los auf meine nächste Wandertour. Im Winter war ich schon öfter fastend unterwegs, allerdings noch nicht im winterlichen Winter mit Schnee und Eis. Das ist dieses Mal anders.
Bevor es losgeht, mache ich mir zuhause noch einen Einlauf und stelle so den Schalter um auf die Verbrennung der eigenen Reserven (erst Kohlehydrate, dann Fett).
Mit der U7 fahre ich nach Spandau, wo mir der Bus nach Henningsdorf vor der Nase wegfährt: 3 Minuten Umsteigzeit waren nicht genug bzw. der Bus wartet nicht. Auf dem Display an der Haltestelle steht „59 Minuten X36“, allerdings stellt sich raus, dass bereits in 20 Minuten ein Bus vom Rathaus Spandau fährt.
In Henningsdorf kaufe ich mir noch Pastillen im Supermarkt und verlasse den Ort über den Stadtpark, auf dem mich ein Langläufer im Trikot überholt und darauf hinweist, dass heute kein idealer Wandertag ist. Das wird die einzige Person bleiben, die ich heute auf dem Weg treffen werde.

Es ist in der Tat eine Herausforderung auf dem vereisten Weg nicht hinzufallen, was mir aber gelingt. Ich rutsche immer wieder, lerne abzuschätzen, wo es besonders glatt ist und gehe meist am Rand, wo Fahrzeuge den Schnee bzw. das Eis noch nicht glattgefahren haben. Die Stöcke sind sehr nützlich. Die Temperatur ist heute etwas über Null angestiegen, es taut ein ganz wenig. Mich begleitet als einziges Geräusch neben dem Gesang vereinzelter Vögel das Knirschen und gelegentliche Knacken unter den Füßen. Für die verschiedenen Formen dieses Geräuschs bräuchte man eigentlich mehr Wörter. Der Ton ist oft weniger hoch, Knarschen würde da besser passen.
Ich laufe durch den Wald mit vielen Eichen auf der breiten Alten Hamburger Poststraße, die insbesondere hinter Bötzow kilometerweit schnurgeradeaus verläuft. In Bötzow geht es an der Feldsteinkirche und der alten, völlig überdimensionierten Grundschule vorbei.


Am Ortsausgang ist ein Reiterhof, vier wunderschöne Braune rennen auf mich zu und wollen an der Seite des Kopfes gestreichelt werden. Sie folgen mir noch ein Stück bis zur Ende der Koppel.

Der Weg wird immer wieder von Meilensteinen gesäumt und zwar Viertel-, Halb- und Ganzmeilensteinen. Eine preußische Meile entspricht immerhin 7,53 km, ich bin also schon über 30 km hinter Berlin, nach Hamburg sind es noch gut 255 km.


Der Weg auf der Poststraße durch den Krämer genannten Wald ist schon etwas eintönig, aber zumindest habe ich ihn für mich allein und kann mich langsam eingrooven. Ich bin trotz des trüben Wetters geblendet vom Weiß des Schnees. So einsam durch den festgefrorenen Schnee stapfend komme ich mir etwas vor wie Scott und Amundsen am Südpol. Ich passiere mehrere Schutzhütten, die ich für kurze Trinkpausen im Trockenen nutze. Dabei genieße ich sowohl den Apfel-Rote Bete-Ingwersaft als auch insbesondere den „Sanft wie Seide“- Multifruchtsaft, den ich in kleinen Schlücken „kaue“ und bei dem ich sehr stark Mango und auch Banane rauszuschmecken meine. Die Bänke draußen sind allerdings schneebedeckt und nicht nutzbar.

Am Nachmittag war laut App eigentlich leichter Regen angesagt, der mir aber erspart bleibt.
In der Ferne höre ich ein in meinen Ohren durchaus angenehmes Rauschen, das zu einem Brausen anschwillt, je weiter ich gehe: Es ist die Autobahn. Mein erstes Ziel ist Groß-Ziethen, das etwas abseits des Pilgerwegs liegt. Ich hatte mir gedacht, über die A24 in der Nähe des Autobahndreiecks Havelland, direkt dort hinzugehen, allerdings ist dort statt der erhofften Brücke oder Unterführung – auf der Karte sah es so aus, als käme man weiter – nur ein Zaun. Ich muss also wieder meinen Spuren zurück auf den Pilgerweg folgen und dann erst über die A10, dann durch den Wald und über die A24 nach Staffelde und dann zurück nach Osten nach Groß-Ziethen, mehr als eine Stunde extra.
In Groß-Ziethen erwartet mich meine Unterkunft, das Schloss, ursprünglich von den Bredows 1355 erbaut, das laut Fontane mal im Besitz von Blücher war. Das heutige Gebäude ist ein auf einem Barockbau basierender Umbau aus dem späten 19. Jahrhundert. Es ist sehr gut in Schuss, innen geschmackvoll renoviert. In meiner Kemenate gibt es Fischgrätenparkett, einen kleinen Sekretär in der Ecke, ein Fläschchen Wasser sowie – Gipfel des unerhofften Komforts – einen kleinen Wasserkocher nebst Teekanne, so dass ich mir einen Beeren- und einen Kamillentee kochen kann. Ich bin nach der anstrengenden Wanderung doch relativ dehydriert.


Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.
The guitar jangles
Her irresistible voice
Breezy student tune
[The Sundays – Here’s Where the Story Ends von Reading, Writing and Arithmetic, 1990]
Pulvriger Schnee knirscht
Morgens unter den Schuhen
White Light, white cold
Dunkelrot, opak
Syrah, Carignan, Grenache
Frisch, kräftig, süffig

Im Reich der Sitar
Stimme klingt müde-weise
Erleuchtung nicht weit
[Beck – Nobody’s Fault But My Own von Mutations, 1998]
Nachts durch Schnee gestapft
Kimba stoppt, guckt in Ferne
Felder strahlen weiß
Im Sphärenklangbett
Harfe trifft auf Theremin
Nicht von dieser Welt
[Nailah Hunter & Alia – The Pavilion of Dreams (Harold Budd)]
Energieriegel
Ohren durchpusten lassen
Die Freiheit lieben
[Jon Irabagon – Routers von Server Farm, 2025]
Wenn Schönheit wehtut
Schlag in die Magengrube
Es zieht uns hinan
[Max Richter – On the Nature of Daylight (Richter/Dangel] von The Blue Notebooks, 2004]
Die Welt nicht mehr heil
Die Musik schon irgendwie
Ich noch kein Teenie
[Steely Dan – Do It Again, 1972]
Wampe wieder da
Fastenwanderung kann bald
Wieder losgehen
Söhne und Väter
Eine Liebesgeschichte?
Allein auf dem Meer
Über die Bühne
Fegt ein skinny Wirbelwind
Frauenpower live
[PJ Harvey – The Whores Hustle and the Hustlers Whore von Stories from the City, Stories from the Sea, 2000]
An der frischen Luft
Pastorale Melodie
Spätsommerabend
[Yusef Lateef – Love Theme from Spartacus von Eastern Sounds, 1961 auch auf dem Soundtrack zu Sentimental Value]
Ich weiß mehr von dir
als du denkst, aber sagen
tu ich es keinem
Whisky on the rocks
In die Nacht hineinswingen
Unten an der Bar
[TrackTribe – A Night Alone von Smoke Filled Rooms, 2019 vom Soundtrack zu Sentimental Value]
Buddhahundnatur
Kimba geht nicht aus dem Weg
Die Leute lächeln
Ampel springt auf grün
Im Rückspiegel A.s Kombi
Mein Wagen ruckelt
——–
Winziger Stups von hinten
Stoßdämpfer an Stoßdämpfer
Der Wagen ruckelt
Du touchierst den Stoßdämpfer
Die Ampel wird grün
Der Orthopäde
sah sich meine Füße an
und lachte lauthals
Mein Englischlehrer
drummte, ließ uns lustige
Sätze translaten
Nachts auf Land torkelnd
Weltumsegler im Dinghi
Zielsicher zum Strand
Dieser Stich ins Herz
Wenn eine Liebe endet
Ein Lied draus machen
[The Field Mice – End of the Affair von Snowball, 1989]
Indische Rhythmen
Klarinettenmelodie
Gitarrengespinst
[Oregon – Sail von Music of Another Present Era, 1972]
Acker umgraben
Feta und Öl bekommen
Schwielen an Händen
Um viertel nach acht
Sonne aufgehen sehen
zwischen Hochhäusern
So nah dran und doch
Meilenweit davon entfernt
Ein gutes Cover
[Slint – Cortez the Killer (Neil Young), Chicago 1989]
Nach Feierabend
Sorgen abperlen lassen
Gelassen werden
[Kenny Barron mit Charlie Haden und Roy Haynes – Sail Away von Wanton Spirit, 1994]
Roter Feuerball
Im Osten Richtung Frankfurt
Auf Foto heller

