Die nächste Wanderung steht vor der Tür. C. und ich sind dieses Mal auf den Spuren des Räubers Schinderhannes, der 1803 in Mainz unterm Fallbeil endete, im heimischen Taunus unterwegs. Nach einem üppigen Spargelmahl zuhause machen wir uns gegen Viertel vor zwei auf in Richtung des nahegelegenen Kelkheim, wo der Einstieg des Wanderwegs ist, der uns in drei Tagen nach Norden über die Höhen des Taunus bis nach Landstein kurz vor Neu-Anspach führen soll.
Das Wetter ist unstet und zu kalt für die Jahreszeit, bei Temperaturen leicht über 10 Grad kommt es immer wieder zu kurzen Regenschauern, die uns aber die gute Stimmung nicht verderben können. Aprilwetter im Mai, die Eisheiligen stellen sich dem Sommer standhaft entgegen.
Wir gehen den Anfang unserer Mammolshainrunde, die wir oft mit Kimba, der Berner Sennenhündin des Nachbarn machen. Es geht über den römischen Viergötterstein auf Schwalbacher Gemarkung am Friedhof vorbei über die L 3015 und dann parallel zu ihr durch den Wald. Rechts lassen wir den Altkönig hinter uns und kommen zu der Bad Sodener Sportanlage mit Tennisplätzen, -halle und Stadion.
Altkönig
Es geht nun am Waldrand entlang in Richtung Bad Soden, links tut sich ein Blick hinüber zu den gut 10 km entfernten Frankfurter Bankentürmen auf.
Frankfurt Skyline
In Bad Soden steigen wir über ein Holzgitter und gehen durch ein Wäldchen hinab in Richtung Quellenpark, von wo schon Blasmusik ertönt.
Bad Soden, Bank
Eine große Attraktion ist hier das Anfang der 90er gestaltete bunte Hundertwasserhaus, wo der Wiener Künstler seiner Kreativität freien Lauf gelassen hat. Das bewohnte Haus, das um einen 30 Meter hohen Turm mit vergoldeter Kugel obendrauf, errichtet ist, weist viele Rundungen auf, selbst das zugehörige, etwas beenge Parkhaus passt sich in den verspielten Architekturstil ein.
Bad Soden, HundertwasserhausBad Soden, Hundertwasserhaus
Zudem ist das neu gestaltete Badehaus von 1722 in den Komplex integriert. Hierum gab es harte Auseinandersetzungen mit der Stadt, die auf mehreren Tafeln dokumentiert sind.
Bad Soden, Erstes Badehaus
Nahebei können wir uns mit einem gespritzten Apfelsaft erfrischen, die Blasmusiker ziehen gerade ab.
Bad Soden, Erstes Badehaus, TafelnBad Soden, Hundertwasserhaus
Die Blumen des Tages sind heute die überall opulent blühenden Rhododendren, die die Augen erfreuen.
Rhododendren
Aus Bad Soden, das in einer Talsenke liegt, geht es über Treppen hinaus. Wir hören auch hier wieder in der Ferne Musik, der Feiertag wird ausgiebig begangen, wir sehen zudem gelegentlich junge Männer mit Bierflaschen in den Händen, die den Vatertag feucht feiern.
In Kelkheim quartieren wir uns in unserem schlichten Hotel ein, an das ein persisches Restaurant angeschlossen ist, wo wir später ein Reisgericht mit einem Tomaten-Auberginen-Mus mit Knoblauchnote und Ei sowie Safraneis zu uns nehmen werden.
Ein kleiner Rundgang durch den unspektakulären Ort zur höhergelegenen, Anfang des 20. Jahrhunderts im neuromantischen Stil errichteten Klosterkirche schließt den aktiven Teil des Tages ab.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Schinderhannes Steig vom 14.-17.5.2026.
The lonely rider left the saloon. He had been the last guest anyway. There was only the barmaid left who stood behind the counter. He had met many people that night but for some reason now all their faces had become blurred images. Maybe it was the drinks. Maybe his tiredness. They had talked about this and that. Nothing important really. In the beginning he had tried to listen to what the others said but after a while their voices had turned into noises he couldn’t make sense of anymore. Whenever he had said something the others simply had ignored him and had carried on with their talk. And he couldn’t blame them really. For he had said too many things he shouldn’t have said to people he didn’t know. Outside of the saloon they were strangers.
In the road a fresh wind from the North was blowing. It was a relief. Slowly his mind cleared up again. The barmaid stepped out of the door and started the conversation:
B: Hey man, you forgot something.
LR: You know that’s what I am really good at. Forgetting things. What was it this time?
B: Your notebook. I have seen you writing in it when you were sitting at the bar on your own a couple of hours ago.
LR: Oh yes. You are right. But you know what. I think I wanted to forget it and apparently it worked. I didn’t forget it like I forget umbrellas in cafés when the rain has stopped. It was kind of intentional. If you want you can keep it.
