4855

August 25, 2025

Blubber blubbe blubb

Blub blu bl b bl blu blub

Blubb blubbe blubber

4854

August 25, 2025

Wenn Schweigen Gold ist

Eine Schönheit, die weh tut

Nicht von dieser Welt

[Beth Gibbons & Rustin‘ Man – Sand River von Out of Season, 2002]

4853

August 25, 2025

Eichhörnchen springt rum

Gitterstäbe trennen uns

Wer ist da wohl frei?

4852

August 24, 2025

In Abendsonne

glitzernde Perlenkette

von Klaviertönen

[Oscar Peterson Trio – You Look Good to Me, live Holland 1965]

4851

August 23, 2025

Ian’s letztes Wort

Trauer in Musik gebannt

Auf dem Weg nach vorn

[New Order – Truth von Movement, 1981]

4850

August 23, 2025

Im ganzen Leben

Eine Stunde Seligkeit

Ist das nicht genug?

[Fjodor Dostojewski – Weiße Nächte]

4849

August 23, 2025

Schlange, Thekenplatz

Grüner Tee, Miso, Sushi

Personal auf Zack

[ishin, Berlin, Mittelstraße]

4848

August 22, 2025

Ian’s Vermächtnis

Das Keyboard stimmt an und wir

wissen wo’s hingeht

[Joy Division – Decades, letztes Lied von Closer, 1980]

4847

August 22, 2025

Den Blick abwenden

Vom Smartphone, hin in die Welt

Nothing can beat it

4846

August 22, 2025

Erster Sonnenstrahl

An alte Zeiten denken

Beide verbinden

[Paolo Fresu, Richard Galliano, Jan Lundgren – Float]

4845

August 22, 2025

Unter den Linden

Rote Welle für Radler

Neu vom Tor zum Dom

4844 Sirāt

August 20, 2025

Bridge for dead people

Hair-thin, sword-sharp, hell below

Paradise ahead

4843

August 20, 2025

Ein Haus, zwei Frauen

Beim Tanzen eingeschlafen

Sprudelnd vor Worten

[Dörte Hansen – Altes Land]

4842

August 19, 2025

Beautiful actress

puts headphones around his ears

so that all will change

[The Shins – New Slang, 2001]

4841

August 19, 2025

Dumpfe Beats, Drones, Hall

Wüstentrip zum nächsten Kick

(Do not) watch your steps

[Óliver Laxe – Sirāt (Soundtrack: Kangding Ray), 3 von 5]

4840

August 19, 2025

Nach vierzehn Stunden

Hungergefühl im Magen

Freuen aufs Breakfast

4839

August 18, 2025

Copilot scheitert

an einfachsten Aufgaben

Hoffnung für Menschheit?

4838

August 18, 2025

So stark verbunden

mit anderen Menschen wie

in einer Seilschaft

4837

August 17, 2025

Fliegender Teppich

Webstuhl Tenorsaxofon

Verträumte Töne

[Joe Lovano – Seeds of Change von Trio Tapestry, 2019]

4836

August 16, 2025

Gitarrentöne

Heller am Himmel glitzernd

Als die Fixsterne

[Felt – Fortune, 1982 (remastered)]

4835

August 16, 2025

Für die Teilnahme

am Euthanasie-Programm

Sechshundert Euro

[Chie Hayakawa – Plan 75]

4834

August 15, 2025

Wie konntest du mich

damals nur so gut kennen,

ich war noch nicht fünf

[Nick Drake – Man in a Shed von The Making of Five Leaves Left, März 1968]

4833

August 15, 2025

„Sie findet den Mund nicht,“

schmatzt trotzdem mit den Lippen,

„krallt sich an mir fest.“

[Annie Ernaux – Ich komme nicht aus der Dunkelheit heraus]

4832

August 13, 2025

In der Luft hängen

Nicht wissen, wie’s weitergeht

Es kommen lassen

[Big Star – Kanga Roo von Third/Sister, 1978]

What is the happiest song of the Smiths?

August 13, 2025

Think about the place we are all going to end up on one day and where we can still roam around while we are here.

4831

August 13, 2025

Es hat „Klick“ gemacht

Sechsundzwanzig Minuten

Im Flug vergangen

[The Necks – Causeway von Disquiet, das am 10.10. erscheint]

4830

August 13, 2025

Große Befreiung,

abends zu Hause nichts mehr

essen zu müssen

4829

August 13, 2025

In der Buchhandlung

schmale Neuerscheinungen

komplett durchlesen

[z.B. Annie Ernaux – Ich komme nicht aus der Dunkelheit raus (bin noch nicht ganz durch, komme wieder)]

4828

August 12, 2025

When you need it most

A stroke of the forearm’s hair

A slow motion hug

[Bonny Light Horseman – The Roving, 2020 (via)]

4826

August 12, 2025

Bürodissonanz

Klärendes Gespräch zu dritt

Erinnerungen

4825

August 12, 2025

Sommermorgen, kühl

Minzduft betört die Nase

Während des Gießens

4824

August 11, 2025

In Gitarrenbauch

Ganz tief reinkriechen wollen

Im Riff verschwinden

[Flowerpornoes – Herz aus Stein von … red‘ nicht von Straßen, nicht von Zügen, 1994]

4823

August 11, 2025

Tiergartenradfahrt

Abends Insektenheere

Mit Kopf gezweiteilt

4822

August 10, 2025

Westküstenfeeling

Lied für späte Abende

In wilden Zeiten

[Cracker – Kerosene Hat, 1993]

4821

August 10, 2025

Freitagabend, lau

Zu zweit zwei Flaschen süffeln

Es nicht bereuen

Edition Abtei Himmerod, Mosel, Weißburgunder 2023

4820

August 10, 2025

Wabernde Sphären

Als Zukunft noch sexy klang

Dahingeschmolzen

[Leftfield – Melt von Leftism, 1995]

Hibakusha

August 9, 2025

Und der Boden wird nie trocknen.

Er ist durchweicht von dem Fett aller Menschen,

die verbrannten und starben.

[Tsutomu Yamaguchi, der beide Atombomben überlebte]

4819

August 9, 2025

Abendspaziergang

Kimba macht im Stoppelfeld

Eskimorollen

4818

August 9, 2025

Direct, dense, cosy

Warm, intimate chord shower

To look forward to

[Joan Shelley – Real Warmth (out Sep., 19th) listening party]

4817

August 9, 2025

In Unterhose

Pieksende Eibennadeln

Auf Haut festklebend

4816

August 9, 2025

Emsige Hände

bringen Gefühle rüber,

wenn wir sprachlos sind

[Jonathan Richman – O Guitar]

4815

August 9, 2025

Geschwätziger Text

Ressourcenverschleuderer

Lebenszeitfresser

4814

August 9, 2025

Auf Leiterpodest

Eibe in Augenhöhe

Heckenscherenschnitt

4813

August 7, 2025

Thanks for reminding

No one wrote lyrics like you

We miss you so much

[Silver Jews – Random Rules, 1998]

4812

August 7, 2025

Die guten Dinge

Wo sind sie nur geblieben?

Fortschritt war gestern

[Gabriel Yoran – Die Verkrempelung der Welt, 5 Sterne]

4811

August 6, 2025

Wie lange brauchst du,

um herauszubekommen,

welches Stück das ist?

[Vincent Meißner – ??? von Eigengrau]

4810

August 6, 2025

Vor Abendsonne

steigt ein Nebelschleier auf

Getreideernte

4809

August 6, 2025

etwas wahrnehmen

in siebzehn Silben gießen

fertig ist’s Haiku

4808

August 6, 2025

wie ihr mit vierzehn

die SONNE auf den Kopf fiel

morgens im August

4807

August 6, 2025

Handsägezähne

sich langsam hineinfressend

in Haselnussstamm

4806

August 6, 2025

Sonne lacht mich an

Gerste lässt Ähren hängen

Tau benetzt Schuhe

4805

August 4, 2025

Nach dem Leckerli

Kimba springt hoch, bellt um sich

Da muss noch mehr sein

4804

August 3, 2025

Nicht Angst vorm Ende

des Lebens, aber davor,

dass es nie anfängt

[nach John Henry Newman]

4803

August 3, 2025

Life is but a dream

Haunting us until the end

This is the soundtrack

[The Rolling Stones – Heaven from Tatoo You, 1981]

4802

August 2, 2025

Gefallne Äpfel

Mirabellenparadies

Brombeerhimmel

4801

August 1, 2025

Endlich weiß ich es

9 mm mit Übergang

So heißt mein Haarschnitt

4800

August 1, 2025

Eintausend Meilen

längs durch Großbritannien

Parkinson fuck off!

