Stell die Uhr zurück
– ein Präparat nur für dich –
Geh später ins Bett
[Yoga – Dein Guru von Amnesie, 2021]
Stell die Uhr zurück
– ein Präparat nur für dich –
Geh später ins Bett
[Yoga – Dein Guru von Amnesie, 2021]
In den Morgenchor
Stimmen alle Vögel ein
Auch die Nachtigall
Auf der Terrasse
Abendsonne im Gesicht
Weißbier noch im Glas
[Maciek Pysz – Beija Flor von Pont de Vie]
Erfrischend ehrlich
Hochzeitsständchen mal anders
Der Kantor sang mit
[Max Raabe & Palast Orchester – Du bist nicht die Erste (Comedian Harmonists 1931), MTV Unplugged 2019]
Ich träume davon,
das „r“ so schön wie Bert Brecht
rollen zu können
[Bertolt Brecht – Die Moritat von Mackie Messer (Weill/Brecht), 1929]
Holpriges Eiern
Dauernde Tempowechsel
Komplexe Rhythmen
[Petter Eldh – Midsum Brew feat. Savannah Harris, von Project Drums vol. 2, 2025]
Sounds wabern im Dunst
Auf einer Treppe zum Licht
Die Spannung löst sich
[Boards of Canada – Tape 05]
Auf Bob Dylan’s erstem, selbstbetiteltem Album, das in dem Jahr erschien, in dem ich gezeugt wurde, sind hauptsächlich Coverversionen von Traditionals und Blues von anderen drauf. Aber zwei Lieder sind von ihm selbst. Zum einen der bekannte Song to Woody, den er für den von ihm hochverehrten Folk-, Protestsänger und Hobo Woody Guthrie schrieb und ihm der Legende nach noch am Sterbebett vorsang (s.a. das Biopic Like a Complete Unkown), sodann der Talking Blues Talkin‘ New York, das nach Jesse Fuller’s Blues You’re No Good zweite Stück auf der LP.
Als ich dieses Lied neulich nach längerer Zeit wiederhörte, fiel es mir wie Schuppen von den Ohren, da singt er, der Provinzler aus dem abgelegenen Hibbing im Mittleren Westen an der Grenze zu Kanada, das sich durch den größten Eisenerztagebau der Welt auszeichnet, ja über seine Ankunft im Big Apple.
Ein recht gradlinig erzählter Song, in New York sieht er die Menschen unter die Erde in die U-Bahn gehen und die Wolkenkratzer sich zum Himmel erheben. Man kann sich das sehr gut vorstellen und kommt quasi mit ihm an in der großen Stadt. Die NY Times schreibt, es wäre der kälteste Winter seit dem Krieg, er kann darüber nur lachen und findet es im Vergleich zu Hibbing nicht sehr kalt. Nun kommt er mit seiner alten Gitarre mit der Subway in Greenwich Village an, dort singt er in einem Café und sie sagen ihm, dass er sich wie ein Hinterwäldler anhört und dass jetzt Folksänger angesagt sind. Für einen Dollar am Tag spielt er Mundharmonika und bekommt positives Feedback. Er tritt in die Gewerkschaft ein und macht sich erste Gedanken über arm und reich. Mit einem Zwinkern singt er davon, dass manche Leute mit einem Kugelschreiber ausgeraubt werden, indem sie z.B. ihre Unterschrift unter einen Kreditvertrag mit hohen Zinsen setzen. Er verlässt an einem sonnigen Tag New York, das ihn wenig beeindruckt hat, nach New Jersey, wo er Woody Guthrie im Krankenhaus besuchen wird. Interessanterweise musiziert er dort in Cafés, wo viel Schach gespielt wird und man sich mehr mit Schachgeben und Figurenschlagen beschäftigt, als seinem Gesang zuzuhören. Wie das so ist in den USA, Musik spielt eigentlich immer im Hintergrund, ist fast nie im Mittelpunkt.
Ich mag an dem Song, dass man quasi mit Dylan unterwegs ist, er nimmt einen mit und er macht plastisch, wie es gewesen sein könnte, als er damals als zwanzigjähriger Naseweis und absoluter Nobody in New York ankam. Und dass hier noch nicht großartig mit Dylan Thomas, Rimbaud, William Blake, der Bibel, Shakespeare und was weiß ich angegeben wird, sondern einfach nur erzählt wird. Und außerdem natürlich sein Mundharmonikaspiel, das mich ob seiner expressiven Simplizität schon immer geflasht hat.
