Archive for the ‘DEU’ Category

2:12 Serge Gainsbourg – Marilou Reggae (1976)

September 18, 2010

Salutations distinguées
De petit serpent katangais

Ein weiteres – ich will immer weiterer schreiben – Chanson von L’Homme á tête de chou. Marilou, die im Frisörsalon als Haarwäscherin arbeitet, tanzt Reggae und ihre anmutigen Bewegungen lassen anzügliche Gedanken im Erzähler/Sänger aufkommen. Dies war Gainsbourg’s erster Reggae, von der Instrumentation ein bisschen cheap – die Keyboards hören sich etwas nach Heimorgel an – man könnte auch sagen minimalistisch, aber mich spricht er an. Und das ist ja erst der Beginn der Geschichte, da kommt ja noch mehr.

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2:13 The Cure – A Reflection (1980)

September 17, 2010

Eigentlich hätte hier der Garagenbluesrocker Psycho Daisies von The Henchmen feat. Jack White stehen sollen, wahrscheinlich der einzige Overlap dieses Projekts mit John Peel’s famöser Record Box, aber leider habe ich die mp3 heute morgen nicht auf den 256 mb usb stick kopiert (weil ich nicht erwartet habe, dass ich sie auswählen würde). Na ja dieses Instrumental am Anfang von Seventeen Seconds ist mindestens genauso gut oder besser. Weil es nämlich das gesamte phantastische Album in nuce darstellt. Bei diesen paar Takten höre ich Play for Today, A Forest und M vor meinem geistigen Ohr. Darüber muss man mal ein Buch oder zumindest einen Blogpost schreiben. Denn das ist für die Musik wie Prousts Madeleines für die Literatur; man hört nur einen winzigen Ausschnitt und ein gesamtes Meisterwerk, ein sagenhafter Trip in die Düsternis eröffnet sich in Gänze vor einem. Schon ziemlich erstaunlich.

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2:14 The Velvet Underground & Nico – I’ll Be Your Mirror (1967)

September 16, 2010

When you think the night has seen your mind
That inside you’re twisted and unkind
Let me stand to show that you are blind
Please put down your hands
‚Cause I see you
I find it hard to believe you don’t know
The beauty you are

Lou hat dieses Lied für Nico geschrieben, angeblich hat sie nach einem früheren Konzert zu ihm gesagt, sie sei sein Spiegel. Das würde dann bedeuten, dass Lou Nico singen lässt wie schön er ist. Das ist schon etwas strange, wenn sie den Text geschrieben hätte, wär das ja ok, aber so macht sich – der nicht so wahnsinnig ansehnliche – Lou selbst Komplimente durch den Mund einer schönen Frau. Interessant ist auch die Geschichte der Aufnahme. Nico sollte das Lied einfühlsam und sanft singen, ihre Stimme war allerdings aggressiv und schrill. Die Band ließ sie das Lied so oft wiederholen bis sie in Tränen ausbrach. Danach sang sie die definitive Version wie ein Schmusekätzchen. Es stimmt, das hier ist einer der ganz wenigen Songs, wo Nicos Stimme nicht nervt, nicht so kalt und kantig ist. Ich dachte, ich hätte irgendwo gelesen das wäre Andy Warhol’s Lieblingslied der Velvets, bei Wikipedia steht jetzt es wäre Lou’s Favorit. Egal, es ist auf jeden Fall auch ein sehr schönes Schlaflied.

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2:15 The Beatles – Revolution (1968, 2006 remix)

September 15, 2010

You tell me it’s the institution
Well, you know
You better free your mind instead

Ganz schwere Wahl heute abend, kein Lied hat mich angesprungen, viel Gutes – das mir etwas zu bubblegumeske Blitzkrieg Bop, die mir etwas zu lahme Aria da Capo am Ende der Gouldschen Goldberg Variationen, Joni Mitchell’s People’s Parties, das mit dem Folgelied Same Situation untrennbar verbunden ist – aber nichts wirklich Herausragendes. Mit den Beatles kann man so falsch nicht liegen, vor allem nicht mit einem für sie nicht sehr typischen Song, der an der Grenze zu dem was man damals Hard-rock nannte, ist. Ich finde diesen verkürzten Remix für die posthume Kompilation Love sehr gut gelungen. Der bluesige, dreckige Garagensound der Gitarren hat es mir vor allem angetan. Da steckt eine Menge Power drin und die kann ich gerade sehr gut gebrauchen.

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2:16 The Cranberries – Pretty (1993)

September 14, 2010

You’re so pretty the way you are.
And you had no reason to be so insolent to me.

Ich muss gestehen, ich habe das erste Album der Cranberries, das Folk, Indie und Pop ziemlich gekonnt verschmolz, damals geliebt, es erinnerte etwas an die Sundays, war nur irgendwie besser, insbesondere die Stimme von Dolores O’Riordan hat mich ziemlich umgehauen, sie hatte etwas von einer Unschuld vom Lande. Die Lyrics von dem heutigen Song sind ziemlich beliebig, aber das habe ich damals nicht gehört. Später als die Band dann richtig Erfolg hatte, kam Dolores immer zickiger rüber und die überproduzierte Musik wurde dann ebenfalls schnell beliebig. Pretty allerdings klingt auch heute noch frisch und unverbraucht.

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2:17 The Jesus Lizard – Mouth Breather (1991)

September 13, 2010

Don’t get me wrong, he’s a nice guy, I like him just fine
But he is a mouth breather

Das war knapp, Coldplay’s Schmonzette Don’t Panic hatte meine waidwunde Seele fast umgarnt, aber dann bin ich doch noch zur Vernunft gekommen und habe mich für Hardcore statt Schmalz entschieden.

Etwas off-topic, aber nicht wirklich: Kennt jemand einen streamenden Audioplayer, der auch mit Safari funktioniert? Der Obige mit shock wave flash von Adobe offenbar nicht, jedenfalls kam auf dem iPhone vorhin eine Google-Anzeige statt des Players.

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2:18 Johann Sebastian Bach – Suite g-Moll BWV 995 VI Gigue (ca. 1730, Óscar Cáceres)

September 12, 2010

In den düsteren Zeiten während der zweiten Hälfte meines Studiums – meine Freundin hatte mich verlassen, ich versumpfte zunehmend, das Diplom schien unerreichbar wie die Eigernordwand – habe ich die therapeutische und zwar insbesondere beruhigende und tröstende Wirkung von auf der klassischen Gitarre gespielter Barockmusik erfahren. Eine der CDs, die ich damals günstig bei Zweitausendeins in der Türkenstraße hinter der LMU in München erstand, beinhaltete u.a. Lautensuiten von Bach sowie von Silvio Leopold Weiss. Diese CD hörte ich rauf und runter, meist auf repeat, wenn ich schlecht drauf war oder mich beim Studieren konzentrieren musste. Was mir an diesem kurzen letzten Teil der Bachschen Suite besonders gefällt, ist der warme, helle Klang der Gitarre. Bei Bach assoziere ich ja eher Erhabenheit, Seriösität, Schwere und manchmal sogar Dunkelheit – liegt vielleicht auch an dem für mich typischen bachschen Instrument, der Orgel und dem Ort, wo er ausgiebig gespielt wird, der Kirche – aber hier schafft es der uruguayanische Gitarrist, Licht und Leichtigkeit in die Musik zu bringen, sie quasi zu latinifizieren. Das fließt und perlt so anmutig dahin, dass es eine wahre Freude ist.

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2:19 The Brian Jonestown Massacre – Mansion in the Sky (1999)

September 12, 2010

Don’t ask me what I’ve done ‚cause I would lie
Just make room in your mansion in the sky

BJM’s Leadsänger Anton Newcombe, der inzwischen in Berlin wohnt, ist ein Eklektiker wie er im Buche steht. Die psychedelische Musik seiner Band, die ursprünglich aus San Francisco stammt, ist stark beeinflusst von den großen Gitarrenbands der Sechziger wie Velvet Underground, den Rolling Stones, den Beatles und den Byrds. Hier singt Anton eine melodische, countryeske Ballade mit Gebetscharakter, in der er um Vergebung seiner schlimmen Sünden bittet und gleichzeitig einen Platz in Jesus‘ Villa im Himmel beansprucht. Etwas größenwahnsinnig, aber zumindest ist die Selbsterkenntnis da, dass er auf die Frage, was er getan hat, sowieso nur lügen würde. Klassischer Stoff aus einem Junkiehirn, wie mir scheint. Die Musik allerdings kommt doch eher zurückhaltend und demütig daher, also wenn ich G… wäre, dann würde ich mir zumindest das Lied bis zu Ende anhören.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 196 Stücke ist hier.)

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September 9, 2010

Was ist da momentan eigentlich mit dem Ford Mustang los? Ich kriege seit ca. einer Woche jeden Tag zwischen 50 und 150 Suchanfragen diesbezüglich, die dann alle bei dem Chanson von Gainsbourg aufschlagen. Ich weiß weder welche Suchmaschine das ist (Gugel jedenfalls nicht) noch wieso Ford Mustang jetzt gerade in sein sollte. Hat einer meiner werten Leser eine Ahnung?

2:21 Elliott Smith – Between the Bars (1997)

September 9, 2010

Drink up, baby, stay up all night
The things you could do, you won’t but you might
The potential you’ll be that you’ll never see
The promises you’ll only make

Shit, vorhin als ich den Liedtitel vor mich hingedacht habe, habe ich mich noch gefragt, ob Elliott Smith die bars wie in Gefängnisstäbe oder wie in Kneipen gemeint hat, aber eigentlich war es ja von Anfang an klar. Auch hier geht es wie in so vielen seiner Songs mal wieder um Drogen, um König Alkohol, um genauer zu sein. Und was er mit einem macht bzw. was er einen nicht machen lässt. Wie man sich von ihm einlullen lässt und ihn für einen guten Freund hält. Obwohl er einem doch gerade das Leben wegnimmt und den Schein an seine Stelle setzt, wenn man nicht aufpasst. Ich widme diesen Post einem, dem ich schon mal einen Eintrag gewidmet habe. Soviel kann ich sagen, er hat sich aufgerappelt aus dem Straßengraben und ist wieder auf dem Weg. Und ich nun auch und zwar ins Bett, dieser ruhige, von Elliott Smith’s sanfter Stimme vorgetragene Song eignet sich nämlich auch phantastisch als Wiegenlied. Nach dem Lauf gestern habe ich jetzt ganz fürchterliche Schmerzen im linken Knie. Wäre ich es doch mal etwas langsamer angegangen, aber die Menge hat mich irgendwie mitgerissen und ich wollte natürlich auch nicht letzter von unserem Team werden. Immer dieser verdammichte falsche Ehrgeiz.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 194 Stücke ist hier.)

2:22 Meat Puppets – Plateau (1983)

September 8, 2010

Who needs action
when you got words.

Noch ein Lied, das Kurt Cobain in dem MTV Unplugged Konzert von 1993 mit den Kirkwood-Brüdern gespielt hat. Hier ist das Original. Ich komme vom Firmenlauf und bin etwas groggy, so dass ich nicht viele Worte verlieren werde. Was es genau mit der Hochebene auf sich hat, weiß ich nicht, ob sie was mit der Wüste in Arizona zu tun hat? Oder mit dem Ort, wo man hinkommt, wenn man gewisse Pilze zu sich nimmt? Das ist alles völlig zweitrangig. Das Ende dieses Liedes gibt mir wirklich einen Kick, da geht die Sonne auf und es öffnet sich der Blick auf die Hochebene. Und er ist verdammt schön. So schön, dass man danach eigentlich nichts mehr zu sehen braucht. In other news nagen die Zweifel an mir. Von Tag zu Tag frage ich mich mehr und mehr, was ich hier eigentlich treibe. Und für wen. Kann mir das einer sagen, ohne einen I like it-Button zu benutzen?

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 193 Stücke ist hier.)

pro selber machen _ contra facebook-ringelpietz

September 7, 2010

Nicht nur wegen dieser Tagline (oder wie man sowas nennt), die mir aber sowas von aus tiefstem Herzen spricht, ist das Musikblog Zu Zeiten empfehlenswert. Werner Ahrensfeld, der ehemals für die Spex geschrieben hat, bespricht dort kompetent jede Menge Musik, die ihm gerade so unter die Ohren kommt. Von Captain Beefheart über Spaceman 3 bis zu Sufjan Stevens. Von Reggae über Post-Punk bis zu Prog-Rock. Da ist für jeden was dabei. Außerdem hat er viel Humor und hat was zu erzählen. Ist selten heutzutage, also klickt mal rüber, wenn ihr neugierig geworden seid.

2:23 Jonathan Richman – Couples Must Fight (live 2000)

September 7, 2010

Couples must fight, couples must argue
from time to time, must clear the air
when all is calm, that’s when it’s hard to

Jonathan Richman’s Musik kenne ich kaum, aber fast alles, was ich von ihm gehört habe, habe ich gemocht. Er hat so eine natürlich-direkte Art, die irgendwie auch typisch amerikanisch ist, der ich nicht widerstehen kann. Insbesondere die Liveaufnahmen haben es mir angetan, da er auf der Bühne sein Charisma voll rüberbringen kann. Understatement ist eine seiner Qualitäten, es hört sich oft roh und manchmal auch etwas unbeholfen an, was er und seine Band – früher waren das mal die Modern Lovers – da so treiben, aber sein Naturburschencharme wiegt etwaige Schwächen zigfach auf. Indie und LoFi wären ohne ihn gar nicht vorstellbar, ich glaube er gehörte zu denen, die in den Sechzigern bei den Velvet Underground Konzerten dabei waren und die dann fast alle eine Band gegründet haben. In diesem Song sticht der Gitarrenklang hervor, die Spielart erinnert mich etwas an Flamenco bzw. spanische Volksmusik.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 192 Stücke ist hier.)

