Auf leichten Flügeln
Ein lauer Sommerabend
From London with love
[Tom Misch – Days of Us feat. Kaidi Akinnibi (via)]
Auf leichten Flügeln
Ein lauer Sommerabend
From London with love
[Tom Misch – Days of Us feat. Kaidi Akinnibi (via)]
Nach einer Nacht, in der sich mein Körper den nötigen Schlaf holt, frühstücken wir gleichzeitig mit der am Vorabend eingetroffenen Busladung Schweden. Wir setzen uns nach draußen in den Innenhof, um Ruhe zu haben. Das Frühstücksbüffet ist reichlich.
Der Vietnamese gestern Abend muss Zusatzstoffe wie Maltodextrin ins Bami Goreng gemischt haben, ich habe schon morgens durchsichtige flotte Lotte.
Im Drogeriemarkt um die Ecke besorge ich mir Mückenspray, Sonnencreme und Ureafußcreme. Anschließend noch ein Bulettenbrötchen beim Bäcker.
Heute steht die bisher härteste Etappe auf dem Programm. 25 Km bei Temperaturen bis 27 Grad. Allerdings haben wir meistens Schatten. Der Wasserbedarf ist trotzdem enorm. Am Nachmittag spüre ich, wie sich mein Kopf im Briesetal stark erhitzt.

Gleich beim Hinausgehen an der Ausfallstraße, die nicht für Fußgänger zugeschnitten ist, kommen wir in Konflikt mit einem Radfahrer, der auf dem schmalen, nur schwer erkennbaren Radweg rumpöbelt, weil wir nicht schnell genug zur Seite springen. Dann kommt eine junge Frau mit angeleintem Kampfhund und schreit uns an, wir sollten Platz machen. Eine latente Aggressivität hängt in der Luft.
Es geht nun durch den Laubwald, wir kommen unter der Bahn durch, die von Marquardt bis Gesundbrunnen führt und mit der wir am Ende des ersten Wandertages über Jungfernheide zurück nach Hause gefahren waren. Anschließend geht es über eine kombinierte Radfahrer-, Fußgängerbrücke über die A111, die die westlichen Berliner Stadtteile mit dem Autobahnring A10 verbindet.
Wir kommen nun nach Birkenwerder. Es fällt auf, dass heute alle möglichen Einkehrorte auf dem Weg geschlossen sind. Auch die Havelbaude öffnet nur von Freitag bis Sonntag.

Nach dem kleinen städtischen Mönchsee, an dem zwei junge Burschen in kompletter Anglermontur uns darauf hinweisen, ruhig zu sein, um nicht die Karpfen zu verschrecken, kommen wir jetzt zum schon außerhalb des Ortes gelegenen Boddensee. In Ufernähe liegen viele Äste am Seeboden, die für die Füße schmerzhaft zu begehen sind, aber nach zwei, drei Metern wird der Grund schlammig und wir stürzen uns zur Abkühlung in die Fluten. Herrlich! Hier halten wir auch unsere Mittagsrast, das Bulettenbrötchen mit Ketchup und Zwiebeln mundet hervorragend.
Nachdem wir die A10 und die Bahnstrecke von Berlin nach Oranienburg unterquert haben, kommen wir auf einen Holzbohlenweg durch das Briesetal, dem wir jetzt für viele Kilometer folgen werden.

Hier werden wir von den Erlen vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt. Das Mückenspray bewährt sich. Auf alten, zum Teil verrottenden Baumstämmen hängen immer wieder zum Teil recht große Populationen von Porlingen.

Mir fallen hier die vielen Grüntöne und die Wasserspiegelungen auf, die die Natur verzaubern.

Wir kommen an einer Einrichtung für Suchtkranke am Briesesee vorbei. Man kann sich gut vorstellen, dass sich die idyllische, ruhige, naturnahe Lage positiv auf die Rekonvaleszenz der Patienten auswirkt.
Die Erlen stehen oft im Wasser, die umgefallenen Bäume zersetzen sich langsam und werden irgendwann zu Torf. Nach einer Weile – wir laufen gut 2 Stunden an der Briese entlang – haben auch wir uns satt gesehen am Erlenbruch und erreichen die von vielen Lkw befahrene Summter Chaussee.

Hier geht es weiter geradeaus zur Zühlsdorfer Mühle, wo überall Nutzholz rumliegt. Von hier sind es nur noch drei Km auf sandigem Pfad durch den Kiefernwald nach Wensickendorf. Wir sind hier in einer völlig anderen, für Brandenburg typischeren, trockenen Vegetationszone.

