Archive for April 2026

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April 22, 2026

Gelb leuchtender Raps

Sonne hoch am Firmament

Morgenbrise, kühl

5435

April 22, 2026

In ihrem Zimmer

Drehwurm gekriegt, gefallen

Rippen gebrochen

5434

April 22, 2026

Siesta. Klacken.

Rattenleben ausgehaucht

Wiesenbegräbnis

5433

April 21, 2026

Kimba liegt im Gras,

guckt zwischen den Halmen durch

Kommen sie zurück?

5432

April 21, 2026

Egal, was man schreibt

Die alten Sachen rutschen

Immer nach unten

5431

April 21, 2026

Im eigenen Blog

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Wer braucht Enttäuschung?

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April 21, 2026

Erfrischend ehrlich

Hochzeitsständchen mal anders

(Der Kantor sang mit)

[Max Raabe & Palast Orchester – Du bist nicht die Erste (Comedian Harmonists 1931), MTV Unplugged 2019]

5429

April 21, 2026

Erdnussbutter weg

Bügel der Falle unten

Ratte verschwunden

5428

April 20, 2026

C. verlässt den Weg

Kimba kann nicht stillsitzen

Sie muss hinterher

5427

April 20, 2026

Dunkler Bernstein, Rauch

Honigmet, Sherry, Lakritz

Kandis, Karamell

Rivesaltes tuilé 2011, Les Vignerons des Albères, 15,5%

5426

April 20, 2026

R.s Morgenfahne

am Tag der Beerdigung

seines alten Herrn

5425

April 20, 2026

Ich träume davon,

das „r“ so schön wie Bert Brecht

rollen zu können

[Bertolt Brecht – Die Moritat von Mackie Messer (Weill/Brecht), 1929]

5424

April 20, 2026

Arrival at lake

Carol opens the fridge, says

„You can help yourself.“

5423

April 20, 2026

Lederhalbschuhe

In Morgensonne glänzend

Wiesentauklatschnass

5422

April 20, 2026

Die Muße haben,

den Wiesenweg zu gehen,

und nicht zu rennen

5421

April 19, 2026

Nach Regen auf Weg

Zig Pferdeapfelhaufen

Rein in Kotbeutel!

5420

April 19, 2026

Holpriges Eiern

Dauernde Tempowechsel

Komplexe Rhythmen

[Petter Eldh – Midsum Brew feat. Savannah Harris, von Project Drums vol. 2, 2025]

5419

April 19, 2026

Lebensmüder Freund

Traumhochzeit, Missbrauchsvorwurf

Krisen überall

[Navid Kermani – Sommer 24]

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April 18, 2026

Sounds wabern im Dunst

Auf einer Treppe zum Licht

Die Spannung löst sich

[Boards of Canada – Tape 05]

Talkin‘ New York

April 16, 2026

Auf Bob Dylan’s erstem, selbstbetiteltem Album, das in dem Jahr erschien, in dem ich gezeugt wurde, sind hauptsächlich Coverversionen von Traditionals und Blues von anderen drauf. Aber zwei Lieder sind von ihm selbst. Zum einen der bekannte Song to Woody, den er für den von ihm hochverehrten Folk-, Protestsänger und Hobo Woody Guthrie schrieb und ihm der Legende nach noch am Sterbebett vorsang (s.a. das Biopic Like a Complete Unkown), sodann der Talking Blues Talkin‘ New York, das nach Jesse Fuller’s Blues You’re No Good zweite Stück auf der LP.

Als ich dieses Lied neulich nach längerer Zeit wiederhörte, fiel es mir wie Schuppen von den Ohren, da singt er, der Provinzler aus dem abgelegenen Hibbing im Mittleren Westen an der Grenze zu Kanada, das sich durch den größten Eisenerztagebau der Welt auszeichnet, ja über seine Ankunft im Big Apple.