B: Are you sure?
LR: Positive.
B: Can I ask you something personal?
LR: Go ahead.
B: Where are you going at this time of the night?
LR: I am going into the desert.
B: You mean you will ride into the desert?
LR: No. I don’t have a horse. I will walk into the desert.
B: And what will you do there?
LR: I will try to get back to the heart of things. There is a world outside the saloon, you know.
B: Will you ever come back here?
LR: I guess so.
B: When will it be?
LR: Count your heartbeats, girl. When you are at half a million you will see a man on the horizon. That man will be me.
B: And if I get the counting wrong?
LR: In that case we will never see each other again, I guess.
She counted till one hundred until his footsteps had died away. The lonely rider disappeared into the night, heading South.
Auf Bob Dylan’s erstem, selbstbetiteltem Album, das in dem Jahr erschien, in dem ich gezeugt wurde, sind hauptsächlich Coverversionen von Traditionals und Blues von anderen drauf. Aber zwei Lieder sind von ihm selbst. Zum einen der bekannte Song to Woody, den er für den von ihm hochverehrten Folk-, Protestsänger und Hobo Woody Guthrie schrieb und ihm der Legende nach noch am Sterbebett vorsang (s.a. das Biopic Like a Complete Unkown), sodann der Talking Blues Talkin‘ New York, das nach Jesse Fuller’sBlues You’re No Good zweite Stück auf der LP.
Als ich dieses Lied neulich nach längerer Zeit wiederhörte, fiel es mir wie Schuppen von den Ohren, da singt er, der Provinzler aus dem abgelegenen Hibbing im Mittleren Westen an der Grenze zu Kanada, das sich durch den größten Eisenerztagebau der Welt auszeichnet, ja über seine Ankunft im Big Apple.
Ein recht gradlinig erzählter Song, in New York sieht er die Menschen unter die Erde in die U-Bahn gehen und die Wolkenkratzer sich zum Himmel erheben. Man kann sich das sehr gut vorstellen und kommt quasi mit ihm an in der großen Stadt. Die NY Times schreibt, es wäre der kälteste Winter seit dem Krieg, er kann darüber nur lachen und findet es im Vergleich zu Hibbing nicht sehr kalt. Nun kommt er mit seiner alten Gitarre mit der Subway in Greenwich Village an, dort singt er in einem Café und sie sagen ihm, dass er sich wie ein Hinterwäldler anhört und dass jetzt Folksänger angesagt sind. Für einen Dollar am Tag spielt er Mundharmonika und bekommt positives Feedback. Er tritt in die Gewerkschaft ein und macht sich erste Gedanken über arm und reich. Mit einem Zwinkern singt er davon, dass manche Leute mit einem Kugelschreiber ausgeraubt werden, indem sie z.B. ihre Unterschrift unter einen Kreditvertrag mit hohen Zinsen setzen. Er verlässt an einem sonnigen Tag New York, das ihn wenig beeindruckt hat, nach New Jersey, wo er Woody Guthrie im Krankenhaus besuchen wird. Interessanterweise musiziert er dort in Cafés, wo viel Schach gespielt wird und man sich mehr mit Schachgeben und Figurenschlagen beschäftigt, als seinem Gesang zuzuhören. Wie das so ist in den USA, Musik spielt eigentlich immer im Hintergrund, ist fast nie im Mittelpunkt.
Ich mag an dem Song, dass man quasi mit Dylan unterwegs ist, er nimmt einen mit und er macht plastisch, wie es gewesen sein könnte, als er damals als zwanzigjähriger Naseweis und absoluter Nobody in New York ankam. Und dass hier noch nicht großartig mit Dylan Thomas, Rimbaud, William Blake, der Bibel, Shakespeare und was weiß ich angegeben wird, sondern einfach nur erzählt wird. Und außerdem natürlich sein Mundharmonikaspiel, das mich ob seiner expressiven Simplizität schon immer geflasht hat.
Zuguterletzt kann ich das Thema des Liedes auch deshalb ein bisschen nachvollziehen, weil ich selber 1979 mit Robert, dem mittleren der drei Brüder meiner Gastfamilie, der in meinem Alter war, ich glaube in seinem Käfer, man sagt übrigens Bug und nicht Beetle, an einem warmen Julitag von ihrem hölzernen Ferienhaus am See in South Salem in einer knappen Stunde gen Süden nach New York City reingefahren bin. Da war ich noch 15 oder gerade 16, also jünger als Dylan, wir hörten eine Radiostation mit Wetterbericht, der Sprecher redete von Temperaturen von um die 80 Grad Fahrenheit, die große Stadt lag vor uns und wir tauchten langsam in sie ein. Nach dem Sightseeing kamen wir nach Greenwich Village, das träge in der Nachmittagssonne lag, es war tagsüber ziemlich tot und ich war etwas enttäuscht. So wie Dylan 18 Jahre zuvor.