Archive for the ‘DEU’ Category

1137

März 1, 2021

Beats, schleppend, scheppernd.

Auf der Oberbaumbrücke.

Der Club auf dem Rad.

1136

März 1, 2021

Vor Friseursalons

Schlangen bis auf Bürgersteig,

die sich auflösen.

1135

März 1, 2021

Tempelhofer Feld.

Blauer Himmel, Sonne pur.

Feldlerchengesang.

1134

März 1, 2021

Tastuntersuchung

von Hoden und Prostata

durch Urologin.

1133

Februar 28, 2021

Am Rand der A9

zwischen Leipzig und Potsdam

zig Streifenwagen.

1132

Februar 28, 2021

Ostautobahnen.

Kleine Tempovarianz.

Entspanntes Fahren.

1131

Februar 28, 2021

Hinter den Bergen

im Rückspiegel verschwindet

orange Sonne.

1130

Februar 27, 2021

Zwei Nager erwischt

im Blumenbeet, die panisch

zum Kompost flüchten.

1129

Februar 27, 2021

Auf Lokus im Bad.

Blick auf senfgelbe Kacheln.

Rausch ohne Droge.

1128

Februar 27, 2021

Chihuahua

verrückt nach Sennenhündin,

die ihn nicht bemerkt.

1127

Februar 26, 2021

Überflutet von

Desinformation, nicht

Information.

1126

Februar 26, 2021

Die weiße Katze

schleicht in Dämmerung ums Haus.

Jetzt nicht Ratte sein.

1125

Februar 26, 2021

Auf dem Weg ein Hund,

humpelt, bleibt steh’n, guckt mich an

voller Erwartung.

1124

Februar 26, 2021

Im Regen klettert

Ratte Deutzienzweig hoch

zum Meisenknödel.

1123

Februar 26, 2021

Öffne Balkontür.

Blick hinunter ins Gebüsch.

Spatzenschar fliegt auf.

1122

Februar 25, 2021

Gebe Ahornfrucht

auf dem Fenstersims ’nen Schubs:

Hubschrauberlandung.

1121

Februar 24, 2021

Hallo Ihr beiden.

Hat es Euch hier gefallen?

Dann sagt es weiter.

1120

Februar 24, 2021

Das Rauschen im Ohr,

wenn es vollkommen still ist.

Verrinnende Zeit.

1119

Februar 24, 2021

Die Füße sinken

mit jedem Schritt leicht ein in

feuchten Lössboden.

1118

Februar 23, 2021

Die Augen schließen,

unter die Decke tauchen

in den tiefen Schlaf.

1117

Februar 23, 2021

Gegähnt, gerechnet,

rückgeschnitten, gehäckselt,

eingekauft, gequatscht.

1116

Februar 23, 2021

Wer gut schlafen will,

darf nicht ins Bett gehen, um

schlafen zu wollen.

1114

Februar 22, 2021

Je ahnungsloser

ich war im Leben, umso

glücklicher war ich.

1113

Februar 21, 2021

Apfelbaum frisiert.

Zig Wassertriebe gestutzt

bei schönstem Wetter.

1112

Februar 20, 2021

Halben Tag gesucht

nach Bauernendspielgewinn

ohne Ergebnis.

1111

Februar 20, 2021

Pulsierender Bass.

Falsetto, das sich anschmiegt.

Tonaler Kollaps.

[Massive Attack – Girl I Love You vom Album Heligoland, anlässlich von Horace Andy’s 70. Geburtstag gestern]

1110

Februar 20, 2021

Die Sennenhündin

versteht nicht wieso alle

vor ihr Angst haben.

1109

Februar 20, 2021

Biobananen

von Labels erlöst, die mit

Schale verbacken.

1108

Februar 19, 2021

Ich glaube es nicht,

halbtrockener Retsina.

Das Weltende naht.

1106

Februar 19, 2021

Der Witz im Leben.

Statt der großen Erleuchtung

Mini-Satoris.

1105

Februar 19, 2021

Ein Jonglierball jagt

dem anderen hinterher

bis sie sich kriegen.

1102

Februar 17, 2021

Baumsilhouetten

vorm blauen Abendhimmel.

Wurzeln der Lüfte.

1101

Februar 17, 2021

Der Schnee verschwunden.

Draußen Grau-, Rot-, Grüntöne.

Frische, feuchte Luft.

1100

Februar 16, 2021

Eine Melodie,

einfach und herzergreifend.

Ein kleines Wunder.

[Mark Robinson (Unrest) – Imperial, vor dem Kölner Dom]

1099

Februar 16, 2021

Eintausend Würfe

bei der Dreiballjonglage.