Ein recht gradlinig erzählter Song, in New York sieht er die Menschen unter die Erde in die U-Bahn gehen und die Wolkenkratzer sich zum Himmel erheben. Man kann sich das sehr gut vorstellen und kommt quasi mit ihm an in der großen Stadt. Die NY Times schreibt, es wäre der kälteste Winter seit dem Krieg, er kann darüber nur lachen und findet es im Vergleich zu Hibbing nicht sehr kalt. Nun kommt er mit seiner alten Gitarre mit der Subway in Greenwich Village an, dort singt er in einem Café und sie sagen ihm, dass er sich wie ein Hinterwäldler anhört und dass jetzt Folksänger angesagt sind. Für einen Dollar am Tag spielt er Mundharmonika und bekommt positives Feedback. Er tritt in die Gewerkschaft ein und macht sich erste Gedanken über arm und reich. Mit einem Zwinkern singt er davon, dass manche Leute mit einem Kugelschreiber ausgeraubt werden, indem sie z.B. ihre Unterschrift unter einen Kreditvertrag mit hohen Zinsen setzen. Er verlässt an einem sonnigen Tag New York, das ihn wenig beeindruckt hat, nach New Jersey, wo er Woody Guthrie im Krankenhaus besuchen wird. Interessanterweise musiziert er dort in Cafés, wo viel Schach gespielt wird und man sich mehr mit Schachgeben und Figurenschlagen beschäftigt, als seinem Gesang zuzuhören. Wie das so ist in den USA, Musik spielt eigentlich immer im Hintergrund, ist fast nie im Mittelpunkt.

Ich mag an dem Song, dass man quasi mit Dylan unterwegs ist, er nimmt einen mit und er macht plastisch, wie es gewesen sein könnte, als er damals als zwanzigjähriger Naseweis und absoluter Nobody in New York ankam. Und dass hier noch nicht großartig mit Dylan Thomas, Rimbaud, William Blake, der Bibel, Shakespeare und was weiß ich angegeben wird, sondern einfach nur erzählt wird. Und außerdem natürlich sein Mundharmonikaspiel, das mich ob seiner expressiven Simplizität schon immer geflasht hat.

Zuguterletzt kann ich das Thema des Liedes auch deshalb ein bisschen nachvollziehen, weil ich selber 1979 mit Robert, dem mittleren der drei Brüder meiner Gastfamilie, der in meinem Alter war, ich glaube in seinem Käfer, man sagt übrigens Bug und nicht Beetle, an einem warmen Julitag von ihrem hölzernen Ferienhaus am See in South Salem in einer knappen Stunde gen Süden nach New York City reingefahren bin. Da war ich noch 15 oder gerade 16, also jünger als Dylan, wir hörten eine Radiostation mit Wetterbericht, der Sprecher redete von Temperaturen von um die 80 Grad Fahrenheit, die große Stadt lag vor uns und wir tauchten langsam in sie ein. Nach dem Sightseeing kamen wir nach Greenwich Village, das träge in der Nachmittagssonne lag, es war tagsüber ziemlich tot und ich war etwas enttäuscht. So wie Dylan 18 Jahre zuvor.

5417

April 16, 2026

Viele Herrschaften

In Weimar gegen Ende

Einer schrieb es auf

[Johann Peter Eckermann – Gespräche mit Goethe, abgebr.]

Leserumfrage

April 15, 2026

Ich überlege, einen längeren Post – mehr als 17 Silben 😉 – über eines der folgenden Themen zu schreiben, gibt es da Präferenzen in der Leserschaft?

  • Julia Effekt
  • Halluzinierende KI
  • Eines der ersten Lieder Bob Dylan’s
  • Eine sehr moderne Spielart des Jazz

5416

April 15, 2026

Melde ich mich nicht,

passiert nichts, die anderen

melden sich fast nie

5415

April 13, 2026

Überwältigung

Danach klingeln die Ohren

Wie die Gitarre

[Julia Effekt im Badehaus, Berlin]

5414

April 13, 2026

Politikkritik

Ohne Gegenvorschläge

Nicht ernstzunehmen

5413

April 13, 2026

Lauthalses Lachen

des momentan wohl stärksten

Schachspielers der Welt

5412

April 12, 2026

Damals nicht mein Ding

Nun coole Feiermusik

War wohl zu verkrampft

[Afrika Bambaataa & the Soulsonic Force – Planet Rock, 1982]

5411

April 11, 2026

Weglaufen bringt nichts

Er holt dich stets ein, der Blues

Gehen ist anders

5410

April 11, 2026

Woher kam Wespe?