Dear reader, watt meinst’n du?

September 6, 2010

Und jetzt kommen wir mal wieder zu einer der wirklich essentiellen Fragen des Lebens. Es geht um den Songindex, der alle Lieder auflistet, die ich im Rahmen meines diesjährigen Projekts a day a second bis jetzt ausgewählt und besprochen habe.

Wieso ich das frage? Weil es etwas Arbeit machen würde und ich faul bin und ich meine geliebten Leser nicht einfach so vor vollendete Tatsachen stellen will.

2:24 Boards of Canada – Roygbiv (1996)

September 6, 2010

Wo die beiden schottischen Brüder, die sich nach dem für Naturdokumentarfilme bekannten National Film Board of Canada genannt haben, versuchen, die sieben Farben des Regenbogens, nämlich: Red, Orange, Yellow, Green, Blue, Indigo und Violet in elektronische Musik mit analogem Equipment umzusetzen. Ich würde sagen, es ist ihnen gelungen. Es fängt etwas bedrohlich an mit der düsteren Orgel und den harten Keyboards, dazu kommen dann schleppende Maschinenbeats, sphärische Synthieklänge, das Sample einer einsilbigen Kinderstimme (ich höre „lake“) und ein paar elektronische Effekte, die üblichen Ingredienzen eines Boards of Canada Tracks halt. Was zum Wegträumen und genau das werde ich jetzt auch machen. Good night, world.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 191 Stücke ist hier.)

2:25 John Fahey – In Christ There Is No East Or West (1959)

September 5, 2010

Eine schwere Geburt war das heute, das abgedrehte Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Monkey der Beatles hätte diesem Gitarreninstrumental des Vaters des Fingerpicking fast die Show gestohlen. Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich – passend zum heutigen Tag – um ein Kirchenlied, das John Fahey auf seiner ersten Platte Blind Joe Death noch etwas fingerfaul interpretiert. Ich habe eine andere Version von ihm, die etwas länger ist und wo es flüssiger daherkommt. Was fasziniert mich so an diesem Stück? Ich glaube es ist die Kombination aus der simplen und doch tiefen Melodie, die immer wieder repetiert wird und dem erdigen, fast schon rostigen Klang der Gitarre. Man meint zu hören, wie sehr John Fahey mit dem Instrument kämpft, wie er ihm die wohlklingenden Töne abtrotzt.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 190 Stücke ist hier.)

2:27 Miossec – Non non non non (je ne suis pas saoul) (1995)

September 3, 2010

Je vous téléphone encore, ivre mort au matin
Car aujourd’hui, c’est la Saint Valentin
Et je me remémore notre nuit très bien
Comme un crabe déjà mort
Tu t’ouvrais entre mes mains
Ceci est mon voeu, ceci est ma prière
Je te la fais, les deux genoux à terre

1991 starb Gainsbourg, vier Jahre später kam eine Platte eines nicht mehr ganz jungen (er war 31) Bretonen raus, sie hieß Boire und auf dem Cover hatte er eine Fluppe im Maul. Der Mann kam aus Brest und hieß Christophe Miossec, vor der Musik hatte er in den Medien gejobbt. Das erste Lied auf der schwungvollen Scheibe war Non Non Non Non und ich empfand es wie eine frische von der Atlantikküste wehende Brise mit leichtem Salzgeschmack. Natürlich ging es ums Saufen und um den Sex und die Dinge, die einem wichtig sind, wenn man meint, jung zu sein. Nach Miossec kam dann leider keiner mehr. Nein. Nein. Nein.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 188 Stücke ist hier.)

2:28 Sophie Hunger – Walzer für Niemand (2008)

September 3, 2010

Niemand kommt rein und setzt sich hin
Den Fuß auf’n Tisch, Hand unter’s Kinn
Niemand isst hungrig mein Frühstücksmenü
Niemand kommt immer zu früh

Ich bin etwas spät dran mit meinem täglichen Musikstückchen, es ist zum zweiten Mal von der Deutschschweizerin Sophie Hunger. Hier singt sie auf deutsch und es berührt mich fast noch mehr als Round and Round. Wer nur ist dieser Niemand? Ist das ein Lied über Einsamkeit? Eins ist klar, niemand hat mir gestern so eine Gänsehaut gemacht wie Sophie Hunger.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 187 Stücke ist hier.)

2:29 Nick Drake – Day Is Done (1969)

September 1, 2010

When the day is done
Down to earth then sinks the sun
Along with everything that was lost and won

Gestern morgen als ich aus dem U-Bahnschacht am Hausvogteiplatz heraustrat Richtung Gendarmenmarkt sah ich einen Mann, der ein Rad schob. Er war vielleicht sechzig und normal gekleidet. Ich habe ihm ins Gesicht gesehen und schon sprach er mich an. Ich dachte erst, er wolle nach dem Weg – z.B. zur Werderschen Kirche – fragen, aber er war kein Tourist. Er bat mich darum, mir eine Frage stellen zu dürfen. Er würde draußen leben – jetzt fiel der Groschen bei mir – und es wäre sehr schwierig und blablabla. Seine Frage hat er mir nie gestellt, ich habe ihn vorher unterbrochen. Ansonsten hätte er mir wahrscheinlich lang und breit seine traurige Lebensgeschichte erzählt. Um das zu verhindern, habe ich ihm ganz schnell einen Euro gegeben. An ihm hat mich seine Professionalität beeindruckt, er achtete sehr gut auf sein Äußeres, seine Fassade war noch völlig ok. Ich weiß nicht, ob es seine Masche war oder ob es eher zufällig war weil ich ihn unterbrochen habe, aber im Grunde hat er mich gar nicht explizit angebettelt. Was bestimmt auch wichtig für Bettler ist, ist zur richtigen Tageszeit aktiv zu sein. Und morgens gegen neun ist garantiert eine gute Zeit, da die Leute noch leicht verschlafen und noch nicht so abgebrüht sind. Mit jedem Schnorrer, der einem im Laufe des Tages über den Weg läuft, wird man immuner, was dessen Probleme angeht. Das Ziel eines Bettlers muss es sein, der Erste zu sein. In diesem Business gilt ganz besonders: „The early bird catches the worm“. Was ich noch vergessen habe zu erwähnen, „mein“ Bettler hatte einen ganz leichten süddeutschen Singsang drauf, der mich so sanft und ernst vorgetragen auch positiv in seinem Sinne beeinflusst hat. Und Nietzsche hat natürlich trotzdem den Nagel auf den Kopf getroffen: „Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich, ihnen zu geben, und ärgert sich, ihnen nicht zu geben.“ „Mein“ Bettler hat sich nämlich selbst abgeschafft. Nach außen hin hat er nicht die Rolle eines Bettlers gespielt, er war noch er selbst und nicht jemand, der seine Selbstachtung das Klo runtergespült hat.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 186 Stücke ist hier.)

Lambchop

September 1, 2010

spielen am 21.11. in Berlin im Admiralspalast im Rahmen des zwanzigjährigen Jubiläums von City Slang Is a Woman, mein Lieblingsalbum von 2002. Ich glaube da gehe/n ich/wir hin. Die CD bzw. Platte wird auch wiederveröffentlicht mit 16(!) Bonustracks (Quelle).

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August 31, 2010

Peter Praschl tummelt sich jetzt im Feuilleton der Welt. Der Artikel aus den letzten zwei Wochen, der am besten zu ihm passte, vielleicht auch weil er über einen Kauz ist, war Warten auf Godard.

Angst essen Hirn auf

August 31, 2010

„Rund 90 Prozent der BILD.de-Leser wollen Sarrazin sogar als Bundeskanzler…“

2:30 Penguin Cafe Orchestra – Telephone and Rubber Band (1981)

August 31, 2010

Das Penguin Cafe Orchestra hat Instrumentalmusik zwischen E und U gemacht, die immer sehr englisch im Sinne von unkonventionell und unkompliziert war. Mein Lieblingsstück von ihnen hätte mit 11 Minuten 46 Sekunden leider den zeitlichen Rahmen dieses Projekts gesprengt, der Titelname ist mindestens so schön wie die sehr einfühlsame Musik:
The Sound of Someone You Love Who’s Going Away and It Doesn’t Matter

Der Tagestrack ist vergleichsweise locker und unernst. Die Melodie besteht aus Telefontönen, dazu werden diverse Streichinstrumente gespielt. Eigentlich recht unspektakulär, aber auf jeden Fall originell und versponnen. Also genau die Art von ein itzekleines bisschen abgefahrener Musik auf die ich stehe.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 185 Stücke ist hier.)

2:31 Robert Wyatt – Out of Season (1997)

August 30, 2010

A late sparrow fledgling
Bathing in dust
Beneath the gaping mouth
Of the post box
(Hungry for letters home)

Zu Robert Wyatt gäbe es so einiges zu erzählen. Ende der Sechziger Drummer bei der avantgardistischen Prog- bzw. Jazzrockkapelle Soft Machine. Anfang der Siebziger fällt er sturzbesoffen bei einer Party aus dem Fenster im 4. Stock und ist anschließend querschnittsgelähmt. Sein Markenzeichen ist seine hohe, absolut unverwechselbare Stimme. Er ist bis heute, glaube ich, überzeugter Kommunist. Ich persönlich finde ja, dass niemand dem lieben Gott, wie man ihn sich so mit Bart und weißen Haaren vorstellt, ähnlicher ist als Robert Wyatt. Erstaunlicherweise habe ich noch nichts von ihm ausgewählt obwohl ich jede Menge Tonträger von ihm habe; eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich irgendwann Shipbuilding, das den Falklandkrieg thematisiert, aussuchen würde – meinetwegen auch in der Fassung vom Knödelbarden Elvis Costello – aber erschreckenderweise habe ich irgendwie die mp3 verlegt bzw. wohl eher nie gerippt. Shleep, die CD, auf der der Tagessong drauf ist, war mein 1997er Lieblingsalbum. Sie ist gekennzeichnet von einer außerordentlich hohen Konsistenz.

Out of Season ist eine impressionistische Angelegenheit. Posaune und Trompete vermählen sich gar wundersam zu einem haikuartigen Text über einen Spatzen, der spät flügge geworden, im Staub badet und neben dem Briefkasten mit dem riesigen, hungrigen Schlitzmaul auf Post wartet. Wenn das mal kein Selbstporträt des Künstlers als Vögelein ist. Hoffen wir, dass Robert all die Briefe bekommen hat, die er erwartet hat. Er ist dieses Jahr übrigens 65 geworden.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 184 Stücke ist hier.)

Happy Burzeltag!

August 30, 2010


Guck mal, die fabulösen vier spielen nur für Dich!

2:32 Erik Satie – Gymnopédie No. 3 (1888, Branford Marsalis 1986)

August 29, 2010

In dieser Reihe destilliere ich die besten Stücke aus meiner MP3-Sammlung von knapp 30.000 Titeln. Dass es schon wieder ein Instrumental geworden ist – There She Goes von den La’s war das beste Lied – passt, denn Gesang würde von der reinen Musik ja im Grunde nur ablenken, sie quasi verdünnen. Und in dieser Logik ist noch ein dritter Punkt im Zusammenhang mit der Interpretation der heute ausgewählten Komposition zu nennen. Normalerweise werden die Gymnopédies von Satie auf dem Klavier gespielt und sie haben diesen leichten, schwebenden Klang, bei dem ich mir immer Ballerinas vorstelle, die in der Luft tanzen. Aber hier ist es anders. Der Jazzer Branford Marsalis bläst die fragile, tastende Tonfolge der Melodie auf seinem Sopransaxophon. Und das führt nun zur völligen Ablösung der Musik vom Körperlichen, sie wird rein zerebral und zwar dadurch, dass nun nicht mehr diskrete Töne angeschlagen werden, die man mit Schrittfolgen assoziieren könnte, sondern stattdessen die Melodie stetig nach oben fließt. Was ich euch heute vorstelle ist somit gewissermaßen das Destillat eines Destillats eines Destillats.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 183 Stücke ist hier.)

2:33 The Durutti Column – Messidor (1981)

August 28, 2010

Der Messidor ist der zehnte Monat im Republikanischen Kalender der Französischen Revolution. In ihn fällt der 14. Juli. Martialisch oder revolutionär kann man The Durutti Column’s Musik nicht gerade nennen, Vini Reilly, der sich hinter dem Bandnamen verbirgt, der fast so geschrieben wird wie eine anarchistische Miliz im Spanischen Bürgerkrieg, ist eher bekannt für leicht sphärische, etwas ins Ambient abdriftende Gitarreninstrumentals. Er hat seinen eigenen Pizzicatostil entwickelt und damit auch einen fließenden, perlenden signature sound, wo die einzelnen Töne vom Himmel herunterzutropfen scheinen. 1981 veröffentlichte er seine zweite Platte LC, auf der sich auch dieses Stück befindet, in dem die offene, freudige Melodie den gemächlicheren Rhythmus überholt und scheinbar vor ihm wegläuft.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 182 Songs ist hier.)

2:34 The Chills – This Is the Way (1986)

August 27, 2010

Fill your head with alcohol,
comic books and drugs.