Zuguterletzt kann ich das Thema des Liedes auch deshalb ein bisschen nachvollziehen, weil ich selber 1979 mit Robert, dem mittleren der drei Brüder meiner Gastfamilie, der in meinem Alter war, ich glaube in seinem Käfer, man sagt übrigens Bug und nicht Beetle, an einem warmen Julitag von ihrem hölzernen Ferienhaus am See in South Salem in einer knappen Stunde gen Süden nach New York City reingefahren bin. Da war ich noch 15 oder gerade 16, also jünger als Dylan, wir hörten eine Radiostation mit Wetterbericht, der Sprecher redete von Temperaturen von um die 80 Grad Fahrenheit, die große Stadt lag vor uns und wir tauchten langsam in sie ein. Nach dem Sightseeing kamen wir nach Greenwich Village, das träge in der Nachmittagssonne lag, es war tagsüber ziemlich tot und ich war etwas enttäuscht. So wie Dylan 18 Jahre zuvor.
Damals nicht mein Ding
Nun coole Feiermusik
War wohl zu verkrampft
[Afrika Bambaataa & the Soulsonic Force – Planet Rock, 1982]
Die Stimmung bedrückt
Das Drama entfaltet sich
Die Welt steht nicht still
[Richard Barbieri – Snakes & Ladders von Hauntings]
Rhythmus filigran
Melodie süßlich-fragil
Gesang android
[Arlo Parks – 2Sided]
So lang zerren an
elektronischen Saiten
bis Melodie kommt
[Seefeel – Dead Guitars von s/t, 2011]
Knapp am Kitsch vorbei
Auch ein Bass braucht Zärtlichkeit
Das reine Gefühl
[Flea – Thinking Bout You]
Lasst uns entspannen
Pedal Steel und Shoegazing
Die Faust aufs Auge
[Japancakes – What You Want von Loveless (My Bloody Valentine), 2015]
Die Geschichte hab
Ich ihm für ne Sekunde
Doch glatt abgekauft
[Der Nino aus Wien – Du Oasch, 2009]
Sommer, Chinaturm
Junge Amis mit Klampfe
Bierselig, textfest
[Steve Miller Band – Rock’n Me von Fly Like an Eagle, 1976]
Saxofon so rein
Vom Klavier zärtlich umspielt
Auf der Zeit gesurft
[Archie Shepp-Dollar Brand – Left Alone (Mel Waldron) von Duet, 1978]
Chaos überall
Verfolgungsjagd im Dunklen
Vom Blues besessen
[Gallon Drunk – Bedlam, 1992]
Oben die Spieluhr
Den ganzen Tag rumgetollt
In Schlaf gesungen
[The Dandy Warhols – Sleep von Thirteen Tales from Urban Bohemia, 2000]
Sich im Traum treffen
Im tugendhaften Team sein
Schmerz sublimieren
[Sophie Auster – Blue Team von Milk for Ulcers, 2025]
Heißwasser läuft ein
Schaumberge türmen sich auf
Rein in die Wanne
[Stephen Duffy mit Nigel Kennedy – Natalie von Music in Colours, 1993]
Ein langer Abgang
Nicht nur bei guten Weinen
Auch in der Musik
Welt aus den Fugen
Bitterböse Satire
Rückt täglich näher
[Randy Newman – Political Science von Sail Away, 1972]
Es wird nie wieder
so sein wie beim ersten Mal
als es „klick“ machte
Samstagfrühmorgens
Gymnopédie von unten
Catherine’s Handy
—
Der autolose Nachbar
organisiert Brötchenkauf
Lange nicht gehört
Marcie’s faucet needs a plumber
Fließende Verse
[Joni Mitchell – Marcie von Joni Mitchell, 1968]
Die Stimme anders
Die Lyrics scheinbar banal
One-Night-Stand Feeling
[Bob Dylan – Lay, Lady, Lay von Nashville Skyline, 1969]
Durch Paris cruisen
Mit einer süßen Schwester
8 track tape hören
[Dusty Springfield – Spooky, 1968]
[Jim Jarmush – Father Mother Sister Brother]
Aus der Luft erschallt
Symphonie der Piepmätze
Der Frühling erwacht
Der Tag, an dem ich
Trebbiano entdeckt hab
in München-Moosach
[Hatfield & the North – Share It von The Rotter’s Club, 1975]
Bis auf den Typen,
der unbeweglich dasteht,
tanzt der ganze Saal
[PVA@Mikropol, Berlin (sold out)]
Unbekümmertheit
Sanfter Gitarrenohrwurm
Melbourne lässt grüßen
[The Sugargliders – Will We Ever Learn? von We’re All Trying to Get There, 1994]
Dudelsackpfeifer
Managt ganzes Orchester
Power trifft auf Pop
[Teenage Fanclub – Is This Music? von Bandwagonesque, 1991]
I asked the painter why the roads are colored black
He said: „Steve it’s because people leave
And no highway will bring them back.“
[Silver Jews (David Berman) – Random Rules]
Und wenn ein Ohrwurm
tödlich ist für die, die ihn
erstmals anhören
[Another Sunny Day – You Should All Be Murdered von London Weekend, 1992]
Von Musik umarmt
Deine Stimme macht mich schwach
Wozu aufwachen?
