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66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 3 Brieselang – Henningsdorf 23,5

Mai 26, 2026

Ich verbringe eine gefühlt schlaflose Nacht mit vielen Schlafunterbrechungen, bin am nächsten Morgen dank zweier Sprühstöße Melatonin jedoch trotzdem recht ausgeruht.

Wir frühstücken im Gemeinschaftsraum unserer Unterkunft. Der mit Frischkäse gefüllte Hefezopf und der Naturjoghurt munden sehr gut. Wir treffen auf eine Frau aus Stuttgart mit einem Pekinesen namens Big Boy. Sie ist alleine mit dem Nachtzug für das Pokalfinale angereist.

Wir sind bereits 8h23 auf unserem Weg und springen in den bereits gut frequentierten, sehr angenehm temperierten, nagegelegenen Nymphensee.

Brieselang, Nymphensee

Der heutige Pfingstmontag beschert uns wiederum hochsommerliche Temperaturen. Es geht anfangs am Havelkanal entlang, später kommen wir in den Wald, wo mir die letzten Tropfen meines grünen Fläschchens Anti-Brumm gute Dienste gegen die Mückenschwärme leisten.

Strommasten

Am Kanal hängen zwischen den Erlen drei Hängematten. Drei junge Männer genießen das dolce far niente.

Havelkanal

Es geht sich heute besser als gestern, der Naturweganteil ist größer und die Füße haben sich eingegroovt. Auf dem Weg treffen wir vor der Schönwalder Schleuse niemanden. Dort kommen uns Leute mit Rädern entgegen, andere rasten.

Schönwalde, Schleuse

Im Wald kann man schön beobachten, wie der lichte Mischwald zu einer ausgiebigen Bodenbewachsung geführt hat, während der reine Laubwald weniger Licht durchlässt und der Boden unbewachsen und stattdessen mit abgefallenen Blättern bedeckt ist.

Schönwalde, Mischwald
Schönwalde. Laubwald
Schönwalde, Wegweiserstein

In Schönwalde Dorf rasten wir in einer überdachten Bushaltestelle, die etwas Schatten spendet. Hinter uns sitzt ein Typ im mittleren Alter auf dem Fensterbrett eines Hauses oben im 1. Stock und glotzt aufs Handy, ohne von seiner Umwelt Notiz zu nehmen.

Die barocke Schönwalder Kirche mit einer Wagner-Orgel von 1739 – der Silbermann des Nordens – ist uns leider verschlossen.

Schönwalde, Kirche

Hier in der Gegend sind sehr viele Pferdehöfe, wir sehen eine junge Frau auf der Reitbahn Dressur üben. Zudem sind Heerscharen von Radlern – sowohl E-Bikes als auch Rennräder – unterwegs, Fußgänger treffen wir kaum. Ein Radler will uns einen anderen, angeblich kürzeren Weg nach Henningsdorf an der Hauptstraße weisen und schüttelt den Kopf über unsere Beratungsresistenz. Er kennt offensichtlich nicht den schönen sandigen Weg durch den Wald, der nicht länger ist.

Weg

Gegen 15 Uhr kommen wir an unserem abgerockten Hotel im Zentrum von Henningsdorf an und checken ein. In Henningsdorf wurde 1910 von dem AEG-Gründer Emil Rathenau, dem Vater von Walter, die Abteilung Flugzeugbau angesiedelt, die 1912 ein erstes Holzflugzeug  baute. Heute ist Alstom im Bereich Bahntechnik tätig. Nach der Dusche und Siesta laufen wir durch die Fußgängerzone und essen wieder draußen bei einem Vietnamesen. Ich nehme Bami Goreng, was mich an meine Kindheit erinnert, wo wir gelegentlich beim Indonesier in Venlo essen waren. H. trinkt zum Abschluss einen vietnamesischen Kaffee auf Kondensmilch, der bestimmt 10 Minute durchs Sieb tropft, bevor er fertig ist.

Am Hauseingang gegenüber spielt sich ein kleines Familiendrama ab. Eine junge Frau steht an der Tür mit ihren ca. 6-7 jährigen Kindern. Das Mädchen liegt am Boden mit einer kleinen Wunde am Knie, ihr Bruder hat sie wohl geschubst. Der Bruder läuft auf Zehenspitzen mit einem völlig nach innen verrenkten Fuß. Nachdem Mutter und Tochter ins Haus gegangen sind, sperrt er sich versehentlich aus, weint bitterlich und wird schließlich von seiner Mutter getröstet.

Henningsdorf, Postplatz, KZ-Gedenkstätte

Zum Abschluss trinken wir im verlassenen Außenbereich hinter dem Hotel noch ein Absackerbier und lassen den lauen Abend mit guten Gesprächen ausklingen.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.