Die Chills aus Neuseeland haben mir damals als ich sie Mitte der Achtziger das erste Mal auf Bayern 2 gehört habe wirklich the chills gegeben, also eine Gänsehaut. Vor allem dieses musikalisch und textmäßig sehr einfache Lied hatte es mir angetan, da es so eine überirdische Leichtigkeit ausstrahlt und die Melodie gleichzeitig einen ungeheuren Ohrwurmcharakter hat und doch so völlig chartuntauglich ist. Bei der Melodie muss ich an muscat denken, den Aperitivwein aus der Gegend von Perpignan. Er hat eine so starke Traubensüße, dass es im Kopf wehtut, wenn man ihn zu schnell trinkt. Das ist aber ein positiver Schmerz, so ähnlich wie wenn man vor Freude weint. Die Chills waren ein klassischer Geheimtipp von den Antipoden, wie fast alle Kiwibands waren sie auf dem Label Flying Nun zu finden. Erfolg haben sie außer in den Kreisen von aficionados von independent music kaum gehabt. Ihr Mastermind Martin Phillips hat dann vor ein paar Jahren noch eine Soloplatte rausgebracht und seitdem habe ich nichts mehr gehört von ihnen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 181 Songs ist hier.)

2:35 Joy Division – Leaders of Men (1977)

August 26, 2010

When your time’s on the door
And it drips to the floor
And you feel you can touch
All the noise is too much
And the seeds that are sown
Are no longer your own

Endlich mal wieder was von Joy Division, ihr habt bestimmt genauso ungeduldig darauf gewartet wie ich selber. Dies ist ein sehr früher Song von ihnen und er befindet sich auf ihrer ersten Veröffentlichung An Ideal for Living, das ist die EP mit dem von Bernard Sumner gezeichneten, trommelnden Hitlerjungen auf dem Cover. Ich glaube nicht, dass man da sehr viel hineininterpretieren sollte, zu Beginn des Punk wurde gerne provoziert und was eignete sich dazu besser als Nazifiguren. Das Stück ist insofern bemerkenswert als Ian Curtis hier noch mit seiner natürlichen, weichen Stimme singt und sie nicht durch Verlangsamung der Bandgeschwindigkeit künstlich tiefer und dunkler gemacht wird bzw. er sie entsprechend verstellt. Somit ist sein Gesang weit weniger gravitätisch und apokalyptisch als sonst, ich persönlich mag ihn so besser. Ansonsten zeigen hier auch die anderen Bandmitglieder schon, was sie drauf haben. Peter Hook spielt mit seinem Bass am Anfang das Motiv, hält sich danach aber eher zurück, sein Bass brodelt im Hintergrund an der Oberfläche so dahin, man hört fette, riesige Blasen aufsteigen. Stephen Morris trommelt bereits unglaublich virtuos mehrere Rhythmen zugleich. Bernard Sumner gelingt es, seiner Gitarre verzerrte Akkorde zu entlocken, die für den passenden Verfremdungseffekt sorgen. Das ganze Stück hat bereits den typischen Joy Division Powersound; irgendwie kann ich mir keine Band vorstellen, die von ihnen bei einem gemeinsamen Konzert nicht an die Wand gespielt worden wäre. Sie waren einfach in einer anderen Liga als die anderen. Natürlich ist das keine Musik für jeden Abend, insbesondere die Ernsthaftigkeit und völlige Humorlosigkeit gehen nach einer Weile auf die Nerven, aber dennoch bin ich immer noch hin und weg, wenn ich zufällig einen ihrer exzellenten Songs höre, sie hauen mich jedes Mal um.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 180 Songs ist hier.)

Seltsam,

August 25, 2010

ich weiß immer noch nicht welchen Tag meines Lebens ich mehr verfluchen soll, den an dem ich meine erste Zigarette auf Lunge geraucht habe (vor ca. 22 Jahren) oder den, an dem ich die letzte Zichte geschmokt habe, Ende Juli 2008 kurz vor Léon auf dem Jakobsweg. Meine Kehle brennt heute abend mal wieder lichterloh. Nikotin ist die stärkste Droge, die ich kenne, ich bleibe dabei.

2:36 Kammerflimmer Kollektief – Alles Glühen (2005)

August 25, 2010

Wie die Tage draußen so werden auch die Musikstücke in diesem speziellen Teil des Internetzes immer kürzer. Auch die Allmählichkeit der Verkürzung, die man bei kurzem Zeithorizont kaum bemerken kann, läuft in der Natur und hier ziemlich parallel. Heute kann man unter dieser Adresse mal wieder gesangloser Musik lauschen. Das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe schafft es, Elektronik, Ambient, Jazz und Improvisation so zu vermischen, dass am Ende eine Musik herauskommt, die einen genauso an einen warmen Sommerregen wie an ein knisterndes Kaminfeuer erinnern kann. Die Sechs sind Meister der Eklektik, sie verbinden das Beste aus den verschiedenen Musikwelten zu etwas ganz Neuem, etwas ihnen völlig Eigenem.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 179 Songs ist hier.)

2:37 Serge Gainsbourg – Aéroplanes (1976)

August 24, 2010

Elle est marrante c’est une fan
Du cap’tain Cook
Elle a sur lui tout un press-book
Aussi sur Tarzan dont elle est folle comme Jane
Je la vois assez l’enlacer et lui de liane en liane
Pousser son cri en volapük
Du coté de Pamanbuk
Et moi Chita le singe qui leur cavale au cul dans la savane

Ein weiteres Liedchen des großen Serge, endlich eins von meiner Lieblingsplatte, dem Konzeptalbum L’Homme à Tête de Chou, wo es um einen Vierzigjährigen geht, der sich in eine Shampouineuse(!) verliebt. Ich habe es das erste Mal in Deinem Studio in Bel Air in Luxembourg gehört, mon trésor. Weißt Du noch, es war ganz am Anfang vor vielen, vielen Jahren, sozusagen in mythischer Vorzeit. Allein für dieses Album lohnt es sich, glaube ich, die französische Sprache zu erlernen, wobei man schon ziemlich tief in die verschiedenen Bedeutungen, unter anderem auch der sexuellen Art, der Worte eindringen muss. Dieses Lied ist in der Mitte der Platte anzutreffen, die beiden haben sich im Frisörsalon bereits kennengelernt, Marilou, so heißt die Auserwählte, hat Reggae getanzt und seine Phantasie angeregt, aber die beiden haben ihre Bekanntschaft noch nicht im Schlafgemach intensiviert. Hier faltet Marilou ganz unverfänglich Papierflieger aus Reiseprospekten und er malt sie sich als Jane aus (er war gerade mit einer zusammen) und sich selbst als Cheeta. Was für seine Bescheidenheit und seinen Realitätssinn spricht, King Kong wäre ja theoretisch auch eine Option gewesen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 178 Songs ist hier.)

2:38 Bill Wells & Maher Shalal Hash Baz – The Dust of Months (2006)

August 23, 2010

Dieses Instrumentalstück gehört in die Kategorie musikalischer Archetyp. Beim ersten Hören ist man sich sicher, dass man die Melodie kennt. Sie ist universal, sie gehört uns allen. Natürlich mag ich das Zaghafte und das sehnsüchtig Schmachtende an ihr. Sentimentalität wird sowieso total unter- (nicht über-, ätsch!) -schätzt. Das Orchester von Maher Shalal Hash Baz verspielt sich auch hier wieder wunderschön und gerade diese menschlich-allzumenschliche Komponente macht seinen ganz speziellen Charme aus. Man hört diese Amateure musikalisch dilettieren und man kann nicht anders als ihre tastenden, leicht schrägen Töne lieben. Perfektion wird überschätzt, so stimmt’s.

Aufmerksam geworden auf die Band bin ich übrigens über den Eintrag hier, der auch noch genau die CD Osaka Bridge bespricht, auf der der Tagestrack drauf ist.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 177 Songs ist hier.)

2:39 The Velvet Underground & Nico – Femme Fatale (1967)

August 22, 2010

See the way she walks
Hear the way she talks
You’re put down in her book
You’re number 37, have a look
She’s going to smile to make you frown, what a clown
Little boy, she’s from the street
Before you start, you’re already beat

Vor um die zwanzig Jahren habe ich mir eingeredet, dass dieses scheinbar so harmlos klingende Liedchen genau die Frauen beschreibt, in die ich mich immer wieder verliebe. Heute kann ich das nicht mehr ganz nachvollziehen. Als ich vor über sieben Jahren schon mal über das Album geschrieben habe, wo das Lied drauf ist, selbst da war mir schon klar, dass es sich wohl eher um einen Mythos handelt und dass es wahrscheinlich so ist, dass femmes fatales eher für sich selbst – als für die Männer, denen sie den Kopf verdrehen – tödlich sind (siehe z. B. Nico, die hier auch den Sprechgesang bestreitet, wobei mich die Livefassung mit Lou Reed damals noch mehr mesmerisiert hat). Mit anderen Worten dieser Song ist eine Erinnerung an die Wirren der Jugend, meine ehemals intime Beziehung zu ihm ist jetzt einer abgeklärteren, eher freundschaftlichen Haltung gewichen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 176 Songs ist hier.)

2:40 Serge Gainsbourg – Ford Mustang (1968)

August 21, 2010

On s’fait des langues
En Ford Mustang
Et bang!
On embrasse
Les platanes
„Mus“ à gauche
„Tang“ à droite
Et à gauche, à droite

Außerdem waren in der engeren Auswahl zwei NDW-Lieder, das supermonotone Anna von Trio und Andreas Doraus – auch wegen des Kinderchors – leicht infantiles Fred vom Jupiter. Aber Serge und Jane waren einfach cooler. Wie sie hier von einem Zungenkuss in einem Ford Mustang, mit dem sie eine Allee runterfahren, singen, der dazu führt, dass der Wagen sich um die Platanen wickelt und in der Mitte auseinanderbricht, das hat einfach Klasse. Andere Marken, die im Lied genannt werden: Kool, Coca-Cola, Browning, ein Zippo-Feuerzeug, ein Kleid von Paco Rabanne und Aspirin. Alles Sachen, die im Auto nach dem Unfall gefunden wurden, außerdem ein Scheibenwischer, flüssiges Make-Up, ein Blitzlicht, ein Schallplattenwechsler, ein Band von Edgar Allan Poe, ein Superman-Comicheft, ein Foto von Marilyn Monroe.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 175 Songs ist hier.)

2:42 Townes van Zandt – Waiting Around to Die (1969)

August 19, 2010

Now I’m out of prison, I got me a friend at last
He don’t drink or steal or cheat or lie
His name is Codeine, he’s the nicest thing I’ve seen
Together we’re gonna wait around and die

Das Lied hat Townes van Zandt mit Anfang 20 geschrieben und es nimmt im Grunde sein Leben vorweg. Früh als manisch-depressiv diagnostiziert, hat er sich langsam aber sicher zu Tode gesoffen und gespritzt. Sein 52 jähriges Leben hätte mit dem Songtitel überschrieben werden können, er hat es nicht auf die Reihe gekriegt. Und hat trotzdem phantastisch trockene und luzide Songs geschrieben, die ihm großen Respekt bei Musikern und Kritikern eingebracht haben. Ich bin kein Fan, dafür kenne ich seine Musik auch zu wenig, aber dieses Lied ist so abgründig und wird von ihm mit gerade mal 24 so nüchtern-klar und schicksalsergeben vorgetragen, dass ich einfach hinhören musste, was er da so sang und dann war es auch schon um mich geschehen und er hatte mich postmortal am Haken.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 173 Songs ist hier.)

2:43 Stereo Total – Orange Mécanique (2005)

August 18, 2010

Next to me were some gloopy lewdies
I asked them for
synthemescal
vellocetanol
or euphorisaker

Oh! This would sharpen me up
And make me ready for a bit of the old
Ultra violence

Endlich eine Berliner Band, es wurde aber auch so langsam Zeit. Die einleitenden Worte – z.T. aus Burgess Buch, nehme ich an – spricht zwar eine Französin mit starkem accent auf englisch, aber das passt ja eigentlich janz jut (zu Weltstadt und so). Die Melodie hat so eine neoklassisch-grandiose Anmutung à la Also sprach Zarathustra, nur besser weil nicht ganz so überkandidelt. Dann setzen sphärische Klänge ein, Theremin ick hör dir trapsen, und das Stück entführt uns in einen Klub außerhalb der Milchstraße, ich rat mal, Andromedanebel vielleicht? Esoterisch angehauchte Rentnerinnen sehe ich dazu jetzt eigentlich nicht tanzen, eher Elfen und andere alterslose Fabelwesen. Jedenfalls eine sehr schöne auditive Überraschung heute morgen in der U2 kurz nachdem sie in den Untergrund zwischen Mendelssohn-Bartholdy-Park und Potsdamer Platz eingetaucht ist. Den hammerharten, auf den Zuschauer keine Rücksicht nehmenden Film muss ich auch mal wieder angucken.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 172 Songs ist hier.)

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August 17, 2010

verkatert aufwachen gegen rechts

2:44 Captain Beefheart & His Magic Band – Abba Zaba (1967)

August 17, 2010

Babbette baboon abba zaba zoom

Hier geht es um einen kalifornischen Schokoriegel mit Erdnussbutter in der Mitte. Don Van Vliet läuft bereits in diesem frühen Stück von dem Debüt Safe As Milk zu poetisch-dadaistischer Hochform auf. Ich hätte jetzt Stein und Bein schwören können, dass ich den Song das erste Mal am Monopteros in Gesellschaft einiger bizarrer Gestalten im Sommer 1985 auf Bongo Fury, der Livekollaboration mit Frank Zappa auf einem ollen ITT-Cassettenrecorder gehört habe, aber wie ich gerade feststellen muss, scheint er auf der Platte gar nicht drauf zu sein. Mein Musikgedächtnis ist wohl auch nicht mehr das, was es mal war. Egal, auf jeden Fall ein leicht abgedrehtes Stück Westküstenrock, ganz nach meinem Gusto.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 171 Songs ist hier.)