Rein in Insektenfänger

Ab in die Freiheit

5409

April 11, 2026

Die Stimmung bedrückt

Das Drama entfaltet sich

Die Welt steht nicht still

[Richard Barbieri – Snakes & Ladders von Hauntings]

5407

April 10, 2026

Rhythmus filigran

Melodie süßlich-fragil

Gesang android

[Arlo Parks – 2Sided]

5406

April 10, 2026

Links ein Buchstabe

Cursor in Promptzeile blinkt

Was willst du von mir?

[DOS, ca. 1985]

5405

April 10, 2026

Kaum Wochenenden

Im Erwachsenenleben

Vollständig nüchtern

5404

April 10, 2026

Sich erfreuen an

Unsichtbarkeit nach außen

bei innerer Kraft

5403

April 9, 2026

So lang zerren an

elektronischen Saiten

bis Melodie kommt

[Seefeel – Dead Guitars von s/t, 2011]

5402

April 9, 2026

Von allen Seiten

bunte Tischtennisbälle,

im Kopf verhallend

[Autechre – Bike von Incunabula, 1993]

5401

April 8, 2026

Knapp am Kitsch vorbei

Auch ein Bass braucht Zärtlichkeit

Das reine Gefühl

[Flea – Thinking Bout You]

5400

April 6, 2026

Quirlige Mischung

Elektronikfreak trifft auf

Uraltinstrument

[Aphex Twin – Digeridoo, 1992]

5398

April 5, 2026

Mit Sprache die Zeit

zurückholen wollen, was

ein Unterfangen

5397

April 5, 2026

Sich gewöhnt haben

Ans eigene Spiegelbild

Es sogar mögen

5396

April 5, 2026

Gottesdienst draußen

Mit so vielen Teilnehmern

Wie als es anfing

5395

April 5, 2026

Beim ersten Hören

Musik so lauschen, als wär

es das letzte Mal

[Arild Andersen – Lifelines, 1981]

5394

April 5, 2026

Changierend zwischen

Völliger Konfusion,

Klarheit, Ironie

5393

April 4, 2026

Zahnzwischenräume

Sich peu à peu zusetzend

Ohne Zahnseide

5392

April 4, 2026

Lasst uns entspannen

Pedal Steel und Shoegazing

Die Faust aufs Auge

[Japancakes – What You Want von Loveless (My Bloody Valentine), 2015]

5391

April 4, 2026

Nicht ein Gedanke

zu klein für ein Haiku und

auch keiner zu groß

5390

April 3, 2026

Die Geschichte hab

Ich ihm für ne Sekunde

Doch glatt abgekauft

[Der Nino aus Wien – Du Oasch, 2009]

5389

April 3, 2026

Drei hoch zwei mal elf

mal sieben mal dreizehn mal

siebenunddreißig

5388

April 2, 2026

Fragesteller nervt

Geheimniskrämerei um

Meditation

[Thomas Metzinger – Glaubst du noch? Oder meditierst du schon?]

5387

April 2, 2026

Wenn alles verschwimmt

Dinge, die wirklich zählen

In Fokus kriegen

[The Dandy Warhols – Good Morning von The Dandy Warhols Come Down, 1997]

5386

April 2, 2026

Zu Fuß unterwegs

Nicht vor, nicht nach der Welle

Einklang mit der Zeit

5385

April 2, 2026

Gedankenblitze

Illuminationen

Momentaufnahmen

5384

April 1, 2026

Letzte 3 Wochen

Rund 5 Pfund zugenommen

Nicht alles Muckis

5383

April 1, 2026

Philosophie schafft

Aus Händen wegflutschende

Glitschige Fische

5382

April 1, 2026

Sommer, Chinaturm

Junge Amis mit Klampfe

Bierselig, textfest

[Steve Miller Band – Rock’n Me von Fly Like an Eagle, 1976]

5381

April 1, 2026

Heilerde geschluckt

Unter der warmen Decke

Im Halbschlaf entspannt