Die Saison vorbei
Englische Badeorte
So herrlich schön tot
[Morrissey – Everyday Is Like Sunday von Viva Hate, 1988]
Die Saison vorbei
Englische Badeorte
So herrlich schön tot
[Morrissey – Everyday Is Like Sunday von Viva Hate, 1988]
Von alten Tanten
Die besten Patiencen
In Jugend gelernt
Improvisieren
Wenn Komponieren und Spiel
zusammenfallen
[Johanna Summer – Arrival von Dialoge]
Kokon aus Saiten
Schmerzlicher Liebeswirrwarr
Neu anfangen. Nackt.
[Big Thief – Carry (1st song of acoustic session)]
Kurz vor 4 morgens
Vogelgezwitscher hebt an
Verdammte Vögel
Nach dreizehn Jahren
Sie können es immer noch
Die Welt verzaubern
[Boards of Canada – You Retreat in Time and Space von Inferno]
Hoch am Firmament
funkeln Gitarrensaiten
Wüstennordlichter
[Meat Puppets – Aurora Borealis von II, 1984]
Die Pergola hoch
ranken hunderte Rosen
Dornig, kräftig pink
Ohne Hijab raus
Auf die Straßen Teherans
Mit Kopfhörerschutz
[Albinoni, Giazotto – Adagio in g-moll (Berliner Philharmoniker), via]
Wolkenkuckucksheim
Der Himmel voller Farben
Ready for take-off?
[The Orb feat. Rickie Lee Jones – Little Fluffy Clouds, 1990]
In Rückenlage
Ausatemzüge zählen
Bettschwere spüren
Nach sechs Stunden Schlaf
Durch das winzigste Geräusch
Aufgeweckt werden
Sich den ganzen Tag
Mit fast jedem Schritt quälen
Und doch fortfahren
Auf leichten Flügeln
Ein lauer Sommerabend
From London with love
[Tom Misch – Days of Us feat. Kaidi Akinnibi (via)]
Sich ganz auflösen
Verschmelzen mit dem andern
Und der merkt es nicht
[Mazzy Star – Fade into You, live at Shoreline Amphitheatre 1994]
Pfingstsamstagmorgen, herrlichstes Sommerwetter und mein Nachbar H. und ich starten die nächste Wanderung, eine Woche auf dem 66 Seen Weg um Berlin. Hierzu fahren wir erstmal nach Potsdam, wo wir gegen 9 den Alten Markt mit der Nikolaikirche, dem Landtag und den Museen nahezu für uns allein haben. Da sich in Potsdam eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht, bleiben wir oft stehen und kommen hier noch nicht richtig in unseren Wanderfluss.

Der 66 Seen Weg startet am Brandenburger Tor am Ende der Fußgängerzone. Die erste Baummarkierung mit dem blauen Punkt ist schon etwas verblichen, insgesamt ist der Weg heute nur sehr sporadisch markiert, aber ich habe ja den GPS-Track.

Das erste Highlight ist der Park von Sanssouci, in den wir am Obelisken einsteigen. Hier treffen wir auf eine Joggerin und sehen links die Friedenskirche. Von Schinkel bzw. Persius, seinem Schüler werden wir heute noch einige der charakteristischen, den italienischen Cantabiles aus der Renaissance nachempfundenen Türme sehen.


Rechts im Park erreichen wir die Neptungrotte, die innen u.a. mit Jakobsmuscheln versehen ist, wie passend zu unserem Weg!

Am Schloss stehen die Worte „Sans, Souci.“. Eine zufriedenstellende Antwort auf den Sinn der ungewöhnlichen Schreibweise können uns weder die Einheimischen noch die KI geben. Es gibt sogar ein versponnenes Buch zum Thema. Evtl. liegen ästhetische Gründe vor. Im Museumsshop erstehe ich ein zweisprachiges Reclamheftchen mit Mark Twains The awful German language.

Hinter dem Schloss kommen wir zur Alten Mühle, hier steht ein Flötenspieler in der Tracht Friedrichs des Großen, der in einer Flötenpause versucht, mit vorbeiflanierenden Touristinnen ins Gespräch zu kommen.

Bald stoßen wir auf den Bornstedter See zur Linken. Weiter geht es durch den Wald zum Ruinenberg, wo das Wasser zum Betrieb der großen Fontäne im Park Sanssouci hochgepumpt wurde. Von hier gibt es eine schöne Aussicht nach Potsdam, die wir leider nicht genießen.

Wir kommen zu der Alexandrowska, der Holzhaussiedlung, die Friedrich Wilhelm III. für die russischen Chorsänger errichten ließ. Sie werden z.T. noch heute von Nachkommen bewohnt, es gibt u.a. ein russisches Restaurant.

