Archive for the ‘meta’ Category

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April 8, 2021

Brosamen können

Vogelscharen ernähren

doch keine Menschen.

Musikgeschmack

April 8, 2021

Man kann sich nicht dagegen wehren, Musik – beim ersten Hören – zu mögen oder nicht zu mögen. Und trotzdem denkt man, man hätte in freier Wahl entschieden. Ansonsten wäre man in seiner Eitelkeit tief gekränkt. Trõstend kann hier sein, den Sachverhalt anders zu formulieren. Das erste Musikurteil kommt von ganz tief innen, ist sozusagen ein untrennbarer Bestandteil von einem selbst. Es kann sein, dass es sich nach mehrmaligen Wiederhören ändert, aber auch das hat man nicht in seiner eigenen Hand. Man kann es auch so sagen, wir sind zu uns selbst verdammt oder positiv gesagt, wir dürfen wir selbst sein.

Und was ich auch als sehr tröstend empfinde, die Musikvorschlagsalgorithmen, die mir bisher untergekommen sind, versagen fast komplett, meinen Geschmack vorherzusehen. Jedenfalls mehr als wenn ich mir selbst nach Besprechungen bzw. oft nach meiner Vertrautheit, meiner Hörgeschichte, die Musiker aussuche, deren Stücke ich dann höre. Was mir der Algorithmus vorschlägt ist oft extrem langweilig, wie ein Amalgam aus Sachen, die ich schon kenne. Ich bin aber scharf auf das Neue, nicht auf Recyceltes. Und es scheint so zu sein, dass ich selber besser vorhersehen kann, wer bzw. was mich positiv überraschen kann als die Maschine. Da muss die KI noch etwas dran arbeiten. Oder besser nicht.

P.S. Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich gelegentlich sehr überrascht bin, was Leute, deren Musikgeschmack ich normalerweise mehr oder weniger teile, manchmal für – in meinen Ohren uninteressante – Musik mögen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal.

1296

April 7, 2021

Zweite Zeile steht

wie Brustwarze aus Haiku

singulär hervor.

1295

April 7, 2021

Im Haiku treten

Silben über die Ufer

im mittleren Vers.

1294

April 7, 2021

Understatement als

Täuschungsmanöver, nur um

nett zu erscheinen.

1293

April 7, 2021

Wenn alles gut ist

und man nichts mehr ändern will,

ist man wirklich alt.

1291

April 7, 2021

In siebzehn Silben

den Leser zu ent-täuschen:

leicht und schwer zugleich.

1278

April 3, 2021

Fluch oder Segen?

In Nebengalaxien

trifft man fast niemand.

1270

April 1, 2021

Längst Vergangenes

gehüllt in schimmerndes Licht

der Erinnerung.

1269

April 1, 2021

Konzentration.

Überflüssiges streichen.

Diamantschleifen.

1261

März 31, 2021

Wie sich Probleme

immer wieder am besten

von allein lösen.

1255

März 28, 2021

Ganz locker bleiben.

Etwas erzwingen wollen,

führt selten zum Ziel.

März 28, 2021

Wir täuschen uns, wenn wir den Tod nur immer vor uns sehen, ein großer Teil von ihm liegt bereits hinter uns, hinter mir, es ist die Zeit, die ich bisher durchlebt habe, die hat der Tod schon. [Sigrid Damm, Wandern – ein stiller Rausch, S. 173]

1253

März 28, 2021

Ein paar Worte nur.

In die Welt hinausgekotzt.

Fast ohne Echo.

1240

März 24, 2021

Spiegel eigener,

jugendlicher Arroganz:

Bücherschrankinhalt.

1236

März 24, 2021

Der von Jahr zu Jahr

schrumpfende Möglichkeitsraum

von jedem Menschen.

1215

März 19, 2021

Flaschenpostbriefchen,

in den Ozean des Webs

hinausgeworfen.

1214

März 19, 2021

Wer ist bloß der Mann

mit grauer Igelfrisur

im Spiegel im Flur?

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März 19, 2021

In hundert Jahren

längere Nummerierung

als Silbenanzahl.

1209

März 19, 2021

Die vermeintliche

„geplante Obsoleszenz“:

Staub in Cinchbuchse!

1205

März 17, 2021

Nichts kann so klein sein,

dass kein Haiku darüber

zu schreiben wäre.

1203

März 17, 2021

Unter den Lesern

ein Onlinebetrüger, der

Wein für sich bestellt?

1196

März 15, 2021

Jonglieren ist wie

Meditieren mit Folgen.

Abschweifung rächt sich.

1182

März 11, 2021

Intervallfasten:

Schon abends freue ich mich

aufs Müslifrühstück.

1181

März 11, 2021

Smartphonelautsprecher

zum Musikhören nutzen.

Künstlerbrüskierung.

1179

März 10, 2021

Neue Begriffe

häufig ebenso hässlich

wie ihr Signifikat.

1178

März 10, 2021

Hohe Algebra.

Teilen verdoppelt Freude

und halbiert Leiden.

1176

März 10, 2021

Nichts abends essen

führt dazu, dass man dauernd

an das Essen denkt.

