Erfrischend ehrlich
Hochzeitsständchen mal anders
Der Kantor sang mit
[Max Raabe & Palast Orchester – Du bist nicht die Erste (Comedian Harmonists 1931), MTV Unplugged 2019]
Erfrischend ehrlich
Hochzeitsständchen mal anders
Der Kantor sang mit
[Max Raabe & Palast Orchester – Du bist nicht die Erste (Comedian Harmonists 1931), MTV Unplugged 2019]
Arrival at lake
Carol opens the fridge, says
„You can help yourself.“
Auf Bob Dylan’s erstem, selbstbetiteltem Album, das in dem Jahr erschien, in dem ich gezeugt wurde, sind hauptsächlich Coverversionen von Traditionals und Blues von anderen drauf. Aber zwei Lieder sind von ihm selbst. Zum einen der bekannte Song to Woody, den er für den von ihm hochverehrten Folk-, Protestsänger und Hobo Woody Guthrie schrieb und ihm der Legende nach noch am Sterbebett vorsang (s.a. das Biopic Like a Complete Unkown), sodann der Talking Blues Talkin‘ New York, das nach Jesse Fuller’s Blues You’re No Good zweite Stück auf der LP.
Als ich dieses Lied neulich nach längerer Zeit wiederhörte, fiel es mir wie Schuppen von den Ohren, da singt er, der Provinzler aus dem abgelegenen Hibbing im Mittleren Westen an der Grenze zu Kanada, das sich durch den größten Eisenerztagebau der Welt auszeichnet, ja über seine Ankunft im Big Apple.
Ein recht gradlinig erzählter Song, in New York sieht er die Menschen unter die Erde in die U-Bahn gehen und die Wolkenkratzer sich zum Himmel erheben. Man kann sich das sehr gut vorstellen und kommt quasi mit ihm an in der großen Stadt. Die NY Times schreibt, es wäre der kälteste Winter seit dem Krieg, er kann darüber nur lachen und findet es im Vergleich zu Hibbing nicht sehr kalt. Nun kommt er mit seiner alten Gitarre mit der Subway in Greenwich Village an, dort singt er in einem Café und sie sagen ihm, dass er sich wie ein Hinterwäldler anhört und dass jetzt Folksänger angesagt sind. Für einen Dollar am Tag spielt er Mundharmonika und bekommt positives Feedback. Er tritt in die Gewerkschaft ein und macht sich erste Gedanken über arm und reich. Mit einem Zwinkern singt er davon, dass manche Leute mit einem Kugelschreiber ausgeraubt werden, indem sie z.B. ihre Unterschrift unter einen Kreditvertrag mit hohen Zinsen setzen. Er verlässt an einem sonnigen Tag New York, das ihn wenig beeindruckt hat, nach New Jersey, wo er Woody Guthrie im Krankenhaus besuchen wird. Interessanterweise musiziert er dort in Cafés, wo viel Schach gespielt wird und man sich mehr mit Schachgeben und Figurenschlagen beschäftigt, als seinem Gesang zuzuhören. Wie das so ist in den USA, Musik spielt eigentlich immer im Hintergrund, ist fast nie im Mittelpunkt.
Ich mag an dem Song, dass man quasi mit Dylan unterwegs ist, er nimmt einen mit und er macht plastisch, wie es gewesen sein könnte, als er damals als zwanzigjähriger Naseweis und absoluter Nobody in New York ankam. Und dass hier noch nicht großartig mit Dylan Thomas, Rimbaud, William Blake, der Bibel, Shakespeare und was weiß ich angegeben wird, sondern einfach nur erzählt wird. Und außerdem natürlich sein Mundharmonikaspiel, das mich ob seiner expressiven Simplizität schon immer geflasht hat.
Zuguterletzt kann ich das Thema des Liedes auch deshalb ein bisschen nachvollziehen, weil ich selber 1979 mit Robert, dem mittleren der drei Brüder meiner Gastfamilie, der in meinem Alter war, ich glaube in seinem Käfer, man sagt übrigens Bug und nicht Beetle, an einem warmen Julitag von ihrem hölzernen Ferienhaus am See in South Salem in einer knappen Stunde gen Süden nach New York City reingefahren bin. Da war ich noch 15 oder gerade 16, also jünger als Dylan, wir hörten eine Radiostation mit Wetterbericht, der Sprecher redete von Temperaturen von um die 80 Grad Fahrenheit, die große Stadt lag vor uns und wir tauchten langsam in sie ein. Nach dem Sightseeing kamen wir nach Greenwich Village, das träge in der Nachmittagssonne lag, es war tagsüber ziemlich tot und ich war etwas enttäuscht. So wie Dylan 18 Jahre zuvor.
Links ein Buchstabe
Cursor in Promptzeile blinkt
Was willst du von mir?