[Raynor Winn – Über Land]

4799

August 1, 2025

Gitarrenzauber

Unvergessliche Stimme

Knochentiefer Groove

[Jeff Tweedy – Enough]

Freiheitsliebe

Juli 30, 2025
Thomas Strønen- Relations


Seit ein paar Tagen

kann ich nicht genug kriegen

von einem Album

eines norwegischen Schlagzeugers


Es startet mit Stille,

von Gongschlägen unterbrochen,

die eine Erwartung schüren

aufs Offene, aufs Freie


Das Nachhallen der diskreten Gongschläge,

das den Raum weit öffnet,

plötzlich ein kurzes Schnalzgeräusch,

das überrascht, fast erschreckt


Es gibt viel Schlagwerk,

das unrhythmisch bearbeitet wird

eher Geräusche erzeugt,

viele Pausen


Gelegentlich ein Klavier,

das einen anderen Klangraum schafft

eher abstrakte Tonfolgen spielt

Kaskaden ohne Melodie


Dann Zitherklänge

mit asiatischem Flair

beruhigend, sanftmütig

Gegengewicht zum hektischen Schlagzeug


Ein Saxophon

wie eine verschwommene Wasserfarbe

Eine Frauenstimme singend

in einer mir unbekannten Sprache


Es gibt hier keinen Wohlklang,

aber auch keine völlige Disharmonie

Atonalität ja, aber keine Dissonanz

Alles ist möglich


Ich liebe die Langsamkeit,

wie alle Töne gleichberechtigt

nebeneinander stehen,

die Kurzweiligkeit der Stücke


Musik, die sich nicht anbiedert,

Musiker, die ihr Ding durchziehen,

die etwas wagen,

wo jedes Stück einen eigenen Kosmos schafft


Hier der Opener Confronting Silence:

4798

Juli 30, 2025

Krankenhausbesuch

Kollege im Wachkoma

An Decke guckend

4797

Juli 29, 2025

Man sieht ihn förmlich

an sich vorbeirauschen und

wie er verschwindet

[Hermann van Veen – Kleiner Fratz (live 1975)]

4796

Juli 28, 2025

dieser musiktrip

das springen von stück zu stück

liebe zum schicksal

4795

Juli 28, 2025

Bleierne Schwere

Müdigkeit übermannt mich

Auf dem Weg nach Haus

4794

Juli 27, 2025

Melodrama-Kitsch

Wohl zu schön, um wahr zu sein

Aber der Weg reizt

[Marianne Elliott – Der Salzpfad nach dem Buch von Raynor Winn]

4793

Juli 27, 2025

Erst schilfig, dann voll

Trompetenklangverwandlung

Mittenrein ins Herz

[Mathias Eick – September, s.a. 4792]

4792

Juli 27, 2025

Sag jetzt lieber nichts

Spanne nur die Ohren auf

Lass die Töne rein

[Mathias Eick – September]

4791

Juli 26, 2025

Tempo rausnehmen

Sein verspultes Ding machen

Es fließen lassen

[Kurt Vile – hit of the highlife]

4790

Juli 26, 2025

Ganz tief in mir drin

etwas zum Schwingen bringen,

das ich nicht kannte

[Eliana Glass – Flood]

4789

Juli 26, 2025

Als Fan sein Idol

wieder zurückschubsen auf

den richtigen Weg

[James Griffiths  – The Ballad of Wallis Island]

Malerweg, 23.7.25 Weißig – Pirna 15+5

Juli 24, 2025

Herumgeturne
inmitten Sandsteinfelsen
Renaissancekleinod

Morgens nehmen wir unser Frühstück ganz allein im großzügigen Frühstücksraum ein. Bezahlen tun wir in cash, der ältere der beiden Jungens des Hofes, die sich hier in den langen Sommerferien etwas zu langweilen scheinen, nimmt das Geld  entgegen. Im Garten ist der Großvater in den Blaubeeren zugange, der uns von ehedem erzählt.

Kurz nachdem wir aus Weißig raus sind, türmt sich vor uns der Rauenstein auf.

Rauenstein

Über Treppenstufen kommen wir zum Gasthaus, das gerade eben geöffnet hat. Die beste Aussicht auf Bastei, Lilienstein, Pfaffenstein, Königstein und die beiden Bärensteine hat man von einem Standpunkt etwas unterhalb des Plateaus, da sonst Bäume die Sicht versperren. Der Lilienstein auf der anderen Elbseite verdeckt den Papststein und den Gohrischstein auf dieser Seite. Das liegt daran, dass die von hier aus unsichtbare Elbe im Tal eine große Schleife um den Lilienstein macht.

Rauenstein: Aussicht auf Lilienstein
Rauenstein: Aussicht auf Bastei

Hinter dem Gasthaus geht es weiter treppauf und treppab, alles ist perfekt durch Geländer gesichert. Auch um halb elf morgens kommen uns hier schon einige Touristen entgegen, man ist hier wirklich mittendrin im Felsenlabyrinth des Elbsandsteingebirges.

Rauenstein

Es geht nun hinunter durch den Wald gen Pötzscha (gegenüber der Stadt Wehlen), wo wir vor einigen Tagen übernachtet hatten. Eine Mönchsgrasmücke singt laut ihr schönes Lied. Am Wegesrand neben Getränken zur Erfrischung, selbstgemachten Marmeladen (u.a. Minzgelee) und Hufeisen auch in die Natur integrierte Wanderschuhe.

Pötzscha

Der Weg geht weiter zur letzten signifikanten Steigung hinauf nach Naundorf. Hinter dem Ort durchqueren wir einen Laubwald, einzelne Wegpassagen sind aufgrund des Regens der letzten Tage immer wieder matschig. Ich höre die Rufe einer Mäusebussardfamilie, die Eltern miauen, die Jungvögel fiepen.

Wir treffen eine einheimische Gruppe älterer Wanderer, die den Malerweg in Tagestouren von Pirna in Gegenrichtung laufen. Kurz vorm Abstieg hinunter ins Elbtal nach Obervogelsang halten wir Mittagsrast mit den Pizzaresten von gestern und einem großen Apfel als Nachtisch.

Unten ist es spürbar heller und die Sonne knallt runter. Wir gehen auf dem sehr stark frequentierten Elberadweg noch rund eine Stunde bis nach Pirna. Die Kajaks auf der Elbe sind kaum schneller als wir, obwohl sie mit der zugegeben recht moderaten Strömung paddeln.

In Pirna gönnen wir uns einen Eiskaffee und ich kaufe mir ein Buch einer Bestsellerautorin über diverse Fernwanderungen in England und eins über den historischen Malerweg. Um 17 Uhr machen wir eine anderthalbstündige Führung durch die von den Weltkriegen verschonte Renaissancealtstadt mit. Der Führer stellt positiv heraus, dass in der DDR anders als im Westen alte Bausubstanz bei Neubau nicht zerstört wurde, sondern sich selbst überlassen und damit erhalten blieb. Dass die Sanierung Pirnas aber dann nach der Wende passiert ist, wird nur beiläufig erwähnt. Wie er überhaupt offensichtlich zu den in Pirna knapp 50 Prozent Wählern einer rechtsextremen Partei bei der letzten Bundestagswahl gehört; er leugnet den Klimawandel, schwadroniert in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wäre es hier viel wärmer gewesen als heute. Dresden bekommt natürlich auch sein Fett ab, dort wurden viele Hexen verbrannt, in Pirna keine.

Pirna zeichnet sich durch seine vielen schmucken Erker aus, neben dem Engelserker gibt es auch einen Teufelserker, der von Teufeln getragen wird.

Pirna: Teufelserker

Immerhin kann er nicht umhin, zu erwähnen, dass auf dem Schloss Sonnenschein, einer damals führenden  reformpsychiatrischen Heilanstalt für Geisteskranke, 1940/41 weit über 10.000 Menschen – Stichwort Euthanasie – ermordet wurden, für jeden Toten haben Freiwillige ein buntes Kreuz auf dem Weg vom Schloss hinunter in die Altstadt bis zur Elbe gemalt.

Pirna: 14.751 bunte Kreuze

Die meisten Portale in Pirna sind sich sehr ähnlich mit Jakobsmuscheln und Eiformen. Aber es gibt auch prachtvolle Ausnahmen wie das Portal des Hauses von Wolf Blechschmidt, einem Baumeister des 16. Jahrhunderts, das heute den Eingang eines Hotels ziert.

Pirna: Portal Niedere Burgstr. 1

Der Führer zeigt uns das Geburtshaus des Predigers Johann Tetzel, der mit seinem Ablasshandel ein wichtiger Anlassgeber für Martin Luthers 95 Thesen war. In diesem Haus wurde vor rund 20 Jahren hinter vielen Tapetenschichten eine Holzbohlenstube aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Das Holz wurde solange versteckt, weil die Feuerversicherungspolicen für holzvertäfelte Häuser früher deutlich höher waren als für Unvertäfelte.