Der nächste See, der Heilige See, ist rechts zu sehen. Am Marmorpalais können wir am Himmel drei Krähen beobachten, die einen Greifvogel im Flug mit den Schnäbeln attackieren, der majestätisch-ruhig durch die Luft schwebt.
Wir kommen zum Cäcilienhof, wo im Sommer 1945 Churchill, Stalin und Truman u.a. um die Zukunft Deutschlands verhandelten. Hier ist eine Baustelle, an der wir seitlich vorbeigehen zur Alten Meierei.

An dem pünktlich um 12 öffnenden Biergarten halten wir Rast und haben von hier eine schöne Sicht auf den Jungfernsee, auf dem auch Personendampfschiffe unterwegs sind.

Nun geht es hinauf zum Pfingstberg, den eine private Gesellschaft meint, okkupieren zu können. Wir kommen an der Russisch-Orthodoxen Kapelle vorbei, in der ich mich über Google Translate mit der Russin am Eingang austausche. Es gibt hier für alle offene Gottesdienste.

Der Rest des Weges verläuft flach im Barnimer Flur. Endlich können wir mal etwas Strecke machen. Wir kommen am Persiusturm – wieder in der Form eines schlichten Cantabile – vorbei und schließlich zum verwunschenen Park des Schlosses Marquardt. Hier finden wir eine gut besuchte Badestelle und stürzen uns langsam – das Wasser ist in Ufernähe sehr seicht – in die Fluten. Die Temperaturdifferenzen zwischen Oberfläche und tiefer unten sind enorm.

Am ersten Ziel, dem Bahnhof Marquardt angekommen, nehmen wir den Regionalzug nach Jungfernheide, wo wir in die U7 zurück nach Wilmersdorf steigen. Ich habe in Marquardt kein Quartier gefunden, so dass wir zuhause übernachten dürfen. Ich spüre meine Füße und erhole mich auf dem Balkon bei zwei Weißbier.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
Tiefste Melodie
Tränenbäche, die Wangen
Hinunterstürzend
[King Crimson – Starless von Red, 1974, s.a.]
Drei Krähen greifen
Am Himmel den Greifvogel
Immer wieder an
Alleine gehen
Unterwegs immer wieder
die Gleichen treffen
Autobahnbrücken
Demos gegen Regierung
Für Frieden. Echt jetzt?
Lange Kolonne
der Bundeswehr überholt
vor Herleshausen
Inkompatibel
Meine diversen Freunde
Untereinander
Ein vages Tasten
Aus dem Nichts heranfliegend
Ein Schleier aus Samt
[Tuxedomoon / Cult With No Name – Do It for Van Gogh von Blue Velvet Revisited, 2015]
She brings me water
Sweeter than wine, when she smiles,
She smi-iles for me
[Rain Tree Crow – Pocket Full of Change, 1991]
A guitar that jangles
Sounding like a bell that chimes
Both will never lie
[The Eighteenth Day of May – Sir Casey Jones, 2005 (via)]
Der schlechte Leumund
Unsres nächsten Verwandten
In Bezug auf Sucht
[Low – Monkey, 2005]
Wenn das Herz zerbirst
Sehnsucht nach einer Liebe
Nicht von dieser Welt
[Samuel Barber – Adagio for Strings, Op. 11 (Berliner Philharmoniker)]
Ich trau Augen nicht
Eine Siebenschläferin
Neben mir im Bett
Nach zwei Sprühstößen
Melatonin um zwei nachts
Ans Bett genagelt
Uberfahrer mit
Übergepäck von Berlin
Nach Eschborn fahren
Telefon klingelt
Klaffende, lange Wunde
Nach Sturz auf den Kopf
Beim Gang zur Haustür
Am Muttertag hinfallen
Als Fleurop klingelt
Tauben wecken mich
Die Rosskastanie blüht
Ciao, Eisheilige
Wie sich die Stimme
an die Melodie anschmiegt
Atemberaubend
[The Hidden Cameras – Boys of Melody, 2003]
Kriebelmücken. Wind.
Zeltenge. Landschaftsweite.
Manchmal muss ES raus!
[Bart Schrijver – The North (behind the scenes), 4 aus 5]
Abschiedsbrief fertig
Koffer aufs Rad, nach Duisburg
Schnell raus aus Deutschland
Bei Tanke gepennt
Schlüssel steckt, Tür angelehnt
Wertsachen perdu
[aufgew.]
Flower Power Vibes
Land langer weißer Wolke
Vom Gesang becirct
[Aldous Harding feat. H. Hawkline – Venus in the Zinnia]
Zwanzig Minuten
Nach halber Etappe ruh’n
Mittags im Schatten
Jogging um den Hof
Rückkehr in off’ne Zelle
Geldgürtel fast leer
Walnüsse knacken,
so dass die Schalenhälften
unversehrt bleiben
Gut ausgeschlafen
Körper holt sich, was er braucht
Auf ihn ist Verlass
Sterbenskrank im Bett
Banjo-Gitarren-Duo
Ein Chor zum Abschied
[Lambchop – Weakened]
Ganz in sich ruhend
Über Unterarm streichend
Mit Vogelfeder
[Julian Lage – Something More von Scenes from above]
Mansarde. Kerzen.
Che Guevara an der Wand
Die Nadel senkt sich
[Pink Floyd – Speak to Me / Breathe (in the Air) von The Dark Side of the Moon, 1973]
Die Worte, die wir
aufschreiben, sprechen, singen
Alle nur geborgt
Es lodert das Meer
Ein Sturzbach an Gefühlen
Undurchdringlichkeit
[Rafael Anton Irisarri – Empire Systems von A Fragile Geography, 2016. Er spielt heute und morgen im Morphine Raum, Berlin]
Nach dem Senchatee
Aufgedrehtheit am Morgen
Wachheitseinbildung
Auf Schusters Rappen
Kurze Hosen, Fischerhut
Das Gespräch suchend
[Steffen Kopetzky – Harzreise. Er liest am 18.5. im Zauberberg in Berlin-Friedenau]
Erster Sommertag
Klappläden mittags versperrt
Flieder-, Grilldüfte
Pulle Äppelwoi
Melatonin kurz vor 2
Schlafe wie ein Stein
Weltmusiktanzgroove
Ziehharmonikawehmut
Bläsersatzpower
[Les Négresses Vertes@Zoom, Frankfurt]