1175

März 10, 2021

Ich war aufmerksam

aber heute ist wirklich

rein gar nichts passiert.

1170

März 8, 2021

Hinter jedem Film

hunderttausend andere,

in between the frames.

1169

März 8, 2021

Versuch, Schnellrednern

zuzuhören, nicht dass sie

gleich tot umfallen.

1160

März 7, 2021

Das Schrittezählen

nimmt dem Gehen die Freiheit,

die Unbändigkeit.

1156

März 6, 2021

Schaffe etwas, denn

immer nur Kritik üben

zieht einen runter.

[Für J.]

1155

März 6, 2021

Music: Only thing

that can enter your psyche

without permission.

[Andra Day]

Das Verschwinden der Lieblingsmusik

März 5, 2021

Ganz grob dürfte ungefähr 90% der Musik, die mir so über den Weg läuft (Radio, Internet, Streaming, früher Fernsehen, Cafés, Bars, Kneipen und Discos) gleichgültig lassen bzw. sogar nicht gefallen. 9% finde ich interessant und gut, sie wird aber auch nach mehrmaligem Anhören meistens keine Lieblingsmusik. Und wenn doch, dann geht es ihr am Ende wie den 1%, die mich sofort umhauen. Bei denen ist es anfangs fast immer so, dass bei den ersten drei Malen, wenn ich sie höre, der Enthusiasmus am größten ist und dann mit jedem Hören etwas abnimmt bis mir das Stück aus den Ohren heraushängt, bis ich es zu Tode geliebt habe. Es scheint also so zu sein, dass die Musik, die ich gerade liebe, dauernd weniger zu werden scheint. Bis nur noch die Stille übrigbleibt. Außer es käme genug neue, frische, tolle Musik nach, was aber derzeit nicht der Fall ist.

1148

März 4, 2021

Die Korrelation

zwischen Alter und Krankheit

nähert sich der Eins.

1145

März 3, 2021

Statt des Experten

persona ex machina.

Wen überzeugt das?

1144

März 3, 2021

TV-Beiträge

von auf den Teleprompter

starrenden Leuten.

1143

März 3, 2021

Fast alle Menschen

erzählen gerne von sich.

Wenn man sie anspricht.

1127

Februar 26, 2021

Überflutet von

Desinformation, nicht

Information.

1121

Februar 24, 2021

Hallo Ihr beiden.

Hat es Euch hier gefallen?

Dann sagt es weiter.

1120

Februar 24, 2021

Das Rauschen im Ohr,

wenn es vollkommen still ist.

Verrinnende Zeit.

1116

Februar 23, 2021

Wer gut schlafen will,

darf nicht ins Bett gehen, um

schlafen zu wollen.

1114

Februar 22, 2021

Je ahnungsloser

ich war im Leben, umso

glücklicher war ich.

1106

Februar 19, 2021

Der Witz im Leben.

Statt der großen Erleuchtung

Mini-Satoris.

1092

Februar 14, 2021

Smartphone plötzlich weg.

Nach Panik schnell kapiert, dass

alles nur ein Traum.

1081

Februar 11, 2021

Warum sich quälen,

wenn schon ein Teil des Kraftakts

zum Wohlgefühl führt?

1070

Februar 8, 2021

Mit gutem Beispiel

vorangehen bringt mehr als

Vorwürfe machen.

1052

Februar 4, 2021

Dachte ganzen Tag,

dass es heute Mittwoch ist.

What a nice surprise!

1051

Februar 4, 2021

Zu zweit auf der Couch.

Jeder vor seinem Bildschirm.

Ist das die Zukunft?

1033

Januar 30, 2021

Antwort, die ausbleibt.

Das falsche Medium gewählt?

Vielleicht mit Absicht?

1027

Januar 28, 2021

Ist der Geist willig,

beim Sport aufzugeben, wird

das Fleisch sofort schwach.

995

Januar 21, 2021

Cam-Aktivierung

bei dem Videomeeting

unter Gruppenzwang.

993

Januar 21, 2021

Gut ausgeschlafen,

alle Zweifel zerstoben,

ruhe in mir selbst.

988

Januar 20, 2021

Einen Follower

zu haben, der du selbst bist.

Krasser Geheimtipp!

977

Januar 17, 2021

Bin seit einem Jahr

so gelassen und glücklich

wie nie zuvor.

968

Januar 14, 2021

To switch off the news

right away when they mention

a specific name.

967

Januar 14, 2021

Musik, die verliert,

wenn du sie mit jemandem

anderen anhörst.

966

Januar 14, 2021

Ich schreibe Haikus

über Dinge, die es gibt.

Wie die Welt draußen.

[angelehnt an das Bekenntnis von The Weather Station: „I write songs about things that exist.“]

965

Januar 14, 2021

Bin derjenige,

der schon immer gesagt hat,

dass es so nicht klappt.

937

Januar 1, 2021

Die Zähler auf Null.

Die Wanderschuhe geschnürt.

Der Weg ungewiss.

921

Dezember 28, 2020

Die Welt ist noch da,

das größte Wunder und dann,

dass ich laufen kann.