Pirna: Tetzelhaus, Bohlenstube

Schließlich gehen wir zurück zum Marktplatz, den Canaletto im 18. Jahrhundert in seinem bekannten Gemälde abgebildet hat.

Pirna: Marktplatz

Nach der Führung machen wir uns zu Fuß auf zu unserem Sporthotel, das nochmal zweieinhalb Km südlich liegt. Eine großartige Wanderung mit einer sehr hohen Dichte an Highlights hat ihr Ende gefunden. Was uns ein Wandergenosse vor einem Jahr sagte, den wir auf dem Eifelsteig trafen, kann ich nun sehr gut nachvollziehen. Ja, dies ist sicher einer der schönsten Wanderwege der Welt. Wenn auch nicht mein Liebster und das nicht nur wegen der mir zu hohen Wandererdichte, zur Ruhe kommt man hier nicht, es ist oft jemand hinter einem, der überholen möchte. Dieses Gedränge kenne ich eigentlich nur von den letzten 100 km des Jakobsweges.

Die Preise sind m.E. auch zu hoch, die Markierungen nicht besonders gut und eher in der umgekehrten Richtung Pirna – Liebethal angebracht. Das kaum sichtbare, dünne, stilisierte „M“ zwar ästhetisch, aber vom praktischen Gesichtspunkt aus Wanderersicht einfach idiotisch.

Der Wegverlauf mit all seinen Volten nicht immer ganz nachvollziehbar, am Anfang war mir auch der Asphaltanteil zu hoch. Am Ende übrigens auch, schnurstracks geradeaus auf dem Elberadweg zu latschen ist nicht meine Vorstellung von Wandergenuss.

Die Menschen häufig sehr nett, manchmal sind es aber auch seltsame Charaktere. Über Politik möchte ich mit den meisten lieber nicht reden. Heimat, Tradition und Lokalpatriotismus spielen mir hier einfach eine zu große Rolle.

Das Wetter war bei unserer Begehung recht wechselhaft, was aber normal zu sein scheint in dieser Gegend. Mein Fazit, im Großen und Ganzen sind meine Kritikpunkte zwar valide, aber nicht wirklich stichhaltig. Ich bin sehr froh, dass ich den Malerweg gegangen bin, er hat mich insbesondere landschaftlich sehr stark beeindruckt.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 22.7.25 Gohrisch – Weißig 20

Juli 23, 2025

Durch Spalte gezwängt
Um Feste herumspaziert
Auf Wiesen flaniert

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit viel Obst gehen wir im leichten Niesel los, eigentlich sah der Wetterbericht gut aus, aber wir werden heute immer wieder vom Regen erwischt. Es geht den angenehmen Muselweg zwischen Kastanien und Linden zurück zum Malerweg, rechts von uns ein kurz vor der Ernte stehendes Roggenfeld.

Gohrisch, Muselweg

Wir treffen auf eine größere Touristengruppe und können bald eines der Tagesziele vor uns erkennen, die mächtige, niemals eingenommene Festung Königstein.

Gohrisch, Blick auf Festung Königstein

Aber zuerst widmen wir uns einem anderen Highlight des Tages.

Exkurs: Der Regen hat aufgehört, wir sehen erleichtert, dass es nicht nur Wähler rechtsextremer Parteien hier gibt.

Vorm Pfaffenstein

Vor uns türmt sich der Pfaffenstein auf, den wir über den schweren Aufstieg links bezwingen. Es geht über Leitern etc. bis ganz oben, wo man dann noch etwas auf den Felsen herumkraxeln kann, um eine schöne Aussicht über die Landschaft zu bekommen.

Pfaffenstein

Auf der anderen Elbseite ist der Lilienstein – die Nabe, wenn der Malerweg ein Rad wäre – gut zu erkennen.

Blick vom Pfaffenstein nach Norden

Nun machen wir einen kleinen Abstecher von 300 m zum Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, einem 43 m hohen Felsen, der seit 1975 wegen Erosion nicht mehr bestiegen werden darf. Es geht über Leitern und enge Felsspalten hinauf. An einer Stelle, dem sogenannten Nadelöhr, komme ich kaum durch, der Rucksack schrammt mit den Wasserflaschen am Fels vorbei, irgendwie schaffe ich es, mich im Schneckentempo da durchzuzwängen.

Das Nadelöhr

Es handelt sich um Barbarine, die der Sage nach zum Blaubeersammeln ging und nicht mehr zurückkehren wollte, so dass ihre Mutter sie zur Strafe in eine Felsnadel verwandelte.

Barbarine

Nach diesem Abenteuer geht es zurück zum Hauptweg und wir treffen beim Abstieg auf der leichten Route unsere französischen Wanderfreunde, die gestern bei dem Sintflutregen zwar noch das Zelt aufgebaut hatten, sich dann aber anders besonnen und ein Zimmer im Trockenen genommen haben.

Wir wandern gemeinsam im Wald auf der sogenannte Quirlpromenade um den gleichnamigen Berg, kommen am Diebskeller, einer geräumigen Höhle mit Steintisch vorbei, gehen auf dem Pflaster hinab nach Königstein und landen schließlich auf dem Stadtplatz, wo sage und schreibe sechs Wohlfühldoppelbänke stehen und C. und ich Mittagsrast einlegen.

Nun geht es hinauf zur Festung Königstein, ein älteres Paar mit Hunden überholt uns, er joggt den steilen Hang hoch, ist aber mindestens so alt wie ich.

Schließlich stehen wir vor dem Eingangstor im Nordwesten, wo wir Tickets kaufen – sie kosten stolze 15 Euros pro Nase – und auf das Festungsplateau hinaufsteigen. In Anbetracht unserer begrenzten Zeit ersparen wir uns die Ausstellungen in den diversen Gebäuden und machen nach dem obligatorischen, köstlich erfrischenden Eiskaffee einen Komplettrundgang an der Festungsmauer um das knapp 10 Hektar große Areal.

Festung Königstein, Torhaus

Lustig die Geschichte des vom Wein berauschten Pagen, der sich bei einem Fest 1675 auf ein Sims der heutigen Friedrichsburg, einem Pavillion, legte und dort über dem Abgrund einschlief. Er wurde mit Seilen festgezurrt, so dass er nicht runterfallen konnte. Die Stelle nennt man Pagenbett.

Wir haben von dort oben phantastische Aussichten zu den in den letzten Tagen von uns bewanderten Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz.

Festung Königstein, Blick nach Südosten

Unten die sich durch den Sandstein an Königstein vorbeischlängelnde Elbe.

Festung Königstein, Blick nach Nordosten

Beim Abstieg ereilt uns bald ein heftiger Regenguss, der aber glücklicherweise nicht ewig anhält.

Festung Königstein

Bald scheint wieder die Sonne, wir treffen die zwei deutschen, jungen Wanderinnen wieder, mit denen wir in Schmilka gefrühstückt hatten, sie kommen aus Hamburg und haben gerade ihr Abi gemacht.

Es gibt weitere großartige Aussichten in der Nähe der Malerwegkapelle (früher Biedermann-Mausoleum). Man sieht gleichzeitig von links nach rechts Kleinhennersdorfer Stein, Gohrischstein, Papststein, Pfaffenstein und Königstein.

Blick zurück

Wir kommen noch nach Thürmsdorf, wo das Schloss eingerüstet ist und gehen dann auf Wiesenwegen leicht abschüssig nach Weißig, wo wir in Nr. 18 – es gibt hier keine Straßennamen – auf einem Bauernhof nächtigen. Zum Abendbrot bestellen wir uns Pizzen aus Pirna und lassen den Abend bei einem Gläschen lauwarmem Rotkäppchensekt ausklingen.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 21.7.25 Schmilka – Gohrisch 16

Juli 22, 2025

Von innen geduscht
Sperberpaar überfliegt uns
Kletterparadies

Morgens wieder ein Frühstück zu acht in der engen Küche in unserer Unterkunftin Schmilka. Neben einem französischen Paar aus der Picardie nördlich von Reims, das wir gestern schon an der Mühle getroffen hatten, zwei junge deutsche Wanderinnen und zwei Engländer, die Tagestouren machen. Der Hausherr erklärt die um über 100 auf 65 Personen gesunkene Einwohnerzahl in Schmilka. Zum einen ist die Bevölkerung stark überaltert, zum anderen sind die Mieten aufgrund des hohen Anteils von Fremdenverkehrszimmern, die zu rund 100 Euro pro Nacht vermietet werden können, mit um die 3000 Euro pro Wohnung unbezahlbar. Da geht es Schmilka ähnlich wie bekannteren touristischen Hotspots wie Barcelona oder Mallorca.