An der Summter Chaussee im Ort erfrische ich mich mit einem Softeis, unser historisches Landhotel liegt an der T-Kreuzung zweier Hauptstraßen, wir kommen im ruhigen hinteren Bereich unter.
Da es hier keinerlei Restauration gibt, fahren wir mit Bus und Bahn über Wandlitz nach Wandlitzsee, wo wir beim Italiener im riesigen Wintergarten mit Blick auf Strandbad und See die am Tag verbrannten Kalorien wieder zu kompensieren versuchen. Ich verschlinge meine Gemüsepizza Ancona mit Knoblauch mit gesundem Appetit. Der Rückweg gestaltet sich komplex, da wir in Wandlitz versehentlich den Bus nach Bernau nehmen. Als wir den Fehler bemerken, steigen wir im Wald an der Haltestelle Anglersruhe aus, wo uns derselbe Busfahrer nach einer halben Stunde wieder lachend aufsammelt. Hier wäre noch so gut wie nie jemand zugestiegen, wir wären gut für die Statistik.
Morgen legen wir einen Ruhetag ein. H. wird seinen durch Dehydration leicht angeschlagenen Körper auskurieren, ich ein bisschen Statistik treiben. Übermorgen geht es dann weiter mit der Königsetappe von Wensickendorf nach Melchow.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Sich ganz auflösen
Verschmelzen mit dem andern
Und der merkt es nicht
[Mazzy Star – Fade into You, live at Shoreline Amphitheatre 1994]
Ich verbringe eine gefühlt schlaflose Nacht mit vielen Schlafunterbrechungen, bin am nächsten Morgen dank zweier Sprühstöße Melatonin jedoch trotzdem recht ausgeruht.
Wir frühstücken im Gemeinschaftsraum unserer Unterkunft. Der mit Frischkäse gefüllte Hefezopf und der Naturjoghurt munden sehr gut. Wir treffen auf eine Frau aus Stuttgart mit einem Pekinesen namens Big Boy. Sie ist alleine mit dem Nachtzug für das Pokalfinale angereist.
Wir sind bereits 8h23 auf unserem Weg und springen in den bereits gut frequentierten, sehr angenehm temperierten, nagegelegenen Nymphensee.

Der heutige Pfingstmontag beschert uns wiederum hochsommerliche Temperaturen. Es geht anfangs am Havelkanal entlang, später kommen wir in den Wald, wo mir die letzten Tropfen meines grünen Fläschchens Anti-Brumm gute Dienste gegen die Mückenschwärme leisten.

Am Kanal hängen zwischen den Erlen drei Hängematten. Drei junge Männer genießen das dolce far niente.

Es geht sich heute besser als gestern, der Naturweganteil ist größer und die Füße haben sich eingegroovt. Auf dem Weg treffen wir vor der Schönwalder Schleuse niemanden. Dort kommen uns Leute mit Rädern entgegen, andere rasten.

Im Wald kann man schön beobachten, wie der lichte Mischwald zu einer ausgiebigen Bodenbewachsung geführt hat, während der reine Laubwald weniger Licht durchlässt und der Boden unbewachsen und stattdessen mit abgefallenen Blättern bedeckt ist.



In Schönwalde Dorf rasten wir in einer überdachten Bushaltestelle, die etwas Schatten spendet. Hinter uns sitzt ein Typ im mittleren Alter auf dem Fensterbrett eines Hauses oben im 1. Stock und glotzt aufs Handy, ohne von seiner Umwelt Notiz zu nehmen.
Die barocke Schönwalder Kirche mit einer Wagner-Orgel von 1739 – der Silbermann des Nordens – ist uns leider verschlossen.

Hier in der Gegend sind sehr viele Pferdehöfe, wir sehen eine junge Frau auf der Reitbahn Dressur üben. Zudem sind Heerscharen von Radlern – sowohl E-Bikes als auch Rennräder – unterwegs, Fußgänger treffen wir kaum. Ein Radler will uns einen anderen, angeblich kürzeren Weg nach Henningsdorf an der Hauptstraße weisen und schüttelt den Kopf über unsere Beratungsresistenz. Er kennt offensichtlich nicht den schönen sandigen Weg durch den Wald, der nicht länger ist.

Gegen 15 Uhr kommen wir an unserem abgerockten Hotel im Zentrum von Henningsdorf an und checken ein. In Henningsdorf wurde 1910 von dem AEG-Gründer Emil Rathenau, dem Vater von Walter, die Abteilung Flugzeugbau angesiedelt, die 1912 ein erstes Holzflugzeug baute. Heute ist Alstom im Bereich Bahntechnik tätig. Nach der Dusche und Siesta laufen wir durch die Fußgängerzone und essen wieder draußen bei einem Vietnamesen. Ich nehme Bami Goreng, was mich an meine Kindheit erinnert, wo wir gelegentlich beim Indonesier in Venlo essen waren. H. trinkt zum Abschluss einen vietnamesischen Kaffee auf Kondensmilch, der bestimmt 10 Minuten durchs Sieb tropft, bevor er fertig ist.
Am Hauseingang gegenüber spielt sich ein kleines Familiendrama ab. Eine junge Frau steht an der Tür mit ihren ca. 6-7 jährigen Kindern. Das Mädchen liegt am Boden mit einer kleinen Wunde am Knie, ihr Bruder hat sie wohl geschubst. Der Bruder läuft auf Zehenspitzen mit einem völlig nach innen verrenkten Fuß. Nachdem Mutter und Tochter ins Haus gegangen sind, sperrt er sich versehentlich aus, weint bitterlich und wird schließlich von seiner Mutter getröstet.