Rund fünf Minuten.

1098

Februar 15, 2021

Das Knacken hört auf.

Das Eis hauchdünn, unsichtbar.

Rutschend find‘ ich Halt.

1097

Februar 15, 2021

Sich immer schneller

um eigene Achse dreh’n,

ohne zu fallen.

1096

Februar 15, 2021

Vom Strudel verschluckt.

Im Ohr Sirenengesang.

Endlich bewusstlos.

[Pumarosa – Honey von ihrem Debütalbum Witch]

1095

Februar 15, 2021

Unruhiger Schlaf.

Ab eins stündlich aufgewacht.

Vom Hunger geweckt.

1094

Februar 14, 2021

Sonne, Eis und Schnee.

Frankfurt- und Odenwaldblick.

Beide ausgerutscht.

[Dreiburgenweg Kronberg- Falkenstein-Königstein, von zu Hause, 24.800 Schritte, 4 1/2 Stunden] ]

1092

Februar 14, 2021

Smartphone plötzlich weg.

Nach Panik schnell kapiert, dass

alles nur ein Traum.

1090

Februar 13, 2021

Starenschwarm besorgt

unverzügliche Leerung

der Futtersäule.

1089

Februar 13, 2021

Sennenhündin wischt

Australian Shepherd eine

mit ihrer Tatze.

1088

Februar 13, 2021

Sennenhündin rutscht

vereisten Weg hinunter.

Geschwindigkeitsrausch.

1086

Februar 12, 2021

Hätte nie gedacht,

mich je zurückzusehnen

nach dem Fernsehen.

1085

Februar 12, 2021

Kahler Baum am Rand.

Repetitives Zwitschern.

Eine Blaumeise!

1084

Februar 12, 2021

Nach dreißig Jahren

auf ein Foto gestoßen.

Ist er’s, ist er’s nicht?

1083

Februar 12, 2021

Trip zum Komposter.

Frau Amsel im Futterhaus

lässt sich nicht stören.

1081

Februar 11, 2021

Warum sich quälen,

wenn schon ein Teil des Kraftakts

zum Wohlgefühl führt?

1080

Februar 11, 2021

Mieten sinken leicht,

Wohnungspreise auf Höchststand.

Warten auf den Crash.

1078

Februar 10, 2021

Wieder im Warmen.

Das Auftauen der Füße.

Abwechselnd kalt-heiß.

1077

Februar 10, 2021

Knirschen und Knistern.

Der Boden hart gefroren.

Knacken und splittern.

1076

Februar 10, 2021

Die Wege vereist.

Die Dunkelheit fällt nieder.

Die S-Bahn fährt leer.

1075

Februar 10, 2021

Nach dem Abendrot:

Orion am Himmelszelt.

Fern leuchtet Frankfurt.

1074

Februar 10, 2021

Auf offener Flur.

Ein einsamer Wanderer.

Der Nordwind bläst stramm.

1072

Februar 9, 2021

Die Hände brennen

bei minus acht Grad draußen

in der Eishölle.

1071

Februar 9, 2021

Durch den Schnee gestapft.

Kopfschmerzen von kaltem Wind.

Auf Eis gegangen.

1070

Februar 8, 2021

Mit gutem Beispiel

vorangehen bringt mehr als

Vorwürfe machen.

1068

Februar 8, 2021

Fette Schneeflocken

tanzen munter durch die Luft.

Symphonie in weiß.

1067

Februar 7, 2021

Spaziergangsrunde

auf betonierten Wegen

um Morast herum.

1065

Februar 7, 2021

Rodomontade

in Bücherschrank verfrachtet.

Bye, bye Netzkarte.

1063

Februar 6, 2021

Sich erst auspowern,

dann jede Muskelfaser

einzeln entspannen.

1062

Februar 6, 2021

Die Sennenhündin

zieht beim Start an der Leine

und bei der Rückkehr.

1061

Februar 6, 2021

Vom Sauerbornbach,

Schwalbach, Sulzbach, Nidda, Main,

Rhein in die Nordsee.

1060

Februar 6, 2021

Es riecht leicht muffig.

Kirschkernkissen aufgewärmt

in Mikrowelle.

1057

Februar 5, 2021

Kiwi, Pink Grapefruit

und selbstgemachter Joghurt.

Herb-süß. Ekstase.

1056

Februar 5, 2021

Sich ärgern bringt nichts

es sei denn, man ärgert sich

nur über sich selbst.

1055

Februar 5, 2021

Strömender Regen.

Rotkehlchen nimmt langes Bad

in Vogeltränke.