Wir nehmen mal wieder die Fähre über die Elbe, wo wir unsere Gästekarten einsetzen können.

Blick von Schmilka nach Hirschmühle

Auf der anderen Elbseite sieht man die völlig verlassene, vor sich hin verrottende Grenzstation.

Grenzstation Schmilka – Hřensko

Mit den Franzosen gehen wir die Steinstufen hinauf zum Gebirgsplateau. Oben angekommen sind die Hemden bereits komplett durchnässt, die zweite Dusche des Tages, dieses Mal aus körpereigenem Schweiß. Wir quatschen über Gott und die Welt und kommen dabei an einigen blühenden Blumen vorbei.

Stockrosen

In Schöna begleiten die alten DDR-Straßenlaternen uns auf dem Weg.

Schöna, alte DDR-Straßenlaterne

Die heutige Malerwegetappe und die Eintageswanderung Caspar David Friedrich-Weg sind über weite Teile identisch, der Blick zum Zirkelstein hat anscheinend den Wanderer über dem Nebelmeer mit inspiriert.

Vorne Zirkelstein

Im nächsten Ort stoßen wir erstmals auf offene Bekundungen gegen den Staat, die nur noch knapp von der Meinungsfreiheit gedeckt sein dürften. Auf der Heckscheibe des in der Nähe stehenden Autos steht: „Wir sterben wie Männer. Wir brauchen keine Airbags.“ Mein erster etwas zynischer Gedanke: Viel Erfolg dabei!

Extremistische Populistenparole

Hinter Krippen, wo wir die zackige Wegführung etwas abkürzen, hören wir langgezogene, schrille Schreie im Wald. Man sieht von unten die Silhouette von zwei kleinen Greifvögeln, es handelt sich laut App um ein Sperberpaar.

In Kleinhennersdorf machen wir unsere Mittagsrast auf einer Bank in einem Wohngebiet. Es geht nun an einem wahrscheinlich für die Jagd gehaltenen privaten Damwildgehege vorbei den Berg hinauf zum Kleinhennersdorfer Stein, von wo man eine schöne Aussicht auf die umliegenden Wiesen, Felder und Tafelberge hat.

Blick nach Kleinhennersdorf

Nun geht es wieder über Leitern mitten rein ins Herz des Elbsandsteingebirges auf den Papststein, wo ein Ausflugslokal seit 1860 Wind und Wetter trotzt. Bei einem Eiskaffee beobachten wir in der Ferne zwei wagemutige Kletterer, die sich daran machen, den Felsen Große Hunskirche auf der uns abgewandten Seite zu erklimmen. Später sehen wir noch eine Familie mit Kind, die oben auf einem ca. 10 Meter hohen Felsen den Großeltern zuwinken, die das fotografieren. Das wäre nichts für mich. Der Großmutter ist dabei auch etwas mulmig zumute, wie sie uns beichtet.

Große Hunskirche
Blick vom Papststein

Jetzt geht es erst runter zur Straße und dann wieder hoch zum letzten Gipfel, dem Gohrischstein, von wo wir zurück auf den Papststein mit der Antenne blicken können. Hier wurde beim Abstieg der Rohstoffeinsatz minimiert, wir sind trotzdem heil runtergekommen.

Treppenstufen

Es zieht sich nun so langsam der Himmel zu, unsere französischen Wanderfreunde wollen noch zelten, ich wünsche ihnen viel Glück. Kurz nachdem wir in unserer Unterkunft angekommen sind, fängt es um viertel vor vier an, stark zu regnen. Selbst um sieben als wir zum vorreservierten Essen – zwei riesigen Portionen von Großvaters Frühstück – gehen, plästert es noch kräftig, erst gegen acht auf dem Rückweg hört es auf.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 20.7.25 Edmundsklamm

Juli 21, 2025

Um 8 frühstücken wir mit sechs jungen Wanderinnen in der etwas engen Küche unserer Unterkunft in Schmilka. Der Hausherr kommt etwas später dazu und erzählt Geschichten aus seinem Leben.

Wir müssen uns heute Morgen etwas sputen, um den ersten 435er Bus ins 3 km entfernte Hřensko auf der tschechischen Seite zu bekommen, der mit uns als einzigen Fahrgästen pünktlich um 8h28 auf dem Parkplatz in der Nähe des Elbfährenanlegers losfährt. Da der tschechische Busfahrer keine Euros akzeptiert, bezahle ich die umgerechnet 1,88 Euro für 2 Personen mit der ec-Karte. Nach wenigen Metern fahren wir über die völlig unbewachte Grenze und kommen bald darauf in Hřensko an, wo wir etwas hinter dem seit 8 geöffneten Touristenzentrum gegenüber vom äußerlich schmucken Hotel Labe mit Fachwerk rausgelassen werden, wo sich schon eine Schlange gebildet hat.

Hřensko, Hotel Labe

Hier kann man die streng kontingentierten Eintrittskarten für die Kahnfahrt in der Edmundsklamm, die nach einem Waldbrand 2022 gesperrt wurde und erst seit kurzem wieder geöffnet ist, kaufen. Es dürfen maximal 15 Personen gleichzeitig auf einem Boot in der Klamm sein. Wir haben Glück und bekommen zwei Tickets ab 13 Uhr für 800 Kronen, also rund 36 Euro und ich muss meine Handynr. für den Notfall angeben. Die nächsten Stunden bummeln wir ganz langsam die 2 km die Kamice hinauf, am Straßenrand verkaufen äußerlich aus Ostasien stammende Händler Ramschwaren. Wir nehmen unseren Cappuccino ein, lesen etwas und essen später einen Salat, bevor wir zur auf der anderen Seite mit einem Tor verschlossenen Brücke kommen, hinter der uns zwei Mitarbeiter mit orangen Schutzwesten erwarten. Der Ältere der beiden möchte uns mit unseren Sandalen, die wir tragen, um unsere Füße nach den Strapazen der letzten Tage zu schonen, aus Sicherheitsgründen erst nicht akzeptieren, aber nach einem Telefonat des Jüngeren mit der Leitung geht alles klar.

Es geht nun in einer Gruppe von 14 Touristen auf der rechten Seite der Kamice auf einem zum Teil recht schmalen Pfad zur Kahnanlegestelle, am Ende im zweiten Tunnel wird es in der Mitte stockduster und die Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit. Kurz vor unserem Ziel gibt es eine künstliche Stufe im Gebirgsbach.

Kahnanlegestelle

An der Anlegestelle erwartet uns der Bootsmann, der den Kahn mit einem langen Holzstab steuert und durch Abstoßen am Boden vorwärts bewegt. Auf den 700 Metern, die wir in einer Richtung zurücklegen, ist so gut wie keine Strömung.

Hinter uns sieht man mehrere vertikale Sandsteinfelsen, die eine Familie mit Kindern und ganz rechts hinter den Bäumen der Schwiegermutter darstellen sollen.

Sandsteinfelsenfamilie

Der Bootsmann erklärt uns auf Tschechisch und Deutsch die diversen Tiere wie Affen, einen Elefanten und einen Delphin, die man mit etwas Phantasie im Gestein der Schluchtwand erkennen kann und erzählt lustige, teils leicht makabre Geschichtchen.

An einer Stelle, an der links ein Rinnsal den glatten Felsen herunterrinnt, zieht er an einem Drahtseil und löst eine künstliche Fontäne aus.

Künstlicher Wasserfall

Schließlich dreht er den Kahn und fährt uns wieder zurück

Rückfahrt

Ein überstehender Felsen an der Seite scheint von einem dünnen Baumstamm gehalten zu werden.

Nach ca. 20 Minuten ist die Kahnfahrt vorbei und wir treten wieder die Rückwanderung an.

Hotel Praha
Algen in der Kamice

Zurück nach Schmilka gehen wir an der Straße. Die Grenze ist weiterhin völlig verlassen, der Duty Free Laden vorher auf der tschechischen Seite so gut wie nicht besucht.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

4788

Juli 20, 2025

Dolch im Gewande

Singe mir erst noch ein Lied

Stoss ihn in mein Herz

[Emily Jane White – Dagger ursprünglich von Dark Undercoat, 2007]

Malerweg, 19.7.25 Neumannmühle – Schmilka 15+1

Juli 20, 2025

Melonensalat
Kipphorn: Bilderbuchaussicht
Runter zur Elbe

Nach dem vom Wetter her durchwachsenen gestrigen Tag erwarten uns heute Sonne und sommerliche Temperaturen an die 25 Grad. Wir füllen die drei Literflaschen mit Wasser, die wir im Laufe des Tages auch fast ganz austrinken werden.

