Heute bzw. gestern waren C. und ich auf der Pfaueninsel. Wir haben es beide sehr genossen, ich habe ein Faible für kleine Inseln. Hiddensee ist ja schon nicht groß, aber die Pfaueninsel ist vielleicht ein Zwanzigstel davon. Am meisten beeindruckt hat uns beide die Fontäne mit den zwei Schalen. Wie der Wasserstrahl die obere kleine Schale füllt, die dann überläuft, indem das Wasser eine dünne, durchsichtige Wand bildet und wie die zweite, größere Schale dieses Wasser auffängt und dann ebenfalls überläuft und das Wasser nun eher wild und anarchisch auf den schöngeformten Steinfuß fällt und dort aufschlägt und in alle Richtungen spritzt, das ist ein Schauspiel, dem ich stundenlang zusehen könnte. Gibt es da nicht ein Gedicht zu? Nach der kurzen Rückfahrt mit der Fähre gab es plötzlich einen fetten Regenschauer und wir haben uns nahe der Anlegestelle untergestellt. Dort war auch eine andere Bloggerin mit ihrem Sohn und einem Begleiter. Habe mich natürlich nicht getraut, sie anzusprechen.
***
Vorvorgestern auf dem Karneval der Kulturen wären wir am Mehringdamm fast erdrückt worden. Da waren eindeutig zwei oder drei Leute zuviel am gleichen Ort.
Pick a card, any card.
Wrong.
Pick 19th century twin-set pearls in a new clasp,
Brass neck, collar me
Right.
Swagger, die Schallplatte, die mit diesem Lied anfängt, war ein Geschenk von A. zu meinem Geburtstag, ich glaube es war 1991, also mein Achtundzwanzigster. Zusammen mit Bossanova von den Pixies. Meine ersten beiden Indiescheiben. A. hat mich eingeführt in die Welt des Independent Rock, eine gute englische Bekannte von ihm arbeitete in Brüssel bei einem in Insiderkreisen bekannten Musiklabel. Die Blue Aeroplanes aus Bristol waren dann für eine Weile – zusammen mit den Pixies – eine meiner Lieblingsbands. Ich mochte Gerard Langley’s Stimme und seinen Sprechgesang. Von den Texten habe ich nicht viel kapiert, aber der Kerl hatte literarisch was drauf, das war sonnenklar. Bis heute gefällt mir an diesem Lied und der ganzen Platte die warme, intime Atmosphäre. Ich habe sie in meinem ersten Studio in Luxemburg in der rue de Neudorf meistens spätabends bei Kerzenschein gehört. Die Musik erzeugte bei mir so eine Art campfire feeling. Eine andere Frau, in die ich damals schwer verliebt war, kannte die Band weil ihr Ex sie zu Konzerten mitgenommen hatte und fand sie nicht so toll. Sie verstand auch nicht, was man an Raymond Carver oder Eric Rohmer gut finden konnte. Für sie waren deren Werke öde und langweilig. Dafür hat sie mir Paul Auster’s New York Trilogy empfohlen, die ich begeistert in einem Rutsch durchgelesen habe. Primitivo habe ich auch durch sie entdeckt. Bei den damaligen wilden Parties spielten wir oft drinking games. Wenn sie und ich dann ziemlich hinüber waren, spielten wir manchmal Schach. Ich weiß nicht mehr, wer da gewonnen hat, aber auf jeden Fall hat es mich jedes Mal überrascht wie stark sie war. Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie den Wein besser vertrug.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 113 Songs ist hier.)
Mit diesem Instrumental klingt Nick Drake’s zweites Album Bryter Later aus. Wie das ganze Album ist auch dieses Stück recht reich instrumentiert. An erster Stelle natürlich die Flöte, die die naiv-unschuldige Weise spielt. Dann neben Bass, Drums und Nick Drake’s Gitarre ein Streicherarrangement. Normalerweise hasse ich so etwas, aber hier stört es mich nicht; das könnte zum einen daran liegen, dass es relativ zurückhaltend eingesetzt wird. Zum andern kenne und liebe ich dieses Stück seit 30 Jahren, ich höre die Streicher gar nicht mehr, sie sind ein integraler Teil des Ganzen geworden. Der Titel ist nicht nur identisch mit dem heutigen Wochentag, er passt auch perfekt zu dem ruhigen Fluss des Instrumentals. Man meint, eine Abgeklärtheit zu hören wie als wäre da ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Es hat dann aber leider nur noch für ein weiteres Album gereicht.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 112 Songs ist hier.)
She said she’d throw herself off a bridge
He stood and laughed and she never did
She telephoned to say that she’d cut her wrists
Instead she beat the walls with her fists
Das passt jetzt sehr gut zu dem gestrigen Eintrag. Wieder 80er in Großbritannien, wieder dieser läutende Gitarrensound (Neil Clark heißt der Mann an der Klampfe hier), wieder ein romantischer Songwriter mit einer sonoren Stimme. Bei dem Lied muss ich an eine alte, unglückliche Liebe Anfang der Neunziger aus der Luxemburger Zeit denken. Ich hatte ihr die CD Easy Pieces geschenkt, auf der es drauf ist. Es stellte sich dann raus, dass ich leider nur ein minor character in ihrem Leben war, worauf ich mich dann auch nicht von der Brücke geschmissen habe, allerdings hat etwas Ähnliches dann später ein sehr guter Freund gemacht (nicht wegen ihr), mit dem ich vorher öfter darüber gescherzt hatte. Da wusste ich, dass ich aus Luxemburg weg musste. Zurück zu ihr. Sie war sehr blond und aus Zehlendorf. Zu unserer Middle Life Crisis Luxo Reunion Ende Juni kommt sie natürlich auch nicht.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 111 Songs ist hier.)
Wir waren heute abend in dem Berliner Konzert der argentinisch-französischen Kollaboration Gotan Project (s.a. verlan). Die sieben Gruppenmitglieder waren mit zwei Reisebussen aus Paris gekommen. Die akustischen Instrumente wie Stimme, Bandoneon, Geige und Trompete, Gitarren sowie die Keyboards wurden von Musikern aus Buenos Aires gespielt während an den synthetischen Sounderzeugern ein Franzose und ein Deutschsprachler saßen. Sie waren vor allem für die Drumprogrammierung, diverse Soundeffekte und Einspielungen von Stimmen – häufig durch einen Vocoder gejagt – verantwortlich. Was die beiden da verzapften, war bis auf die diversen Halleffekte nicht unbedingt mein cup of tea, die üblichen eintönigen Beats, schlimm die Roboterstimmen. Aber was die Argentinier da machten, war ziemlich klasse. Im Zentrum natürlich das Bandoneon mit seinem wehmütigem, wiegendem Klang. Dann der Keyboarder, der die Stücke zum Grooven brachte. Und schließlich die Geigerin, die z.T. nur staccatomäßig, leicht über die Saiten strich und so kleine Notentupfer setzte. Manche Stücke hatten einen sehr hypnotischen Effekt; insgesamt fand ich den Sound aber oft sehr breiig und einförmig, als würde da immer die nahezu selbe Nummer gespielt. Wir standen unten, der Saal war ziemlich voll, und nach einer Weile tanzten natürlich so einige Paare Tango. Immer schön anzusehen und vielleicht versuchen wir es ja auch nochmal.
Who’s that boy, always on his own
Let’s ignore him, he’s ugly, no one’s song
Check that mind, so relaxed and pure, in honesty
Boy just watch your joy
Nach dem Ende der Smiths 1987 gab es nicht so wahnsinnig viele Bands in England, denen man es am Anfang zutrauen konnte, in ihre Fußstapfen zu treten. Außer den Field Mice fallen mir da jetzt gerade nur The House of Love ein. Ihr Leader Guy Chadwick hatte ähnlich wie Morrissey etwas von einem romantischen Outsider an sich. Seine Songtexte waren zwar nicht ganz so exquisit wie die des Smiths-Sängers, dafür hatte er durchaus auch Croonerqualitäten. Hauptmerkmal der Musik war außerdem der samtene, klirrend-klingelnde Klang von Terry Bickers Gitarre (noch eine Parallele zu den Smiths). Hier am Anfang von Road scheinern sich die Saiten in läutende Miniglocken zu verwandeln, sie geben dem Song etwas Glorreiches, feierlich Festliches, wie ein prächtiges Sternefunkeln nachts am Himmelszelt.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 110 Songs ist hier.)
Zwei Tage nach Ian Curtis 30. Todestag (s.a. hier) wähle ich mir den fünften Song von Joy Division, der größten Band von allen, wenn mich jemand fragen würde. Und wenn ich mir das Dabeisein bei einem einzigen Konzert hätte wünschen können, dann wäre es das hier gewesen am 18. Dezember 1979 im Les Bains Douches in Paris. Da waren die vier in absoluter Topform, was sie mit dieser erbarmungslosen Version von Shadowplay unter Beweis stellten. Peter Hook’s überfetter, rumpelnder Bass eröffnet den Reigen, dann trätiert Bernard Sumner seine Gitarre wie ein wildes Tier und entlockt ihr höllische Dissonanzen. Der Song explodiert. Krachig-kraftvoller geht nimmer. Ansonsten natürlich noch Stephen Morris gewohnt solides, diesmal sehr schön schepperndes Schlagzeug und dann schließlich Ian Curtis düstere Stimme, aber irgendwie ist er nur Statist, den eigentlichen Job machen die anderen.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 109 Songs ist hier.)
We lay on the bed there
Kissing just for practice
Could we please be objective?
Because the other boys are queuing up behind us
Meine Beziehung zur Musik von Belle and Sebastian hat eine wellenförmige Form. Die Welle ist allerdings schon vor längerer Zeit an den Gestaden des Indiepop ausgelaufen. Zu Anfang habe ich den Appeal der Musik wie auch schon vorher bei den Cocteau Twins überhaupt nicht verstanden. Ich habe die Melodien zuerst einfach nicht wahrgenommen, das schien alles so beliebig und verweichlicht. Aber beim zweiten oder dritten Hören von If You’re Feeling Sinister hat es dann geklickt bei mir. Und sie haben mich völlig verzaubert. Vor allem in dem zweiten Lied der CD, Seeing Other People. Wie da Leichtigkeit des Rhythmus, schwermütige Melodie, an den Barock erinnernde Harmonik, angenehme, sanfte Stimme des Sängers und seine mit den Worten gekonnt spielenden Lyrics zusammenfinden, ist ein sehr seltener Glücksfall in der Musik. Da ist er wieder der metaphysische Moment, wo es mir vorkommt als würde ein Musikstück vorstoßen in eine andere, glücklichere, tiefere Welt. Aber wahrscheinlich bin ich nur mal wieder sentimental-nostalgisch gerührt davon, dass dieses Album rauskam als ich noch in Luxemburg war und nebenbei noch 14 Jahre jünger, also vor einer gefühlten Ewigkeit. Damals hielt ich sie für eine Weile für die beste britische Band seit den Smiths und habe ihnen sogar zugetraut, in deren Fußstapfen zu treten. So am Anfang der Frankfurter Zeit um 1997/98 habe ich alle CD-Maxis von ihnen gekauft, ich glaube in den USA über Cdnow mit Einfuhrumsatzsteuer und so. In der Zwischenzeit haben Belle and Sebastian dann aber kaum noch Musik gemacht, die mich angesprochen hat. Die drittte Platte war noch ganz gut, aber danach fehlten mir so ein bisschen die einfachen Melodien in dem ganzen Pop-Produktionstralala, das sie mit Streichern und weiß Gott welchen tollen Effekten veranstaltet haben. Das war mir zu dick und sirupmäßig aufgetragen, da war die kindliche Seele schon lange aus der Musik entfleucht.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 107 Songs ist hier.)