Spanischer Wein

August 16, 2010

Ich muss unbedingt noch was über Cariñena schreiben, einen Rotwein aus der Gegend von Saragossa – hi Anton! – der alles was ich bis jetzt an Rebensaft aus spanischen Landen genossen habe, locker in den Schatten stellt. Bei Rioja habe ich ja immer das Gefühl, dass die Spanier versuchen, einen Bordeaux zu machen, ihn aber entweder zu lang im zu feuchten Keller lassen oder was anderes falsch machen. Jedenfalls ist Rioja für mich ein Synonym für Dezeption. Der Cariñena hingegen hat alles, was ein guter Rotwein braucht, eine gute, nicht zu dunkle Farbe, viel Körper, etwas Tannin, aber nicht zu viel, eine gewisse smoothness, bei Pomerol heißt das gras, auf deutsch sagt man Samtigkeit. Ich habe übrigens zwei Flaschen davon zu einem Vortrag gekriegt, den ich kurz vor dem Sommerurlaub gehalten habe. Eine habe ich noch. Nochmal herzlichen Dank für die Entdeckung an den Spender.

2:45 Fehlfarben – Gottseidank nicht in England (1980)

August 16, 2010

Und wenn die Wirklichkeit dich überholt,
hast du keine Freunde, nicht mal Alkohol,
du stehst in der Fremde, deine Welt stürzt ein,
das ist das Ende, du bleibst allein.

So schwer ist mir die Wahl noch nie gefallen, die Anzahl der exquisiten Musikstücke mit 2 3/4 Minuten Länge auf meinem iPod ist Legion. Aurora Borealis von den Meat Puppets z.B., eines der luzidesten Instrumentals überhaupt. Oder das erfrischende Gilles von dem Bretonen Miossec, oder das intime Spät von Tom Liwa. Oder Humor Me, einer der melodischsten Songs von Pere Ubu. Oder Southwood Plantation Road von der eine Beziehungskatastrophe ausmalenden Tallahassee der Mountain Goats. Oder wie Hille Perl was von Marais auf ihrer Kniegeige spielt. Oder Unhappy Birthday von wem wohl? Oder. Oder. Oder.

Ich überlege gerade, was ich 1980 so gemacht habe, wenn ich mich recht erinnere, ging das Jahr los mit unserem (David aus England plus Freund? plus mein Vater plus ich) 50 Kilometer-Langlaufmarathon von Kaprun nach Mittersill und zurück bei -15 Grad und saukaltem Gegenwind. Windchilltemperatur garantiert -25. Die erste Stunde waren meine Hände eiskalt gefroren obwohl sie in dicken Lederfäustlingen versteckt waren. Aber irgendwann hat sich die Körperbewegungswärme gegen die Außenkälte dann durchgesetzt, in der Gruppe wollte und konnte ich mich nicht blamieren, und meine Hände sind aufgetaut. Im Sommer war ich dann, glaube ich wieder mit David und zweien seiner Freunde im Schwarzwald und wir sind von einer Jugendherberge zur anderen gezogen. Freiburg, Titisee, Schluchsee, Ulm, Memmingen etc. Auf der ersten Etappe über den Feldberg hat es den ganzen Tag geregnet und meine Jeans war so nass, dass sie bestimmt 2-3 Kilo gewogen hat und erst nach Ewigkeiten wieder getrocknet ist. Das war die Zeit als es in Danzig mit Walesa und der Solidarnosc losging. Lustigerweise hatten wir auf unserer diesjährigen Jakobswegteilstreckenwanderung auch einen Tag mit Dauerregen. Von Varaire nach Cahors. Mit 35 km eine der längsten Etappen. Wir sind einfach durchgegangen durch den Wald mit zwei Pausen in Scheunen, wo wir uns unterstellen konnten, von 8 Uhr bis 14 Uhr. Ansonsten hätten wir uns erkältet. Nach 25 km war Schluss mit dem Regen, die Funktionsklamotten sind ratzfatz getrocknet und wir sind die letzten 2 Stunden in der Sonne nach Cahors. Die Aussicht von oben hinunter auf den Ort, der vom Lot wie von einem U umflossen wird, allein war es wert. Der Abstieg war allerdings Gift für meine Knie. Wieso schreib ich das alles? Weil ich auch mal was erzählen will.

Jetzt habe ich nichts über das Lied geschrieben. Das macht glaube ich nichts, da es für sich spricht. Einfach laut aufdrehen und die Zeitmaschine transportiert euch dreißig Jahre zurück. Und mithilfe der Coda gelingt dann wieder der Sprung zurück ins heute. Es klappt, glaubts mir.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 170 Songs ist hier.)

2:47 The Dandy Warhols – Retarded (2000)

August 14, 2010

Well I really might seem retarded
But I really want to see you again

Samstag abend, es ist die Zeit für sonnige, leichte Musik. Dieses Liedchen der Dandy Warhols aus Portland an der Pazifikküste passt da sehr gut; die hymnische Melodie macht süchtig nach mehr, die Lyrics sind eher sinnbefreit, mehr braucht kein Mensch heute abend. Na dann feiert mal schön!

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 168 Songs ist hier.)

2:48 Blumfeld – Superstarfighter (1994)

August 13, 2010

Als der Strom weg war
kamst Du zu mir
und Du sagtest: „Los komm, erklär mir
in den Liedern, die Du spielst
ist immer weniger von Dir selber drin.“
„Stimmt genau,“ sag ich
„die sind so wie ich selber bin.“

Das Lied habe ich das erste Mal in Bernard Lenoir’s abendlicher Independent Musik-Sendung auf France Inter gehört. Und es war damals seit langer, langer Zeit mal wieder eine deutsche Band, die mich beeindruckt hatte. Jochen Distelmeyer’s seltsam verschwurbelte, philosophisch angehauchte Texte gekoppelt mit einem gleichzeitig spröden und ohrwurmigen Gitarrensound hatten es mir sofort angetan. L’Etat et Moi blieb dann die einzige CD, die ich mir von Blumfeld angeschafft habe, zum einen habe ich sie aus den Ohren verloren, zum andern hatte ich bei jedem der wenigen, neuen Lieder, die ich im Laufe der Zeit von ihnen gehört habe das Gefühl, das ihre Musik immer beliebiger und softer wurde.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 167 Songs ist hier.)

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August 12, 2010

Sein Projekt war es, das Internet so vollzuschreiben, dass es platzte. Eines donnerstags abends im August fing er damit an. Nach drei Sätzen musste er allerdings erst einmal eine kleine Pause machen; Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut, dachte er so bei sich.

2:49 The Smiths – Girl Afraid (1984)

August 12, 2010

Girl afraid
where do his intentions lay?
Or does he even have any?

She says:
„He never really looks at me
I give him every opportunity
in the room downstairs
he sat and stared
in the room downstairs
he sat and stared
I’ll never make that mistake again!“

Boy afraid
prudence never pays
and everything she wants costs money

„But she doesn’t even LIKE me!
and I know because she said so
in the room downstairs
she sat and stared
in the room downstairs
she sat and stared
I’ll never make that mistake again!“

Mein Lieblingslied von meiner Lieblingsgruppe. Eine B-Seite. Tja, manchmal kommt es mir so vor, als lebte ich in einem B-Universum. Und ich lebe gerne da. Der Plot ist simpel. Er ist in sie verschossen. Sie in ihn. Beide sitzen in ihren Wohnungen und trauen sich nicht. End of story. Meine Interpretation. Morrissey’s Absichten waren eventuell andere. Ich mag an dem Song die Schnelligkeit (in der Erinnerung ist er viel schneller), den Punch, das Hingerotzte, das Punkige. Nur die frühen Smiths hatten diese Art von schnoddriger Dringlichkeit. Hier war Morrissey noch er selbst und kein Popstar. Zumindest noch nicht das, was er für einen Popstar hielt.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 166 Songs ist hier.)

Die Grenzen meiner Welt

August 10, 2010

In Anlehnung an Mek Wito eine geraffte Übersicht meiner ganz persönlichen vier geographischen Extrempunkte.

Norden:
Bollnäs, Schweden (61° 21′ N, 16° 24′ O)

Westen:
Ocean Beach, San Francisco, CA, USA (37° 45′ 34″ N, 122° 30′ 39″ W)

Osten:
Nevşehir, Kappadokien, Türkei (38° 37′ 35″ N, 34° 42′ 50″ O)

Süden:
La Restinga, El Hierro, Kanaren, Spanien (27° 38′ 27″ N, 17° 58′ 48″ W)

2:51 Yo La Tengo – Stockholm Syndrome (1997)

August 10, 2010

No, don’t warn me
I know it’s wrong, but I swear it won’t take long
And I know, you know,
It makes me sigh; I do believe in love

Hier geht es wohl um das nach einer mehrtägigen Geiselnahme in einer Bank in Stockholm 1973 benannte psychologische Phänomen, dass Geiseln zu ihren Geiselnehmern häufig ein Vertrauensverhältnis aufbauen und mit ihnen sympathisieren. Im Unterschied zu den meisten Yo La Tengo-Songs singen hier weder Georgia Hubley noch Ira Kaplan Lead. Es ist der Dritte im Bunde, James McNew, der Bassist mit der Bärengestalt, der mit seiner sanften Fistelstimme die Vocals beisteuert. Das Lied verläuft in sehr ruhigen Fahrwassern, hat aber eine Melodie, der man nur schwer widerstehen kann. Man ist sozusagen ihr Gefangener und man ist es liebend gerne. Stockholm-Syndrom halt.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 164 Songs ist hier.)

Ein Lothar Matthäus

August 10, 2010
  • läßt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.
  • gehört in den Sportteil und nicht auf die Klatschseiten.
  • spricht kein Französisch.
  • auf neuem Kurs.
  • denkt um.
  • ist auch eher ein Kandidat für den Chef-Posten.
  • spricht nicht über Lothar Matthäus.
  • braucht keine dritte Person, er kommt sehr gut allein zurecht.
  • lässt sich nicht verarschen!
  • gibt nie auf.

(Quelle)

2:52 Red House Painters – Summer Dress (1995)

August 9, 2010

says a prayer as she’s kissed by ocean mist
takes herself to the sand and dreams

Leider hat es mein Lieblingslied von Mark Kozelek aka den Red House Painters, Katy Song aus chronologischen Gründen – es ist mit über 8 Minuten leider einige Minuten zu lang – nicht in dieses Projekt geschafft. Dafür aber dann dieses Kleinod, das nicht besonders typisch für Kozelek ist, da es dem Label Sadcore, das seiner Musik ansonsten anhaftet, nicht wirklich entspricht. Allein schon die Instrumentierung ist mit dem zusätzlichen Einsatz von Cello und Streichern wesentlich opulenter als der üblicherweise auf die einsame Akustikgitarre beschränkte typische RHP-Song. Das klaustrophobische, depressive Element ist hier einer fast schon freudigen Gelassenheit gewichen. Wie kann es auch anders sein, wo es doch um ein Sommerkleid geht, das die Schönheit derjenigen, die es trägt, noch hervorhebt. Langsam ist allerdings auch dieses Stück, dem anderen häufig mit den RHP in Verbindung gebrachten Genre Slowcore kann man es also weiterhin zurechnen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 163 Songs ist hier.)

2:53 Lloyd Cole – How Wrong Can You Be? (rough mix 2005)

August 8, 2010

Von dieser instrumentalen Rohversion eines relativ neuen Titels von Lloyd Cole habe ich schon mal in meinem Vorgängerblog close your eyes geschwärmt und habe dem eigentlich nichts hinzuzufügen:

no expectations
die schönsten momente im leben sind eigentlich immer die, die man nicht erwartet hat, die ohne eigenes zutun über einen gekommen sind. für musik gilt das genauso. vielleicht sogar noch mehr. völlig nichtsahnend habe ich mir vorhin dieses instrumental angehört (link credit to the pinefox). und ich hatte plötzlich so ein kostbares gefühl der durchlässigkeit, der dünnhäutigkeit, der überempfindlichkeit, der fragilität. wie soll ich es beschreiben? meine ganze konzentration war nur noch auf die musik gerichtet, ich wollte sie mit den ohren und dem hirn aufsaugen, nichts verschütten, den genuss bloß nicht durch eine andere gleichzeitige aktivität verwässern. nur noch hinhören und hineinkriechen in das lied. natürlich ist die melodie melancholisch und doch ist das stück gleichzeitig sehr gelassen, es hat etwas souveränes, derjenige, der es komponiert hat, muss lebenserfahrung haben. es ist von lloyd cole, den ich etwas aus den augen verloren habe, von seinem letzten album antidepressant. es heißt how wrong can you be? …

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 162 Songs ist hier.)

2:54 The Beatles – Julia (1968)

August 8, 2010

Half of what I say is meaningless
But I say it just to reach you, Julia
Julia, Julia, oceanchild, calls me
So I sing a song of love, Julia
Julia, seashell eyes, windy smile, calls me
So I sing a song of love, Julia
Her hair of floating sky is shimmering
Glimmering in the sun

Diese Liebesweise John Lennon’s ist gleichzeitig an seine früh verstorbene Mutter Julia wie auch an Yoko Ono, deren Vorname auf japanisch Meereskind bedeutet, gerichtet. Ich habe sie erst sehr spät Ende der Achtziger zum ersten Mal gehört und seitdem ist sie mein Lieblingslied der Beatles, die hier außer Lennon allerdings gar nicht mitspielen. Die sehr privat-persönliche Stimmung kommt auch darin zum Ausdruck, dass man als Zuhörer das Gefühl hat, dass John Lennon einem die intimen Worte direkt in die Ohrmuscheln flüstert. Dazu spielt er im gerade von Donovan in Rishikesh gelernten Fingerpicking-Stil akustische Gitarre. Die Melodie ist sehr einfach gehalten und hat etwas von einem besänftigenden Wiegenlied. Sie erinnert mich entfernt an Joni Mitchell’s Blue, das allerdings erst etwas später geschrieben wurde.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 161 Songs ist hier.)