Beim Frühstück sind wir an einem Vierertisch mit einem holländischen Paar platziert; er erzählt uns vom Dutch Mountain Trail in Südholland. Die beiden hängen an den Malerweg dann noch den 100 km langen Kammweg durch die Böhmische Schweiz dran.

Neumannmühle

Nach einem kurzen Stück an der Straße im Kirnitzschtal geht es steil bergauf nach links, wo die Straße unten durch Drahtnetze gegen Steinschlag geschützt ist, wir aber nicht.

An der Kirnitzsch

Die Räumichtmühle im nächsten Ort ist zwar inzwischen geschlossen, wir können uns aber trotzdem dort erfrischen, bezahlt wird nach Gusto in die Kasse des Vertrauens, auf dem spanischen Jakobsweg sagt man hierzu auch donativo.

Räumichtmühle, Kühlschrank

Die vielen umgestürzten Bäume haben inzwischen auch ihren Niederschlag in den Schilderwald gefunden.

Räumichtmühle, Vorsicht Baumbruch!

Es geht nun weiter bergauf zum Pohlshorn und wir werden auf dem Kamm mit schönen Aussichten belohnt.

Kurz vor 12 kommen wir am Zeughaus an, wo wie so oft hier in der Grenzregion ein tschechischer Wirt das Szepter übernommen hat. Wir setzen uns zu unseren holländischen Frühstücksnachbarn, die gerade im Aufbruch begriffen sind. Hier gibt es einen köstlich-leichten, geschmacksintensiven Melonen-Blaubeersalat mit Wassermelone, Heidelbeeren, Rukola, Minze, Feta und Pinienkernen. Dazu etwas frisches, dunkles Brot sowie eine eiskalte Flasche Oppacher Mineralwasser und unser Mittagsrastglück ist komplett.

Haus im Wald unweit Zeughaus

Nachdem wir neue Kräfte gesammelt haben, geht es nun recht steil hinauf in Richtung Winterberg. Es sind am Ende über dreihundert Meter Anstieg durch den Wald, so dass wir zumindest meist im Schatten gehen, kräftig ins Schwitzen kommen wir trotzdem. Links geht es ab zur wenig spektakulären Goldsteinaussicht. Die Sandsteinfelsen gegenüber sind rechts im Gegenlicht und nicht auf dem Foto.

Goldsteinaussicht

Im folgenden Wegverlauf suchen wir vergeblich den Abzweig zum kleinen Kuhstall, einer weiteren Felsenhöhle, wo wir aber nach Auskunft eines Einheimischen nichts verpasst haben. Am Katzenstein machen wir eine kurze Trinkpause und beobachten aus diesem Versteck die anderen, vorbeikommenden  Wanderer.

Katzenstein

Es geht weiter auf Holzplanken über morastigen Boden hinauf zum Winterberg, wo wiederum eine Baude steht. Wir nehmen einen deliziösen Eiskaffee zu uns. Der nette Wirt fragt mich, woher wir kommen und gibt mir den Tipp mit dem Kipphorn. Diese relativ wenig frequentierte Aussicht, die etwa 400 Meter abseits des Weges liegt, kann man nicht anders als spektakulär bezeichnen. Links die Wälder und Berge der Böhmischen Schweiz, direkt vor uns die Elbe, die sich ihren Weg durchs Elbsandsteingebirge bahnt, am rechten Elbufer in der Ferne Bad Schandau, dann die Schrammsteine. Wir haben den Ausblick vorne an der Aussichtsbank ganz für uns allein und sind begeistert.

Kipphornaussicht

Nachdem wir wieder zurück zum Malerweg gegangen sind, steigen wir nun 400 Meter über viele Treppen hinab nach Schmilka. Es kommt uns eine junge, tschechische Familie entgegen, der Vater mit seiner Tochter im frühen Vorschulalter an der Hand, die sich sehr wacker hält. Es kommt noch eine Passage, die wegen angeblichem Baumbruch abgesperrt ist, woran sich jedoch niemand hält. Der Weg ist frei und ungefährlich.

Wir kommen oben in Schmilka an der Ilmenauquelle an. Der Ort ist voller Tagesgäste, die hier größtenteils durchwandern, in dem Café in der Ortsmitte an der alten Mühle herrscht reges Treiben.

Schmilka, Mühle

Der Inhaber unserer Pension erwartet uns schon auf seiner Terrasse. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, um uns von den Wanderstrapazen der letzten Tage etwas auszuruhen.

Abends essen wir noch bei dem Bistro an der Mühle und treffen erneut auf das Paar ungleichen Alters, das wir bereits auf dem Aufstieg nach Waitzdorf vor zwei Tagen getroffen hatten. Es stellt sich raus, dass es Vater und Tochter aus dem Rheinland sind. Er  ist emeritiert und schon fast 80, ihre Tagesetappe heute noch ein gutes Stück länger und die beiden entsprechend erschöpft, da sie heute schon bei den Lichtenhainer Wasserfällen starteten.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 18.7.25 Altendorf – Neumannmühle 19

Juli 19, 2025

Off the beaten track
Rückwärts die Leitern runter
Unter Bergsteigern

Heute steht uns die Königsetappe des Malerwegs bevor, 730 Höhenmeter und über 7 Stunden reine Gehzeit. Daher frühstücken wir schon früh um halb acht. Allerdings entkommen wir dem Regen heute nicht. Bis 14 Uhr schüttet es immer wieder. Trotzdem treffen wir auf sehr viele Tagestourer, da wir touristische Hotspots abgrasen.

Anfangs regnet es nur leicht, allerdings kommen wir schon bald zu einem Abschnitt, der aufgrund von Böschungsarbeiten, von denen man allerdings nichts sieht, gesperrt sein soll. Der Hauptweg über die Kirnitzsch, die uns meist unten im Tal den ganzen Tag begleiten wird, ist in der Tat unbegehbar. Ich finde auf der Appkarte jedoch einen Weg hinunter auf etwas verschlissenen Holzstufen, auf dem wir uns den Hang hinunterstürzen. Unten kommen wir zur Ostrauer Mühle, hier liegt ein viel genutzter Campingplatz. Der Regen hört jetzt erst einmal für eine Weile auf. Ein junger Mann mit großem Rucksack, den wir heute immer wieder kreuzen, geht nun von hier los.

Meine Beine sind heute am Vormittag sehr schwer, ich bewege mich schwerfällig vorwärts, die Wandermüdigkeit setzt ein und die sich im Kopf stellende Sinnfrage zusammen mit der zunehmenden Durchnässung machen es nicht leichter.

Nach dem Aufstieg sehen wir bald in der Ferne die markante Formation der Schrammsteine, die auf unserem Weg liegen.

Schrammsteine

Wir treffen am Schrammsteintor, wo es einen Durchlass durch die imposanten Sandsteinfelsen gibt, auf Familien mit Kindern.

Schrammsteintor

Kurz vor dem Aufstieg über Eisenleitern zum Grat, der rund 50 Meter höher liegt, legen wir eine kurze Pause auf einem Baumstamm ein. Es beginnt, wieder zu regnen. Oben auf dem Grat geht es dann richtig los. Erst stehen wir mit meinem Schirmchen etwas geschützt unter einem Baum, dann als der Regen zum Schauer wird und nicht so schnell aufhören will, lehnen wir uns gegen die leicht überstehende Felswand. Nass werden wir trotzdem.

Als der Regen in Niesel übergeht, gehen wir weiter zur Breiten Kluft. Hier hat sich der Himmel bereits aufgeklart und C. vor mir erinnert mich etwas an ein bekanntes Bild von Caspar David Friedrich, das ja bekanntlich auch von der Sächsischen Schweiz inspiriert war.

Breite Kluft Wand: Wanderin über dem Nebelmeer

Unsere Mittagsrast mit Brötchen, die mit Fleisch- und Eiersalat belegt sind, machen wir auf der steinernen Domkanzel. Mitten beim Essen fängt es wieder an, zu pladdern, es kommen hier einige Wanderer vorbei. Nun geht es hinunter zum Sandloch- und dann Zeughausweg.

Felsformation Domwächter

Die Beine gehen sich jetzt wieder besser, wir bewegen uns meist im Streichen oder sogar abwärts, was nicht schadet. Wir kommen nun zur Kirnitzsch, erst am Beuthenfall vorbei, dann zu den Lichtenhainer Wasserfällen, wo die Endstation der gelben Straßenbahn von Bad Schandau ist und wir im Biergarten mit Eiskaffee unsere müden Lebensgeister wecken können.