Zum Abschluss trinken wir im verlassenen Außenbereich hinter dem Hotel noch ein Absackerbier und lassen den lauen Abend mit guten Gesprächen ausklingen.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Nach einer erholsamen Nacht im heimischen Bett machen wir uns am Pfingstsonntag um viertel vor acht auf zur U-Bahnstation. Wir haben Glück mit den Verbindungen, der Regionalzug nach Potsdam muss auf den Zug einer anderen Gesellschaft warten, der anschließende Zug nach Marquardt wartet aber ebenso. In Marquardt steigen außer uns zwei weitere Wanderer aus, die vor uns laufen.
Das Wetter ist sommerlich mit Temperaturen um die 25 Grad, morgens ist es noch angenehm kühl. Wir gehen die Alternativroute über Uetz, ein verschlafenes Nest, das bereits Fontane bereiste, der sich hier von einem wegen zunehmend schlechter Geschäfte griesgrämigen Fährmann über die Wublitz übersetzen ließ. Mit dem Bau der Reichsautobahn – heute der knapp 200 km lange Autobahnring A10 um Berlin – in den 30er Jahren verlandete die Wublitz und die Fährstelle verschwand völlig.
Nachdem ich ein Foto des Protestplakats an dem Zaun eines Hauses gemacht habe, kommt eine Frau aus dem Haus und stellt sich hinter uns ostentativ auf den Weg, willkommen scheinen wir hier nicht zu sein.

Es geht nun an verblühten Rapsfeldern vorbei hinauf auf den Galgenberg. Ich höre den glucksenden Gesang einiger Feldlerchen in der Luft. Ein großer Feldhase steht weit vor uns auf dem Weg. Am Feldrand neben Mohn auch Kornblumen, der Pestizideinsatz scheint begrenzt zu sein.

Wir kommen nun zum Havelkanal, der auf 34 km von Paretz bis Henningsdorf die um Berlin mäandernde Havel mit sich selbst verbindet. Er wurde zu DDR-Zeiten angelegt, um Westberliner Gebiet zu umschiffen. Heute erfüllt er so gut wie keinen praktischen Zweck mehr und wird vor allem von privaten Motor- und Paddelbooten in der Freizeit genutzt. Einen großen Teil der Strecke gehen wir im Schatten von Erlen. Vor uns stolziert eine Bachstelze.

Auf der anderen Seite des Kanals sehen wir zwei unscheinbare Graureiher, die unbeweglich dastehen und auf das Wasser nach Fischen schauen.
Eine zehnköpfige Entenfamilie schwimmt in Formation in unsere Gehrichtung. Die Vegetation ist üppig und vielfältig. Später als der Weg hinter Wustermark zum Wiesenweg wird, höre ich Mönchsgrasmücken ihr abwechslungsreiches Liedchen zwitschern.

Der Weg heute ist zwar etwas eintönig, aber meist angenehm zu gehen. In Wustermark esse ich ein großes, erfrischendes Heidelbeersofteis an einem Eisstand, Einkehrmöglichkeiten gibt es nirgendwo.

Tief über den Wiesen fliegen Schwalben. Unter einer Brücke treffen wir unsere Mitwanderer wieder, die in großen Abständen Tagesetappen auf dem 66 Seen Weg machen, von der Natur begeistert sind und etwas neidisch auf uns sind, die wir mehrere Etappen hintereinander machen und vor Ort übernachten.
In Brieselang liegt unsere Unterkunft am westlichen Ortsende hinter dem Bahnhof. Der Weg zieht sich ewig. Wir gönnen uns eine türkische Pizza, dazu schlürfe ich zwei kleine Ayranbecher. Unsere Unterkunft liegt an der Hauptstraße durch den Ort. Später nach der Dusche und Siesta gehen wir noch einmal raus um einen nahegelegenen, kleinen See und essen vietnamesisch. Der Tofu ist sehr weich und hat nur wenig Geschmack.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Pfingstsamstagmorgen, herrlichstes Sommerwetter und mein Nachbar H. und ich starten die nächste Wanderung, eine Woche auf dem 66 Seen Weg um Berlin. Hierzu fahren wir erstmal nach Potsdam, wo wir gegen 9 den Alten Markt mit der Nikolaikirche, dem Landtag und den Museen nahezu für uns allein haben. Da sich in Potsdam eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht, bleiben wir oft stehen und kommen hier noch nicht richtig in unseren Wanderfluss.

Der 66 Seen Weg startet am Brandenburger Tor am Ende der Fußgängerzone. Die erste Baummarkierung mit dem blauen Punkt ist schon etwas verblichen, insgesamt ist der Weg heute nur sehr sporadisch markiert, aber ich habe ja den GPS-Track.

Das erste Highlight ist der Park von Sanssouci, in den wir am Obelisken einsteigen. Hier treffen wir auf eine Joggerin und sehen links die Friedenskirche. Von Schinkel bzw. Persius, seinem Schüler werden wir heute noch einige der charakteristischen, den italienischen Cantabiles aus der Renaissance nachempfundenen Türme sehen.


Rechts im Park erreichen wir die Neptungrotte, die innen u.a. mit Jakobsmuscheln versehen ist, wie passend zu unserem Weg!

Am Schloss stehen die Worte „Sans, Souci.“. Eine zufriedenstellende Antwort auf den Sinn der ungewöhnlichen Schreibweise können uns weder die Einheimischen noch die KI geben. Es gibt sogar ein versponnenes Buch zum Thema. Evtl. liegen ästhetische Gründe vor. Im Museumsshop erstehe ich ein zweisprachiges Reclamheftchen mit Matk Twains The awful German language.

Hinter dem Schloss kommen wir zur Alten Mühle, hier steht ein Flötenspieler in der Tracht Friedrichs des Großen, der in einer Flötenpause versucht, mit vorbeiflanierenden Touristinnen ins Gespräch zu kommen.

Bald stoßen wir auf den Bornstedter See zur Linken. Weiter geht es durch den Wald zum Ruinenberg, wo das Wasser zum Betrieb der großen Fontäne im Park Sanssouci hochgepumpt wurde. Von hier gibt es eine schöne Aussicht nach Potsdam, die wir leider nicht genießen.