[DOS, ca. 1985]
Sommer, Chinaturm
Junge Amis mit Klampfe
Bierselig, textfest
[Steve Miller Band – Rock’n Me von Fly Like an Eagle, 1976]
Der Besuch ist weg
Sonntagnachmittagswehmut
Sturz in die Leere
Normandie. Camping.
Christina und ich hängen
an Kreidefelsen.
Es war schon dunkel
Athen nicht mehr weit, aber
die Nacht so endlos
Luxemburg, Party
Hier geht grade die Post ab
Wir tanzen alle
[The Lemonheads – Bit Part von It’s a Shame About Ray, 1992]
Ein paar Monate
Waren wir beste Freunde
Doch du wusstest es
Du bist verschwunden
Und mein Autoschlüssel auch
Am Neujahrsmorgen
Nach dreißig Jahren
Dank für die Einführung in
Kultur und Bücher
Du springst hinunter
Vom Euratomgebäude
Freitagnachmittag
Draußen vor Disco
Eyes closed. Lasse Kopf kreisen
Dreht sich schon alles?
Steh im Handballtor
Rossi wirft Ball in Ecke
Halte mit Hechtsprung
Tag nach weißer Nacht
Wagen kommt ab, stoppt auf Feld
Sie: „Arme Eltern“
Am 1. April
eingezogen, mit Abi
allein auf Stube
Sich auf Flucht finden
Verlorener Sohn kehrt heim
Gerührt vom Vater
Außer Kontrolle
Teekochfeuer spätmorgens
Abends vor Gericht
Sonntagvormittag
Lacht die Sonne in München,
ruft der Biergarten!
Filmriss auf Ios
Ich glaub, wir haben geküsst
Retsina und mehr
[Talking Heads – Road to Nowhere von Little Creatures, 1985]
Mad Max-Disco, M.
Blauäugige Brünette
Um mich ist’s geschehn
Tequilaparty
Der Kopf wird immer klarer
Blackout aus dem Nichts
Olydisco M.
Iren voll aus dem Häuschen
Auf die Tanzfläche!
[U2 – Sunday Bloody Sunday, live 1983 auf Under a Blood Red Sky]
Die Welt nicht mehr heil
Die Musik schon irgendwie
Ich noch kein Teenie
[Steely Dan – Do It Again, 1972]
Ampel springt auf grün
Im Rückspiegel A.s Kombi
Mein Wagen ruckelt
——–
Winziger Stups von hinten
Stoßdämpfer an Stoßdämpfer
Der Wagen ruckelt
Du touchierst den Stoßdämpfer
Die Ampel wird grün
Mein Englischlehrer
drummte, ließ uns lustige
Sätze translaten
Nachts auf Land torkelnd
Weltumsegler im Dinghi
Zielsicher zum Strand
Acker umgraben
Feta und Öl bekommen
Schwielen an Händen
Wiedersehn mit Franz
Versuch des Nummernaustauschs
Der Wecker klingelt
Bester Freund tanzt mit
meiner heimlichen Liebe
im Partykeller
[Neil Diamond – Longfellow Serenade, 1974]
Höhle auf Kreta
Die Schreie der Schweizerin
als Jonathan in…
Nach dem Akt musste
jeder von ihren Lovern
den Slip abliefern
Sie hat mich gekickt
Epiphanie aus Boxen
Full Blast im Nebel
[My Bloody Valentine – When You Sleep von Loveless, 1991]
Durch den Wolf gedreht
In einer Brüsseler Bar
Hoegaarden vom Fass
[Garbage – Supervixen von Garbage, 1995]
When I hear this though
We never listened to it
I must think of you
[R.E.M. – Talk about the Passion from Murmur, 1984]
Vor fünfzig Jahren
Ab Mauerhalbrund Endspurt
1000-Meter-Lauf
Hausbesichtigung
Senfgelbe Fliesen im Bad
Wir haben’s gekauft
Don’t remember shit
about this but it captures
Luxembourg good times
[Prefab Sprout – The Sound of Crying, 1992]
Lesen macht traurig
Ordner mit Abschieds-E-Mails
von Ex-Kollegen
Dachauer Straße
Aus Absturzbar erste Frau
in Tram abgeschleppt
Dachauer Straße
Mit Rad bei Schnee in Gleisen
steckengeblieben
Ganz genau wissen,
was an welcher Stelle ist
im WG-Kühlschrank
Entspannte Stimmung
in Olydorf-Teestube
in 85
[Dire Straits – Telegraph Road]
Siebzigerjahre
Im Straßenkreuzer cruisen
Offene Fenster
[Wings – Silly Love Songs]
Musikunterricht
Wohin geht der nächste Ton?
Stuhl mit Klapptischchen