2:55 The Feelies – Original Love (1980)

August 6, 2010

You don’t know what you’re after
You never seem to notice
The distance between us

Das ist jetzt schon das dritte Lied von den Feelies, aber erst das erste vom Debütalbum Crazy Rhythms. Sie sind vielleicht die Band, die meinem Faible für quirlig und virtuos vorgetragene Gitarrenmusik am ehesten entgegenkommt. Wie in so vielen ihrer Stücke ist auch hier wieder eine Leichtigkeit und Unschuldigkeit gekoppelt mit einer hohen Melodiosität und einer sanften Melancholie zu spüren. Die starke rhythmische Komponente sorgt für einen nahezu unwiderstehlichen Sog. An einer Stelle harmonieren die Gitarren so als hätte jemand aus ihren Saiten einen dunkelroten, mit vielen abstrakten Formen versehenen dichten Perserteppich geknüpft.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 160 Songs ist hier.)

2:56 Nirvana – Lake of Fire (1983/93, live)

August 5, 2010

Where do bad folks go when they die?
They don’t go to heaven where the angels fly
They go to the lake of fire and fry

Ein weiterer Song von Unplugged, Nirvana’s akustischem Spätwerk, das gleichzeitig ihr Meisterwerk war und kein halbes Jahr vor Cobain’s Kopfschuss aufgenommen und ein halbes Jahr danach veröffentlicht wurde. Eigentlich hat dieses Lied so gut wie nichts mit Nirvana zu tun, da es zum einen von den Meat Puppets stammt, einer psychedelischen Gitarrenband aus Phoenix, Arizona (ihr Stil wird häufig als cow punk bezeichnet) und zum andern die beiden Kirkwood-Brüder (die genialen Gitarristen der Meat Puppets) hier mit Cobain spielen, der nur singt. Wobei die intensive und emotionale Art wie er singt deutlich macht, dass ihm dieses Lied ganz besonders nah am Herzen liegt. Dave Grohl, Nirvana’s Drummer ist auch mit von der Partie und trommelt sehr einfühlsam und zurückhaltend, aber die Melodie wird einzig und allein von den zwei Meat Puppets gespielt. Hier noch das MTV-Livevideo weil es die Gänsehaut-Atmosphäre unwahrscheinlich gut rüberbringt.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 159 Songs ist hier.)

Es geht nichts mehr ohne Gehen

August 4, 2010

Nach 20 Tagen hintereinander mit nahezu 30 Km Fußmarsch pro Tag habe ich seit der Rückkehr am Samstag einen sich täglich verschlimmernden Muskelkater in meinen Beinen bekommen. Aus lauter Verzweiflung bin ich heute daher von meinem Arbeitsplatz in der Nähe des Gendarmenmarkts bis nach Wilmersdorf zu Fuß gelaufen. In nur etwas über einer Stunde. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auch nur etwa 50% schneller. Zumindest ist der Muskelkater jetzt nicht mehr ganz so schlimm. Überraschend auf dem Weg war wie leer das Zentrum von Berlin doch im Vergleich zu Paris z.B. ist. Da waren ein paar Touristen am KZ-Gedenkmal, ein paar mehr am Potsdamer Platz, aber ansonsten waren da zwischen 6 und 7 abends nur ein paar versprengte Figuren.

2:58 Roxy Music – Virginia Plain (1972)

August 3, 2010

Baby Jane’s in Acapulco, we are flyin‘ down to Rio
Throw me a line I’m sinking fast
Clutching at straws can’t make it

Die erste Single von Roxy Music, die kurz vor den olympischen Sommerspielen in München im August 1972 rausgekommen ist und bis auf Nummer 4 in den britischen Charts kam. Lang, lang ist’s her, aber Falten hat dieses Stück in den 38 Jahren seitdem nicht gekriegt. Es ist so spritzig und stylish wie eh und je. Phil Manzanera’s kurzes Gitarrensolo ist angeblich völlig improvisiert. Brian Eno bearbeitet den Synthesizer und sorgt für die elektronischen Effekte, Bryan Ferry spielt die vibrierende Pianetlinie, Andrew Mackay die Oboe und das Saxophon. Der Name des Titels wird erst ganz am Ende genannt, es handelt sich natürlich um Tabak. Bryan Ferry hatte 1964 in seiner Zeit als Kunststudent ein Bild einer riesigen Zigarettenpackung mit dieser jungen Frau auf dem Cover gemalt, die inmitten einer Ebene steht. Ich glaube, ich kauf mir gleich auch ne Packung Van Nelle mit Blättchen, damit ich das Drehen nicht völlig verlerne. Der wilde Geruch von Tabak fehlt mir fast genauso sehr wie das teuflische Nikotin.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 157 Songs ist hier.)

2:59 The American Analog Set – Choir Vandals (2001, live)

August 2, 2010

Selten hat ein Titel so wenig auf die Musik – und auch die Musiker – gepasst wie hier. Die netten, lieben Boys aus Austin, Texas machen auch hier wieder sehr langsame und ruhige, geradezu zärtliche Musik, die die Ohren des Zuhörers umschmeichelt. Sie haben ihren eigenen hypnotisch-minimalistischen, harmonisch-melodischen Sound gefunden, keiner klingt wie sie. Das ist es, was eine gute Band für mich ausmacht: Die Einzigartigkeit des Klangs. Als kleine Abwechslung dienen die Breaks, die mich an diese Perforation am rechten Autobahnrand erinnern, die das Einschlafen des Fahrers verhindern soll, da der Wagen beim Drüberfahren leicht durchgerüttelt wird (weiß einer wie die heißt?). Mit so einer Pause hört das Stück natürlich dann auch auf. Man erwartet, dass es wieder anhebt, aber die Erwartung wird enttäuscht. Einen zusätzlichen Charme bezieht diese mp3 daraus, dass sie von einer Vinylscheibe mit einem kleinen Kratzer stammt. Das sich repetierende Knacken koinzidiert wunderbar mit dem permanent repetierten Motiv. Lang lebe die unperfekte Analog-LP.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 156 Songs ist hier.)

Ultreïa

August 2, 2010


Bevor es hier mit dem normalen Programm weitergeht, eine der beiden musikalischen Entdeckungen unseres diesjährigen Jakobswegteils. Das bekannteste Pilgerlied, gezupft und gesungen in der Herberge von Carrión de los Condes. Wir haben es in der Abtei von Conques vor dem Abendessen gesungen. Ultreïa heißt so viel wie „immer weiter“ (gehen) und „immer höher“ (im geistig/seelischen Sinne kommen). Das Wort rief uns auch ein illuminierter Rückkehrer aus Santiago zu, der uns auf der alten Eisenbahntrasse kurz vor Éauze morgens entgegenkam. Er sah aus wie ein Indianer mit seinem Federschmuck am Pilgerstab, den seltsam flattrigen, orangenen Kleiderfetzen am Leib, den Sandalen und dem auf den Rücken geschnallten aus Weide geflochtenen Korb mit seinem restlichen Gepäck (hauptsächlich dreckige Wäsche wie mir schien).

Hier noch der Text des Liedes:

Tous les matins nous prenons le chemin,
Tous les matins nous allons plus loin.
Jour après jour, St Jacques nous appelle,
C’est la voix de Compostelle.
Ultreïa ! Ultreïa ! E sus eia Deus adjuva nos !
Chemin de terre et chemin de Foi,
Voie millénaire de l’Europe,
La voie lactée de Charlemagne,
C’est le chemin de tous mes jacquets.
Ultreïa ! Ultreïa ! E sus eia Deus adjuva nos !
Et tout là-bas au bout du continent,
Messire Jacques nous attend,
Depuis toujours son sourire fixe,
Le soleil qui meurt au Finistère.
(Paroles et musique Jean-Claude Benazet)

Fußballballett

Juli 6, 2010


Mal ein Filmchen aus der Zeit meiner Jugend zur Auflockerung. Frisch aus der Machtdose geklaut.

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Juli 6, 2010

Eines der besten Mittel gegen das Altwerden ist das Dösen am Steuer eines fahrenden Autos.

Juan Manuel Fangio

3:00 The Feelies – On the Roof (1986)

Juli 5, 2010

Stop for a while
Talk about it

Mit diesem dichten, aber luftig gewebten Gitarrenklangteppich beginnt mein Lieblingsalbum der Feelies, die man allein schon wegen des Covers der ersten Platte wo sie so herrlich nerdig rüberkommen, liebhaben muss. Natürlich schreib ich das nur weil mich heute jemand wegen der beiden Stifte in der Brusttasche meines kurzärmligen Hemds mit diesem schönen, urdeutschen Adjektiv belegt hat. In der letzten Minute des Songs passiert etwas, das ihn aus meiner 3’00“-Shortlist, in der außerdem noch Lloyd Cole’s glorreiches Why I Love Country Music und das melancholische Une Chanson du Crépuscule von den Montgolfier Brothers drin waren, herausstechen lässt. Ich glaube, es ist ein Taktwechsel, eine Beschleunigung des Rhythmus, eine stärkere Betonung der einzelnen Noten, jedenfalls bekommt das Lied plötzlich diesen Twist ins Metaphysische, auf einmal kann ich meine Lippen nicht mehr verschließen, ich muss die Melodie mitpfeifen bzw. versuchen, sie mitzupfeifen. Sie ist in mir übergelaufen, so dass ich sie nicht mehr für mich behalten kann, sie muss einfach raus. Do you know what I mean? Bis Ende Juli mach ich jetzt erst einmal Pause hier, zum einen habe ich diese Woche noch soviel zu tun, dass ich voraussichtlich keine Zeit zum Bloggen mehr haben werde, zum andern sind wir ab Samstag für drei Wochen auf dem Jakobsweg von Le Puy en Velay im Zentralmassiv nach Aire sur l’Adour in den Landes, wo wir vor drei Jahren losgegangen sind nach Santiago. Das heißt also, dass es in diesem Programm, wenn alles gut geht erst wieder am 2. August weitergeht. Außerdem wollte ich mich eigentlich noch bitterlich beklagen, dass dieses Blog in den letzten fünf Monaten quasi völlig resonanzlos geblieben ist. Aber dann habe ich es mir noch einmal anders überlegt. Im Grunde schreibe ich ja sowieso nur für mich selbst. Ansonsten hätte ich schon vor Jahren mit der Bloggerei aufgehört.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 155 Songs ist hier.)

3:01 Giant Sand – Increment of Love (2008)

Juli 4, 2010

Molly is nobody’s fool
comes from an excellent gene-pool

So entspannt wie wir ins Wochenende gestartet sind, so laid-back floaten wir jetzt auch wieder heraus. Howe Gelb singt auf seine sehr unaufgeregte und abgeklärte Art von Liebe und der Biologie, die damit einhergeht. Es geht ums Chromosom, den Genpool, das Molekül und schreiende Zellen. Der Liebeszuwachs ist dann wohl der neue Organismus, der sich nach der Befruchtung im Bauch der Frau bildet. Wenn es denn so simpel sein sollte, eine klassisch-schöne Idee und damit packe ich mich jetzt auf die wohlverdiente, knallharte Taschenfederkernmatratze. Der Sekt, der Riesling, der spanische Rosé und der blanc de noirs (first time but not last time) gestern abend bei unseren Nachbarn haben wohl doch ihre Spuren in meinem Organismus hinterlassen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 154 Songs ist hier.)

3:02 Leo Kottke – Machine No. 2 (1971)

Juli 3, 2010

Mal wieder ein Instrumental. Leo Kottke, der neben seinem Mentor, dem zu früh verstorbenen John Fahey wahrscheinlich virtuoseste Gitarrist im Fingerpicking-Stil spielt den Zuhörer in diesem viel zu kurzen Stück schwindlig. Fingerpicking, das ist wie der Name schon sagt, das Spiel der Akustikgitarre ohne Plektrum direkt mit den Fingern (Spitzen bzw. Nägeln). Das gibt dann, wenn man so fix spielt wie Kottke einen Sound nahe dran an dem der Slidegitarre, die Saiten klingen so als wären sie beschwipst. Die Unberechenbarkeit seines Gitarrenspiels voller Synkopen, Polyphonien und Arpeggios erinnert mich an einen Haken schlagenden Feldhasen. Sehr schön anzusehen, aber mit fairen Methoden nicht einzufangen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 153 Songs ist hier.)

3:03 Julie Doiron & the Wooden Stars – The Last Time (1999)

Juli 2, 2010

Anyone is pretty when she smiles
Me, I’m only pretty when I’m crying

Über Julie Doiron weiß ich eigentlich gar nichts, aber unter den neunundneunzig Liedern mit einhundertdreiundachtzig Sekunden auf meinem iPod war dieses dasjenige, was die anderen „eclipsed“ hat, ausgeschaltet wäre zu unpoetisch. Zwei Dinge sind es vor allem, die mich hier anziehen. Zum einen die extreme Langsamkeit, diese Konzentration auf wenige Töne, diese geringe Tondichte pro Zeiteinheit. Da wird die Pause, das Atemholen betont; es herrscht eine mediterrane Siesta-Schläfrigkeit in diesem Stück, es strotzt vor einer aus der Ruhe geschöpften Kraft. Dann natürlich die für meine Begriffe sehr erotische Stimme von Julie Doiron, sie zieht die Silben schlafwandlerisch in die Länge, sie hat einen herrlichen drawl, bei dem ich nicht anders kann als an Südstaatenschönheiten denken. Natürlich ist Julie Doiron von ganz woanders, nämlich – o welche Überraschung 😉 – aus New Brunswick, der einzigen zweisprachigen Provinz Kanadas. Da ist es jetzt bestimmt auch etwas frischer als hier im Zug nach Frankfurt. Summa summarum, es handelt sich hier um ein sehr entspanntes Stück Musik mit dem man herrlich ins hitzige Wochenende hineingleiten kann.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 152 Songs ist hier.)