Wir kommen zu der Alexandrowska, der Holzhaussiedlung, die Friedrich Wilhelm III. für die russischen Chorsänger errichten ließ. Sie werden z.T. noch heute von Nachkommen bewohnt, es gibt u.a. ein russisches Restaurant.

Der nächste See, der Heilige See, ist rechts zu sehen. Am Marmorpalais können wir am Himmel drei Krähen beobachten, die einen Greifvogel im Flug mit den Schnäbeln attackieren, der majestätisch-ruhig durch die Luft schwebt.
Wir kommen zum Cäcilienhof, wo im Sommer 1945 Churchill, Stalin und Truman u.a. um die Zukunft Deutschlands verhandelten. Hier ist eine Baustelle, an der wir seitlich vorbeigehen zur Alten Meierei.

An dem pünktlich um 12 öffnenden Biergarten halten wir Rast und haben von hier eine schöne Sicht auf den Jungfernsee, auf dem auch Personendampfschiffe unterwegs sind.

Nun geht es hinauf zum Pfingstberg, den eine private Gesellschaft meint, okkupieren zu können. Wir kommen an der Russisch-Orthodoxen Kapelle vorbei, in der ich mich über Google Translate mit der Russin am Eingang austausche. Es gibt hier für alle offene Gottesdienste.

Der Rest des Weges verläuft flach im Barnimer Flur. Endlich können wir mal etwas Strecke machen. Wir kommen am Persiusturm – wieder in der Form eines schlichten Cantabile – vorbei und schließlich zum verwunschenen Park des Schlosses Marquardt. Hier finden wir eine gut besuchte Badestelle und stürzen uns langsam – das Wasser ist in Ufernähe sehr seicht – in die Fluten. Die Temperaturdifferenzen zwischen Oberfläche und tiefer unten sind enorm.

Am ersten Ziel, dem Bahnhof Marquardt angekommen, nehmen wir den Regionalzug nach Jungfernheide, wo wir in die U7 zurück nach Wilmersdorf steigen. Ich habe in Marquardt kein Quartier gefunden, so dass wir zuhause übernachten dürfen. Ich spüre meine Füße und erhole mich auf dem Balkon bei zwei Weißbier.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Tiefste Melodie
Tränenbäche, die Wangen
Hinunterstürzend
[King Crimson – Starless von Red, 1974, s.a.]
Drei Krähen greifen
Am Himmel den Greifvogel
Immer wieder an
Alleine gehen
Unterwegs immer wieder
die Gleichen treffen
Autobahnbrücken
Demos gegen Regierung
Für Frieden. Echt jetzt?
Lange Kolonne
der Bundeswehr überholt
vor Herleshausen
Inkompatibel
Meine diversen Freunde
Untereinander
Ein vages Tasten
Aus dem Nichts heranfliegend
Ein Schleier aus Samt
[Tuxedomoon / Cult With No Name – Do It for Van Gogh von Blue Velvet Revisited, 2015]
She brings me water
Sweeter than wine, when she smiles,
She smi-iles for me
[Rain Tree Crow – Pocket Full of Change, 1991]
A guitar that jangles
Sounding like a bell that chimes
Both will never lie
[The Eighteenth Day of May – Sir Casey Jones, 2005 (via)]
Der schlechte Leumund
Unsres nächsten Verwandten
In Bezug auf Sucht
[Low – Monkey, 2005]
Schon wieder schüttelt mich
der gliederlösende Eros,
bittersüß, unbezähmbar,
ein dunkles Tier
[Sappho]
Pünktlich zum Ende der Eisheiligen werden wir morgens von Sonnenstrahlen geweckt. Um 8 Uhr verlassen wir das Hotel, um in dem Bäckereicafe, wo wir schon gestern bei der Ankunft eingekehrt waren, zu frühstücken. Von Putendinkelbrötchen, Croissant und grünem Tee gestärkt, gehen wir bei blauem Himmel die Treppenstufen hinauf gen Schinderhannes Steig, ein kleiner Junge, der 8 Brötchen eingekauft hat, überholt uns leichten Fußes.

Eine riesige Glyzinie, die sich vor lauter Blüten hinabneigt, säumt den Weg aus dem Ort.

Im Wald hören wir im Baum direkt über uns einen Zaunkönig sein hohes Lied pfeifen. Auf den Lichtungen blüht überall der gelbe Ginster um die Wette. Auch wenn die heutige Etappe sehr kurz ist, so habe ich doch das Gefühl jetzt endlich im Flow zu sein, das Gehen, selbst bergauf, geschieht nahezu von alleine.
Nach einer Passage auf einem schmalen Wiesenpfad erreichen wir den Hauptweg, dem wir nach rechts folgen. Das heutige Highlight ist der auf dem Pferdskopf (661 m) gelegene Holzturm, zu dem es links hinauf geht. Von oben haben wir eine atemberaubende Sicht bis zur zweithöchsten Erhebung des Vogelsbergs, dem Hoherodskopf 60 km nördlich. Außerdem lässt sich im Nordwesten der Westerwald erahnen und man sieht im Osten natürlich das Feldbergplateau.