904

Dezember 21, 2020

Jeder Vogel muss

irgendwann raus aus seinem

Siebzehnsilbenkäf’sch.

902

Dezember 21, 2020

Auf die Abtrennung

der Nabelschnur folgt der

Lebensfadenriss.

888

Dezember 16, 2020

Wenn man immer nur

mit dem Schlimmsten rechnet, dann

tritt es meist nicht ein.

882

Dezember 14, 2020

Auf den Paar-Selfies

von der Via Regia

strahlen wir vor Glück.

876

Dezember 10, 2020

Du bist echt arm dran,

wenn Geld in deinem Leben

nichts mehr bedeutet.

875

Dezember 10, 2020

Auf der Autobahn

Autobahn gehört und wie

es Single wurde.

874

Dezember 9, 2020

Weiß jemand wie man

umsonst ein WordPress-Blog auf

Facebook publiziert?

871

Dezember 7, 2020

Years ago you said

I had stamina. A word

which was new for me.

858

Dezember 3, 2020

Sechzig Sekunden,

um die Welt zu erklären.

Eher zwei Minuten.

853

Dezember 1, 2020

Welt und mich trennt

Bildschirm, der Anschein erweckt,

wahre Welt zu sein.

852

November 30, 2020

Erinnerung an

Lesen des ersten Haikus.

Welche Ent-Täuschung!

845

November 28, 2020

Ein gelungenes

auf zehn holprige Haikus:

’ne gute Quote.

843

November 28, 2020

Ich jogge so schnell,

dass ich genug Atem habe,

Haikus zu denken.

842

November 28, 2020

Rotes Eichhörnchen

von rechts nach links bringt Glück weil

weder schwarz noch Katz.

Conspiracy fallacy

November 26, 2020

In den 1990er Jahren erkrankte Kuti an AIDS, an dessen Folgen er am 2. August 1997 starb. Die Existenz der Erkrankung hatte Kuti stets abgestritten… Kondome waren seiner Meinung nach das Mittel einer weißen Verschwörung, deren Ziel die Reduzierung der schwarzen Geburtenrate sei. [Wikipedia]

832

November 24, 2020

Früher das Gefühl,

„meine“ Musik wird entweiht,

wenn ich sie teile.

811

November 17, 2020

To con-vey one’s mood

in se-ven-teen syll-able-s

is ve-ry dif-fic

[John Cooper Clarke]

788

November 13, 2020

Eigentlich auch schön.

Ich schreibe das Ganze hier

alles nur für mich.

775

November 10, 2020

Ich höre Schritte

im Dunkeln den Weg hinab.

Meine eigenen.

773

November 10, 2020

Vom ersten Tag an

schreitet der Verfall fort bis

zum allerletzten.

768

November 9, 2020

Wir sagen immer:

„Ich atme“, doch das stimmt nicht.

Etwas atmet mich.

765

November 8, 2020

Ein Tag, an dem man

das Gefühl hat, die Leute

freu’n sich, uns zu seh’n.

761

November 8, 2020

Eine Leihgabe

ist das Leben. Die Zeit gibt’s

und nimmt es wieder.

[frei nach David Wagners Vater in Der vergessliche Riese]

750

November 7, 2020

Eigene Lügen

zu glauben, ist leichter als

wirklich zu lügen.

749

November 7, 2020

In den Flow kommen:

Vergiss alles ringsherum,

vor allem die Zeit!

748

November 7, 2020

Aufschreiben, was man

sieht, hört, riecht, schmeckt, fühlt und denkt.

Die Welt reinlassen.

744

November 6, 2020

Niemals verstanden,

wieso so viele Menschen

derart zynisch sind.

743

November 6, 2020

Halte mich im Kopf

meistens für ein Jahr älter

als ich wirklich bin.

736

November 2, 2020

Die Blickverengung

führt zum Aus-dem-Blick-Verlier’n

des Lebens selber.

713

Oktober 26, 2020

Ein Haiku ist wie

ein karges, kleines Zimmer

mit großem Ausblick.

708

Oktober 24, 2020

Die Verabschiedung

ist nur möglich, wenn man weiß,

wann der andre geht.

702

Oktober 21, 2020

Muss man traurig sein,

wenn die Todesanzeige

nicht gekommen ist?

700

Oktober 20, 2020

Die Freude daran,

sich allmählich aus der Welt

herauszunehmen.

696

Oktober 18, 2020

Begründen tut man

kleine Entschlüsse, große

zieht man einfach durch.

[frei nach Wolfgang Büscher – Heimkehr]

690

Oktober 15, 2020

CB: Some day we’ll all die.

S: True, but on all the other

days we will not (die).

[The Peanuts turned 70!]

689

Oktober 15, 2020

Unser’n letzten Kampf

können wir nur gewinnen,

wenn wir loslassen.

684

Oktober 13, 2020

Immer, wenn ich mich

nicht um Nachrichten schere,

bin ich dem Glück nah.

682

Oktober 13, 2020

Ein gutes Haiku

schildert eine Erleuchtung,

im Zen Satori.