Don’t the sun look good today
but the rain is on its way,
watch the butcher shine his knives,
and this town is full of battered wives
Diese Version des Songs mit dem die Go-Betweens einer Hitsingle am nächsten gekommen sind (Nr. 70 in Australien, Nr. 82 in UK) wurde wahrscheinlich in den Neunzigern bei einem Konzert in Deutschland („eins-zwei-dry-vier“) aufgenommen. Natürlich denke ich bei dem Lied sofort an den viel zu früh verstorbenen Grant McLennan, der ja immer die etwas poppigeren Stücke des Songwriterduos Forster/McLennan geschrieben hat. Wobei hier der teilweise leicht abgründige Text seltsam kontrastiert mit der luftig-lockeren Ohrwurmmelodie. Ein bisschen Melancholie schwingt natürlich auch mit, sonst wäre es kein Lied der Go-Betweens. Aber insgesamt ist es wegen seines peppigen Drives und seiner Sonnigkeit nicht gerade sehr typisch für ihr Œuvre. Ein Tag, an dem man sich hiermit wecken lässt, kann nur ein guter Tag werden, sag ich jetzt mal so.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 106 Songs ist hier.)
Dieser instrumentale Remix des Danceklassikers von The Human League ist eigentlich über sieben Minuten lang. Ich habe ihn mir allerdings aus einem Mix von Musicophilia rausgeschnitten. Daher fehlt fast die Hälfte und deswegen hört man auch am Anfang noch das Fading Out von Funkadelic’s One Nation Under a Groove, das dann langsam in Don’t You Want Me überblendet. Egal, die Zeit als messbare Größe ist sowieso rettungslos überschätzt. Für mich ist es fast ein Wunder, aber ich habe mir diese tausende Male abgenudelte Nummer bis heute nicht übergehört (autsch). Ein Grund könnte sein, dass ich in meinen späten Teens Discos gemieden habe und diesem Smashhit nicht so schutzlos ausgeliefert war wie viele andere aus meiner Generation. Andererseits finde ich gerade diesen Remix gut gelungen, da er sehr variationsreich ist. Bestimmt kein Nachteil ist, dass hier nicht gesungen wird. Sehr schön natürlich auch der Name, den sich die Band für dieses Projekt zugelegt hat. Ich glaube, jetzt lege ich erstmal die Barry White-Instrumentalplatte auf, die ich vor einem Jahr in New York erstanden habe. Sorry für das abrupte Ende des Tracks, aber das sollte man als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen, die komplette CD käuflich zu erwerben.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 105 Songs ist hier.)
Still a lot of lands to see
But I wouldn’t want to stay here
It’s too old and cold and settled in its ways here
Oh but California
Vor 40 Jahren, die Siebziger haben gerade angefangen, Joni ist auf Europareise und sie hat den Blues. Zum einen weil sie spürt, dass dem Frieden doch keine Chance gegeben wird (der Vietnamkrieg geht weiter), zum andern weil sie sich zurücksehnt. In ihre Wahlheimat Kalifornien. Eigentlich kommt sie ja aus dem kanadischen Westen. Von Paris reist sie der Sonne nach weiter südlich nach Griechenland und dann nach Spanien, aber die Parties mit den vielen gebildeten, schönen Leuten können nichts an ihrem Heimweh ändern. Bei dem Lied denke ich auch ein bisschen an meine Radfahrt nach Griechenland, die ursprünglich ins Morgenland gehen sollte, im Sommer 1982. Ich war damals auch in Matala, die Höhlen waren kaum noch bewohnt. Am Strand lagen Neckermannurlauber in einem Glutofen von 40 Grad und mehr. Das war so ziemlich der südlichste Punkt meiner Tour, danach ging es langsam wieder zurück nach Mitteleuropa. Inzwischen ist die Gegend um Perpignan, in der ich mich jetzt gerade befinde, so ein wenig mein Kalifornien geworden. Die Sonne scheint jetzt gerade wieder und das helle Licht zusammen mit dem kühlen, starken Nordwind, der Tramontane, vertreibt jegliche Schwermut. Dazu der honigsüße, schnell zu Kopf steigende Muscat und das frugale französische Essen. Sowie die als Albères im Mittelmeer auslaufenden Pyrenäen, in denen man herrliche Wandertouren machen kann. Mehr braucht man nicht zum Glück.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 104 Songs ist hier.)
Oh, Susan, the hope of fusion
is that the halo will reappear
it may be pure illusion
but it’s beautiful while it’s here
Der Regen hat aufgehört. Die Tramontane hat die Wolken verscheucht. Wir haben die Chance genutzt und am vorletzten Tag eine zweieinhalbstündige Wanderung in der Nähe von Maureillas-las-Illas gemacht. Auf schmalen, felsigen Wegen an der Bergflanke durch den Wald zu einem Dolmen und einer Turmruine mit schöner Aussicht nach Céret. Hierzu passt das zupackende Lied von Aimee Mann sehr gut. Es geht, glaube ich, um eine Beziehung, die in die Brüche geht. Und wie man daraus das Beste macht. Mal sehen, ob wir morgen problemlos nach Hause kommen. Die Vulkanasche, die unseren Hinflug um einen Tag verzögert hat, scheint derzeit Girona zu verschonen. Ansonsten bleiben wir halt noch ein paar Tage…
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 103 Songs ist hier.)
What U putting in your nose?
Is that where all your money goes
The river of addiction flows
U think it’s hot, but there won’t be no water
When the fire blows
Mit dieser Songauswahl habe ich mich selbst überrascht. Dump alias James McNew aka der Bassist von Yo La Tengo hat vor ein paar Jahren eine CD mit Prince-Covern mit dem schönen Titel That Skinny Motherfucker with the High Voice? gemacht, in dem er auch dieses frühe Princelied von 1985 spielt. James McNew ist von der Statur eher der Anti-Prince, kann aber auch recht hoch singen. Wie diese melancholisch-melodiöse Weise groovt ist ein absolutes Phänomen. Neben der Fistelstimme trägt auch die simple Keyboardtonfolge zu einer naiv-unschuldigen Stimmung bei, die mein Herz auf der Stelle erobert hat. Im Hintergrund hört man, glaube ich auch noch Ira Kaplan, also Yo La Tengo’s Gitarristen, Leadsänger und -komponisten, Vocals beitragen, das Original habe ich übrigens noch nie bewusst gehört.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar [5:34] ausgewählten 102 Songs ist hier.)
Every time I see you falling
I get down on my knees and pray
I’m waiting for that final moment
You say the words that I can’t say
Was soll ich zu diesem Lied nur sagen? Dass es einer der handvoll wirklich guten Popsongs ist? Das weiß doch sowieso jeder, der sich ein bisschen mit Popmusik auseinandergesetzt hat. Dass der Liedtext völlig nichtssagend und vage scheint (another view)? Bernard Sumner kann glaube ich nicht anders und wenn man mal ehrlich ist, dann macht das auch gar nichts, im Gegenteil gesungen hört sich das perfekt an, wer versucht, in Poplyrics große Lebensweisheiten zu entdecken, dem kann man nur eine Überdosis Glück wünschen. Love Triangle, wer denkt da nicht an Jules und Jim und an Jeanne Moreau. Ob der Bernard von denen wohl jemals gehört hat? Ich war auch schon in so einer Dreiecksbeziehung drin. Sogar zweimal, kurz hintereinander. Was man auf jeden Fall sagen kann, aus sowas kommt keine der drei Personen unbeschadet heraus. Ich habe damals meine erste Freundin an einen guten Freund verloren. Es war schade um uns drei. Dann habe ich noch meinen besten Freund verloren weil er dachte, dass ich etwas mit seiner Ex angefangen hätte. Ein seltsames – eher fiktives – Liebesdreieck. BLT habe ich, glaube ich, das erste Mal in der akustischen Version von Frente! gehört. Es hat mich sofort gepackt, natürlich auch wegen der mädchenhaften Stimme der Sängerin, wobei ich sagen muss, dass das Original noch besser ist. Oder hätte ich tanzbarer sagen sollen?
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 101 Songs ist hier.)
Y’a pas qu’au fond de la piscine
Que mes yeux sont bleu marine
Tu les avais repérés
Sans qu’il y ait un regard
Morgens die Runde Laroque – St Génis – Villelongue – Laroque in 29:09 Minuten gelaufen. Das Wasser im Swimming-Pool hat sich auf 17-18 Grad aufgewärmt. Noch zu kalt für mich. Wir reinigen den Swimming-Pool mit dem Roboter, dem Schrubber und dem Netz. Meine Kniee schmerzen. Am frühen Nachmittag regnet es Bindfäden. Isabelle Adjani in Rivette’s La Belle Noiseuse. Musste das sein? (Hier hat der Blogger Isabelle mit Emanuelle verwechselt, unverzeihlich!) Dann doch lieber Luc Besson’s Clip zu Pull Marine.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 100 Songs ist hier.)
So leave your house and come into my shed
Please stop my world from raining through my head
Please don’t think I’m not your sort,
You’ll find that sheds are nicer than you thought
Nick Drake im Doppelpack. So richtig wundern tut es mich jetzt nicht, dass er der erste ist, der an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils mein Lieblingslied auf Songlängenbasis geschrieben hat. Man in a Shed, von der ersten Platte Five Leaves Left, ist wiederum – wie alle seine Liedertexte – sehr autobiographisch und hat mich 1979 als ich es mit sechzehn das erste Mal gehört habe, völlig umgehauen. Dieser Typ, der nicht aus seinem Schuppen rauskam und sich in ein Mädchen aus einem schönen Haus verliebte, die ihm außer guten Ratschlägen nicht viel geben konnte, war – das war sonnenklar – ich selbst. Ich hatte mich auch in meinem Zimmer im Souterrain verschanzt, las in meinem braunen Stoffsessel mit den Wörterbüchern auf den Armlehnen die halbe Weltliteratur durch und wartete auf die Frau, die mich vom Kopf auf die Füße stellen würde. Die dann auch kam und mit der ich stundenlang über Gott und die Welt geredet habe. Aus uns wurde natürlich nichts, ich glaube ich war zu schüchtern und zu unreif für sie. Bei diesem Lied fällt es mir besonders auf wie attraktiv es sein kann, in einer Depression zu verharren und sich nicht hinauszuwagen in die Welt da draußen (ich bin dann später hineingesprungen ins knallharte Leben, aber das ist eine andere Geschichte). Die Gitarre auf dem rechten Kanal am Anfang strahlte eine tiefe Verlassenheit und Traurigkeit aus, aber spätestens, wenn der sehr in den Vordergrund gemischte satte Bass einsetzte, konnte ich mich so richtig suhlen in meiner Melancholie und in meinem glücklich-unglücklichen Außenseitertum. Das Klavier vervollständigt die Instrumentierung und gibt dem Stück einen bluesigen und gleichzeitig federleichten Swing. Dieses Lied ist der Beweis: Die größte Gefahr einer Depression lauert in ihrem enormen Suchtpotential.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 99 Songs ist hier.)
Open up the broken cup
Let goodly sin and sunshine in
Yes that’s today.
And open wide the hymns you hide
You find renown while people frown
At things that you say
But say what you’ll say
About the farmers and the fun
And the things behind the sun
And the people round your head
Who say everything’s been said
And the movement in your brain
Sends you out into the rain.
Das ist die letzte Strophe dieses Songs von Nick Drake’s letzter Platte Pink Moon. Sie fasst sein Leben in wenigen Zeilen zusammen. Von der Sonne zu den Dingen hinter der Sonne bis hinaus in den Regen. Sein kurzes Leben war wie eine zerbrochene Tasse, seine Lieder die Scherben, für die sich niemand zu seinen Lebzeiten interessierte. In ihnen hat er gesagt, was er sagen musste auch wenn die anderen die Stirn runzelten. Hier singt jemand von einer Depression aus der er nicht mehr rausgekommen ist. Er hat die Antidepressiva nicht regelmäßig genommen wie vom Arzt angordnet. Vielleicht hätte er uns sonst nicht dieses Lied hinterlassen. Am Ende dann hat er zu viele Pillen gegen die Depression genommen. Und sie haben gewirkt.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 98 Songs ist hier.)