Von hier geht es zwischen jungen Buchen hinunter Richtung Treisberg, einem sympathischen, einsam gelegenen Ortsteil von Schmitten mit rund 150 Einwohnern. Hier findet am heutigen Sonntag ein Trödelmarkt statt. Wir ergattern Christa Wolfs Kassandra aus dem Bücherschrank und laben uns in der Sonne an einem Pott Kaffee und einem Stück Käsekirschkuchen, welches beides die Freiwillige Feuerwehr ausgibt. Ich stelle mir vor, was für eine eng verschweißte Gemeinschaft so ein kleiner, abgelegener Ort doch sein muss.

Es geht nun weiter hinab durch ein Laubwäldchen zu unserem Etappenziel, das auch den Endpunkt des Schinderhannes Steigs darstellt, der Landsteiner Mühle in Weilrod, die heute als Seminarhaus genutzt werden kann. Die Kirchenruine Landstein, eine ehemalige Wallfahrtskirche, verfiel bald nach der Reformation.


Hier sehen wir auch das Konterfei des unserem Steig den Namen gebenden Räubers, das allerdings den im Kreis um den Taunus herumführenden Schinderhannespfad markiert, dessen 189 km man in rund einer Woche absolvieren kann.

Wir gehen nun noch zur knapp 20 Minuten entfernten Bushaltestelle von Altweilnau-Egertshammer hinter dem Campingplatz und nehmen auf der bei Rennradfahrern sonntags sehr beliebten Strecke den 245er Bus nach Bad Homburg, wo wir in die S5 nach Rödelheim und dort dann in die S3 nach Schwalbach-Nord steigen, von wo wir in 10 Minuten zuhause sind. Eine wunderbare Wanderung findet ihr Ende.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Die Nachtruhe wird um halb drei unterbrochen, anschließend geht nicht mehr viel mit Schlaf. Ob es mit der anstrengenden Etappe am Vortag, dem Wein oder dem zu stark beheizten Schlafzimmer in der Einliegerwohnung zu tun hat, bleibt unklar.
Wir frühstücken in der Souterrainküche einen Ananas-Kokosnuss-Banane-Smoothie, Zimtschnecken sowie Obstsalat mit Naturjoghurt, dazu trinken wir grünen Tee.
Auf dem Weg zur Hauptstraße kommen wir etwas vom Weg ab, so dass wir den öffentlichen Bücherschrank passieren, in dem ich Wolfgang Hildesheimers schwere Mozartbiographie entdecke.
Draußen ist es noch kälter geworden, was auch an der Höhe liegt, Glashütten liegt auf 507 m. Die Hände an den Stöcken bleiben kalt, es sind rund 5 Grad. C. geht vorneweg, um warm zu werden, ich kann ihr nur schwer folgen.
Wir sind jetzt im Mischwald, allerdings sind die meisten Fichten noch gesund. Hier wurde früher Glas hergestellt, dafür war viel Brennholz nötig. Nach einem längeren flachen Stück geradeaus im Wald geht es steil bergauf, vor uns der Fernmeldeturm auf dem großen Feldberg (881 m).

Wir kommen zum Roten Kreuz (688 m). Das Gasthaus ist seit 2022 geschlossen, die Betreiber sind nach Mosbach bei Gersfeld in die Rhön unweit des Hochrhöners, den wir im Juli gehen werden, umgezogen.

Hier zweigt die Straße zum Großen Feldberg ab; mehrere Rennradfahrer kommen schon wieder runtergefahren.

Gelegentlich lockert der Wald auf und wir genießen die Sonnenstrahlen auf dem Körper. Die Mittagsrast machen wir auf dem Waldparkplatz Kittelhütte, es gibt Frikadellenbrötchen vom Metzger.
Wir gehen nun im großen Bogen um Seelenberg herum, das wir im Norden leicht streifen. Ein junger Wanderer mit Rucksack und Wanderhut kommt in der Gegenrichtung den Berg hoch.

Mit der Wahl meiner Halbschuhe aus Leder (Meindl Jamaica) bin ich nicht wirklich glücklich. Die Füße sind beengt, ich stoße beim Bergabgehen vorne leicht mit den Zehen an, bei der nächsten Wanderung am Pfingstwochenende werde ich wieder meine knöchelhohen Wanderschuhe (ebf. Meindl) tragen, die zwar deutlich schwerer sind, in denen der Fuß aber mehr Platz hat.
Wir gehen nun geradeaus recht steil bergab nach Schmitten rein, wo es anfängt, leicht zu tröpfeln, ich mache noch schnell ein Foto der Blume des Tages, es ist der Weiße Flieder.

Wir nehmen im Supermarktcafe einen Cappuccino nebst Erdbeerkuchen zu uns und begeben uns nun zu unserem Hotel, das von Indern geführt wird. Hier sinken wir erst einmal aufs Bett und holen den in der Nacht versäumten Schlaf nach.
Abends essen wir hervorragend im angeschlossenen indischen Restaurant, hinter mir eine Gruppe älterer Engländer, vor mir ein Großbildschirm, auf dem ein Cricketspiel läuft. Danach gehen wir noch einmal durch den Ort und trinken beim Indo-Italiener einen Verdauungs-Grappa. Wir kommen erst recht spät zum Schlafen.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Nach einer erholsamen Nacht und einem eher überschaubaren Frühstück versorgen wir uns erst einmal beim Bäcker mit Proviant in Form belegter Brötchen und Mohnschnecken. Der Startpunkt des Schinderhannes Steigs liegt im Wald hinter dem Hof Gumbrecht, wo es Blumen zum Selberpflücken und eine Weide mit kleinen Ponies gibt. Die Markierung des Wegs ist aus der Ferne gesehen eher unscheinbar, aber sie wird recht konsequent durchgezogen.

