Archive for the ‘sport’ Category

1099

Februar 16, 2021

Eintausend Würfe

bei der Dreiballjonglage.

Rund fünf Minuten.

1081

Februar 11, 2021

Warum sich quälen,

wenn schon ein Teil des Kraftakts

zum Wohlgefühl führt?

1063

Februar 6, 2021

Sich erst auspowern,

dann jede Muskelfaser

einzeln entspannen.

1037

Januar 30, 2021

Zwei km vor Ziel

auf Ergometer entgleist:

Senkel um Kurbel.

1027

Januar 28, 2021

Ist der Geist willig,

beim Sport aufzugeben, wird

das Fleisch sofort schwach.

1026

Januar 28, 2021

Bei Einbruch der Nacht

tänzelt der Rückwärtsläufer

frank an mir vorbei.

1010

Januar 24, 2021

Buttermilchgenuss

nach Schwitzen auf Hometrainer.

Himmel auf Erden.

933

Dezember 31, 2020

Erst zwackt das linke,

dann tut das rechte Knie weh.

Schließlich Wadenkrampf.

922

Dezember 28, 2020

Die neuen Häuser

bejubeln meinen Einlauf

ins Dorf Villelongue.

921

Dezember 28, 2020

Die Welt ist noch da,

das größte Wunder und dann,

dass ich laufen kann.

912

Dezember 24, 2020

A l’aube je double

les éboueurs qui m’observent

avec des grands yeux.

911

Dezember 24, 2020

Im Morgengrauen

sachte gejoggt wegen Knie.

Canigou in clouds.

907

Dezember 22, 2020

Wirf die Bälle hoch

und pflücke sie in der Luft.

Und wieder von vorn.

Laufen

Dezember 20, 2020

Die Geschichte vom Laufen. Laufen, um von etwas wegzukommen. Mit dem eigenen Körper das System Weißer Hirsch ausschwitzen, wegarbeiten, aus sich rauskriegen. Schritt für Schritt. Bis ich so schnell rennen konnte, dass ich aus mir rauslaufen würde. Der Körper sollte herhalten, um in einen Zustand zu kommen, der nur mir allein gehörte. Ganz vorn war der. Und da so schnell demmeln, dass ich nicht mehr erreichbar sein konnte von niemanden und nichts. Darum ging es.

[Ines Geipel – Mauerkinder, S. 93/94]

867

Dezember 6, 2020

Die Füße schmatzen

auf stark durchweichtem Boden,

der kaum Halt bietet.

Deux, trois pensées d’un jongleur

Dezember 4, 2020

Ich frage mich, ob ich besser oder schlechter jonglieren würde, wenn der nächste runtergefallene Ball mein Todesurteil wäre. Natürlich mit einer vorher definierten Mindestwurfzahl z. B. 300. Man muss dazu sagen, ich zähle die Würfe beim Jonglieren und zwar laut. Ich glaube, es würde keinen Unterschied machen. Beim Jonglieren ist man so im Jetzt da lauert die Gefahr hauptsächlich darin, dass man sich ablenken lässt, dass man anfängt, zu denken. Im Moment des Jonglierens würde das über einem schwebende Fallbeil nichts ändern. Während des Jonglierens würde ein Denken daran das Risiko zu versagen sogar eher vergrößern da man ja gerade im Automatismus, sozusagen auf Autopilot sein muss, um es zu schaffen. Da braucht man keine Zusatzmotivation.

Obwohl es sein könnte, dass ich vor Publikum fehlerfreier jongliere als ohne. Weil die Konzentration eine andere ist. Sich vor anderen zu blamieren ist einfach etwas anderes als dies vor sich selbst zu tun. Kann es sein, dass die Eitelkeit stärker ist als die Todesangst? Seltsamer Gedanke.

Ein Fehler, der mir oft passiert ist es, mich in Sicherheit zu wiegen. Sagen wir, ich habe mir 300 Würfe vorgenommen und ich habe 250 geschafft. Wenn ich jetzt anfange zu denken, dass ich schon fast am Ziel bin, der Rest ist ein Klacks, dann ist das der Beginn eines Abschweifens von den Objekten, die im Fokus stehen, den in der Luft fliegenden Bällen und rächt sich meist sofort. Oder ganz ähnlich, ich bin kurz vor dem Ziel und mache mir bewusst, dass ich fast da bin und es schaffen muss. Dann werde ich nervös und verkrampfe mich und mache einen Fehler. Entweder werfe ich zwei Bälle gegeneinander oder schaffe es nicht, einen Ball zu fangen weil z. B. die Würfe nach oben nicht senkrecht genug sind.