Lichtenhainer Wasserfall

Von hier geht es über eine schöne Steinbrücke hinauf durch den Wald zu einer der Hauptattraktionen, dem von Caspar David Friedrich im Bild verewigten Kuhstall, der ca. 30 Minuten entfernt ist. Es kommen uns so einige Besucher entgegen.

Steinerne Brücke

Den Kuhstall, eine offene Höhle unter einem Sandsteinfelsen, nehme ich klassisch von vorne gegen das Licht und von hinten auf. Von hinten hat er mehr Höhlencharakter.

Kuhstall von vorne
Kuhstall von hinten

Hinterm Kuhstall führen superschmale, metallene Stufen durch den Fels hindurch nach oben, sozusagen auf das Dach des Kuhstalls. Wir kommen da so gerade eben mit unseren 30 Liter-Rucksäcken durch. Es handelt sich um die sogenannte Himmelsleiter. Von oben hat man eine gute Aussicht über diesen Teil der Sächsischen Schweiz. Hier ist auch viel weniger los als unten.

Himmelsleiter, Blick zurück

Vom Kuhstall gehen wir u.a. auf einer Eisenleiter zurück – ich gehe steile Leitern gerne rückwärts runter – ins Kirnitzschtal. Kurz bevor wir das munter dahinfließende Bächlein erreichen, trennen sich kurz unsere Wege. Während ich noch einmal hoch auf einen naturnahen, etwas zu gewachsenen Pfad, den offiziellen Malerweg abbiege, überquert C. die Kirnitzsch und geht an der wenig befahrenen Straße lang. Ich sehe sie bald vor mir, bin allerdings noch rechts der Kirnitzsch auf einem herrlichen Naturpfad, dem Flößersteig. Hier wurde früher Holz die 25 km hinunter bis zur Elbe transportiert. Wir treffen uns an der Brücke neben der Neumannmühle, in der wir in einem eigenen Zimmer übernachten.

Im kühlen Wasser des Bergbaches baden viele nackte Männer und einige wenige nackte Frauen. Wahrscheinlich sind das Bergsteiger. Jedenfalls sitzen abends draußen in der Neumannmühle an den Tischen neben uns sehr drahtige Typen, die völlig unter sich sind und uns keines Blickes würdigen. Ich lausche später auf dem Klo dem Gespräch zweier Typen in der Dusche daneben, die im 2. Stock im Matratzenlager pennen. Es geht um den Watzmann.

Ich entdecke beim Abendessen das sehr süffige Eibauer Schwarzbier, das ich auch viel besser vertrage als das Weißbier, das ich sonst immer trinke. Auch nach zwei Litern fühle ich mich noch pudelwohl.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 17.7.25 Hohnstein  – Altendorf 14

Juli 18, 2025

Burg mit Geschichte
Zig Stufen runter und rauf
Verlorener Ort

Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir die Waldstraße hinunter ins Ortszentrum. Wir kommen am Hohnsteiner Kasper vorbei, im Max Jacob Theater werden heute noch Puppenspiele gezeigt.

Hohnsteiner Kasper

Die nach den Plänen  von George Bähr, dem Architekten der Dresdener Frauenkirche, errichtete evangelische Kirche ist vor allem im Innenraum ein lichtdurchflutetes Schmuckstück mit der bunten Holzkassettendecke und den Patronatslogen.

Hohnstein, ev. Kirche

Wir gehen hoch zur Burg, die eine bewegte, moderne Geschichte aufweist. Nach dem 1. Weltkrieg war sie erst Jugendgefängnis, dann Jugendherberge, 1933/34 Konzentrationslager für 5.600 meist politische, kommunistische Gefangene, dann Reichsjugendherberge der Hitlerjugend, im 2. Weltkrieg Kriegsgefangenlager, danach die größte Jugendherberge der DDR und heute Jugendgästehaus der Naturfreunde.

Hohnstein, Burg

Auf dem Malerweg aus dem Ort hinaus überholen wir bald einen fotografierenden Wandergenossen. Wir werden heute immer wieder Wanderer treffen, die ebenfalls den Fernwanderweg gehen.Wir kommen zur Gautschgrotte, einem überhängenden Felsen. Hier in Hohnstein lebte der Ausnahmekletterer Bernd Arnold, nach dem eine Kletterschule und ein Outdoorladen benannt sind.

Hohnstein, Gautschgrotte

Es geht nun auf angenehm zu gehenden, z.T. gesandeten Wegen durch den Wald, am Wegrand entdecken wir kleine, schmackhafte Blaubeeren. Am Ende kommen wir zur Baude an der Brandaussicht, wo man heute eine sehr gute Sicht bis nach Tschechien hat, direkt vor uns der Lilienstein. Hier begann Anfang des 19. Jahrhunderts der Tourismus in der Sächsischen Schweiz. Nach ein paar Minuten gibt es ohrenbetäubenden Lärm: Direkt über uns jagt ein Tiefflieger durch die Luft.

Brandaussicht zum Lilienstein

Der Abstieg ins Polenztal erfolgt über 800 mit Holzbrettern befestigte Stufen, auf der anderen Seite geht es nach ein paar hundert Metern Straße wieder genauso hinauf. Mein Hemd ist oben in Waitzdorf komplett durchgeschwitzt, trocknet aber wieder in wenigen Minuten. Das Gasthaus hier hat wegen Sommerurlaub diese Woche leider gerade geschlossen. Wir essen unseren letzten Proviant, 2 Trockenwürste, 1 Kohlrabi und 2 Müsliriegel.

Im Ort kommen wir an einer eindrucksvollen Linde vorbei, der Stammumfang beträgt sicher an die vier Meter.

Waitzdorf, Linde

Auf dem nächsten Wegstück, dem wildromantischen Kohlichtgraben, treffen wir erneut auf eine Gruppe dreier, junger Wanderer mit großen Rucksäcken, auf ein Paar ungleichen Alters, sowie auf eine junge Einzelwanderin. Der Malerweg ist der meistbegangene Fernwanderweg Deutschlands, den wir bisher kennengelernt haben.

Wir kommen nun nach Kohlmühle, eine alte Linoleumfabrik, die Kunstleder u.ä. sogar noch bis über 20 Jahre nach der Wende produzierte. Heute steht sie verlassen als lost place da.

Kohlmühle

Das ehemalige Bahnhofshotel vergammelt vor sich hin. Es wurde früher auch als Kantine genutzt

Kohlmühle, altes Bahnhofshotel

Nach einem langgezogenen Aufstieg kommen wir zu unserem Etappenziel Altendorf. Auch heute konnten wir dem später einsetzenden Regen ausweichen. Wir kaufen noch etwas Proviant im Hofladen, treffen ein dänisches Wanderpaar wieder und legen heute einen Waschtag ein. Nach dem Essen gönnen wir uns den hauseigenen Kräuterlikör aus 24 Kräutern und Wurzeln.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 16.7.25 Stadt Wehlen – Hohnstein 11+1

Juli 17, 2025

Bad in der Menge
Von Feldjägern eingeholt
Hinab in Wolfsschlucht

Nach einer erholsamen Nacht in unserem Zimmerchen nehmen wir unser gestern zusammengekauftes Frühstück im Wintergarten eine Etage tiefer ein.

Wir sind heute schon vor neun unterwegs, müssen allerdings noch einmal die Fähre auf die rechte Elbseite nehmen. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen geht es den Uferweg nach Osten entlang und dann steil auf mit Geländern gesicherten Steintreppen hinauf, so dass wir früh ins Schwitzen kommen. Im Wald in der Nähe eines Steinplateaus mit Elbaussicht hören wir einen krächzenden Kolkraben.

Im Wald überholt uns eine ältere Frau mit Tagesrucksack. Es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls passionierte Fernwanderin ist und auch gerne pilgert, z.B. ist sie wie wir den ökumenischen Jakobsweg von Görlitz nach Vacha gegangen und hat dort ebenfalls in Kirchen übernachtet. Ursprünglich kommt sie aus Mecklenburg, wohnt aber jetzt in der Gegend und fühlt sich dort viel wohler. Sie geht auch den Malerweg, kehrt jedoch abends immer nach Hause zurück. An der Bastei trennen sich unsere Wege.

Blick von Bastei-Aussichtsplattform

Hier wimmelt es auch am Vormittag schon von Touristen, auf der erst im Februar 2023 eröffneten, betonierten Aussichtsplattform drängen sich die Menschen mit ihren Smartphones. Wir nehmen einen die Lebensgeister weckenden Cappuccino im Pappbecher zu uns.

Bastei-Brücke

Wir genießen die Blicke auf die bizarr geformten, in die Höhe strebenden, hinkelsteinförmigen Sandsteinfelsen und gehen weiter über die Basteibrücke hinunter nach Rathen.