I asked the painter why the roads are colored black.
He said, „Steve, it’s because people leave
and no highway will bring them back.“
Mit diesem gut abgehangenen Stück fängt das kleine Meisterwerk American Water der Silver Jews an. David Berman jongliert mit den Metaphern wie Rastelli in seinen besten Jahren. Inzwischen hat er ja leider dem Songwritertum völlig abgeschworen. Dafür können wir uns wohl bei seinem Vater, Dr. Evil, bedanken.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 97 Songs ist hier.)
No language, just sound is all we need now to synchronise
Love to the beat of the show
Das ist das Lied, das Joy Division live zum Durchbruch verholfen hat. Es geht ums Radio, es geht ums dazu Tanzen, es geht um den Beat und die Show. Und es geht um den Sex.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 96 Songs ist hier.)
Well I Wonder
Do you hear me when you sleep?
I hoarsely cry
ich bin müde und zerschlagen (ich kann in berlin nicht vernünftig schlafen, gehe halb eins ins bett und wache halb fünf auf und wälze mich, nicht nur wegen der fehlenden rolladen aber auch), mir tut der hals weh (die schmacht bleibt, als wäre meine kehle radioaktiv verseucht, halbwertzeit 1000 jahre) und der rücken schmerzt jetzt auch in diesem ikea-ledersessel. und das schlimmste ich befinde mich in einer tiefen depression. (wieso sind depressionen eigentlich immer tief? sind sie es überhaupt? hilft es dem deprimierenden, wenn er realisiert, dass seine depression nicht tief ist, oder deprimiert es ihn noch mehr?). dieser post ist einfach stream of consciousness und hat nicht unbedingt was mit dem lied zu tun. heute und gestern war ein typ in der u2, der spielte saxophon. in der u2 sind auf dem weg von hausvogteiplatz zum bahnhof zoo eigentlich immer musikanten oder solche die sich dafür halten drin. das besondere an dem saxophonisten war, dass er anders war. zum einen wegen des instrumentes, die meisten spielen gitarre oder akkordeon – sodann weil er ganz ok gekleidet war, also offensichtlich kein penner. außerdem spielte er ein unaufdringliches, lyrisches jazzstück, scheiße ich weiß nicht wie es heißt, aber es ist sehr bekannt. zudem spielt er ziemlich lange. also nicht nur von einer station zur nächsten sondern eher über zwei stationen. diesem musiker gebe ich kein geld obwohl er der beste ubahnmusiker ist, den ich bisher gehört habe. seine musik nervt nicht. das ist eigentlich für mich die hauptmotivation, geld zu geben. die musik ist so schlecht gespielt und nervt so dermaßen, dass ich mitleid mit dem musikanten kriegt. na ja dieser kriegt jedenfalls nix von mir – es kriegt sowieso nur der erste bettler, der mir am tag über den weg läuft die 50 cent, die ich morgens in meine jackentasche tue und diesen sehe ich erst am abend also ist er meist nicht der erste – weil ich genau weiß, dass er von den anderen was kriegen wird. heute war eine gruppe französische schüler in der pubertät in der u2. sie klatschten nach der performance und der eine junge gab dem bettler was. ich hab jetzt noch in 77 lieder reinzuhören und muss packen und und und. ach und was ich vergessen habe, mein auto ist im arsch. die pumpe-düse will nicht mehr so richtig, esp fällt dauernd aus, die leistung fällt ab und ich komme kaum noch die berge zwischen bad hersfeld und eisenach hoch. meine autos halten immer knapp 10 jahre. der erste von 1990-2000, der zweite von 2001-2010. jeweils etwas mehr als 100.000 km, ich glaube der erste hatte mehr. ein fingerzeig des himmels: was zum teufel soll ich mit einem auto in berlin? wir sind jedenfalls jetzt erstmal ne woche in laroque bei perpignan.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 95 Songs ist hier.)
Like a leaf clings to a tree
Please cling to me
We are creatures of the wind
Wild is the wind
Meine Liebe zu dieser Coverversion eines Filmsongs von 1957 – es ist nicht exakt die Gleiche aber nahezu – habe ich schon mal in englische Worte gekleidet. Eins könnte man noch hinzufügen. Der Wind ist wild, aber Chan Marshall’s Stimme, wenn sie diese Titelzeile singt, ist wilder.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 94 Songs ist hier.)
Anytime call me up if you
got the sun,
cuz I got the waves.
Eigentlich war ja Nick Drake’s River Man in der exquisiten Cambridger Fassung mein Lieblingslied mit 242 Sekunden. Aber dann habe ich mir plötzlich gedacht, dass das in der Wunde rumbohren auf Dauer ja nun auch nichts bringt. Heute will ich mich einfach mal in musikalischer Hinsicht gehen lassen. Also habe ich mich für dieses Throwaway-Bubblegum-Drone-Piece entschieden. Außerdem ist es eine gute Einführung in diese Art von psychedelischer Musik, insbesondere auch für Leute, die noch nicht wissen, ob sie am Donnerstag zum Konzert von Brian Jonestown Massacre ins Lido Magnet (ich weiß noch nicht mal wo das ist) kommen wollen. Ich werde wohl da sein, zu BJM und ihrem Leader Anton Newcombe ist zu sagen, dass
sie 1. normalerweise ganz ähnliche hypnotische, repetitive, melodische Musik machen
sie 2. mit den Dandy Warhols in inniger Lokalfeindschaft – ich glaube beide Bands kommen aus San Franciso bzw. von der Westküste – verbunden sind
sie 3. neuerdings eher so eine Art Weltmusik machen
er 4. inzwischen in Berlin lebt
er 5. den little helpers inzwischen abgeschworen haben soll
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 93 Songs ist hier.)
Take me out tonight
where there’s music and there’s people
who are young and alive
Eigentlich wollte ich ja Man Enough to Prey von Lloyd Cole’s exzellentem nach Raymond Carver benanntem Album Don’t Get Weird on Me, Babe auswählen. Vor allem auch wegen der Harmonika, die bei mir zum einen nostalgische Gefühle weckt und zum andern eine innere Ruhe und Wärme ausstrahlt, aber dann kamen mal wieder die Smiths dazwischen. Dieses ist einer ihrer klassischen Songs, der sich durch eine besondere Instrumentierung auszeichnet. Zum einen grummelt der Bass sehr stark im Vordergrund wie auf kaum einem anderen Smiths-Lied. Er wird schön kontrastiert von etwas, was sich anhört wie ein Streicherensemble, es ist allerdings nur ein elektronisches Artefakt; das Budget war zu klein. Selbiges gilt für die Flötenmelodie. Von Johnny Marr’s Gitarre hingegen ist hier kaum etwas zu hören. Das macht aber hier rein gar nichts. Das Stück ist so gut, dass dieser Mangel sehr gut zu verschmerzen ist. Alle Smiths-Verächter muss ich nun leider enttäuschen; das war bestimmt nicht das letzte Stück von den Smiths.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 92 Songs ist hier.)
vorgestern auf dem myfest gewesen. jetzt beim aufschreiben schäme ich mich dafür, einer veranstaltung mit diesem namen beigewohnt zu haben. myspace, myfest, myzeil. myass. erstaunlicherweise in dem gewusel drei kollegen getroffen. der erste war zu sehr mit seinem kinderwagen beschäftigt, um mich in der unterführung vom kottbusser tor zu bemerken. mit der zweiten hatte ich mich dort am kiosk verabredet. die dritte hat uns beide dann am mariannenplatz erspäht. ansonsten eine sehr leckere, gehaltvolle caipirinha getrunken und ein fladenbrot mit köfte und würzigen gegrillten wurstscheiben gefuttert. hab mal wieder den altersdurchschnitt angehoben. länger als eine minute techno halte ich immer noch nicht aus, aber das herumgehampel der leute, vor allem des typen mit sonnenbrille, zauberte ein dickes, fettes breitmaulfroschgrinsen auf meine wangen. gut hingegen die oft orientalisch angehauchte musik auf der bühne am mariannenplatz. ich sag nur saz.
Dies hier hat mich heute sehr bewegt. Der Gedanke, Gestorbene, die man gut gekannt hat, irgendwann wiederzutreffen, verfestigt sich auch bei mir immer mehr. Die können doch nicht für alle Zeit verschwunden sein. Im Grunde kommt es mir ja schon jetzt so vor, dass die Toten gar nicht weg sind. Dadurch, dass ich an sie denke, ich denke da besonders an eine Person, sind sie weiter lebendig.
You’re on your way to my enemies
You’re moving in on my memories
Yo La Tengo – noch so eine Lieblingsband von mir – beginnen ihr allseits stark unterschätztes Noisy Rock Album May I Sing With Me mit einem entspannten, sonnigen Stück aus der Feder von Georgia Hubley, das man bis zu dem späten Zeitpunkt, zu dem ihre sanfte, summende Stimme einsetzt, für ein Instrumental halten könnte. An diesem Song fasziniert mich jedes Mal wie lange der Wechsel vom ruhigen zum schnelleren Teil hinausgezögert wird. Wenn man weiß, dass eine Beschleunigung mit den hinzustoßenden Drums ansteht, dann baut sich für einen eine prickelnde Spannung auf, die man hier eigentlich nicht erwarten würde. Die Melodie ist so schlicht und schön, dass es mir jedes Mal den Atem verschlägt. Worum es hier geht, ist unklar, der Titel ist sehr mysteriös, der kurze Songtext hilft auch nicht wirklich weiter. Eine reine Mutmassung meinerseits, aber es könnte um ein ambivalentes Verhältnis der Band zu ihrem Heimatland gehen.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 91 Songs ist hier.)
Saturday sun brought people and faces
That didn’t seem much in their day
But when I remember those people and places
They were really too good in their way.
Das passende Lied zum heutigen Tag, die Sonne hat auch schon kurz mal durch die Balkontür ins Wohnzimmer reingelünkert. Zu Nick Drake schreibe ich eher ungern obwohl ich es schon öfter getan habe; es scheint immer so, dass die eigenen Worte von der Musik dieses frühvollendeten Songwriters ablenken. Außerdem ist Nick Drake für mich immer noch sehr privat; die Idee mit anderen Leuten gemeinsam seine Lieder anzuhören, ist für mich wie ein Verrat. Ich würde mich in solch einem Setting unwohl fühlen, ein bisschen so als würden meine innersten Gefühle in seinen Songs nach außen gekehrt. Nick Drake habe ich früher viel mit meinem besten Schulfreund gehört, dann ein zwei mal mit C. Heute höre ich seine Musik fast nur zufällig, wenn der iPod im Shuffle-Modus eines seiner Lied ausgewählt hat. Saturday Sun schließt die erste Platte ab, die ich besonders mag weil ich sie auch zuerst gehört habe. Das Lied strahlt eine große Gelassenheit aus und ist für drakesche Verhältnisse schon fast heiter. Das hat vielleicht auch mit der Instrumentierung zu tun, Drake spielt Klavier, zudem sorgt ein Vibraphon für eine leicht beschwingte, offene, jazzige Atmosphäre. Das Stück hat etwas Rundes, Abgeschlossenes, Vollständiges. Ein eigenes Universum, das in sich ruht. Die Melancholie ist gut versteckt und äußert sich vor allem am Ende, wenn er singt
And Saturday’s sun has turned to Sunday’s rain.
So Sunday sat in the Saturday sun
And wept for a day gone by.
Auch das scheint wieder auf dieses Wochenende zu passen, regnen soll es ja eventuell auch noch.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 90 Songs ist hier.)