3:04 Joni Mitchell – Banquet (1972)

Juli 1, 2010

Some turn to Jesus
And some turn to heroin
Some turn to rambling round
Looking for a clean sky
And a drinking stream
Some watch the paint peel off
Some watch their kids grow up
Some watch their stocks and bonds

Wer die letzten fünf Monate – ich kann es selbst nicht glauben, wie lange dieses tägliche Programm schon läuft – hier ein bisschen verfolgt hat, dürfte inzwischen mitbekommen haben, wer meine Lieblingssängerin ist. Hier spielt sie mal wieder Klavier statt Gitarre und das Stück ist musikalisch wie auch lyrisch so sehr Joni that it almost hurts. Die eigenwillige Pianoballade strahlt eine große Ernsthaftigkeit und Gravität aus. Der Text beschreibt eine bildliche Essenstafel. Die einen kriegen die Bratensoße, andere den Knorpel, wieder andere das Knochenmark, manche gar nichts. Es wäre für alle was da. Jemand hat die Gefräßigen reingelassen, aber die Bedürftigen wurden ausgesperrt. An diesem Festessenstisch sitze ich nun schon eine ganze Weile und irgendwie schmeckt es mir nicht mehr so richtig. Ich will endlich wieder aufstehen und losgehen. Gut, dass es bald wieder soweit ist.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 151 Songs ist hier.)

P.S. An den schönen Sommer 1972 erinnere ich mich übrigens noch sehr gut. Wir wohnten in dem Haus in der Venloer Straße in Hülsdonk. Ich habe viel Zeit in Vaters Arbeitszimmer mit der Tür zur großen Terrasse verbracht. Da stand der Fernseher und die olympischen Spiele fingen so unbeschwert an, erreichten einen Höhepunkt mit Ulrike Meyfahrt’s überraschendem Hochsprungsieg und wurden dann plötzlich zu einem schrecklichen Alptraum.

3:05 Elliott Smith – Independence Day (1998)

Juli 1, 2010

Future butterfly going to spend the day higher than high
You’ll be beautiful confusion
Oh, once I was you

Bei diesem Lied muss ich an Elliott Smith’s persönlichen Unabhängigkeitstag denken, den 21. Oktober 2003. An dem Tag hat er sich ein Messer in die Brust gerammt, wobei nie 100%ig geklärt wurde, ob es wirklich Selbstmord war. Es gibt eine erschreckende Diskrepanz zwischen seiner sanften Stimme, diesen wundervollen an die besten Stücke der Beatles erinnernden Harmonien, der sehr berührenden Melodie und seinem brutalen Ende. Wahrscheinlich spielten seine Drogenprobleme eine Rolle und um Rausch, Abhängigkeit und Entzug scheint es auch in diesem Song zu gehen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 150 Songs ist hier.)

3:09 Basia Bulat – Snakes and Ladders (2006)

Juni 26, 2010

Don’t you know it’s bad luck
To stay in one place for too long?

Die Stimme von Basia Bulat erinnert mich unglaublich stark an diejenige von Tracy Chapman. Da scheint soviel Trauer, soviel harte Lebenserfahrung drin zu stecken, es ist jedes mal wie ein Stich ins Herz, wenn ich sie singen höre. Das Lied ist eine bittersüße Ballade, in der ein englisches Brettspiel mit dem Leben verglichen wird. Ich glaube, es geht darum, dass man auch mal was riskieren muss, wenn man weiterkommen will. Dass der erste Schritt hin auf einen Menschen, den man gerade kennengelernt hat, auch nicht ungefährlich ist. Man könnte ja zurückgewiesen werden. Und doch lohnt es sich auf jeden Fall, mal das zu tun, was nicht unbedingt von einem erwartet wird. Leben ohne Risiko ist wie Suppe ohne Salz. Vielleicht gesünder, aber wozu?

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 146 Songs ist hier.)

3:12 Swell – Get High (1990)

Juni 24, 2010

Aching to find where the tulips cry
on and on and on again
I still get high

Der erste Song auf dem ersten Album von Swell. Sozusagen der Einstieg in die Band. Es geht los mit rhythmisch schlagenden Glocken, dann kommt die leicht jaulende Gitarre. Und David Freel singt von anthropomorphen Tulpen. Wer würde da nicht an Holland denken und eine weibliche Pflanze, deren Konsum eine gewisse beruhigende und entspannende Wirkung entfalten kann. Das Lied ist immer noch genau so gut wie vor zwanzig Jahren. Ob David Freel heute noch high wird weiß ich nicht, zu gönnen wäre es ihm.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 143 Songs ist hier.)

3:13 Pylon – Crazy (1981)

Juni 23, 2010

‚Cause your head’s shaking
‚Cause your arms are shaking
And your feet are shaking
‚Cause the earth is shaking

Sorry, ich bin etwas spät dran, gestern war ich mit ein paar Kollegen im Freiluftkino im Volkspark Friedrichshain (sehr empfehlenswerte Location), um den neuen Film von Jane Campion über den sehr jung gestorbenen Dichter John Keats und seine große Liebe zu sehen (nicht empfehlenswert, da sehr gekünstelt und langweilig). Im Kino hatten sie den süffigen Augustiner Edelstoff in den alten, dickbauchigen Halbliterflaschen, ich glaube, ich habe da eine halbe Pulle zu viel getrunken. Das gestrige Lied habe ich zuerst als Cover von R.E.M. auf der wunderbaren Sammelsurium-CD Dead Letter Office gehört. Im Original von Pylon, die wie R.E.M. aus Athens, Georgia stammen und diese wohl auch beeinflusst haben, ist es mindestens genauso fetzig. Gut als Partymusik geeignet, stimmt es mich schon auf das Wochenende in Luxemburg ein, wo wir voraussichtlich so einige, alte Bekannte treffen werden.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 142 Songs ist hier.)

3:14 Air Miami – Adidas My Ass (1994)

Juni 21, 2010

I don’t care about your hair
I just care about the shoes you wear

So wahnsinnig viele neue, interessante Gitarrensounds nach dem von Johnny Marr gab es nicht, wenn ich mich recht erinnere. Einer der wenigen, der seine Gitarrensaiten auf eine ganz eigene Art und Weise zum Schwingen brachte, war Mark Robinson aus Washington, D.C., das sich eigentlich eher durch Hardcore einen Namen auf der Rockmusikweltkarte gemacht hat. Für mich hat das sehr flinke Gitarrenspiel hier einen lässigen, luftig-lockeren Klang, dazu fällt mir gerade diese Schokolade mit Luftlöchern ein, die es in den Achtzigern gab, sie war vom Kakaogehalt eher mau, aber sie war innovativ und musste unbedingt probiert werden. Das Beste an ihr waren die leeren Zwischenräume. Dies ist keine besonders gute Aufnahme, vor allem die Vocals am Anfang sind leicht verzerrt, aber es ist nur eine Democassette, auf der CD ein Jahr später war die Qualität besser, allerdings hörte sich das dann nicht mehr ganz so jungfräulich an. Was aber absolut in der Natur der Sache war.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 141 Songs ist hier.)

3:15 Les Négresses Vertes – L’Homme des Marais (1989, live 1996)

Juni 21, 2010

N’aie pas peur sur ta route
Des barques echouées
Suis la senteur salée
Des longs roseaux mouillés

Musik, die in die Beine geht und trotzdem einen melancholischen Unterton hat. Stark vom algerischen Raï aber auch von anderen Volksmusiken aus dem südosteuropäischen Raum beeinflusst, hat das zum Großteil aus Straßenmusikern bestehende Kollektiv Les Négresses Vertes um 1990 eine Art Weltmusik voller Spielfreude mit u.a. Akkordeon, Posaune und Trompete gemacht. Ihr Sänger Helno starb 1993 an einer Überdosis, aber sie machten weiter. Der „Mann aus den Sümpfen“ war eines ihrer bekanntesten Lieder.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 140 Songs ist hier.)

3:16 The Smiths – Some Girls Are Bigger Than Others (1986)

Juni 20, 2010

Send me the pillow …
The one that you dream on …
And I’ll send you mine

Es wird nicht einfacher mit der Liedauswahl. Ich hatte mich schon fast für das jubilierende Fifty-Fifty Clown von den Cocteau Twins entschieden, einen ihrer transzendentalsten, himmlischsten Songs. Doch dann kam wieder ein Lied von The Queen Is Dead von den Smiths und heute konnte ich ihnen nicht widerstehen. Die Lyrics sind mehr oder weniger geschenkt, aber Johnny Marr’s Gitarrenakkorde glitzern und funkeln wie Sternschnuppen in der lauen Sommernacht. Wenn ich mir jetzt sofort etwas wünschen müsste, dann wäre es eine Reunion und ein Konzert unter dem Apfelbaum in unserem Garten zu meinem Geburtstag in ein paar Wochen. File under Alex has a dream…

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 139 Songs ist hier.)

3:17 Sixteen Horsepower – Black Bush (1996)

Juni 19, 2010

Look see his bones are gone
He done left the grave
The grip of death it could not hold him down no
It’s for him that I rave

Eigentlich wäre ja heute bzw. gestern ein weiteres Smiths-Lied drangewesen, nämlich The Boy With the Thorn in His Side, aber am Ende war Amerika mal wieder stärker als England. Einfach unglaublich wie Morrissey die Melodie summt und stöhnt. Aber das flotte Banjospiel auf Black Bush ist noch phantastischer. Man hat das Gefühl, dass das Instrument sich verschluckt, dass die Saiten über sich selber stolpern. Aber irgendwie kriegt es sich immer wieder ein. David Eugene Edwards singt von Jesus ohne seinen Namen zu erwähnen. Das ist es, was ich an ihm und seinen Songs mag. Er ist sehr christlich, seine Themen sind meist biblisch und man spürt seine tiefe Religiosität in den Liedetexten, aber er versucht nie irgendwen zu bekehren.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 138 Songs ist hier.)

3:18 X Mal Deutschland – Polarlicht (1987)

Juni 17, 2010

Von Alaska bis Kiruna

Am Sonntag ist mein Onkel aus Amerika gestorben. Wir haben es erst heute erfahren. Natürlich war unsere Beziehung nicht sehr eng. Obwohl er sehr oft in Deutschland war, ich glaube, ich habe ihn in den letzten 25 Jahren so im Schnitt einmal pro Jahr auf Familienfesten getroffen. Letztes Jahr waren C. und ich zu seinem 70. in Ohio. Wie auch schon 10 Jahre zuvor. Er war ein sehr einnehmender, lustig-lockerer Typ. Er war der Einzige aus der Familie, der nach Amerika gepasst hat. Seine Urne wird in Deutschland beigesetzt werden. Wie er es gewollt hat. Hoffentlich dauert es jetzt nicht wieder zehn Jahre bis zu unserem nächsten Trip nach Amerika.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 137 Songs ist hier.)

3:19 Yo La Tengo – No Water (1987)

Juni 16, 2010

A dirty street outside my room, papers swirl around
Not a soul on a night of gloom, tries to stop a howl
Another day on a dismal beach, a seagull turns and flies by
The waves seem so high and fierce, break and crash back down

Ein relativ frühes Lied von einer meiner Lieblingsbands. Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey auf der anderen Seite des Hudson gegenüber von Manhattan. Sie waren auch schon damals die Meister der leisen Töne. Diese langsame, stimmungsvolle, melodische Ballade ist heute gerade die richtige Entspannungsmusik für mich, meine Stimmung ist mal wieder close to ground zero und überhaupt. Ich glaube, ich bin gerade in der post midlife crisis und in so einer Situation sind Ira & Georgia, also die Philemon & Baucis des 21. Jahrhunderts, genau der Balsam, nach dem die waidwunde Seele verlangt.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 136 Songs ist hier.)

3:20 Serge Gainsbourg – Je suis venu te dire que je m’en vais (1973)

Juni 15, 2010

Comme dit si bien Verlaine au vent mauvais
Je suis venu te dire que je m’en vais
Tu te souviens des jours anciens et tu pleures
Tu suffoques, tu blêmis à présent qu’a sonné l’heure

Vorhin auf dem Heimweg von der Arbeit hat mich das Lied voll erwischt. Der Bürotag war gekennzeichnet von einem Konflikt, der sich zwar mehr oder weniger wieder in Wohlgefallen aufgelöst hat, der mich aber trotzdem mitgenommen hat und nach solchen Auseinandersetzungen bin ich ziemlich nah am Wasser gebaut. Als ich dann auf dem Fußweg von der U-Bahnstation – ich war extra eine Station weiter gefahren, um alle Tagestracks hören zu können – dem großen Serge sein doch sehr herzlos rüberkommendes Abschiedslied an eine Geliebte im Ohr hatte, war ich den Tränen nicht weit. Neben dem Text ist auch die Melodie sehr traurig. Bei Gainsbourg denke ich immer, dass er seinen Lebensgenuss optimiert hat, er hat alles und alle genommen, die er kriegen konnte und ist rechtzeitig abgetreten von der Lebensbühne bevor die Alterszipperlein ihm etwas anhaben konnten. Ich muss auch an einen Weinkeller in Saint-Germain-des-Prés denken, in dem wir vor einigen Jahren waren. Nach ein paar Gläsern schwärmte uns ein mittelalter Pariser von Gainsbourg vor und sang ein Lied von ihm, ich habe vergessen welches. Aber da fiel es mir mal wieder wie Schuppen von den Augen, dass Frankreich es besser hat.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 135 Songs ist hier.)

3:21 Neil Young – Old Man (1972)

Juni 14, 2010

Love lost, such a cost,
Give me things
that don’t get lost.
Like a coin that won’t get tossed
Rolling home to you.