Der Weg beginnt mit einem Waldlehrpfad mit um die 80 verschiedenen Baumarten und verläuft anschließend größtenteils durch intakten Buchenwald; bald sehen wir vor uns in der Ferne die weiße Kuppel des Bah’àí-Tempel von Hofheim-Langenhain aus dem Wald herausragen, eines von acht Häusern der Andacht, wie diese Tempel genannt werden, weltweit. Es geht auf kurvigem Weg aufwärts Richtung Staufen, im Wald treffen wir auf zwei junge Rehe. Eine gute Stunde nach Aufbruch kommen wir zum Aussichtspunkt auf Eppstein mit dem Mendelssohn-Gedenkstein, wo ich schon auf meiner Ost-West-Durchquerung des Taunus im letzten Dezember vorbeigekommen war. Wir gehen weiter zum nahegelegenen Kaisertempel aus der Gründerzeit und dann hinunter nach Eppstein.
Dort besichtigen wir nach einem Cappuccino im Supermarktcafe draußen die recht gut erhaltene Burg mit dem früher als Verließ genutzten Bettelbub-Turm und steigen auf den Bergfried, der vom Türmer bewohnt war, der Bescheid gab, wenn es im Ort brannte bzw. sich Feinde näherten.




Es geht nun bald durch den Wald in Richtung Eppenhain, wo wir auf einer hinter Bäumen versteckten Bank unsere Mittagsrast halten. Den Schwenker über den Rossert sparen wir uns angesichts der langen Etappe heute und gehen stattdessen durch den hoch und einsam gelegenen Ort. Auf dem erst 2023 vollendeten Atzelbergturm aus Stahl – Vorgänger waren aus Holz gewesen und angezündet worden – läuft vor uns eine ukrainische Familie die 156 Stufen hoch. Oben wackelt der Turm etwas im Wind und ich kann das Unwohlsein der kleineren Tochter gut nachvollziehen. Der Blick über den Taunus ist grandios. Man sieht sowohl den Großen Feldberg als auch den Altkönig und hinter uns den nahegelegenen Fernmeldeturm und Eppenhain.


Wir bekommen nun einige Sonnenstrahlen ab, Regen hat es den ganzen Tag nicht gegeben, nur Haufenwolken sind über uns hinweggezogen.
Das nächste Zwischenziel ist das abgelegene Schlossborn, wo am 1. Mai immer die Rennradfahrer herumpesen. Wir gönnen uns beim gut frequentierten Bäcker einen weiteren Cappuccino.
An verschiedenen Teichen entlang gehen wir durch Wiesen zu unserem Etappenziel Glashütten, das ebenfalls einen verschlafenen Eindruck macht. Hier nächtigen wir in einer Einliegerwohnung im Souterrain, die Hausherrin macht sich Sorgen um Parkett, Mülltrennung und das Schließen der Tür, kredenzt uns dabei jedoch zwei Flaschen Mineralwasser, die unsere Organismen gut vertragen können.
Blume des Tages ist heute der gelb leuchtende Ginster, der uns in Glashütten am Wegesrand begrüßt.

Nach der Dusche machen wir uns auf in den als Straßendorf angelegten Ort, essen bei einer Koreanerin sehr leckere, frische mit Gemüse und Salat gefüllte kalte Frühlngsrollen und schlürfen Buchweizentee dazu. Mein Hauptgericht sind Krevetten und gebratener Reis, C.s Gemüse mit Reis, Ei und Kimchi. Die exzellenten Internetbewertungen hat die Köchin, die den Laden allein schmeißt, absolut verdient.
Schlussendlich kaufen wir noch im Supermarkt am Ortsende das Frühstück für morgen und lassen den Abend bei einer Flasche badischem Blanc de Noir ausklingen.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Wenn das Herz zerbirst
Sehnsucht nach einer Liebe
Nicht von dieser Welt
[Samuel Barber – Adagio for Strings, Op. 11 (Berliner Philharmoniker)]
Die nächste Wanderung steht vor der Tür. C. und ich sind dieses Mal auf den Spuren des Räubers Schinderhannes, der 1803 in Mainz unterm Fallbeil endete, im heimischen Taunus unterwegs. Nach einem üppigen Spargelmahl zuhause machen wir uns gegen Viertel vor zwei auf in Richtung des nahegelegenen Kelkheim, wo der Einstieg des Wanderwegs ist, der uns in drei Tagen nach Norden über die Höhen des Taunus bis nach Landstein kurz vor Neu-Anspach führen soll.
Das Wetter ist unstet und zu kalt für die Jahreszeit, bei Temperaturen leicht über 10 Grad kommt es immer wieder zu kurzen Regenschauern, die uns aber die gute Stimmung nicht verderben können. Aprilwetter im Mai, die Eisheiligen stellen sich dem Sommer standhaft entgegen.
Wir gehen den Anfang unserer Mammolshainrunde, die wir oft mit Kimba, der Berner Sennenhündin des Nachbarn machen. Es geht über den römischen Viergötterstein auf Schwalbacher Gemarkung am Friedhof vorbei über die L 3015 und dann parallel zu ihr durch den Wald. Rechts lassen wir den Altkönig hinter uns und kommen zu der Bad Sodener Sportanlage mit Tennisplätzen, -halle und Stadion.