Ich kann es bis heute nicht fassen, dass ich noch mit über 35 jonglieren gelernt habe. Damals einfach aus einer schriftlichen Anleitung, erst mit zwei dann mit drei Bällen, schönen bunten Jonglierbällen, die super in der Hand liegen. Man muss es sich trauen, etwas üben und es kommt dann irgendwann. Es wird aber für mich immer ein Wunder bleiben. A propos Jonglierobjekte, habe ich das schon mal geschrieben im Blog? Ich glaube in Boston war es, da sahen wir einen Typen, der hat doch tatsächlich mit Toastern jongliert.

844

November 28, 2020

Collies begleiten

meine Laufbewegungen

mit bösem Bellen.

843

November 28, 2020

Ich jogge so schnell,

dass ich genug Atem habe,

Haikus zu denken.

841

November 28, 2020

Renne durch Nebel

mit beschlagener Brille

in Streuobstwiesen.

792

November 14, 2020

Zwei Runden locker

mit beschlagener Brille

durch Wiesen getrabt.

756

November 8, 2020

Ich jogge so schnell,

dass ich noch nachdenken kann

und im Kopf sprechen.

733

November 1, 2020

Dreizehn Grad. Regen.

Das Schmatzen der Obstwiesen

unter den Füßen.

724

Oktober 30, 2020

Voll im Hier und Jetzt

bei der Dreiballjonglage.

Nur nicht nachdenken!

695

Oktober 18, 2020

Zweirundenherbstlauf

mit innerem Schweinehund

am trüben Morgen.

687

Oktober 14, 2020

Jog im Morgengrau’n.

Mülltonnenstopp, Warten auf

S-Bahn, forschen Hund.

655

Oktober 1, 2020

Auf dem Tretpferd rinnt

der Schweiß die Schläfen runter

und reinigt den Geist.

647

September 27, 2020

Einsame Runde.

Fußschmatzen auf Wiesenweg.

Boden saugt sich voll.

442

August 9, 2020

Team T-Shirt gegen

Team Freier Oberkörper:

Barfuß dem Ball nach.

282

Juni 14, 2020

Eine Sekunde

beim Ergometer-Countdown.

Eine Ewigkeit.

228

Mai 24, 2020

Flotter Morgenjog.

Knallrot leuchtender Klatschmohn

gibt Endspurtpower.

99

April 5, 2020

Ein Elsternpaar ist

meine Vorhut auf dem Lauf

durch die Obstwiesen.

 

98

April 5, 2020

Schweißperlen laufen

von der Stirn in die Augen

beim Morgenjogging.

85

April 1, 2020

Ein Blutstropfen reicht,

um den ganzen Ozean

rot einzufärben.

84 Ergometerphilosophie

April 1, 2020

Ist die Idee da,

aufzuhören, dann ist sie

stärker als das Fleisch.

76

März 30, 2020

Die Hölle bin ich.

1-6-0 Puls, 2-9-0

Watt. Quäl dich, du Sau!

58

März 27, 2020

 
Den Tritt gefunden.

Zweihundertachtzig Watt auf

dem Ergometer.

48

März 22, 2020

Die Leute grüßen

und gehen mir aus dem Weg.

Flotter Wiesenlauf.

41

März 20, 2020

Jog in den Wiesen.

Die Forsythien leuchten gelb.

Na, komm schon. Endspurt!

Ein Lothar Matthäus

August 10, 2010
  • läßt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.
  • gehört in den Sportteil und nicht auf die Klatschseiten.
  • spricht kein Französisch.
  • auf neuem Kurs.
  • denkt um.
  • ist auch eher ein Kandidat für den Chef-Posten.
  • spricht nicht über Lothar Matthäus.
  • braucht keine dritte Person, er kommt sehr gut allein zurecht.
  • lässt sich nicht verarschen!
  • gibt nie auf.

(Quelle)

Es geht nichts mehr ohne Gehen

August 4, 2010

Nach 20 Tagen hintereinander mit nahezu 30 Km Fußmarsch pro Tag habe ich seit der Rückkehr am Samstag einen sich täglich verschlimmernden Muskelkater in meinen Beinen bekommen. Aus lauter Verzweiflung bin ich heute daher von meinem Arbeitsplatz in der Nähe des Gendarmenmarkts bis nach Wilmersdorf zu Fuß gelaufen. In nur etwas über einer Stunde. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auch nur etwa 50% schneller. Zumindest ist der Muskelkater jetzt nicht mehr ganz so schlimm. Überraschend auf dem Weg war wie leer das Zentrum von Berlin doch im Vergleich zu Paris z.B. ist. Da waren ein paar Touristen am KZ-Gedenkmal, ein paar mehr am Potsdamer Platz, aber ansonsten waren da zwischen 6 und 7 abends nur ein paar versprengte Figuren.