Bastei-Aussichtsplattform

Unten gehen wir den breiten Steinweg hinauf zur Rathener Felsenbühne, wo gerade Rotkäppchen gegeben wurde und die Kinder mit ihren Aufsichtspersonen kurz nachdem wir oben angekommen sind, herausströmen.

Felsenbühne Rathen

Nun geht es wieder zurück und am Amselsee entlang, an dem man sich Ruder- und Tretboote ausleihen kann, durch den Amselgrund hinauf zu den Amselfällen, die wir nicht sehen könnten, da es kürzlich einen Felssturz gegeben hat und der Weg eingerüstet ist und die Baude geschlossen.

Amselsee

Die Bänke am Wegrand sind alle besetzt, erst ganz oben kurz vor Rathewalde finden wir eine leere Bank. Nach einer Minute Sitzen sind wir plötzlich umringt von einer Feldjägerkompanie, die hier ebenfalls ein Päuschen einlegt. Seit meiner Bundeswehrzeit vor über 40 Jahren hatte ich nicht mehr so viele Soldaten auf einem Haufen gesehen. Es sind auch einige junge Frauen dabei, eine läuft vorneweg und trägt eine weißrote Fahne.

Es setzt nun Nieselregen ein und uns kommt die Jägerklause kurz vor Rathewalde gerade recht, wo wir eine Soljanka und eine Linsensuppe zu uns nehmen.

Rathewalde, Jägerklause

Die moderne, schlichte evangelische Kirche in Rathewalde ist geöffnet. Die Kanzel ist mit einem bunten Kreuz mit lokalen  Motiven geschmückt.

Rathewalde, ev. Kirche

Es geht nun weiter durch das Waldhufendorf, an einer Ausfallstraße entlang und dann zu der Schutzhütte am Hockstein. Hier steigen wir auf steilen, gut gesicherten Metalltreppen zwischen Felsritzen hinab in die Wolfsschlucht, von der wir buchstäblich verschlungen werden. Sie ist ein wichtiger Schauplatz in Carl Maria von Webers Freischütz.

Abstieg in die Wolfsschlucht

Unten im Polenztal gibt es einen schönen Biergarten, der allerdings erst um 16 Uhr öffnet, zu spät für uns. Hier unten im sog. Bärengarten wurden bis 1756 Bären für die Jagd gehalten. Bären gibt es keine mehr, stattdessen pflücken wir am Wegesrand schmackhafte, kleine Wildhimbeeren. Wir steigen mühsam den Schindergraben hinauf – zum Teil über umgestürzte Bäume, die gefällten Bäume liegen säuberlich neben dem Weg – und kommen an unserem Etappenziel Hohnstein an. Auf einem Felsen gegenüber liegt die Burg.

Hohnstein, Burg

Unser Hotel mit Wellnessbereich, zu dem wir von der Ortsmitte hinaufsteigen müssen, ist gut besucht. C. schwimmt im Pool, ich schwitze in den beiden Saunen.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

4787

Juli 16, 2025

Herumgewirbelt

Boden unter den Füßen

Hinweggeblasen

[Curtis Harding – Time]

Malerweg, 15.7.25 Schloss Pillnitz – Stadt Wehlen 20

Juli 16, 2025

Weinberg steil hinauf
Gekläffe statt Lohengrin
Dem Regen getrotzt

Morgens beim Frühstück steht das Servicepersonal in der Ecke und beäugt uns, als wir uns beim Buffet bedienen. Anscheinend sind wir mit unserer Wanderkluft in diesem Etablissement underdressed.

Gegen neun sind wir on the road, die schöne, leider geschlossene Weinbergkirche, liegt wie der Name schon sagt, inmitten von Weinbergen im kleinen, östlichsten Weinanbaugebiet Deutschlands. Vom Leitenweg oben, dem wir eine Weile folgen, haben wir eine wunderbare Aussicht auf die Elbebene und -hänge.

Pillnitz, Weinbergkirche

Wir passieren die kegelförmige Rysselkuppe, von der die Sicht etwas zugewachsen ist. Es geht nun in den feuchten Wald, wo wir von Mücken belästigt werden, die wir uns mit biologischen Mitteln vom Körper halten. Heute Nachmittag erwartet uns eine Gewitterfront, die uns dazu anstachelt, etwas zügiger zu gehen und nicht jeden Umweg mitzumachen. Wir marschieren durch den Wald und lassen Graupa rechts liegen und sparen uns auch die Schleife vor Bonnewitz. Dort machen wir Halt im überdachten Bonnewitzer Rundling, einem offenen Holzpavillion, der auch als Bücherkiste genutzt wird. Eine Gruppe gehandicappter Kinder in Rollstühlen kommt uns mit ihren Begleitern entgegen. Ich muss an unselige Zeiten denken; in Pirna, zu dem Bonnewitz gehört, ermordeten die Nazis auf der anderen Elbseite in Sonnenstein über 13.000 psychisch kranke und geistig behinderte Kinder in einer Gaskammer.

Wir bewegen uns nun Richtung Liebethal, wo der erst 2006 inaugurierte Malerweg offiziell beginnt. Pate stehen ihm Künstler wie Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und Adrian Zingg, die sich von der Sächsischen Schweiz im 19. Jahrhundert zu Landschaftsbildern haben inspirieren lassen.

Liebethal

Entlang der wilden Wesenitz, die sich hier mit Stromschnellen durch die Schlucht zwängt, treffen wir nun auf viele Tageswanderer, es ist der erste Hotspot auf unserer Wanderung.

Liebethal, Wesenitz

Plötzlich hören wir lautes Hundegebell direkt vor uns. Links oben über uns steht überlebensgroß Richard Wagner, der in der nahe gelegenen Lochmühle 1846 Teile des Lohengrin komponiert hat. Eigentlich hatten wir erwartet bzw. befürchtet, dass hier das Vorspiel erklingt, das ich eigentlich mag, aber bitte nicht in der Natur, jedoch der Lautsprecher steht still und schweiget.

Liebethal, Wagnerdenkmal

Am Wegesrand immer wieder Blumen, die das Auge des Wanderers erfreuen.

König-Lilie

Ein von hinten kommender Radfahrer, der uns erschreckt, so dass wir etwas zur Seite springen, wirft uns stark sächselnd vor, dass wir zu verbissen seien.

Wir sind noch am Anfang unseres Weges, schön zu wissen, dass wir hierher zurückkehren können, wenn unsere Schuhe ausgelatscht sind.

Mühlsdorf

In Lohmen stärken wir uns kurz beim Bäcker mit einer Minipizza und Eiskaffee, bevor eine größere Rentnertruppe einfällt.

Es wird nun knapp, um 14h25 soll der Schauer laut Regenradar einsetzen, wir geben Gas und gehen hinein in den Uttewalder Grund. Die ersten Tropfen fallen und wir hasten die Treppenstufen hinauf nach Uttewalde, wo wir eigentlich einkehren wollten, aber natürlich hat das Gasthaus erst ab Mittwoch geöffnet. Ein überdachter Hauseingang mit Sitzbank rettet uns. Hier bleiben wir trocken.

Uttewalde

Nach dem Guss treffen wir auf ein dänisches Paar, die ebenfalls den Malerweg begehen. Sie sind aufgrund des Umleitungsschildes die Treppenstufen gegangen und denken wie wir, dass der Weg unten im Grund gesperrt ist. Es handelte sich jedoch nur um die Umleitung nach Uttewalde, die „Umleitung“ nach Wehlen ist der normale Weg, wie wir von einem Einheimischen erfahren.

Uttewalder Grund, Felsentor

Schließlich erreichen wir die Stadt Wehlen, wo wir am Marktplatz kurz rasten und dann die Fähre rüber nach Pötzscha nehmen, wo sich unser Zimmerchen befindet.

Da auf dieser Elbseite alles geschlossen ist, müssen wir die Fähre noch zweimal nehmen. Gut, dass C. das Deutschland-Ticket hat. Mit Fish & Chips, einer Rhabarberschorle und zwei riesigen Eiskugeln beende ich die Nahrungsaufnahme. Auf dem Markt gibt es eine akustische Installation, die den Touristen erklärt, dass der Name Sächsische Schweiz anscheinend von zwei Schweizern vergeben wurde, die sich an ihre Heimat erinnert fühlten. Wir gucken noch die Tagesschau, lesen etwas und sind um zehn in der Pofe. Die direkt neben uns vorbeifahrenden Regionalzüge hören wir aufgrund der Schallschutzfenster nicht.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

Malerweg, 14.7.25 Dresden-Bühlau – Schloss Pillnitz 15

Juli 15, 2025

Beine schwer wie Blei
Mädchen schüttet ihr Herz aus
Elbschlossromantik

Und auf geht es zur nächsten Fernwanderung. Dieses Mal haben C. und ich uns den Malerweg in der Sächsischen Schweiz vorgenommen, den für ihn schönsten Wanderweg überhaupt, wie uns ein erfahrener Wanderer sagte, den wir letztes Jahr auf dem Eifelsteig getroffen hatten.