[Flashback nach vorgestern]

1054

Februar 5, 2021

Zu früher Stunde

werde ich in der Küche

mit Gähnen begrüßt.

1053

Februar 5, 2021

Morgendämmerung.

Ich öffne die Klappläden.

Rotkehlchengesang.

1052

Februar 4, 2021

Dachte ganzen Tag,

dass es heute Mittwoch ist.

What a nice surprise!

1051

Februar 4, 2021

Zu zweit auf der Couch.

Jeder vor seinem Bildschirm.

Ist das die Zukunft?

Ian McEwan – Machines Like Me (Machinen wie ich)

Februar 4, 2021

Dieses Buch zu lesen, ist mir schwergefallen. Der Einstieg war sehr zäh. Ich glaube, es hatte damit zu tun, dass Ian McEwan nicht sofort auf den Punkt kommt, viel um das Thema herumschwadroniert. Außerdem war es nicht so einfach zu lesen auf Englisch wie ich es mir vorgestellt hatte, McEwan benutzt manchmal ein ausgesuchtes Vokabular und ich bin fast immer zu faul, nachzuschlagen. Mein persönliches Problem ist, dass ich nur selten die Muße habe, Bücher zu lesen. Abends im Bett passiert es mir oft, dass ich beim Lesen einnicke. Wenn ich morgens sehr früh aufwache weil ich schlecht schlafe, habe ich oft noch keine Lust zu lesen, weil ich zerschlagen bin. Trotzdem habe ich meist zu diesen beiden Zeiten gelesen und gerade abends wegen der Müdigkeit Konzentrationsschwierigkeiten gehabt.

Ich hatte von McEwan vorher Kurzgeschichten und den Stalker-Roman Enduring Love gelesen, den ich vor rund 20 Jahren sehr genossen hatte. Dieses neue Buch widmet sich dem Thema Roboter. Charlie, der Ich-Erzähler und Miranda, die seit noch nicht so langer Zeit ein Paar sind, schaffen sich einen menschenähnlichen Roboter an, Adam. Dieser Roboter ist sehr gebildet, er weiß so ziemlich alles da er permanent im Internet rumsurft, sich alles merkt und seine Schlüsse zieht. Da er gut bewerten und rechnen kann – welche Überraschung – ist er auch erfolgreich beim Daytraden, bei dem er eine gute Stange Geld verdient für den finanziell eher schwach aufgestellten Haushalt. Er weiß auch Sachen über die Protagonisten, insbesondere über Miranda, die Charlie nicht weiß. Hier zeichnen sich die Konflikte ab. Sehr früh läuft etwas zwischen Miranda und Adam, aber das ist nicht die Crux. Obwohl das Thema Liebe sowohl für Adam als auch für Charlie ein ganz wichtiges ist. Im Mittelpunkt des Romans steht vielmehr eine Geschichte von früher, die sich um eine Freundin Mirandas dreht, die sich umgebracht hat. Diese Geschichte ist sehr konstruiert, so ähnlich wie die extremen Settings von Ferdinand von Schirach, die ich nervend und uninteressant finde. Auf jeden Fall steuert die Ménage à trois, aus der eigentlich eine richtige Familie mit einem Adoptivkind werden soll, auf einen Showdown zu, den es am Ende auch gibt. Wenn man die Situation analysiert und weiß wie der Roboter programmiert ist, nimmt die Geschichte ihren zwangsläufgen, schicksalhaften Lauf. Ich sage mal, der Roboter kommt am Ende fast sympathischer rüber als Miranda und Charlie, aber das ist evtl. meine persönliche Ansicht. Was mich ein bisschen geärgert hat ist, dass der Erzähler etwas abschätzig auf den literarischen Output von Adam herabsieht, der tausende von Haikus schreibt. Von denen aber nur sehr wenige – natürlich eher schwachbrüstige – zitiert werden. Das ist einfach arrogant. Insgesamt werden ziemlich gut nachvollziehbar die Konflikte aufgezeigt, die es mit Robotern geben könnte, die ganze Robotergeschichte hat mich von Anfang an gefesselt.