Fußballballett

Juli 6, 2010


Mal ein Filmchen aus der Zeit meiner Jugend zur Auflockerung. Frisch aus der Machtdose geklaut.

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September 2, 2009

Platthaus findet es gespenstisch, dass das Unvorstellbare, Jens könne irgendwann einmal Goethe-Verse vergessen, nun tatsächlich eingetreten ist, und hofft beklommen, dass er aber die Sturmaufstellung von Eimsbüttel noch parat hat.

Mich quälen

Juli 30, 2009

kann ich am besten, wenn ich den ganzen Tag auf der faulen Haut gelegen habe, wenn ich mit mir unzufrieden bin. Wenn ich mich selber genug hasse für meine Nichtswürdigkeit. Dann ist das „an die physische Grenze Gehen“ ein Ersatz für die fehlende sonstige Aktivität. Ansonsten fehlt mir oft der Biss beim Sport. Wie gerade auf dem Ergometer. Bei lächerlichen 280 Watt habe ich nach etwas über 16 Minuten (von 27) abgebrochen. Der Puls war etwas höher als sonst, so um die 168, aber das ist eigentlich noch kein Grund aufzustecken. Vor allem da ich viel besser in Form war als gestern wo ich 275 Watt durchgestanden habe bis zum Ende. Ich sah plötzlich keinen Sinn mehr in der ganzen Aktion. Fand, dass das Handtuch schon nass genug geschwitzt war. Wozu mich bestrafen, wenn ich fast den ganzen Tag ein braver, fleißiger Junge gewesen bin. Und das Schönste bzw. Schlimmste. Dieses zunehmende Biedermanntum meiner Selbst macht mir noch nicht mal was aus. Man gewöhnt sich wirklich an alles.

nyc war toll, aber ich krieg den post nicht gebacken

Mai 19, 2009

heute morgen vorm joggen hatte ich einen puls von 33. wenn das so weitergeht, dann erwartet mich in elf tagen das nirvana. ansonsten will ich unbedingt was über new york schreiben bevor ich wieder alles vergessen habe, eine woche im big apple geht nicht spurlos an einem vorbei. you can call it liebe auf den zweiten blick. 1979 rannte ich im heißen juli durch greenwich village – wo eigentlich nix zu sehen war – und war glaube ich im natural science museum, ein tag, der kaum hängen geblieben ist. nur an die knapp einstündige fahrt vom see in connecticut mit robert, der in meinem alter war, erinner ich mich noch ganz gut. er fuhr glaube ich den bug – beetle sagte damals niemand in den usa – nicht den straßenkreuzer, im radio viele worte und werbung, der morgen hatte noch diese erfrischende kühle, die ihm im sommer noch einen zusätzlichen vorteil gegenüber den anderen tageszeiten beschert. cut. vorhin mal wieder „on the beach“ gehört – da gibt es einen ilm thread drüber was das beste lied auf der platte ist – und die story über die honey slides gehört. also das titellied und „motion pictures“ sind so ziemlich die besten lieder, die gras und honig so hervorgebracht haben. lässiger geht nicht mehr. und das schönste ist, diese backmischung nimmt man oral ein, lungenzüge braucht sowieso kein mensch. wieso ich so derartig over the top bin these days, ist mir auch schleierhaft. weil die zwei monate abstinenz vorbei sind? weil ich immer noch den kick vom fliegen habe? weil der jetlag noch wirkt und mich aufputscht? weil ich heute zweimal sport getrieben habe? weil ich jetzt wieder morgens meinen liter tee trinken kann? wegen der nachmittag-kaffees im büro? oder sind es die altoids? no clue whatsoever. schon viertel vor eins, jetzt aber ab in die heia.

Maschine & Mensch

März 15, 2009

Das Ergometer
ruht sich grade aus von mir
und ich mich von ihm

John Cale – Andalucia

Februar 10, 2009

You can imagine what happened. Today was another day where I burnt 1919 kilojoule on the stationary bicycle. It is a 27 minute program starting with two minute intervals of 250, 275 and 300 watt. Then I reach the 325 watt plateau which lasts 15 minutes and the last six minutes are descending down to 250 watt in two minute intervals again. By the way 1919 was the last year where swapping of the first two digits with the last two did not change the number. The next one will be 2020. And 1919 is no prime number. As all four digit figures which are permutable in this way it is a multiple of 101. Enough playing around with digits now.