Das Zusammenspiel der zart gezupften akustischen Gitarre, dem in Zeitlupe gespielten Bass und dem erdig-folkigen Banjo gekoppelt mit dem himmlisch entrückten Klang der Pedal Steel-Gitarre ist es, was mich an diesem Song ganz besonders anzieht. Mit den Lyrics trifft Neil Young natürlich auch ins Schwarze der Psyche eines jeden Mannes zwischen zehn und hundert. Viel mehr kann man(n) von Popmusik eigentlich nicht verlangen.

Eher unwichtig ist hingegen,

  • über wen das Lied ist (den Hausmeister der Ranch, die Young 1970 in Nordkalifornien gekauft hat)
  • wer Banjo spielt (James Taylor)
  • wer im Hintergrund singt (Linda Ronstadt)
  • auf welchem Album es ist (Harvest)
  • an welcher Stelle es auf der LP ist (1. Track auf Seite 2)
  • in welchen Filmen es zu hören ist (Dogtown & Z-Boys, Die Wonder Boys und Dogtown Boys.)
  • welcher prominente Songwriter es auf einer Tour 2002 gecovert hat (Bob Dylan)
  • zu dem Begräbnis welchen Schauspielers es gespielt wurde (Heather Ledger)
  • bis auf welchen Platz die Single in den Billboard Charts kam (31)
  • wann und wo der Song zuerst live vorgetragen wurde (23.2.71, BBC?)

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 134 Songs ist hier.)

3:22 Cowboy Junkies – A Common Disaster (1996)

Juni 13, 2010

I found myself a friend,
but he’s crooked as a stick in water
So now I’m writing fairy tales
to catch the spirit of revenge

Heute vor neun Jahren habe ich meinen ersten Post bei Blogger veröffentlicht. Zur Feier des Tages würde ich gerne den ersten neun Lesern, die mir eine Mail an alex63 AT bigfoot PUNKT com mit Namen und Adresse schreiben, ein kleines Dankeschön zukommen lassen. Und zwar in Form einer CD-ROM mit den ersten 100-120 Liedern, die ich im Rahmen dieses Projektes ausgewählt habe.

In other news: Heute hätte ich fast einen Song von Dir, liebe A. genommen. Crystalised von The xx. Eine der wenigen neuen Gruppen, mit denen ich was anfangen kann. Wobei es natürlich schon so ist, dass ihre Musik stark an die von einer anderen Band aus den Achtzigern erinnert. Ich meine natürlich die Young Marble Giants mit ihren ungeschminkten, minimalistischen LoFi-Stücken.

In dem Lied von heute geht es wohl um das Ende einer Beziehung, eine ganz gewöhnliche Katastrophe. Wenn ich wählen könnte zwischen dem unglücklichen Verliebtsein in eine, von der ich von vorneherein weiß, dass sie notorisch fremdgeht (das gestrige Help Me for a man) und der plötzlichen Realisation, dass sie es nicht ehrlich mit mir meinte (A Common Disaster), dann würde mir die Wahl nicht schwer fallen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 133 Songs ist hier.)

3:23 Joni Mitchell – Help Me (1974)

Juni 13, 2010

Help me
I think I’m falling
In love again
When I get that crazy feeling
I know I’m in trouble again

Zwischen ihren beiden Meisterwerken, dem Seelen-Striptease Blue und dem Roadalbum Hejira hat Joni Mitchell 1974 ihre populärste LP, das leicht angejazzte Court and Spark veröffentlicht. Das zweite Lied auf der Platte war Help Me, das gleichzeitig die meistverkaufte Single von ihr war. Ich schreibe das weil ich ansonsten kaum kommerziell sehr erfolgreiche Musik kenne, die mich so anspricht wie dieses Stück und das Album worauf es sich befindet. Auf die Schnelle fallen mir da nur einige Lieder der Beatles ein. Mitte der Achtziger, als ich Help Me das erste Mal gehört habe, habe ich mich sofort in der Protagonistin wiedererkannt. Unglücklich verliebt zu sein, war damals ein Dauerzustand bei mir. Das hat sich dann später glücklicherweise ein bisschen gelegt. Cut. Man hat den Moment, in dem Joni Didn’t it feel good? singt und der Klang der Gitarren, der Holzbläser und des Saxophons konvergieren, recht treffend mit der Explosion von Brausepulver auf der Zunge verglichen: Zischende Eruptionen von Klangfarben, die in alle Richtungen zerstieben.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 132 Songs ist hier.)

3:24 Sixteen Horsepower – Haw (1995)

Juni 11, 2010

Don’t let your mind do all your walking
Boy you’ll stumble every time

Dieses Lied wird dominiert von dem gleichzeitig luftig-ätherischen und komplex-dichten Klang von David Eugene Edwards‘ Slide-Gitarre. Besonders faszinierend an diesem Song ist die Kombination aus den ernst vorgetragenen Lyrics mit religiösem Hintergrund und dem stark psychedelischen Sound. Das erinnert mich ein bisschen an die Kurzgeschichte über den norwegischen Maelstrom von Edgar Allan Poe, in den man mehr und mehr hineingezogen wird, je näher man ihm kommt. Hier noch ein Video einer Liveperformance beim Loreleifestival 1997.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 131 Songs ist hier.)

3:25 Joy Division – Disorder (1979, Birmingham live 2.5.80)

Juni 10, 2010

It’s getting faster, moving faster now, it’s getting out of hand
On the tenth floor, down the back stairs, it’s a no man’s land
Lights are flashing, cars are crashing, getting frequent now

Der Opener des ersten Albums Unknown Pleasures gespielt auf dem letzten Konzert von Joy Division, gute zwei Wochen bevor Ian Curtis sich erhängt hat. Ich wollte nicht noch ein Lied von dieser Gruppe auswählen (sie sind jetzt wie die Nachfolgeband New Order, die Smiths und Joni Mitchell mit sechs Titeln vertreten), aber es gab absolut nichts, was auch nur entfernt herangereicht hätte. Da Da Da? Here Comes a City? My Name Is Jonas? Because the Night? Ride into the Sun? Das ist Mucke für Warmduscher, bei den Temperaturen – draußen sind es jetzt um halb 12 Uhr nachts immer noch 26,6, drinnen 25,0 Grad – geht das aber so was von gar nicht. Schön bei dieser letzten, sozusagen definitiven Version sind natürlich Stephen Morris schwer verhallte Drums, die da sind wo sie hingehören, nämlich ganz weit vorne. Und dass Ian Curtis so spät mit seinem Sprechgesang anfängt und erst einmal die anderen vorlässt. Z.B. Peter Hook, der wieder mal die Wände zum Erbeben bringt. Und Bernard Sumner, der es wunderlicherweise schafft, seine malträtierten Gitarrensaiten nicht zum Zerspringen zu bringen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 130 Songs ist hier.)

3:26 Gang of Four – Damaged Goods (1978)

Juni 9, 2010

Your kiss so sweet
Your sweat so sour
Sometimes I am thinking that I love you
But I know it’s only lust

Von Bands mit politischer Stoßrichtung bin ich ja eigentlich überhaupt kein Fan, aber hier haben die Post-Punker aus Leeds, die sich nach der berüchtigten chinesischen Viererbande genannt haben, ein eindrucksvolles Stück Rockmusik vorgelegt und zwar von der Musik und vom Text her. Wir haben es in diesem Lied mit einer Kapitalismuskritik zu tun, die heute so aktuell ist wie eh und je. Eine Art negative Utopie. Menschen in Beziehungen werden füreinander immer mehr zu Waren, wenn einer fertig ist weil er z.B. seelisch krank ist, wird er vom anderen wie ein kaputtes Teil zurückgeschickt und ausgetauscht. Der Materialismus des Geldes hat sich auf unsere sozialen Beziehungen übertragen. Sagten die Gang of Four vor über dreißig Jahren. So ganz unrecht hatten sie damals und haben sie erst recht heute wohl damit nicht. Die Musik hierzu ist nervös-quirlig und hartkantig, mit deutlichem Ska-Einfluss. Ein stotterndes Killerriff beherrscht den zudem sehr basslastigen Song. Man sagt, Bloc Party würden so ähnlich klingen. Alles, was ich bis dato von ihnen gehört habe – das war eher wenig – war allerdings nur ein schwacher Abklatsch. Aber wahrscheinlich ist es mit Rockmusik so, dass man ab einem gewissen Zeitpunkt die „neuen“ Bands nicht mehr goutieren kann, da man in ihrer Musik die alten Gruppen von früher hört, die damals subjektiv viel besser waren. Und zwar nicht nur wegen der Originalität sondern auch weil man selber damals jünger und aufnahmefähiger für Neues war.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 129 Songs ist hier.)

3:28

Juni 8, 2010

Show me how you do that trick,
the one that makes ice-cream she said

Fast Lied des Tages geworden wären heute das zärtliche No Water von Yo La Tengo, selbiger Band’s countryeskes Did I Tell You, Swell’s trommelwirbliges Come Tomorrow, derselben Gruppe abgründiges Always One Thing, das schwelgerische Punks in the Beerlight der Silver Jews, Neil Young’s sentimentales I Believe in You, Julie Doiron’s sprödes Don’t Ask, The Gun Club’s dämonisches Sleeping in Blood City, Suzanne Vega’s unter die Haut gehendes Undertow, Pinback’s zeitlupenhaftes Charborg, Giant Sand’s entspanntes X-tra Wide, Belle & Sebastian’s unernstes Get Me Away From Here I’m Dying und Joni Mitchell’s persönlichstes Lied Little Green. Soviel bleibt jetzt nicht mehr übrig und das Raten des heutigen Songs sollte somit nicht mehr ganz so schwer sein ;-). Es ist ein Cover mit gewissen textlichen Verbesserungen, das kann ich verraten, die Stimme des ursprünglichen Sängers ertrage ich heutzutage nur noch mit 2 Promille und mehr. Aber die Melodie ist einfach nicht kaputtzukriegen, auch und gerade in dieser trashigen Keyboardversion.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 128 Songs ist hier.)

Einen Schritt für jeden Berliner

Juni 8, 2010

Eine Slideshow (Artikel dazu) zur Einstimmung auf unsere Jakobswegfortsetzung im Juli. Wir wollen 580 Kilometer auf der Via Podiensis von Le Puy nach Aire sur l’Adour gehen, wo wir vor drei Jahren (etwas runterscrollen) gen Santiago aufgebrochen waren.

3:29 Morphine – Whisper (1995)

Juni 7, 2010

Don’t worry I’m not looking at you
Gorgeous and dressed in blue
I know it drives you crazy
When I pretend you don’t exist

Unglaublich, aber wahr, es ist jetzt auch schon wieder über zehn Jahre her, dass Mark Sandman, der Sänger und Bassist von Morphine während eines Konzerts in der Nähe von Rom auf der Bühne einem Herzinfarkt erlag. Morphine war eine sehr spezielle Band, die sich im Zonenrandgebiet von Rock und Jazz bewegt hat. Bei diesem Stück kommt das sehr gut zum Ausdruck. Es beginnt mit dem unwahrscheinlich potenten Bass Mark Sandman’s, der das um sich selbst kreisende Motiv spielt. Dazu gesellen sich die delikat gespielten Drums. Als nächstes singt Mark Sandman mit seiner grummeligen Bassstimme davon wie er eine Frau anmacht. Schließlich setzt das Saxofon neben einigen Pianoakkorden den jazzigen Akzent und die ganze Gruppe improvisiert etwas vor sich hin. A free flow into the dark of the night.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 127 Songs ist hier.)

3:32 Aimee Mann – Ghost World (1999)

Juni 6, 2010

And all that I need now
is someone with the brains and the know-how
to tell me what I want..

Was könnte bei diesen Temperaturen besser passen als Aimee Mann’s jubilierendes Lied über den ersten Sommer nach dem Ende der Schulzeit? Sorry aber fürs Bloggen ist es definitiv zu schön draußen. Wir sind dann mal im Mauerpark.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 125 Songs ist hier.)

3:31 Sophie Hunger – Round and Round (2008)

Juni 5, 2010

Round and round and round you go
Who you are, nobody knows

Dieser Eintrag bringt zwei Nova. Zum einen das erste Lied von 2008 und damit das Neueste, zum anderen den ersten Interpreten aus dem deutschsprachigen Raum, die Schweizerin Sophie Hunger, die allerdings auf englisch singt. Ich glaube zu dem Stück muss man nicht viel sagen. Es handelt sich um eine peppige, sehr melodische Gitarrenballade über eine Liebesgeschichte mit einem Vagabunden. Sophie Hunger’s bluesig-souliger Gesang hat mein Herz im Sturm erobert.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 124 Songs ist hier.)

P.S. Über dieses Lied habe ich vor über einem Jahr schon mal was geschrieben.

3:33 The Smiths – Stop Me If You Think You’ve Heard This One Before (1987)

Juni 3, 2010

And so I drank one, it became four
And when I fell on the floor, I drank more

1987, das letzte Jahr der Smiths ist angebrochen und ihr Schwanengesang Strangeways, Here We Come ist das erste ihrer Alben, das ich von Anfang bis Ende höre. Strangeways heißt das Gefängnis in Manchester. Ganz am Anfang des Liedes baut sich für denjenigen, der es kennt, eine unglaublich starke Spannung auf, die dann durch Morrissey’s erste Liedzeile, den Liedtitel aufgehoben wird. Da bricht sich ein Jubel in seiner Stimme Bahn, da befreit sich jemand von seinen Fesseln als Leadsänger in einer Popband. Und dann diese träumerische Gitarre von Johnny Marr, die zweite Stimme der Gruppe. Auch heute noch stehe ich sprachlos vor dieser unwahrscheinlichen, vollkommenen Kollaboration zweier musikalischer Genies. Damit sind die Smiths übrigens in meinem kleinen Musikcountdown mit sechs Titeln aufgerückt zu New Order und Joni Mitchell. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie den Wettstreit am Ende gewinnen würden.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 123 Songs ist hier.)