He came riding fast like a phoenix out of fire flames
He came dressed in black with a cross bearing my name
He came bathed in light and splendor and glory
I can’t believe what the lord has finally sent me
Vor ca. zehn Jahren am Anfang unserer Frankfurter Zeit sind wir mal ein Wochenende nach München gefahren, wo ich studiert habe. Aufhänger war ein Konzert von Giant Sand, damals gerade meine Lieblingsgruppe. Sie spielten im Industriepark im Osten der Stadt. 20 Uhr war als Startzeitpunkt angesetzt. Wir trudelten fünf nach acht ein. Ich hatte mich darauf eingestellt, ein Weilchen auf den Beginn des Konzerts zu warten aber das war nicht nötig. Howe Gelb und seine Mannen hatten pünktlich angefangen. Wie man das in Deutschland halt so macht. Das Trio Gelb, Burns & Convertino lieferte eine solide Vorstellung ab, war aber nach einer Stunde schon wieder weg von der Szene. Dann kam der main act, für den wir aber eigentlich nicht gekommen waren. PJ Harvey. Ein kleines, dürres, zierliches Persönchen. Mit einer unglaublichen Energie und Power. Sie tanzte über die Bühne wie ein wildgewordener Derwisch. Wie sie an dem Abend meine Lieblingsband hinweggefegt hat, das hatte etwas von einem Wirbewind, der übers Flachland weht und keinen Grashalm stehen lässt. Eines der intensivsten und eindrucksvollsten Konzerte, das ich erlebt habe.
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Kool Thing you’re sitting with a kitty
Now you know you sure look pretty
Like a lover, not a dancer
Super boy take a little chance here
Dieses Liedchen wird mir immer in Erinnerung bleiben als Filmmusik zu der Tanzszene in Hal Hartley’s Simple Men, einem Film, von dem ich ansonsten so gut wie alles vergessen habe. Ich hab ihn trotzdem gemocht, es war ein road movie, das eine Art von amerikanischer Unbekümmertheit ausstrahlte, wenn ich mich recht erinnere. Kim Gordon singt hier wohl über einen Rapper und sein machohaftes Gehabe. Das interessiert mich nun überhaupt nicht, aber der Song ist einer der eingängigsten der Band und war nicht umsonst ihre erste Single auf einem Majorlabel.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 88 Songs ist hier.)
Heute mittag habe ich mein erstes Subway-Sandwich gegessen. Thunfisch auf Vollkornbrötchen mit Mexican Southwest Sauce und Honig Salz und Pfeffer sowie allem außer Paprika. Wir – zwei Kolleginnen und ich – gingen dann bei herrlichem Sonnenschein zum französischen Dom, wo wir uns auf die Stufen setzten. Nachdem ich das Sandwich ausgepackt hatte, konnte ich mir folgende kritische Bemerkung nicht verkneifen:
15 Zentimeter? Das sollen 15 Zentimeter sein?
(bei Subway gibt es normale 15 Zentimeter lange „Baguettes“ und 30 Zentimeter lange, ich hatte mich für die Kurzversion entschieden)
Worauf eine der Kolleginnen etwas in der Richtung sagte, dass sie diesen Gedanken auch schon mal gehabt hätte, allerdings in einem etwas anderen Zusammenhang. Es dauerte etwas bis es bei mir klingelte.
Der Bezug dieses Eintrags zu dem gewählten Lied mag auf den ersten Blick nicht erkennbar sein, aber das scheint nur so. 😉
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 87 Songs ist hier.)
I saw my head laughing
rolling on the ground
And now I’m set free
I’m set free
I’m set free to find a new illusion
Von was singt Lou Reed hier nur? Von einem Drogentrip? Oder vielmehr vom Gegenteil, der Befreiung von einer Drogenabhängigkeit? Oder von einer Elektroschockbehandlung? Oder vielleicht von einer Nahtoderfahrung? Egal worum es hier genau geht, da hat jemand eine sehr tiefgehende Erfahrung gemacht, die ihn verändert hat und hat sie in Musik umgesetzt. Es ist ein ruhiges, hymnisches, pastorales Lied geworden, das eine starke positive Energie aussendet. Eine ähnliche Wirkung hat auf mich sonst nur religiös motivierte Musik wie Soul oder Gospel.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 86 Songs ist hier.)
Sehr viele, sehr gute Songs hier (u.a. Joy Division’s kraftvoll-dunkles Shadowplay, Wild Is the Wind von Cat Power interpretiert als wäre es ihr eigenes Lied, das lyrische The Fox in the Snow von Belle & Sebastian, der Tanzknüller Some Distant Memory von Electronic, das meditative Spider Monkey von Beth Gibbons oder UB40’s sehr sommerlicher Ohrwurmreggae Food for Thought), aber dieser hier sticht ganz klar aus der Masse hervor. Ich habe gestern schon das Wort erwähnt. Transzendenz. Das mag sich jetzt etwas versponnen anhören, aber im Grunde höre ich Musik hauptsächlich deshalb, um herauszutreten aus dem profanen Hier und Jetzt in eine andere Dimension außerhalb von Raum und Zeit. Es sind solche Momente wie der reine Gesang der Libanesin Dunya Yusin, den Eno und Byrne auf My Life in the Bush of Ghosts gesampled haben. Es scheint eher ein Klagegesang ist, auf jeden Fall ist er überirdisch schön. Er ist eingebettet in einen unglaublich dicht gewobenen Rhythmusteppich. Die Beats werden u.a. auch auf gefundenen Objekten wie Bratpfannen, Pappkartons etc. geschlagen. Ich habe schon mal von diesem Stück geschwärmt, also belass ich es jetzt mal hiermit.
(Die Liste aller seit 1. Februar [5:34] ausgewählten 84 Songs ist hier.)
Wieder schlecht geschlafen letzte Nacht, dann ein wunderschöner, frühsommerlicher Sonnentag. Und eine Depressionswelle von tsunamihaften Ausmaßen schlägt über mir zusammen. Ausweichen unmöglich. Versuche mich abzulenken, indem ich die Teakmöbel auf der Terrasse öle. Es klappt nicht so richtig. Eigentlich wollte ich einen anderen Song wählen, Skyscrape von Idaho, Sad-/Slowcore, meiner Stimmung angemessener. Aber mein Lieblingslied von Loveless ist transzendentaler. Und nebelverhangener. Ich suche jetzt den Schlaf auf den Federkernen. Hoffentlich finde ich ihn.
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Laisse-moi devenir
L’ombre de ton ombre
L’ombre de ta main
L’ombre de ton chien
Wahrscheinlich das uncoolste Lied der Musikgeschichte. Fast hätte ich statt seiner Kool Thing von Sonic Youth ausgewählt. Aber wenn man mal ehrlich ist, dann muss dieses Chanson in einer Liste bester Lieder drin sein. Weil es das Liebeslied per se ist. Die Argumente, die der von seiner Liebsten Verlassene aufbringt, um sie zurückzugewinnen, sind so over the top, dass man sich ein inneres Lächeln kaum noch verkneifen kann. Er will ihr Regentränen aus Ländern anbieten, wo es nicht regnet. Er will die Erde nach seinem Tod umgraben, um ihren Körper mit Gold und Licht zu bedecken. Er will ihr die Geschichte von dem König erzählen, der daran gestorben ist, dass er sie nie getroffen hat. Und gegen Ende verspricht er ihr, dass er aufhören wird zu weinen und zu reden und sich verstecken wird, um sie nur noch beim Tanzen und Lächeln zu betrachten und ihr beim Singen und Lachen zuzuhören. Ganz am Schluss sieht er nur noch eine Möglichkeit, ihr nahezukommen. Als Schatten ihres Schattens.
P.S. Die autobiographische Geschichte hinter diesem Chanson war prosaischer. Eine von Brel’s Geliebten – er war mit Miche verheiratet und sie hatten drei Mädchen – war von ihm schwanger und er wollte die Vaterschaft nicht anerkennen, so dass sie sich gezwungen sah, das Kind abzutreiben und ihn zu verlassen. Brel hat auch gesagt, dass dies ein Lied über die Feigheit des Mannes sei. So erscheinen die ganzen Münchhausiaden, die er hier aufreiht, plötzlich in einem völlig anderen Licht.
(Die Liste aller seit 1. Februar (5:34) ausgewählten Songs ist hier.)
And I swear that I don’t have a gun
No, I don’t have a gun, no, I don’t have a gun
No, I don’t have a gun, no, I don’t have a gun
Heute abend in der U9 (oder war es in der U2?) auf einem dieser Bildschirme mit Schwachsinnsnachrichten über angebliche Promis, von denen ich glücklicherweise meistens noch nie etwas gehört habe (Gnade der frühen Geburt), stand plötzlich ein Name, den ich kannte. Courtney Love (46 wie ich). Die News war allerdings mal wieder keine. Angeblich hat sie daran gedacht, sich umzubringen weil sie sich so unglaublich hasst. Das habe ich dann sogar fast geglaubt. Kurt hatte übrigens damals doch ein Gewehr.
(Die Liste aller seit 1. Februar (5:34) ausgewählten Songs ist hier.)
Catch the mouse
Squash his head
Put him in the pot
In diesem Lied geht es offensichtlich um Tiere, die auf gewaltsame Art getötet werden. Um Grausamkeit. Erst wird die Maus ihrer Freiheit beraubt, dann wird ihr kleines Köpfchen langsam zerquetscht und schließlich wird sie in den Topf gesteckt. Man kann sich ausmalen, dass der Topf mit kochendem Wasser auf dem heißen Herd steht. Am Ende wird die Maus oder was von ihr übrig ist dann wahrscheinlich noch mit den im Titel evozierten Messern klein geschnitten. Ein perfektionistischer Akt totalen Overkills. Und wie überirdisch schön die schlichte Melodie dazu ist. Das macht Angst. Bei Art Spiegelman waren die Mäuse die Juden.
Vielleicht mein größter Moment als Swell-Fan. Als ich David Freel vor ein paar Jahren nach einem Konzert in der Oetinger Villa in Darmstadt mal aus dem T-Shirtkarton befreit habe, in den er reingefallen war. Ich würde hier mehr schreiben, wenn es noch mehr Resonanz geben würde. Im Moment quäle ich mich etwas durch dieses Projekt. Wenn erst das Internet zuhause geht, dann wird hoffentlich alles anders.
And a bar maid came by with fishnet stockings and a bow-tie
She said:
„Drink up now, it’s getting on time to close,“
Die Songs von Joni Mitchell fielen für mich immer in vier Kategorien. Die, bei denen ich dachte, sie sänge über mich in der Gegenwart, die bei denen ich das Gefühl hatte, sie sänge über meine Zukunft, die in denen sie über ihre eigenen Beziehungen sang und den Rest. Dieses Lied gehört zur zweiten Kategorie. Wenn ich es heute höre, dann kommt es mir allerdings eher so vor, als sänge sie von meiner Vergangenheit.
Why must happy hearts break so hard?
Leave you staring in the mirror at a bar
Leave you talking to yourself,
‚Cause you can’t talk to anybody else.
Daniel Johnston, der von gebrochenen Herzen singt. Das rührt mich jedes Mal von neuem. Wir haben ihn übrigens vor kurzem im Konzert in Berlin gesehen. Mit einer zwölfköpfigen Jazzcombo als Begleitband.
restless boy in restless town
and you commence to drinking
a bottle up, a bottle down
a bottle white, a bottle brown
another day peels away
Dieses Lied ergänzt das gute Wetter perfekt. Während uns die Sonne gerade von außen wärmt, wärmt uns dieses Lied von Lambchop’s Nixon-Album das Herz von innen. Nicht lange nachdem ich realisiert hatte, dass Lambchop eine ziemlich gute Band sind, habe ich davon gelesen, dass Kurt Wagner eine Weile mit Richard Brautigan zugebracht hat. Bevor er sich erschossen hat, wenn ich mich recht erinnere ;-). Kurt Wagner ist vielleicht nicht ganz so ein seltsamer Vogel, aber ein Kauz ist der Fliesenleger, der einen grummelnden Bass genauso beherrscht wie ein durchdringendes Falsetto, schon. Es liegt nahe anzunehmen, dass der Titel dieses Stücks etwas mit grumpy (mürrisch, sauertöpfisch) zu tun hat; der Song selber kommt allerdings eher heiter beschwingt daher, er swingt sich herrlich in das Ohr und die Beine. Normalerweise bin ich ja kein Fan von Streichern, aber hier fügen sie sich nahtlos ein und gehören integral zum Sound hinzu.
