Pfingstsamstagmorgen, herrlichstes Sommerwetter und mein Nachbar H. und ich starten die nächste Wanderung, eine Woche auf dem 66 Seen Weg um Berlin. Hierzu fahren wir erstmal nach Potsdam, wo wir gegen 9 den Alten Markt mit der Nikolaikirche, dem Landtag und den Museen nahezu für uns allein haben. Da sich in Potsdam eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht, bleiben wir oft stehen und kommen hier noch nicht richtig in unseren Wanderfluss.

Der 66 Seen Weg startet am Brandenburger Tor am Ende der Fußgängerzone. Die erste Baummarkierung mit dem blauen Punkt ist schon etwas verblichen, insgesamt ist der Weg heute nur sehr sporadisch markiert, aber ich habe ja den GPS-Track.

Das erste Highlight ist der Park von Sanssouci, in den wir am Obelisken einsteigen. Hier treffen wir auf eine Joggerin und sehen links die Friedenskirche. Von Schinkel bzw. Persius, seinem Schüler werden wir heute noch einige der charakteristischen, den italienischen Cantabiles aus der Renaissance nachempfundenen Türme sehen.


Rechts im Park erreichen wir die Neptungrotte, die innen u.a. mit Jakobsmuscheln versehen ist, wie passend zu unserem Weg!

Am Schloss stehen die Worte „Sans, Souci.“. Eine zufriedenstellende Antwort auf den Sinn der ungewöhnlichen Schreibweise können uns weder die Einheimischen noch die KI geben. Es gibt sogar ein versponnenes Buch zum Thema. Evtl. liegen ästhetische Gründe vor. Im Museumsshop erstehe ich ein zweisprachiges Reclamheftchen mit Matk Twains The awful German language.

Hinter dem Schloss kommen wir zur Alten Mühle, hier steht ein Flötenspieler in der Tracht Friedrichs des Großen, der in einer Flötenpause versucht, mit vorbeiflanierenden Touristinnen ins Gespräch zu kommen.

Bald stoßen wir auf den Bornstedter See zur Linken. Weiter geht es durch den Wald zum Ruinenberg, wo das Wasser zum Betrieb der großen Fontäne im Park Sanssouci hochgepumpt wurde. Von hier gibt es eine schöne Aussicht nach Potsdam, die wir leider nicht genießen.

Wir kommen zu der Alexandrowska, der Holzhaussiedlung, die Friedrich Wilhelm III. für die russischen Chorsänger errichten ließ. Sie werden z.T. noch heute von Nachkommen bewohnt, es gibt u.a. ein russisches Restaurant.

Der nächste See, der Heilige See, ist rechts zu sehen. Am Marmorpalais können wir am Himmel drei Krähen beobachten, die einen Greifvogel im Flug mit den Schnäbeln attackieren, der majestätisch-ruhig durch die Luft schwebt.
Wir kommen zum Cäcilienhof, wo im Sommer 1945 Churchill, Stalin und Truman u.a. um die Zukunft Deutschlands verhandelten. Hier ist eine Baustelle, an der wir seitlich vorbeigehen zur Alten Meierei.

An dem pünktlich um 12 öffnenden Biergarten halten wir Rast und haben von hier eine schöne Sicht auf den Jungfernsee, auf dem auch Personendampfschiffe unterwegs sind.

Nun geht es hinauf zum Pfingstberg, den eine private Gesellschaft meint, okkupieren zu können. Wir kommen an der Russisch-Orthodoxen Kapelle vorbei, in der ich mich über Google Translate mit der Russin am Eingang austausche. Es gibt hier für alle offene Gottesdienste.

Der Rest des Weges verläuft flach im Barnimer Flur. Endlich können wir mal etwas Strecke machen. Wir kommen am Persiusturm – wieder in der Form eines schlichten Cantabile – vorbei und schließlich zum verwunschenen Park des Schlosses Marquardt. Hier finden wir eine gut besuchte Badestelle und stürzen uns langsam – das Wasser ist in Ufernähe sehr seicht – in die Fluten. Die Temperaturdifferenzen zwischen Oberfläche und tiefer unten sind enorm.

Am ersten Ziel, dem Bahnhof Marquardt angekommen, nehmen wir den Regionalzug nach Jungfernheide, wo wir in die U7 zurück nach Wilmersdorf steigen. Ich habe in Marquardt kein Quartier gefunden, so dass wir zuhause übernachten dürfen. Ich spüre meine Füße und erhole mich auf dem Balkon bei zwei Weißbier.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.