Es geht nun am Waldrand entlang in Richtung Bad Soden, links tut sich ein Blick hinüber zu den gut 10 km entfernten Frankfurter Bankentürmen auf.

In Bad Soden steigen wir über ein Holzgitter und gehen durch ein Wäldchen hinab in Richtung Quellenpark, von wo schon Blasmusik ertönt.

Eine große Attraktion ist hier das Anfang der 90er gestaltete bunte Hundertwasserhaus, wo der Wiener Künstler seiner Kreativität freien Lauf gelassen hat. Das bewohnte Haus, das um einen 30 Meter hohen Turm mit vergoldeter Kugel obendrauf, errichtet ist, weist viele Rundungen auf, selbst das zugehörige, etwas beengte Parkhaus passt sich in den verspielten Architekturstil ein.


Zudem ist das neu gestaltete Badehaus von 1722 in den Komplex integriert. Hierum gab es harte Auseinandersetzungen mit der Stadt, die auf mehreren Tafeln dokumentiert sind.


Nahebei können wir uns mit einem gespritzten Apfelsaft erfrischen, die Blasmusiker ziehen gerade ab.

Die Blumen des Tages sind heute die überall opulent blühenden Rhododendren, die die Augen erfreuen.

Aus Bad Soden, das in einer Talsenke liegt, geht es über Treppen hinaus. Wir hören auch hier wieder in der Ferne Musik, der Feiertag wird ausgiebig begangen, wir sehen zudem gelegentlich junge Männer mit Bierflaschen in den Händen, die den Vatertag feucht feiern.
In Kelkheim quartieren wir uns in unserem schlichten Hotel ein, an das ein persisches Restaurant angeschlossen ist, wo wir später ein Reisgericht mit einem Tomaten-Auberginen-Mus mit Knoblauchnote und Ei sowie Safraneis zu uns nehmen werden.
Ein kleiner Rundgang durch den unspektakulären Ort zur höhergelegenen, Anfang des 20. Jahrhunderts im neuromantischen Stil errichteten Klosterkirche schließt den aktiven Teil des Tages ab.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
Ich trau Augen nicht
Eine Siebenschläferin
Neben mir im Bett
Nach zwei Sprühstößen
Melatonin um zwei nachts
Ans Bett genagelt
Uberfahrer mit
Übergepäck von Berlin
Nach Eschborn fahren
Telefon klingelt
Klaffende, lange Wunde
Nach Sturz auf den Kopf
Beim Gang zur Haustür
Am Muttertag hinfallen
Als Fleurop klingelt
Tauben wecken mich
Die Rosskastanie blüht
Ciao, Eisheilige
Wie sich die Stimme
an die Melodie anschmiegt
Atemberaubend
[The Hidden Cameras – Boys of Melody, 2003]
Kriebelmücken. Wind.
Zeltenge. Landschaftsweite.
Manchmal muss ES raus!
[Bart Schrijver – The North (behind the scenes), 4 aus 5]
Abschiedsbrief fertig
Koffer aufs Rad, nach Duisburg
Schnell raus aus Deutschland
Bei Tanke gepennt
Schlüssel steckt, Tür angelehnt
Wertsachen perdu
[aufgew.]
Flower Power Vibes
Land langer weißer Wolke
Vom Gesang becirct
[Aldous Harding feat. H. Hawkline – Venus in the Zinnia]
Zwanzig Minuten
Nach halber Etappe ruh’n
Mittags im Schatten
Jogging um den Hof
Rückkehr in off’ne Zelle
Geldgürtel fast leer
Walnüsse knacken,
so dass die Schalenhälften
unversehrt bleiben
Gut ausgeschlafen
Körper holt sich, was er braucht
Auf ihn ist Verlass
Sterbenskrank im Bett
Banjo-Gitarren-Duo
Ein Chor zum Abschied
[Lambchop – Weakened]
Ganz in sich ruhend
Über Unterarm streichend
Mit Vogelfeder
[Julian Lage – Something More von Scenes from above]
Gesicht des Vaters
Alles in Stimme legend
Kommunikativ
[Sophie Auster @ Frannz Club, Berlin]
Mansarde. Kerzen.
Che Guevara an der Wand
Die Nadel senkt sich
[Pink Floyd – Speak to Me / Breathe (in the Air) von The Dark Side of the Moon, 1973]
Die Worte, die wir
aufschreiben, sprechen, singen
Alle nur geborgt
Es lodert das Meer
Ein Sturzbach an Gefühlen
Undurchdringlichkeit
[Rafael Anton Irisarri – Empire Systems von A Fragile Geography, 2016. Er spielt heute und morgen im Morphine Raum, Berlin]
Nach dem Senchatee
Aufgedrehtheit am Morgen
Wachheitseinbildung
Auf Schusters Rappen
Kurze Hosen, Fischerhut
Das Gespräch suchend
[Steffen Kopetzky – Harzreise. Er liest am 18.5. im Zauberberg in Berlin-Friedenau]
Erster Sommertag
Klappläden mittags versperrt
Flieder-, Grilldüfte
Pulle Äppelwoi
Melatonin kurz vor 2
Schlafe wie ein Stein
Weltmusiktanzgroove
Ziehharmonikawehmut
Bläsersatzpower
[Les Négresses Vertes@Zoom, Frankfurt]