Oh cheeky cheeky
Oh naughty sneaky
You’re so perceptive
And I wonder how you knew.
Ganz schwierig hier ein Lieblingslied auszumachen, dieser Song von der ersten Enosoloplatte hatte zwei Atouts, zum einen den Anfang, der so unglaublich vielversprechend ist. Sodann die Variationsbreite, hier passiert so viel, hier wird so viel rumgemacht, dass Langeweile eigentlich nicht aufkommen kann. Eno war zu diesem Zeitpunkt – nach der Banderfahrung in Roxy Music – auf dem Höhepunkt seiner Kreativität. Lyrics haben bei ihm ja angeblich nichts zu bedeuten, es geht mehr um den Klang als um den Inhalt, das sagt er zumindest, aber ich glaub das nicht so ganz. Auf jeden Fall ein sehr cooler Titel, und dass Finken auf englisch genauso heißen, wusste ich bis gerade eben auch noch nicht.
gestern im konzerthaus auf dem gendarmenmarkt. paolo pandolfo spielte musik von js bach und cf abel, z.t. solo z.t. mit mitzi meyerson am cembalo. am besten gefielen mir die bachstücke im duo. sehr schön zu beobachten, wie pandolfo bei langsamen passagen eine ernste, konzentrierte miene aufsetzt, bei mittelschnellen teilen in eine würdevolle, stolze mimik wechselt, um dann bei schnellen passagen in einen schalkhaften, heiteren gesichtsausdruck zu changieren. sehr banal, aber die bedeutung der inneren haltung, die man nach außen sichtbar macht, kann man gar nicht überschätzen. diese wechselwirkung von innen und außen, die in beide richtungen ausschlägt. hatte das gefühl in der musik, die haltung wiederzuerkennen. die cellosuite von bach, die er gespielt hat, war sehr einschläfernd. bachs cellosuiten sind mir zu monoton, zu wenig variationsreich. eigentlich erstaunlich, ein instrument, dessen klang ich liebe, ein komponist, den ich für den besten halte. die kombination sehr enttäuschend. die sachen von abel auch nicht mein cup of tea. pandolfo erzählte – in phantastischem deutsch – ein bisschen die geschichte von carl friedrich abel, der schüler von johann sebastian bach war und dann später in london zum alkoholiker wurde, dessen konzerte gelegentlich vom schluchzen des publikums übertönt wurden weil er so empfindsam spielte. eine seiner sinfonien wurde längere zeit als ein werk von mozart angesehn, den er unterrichtete. ein komponist zwischen barock und klassik.
Here I am in a house full of doors but no exits
In a light that is grey like the stain on my windows
(Lyrics)
Movement, das erste – und imo beste – Album von New Order, klingt aus mit diesem rhythmusbetonten Stück. Stephen Morris drummt mal wieder wie ein junger Gott, aber auch die anderen brauchen sich nicht zu verstecken. Barney Sumner’s gelegentliche Gitarrenverzerrungen, Peter Hook’s im Hintergrund rumpelnder Bass und last but not least Gillian Gilbert’s wabernde Keyboards. Ein Album, das an die glücklicheren, alten Joy Divsion Zeiten erinnert und gleichzeitig den zukünftigen Sound einer trendsettenden Dancepopband ankündigt. Aus einem Zwischenreich zwischen Tod – von Ian Curtis und damit Joy Division – und Wiedergeburt als New Order. Im Buddhismus nennt man es Bardo.
Die Lyrics hören sich so an als wären sie ein Beitrag zur aktuellen Missbrauchsdiskussion. Chan Marshall hat in Interviews gesagt, dass es hier um eine Abtreibung geht. Ein bewegendes Lied, das sich unüberwindlich vor uns auftürmt wie damals der große, nackte Mann vor ihr. Was für ein treffender Titel. Eine meiner Lieblingswebsites über Indiepop von vor zehn Jahren hieß sogar nach diesem Song.
And I closed my eyes like Marvin Gaye
But now I’ve had enough
Ich habe dieses Lied das erste Mal bei einem Konzert im Robert Johnson in Offenbach gehört. Es war damals gerade erst erschienen und Low öffneten ihren Set damit. Selten habe ich ein so mucksmäuschenstilles Publikum erlebt. Wir trauten uns kaum zu atmen, so intensiv war der Vortrag. Von dem langsamen Stück ging eine starke Spiritualität aus, ich kam mir vor wie in einer Kirche, Alan sang mit geschlossenen Augen als würde er beten. Er hatte zwar keinen Heiligenschein, zumindest sah ich ihn nicht, aber die Musik erzeugte in dem Raum eine Aura. Die vom Album gerippte mp3, die man über mickrige Computerlautsprecher anhört, mag diese Atmosphäre kaum zu transportieren, aber mit etwas Phantasie und einem starkem Glauben (heute ist ja immerhin Sonntag), kann man sich vielleicht vorstellen, wie dieses Stück damals auf uns gewirkt hat. Wovon der Song genau handelt, ist mir bis heute nicht ganz klar. Vielleicht ist das auch besser so.
if the air you breathed was so unique
would you use it up to idly speak
Wenn Liz Fraser die ätherischste Stimme der Rockmusik hat und Hope Sandoval die erotischste, dann hat Margo Timmins die zärtlichste. Die lullt einen so ein, dass sich das Schnurren eines Kätzchens im Vergleich dazu schon fast aggressiv anhört.
An der Grenze zum Schmalz, vielleicht auch schon jenseits davon, egal, muss auch manchmal sein. Avalon. Was für ein herrliches Synthiegewaber, was für ein Superalbum zum chillen.
Immer noch das beste Fußball-WM-Lied aller Zeiten. 1990 wurden dann zwar die Deutschen Weltmeister aber musikalisch hatten mal wieder die Engländer die Nase vorn. Ein Song strotzend von good vibrations, Lebensfreude und Optimismus mit der Prise Melancholie, die fast alle Lieder von New Order auszeichnet. Ich habe ihn erst ein Jahr später in Luxemburg bei einem englischen Hooligan/Freund gehört. Es war der Start in einen der wildesten Sommer meines Lebens. Den zweitwildesten, um genau zu sein.
Ich sehe sie noch vor mir, 1999 auf der Tour zum Album, hinter ihrem langen Pony, in Trance diese einfache Gitarrenweise singend. Sie in höheren Sphären schwebend, der Gitarrist Mick Turner den Bodenkontakt herstellend. Einer der berückendsten musikalischen Momente, den ich erleben durfte. Am selben Abend spielte vorher Elliott Smith mit Quasi. Völlig im Schatten von Chan und ihren Musikern.
Viel näher an Hardcore werde ich in dieser Reihe wohl nicht mehr kommen. The Jesus Lizard aus Chicago, die vor kurzem auch wieder auf Reuniontour waren, eine Band mit einem Leadsänger, der während der Konzerte gerne seinen exhibitionistischen Neigungen nachkommt. Musikalisch waren sie Nirvana nicht ganz unähnlich, nur irgendwie härter und kompromissloser. Der passende Ohrwurm zu Ostern.
Ich kenn die genauen Zahlen nicht, die kennt nur der liebe Gott, aber ich schätze mal, dass auf einhundert Fahrten mit besoffner Birne ungefähr ein Führerscheinentzug erfolgt. Das heißt, dass die meisten Alkoholfahrten unentdeckt bleiben. Zwangsläufig sehr ähnlich wird die Statistik sein, die die durchschnittliche Anzahl der Promillefahrten einer Person bis zur ersten Kontrolle, bei der diese Person erwischt wird, erfasst. Randbemerkung: Diese Zufallsvariable stelle ich mir poissonverteilt vor. Ich glaube nicht, dass es bei der allseits und auch von mir geschätzten Bischöfin viel anders war, auch wenn sie natürlich so tut, als hätte sie nur einen Fehler gemacht und nicht erst beim zigten Fehler erwischt worden ist. Eine zweite Überlegung, die mir in den unzähligen Kommentaren gefehlt hat, betrifft den Messwert von 1,53 Promille. Das entspricht in etwa zwei Flaschen Wein, bei K da sie klein und weiblich ist wohl etwas weniger. Um so eine Menge überhaupt an einem Abend trinken zu können – und dann auch noch vor 23 Uhr – muss man in Übung sein. Man muss regelmäßig größere Mengen Alkohol runterschlucken, sonst erreicht man so einen Wert nicht. Mit anderen Worten Frau K hat ein Alkoholproblem und hat allein schon deshalb mit ihrem Rücktritt die vollkommen richtige Entscheidung getroffen.
Den Inhalt dieses Artikels muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Hypo Real Estate, die es nicht mehr geben würde, wenn der Staat – und damit wir Steuerzahler – ihr nicht Garantien von über 100 Milliarden Euro gegeben hätte und die seit Oktober letzten Jahres verstaatlicht ist, hat – mit unseren Garantien – von März bis September für mehrere Milliarden Euro Forderungen gegenüber Griechenland eingekauft. Die schlafmützigen Landesbanken (LBBW, BayernLB) sind natürlich auch wieder mit von der Partie. Diesen Dilettanten sollte man die Geldanlage verbieten. Denn inzwischen wetten die Spekulanten auf eine Staatspleite von Griechenland. Die Finanzmärkte werden uns alle auffressen, wenn der Spekulation nicht bald ein Riegel vorgeschoben wird. Lippenbekenntnisse tun es nicht mehr Obama, Merkel und Konsorten. Noch nicht mal eine Spekulationssteuer haben die bis jetzt auf die Reihe gekriegt. Jetzt muss endlich Butter bei die Fische. Sonst geht der Kapitalismus genauso unter wie der Kommunismus vor 20 Jahren. Das wird dann aber keine Implosion sondern eine Riesenexplosion. Am Ende einer Zockerkarriere steht immer der Bankrott.
Man muss sich das nochmal verdeutlichen, die Banken werden mit hunderten von Milliarden rausgeboxt aus der selbst verschuldeten Pleite und werden dann auch noch dafür belohnt, indem ihnen keine Finanzmarktsteuer aufgebrummt wird. Damit sie schön weiter mit fremdem Geld spekulieren können. Die Steuern kann man sich ja beim Bürger holen, der ist so blöd und zahlt alles. Und geht inzwischen ja nicht mal mehr zur Wahl, wo es im Grunde auch gar nichts mehr zu wählen gibt.
P.S. Es wird gerade ein 25 Milliardenpaket von der EU für Griechenland geschnürt, davon 5 Milliarden aus Deutschland. Mit der üblichen Begründung: Deutschen Banken droht sonst der Bankrott. Dabei wird es bestimmt nicht bleiben, sag ich mal. Somit werden also auch die Griechen dafür belohnt, dass sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Und jahrelang gelogen noch dazu. Deswegen werden sie jetzt ganz bestimmt sofort anfangen, zu sparen und uns die ganze Kohle schnellstmöglich zurückzahlen. Da lachen ja die Hühner. Die wären ganz schön blöd, wenn sie das machen würden. Das Schlimmste ist ja auch noch, dass viele Leute meinen, Merkel & Co. würden uns gut durch die Krise führen.