La valse zum Anfang
Dann C’est pas la mer à boire
Face à la mer schließt
[Les Négresses Vertes@Zoom, Frankfurt]
Es singt als Erstes
Und Letztes, das Rotkehlchen
Der Chef vons Janze
Unerträgliches
Waschweibergeschwätz im Zug
Ohrhörer. Full Blast!
Ein Glockenteppich
Gewebt aus vibrierenden
Gitarrensaiten
[White Fence – I Came Close, Orange for Luck von Orange]
Mondsilhouette
Über die Hügel tanzend
Am frühen Abend
[Burgruine Brandenburg]
Rollkofferscheppern
Distanz durch Augenschließen
Rappelvoller Zug
Eichendorffallee
Pfeifen lernte ich von dir
Vierschanzentournee
Wenn von jedem Ton
das ganze Leben abhängt.
Volltreffer. Versenkt.
[Joel Lyssarides – Late on Earth vom gleichnamigen Album]
Sich gegenseitig
alle Kleider vom Körper
reißen und es tun
Zwanzig Minuten
Und es wird nie langweilig
[Tortoise – Djed von Millions Now Living Will Never Die, 1996]
Wir kennen uns schon
über sechzig Jahre und
kennen uns doch nicht
Mit Worten spielen
Einen Song mit Sog schreiben
Aufgehoben sein
[Blumfeld – Graue Wolken von Testament der Angst, 1999]
Es blühen am Teich
Sumpfdotterblume, Flieder
Ich schieb dich herum
Serenade mit
Mönchsgrasmücke, Singdrossel,
Amsel und Krähe
Wie ich mich damals
nach Dir sehnte, ohne zu
wissen, wer Du bist
[Münchener Freiheit – Tausendmal Du, 1986]
Sie lächelt freudig
Als ich an ihr Bett trete
Einfach nur da sein
Stell die Uhr zurück
– ein Präparat nur für dich –
Geh später ins Bett
[Yoga – Dein Guru von Amnesie, 2021]
In den Morgenchor
Stimmen alle Vögel ein
Auch die Nachtigall
Morgenspaziergang
Ausbruch aus Hausgefängnis
Freie Luft atmen
Die Erde streicheln
Zurückgestreichelt werden
Das ist Fernwandern
Auf der Terrasse
Abendsonne im Gesicht
Weißbier noch im Glas
[Maciek Pysz – Beija Flor von Pont de Vie]
Gelb leuchtender Raps
Sonne hoch am Firmament
Morgenbrise, kühl
In ihrem Zimmer
Drehwurm gekriegt, gefallen
Rippen gebrochen
Siesta. Klacken.
Rattenleben ausgehaucht
Wiesenbegräbnis
Kimba liegt im Gras,
guckt zwischen den Halmen durch
Kommen sie zurück?
Erfrischend ehrlich
Hochzeitsständchen mal anders
Der Kantor sang mit
[Max Raabe & Palast Orchester – Du bist nicht die Erste (Comedian Harmonists 1931), MTV Unplugged 2019]
Erdnussbutter weg
Bügel der Falle unten
Ratte verschwunden
C. verlässt den Weg
Kimba kann nicht stillsitzen
Sie muss hinterher
Dunkler Bernstein, Rauch
Honigmet, Sherry, Lakritz
Kandis, Karamell