La valse zum Anfang
Dann C’est pas la mer à boire
Face à la mer schließt
[Les Négresses Vertes@Zoom, Frankfurt]
Es singt als Erstes
Und Letztes, das Rotkehlchen
Der Chef vons Janze
Unerträgliches
Waschweibergeschwätz im Zug
Ohrhörer. Full Blast!
Ein Glockenteppich
Gewebt aus vibrierenden
Gitarrensaiten
[White Fence – I Came Close, Orange for Luck von Orange]
Mondsilhouette
Über die Hügel tanzend
Am frühen Abend
[Burgruine Brandenburg]
Rollkofferscheppern
Distanz durch Augenschließen
Rappelvoller Zug
Eichendorffallee
Pfeifen lernte ich von dir
Vierschanzentournee
Wenn von jedem Ton
das ganze Leben abhängt.
Volltreffer. Versenkt.
[Joel Lyssarides – Late on Earth vom gleichnamigen Album]
Sich gegenseitig
alle Kleider vom Körper
reißen und es tun
Zwanzig Minuten
Und es wird nie langweilig
[Tortoise – Djed von Millions Now Living Will Never Die, 1996]
The lonely rider left the saloon. He had been the last guest anyway. There was only the barmaid left who stood behind the counter. He had met many people that night but for some reason now all their faces had become blurred images. Maybe it was the drinks. Maybe his tiredness. They had talked about this and that. Nothing important really. In the beginning he had tried to listen to what the others said but after a while their voices had turned into noises he couldn’t make sense of anymore. Whenever he had said something the others simply had ignored him and had carried on with their talk. And he couldn’t blame them really. For he had said too many things he shouldn’t have said to people he didn’t know. Outside of the saloon they were strangers.
In the road a fresh wind from the North was blowing. It was a relief. Slowly his mind cleared up again. The barmaid stepped out of the door and started the conversation:
B: Hey man, you forgot something.
LR: You know that’s what I am really good at. Forgetting things. What was it this time?
B: Your notebook. I have seen you writing in it when you were sitting at the bar on your own a couple of hours ago.
LR: Oh yes. You are right. But you know what. I think I wanted to forget it and apparently it worked. I didn’t forget it like I forget umbrellas in cafés when the rain has stopped. It was kind of intentional. If you want you can keep it.
B: Are you sure?
LR: Positive.
B: Can I ask you something personal?
LR: Go ahead.
B: Where are you going at this time of the night?
LR: I am going into the desert.
B: You mean you will ride into the desert?
LR: No. I don’t have a horse. I will walk into the desert.
B: And what will you do there?
LR: I will try to get back to the heart of things. There is a world outside the saloon, you know.
B: Will you ever come back here?
LR: I guess so.
B: When will it be?
LR: Count your heartbeats, girl. When you are at half a million you will see a man on the horizon. That man will be me.
B: And if I get the counting wrong?
LR: In that case we will never see each other again, I guess.
She counted till one hundred until his footsteps had died away. The lonely rider disappeared into the night, heading South.
Wir kennen uns schon
über sechzig Jahre und
kennen uns doch nicht
Mit Worten spielen
Einen Song mit Sog schreiben
Aufgehoben sein
[Blumfeld – Graue Wolken von Testament der Angst, 1999]
Es blühen am Teich
Sumpfdotterblume, Flieder
Ich schieb dich herum
Serenade mit
Mönchsgrasmücke, Singdrossel,
Amsel und Krähe
Wie ich mich damals
nach Dir sehnte, ohne zu
wissen, wer Du bist
[Münchener Freiheit – Tausendmal Du, 1986]
Sie lächelt freudig
Als ich an ihr Bett trete
Einfach nur da sein
Stell die Uhr zurück
– ein Präparat nur für dich –
Geh später ins Bett
[Yoga – Dein Guru von Amnesie, 2021]
In den Morgenchor
Stimmen alle Vögel ein
Auch die Nachtigall
Morgenspaziergang
Ausbruch aus Hausgefängnis
Freie Luft atmen
Die Erde streicheln
Zurückgestreichelt werden
Das ist Fernwandern
Auf der Terrasse
Abendsonne im Gesicht
Weißbier noch im Glas
[Maciek Pysz – Beija Flor von Pont de Vie]
Gelb leuchtender Raps
Sonne hoch am Firmament
Morgenbrise, kühl
In ihrem Zimmer
Drehwurm gekriegt, gefallen
Rippen gebrochen
Siesta. Klacken.
Rattenleben ausgehaucht
Wiesenbegräbnis
Kimba liegt im Gras,
guckt zwischen den Halmen durch
Kommen sie zurück?
Erfrischend ehrlich
Hochzeitsständchen mal anders
Der Kantor sang mit
[Max Raabe & Palast Orchester – Du bist nicht die Erste (Comedian Harmonists 1931), MTV Unplugged 2019]
Erdnussbutter weg
Bügel der Falle unten
Ratte verschwunden
C. verlässt den Weg
Kimba kann nicht stillsitzen
Sie muss hinterher
Dunkler Bernstein, Rauch
Honigmet, Sherry, Lakritz
Kandis, Karamell

R.s Morgenfahne
am Tag der Beerdigung
seines alten Herrn
Ich träume davon,
das „r“ so schön wie Bert Brecht
rollen zu können
[Bertolt Brecht – Die Moritat von Mackie Messer (Weill/Brecht), 1929]
Arrival at lake
Carol opens the fridge, says
„You can help yourself.“