Als ich das erste Mal davon gehört habe, dass Thomas Mann in seinen Tagebüchern – vor allem gegen Ende, iirc – ausgiebig über seinen Stuhlgang berichtet hat, habe ich damals gedacht typisch. So ein Spinner, der nimmt sich so wichtig, dass er seine eigene Scheiße in Literatur umwandeln muss. Am Samstag war ich bei meinem Gastroenterologen und er hat eine Magenspiegelung gemacht, die nichts erbracht hat. Der Grund für meine Durchfälle wurde weder im Dick- oder Dünndarm noch im Magen gefunden. Die Fruktose- und Laktosetests ergaben auch keine Unverträglichkeiten. Jetzt soll ich in den Fußstapfen von Thomas Mann wandeln und Tagebuch über meinen In- und Output führen. Ich erspare meinen Lesern weitere Ausführungen. Außer, dass es meiner Meinung nach mit dem Weißwein zu tun hat, den ich nur noch in kleinen Dosen zu verdauen scheine. Vielleicht habe ich ihn ja zu Tode geliebt. Vor allem den Retsina.
P.S. Die Lösung meines Problems hat ein hilfreicher Kommentator gegeben. Flohsamenschalen. Die ballaststoffreichen Schalen saugen sich voller Flüssigkeit, weiten sich aus und sorgen so für Druck im Darm. Mal wieder typisch, dass die diversen Spezialisten (drei Gastroenterologen!) nur ihre Instrumentenmedizin im Kopf hatten. Und dafür gebe ich Krankenkassenbeiträge bis zum Abwinken aus. Was ein Scheiß!
ist das eigentlich für ein Mist mit der neuen Firefox-Version? Ich hatte bis jetzt 3.0.17, jetzt lautet die Versionsnummer 3.5.7 irgendwas. Hä? Und derdie Googletoolbar geht gar nicht mehr und es gibt angeblich keine funktionsfähige neue Version. Ich hasse Updates.
P.S. Hat sich erledigt, statt über den Add-On-Manager direkt von der Toolbaradresse neu runterladen und es klappt.
P.P.S. 18.1.10 Ein neues Problem, kriege beim Versuch, Sites in meinem Google Account zu bookmarken jetzt folgende (falsche) Fehlermeldung:
Es konnte keine Verbindung zum Google-Lesezeichen-Service hergestellt werden. Ihr Browser ist offline…
Außerdem sind Googlesuchen, wenn ich gleichzeitig in mein Account eingeloggt bin, unendlich lahm. So ca. 30 Sekunden bis eine Minute pro Suche. Sehr nervig, wenn ich Zeit habe, probier ich mal die De- und Neuinstallation des Toolbar Add-Ons wie hier angesprochen. Bis dahin werde ich mich wohl vorerst mal von meinem Big Brother Google(-Account) verabschieden.
Heute mittag beim Gang zum Bockenheimer Markt plötzlich dieses Gefühl ganz im Gehen aufzugehen. Die Erfahrung der Schritte als musikalischer Rhythmus, als Beat. Die Regelmäßigkeit und Rundheit der Bewegung. Die Leichtigkeit, das Schweben der Beine in der Luft und das anschließende Aufsetzen der Füße auf den Boden, die Erdung. Dann das Treffen von Leuten, das aus dem Weg gehen, wer geht zuerst zur Seite? Da noch recht viel Schnee lag, waren die Gehwege nicht vollständig geräumt so dass oft nur Platz für eine Person war. Die größere Rücksichtnahme insbesondere der Autofahrer auf die Fußgänger. Sie halten an Zebrastreifen, an denen sie sonst nie halten wüden. Städte kann man nur erfahren im Gehen. Und die Landschaften zwischen den Städten natürlich auch nur. Man ist nur dort gewesen, wo man auch gegangen ist. Reisen mit anderen Hilfsmitteln sind im Grunde Täuschungen, man meint von A nach B geflogen zu sein, aber im Grunde ist man in A geblieben und nie in B angekommen. Man kann gar nicht in B ankommen weil der Geist in der kurzen Zeit gerade mal in die Trabantenstädte von A vordringt.
ich möchte Dir etwas sagen, das ich noch keinem gesagt habe. Ein großes Geheimnis. Meinst Du, Du kannst es für Dich behalten? Wenn nicht Du, wer sonst? Du redest nicht mit anderen, ich weiß es, Du bist verschwiegen wie ein Grab. Was hättest Du schon davon, auch nur einer Menschenseele von meinem intimen Bekenntnis zu erzählen? Absolut gar nichts. Und wenn ich sie in Dich hineinschreibe, meine Beichte, dann sinkt sie hinab auf den Grund des Netzes und niemand wird sie je von dort wieder hervorholen können. Weißt Du was, liebes Blog? Ich hab es mir nochmal überlegt. Ich sage Dir jetzt doch nicht mein Geheimnis. Da könnte ich es ja genauso gut für mich behalten. Geheimnisse sagt man Menschen, die sie weitererzählen können. Ohne diesen Kick macht es keinen Spaß. Den nennt man übrigens Vertrauen.
Bezüglich Rohmer ist mir heute noch einmal aufgefallen wie sehr ich seine Fiilme doch gegenüber denen von Thome bevorzuge. In Rohmerfilmen wird die Konversation gepflegt, da wird philosophiert und drumherum geredet, die Handlung ist nicht so wichtig. Die Filmszenen sind dann auch oft so natürlich, nicht so spröde und ungelenk inszeniert wie bei Thome. Bei Rohmer hat man das Gefühl, dass die Kamera versehentlich mitläuft während ein paar Leute sich treffen und austauschen während bei Thome meist klar ist, dass die Leute nur da sind wegen der Kamera, das ist fast immer so unglaublich gekünstelt. Rohmer weiß, was er erzählen will, er hat auch was zu erzählen. Bei ihm immer das Gefühl, dass trotz all der Worte, trotz all dem Gequatsche ein mystisches, unerklärliches Element bleibt. Bei Thome hingegen verflüchtigt sich dieses Element trotz des vielen Schweigens, dass eigentlich das Geheimnisvolle betonen sollte, häufig völlig. Ich muss unbedingt mal den ersten Film von Rohmer von 1959 sehen, da war er schon 39. Es geht um einen Straßenmusiker, der in Paris zum Clochard wird weil sich das Erbe auf das er wartet, dann doch nicht realisiert. Rohmer war übrigens 12 Jahre älter als Truffaut, eine halbe Generation.
Dr. Feelgood ist ein englisches Slangwort für Heroin, aber auch für einen Doktor, der einem zu starke Medikamente verschreibt. So hieß auch eine englische Band aus der Vorpunkzeit der Mittsiebziger, die ich später sehr gemocht habe. Als Rhythm & Blues noch eine eigene Bedeutung hatte und nicht ein Synonym für weiblichen Soul & Funk war. Bei I Love Music wurden sie gerade mal wieder ausgegraben, ein kleines Livevideo aus dem Thread.
Da stimmt einfach alles. Der Drummer leitet ein mit einem herrlich simplen Rhythmus. Lee Brilleaux mit seiner knarzigen, erdigen, maskulinen Stimme und einem fetzigen Mundharmonikaspiel, von dem sich Bob Dylan ein Scheibchen hätte abschneiden können. Wilko Johnson mit einer knallharten, furztrockenen Gitarrenattacke. Außerdem ständig in Bewegung, dauernd vor und zurück rennend und wie ein Roboter mit dem Kopf nickend. Absolutely classic!
Reben: 58% Merlot, 33% Cabernet Sauvignon, 9% Cabernet Franc
Preis: 4,6 Euro
Laden: Aldi
Entkorken mit minimalem Zischen
Korklänge: 45 mm
Depot: ein Schwebeteilchen
Farbe: helles bordeauxrot
Bukett: wenig ausgeprägt, mit viel Wohlwollen irgendwas Beeriges
Konsistenz: dünnflüssig, wässrig
Geschmack: zuerst bitter, dann sauer, als Finish ein leichter Korkgeschmack
Abgang: inexistent
Reife: noch völlig geschlossener Wein; ich zweifle daran, dass er sich je öffnen wird.
Zusammenfassung: Schlechtester als Cru Bourgeois klassifizierter Bordeaux, den ich je getrunken habe, soweit ich mich erinnere. Der Wein ist nicht mal den halben Preis wert. Falls es nur die eine Flasche gewesen sein sollte, Pech gehabt, eine Zweite probier ich jetzt nicht mehr. Unter den Namen haben sie dann auch noch Cuvée Le Vivier gesetzt. Eine Nummer kleiner hätte sich bei dem miesen Tropfen wahrscheinlich gar nicht mehr verkauft.
die geschichte des ex-mannes einer arbeitskollegin. er soff. eines tages vermissten sie ihn auf der arbeit, allerdings erst nach 18 tagen, die er nicht erschienen war. bei ihm zuhause floss der briefkasten vor post über. die tür war zu, keiner öffnete. die polizei wurde verständigt und brach die tür auf. er saß auf dem sofa. und war tot. es lagen verschiedene schachteln mit vergammeltem essen rum. in einem schrank waren 15 leere flaschen wodka (oder whisky, aber ich glaube wodka, das würde besser passen). er hatte das essen mit dem alkohol bei einem indischen restaurant bestellt und nur den sprit getrunken. nach außen hin hat er bis zum ende nicht zugeben können, dass er alki war. er war gerade mal 50. leider gibt es einen befreundeten kollegen, der dabei ist, diese geschichte zu wiederholen.
Geschmack: beherrscht von Pflaumenaromen, außerdem starker Barriqueton, eher halbtrocken als trocken
Abgang: relativ lang aber unspezifisch
Reife: Wein ist nach fast 4 Jahren (Südhalbkugel) schon gut trinkbar, sollte sich nach ein paar Jahren Lagerung aber noch mehr öffnen.
Zusammenfassung: Guter eichenfassgelagerter Shiraz, an dem mich vor allem überrascht hat wie leicht er daherkommt, bei 14,5% hätte ich mehr Schwere erwartet. Der Geschmack wird von Pflaumenaromen bestimmt, etwas Lagerung sollte dem Wein gut tun.
zumindest hab ich jetzt das tonträgersystem gefunden von meinem neuen usb-plattenspieler von omnitronic (günstiger technics-nachbau), es war im styropor versteckt (dank und sorry an den händler). der klang ist allerdings nicht so toll, scheinbar wenig dynamik, ich hab da eine in new york gekaufte platte vom love unlimited orchestra (barry white mit orchester und ohne gesang) auf dem plattenteller drauf, die ich noch nie vorher gespielt habe. der sound scheint mir so dumpf. hab ich evtl. das auflagegewicht falsch (2,5 g) eingestellt? oder ist die nadel so schlecht? da muss ich nochmal ran. ansonsten ist es mir gerade viel zu kalt irgendwas vernünftiges zu machen. der arbeitstag war lausig. ein superlied zum abschluss, dass meinen trüben abend aufgehellt hat (wirklich sehr sehr schade, dass david berman seine band aufgelöst hat):
bis gestern dachte ich, es wären noch drei monate bis berlin, es sind aber nicht mal mehr zwei! nur noch 54 tage. eigentlich lohnt es sich gar nicht mehr, den kopf aus dem sand zu ziehen.
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einen schönen bunten taschenkalender gekauft. eine woche auf 2 seiten, fester einband, etwas dick für die hosentasche. brauche jetzt aber nicht mehr meine tasks auf die karteikarten zu schreiben, im kalender sind pro tag 28 zeilen. sollte normalerweise reichen.