[Aberdeen – Handsome Drink von Homesick and Happy to Be Here, 2002]
Trunkene Saiten
Sacht in Zeitlupe schwingend
[Blur – Miss America von Modern Life Is Rubbish, 1993]
Von Farben sprechen
Tour ums Gesamtwerk
[Tom Liwa / Florian Glässing – Kathleen in Grün von Lopnor, 2002]
Stein fällt vom Herzen
Jemand kann das Geheimnis
anvertraut werden
[Spain – Untitled #1 (live), ursprünglich von The Blue Moods of Spain, 1995]
Luxemburg, Party
Hier geht grade die Post ab
Wir tanzen alle
[The Lemonheads – Bit Part von It’s a Shame About Ray, 1992]
Ein Künstlerleben
Von einem Freund komprimiert
Auf drei Minuten
[John Cale – Style It Takes von Songs for Drella, 1990]
Über die Wange
Streichen die Pinselhärchen
Der Ton rein und sanft
[Fresu, Galliano, Lundgren – Que reste-t-il de nos amours? (Trenet) von Mare Nostrum, 2007]
Mittendrin Abbruch
Aus dem Leben gerissen
In Takt 2-3-9
[JS Bach – Die Kunst der Fuge (Contrapunctus XIV) gespielt von András Schiff@Casals Forum, Kronberg]
Ein Korkenzieher
Dreht sich peu à peu ins Herz
Minimal kitschig
[Phil Glass – Glassworks: Opening (Ólafsson, 2017)]
Geräusche im Raum
Talk Talk, ick hör dir trapsen
Trip ins Offene
[Apparat – Hum of Maybe]
Manchen Menschen kann
man nicht helfen, egal wie
nah man ihnen ist
[John Cale – Close Watch, Version von Music for a New Society, 1982]
Lächeln auf Saiten
Gitarrenloop. Federleicht.
Sich selbst erneuernd
[John Cale/Brian Eno – Spinning Away von Wrong Way Up, 1990]
Tune that started me
And lots of other people
To learn the guitar
[John Renbourn – Anji (David Graham) von Live in Kyoto 1978]
Mehr Groove, mehr Coolness
Mehr Spiel- und Lebensfreude
Mehr Seele geht nicht
[Jill Scott – Beautiful People vom Tiny Desk Concert, 16.2.2026]
Sehr lange gesucht
Eine Landschaft tut sich auf
Bukolisch. Friedlich.
[Ralph Towner – Drifting Petals von Solstice, 1975]
Erstes Treffen bei
diesem Stück und die Liebe
wird ewig halten
[Bill Evans Trio – My Foolish Heart (Young/Washington) von Waltz for Debby, 1962 (mehr)]
Timing ist alles
Nebel hängt über der Nacht
Drei harmonieren
[Bill Evans & Stan Getz – But Beautiful von Undercurrent, 1962]
Filmriss auf Ios
Ich glaub, wir haben geküsst
Retsina und mehr
[Talking Heads – Road to Nowhere von Little Creatures, 1985]
Olydisco M.
Iren voll aus dem Häuschen
Auf die Tanzfläche!