3:27 The American Analog Set – Million Young (2001)

Juni 2, 2010

Sending me a postcard from the sands
A photograph and how you’re doing
You write the words in ink and curive and
I follow along with my fingers and pretend

Endlich mal wieder was aus den letzten zehn Jahren. So viel Feedback krieg ich ja hier nicht, aber A., eine sehr liebe Kollegin, meinte hier wäre doch fast nur alte Musik. The American Analog Set, die ursprünglich mal aus Austin, Texas kamen sind jetzt auch nicht mehr ganz taufrisch und ich glaube, es gibt sie gar nicht mehr, aber ihre Musik ist immer noch so umwerfend wie am Anfang. Sie sind eine Band, die einen Groove, den sie einmal gefunden hat, nicht mehr loslässt. Ein bisschen wie Stereolab, nur easier going. Wir haben sie zweimal in klitzekleinen Venues gesehen, einmal im Dreikönigskeller in Frankfurt direkt am Main und einmal in einer Art Wohnzimmer in einem Jugendzentrum in Offenbach. Es war jedes Mal kuschlig und die Jungens absolut zum Liebhaben. Es gibt einen Typus eines jungen, handfesten, amerikanischen Guys, den man liebhaben muss.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 122 Songs ist hier.)

3:34 Sixteen Horsepower – American Wheeze (1996)

Juni 1, 2010

You say you’ve got a bone to pick
Well, there’s plenty showin‘ on me

Der Songtitel heißt übersetzt amerikanisches Pfeifen bzw. Keuchen und könnte einen auf die Idee bringen, dass David Eugene Edwards damit meint, dass Amerika auf dem letzten Loch pfeift. Und das schon ziemlich lange. Sein Großvater ist bzw. war ein wilder Prediger und das hat auf ihn abgefärbt. Auch er hört sich so an, als hielte er uns in seinen Songs Predigten, in denen es viel um die Hölle und das darin Brennen geht. Der Mann ist definitiv besessen und bringt das auch sehr klar rüber. Dieses Lied wird vom Klang des Akkordeons beherrscht, es ist eine handliche Version dieser Instrumentengruppe namens Konzertina. Neben dem schwermütigen, düsteren Klang wird man in diesem Stück das Gefühl nicht los, dass der Teufel persönlich einen durch das Spiel dieses Instruments zum Tanz auffordert. Einen Tanz, den man nicht ablehnen kann und der so lange dauert bis nach vielen Stunden einer der Tänzer (wer wohl?) am Ende aus Erschöpfung tot zusammensinkt. Ende der heutigen Gutenachtgeschichte.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 121 Songs ist hier.)

Präsidentenrücktritt

Mai 31, 2010
  • 1. Reaktion: Das ist kein großer Verlust.
  • 2. Reaktion: Was für ein Mimöschen.
  • 3. Reaktion: Als wenn Deutschland nicht schon genug Probleme hätte.
  • 4. Reaktion: Ein Staatsmann ist was anderes.
  • 5. Reaktion: Kein Wunder, er war ja Banker.
  • 6. Reaktion: SPaulus fand ich auch nie vertrauenserweckend.
  • 7. Reaktion: Die eigentliche Staatsmännin ist M.
  • 8. Reaktion: Life goes on.

3:35 Pixies – Bone Machine (1988, live 2004)

Mai 31, 2010

You look so pretty when you are unfaithful to me

Endlich ein Lied von den Pixies; es kommt mir so vor als wäre das jetzt der erste Song überhaupt von denen, den ich im Rahmen dieses Projekts gehört habe. Das kann eigentlich nicht sein. Oder haben die wirklich kein Stück, das länger als 3 Minuten und 35 Sekunden ist, gemacht? Live habe ich sie nie gesehen weder um 1990 als ich sie das erste Mal gehört habe – A. hat mir 1991 zum Geburtstag Bossanova geschenkt, ihr hörerfreundlichstes, sehr surfiges Album – noch bei ihrer Reuniontour, wo sie ja auch in Berlin waren und es dort ein großes Bloggerstelldichein gegeben hat. Was war damals so gut an den Pixies? Und ist es heute noch? Dass sie anders klangen, frischer, unbelastet von der Rockgeschichte, direkt und ins Herz gehend, keine Gefangenen machend. Sie waren der Zeitgeist und kündigten mit ihrer locker-flockig von der Leber gespielten Mucke den Zusammenbruch eines großen, politischen und geografischen Blocks an und zogen ihr Ding durch. Genau so eine Band bräuchten wir heute. Und ich wäre ihr erster Fan.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 120 Songs ist hier.)

3:36 The Stranglers – Golden Brown (1981, live)

Mai 30, 2010

Every time just like the last
On her ship tied to the mast
To distant lands
Takes both my hands
Never a frown with golden brown

Schwierige Wahl heute, der größte Hit der Stranglers setzt sich knapp gegen Lloyd Cole, Mary Margaret O’Hara und The House of Love durch. Die auf einem Cembalo gespielte Ohrwurmmelodie, ein Evergreen wie er im Buche steht, höre ich immer wieder gern. Worum es geht, ob um Heroin, eine Frau oder gar Marmite (;-)), ist letztlich eher unbedeutend. Ich höre das Lied mit Vorliebe mit geschlossenen Augen auf dem Kopfhörer und die Taktwechsel erzeugen bei mir Kaskaden bunter, kaleidoskopartiger Formen im Kopf, die sich auffächern und mit permanent steigender Geschwindigkeit auf mein Gehirn niederprasseln. So ähnlich stelle ich mir einen LSD-Rausch vor.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 119 Songs ist hier.)

3:37 Pinback – Loro (1999)

Mai 29, 2010

four, nine, five, three, one
four, nine, five, three, one

Rob Crow and Zach Smith haben Ende der Neunziger eine Band in San Diego gegründet, die von vorneherein ihren ganz eigenen Sound hatte. Das Rezept war einfach, zwei Gitarren plus Schlagwerk plus zwei Stimmen. Loro war eine ihrer ersten Singles und sie weben da ein dichtes Netz aus den Schwingungen der Gitarrensaiten, in dem man sich sofort sehr gut aufgehoben fühlt. Dazu singt und summt erst der eine, dann im Kreuzgesang der andere. Das erinnert entfernt an die Vokalharmonien der Beach Boys, die ja auch von der sonnigen Westküste kamen. Mit dem Unterschied, dass es hier ruhiger zugeht und die Musik nicht auf den Wellen surft, sondern eher ein glattes, windstilles Meer evoziert. Da ist zwar eine Strömung, aber es ist ein Sog nach unten in die Tiefe, der nichts mit überirdischen klimatischen Bedingungen zu tun hat.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 118 Songs ist hier.)

Äsop und die Schuldenkrise

Mai 29, 2010

Die Deutschen sind die Ameisen, ebenso wie die Japaner und Chinesen, sie sind allesamt fleißig und sparsam, wie nicht anders zu erwarten, und die Heuschrecken sind – na, wer wohl? – die Amerikaner, Briten, Griechen, Spanier, die tanzen und singen den ganzen Sommer, und wenn es dann Winter wird, haben sie nichts zurückgelegt und müssen die Ameisen anbetteln.

3:38 Joni Mitchell – Edith and the Kingpin (1975)

Mai 28, 2010

Women he has taken grow old too soon
He tilts their tired faces
Gently to the spoon

The Hissing of Summer Lawns, was für ein phantastischer Titel für ein Album. Das Innenfoto von Joni im dunklen Bikini im Wasser, mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegend (Foto auf dem Kopf). Ich erinnere mich an kein anderes Bild von ihr, wo sie soviel Haut zeigt. Das Album, das von vielen als ihr Bestes angesehen wird – allerdings nicht von mir – ist eines ihrer Körperlichsten (neben Don Juan’s Reckless Daughter). Afrika steht hier im Zentrum, zum einen die Kriegstrommeln von Burundi auf The Jungle Line, dann das Cover mit der Gruppe von Schwarzen auf einer grünen Wiese (Central Park?) vor New York, die eine lange Schlange in den Händen halten. In dem heutigen Lied geht es nach Joni’s Angaben um eine fiktive Verknüpfung zweier realer Personen. Einem Zuhälter, den sie in Vancouver getroffen hat (der Kingpin) und Edith Piaf. Was wäre passiert, wenn die beiden sich getroffen hätten? Wahrscheinlich hätte Joni dann niemals diesen wunderbaren Song geschrieben. Übrigens ein Lied, das bereits in die Zukunft weist, die Stimmung ist sehr relaxed und abgeklärt, ähnlich wie auf ihrem Roadalbum Hejira, das dann ein Jahr später rauskam.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 117 Songs ist hier.)

3:39 The Smiths – This Night Has Opened My Eyes (1983 Peel session)

Mai 27, 2010

The dream is gone
but the baby is real
oh you did a good thing
she could have been a poet
or, she could have been a fool
oh you did a bad thing

Das Lied habe ich das erste Mal nach dem Ende der Smiths so ca. 1988 gehört. Es ist auf dem zweiten Album Hatful of Hollow, das vielleicht sogar mein Liebstes ist, da es als einziges – wenn man mal von der Livescheibe Rank absieht – so etwas wie einen unpolierten Garagensound hat. Es enthält B-Sides und alternative Versionen wie z.B. BBC-Studioaufnahmen. Ich hatte mir damals die sechs Smiths-Alben (inklusive der Kompilation The World Won’t Listen) bei Zweitausendeins in der Türkenstraße als billigen, portugiesischen Reprint – ich glaube für lächerliche 30 Märker – gekauft. Eine Platteninvestition, die sich gelohnt hat. Dieses Stück zeichnet sich wiederum durch einen stark nach vorne gemixten Bass aus. Der rumpelt in einem Schneckentempo dahin, dass es eine wahre Freude ist. Das ganze Lied ist eher langsam, fast schon meditativ, angelegt. Es hört sich ein bisschen so an als wäre es im Halbschlaf aufgenommen worden. Dem dritten Zustand, den ich den anderen beiden schon immer bevorzugt habe, da er Wachheit und Schlaf umfasst und somit in gewisser Weise über ihnen steht. Morrissey erzählt die Moritat von einer Abtreibung und seufzt auf seine unnachahmliche melodische Art und Weise. Johnny Marr’s Gitarre wacht im Laufe des Songs ebenfalls allmählich auf und er steuert seine funkelnden, swingenden Riffs bei. Wenn ich das Lied höre, möchte ich wieder fünfundzwanzig sein. Aber nicht heute. Nein. Damals. Und wenn Nietzsche und die alten Inder Recht haben, dann wird mir das sogar vergönnt sein.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 116 Songs ist hier.)

peter praschl on the berlinale 2010

Mai 26, 2010

erst jetzt entdeckt, einige filmkritiken von peter praschl für das sz-magazin. mammuth will ich jetzt unbedingt sofort sehen.

3:40 Miles Davis – Time after Time (1985)

Mai 26, 2010

Aus 118 als okay bewerteten Tracks mit 3 Minuten und 40 Sekunden Länge auf meiner Festplatte habe ich dieses Instrumentalstück ausgewählt. Es gehört zwar leider zu der Sorte „abgenudelt bis dass es aus den Ohren wieder rauskommt“, aber wenn man mal versucht, von der Melodie zu abstrahieren, dann bleibt dieser kleine, stolze, schüchterne, eigenwillige, respektvolle, nebelverhangene, mit dem Rücken zum Publikum gespielte Ton übrig. Und der darf in einer Lieblingsmusiksammlung einfach nicht fehlen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 115 Songs ist hier.)

Happy Birthday T. oder Nach Dylan kam nix mehr

Mai 25, 2010

Das Schöne an dem Gejammer über die aktuelle Rock- und Popmusik, das ich im Grunde schon seit fast zehn Jahren – also mit meinem ersten Blog – anstimme, ist ja, dass ich genau weiß, dass jeder mal an diesen Punkt kommt, wo er den aktuellen, heißen Scheiß nicht mehr goûtieren kann weil er ihn viel besser schon mal vor vielen Jahren im Original gehört hat. Ich bin da schon drüber hinaus. Ich kann inzwischen auch die Sachen von früher kaum noch genießen. Das hat sich alles so fürchterlich abgenudelt. Bis auf die paar Songs, die ich hier auswähle. Für eine Songperle ziehe ich mir hundert uninspirierte 0815-Lieder rein. Es ist unglaublich, aber das Verhältnis ist wirklich fast so extrem. Danke fürs Mitlesen und -hören.

3:41 The Cure – Play for Today (1980)

Mai 25, 2010

It’s not a case of doing what’s right
It’s just the way I feel that matters
Tell me I’m wrong
I don’t really care

Es ist auch schon eine Weile her, dass Robert Smith und seine Band The Cure richtig gute Musik gemacht haben, an der man nicht vorbeikam. Seventeen Seconds ist jetzt sage und schreibe dreißig Jahre alt. Ich bewundere bei dem heutigen Lied die unwahrscheinliche und doch gelungene Vermählung einer peppigen Melodie mit einem treibenden Beat und der Trauerkloßstimme des Leadsängers. Der Gitarrenklang ist unübertroffen, erst meint man ein Xylophon zu hören, dann perlt der luftig-lockere Sound nur so von den Saiten. Ein Stück, dass einfach nicht altert, heute noch so frisch und unverbraucht wie damals. Wenn man dagegen an den Robert Smith von heute oder die wenigen mir bekannten jungen Rockbands von heute denkt, dann kann einem nur das ganz große Heulen kommen.

(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 114 Songs ist hier.)