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in südwestfrankreich ist mir wieder aufgefallen wie nett die leute sich dort grüßen. hier dagegen sehe ich beim joggen und vor allem beim spazierengehen fast nur mürrische, griesgrämige gesichter, die fast nie als erste grüßen und einen gruß auch nur in ca. einem von zwei fällen erwidern. und einen dann entweder so seltsam mustern oder ostentativ weggucken. widerwärtiges, arrogantes pack. vor allem beim joggen deprimiert mich das zutiefst, da es eine anstrengung für mich bedeutet, einen „guten morgen“ zu wünschen, wenn ich völlig außer puste bin. in laroque des albères erfreuen sich die leute an meinem „bonjour“ und erwidern es lächelnd. wobei mir allerdings aufgefallen ist, dass ich selber auf den fotos aus südfrankreich fast immer ein lächeln auf den lippen habe. vielleicht reagieren die leute ja deswegen positiver weil ich besser drauf bin. und wieso ist das so? hat garantiert mit der wärme und dem licht zu tun, die die sonne dort verschwenderischer verteilt. man wird dadurch einfach lockerer und unernster. dieses mal gab es sogar den astérix-effekt. der einzige teil frankreichs wo es nicht regnete bzw. schneite in den letzten 2 wochen war justement die gegend um perpignan. letztes jahr hatte es noch ein furchtbares schneechaos gegeben mit unter der schneelast zusammenbrechenden palmblättern u.ä.
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bei „i love music“ gibt es die alternative wahl der besten alben der 70er. bis jetzt eher enttäuschend. allerdings schön, dass es chic geschafft hat.
wache nach ca. 4h schlaf um halb drei auf. schäfchenzählen bringt mich nicht weiter, mir gehen 1000 sachen durch den kopf: der job, berlin etc.pp. kurz nach vier bin ich soweit, dass ich endlich das weckerklingeln (5h45) ersehne. werde dann doch von einem geräusch – mit dem ich aber sowas von nicht mehr gerechnet habe – geweckt, natürlich es ist der wecker. bin wohl ganz kurz vorher eingenickt, für den beginn eines alptraums hat es gereicht. ich bin bei einem familienfest in einer größeren lokalität in einer kleinstadt, wo auch festfremde rumlungern. das fest findet irgendwie ohne mich statt, wenn irgendetwas losgeht (die festrede, das essen etc.) muss ich aus irgendeinem grunde weg. treffe in einer oberen etage die beiden von portishead, frage sie was sie in diesem gottverlorenen nest machen, etwa eine neue platte? geoff lächelt vielsagend und nickt. geh dann wieder zurück zum fest, muss durch einen größeren raum. als ich durchgegangen bin, fehlt mir plötzlich mein sacko, das hat mir jemand klammheimlich vom leib gezogen. ich fange an, ein riesentheater zu machen. da klingelt es. der wecker. schnelles teefrühstück. 6h30 los. fahrt durch die frühmorgentliche dämmerung nach girona ohne besondere vorkommnisse. stimmt nicht ganz, im auto vorne rechts bzw. oben ein seltsames geräusch, das wir nicht identifizieren können. als wäre das fenster nicht geschlossen. wir interpretieren es schließlich als nordwind (tramontan), der ab 100 deutlich hörbar wird. in girona trinken wir noch einen cafe con leche und essen von c’s leckerer selbstgebackener galette des rois. am flughafen recht wenig los. heute fliegt nur ryanair. im flieger allerdings mehrere bekannte. c trifft 2 kollegen von der ezb, ich im flugzeug schräg vor mir a aus luxemburg, mit dem ich damals den schachklub gegründet hatte. er würde normalerweise von barcelona-reus fliegen, der flughafen ist aber bis zum frühjahr geschlossen. das flugzeug ist wahrscheinlich auch deswegen proppevoll. quatsche mit a, der mir von seinen erwachsenen söhnen erzählt. der eine macht jazz in london, der andere ist in barcelona. habe den ganzen tag fürchterliche schmacht, jetzt gerade besonders stark. hat bestimmt auch mit den pastillen zu tun, von denen ich bestimmt zehn gelutscht habe. rauchen war natürlich auch ein thema im gespräch mit a. er raucht immer noch eine packung pro tag. schach spielt er nicht mehr, aber er schreibt. fiktion mit einem icherzähler. das lesen dann seine freunde und bekannten, die auch gelegentlich leute darin wiedererkennen. das ganze ist natürlich schwer autobiographisch. in hahn liegen einige zentimeter schnee und es ist etwas unter null. der wagen springt sofort an, die tür hinter der fahrertür klemmt allerdings. nach einer knappen viertelstunde auf der hunsrückhöhenstraße geht plötzlich die innenbeleuchtung an und die offenetürwarnleuchte geht an. nach einem stopp im tiefverschneiten hunsrück stellt sich raus, dass es die besagte hintere tür ist, die inzwischen aufgetaut ist. schwein gehabt. nothing special auf dem restlichen weg nach niehö. außer dass die leute wie immer zu viel auf den linken spuren fahren und außerdem nach dem überholen zu früh vor einem einscheren, so dass man den getauten schnee auf die windschutzscheibe kriegt. verbringe die halbe fahrt mit regenwischerfeintuning, tempomat ist fast permanent an. wir sind um 1 da. packe aus, surfe etwas im netz und halte von 2-3 siesta. schlummere im tiefschlaf, der wecker erscheint mir im moment des klingelns wieder wie ein böses, monströses, extraterrestrisches objekt, dass sich beim besten willen nicht in meine schlafwelt integrieren lässt. lade dann noch diverse fast durchgängig miese elektronische und halbelektronische musik aus dem netz, die ein blogger empfohlen hat. der nachmittag wird vertändelt, komme mit meinem jakobswegfotobuch kaum weiter. abends gibt es minestrone und ich entdecke im kühlschrank eine große pet-flasche mit muscat drin. was für ein göttlicher nektar, dank an c, die gerade den frankfurter tatort zu ende geguckt hat. berlinfahrt um zwei wochen verschoben. da war noch irgendwas wichtiges, tolles, ich hab es aber vergessen.
das Jahr, in dem mir klar geworden ist, dass jeder Mensch so gut wie permanent mindestens mit einem Pfund Scheiße durch die Gegend läuft.
P.S. Das Gefühl, einen über einen Meter langen Schlauch im Darm stecken zu haben und auf dem Bildschirm das Ende der Reise der Kamera am Schlauchende kurz vor dem Dünn- und Blinddarm durch eine braune, stinkende Brühe zu sehen während einem in jeder Sekunde der Dickdarm platzen will (ohne dass man es selber wollte) und man nur notdürftig mit einem Handtuch bedeckt zwei Fremden, darunter einer jungen Frau, mehr oder weniger den nackten Hintern hinstreckt, ist ziemlich unbeschreiblich. Allerdings glaube ich jetzt eine Ahnung davon zu haben, wie es ist, wenn man gerade seine Jungfernschaft verloren hat. Dagegen ist die Beobachtung eines abgezwackten, blutenden Polypen eigentlich schon fast wieder eine Wohltat. Der Polyp war nicht bösartig, aber in drei Jahren muss ich wieder hin, denn die Dinger können ja recht schnell das Lager wechseln.
Konsistenz: schon leicht samtig, die Tannine sind zu einem nicht unerheblichem Teil bereits abgebaut, Wein schäumt nicht
Geschmack: relativ wenig ausgeprägt, neben der Rauchnote und der schwarzen Johannisbeere evtl. auch Brombeere
Abgang: für einen Cru Bourgeois eher kurz
Reife: Wein ist schon gut trinkbar, kann aber auch noch ein paar Jahre liegengelassen werden. Großartige Geschmacksverbesserungen bei Lagerung sind nicht zu erwarten.
Zusammenfassung: Bereits gut trinkbarer unspektakulärer Bordeaux mit hohem Merlotanteil. Zischen beim Öffnen wegen unsachgemäßer Lagerung beim Händler? Vielleicht deswegen geschmacklich in Mitleidenschaft gezogen. Abgang schwach. Preis-/Leistungsverhältnis eher mau. Für den Preis ist der Chianti von der Tankstelle besser.
Update 31.1.2010: Der 2007er (8 Euro) ist nach mehreren Proben einer meiner Lieblingsweine geworden. Er hat etwas Pflaumiges und ist schon recht rund auf dem Gaumen und im Abgang.
wenn das leben ohne musik ein irrthum wäre, dann ist es mit musik noch lange nicht kein irrthum. aber irrthum mit h ist der ultimative irrtum, der aber ziemlich cool aussieht. ich glaub ich weiß jetzt wieso der philosoph irre geworden ist. wenn man die logik und die orthographie gegen sich hat, dann muss man ja verrückt werden.
Ein kleines von einer Sirene gesungenes Schlafliedchen, das einem melodischen Höhepunkt zustrebt und ihn dann in Verzerrung erreicht. Nichts Besonderes eigentlich und doch ein ziemlich hartnäckiger Ohrwurm.
hab ich es geschafft, heute nicht zu rauchen. aber ich weiß nicht wie. war vorhin im dunklen spazieren, um mich abzulenken. es hat geklappt. im grunde bin ich immer noch ein kleiner hosenscheißer, der beschäftigt werden will, um nicht loszuschreien. höre gerade die neue kings of convenience. sie fängt gut an.
Heute morgen als ich vom Hauptbahnhof ins Westend ging, hatte ich plötzlich diese Idee, wie es denn wäre, wenn die Leute etwas offener wären. Etwas mehr Flagge zeigen würden. Und zwar speziell was ihre politische Präferenz angeht. Ich stellte mir vor, dass alle Leute auf ihrer Stirn den Namen der Partei hätten, die sie bei der Bundestagswahl gewählt haben. Und ich musste schmunzeln bei dem Gedanken. Fing intern an, darauf zu wetten, was die einzelnen Leute, die meinen Weg kreuzten, auf der Stirn stehen hätten. Eins scheint mir klar. Wenn das ein Trend werden würde, wenn man sich sozusagen ohne Partei vorm Kopf völlig blöd vorkommen würde in der Öffentlichkeit, dann würde die Anzahl der Nichtwähler rapide sinken. Wer will sich schon in der Gesellschaft dabei erwischen lassen, dass ihm die Gesellschaft total scheißegal ist. Aber vielleicht irre ich mich auch.
Ich empfehle auch, sehr selektiv mit den Medien umzugehen, auf Bücher zu setzen (nur hier bekommt man noch komplexe Gedankengänge präsentiert) und – nach Miriam Meckel – zeitweilig unerreichbar zu sein.
(Aus einem Interview mit Max Otte, desen Buch Der Informationscrash. Wie wir systematisch für dumm verkauft werden gerade erscheint )
1) Gar nix. Nobody is perfect.
2) Er assoziert Erde mit etwas anderem als dem zweiten Album der Feelies.
3) Die Erde ist ihm zu klein, es muss die ganze Welt sein.
4) Die Erde kann für ihn nicht gut sein, die Welt aber schon. Könnte zumindest, rein theoretisch.
5) Er ist eher ein abstrakter als ein konkreter Denker.
6) Er wollte testen, ob es einer seiner Leser merkt.