Wir starten in Dresden-Bühlau bei schönem Sommerwetter recht spät gegen halb zehn. Es geht die Neugersdorfer Straße steil hinunter, weiter unten wird vor Rotfüchsen, Mardern und Habichten gewarnt, die das hinter einem Elektrozaun herumlaufende Federvieh bedrohen. Wir kommen auf die Grundstraße, die sich am Leonhardi-Museum vorbei bis zur Elbe hinunterschlängelt.

Dresden-Loschwitz, Leonhardi-Museum

Wir werfen einen Blick auf die auch Blaues Wunder genannte Loschwitzer Brücke, die östlichste der Dresdner Elbbrücken. Die nicht sehr hochstehende Elbe fließt träge dahin.

Dresden-Loschwitz, Blaues Wunder
Dresden-Loschwitz

Am Körnerplatz, wo wir uns in einem gut frequentierten Café bei einem Cappuccino stärken, geht der Dichter-, Musiker-, Malerweg los, dem wir die ersten anderthalb Tage folgen werden, bevor wir in Liebethal auf den Malerweg stoßen werden.

Loschwitz, Körnerplatz

Wir passieren die Talstationen der Standseilbahn zum Weißen Hirsch und der Schwebebahn nach Oberloschwitz, bevor es den Veilchenweg steil bergauf geht, der Schweiß beginnt bereits, den Körper hinabzurinnen. Hier hat man die Wahl, das Kopfsteinpflaster oder bei Nässe die Stufen hinaufzugehen. Wir gehen in Richtung Fernsehturm im Stadtteil Wachwitz, um dessen Zustand sich eine Bürgerinitiative Sorgen macht.

Dresden, Fernsehturm

Die Grundstücke und Häuser, an denen wir hier vorbeikommen, kann man als großzügig und gediegen bezeichnen. Bereits nach weniger als einem Kilometer hatten wir die erste Stempelstation erreicht. Andere Wanderer treffen wir nicht. Ich quäle mich die ersten Kilometer etwas den Weg hinauf, das Eingrooven braucht seine Zeit.

Japanischer Ahorn

Unseren Weg zieren lustige Warnungen vor dem Hund, gerade Yorkshire Terrier und Berner Sennenhunde sind ja besonders gefährlich, wie wir aus eigenen Erfahrungen wissen ;-).

Gefährliche Tiere am Wegesrand

Unsere Mittagspause machen wir in Pappritz an einem Bassin, das gelegentlich von einem steinernen Frosch gefüllt wird.

Pappritz, Froschbrunnen

Hier ziehe ich unsere Wanderstöcke aus, die ein Lieferwagenfahrer, der eine Zigarettenpause macht, bestaunt.

Helfenberger Park

Hinter Pappritz geht es durch den großzügigen Helfenberger Park mit vielen mächtigen Trauerweiden nach Helfenberg und dann nach Rockau, wo wir uns an der etwas abseits des Weges gelegenen Rockauer Aussicht an Plattpfirsichen laben. Plötzlich kommt ein kleines Mädchen mit einem in einem Joghurtbecher gefangenen Insekt vorbei, das es uns stolz präsentiert. Es erzählt uns von mehreren Papas, einer alleinstehenden, berufstätigen Mutter, seinen zwei Geschwistern und, dass es nach den Sommerferien, von denen es nur weiß, dass sie bis zum Ende des Sommers, also ewig, dauern, in die 3. Klasse kommt. Zudem steht ein Umzug an. Es möchte natürlich wissen, was wir so treiben und vor allem wo wir hin wollen. Ich bin, ob dieser kindlichen Offenheit ziemlich gerührt.

Wir kommen nun wieder in den Wald zur einsam da liegenden Keppmühle, wo sich Carl Maria von Weber wohl für seinen Freischütz hat inspirieren lassen. Auch Richard Wagner ist im Keppgrund spazieren gewesen.

Keppmühle

Weiter geht es zwischen Wiese und Wald zum sogenannten Zuckerhut, der einen weiteren Ausblick auf die Elbe, zurück nach Dresden und auf die umliegenden Berge bietet. Zu Füßen liegt die Kirche Maria am Wasser, die ich mit meinem neuen, zum heutigen Geburtstag bekommenen Smartphone, recht nah heranzoomen kann.

Maria am Wasser vom Zuckerhut aus gesehen

Wir kommen jetzt auf den letzten heutigen Streckenabschnitt hinunter nach Hosterwitz, wo wir am momentan geschlossenen Carl Maria von Weber Museum, das mich mit der Fassade in ocker und den grünen Klappläden etwas an unser eigenes Häuschen erinnert, vorbeikommen. Weiter geht es in den Schlosspark Pillnitz, wo wir nach einem wohlverdienten Eiskaffee unser Hotelzimmer beziehen.

Schloss Pillnitz

Am heutigen Montag ist auf dieser Elbseite keinerlei Einkehrmöglichkeit vorhanden. Daher nehmen wir die Fähre nach Kleinzschachwitz, wo es einen gut besuchten Biergarten gibt und wir einen trockenen, überschirmten Platz neben einem einheimischen Paar finden. Es hat inzwischen angefangen, leicht zu regnen. Hier gibt es großzügig eingeschenkte erfrischende Erdinger Urweisse vom Fass. Auch der Cheeseburger und die breiten Pommes übertreffen alle Erwartungen.

Fähre Pillnitz – Kleinzschachwitz

Auf dem Rückweg erhaschen wir eine besinnliche, romantische Abendstimmung, es scheint unvorstellbar, dass anderswo Krieg herrscht.

Schloss Pillnitz

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

4786

Juli 14, 2025

Klamotten vom Leib

Braune Brühe im Abfluss

Wie neugeboren

4785

Juli 13, 2025

Latifundien

Zum Kaffee und Kuchen bei

einem Bücherwurm

4784

Juli 13, 2025

Jingle-jangle joy

Don’t think about tomorrow

The eighties are back!

[Gwenno – Dancing on Volcanoes]

4783

Juli 13, 2025

Immer wieder schön,

zufällig Nick Drake-Musik

hören zu dürfen

[Nick Drake – Brittle Days III/Work in progress No. 4 (piano)]

4782

Juli 11, 2025

Im Mondlicht am Meer

Wellen treffen auf den Strand

Laufen langsam aus

[Robert Schumann – Kinderszenen No. 12, Kind im Einschlummern (Horowitz)]

4781

Juli 11, 2025

Niesel auf der Haut

Abgestandenes Wasser

Raubvogelschreie

4780

Juli 10, 2025

Um zehn unterm Dach

Auf Julivollmond warten

Und es ist bewölkt

4779

Juli 10, 2025

Hundert Sekunden

Das Ende einer Liebe

Wenn die Zeit stillsteht

[Neil Young – Mexico von Homegrown 2020, eigentlich 1975]

4778

Juli 9, 2025

Der Julivollmond

Heute noch unvollkommen,

der Vollmundige

4777

Juli 9, 2025

Zerschellt am Ufer

der unwirtlichen Insel,

Sirene aus Wales

[Gwenno – Utopia]

4776

Juli 8, 2025

Im abgebrannten

Festsaal Kreuzberg sah ich ihn

mal live. A class act!

[Jonathan Richman – Night Fever (Bee Gees)]

4775

Juli 8, 2025

Am Wegrand leuchten

unbenutzte Kackbeutel

im Regen orange

4774

Juli 7, 2025

Die Särge fertig

Die Blumen im Wald gepflückt

Das Feuer lodert

[Brüder Grimm – Die zwölf Brüder]

4773

Juli 7, 2025

Es regnet sich ein

Hinter uns nasse Hündin,

das Örtchen suchend

Juli 7, 2025

Die Urlaubsberichte sind also so etwas wie eingekochte Konserven für schlechte Zeiten.

[Das Wieseltier hat Flandern und die Normandie unsicher gemacht]

4772

Juli 6, 2025

Mittelgebirge!

Die Seele wandern lassen

Das Glück liegt so nah!

[Sebastian Schoepp – Seelenpfade]

4771 there is no time

Juli 6, 2025

The past is over

The future has not started

The present passes

[after a Buddhist saying]

4770

Juli 4, 2025

Das kürzeste Lied

beendet er im Sitzen

Meine Augen feucht

[Neil Young (& the Chrome Hearts) @Waldbühne – The Needle and the Damage Done]

4769

Juli 1, 2025

Morgens um sieben

Der Tiergarten in der Hand

der Dauerläufer