Wiedersehn mit Franz
Versuch des Nummernaustauschs
Der Wecker klingelt
Lied in Zeitlupe
Hypnotischer Sprechgesang
Kann das gut enden?
[King Hannah – Milk Boy (I Love You)] von Big Swimmer, 2024]
Nachbars Calumet
Selbstgemachter Gravlax mit
Körnersenfsoße
Lasst uns träumen von
einer friedlicheren Welt
Drei Minuten lang
[Phil Manzanera – Sombre Reptiles (Eno), live@London, 1976]
verlassen werden
sich im Selbstmitleid suhlen
es kann so schön sein
[Red House Painters – Katy Song von „Rollercoaster“, 1993]
Anruf aus dem Nichts
Abschied vom Arbeitsleben
nimmt langsam Form an
Ex-Ehepaar nimmt
keine Gefangenen in
knapp 2 Minuten
[The White Stripes – Fell in Love with a Girl von White Blood Cells, 2001]
Jemand begrüßt mich
mit Namen, dessen Gesicht
ich nicht erkenne
Schwingt eine Musik
mit ihrer Eigenfrequenz
schaukelt sie sich auf
[Boards of Canada – Chinook, 1996]
Kollegin zu mir:
„Du tippst wie meine Oma.“
Es wird langsam Zeit.
Bester Freund tanzt mit
meiner heimlichen Liebe
im Partykeller
[Neil Diamond – Longfellow Serenade, 1974]
Etwas zieht mich rein
In diese düstere Welt
Hey man, this is deep!
Höhle auf Kreta
Die Schreie der Schweizerin
als Jonathan in…
Nach dem Akt musste
jeder von ihren Lovern
den Slip abliefern
Die Erde dreht sich
Das Leben schreitet voran
Etwas draus machen
[Big Thief feat. Laraaji – Grandmother von Double Infinity, 2025]
Sie hat mich gekickt
Epiphanie aus Boxen
Full Blast im Nebel
[My Bloody Valentine – When You Sleep von Loveless, 1991]
Sächsische Schweiz, Rhön,
Vogesen, Provence, Cevennes,
Fichtelgebirge…
[Die Kunst des Wanderns – Ein literarisches Lesebuch]
Ein Haus mit Geistern
Ein Kind mit strengen Eltern
Hilfe aus dem All
[Karin Tidbeck – Kosmos an Kisel, dank Stefan]
Mit sich im Reinen
Die Natur ein Paradies
Zurückgekommen
[Labi Siffre – Cannock Chase von Crying, Loving, Laughing, Lying, 1972 vom Soundtrack zu Sentimental Value]
Dampfendes Wasser
In Badewanne liegen
Nachlaufen lassen
Ungleiche Schwestern
Rückkehr des Vaters ins Haus
Film als Therapie
[Joachim Trier – Sentimental Value, 9/10]
Niemals mehr hören
Seine sonore Stimme
Sie im Kopf haben
Im Limbo zwischen
Post-Punk, Dark Wave & Dream Pop
In jedem Anfang …
[Cocteau Twins – The Hollow Men von Garlands, 1982]
Politischer nie
Ihr mit Abstand stärkster Song
Anders als der Rest
[Creedence Clearwater Revival – Effigy von Willy and the Poor Boys, 1969]
Neben mir im Zug
Pärchen fängt an, gemeinsam
ein Buch zu lesen
Von vor der Bühne
Durch Menschenmassen schweben
Auf dem Weg zur Bar
[Moby – Porcelain von Play, 1999 (more)]
Cool female chanting
Tuneful noisy rock with punch
From Toulouse with love
[Diabologum – Palladium Rock von Le goût du jour, 1994]
Zwei Ratten klettern
Eisenstab hoch, springen auf
Knödelschutzkäfig
Eins von vier Paaren
Am Ende noch zusammen
Schicksalsschlag vereint
Schließe die Augen!
Farben und Formen prasseln
direkt ins Gehirn.
[Holden & Zimpel – You Are Gods]
Seit zwei Tagen frisst
Berner Sennenhündin nicht
Im Böllertrauma
Schutzkäfig besetzt
An Meisenknödeln nagend
Vier junge Ratten
Mach’s gut Canigou
Beim nächsten Mal ohne Schnee
Wartest Du auf mich?

Patriotismus
Immer wieder staunen vor
diesem Phänomen
[Broadcast – America’s Boy von Tender Buttons, 2005]
Fünf Kirchturmschläge
Ziegenglockengebimmel
Fern Hundebellen
Rauchgeschwängerter
Jazzclub um zwei Uhr morgens
Sinnliche Wehmut
[Eliana Glass – Good Friends Call Me E]
Aus Nistkasten fällt
mir ein Körper entgegen
…war wohl ein Mäuschen
Zu zweit im Auto
Bei hundertfünfunddreißig
Der finale Kuss
[Big Thief – Shark Smile von Capacity, 2017]