[U2 – Sunday Bloody Sunday, live 1983 auf Under a Blood Red Sky]
The guitar jangles
Her irresistible voice
Breezy student tune
[The Sundays – Here’s Where the Story Ends von Reading, Writing and Arithmetic, 1990]
Pulvriger Schnee knirscht
Morgens unter den Schuhen
White Light, white cold
Im Reich der Sitar
Stimme klingt müde-weise
Erleuchtung nicht weit
[Beck – Nobody’s Fault But My Own von Mutations, 1998]
Im Sphärenklangbett
Harfe trifft auf Theremin
Nicht von dieser Welt
[Nailah Hunter & Alia – The Pavilion of Dreams (Harold Budd)]
Energieriegel
Ohren durchpusten lassen
Die Freiheit lieben
[Jon Irabagon – Routers von Server Farm, 2025]
Wenn Schönheit wehtut
Schlag in die Magengrube
Es zieht uns hinan
[Max Richter – On the Nature of Daylight (Richter/Dangel] von The Blue Notebooks, 2004]
Die Welt nicht mehr heil
Die Musik schon irgendwie
Ich noch kein Teenie
[Steely Dan – Do It Again, 1972]
Über die Bühne
Fegt ein skinny Wirbelwind
Frauenpower live
[PJ Harvey – The Whores Hustle and the Hustlers Whore von Stories from the City, Stories from the Sea, 2000]
An der frischen Luft
Pastorale Melodie
Spätsommerabend
[Yusef Lateef – Love Theme from Spartacus von Eastern Sounds, 1961 auch auf dem Soundtrack zu Sentimental Value]
Whisky on the rocks
In die Nacht hineinswingen
Unten an der Bar
[TrackTribe – A Night Alone von Smoke Filled Rooms, 2019 vom Soundtrack zu Sentimental Value]
Mein Englischlehrer
drummte, ließ uns lustige
Sätze translaten
Dieser Stich ins Herz
Wenn eine Liebe endet
Ein Lied draus machen
[The Field Mice – End of the Affair von Snowball, 1989]
Indische Rhythmen
Klarinettenmelodie
Gitarrengespinst
[Oregon – Sail von Music of Another Present Era, 1972]
So nah dran und doch
Meilenweit davon entfernt
Ein gutes Cover
[Slint – Cortez the Killer (Neil Young), Chicago 1989]
Nach Feierabend
Sorgen abperlen lassen
Gelassen werden
[Kenny Barron mit Charlie Haden und Roy Haynes – Sail Away von Wanton Spirit, 1994]
Lied in Zeitlupe
Hypnotischer Sprechgesang
Kann das gut enden?
[King Hannah – Milk Boy (I Love You)] von Big Swimmer, 2024]
Lasst uns träumen von
einer friedlicheren Welt
Drei Minuten lang
[Phil Manzanera – Sombre Reptiles (Eno), live@London, 1976]
verlassen werden
sich im Selbstmitleid suhlen
es kann so schön sein
[Red House Painters – Katy Song von „Rollercoaster“, 1993]
Ex-Ehepaar nimmt
keine Gefangenen in
knapp 2 Minuten
[The White Stripes – Fell in Love with a Girl von White Blood Cells, 2001]
Schwingt eine Musik
mit ihrer Eigenfrequenz
schaukelt sie sich auf
[Boards of Canada – Chinook, 1996]
Bester Freund tanzt mit
meiner heimlichen Liebe
im Partykeller
[Neil Diamond – Longfellow Serenade, 1974]
Etwas zieht mich rein
In diese düstere Welt
Hey man, this is deep!
Die Erde dreht sich
Das Leben schreitet voran
Etwas draus machen
[Big Thief feat. Laraaji – Grandmother von Double Infinity, 2025]
Sie hat mich gekickt
Epiphanie aus Boxen
Full Blast im Nebel
[My Bloody Valentine – When You Sleep von Loveless, 1991]
Mit sich im Reinen
Die Natur ein Paradies
Zurückgekommen
[Labi Siffre – Cannock Chase von Crying, Loving, Laughing, Lying, 1972 vom Soundtrack zu Sentimental Value]
Im Limbo zwischen
Post-Punk, Dark Wave & Dream Pop
In jedem Anfang …
[Cocteau Twins – The Hollow Men von Garlands, 1982]
Politischer nie
Ihr mit Abstand stärkster Song
Anders als der Rest
[Creedence Clearwater Revival – Effigy von Willy and the Poor Boys, 1969]
Von vor der Bühne
Durch Menschenmassen schweben
Auf dem Weg zur Bar
[Moby – Porcelain von Play, 1999 (more)]
Cool female chanting
Tuneful noisy rock with punch
From Toulouse with love
[Diabologum – Palladium Rock von Le goût du jour, 1994]
Schließe die Augen!
Farben und Formen prasseln
direkt ins Gehirn.
[Holden & Zimpel – You Are Gods]
Patriotismus
Immer wieder staunen vor
diesem Phänomen
[Broadcast – America’s Boy von Tender Buttons, 2005]
Rauchgeschwängerter
Jazzclub um zwei Uhr morgens
Sinnliche Wehmut
[Eliana Glass – Good Friends Call Me E]
Zu zweit im Auto
Bei hundertfünfunddreißig
Der finale Kuss
[Big Thief – Shark Smile von Capacity, 2017]