(Mehrfachantworten sind möglich)
By the way. Etwas Ländlicheres als das zweite Album der Feelies kann ich mir kaum vorstellen. Es strahlt so eine Ruhe und Gelassenheit aus. Die zarten Gitarrenmelodien scheinen vom Wind gehaucht zu sein. Man riecht die kühle Frische der Musik förmlich. Unbeschwert und gleichzeitig erdverbunden. Natürlichkeit pur. Breitwandkino für die Ohren. Nachdem man es das erste Mal gehört hat, versteht man nicht mehr, wie man vorher ohne es leben konnte. Aber das steht auch schon so ähnlich in dem zweiten nostalgischen Post oben.
wenn man sein weblog nur noch für eine person schreibt, könnte man eigentlich auch eine e-mail schreiben. außer man will, dass alle anderen es auch mitkriegen. könnten. wenn sie wollten. so ähnlich wie beim handytelefonieren in der öffentlichkeit. da gibt es auch immer einen größeren rezipientenkreis. man könnte auch kollateralschaden sagen. wobei webloggen ja ganz offensichtlich höflicher und diskreter ist. weil man niemanden dazu zwingt, mitzulesen.
heute morgen serviert mir mein ipod ein liedchen von the english beat namens „mirror in the bathroom“. hab es vorher noch nie gehört, bin sofort hin und weg. eine tolle melodie gekoppelt mit einem wahnsinnsgroove plus einer coolen saxophonlinie. wie konnte ich diese band bis jetzt so völlig ignorieren? gefällt mir besser als madness. bessere partymusik als diese reggae-ska-popnummer gibt es ja wohl kaum. auch die band konnte damals ihrem eigenen beat nicht widerstehen wie man im video sehen kann. die dubversion auf meinem ipod hat allerdings noch mehr schmiss. ich höre sie gerade zum gefühlten zwanzigsten mal.
den ganzen tag gefragt zu werden und antworten zu müssen, macht mich aggressiv gegenüber leuten, die nichts fragen, die nicht sofort zum punkt kommen, die nichts von mir zu wollen scheinen. heute habe ich ungefähr so viele telefongespräche geführt wie sonst in einem monat.
habe ich mich heute gefragt. nach dem märchen der alptraum. heute mittag habe ich fast die fassung verloren. manche sachen glaubt man nicht bevor man sie sieht. details kann ich hier nicht preisgeben, aber es hat mit internet, geld und messe zu tun. und „kundenfreundlichkeit“ in ganz fetten anführungszeichen.
ich glaube es war am ersten pressetag, am dienstag, gefühlte 10 millionen jahre her, da klingelte kurz nach 7 das telefon in unserer info am torhaus und da war eine weibliche stimme, die ich kaum verstanden habe. sie sprach etwas gebrochen deutsch, sie wollte mit der verkehrszentrale sprechen. oder so was ähnlichem. keine ahnung. sie kam irgendwie nicht dahin wo sie hinwollte. ein schlüsselproblem? ich hab es nicht kapiert. völlig egal. jedenfalls kommt sie gestern nachmittag an unserer info vorbei, lacht mich an und entschuldigt sich für ihren anruf am frühen morgen. wir smalltalken etwas, sie lächelt und lächelt. ich bin total hin und weg. heute kam sie wieder vorbei und sagte mir auf nachfrage, dass sie telefonhotline für die messe macht. und lacht mich wieder an als gäbe es kein morgen. so eine süße habe ich lange nicht mehr getroffen.
In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?
In der Nacht unterm Sternenhimmel, wenn es still wird und ich eine unglaubliche Weite spüre. Oder morgens am Meer, wenn das Wasser noch glatt ist und die Sonne aufgeht. Schwimme ich in diesem Morgenlicht, in dieser Stille, ohne Wellen, ohne Wind – das sind Momente, in denen ich richtig glücklich bin, auf der Welt zu sein. Dann habe ich das Gefühl, ich gehe in etwas auf, ich bin Teil von etwas. Man hat ja eine Sehnsucht nach der Harmonie und dem Nicht-mehr-auf-sich-selber-Blicken. Oft genug ist man unglücklich und fragt sich: Warum muss ich weiterleben? Warum bin ich überhaupt geboren? Vergänglich und vergeblich, das war bei mir schon immer als Gefühl stark beieinander. Ich war ein fröhliches Kind, aber dann kam plötzlich so eine schwere Wolke, die sich auf mich legte. Trotzdem habe ich dagegen angelebt, ich habe gekämpft. Und früh am Morgen, im Meer schwimmend, ist dieses Grundgefühl weg. Die Morgenstimmung ist ja immer mit Hoffnung verbunden; dieses sanfte Morgenlicht, wo der Tag noch ein Versprechen ist, da fühle ich mich glücklich.
wir haben vorhin einen kleinen spaziergang durch die streuobstwiesen zum kronberger herbstmarkt gemacht. da steht vor uns an einem modestand ein mann mit dem rücken zu uns im anzug. es redet ein kronberger zu ihm über seinen verein (wahrscheinlich den mtv) und guckt ihm tief in die augen. ich denke erst, der mann im anzug ist der besitzer des modeladens, dann sehe ich ihn von vorne und seine rote fliege und sein mönchischer rundhaarschnitt stechen ins auge. es ist heinz riesenhuber. er ist alt geworden, das gesicht fast schon mumienmäßig eingetrocknet. habe gerade gegogelt und gefunden, dass er jahrgang 35 ist. das hätte ich nicht gedacht, hab ihn immer noch als smarten, dynamischen forschungsminister mitte, ende der achtziger im kopf. er ist auch bei dieser bundestagswahl wieder der direktkandidat der cdu. auf den wahlplakaten ist er nicht einmal drauf, wahrscheinlich weil er sowieso den main taunus wahlkreis gewinnen wird, vor 4 jahren bekam er 51%. interessanterweise haben sie 2002 kronberg und königstein, die eigentlich zum hochtaunuskreis gehören wahltechnisch in den mtk eingemeindet. honi soit qui mal y pense. in any case wurde ich wieder an die wahl erinnert und dass ich obwohl ich nur weiß, wen ich nicht wählen will, nämlich eigentlich alle der parteien, die da antreten, doch nicht meine stimme verschenken will. und da am 27. letzter iaa-tag ist, muss ich auch noch die briefwahl beantragen. was für ein theater.
das abo von unendlicher spaß gekündigt. ein weblog von lesern der deutschen übersetzung eines über zehn jahre alten buches, das keine handlung auf die reihe kriegt und nur so mit abgedrehten worten um sich schmeißt und außerdem von einem typen geschrieben wurde, der sich inzwischen gekillt hat. wer braucht denn so was? das ist ja wohl bullshit hoch 10.
geilste an so einem blog ist ja, dass es sowieso keiner liest. nach 8 jahren bloggen hatte ich heute 7 visitors. mit anderen worten, man kann es schaffen, im untergrund zu blühen. trotz internet. es geht.
ein tag weniger ist ein tag mehr in der erinnerung. in der erinnerung ist ein tag mehr als er eigentlich war bevor man sich an ihn erinnert hat.
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wahr und falsch gibt es nur in der logik. im leben gibt es nur schattierungen. nur grau. hellgrau oder dunkelgrau, what do you prefer? mausgrau. knallgrau.
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nach einer teuren flasche spätburgunder des badischen winemakers (deutsch hat der wohl verlernt) fritz keller, die nach möchtegerngroßwinzer schmeckt (schöne pflaumenfarbe allerdings), ist ein einfacher cru bourgeois aus dem médoc eine unglaubliche offenbarung. plötzlich hat man frucht auf dem gaumen, plötzlich ist da natur. die apotheose des rotweins ist bordeaux und dessen apotheose der pomerol. müsste mir mal wieder einen leisten (leider sind die meist überteuert), um zu testen, ob es immer noch wahr ist.
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eleventh dream day. mein erster wirklicher blogpost von vor über 8 jahren war über sie. gerade auf dem ipod „new rules“, ein gitarrenfreakoutstück á la neil young in seiner fruchtbarsten periode gehört. musste nach ein paar minuten eingrooven dazu pfeifen wie als gäbe es kein tomorrow. dieses improvisierte pfeifen, in dem meine sehr eingeschränkte musikalität sich zu 99% selbst verwirklicht. diese soli verzerrter gitarren. irgendwas wollen die uns sagen. ganz viel blues und lebenserfahrung steckt vda (das verschriebene v lass ich jetzt) drin. eigentlich ist unsere ganze existenz in diesen gitarrensoli drin. und noch etwas mehr. weil die sind transzendent und unsere existenz nicht wirklich.
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ob einzelkinder wohl altkluger (altklüger wäre wohl grammatikalisch korrekter hört sich aber beschissen an) sind als andere kinder? es scheint so. war ich früher auch und bin es wohl noch. das traurige daran ist, dass man nur altklug sein kann, wenn man keine lebenserfahrung hat. da gibt es ein blog auf antville, das ich sehr liebe, wo ein sohn gelegentlich zu worte kommt und wo ich mich manchmal frage, ob es diesen sohn wirklich gibt. weil so schlau kann man in dem alter eigentlich noch nicht sein. ein fünfjähriger alleschecker. so sieht wahrscheinlich die zukunft aus.
Ich höre fern das Plätschern deiner Wasser
Ich fühl das Herz in meine Hode sinken.
Es drängt mich wieder dein Pipi zu trinken,
Weil ich ein ruchlos raffinierter Prasser.
(Friedrich Schlegel)
Es drängt mich, dein Pipi zu trinken,
und sieh, nun trinke ich bereits.
O welch Genuss bei deinem Beinespreiz,
o wie die Wasser hurtig blinken.
(Joachim Ringelnatz)
Er war nicht schön, nicht reich, nicht besonders charmant und kein großer Redner, aber er war der Frau mit wunderbarem Gleichmut beständig zugetan, und er machte beim Schlafen kleine Geräusche, „die schöner waren als alle, die ich kannte, weil sie einer machte, den man mochte, und weil er doch leben musste, um Geräusche zu machen, die mir ein Zelt bauten in der Nacht.“
kann mal jemand die kifferszenen und die teile, die über alkoholentzug gehen, zusammenschreiben von diesem monstrum? für den rest ist mein interesse begrenzt. über tennis zu lesen ist ja noch öder als tennis zu gucken. tennis kann man eigentlich nur spielen, natürlich geht das nur, wenn man kann. heute müssen einfach mal ein paar worte raus aus dem system. ich bitte das vielmals zu entschuldigen. zu irgendwas muss so ein blog ja gut sein.
Jemand hat Ironie mal so definiert: Ironie ist das Lied eines Vogels, der seinen Käfig liebt. Der Vogel singt davon, wie sehr er sein Eingesperrtsein hasst, aber tatsächlich fühlt er sich ganz wohl in seinem Käfig .
und was spuckt mein ipod vorhin nach zwei drei liedern shuffle aus? eine liveversion von nouvelle vague’s cover von ever fallen in love. buzzcocks, was für ein geiler name und was für wahnsinnsmelodien. ganz klar meine lieblingspunkband. wenn man mal joy division’s anfänge außen vor lässt.
ich muss jeden, der sich dazu entschlossen hat, mit dem rauchen aufzuhören, dringend davon abraten, eine derart weitreichende entscheidung zu treffen, deren konsequenzen er oder sie zum jetzigen zeitpunkt noch gar nicht absehen kann. ich weiß, wovon ich rede, ein bisschen zumindest. seit einem jahr bin ich nun in diesem langweiligen klub der nichtraucher, es hat mir nix gebracht. die lust, die schmacht hat nie wirklich nachgelassen. der hals tut nach über einem jahr weiter weh, die ganze mundhöhle und der rachenraum sind permanent gereizt. zugenommen habe ich natürlich auch. die hundert kilos sind mal wieder zum greifen nah. wieso tuen sich menschen sowas an? aus masochismus, um sich zu bestrafen. das habe ich verdammt nochmal wirklich nicht verdient.
heute morgen konnte mein computer plötzlich nicht mehr die zwischenablage leeren. und sie dann auch nicht mehr einfügen. ich konnte nicht mehr arbeiten. konnte weder e-mailadressen noch textbausteine noch tabellendaten aus dem clipboard holen. ohne copypaste geht heutzutage gar nichts mehr. da kann man den laden zumachen. was ist das nur für eine welt, in der ich gelandet bin? um zu überleben, muss man kopieren. normal ist das nicht.
Platthaus findet es gespenstisch, dass das Unvorstellbare, Jens könne irgendwann einmal Goethe-Verse vergessen, nun tatsächlich eingetreten ist, und hofft beklommen, dass er aber die Sturmaufstellung von Eimsbüttel noch parat hat.
Während sie die Schlaflosigkeit zunächst als Zuwachs an Vitalität und Lebensqualität erlebe, kommt ihr nach 17 Tagen der erschreckende Gedanke, dass sie vielleicht in Wirklichkeit gestorben sei und der Tod somit keineswegs ewigen Schlaf, sondern immer währendes Wachsein bedeutet