Was drumherum erzählt wird, die Rahmenhandlung in einem alternativen Großbritannien nach dem Falklandkrieg mit einem Labour-Premier Tony Benn, der durch ein Attentat umkommt, hat mich dagegen tödlich gelangweilt. Es fahren zu dem Zeitpunkt schon viele Autos autonom mit schlafenden Fahrern, Alan Turing lebt noch und spielt eine wichtige Nebenrolle. Ich finde dieses Drumherumgespinne hat der Geschichte nicht gut getan. Außerdem gibt es immer wieder Exkurse über naturwissenschaftliche Themen, die ich als nervtötend und schlaumeierisch empfinde. Gut gefällt mir, dass das Buch in zehn Kapitel à ca. 30 Seiten eingeteilt ist, die man jeweils ganz gut in einer Sitzung lesen kann. Allerdings hätte man den Plot des Buches wahrscheinlich auch auf eine dreißigseitige Kurzgeschichte zusammendampfen können. Der Roman hat etwas Aufgeblasenes. So schnell werde ich wohl kein Buch von McEwan mehr lesen, dieses hatte mich vom Thema interessiert, fast alle seine Bücher der letzten zwanzig Jahre hatten mich schon vom Sujet her nicht angesprochen.

7/10

1050

Februar 4, 2021

Nach langsamem Druck

auf Lichtschalter im Flur

brennt Glühfaden durch.

1049

Februar 4, 2021

Beim Gehen senkt sich

ein Mantel in Zeitlupe

über mich: die Nacht.

1048

Februar 3, 2021

Aljechin, Fischer

Kasparov, Shirov, Dubov,

Tal, Morozevich.

1046

Februar 3, 2021

Mein Blick durchs Fenster

vertreibt die Spatzen sofort.

Er muss stechend sein.

1045

Februar 3, 2021

Atem loslassen.

Innehalten. Bis zwölf zähl’n.

Langsam einatmen.

1044

Februar 2, 2021

Brausetablette

mit Magnesium sprudelt

nassforsch im Wasser.

1042

Februar 1, 2021

Abenddämmerung.

Jeder Fußgänger grüßt mich,

der meinen Weg kreuzt.

1041

Februar 1, 2021

Morgen dicht bewölkt

und zum Teil schauerartig

verstärkter Regen.

1039

Januar 31, 2021

Krähen mit Beute.

Starenschwärme fliegen auf.

Kohlmeisenständchen.

1037

Januar 30, 2021

Zwei km vor Ziel

auf Ergometer entgleist:

Senkel um Kurbel.

1036

Januar 30, 2021

Zwei Stunden spaziert.

Viele Hunde unterwegs.

Dauerschneetreiben.

1035

Januar 30, 2021

Die Sennenhündin

will jeden, den wir treffen,

einzeln begrüßen.

Alles Deppen!

Januar 30, 2021

„Das Gefühl, man hätte den Durchblick, im Gegensatz zu den anderen, den Dummen, den Schlaf-Schafen, scheint eine hochpotente Droge zu sein. Man ernennt sich zum Statistiker, Virologen, Internetforscher, Politiker, was auch immer, ohne Ausbildung, ohne eigene Forschung, aber mit dem Gewicht der überlegenen Gewißheit.“

[Von Theaterliebe: Alles Scheiße, Deine Elly!]

1033

Januar 30, 2021

Antwort, die ausbleibt.

Das falsche Medium gewählt?

Vielleicht mit Absicht?

1031

Januar 29, 2021

Auf je mehr Fremde

man unterwegs trifft, desto

weniger grüßt man.

1030

Januar 29, 2021

Wie Entfernungen

zu Fuß riesig erscheinen

in der Dunkelheit.

1029

Januar 29, 2021

Grünfink gut getarnt

auf grüner Futtersäule

an Haselnussbaum.

1028

Januar 28, 2021

No one in the world

can intone the question „Why?“

like Eddie Chacon.

[Eddie Chacon – Trouble]

1027

Januar 28, 2021

Ist der Geist willig,

beim Sport aufzugeben, wird

das Fleisch sofort schwach.

1026

Januar 28, 2021

Bei Einbruch der Nacht

tänzelt der Rückwärtsläufer

frank an mir vorbei.

1025

Januar 28, 2021

Zu Bächen schwellen

die Betonwege zwischen

dem Weideland an.

1024

Januar 28, 2021

Nach langem Regen

riecht die Luft wie an der See,

nur ohne Salzflair.

1023

Januar 28, 2021

Wenn der Landregen

nicht demnächst mal aufhört, dann

schwimmt der Rasen fort.

1021

Januar 27, 2021

Stapfen im Pappschnee

hinterlässt Fußabdrücke,

knirscht wundersam nach.

1020

Januar 27, 2021

Mit nassen Haaren,

im roten Bademantel

steigt Fisch aus Dusche.

1019

Januar 27, 2021

Es schneit und schneit und

wenn’s damit nicht aufhört, dann

schneit es immer noch.

1017

Januar 26, 2021

Mit achtzehn Stunden

Fasten pro Tag begonnen.

Abendbrot entfällt.