Wir beginnen die sowohl von der Länge als auch von den Höhenmetern anspruchsvollste Etappe mit einem Frühstück im Festsaal, wo offensichtlich bald eine Feierlichkeit bevorsteht. Heute werden wir zehn Seen sehen und insgesamt 9,5 Stunden unterwegs sein. Wir sind bereits vor acht Uhr auf der Strecke.

Das Wetter ist angenehm, nicht mehr so hochsommerlich wie vor zwei Tagen, mit Temperaturen etwas über 20 Grad. Im Wegstück Richtung Stolzenhagener See hören wir immer wieder den hohen Gesang der Gartengrasmücken, die hier in den Bäumen sitzen. Am See hat jedes Grundstück einen Steg, teilweise mit Veranda und Bank, die Tore sind alle abgeschlossen.

Hinter dem noch geschlossenen Strandbad liegt direkt der Wandlitzsee, dessen Wasser sehr sauber ist und den wir unter den Augen eines Radfahrers beschwimmen. Am Ufer sehen wir einen Buntspecht, eine Elster sowie eine Amselfrau, die das Laub mit dem Schnabel durchwühlt.
Wir gehen nun die nach dem westdeutschen Kommunisten Phillipp Müller, der 1953 von der Polizei bei einer verbotenen Demo gegen die Wiederaufrüstung in Essen 1953 mit 21 Jahren erschossen wurde, benannte Uferstraße, an der einige Villen liegen, entlang. Am Chausseerand bröckelt der Asphalt ab, so dass ich ins Straucheln komme und auf die Knie falle. Glücklicherweise nur leichte Schürfungen.

In Wandlitzsee trinken wir im Ristorante alla Fontana, in der wir vor zwei Tagen bereits gegessen hatten, einen der schlechtesten Cappuccinos meines Lebens und kaufen noch Obst etc. ein.
Hinter Wandlitz erreichen wir die drei heiligen Pfühle, an deren Ufer sehr viele umgestürzte Bäume liegen, die vom Biber abgesägt wurden.

Hier gehen wir ein Stück in die falsche Richtung und folgen dann für eine Weile dem Liepnitzsee mit der Großen Werder, zu der man mit einer Fähre übersetzen kann, in der Mitte. Die Endmoränen von der letzten Steinzeit sorgen für ein abwechslungsreiches Höhenprofil mit viel Auf und Ab.

Wir beobachten einen Reetdachdecker dabei, wie er das Reetdach eines Bistros abklopft und glattzieht.


Die Tierwelt kommt heute auch nicht zu kurz. Neben einem Mandarinentenpaar, das vor uns davonschwimmt, sehen wir später am Obersee auf einem Baumstamm im Wasser eine Wasserschildkröte, die just in dem Moment, wo ich auslöse, ins Wasser taucht und von uns danach nicht mehr gesehen wurde. Dort sind auch sehr viele Fische im Baumschatten am Ufer, das Wasser ist kristallklar und wir gönnen uns eine weitere Abkühlung.
Vorher hatten wir Ützdorf passiert und waren unter der A11, die nordwärts nach Stettin führt, durchgewandert. Außerdem treffen wir ein junges Paar mit langer, schwarzer Hose und Rucksack, die ihrem Hund überallhin folgen.

Man sieht auch hier wieder schön, was der verschiedene Baumbewuchs ausmacht. Links lichte Kiefern und relativ viel Bodenbewuchs, rechts Fichten und durch den Schatten weniger Vegetation am Boden.




Nun geht es ein langes Stück am Hellsee lang. Anschließend durch den Wald an mehreren Fließen vorbei nach Biesenthal. Man muss hier in Bewegung bleiben, sonst stürzen sich sofort Schwärme von Mücken auf einen. Wir sind ein einfaches Ziel mit unseren kurzen Hosen, wehren uns aber wacker mit Mückenspray.


In Biesenthal kaufen wir Salat und Rotwein für heute Abend, sowie unser Frühstück für morgen.

Die letzten 4 km nach Melchow erst an der Straße, dann an einem Getreidefeld mit singenden Feldlerchen über uns entlang, schaffen wir auch noch. Etwas erschöpft und verschwitzt kommen wir im Begegnungszentrum an, wo der Schlüssel im Safe hinterlegt ist und wir den Abend mit Spaghetti in Tomatensauce, gemischtem Salat und einer Flasche Corbières ausklingen lassen. Um 10 fallen wir ins Bett.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.
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