Let’s come back to Paris 1919. This song is actually my favourite of the album. Another declaration of love. This time to a geographical place, the South of Spain. It starts with this great line where syllables seem to be permutated in a magic way that it sounds like a nursery rhyme:

Andalucia when can I see you
When it is snowing out again
Farmer John wants you
Louder and softer closer and nearer

Farmer John who is probably John Cale himself will have to wait for a long time to see Andalucia again as it rarely snows there. Except in the Sierra Nevada but there is no mention of a mountain range in the lyrics. Again Cale sings in a sweet and tender way, there is a lot of yearning and longing for the object of desire in his voice. And in the music as well: the sublime acoustic guitar, the keyboards which stay nicely in the background and finally the pedal steel guitar adding the typical country sentiment to this outspoken ballad.

Needing you taking you keeping you leaving you
In a year and a day to be sure
That your face doesn’t alter
Your words never falter — I love you

After a one year stay the face of Andalucia will be almost the same as on the first day. The seasons will have gone full circle. Spanish people – especially those from the South – don’t hesitate with words, they love talking and apparently Cale loves that too.

John Cale – Antarctica Starts Here

Februar 8, 2009

He built a cathedral for a woman in hell, didn’t he?
Lester Bangs‘ Freundin über „The Marble Index“

Der Einstieg ist jetzt etwas unpassend, aber so war es nun einmal. Die Realität ist meist banal und Rücksicht nimmt sie auch auf niemanden. 1919 Kilojoule habe ich gestern auf meinem Ergometer verbrannt. Da lag es nahe, etwas über John Cale’s Paris 1919 zu schreiben. Es war schon fast eine unheimliche Koinzidenz, dass Stefan gestern im Kommentar sich ein Posting von mir zu einem Lied von genau dieser Scheibe wünschte. Vorher noch etwas zu der Zahl: Es handelt sich natürlich um eine Jahreszahl. 1919 fand in Paris die Friedenskonferenz nach dem ersten Weltkrieg statt, die dann zu dem unseligen Versailler Vertrag führte. Aber erst einmal war jetzt Frieden. Vielleicht auch, um das herauszustellen, ist das Album für John Cale untypisch wohlklingend, viele Stücke sind mit Streichern unterlegt. Es wurde in L.A. mit drei Mitgliedern der funkigen Country/Blues-Rocker Little Feat eingespielt, unter ihnen Lowell George an der Gitarre. Man schwelgt in üppigen orchestralen Arrangements voller Harmonien.

Antarctica Starts Here ist das letzte Stück. Und es ist anders als die Vorgänger. Zum einen ist es eine sehr ruhige und anfangs recht zurückgenommene, schmucklose Pianoballade, die im Vergleich zum Rest fast schon wie Low-Fi anmutet. Zum andern flüstert Cale seinen Songtext ins Mikrofon als hätte er Angst, irgendetwas zu zerbrechen. Das Lied schwebt eigenartig in Moll dahin, vorgetragen mit einer großen Ernsthaftigkeit und Intensität. So sanft und zärtlich kann eigentlich nur ein Liebeslied sein. Es gibt einige Hinweise darauf, dass es um Nico geht, die schöne deutsche Sprechsängerin der frühen Velvet Underground, mit der John Cale viel musikalisch zusammengearbeitet hat (s. Zitat oben). Cale erzählt von einer paranoiden Schauspielerkönigin (Nico spielte in Fellini’s La Dolce Vita), die untätig und mit Puder und Maskara bewaffnet dasitzt. Der folgende Satz beschreibt treffend Nico’s monotone Art zu sprechen:

The lines come out and struggle with
The empty voice that speaks

Wie Antarctica Starts Here auf diesem Album so war Nico ein Fremdkörper in dieser Welt. Von einer atemberaubenden Schönheit, gleichzeitig eine unnahbare Kälte ausstrahlend. Ihre große Liebe war das Heroin, ihr Leben war bewusst gewollte Selbstzerstörung. 1988 starb sie mit 49 an einer Hirnblutung auf Ibiza nach einem Sturz vom Rad.

Cale findet Vergleiche, die buchstäblich ins Herz treffen:

Her heart is oh so tired now
Of kindnesses gone by
Like broken glasses in a drain
Gone down but not well spent
The road from Barbary to here

Bei dem letzten Satz kann ich nur an die Barbarei der Nazis denken, Nico wurde wie meine Mutter 1938 geboren. Auch der letzte Abschnitt würde gut zu Nico passen. Ihre vielen fast durchweg unglücklichen Beziehungen (neben Cale u.a. mit Delon, Morrison, Reed, Buckley, Dylan, Jackson Browne, Brian Jones und Iggy Pop) als eine Art Peep-Show bei der die Männer ihr zugucken wie die Wirkung der Drogen langsam nachlässt. Da fängt sie an, die Eiswüste der Antarktis:

Her schoolhouse mind has windows now
Where handsome creatures come to watch
The anaesthetic wearing off
Antarctica starts here

Und ganz am Ende ertönt im Hintergrund ein Harmonium. Das war ihr Instrument.