Mit dem Bass schwingen
Intrikates Mannschaftsspiel
Kammerjazzmusik
[Oregon – Yellow Bell von Out of the Woods, 1978]
Mit dem Bass schwingen
Intrikates Mannschaftsspiel
Kammerjazzmusik
[Oregon – Yellow Bell von Out of the Woods, 1978]
Heute ist unser letzter Tag auf der Rundtour durch die Fränkische Schweiz. Wir haben es etwas eilig, weil C. um 16h50 den Schienersatzverkehrsbus von Pegnitz nach Nürnberg kriegen muss und die Etappe nach der Wegführung ca. 26 km lang sein sollte. Daher frühstücken wir um 7. Die Hausherrin brät uns Spiegeleier und wir genießen die würzige, geräucherte Stadtwurst.
Um 5 vor 8 sind wir auf der Piste. Es ist stark bewölkt und tröpfelt im Laufe des Wandertags auch immer wieder, wir werden jedoch von Regengüssen verschont.
Aus dem Ort raus gehen wir den markierten Weg durch den Wald, der direkt nach Riegelstein führt und den Track über die Straße nach Schermshöhe abkürzt. Abkürzen werden wir heute noch öfter, so dass wir am Ende rund 6 km einsparen können, was dem schnellen Fortkommen sehr förderlich ist.
Es geht nach Osten unter der A9 durch, ich zähle 42 Schritte, also gut 30 Meter für die 4+2 Spuren. Nach gut eineinviertel Stunden kommen wir in den größten Ort auf der heutigen Etappe, Plech. Vom Gottvaterberg hat man einen Blick über die größtenteils modernen Häuser der kleinen Gemeinde. Hier oben befinden sich die Felsenkeller, in denen früher Kartoffeln und Rüben sowie Bier gelagert wurden.

Hinter Plech kommen wir bald in den Veldensteiner Forst, einen Mischwald mit vielen intakten Fichten. Wir passieren die eindrucksvolle Felsformation Kuckucksloch.


An dieser Stelle muss ich mal wieder Kritik an den Markierungen anbringen. Das grüne Nr. 5 Dreieck, das unseren Weg markiert, führt uns raus in die offene Landschaft – der Track wäre weitergegangen im Wald – und wird dann nicht mehr weitergeführt. Das ist kein Einzelfall. Natürlich ist es mit der Wander-App kein Problem wieder zum Weg zurückzufinden, der dann übrigens noch etwas abkürzt. Aber es ist doch irgendwie nervig, wenn man den Markierungen nicht so richtig trauen kann. Häufig gibt es auch Schilderwälder mit 3 verschiedenen Wegen in denselben Ort mit 3 verschiedenen Distanzen, an denen man anhalten muss, wenn man sie lesen möchte. Unser Weg ist da häufig gar nicht mal dabei. Beliebt sind auch Markierungen genau an Abzweigungen, wo unklar ist, ob der Weg geradeaus weitergeht oder abzweigt. Mit anderen Worten m.E. kann man sich die Markierungen komplett sparen. Außerdem gehen ja sowieso alle nach ihrem Handy.

Die Waldwege im Veldensteiner Forst sind schön breit und wir kommen gut voran. So nah am Flow wie heute war ich während der ganzen Wanderung bisher nicht. An zwei Stellen können wir über Anstiege abkürzen.

Für die Pause, wo wir die beim Frühstück geschmierten Stullen – Alufolie gab es auch – verzehren, brauchen wir keine zehn Minuten.
Wir kommen jetzt zum Großen Lochstein, der mich doch sehr an den Kuhstall in der Sächsischen Schweiz erinnert, er ist nur deutlich kleiner, aber man kann auch sehr schön hindurchsehen in den Wald auf der anderen Seite.

Wir erreichen schließlich Horlach, von wo wir direkt nach Pegnitz auf dem Rad-Fußweg spazieren. Kurz nach eins nach gut 5 Stunden und einem Schnitt von fast 4 km/h sitzen wir im Café von Kaufland beim wohlverdienten Cappuccino. Ich bringe C. zum Bus am Bahnhof. Dann gehe ich noch einmal durch den Ort zur Egidienkirche. Es ist zwar wieder jemand in der Kirche, als ich die Pforte öffne, aber er studiert „nur“ das „Gästebuch“, so dass ich endlich mein Foto von den Emporen mit den vielen Fenstern machen kann. Obwohl es draußen bewölkt ist, ist die Kirche trotzdem herrlich erleuchtet.

Ich versuche noch vergeblich, in zwei Läden und später dann an einer Autobahntankstelle den Spiegel zu bekommen, den ich in der Badewanne zuhause in Berlin nach 4 Stunden Autofahrt lesen möchte. Aber dort gibt es nur haufenweise Illustrierte und Tageszeitungen, die Zeit der gedruckten Nachrichtenmagazine scheint endgültig vorüber.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025
Fernwanderungen
12 Stunden im Bett, 4 on
8 auf 2 Beinen
Gitarre schneidend
Hart, kreativ, melodisch
In Ohren läutend
[Kings of Leon – The Bandit, 2021 (via radioeins)]
Nach zwei Nächten in Obertrubach bewegen wir uns heute wieder vorwärts gen Startpunkt Pegnitz.
Das Wetter ist nicht ganz so schlecht wie gestern, morgens regnet es leicht, später ist es nur bewölkt und am Nachmittag, als wir schon angekommen sind, regnet es noch einmal.

Der Weg führt uns hinauf durch den Wald nach Hilpoltstein, die 5 km ziehen sich wie Kaugummi. Wir treffen nur einen Mann mit Regenschirm, der uns mit seinem braunen, in die Jahre gekommenen Labrador entgegenkommt.
Ich versuche mir, den Weg über die gelben und roten abgefallenen Blätter vom Vorjahr durch das Grün der Buchen schön zu reden. Jeder Schritt ein Genuss.

In Hilpoltstein gibt es eine geschlossene Brennerei, ein Gasthaus, das montags und dienstags Ruhetag hat, sowie einen Honigverkauf, der aufgehabt haben könnte. Außerdem die den Ort überragende Burg. Vom Cappuccino können wir weiter träumen.

Unser nächstes Zwischenziel ist die Burgruine Wildenfels. Der Track führt uns weglos steil hinauf durch Blättermassen, in die wir einsinken, bevor wir auf den richtigen Weg stoßen, den eine Gruppe von Sachsen hinaufgestapft kommt, sie hatten sich gegen die Querfeldeinvariante entschieden. Die Ruine wurde wohl befestigt, so dass sie nicht einstürzen kann. Es stehen außerdem noch Gebäudemauern.

Weiter geht es durch den Wald, wir bedienen uns an den köstlichen saftigen Birnen, die in mehreren Kisten am Waldrand stehen. Ein weiteres Highlight ist eine Pilzfamilie, laut Gugl ein Gallertiger Zitterzahn oder auch Eispilz.

Kurz bevor der nächste Schauer runtergeht, erreichen wir bereits gegen halb drei unser Ziel, die Hutzerstub’n in Spies. Die Hausherrin begrüßt uns schon von weitem. Wir duschen und werfen uns unter die warmen Bettdecken, uns ist kalt und es deutet sich mit den Halsschmerzen eine baldige Erkältung an.
Abends gibt es leckeres Rehgulasch – der Hausherr jagt – mit Spätzle. Dazu trinke ich ein süffiges Weißbier von Lindenbräu aus der Gegend.
Am Nachbartisch sitzt ein junges Paar, das wir schon am ersten Tag in Pegnitz in der Straße gesehen hatten. Sie kommen aus dem Frankenwald zwischen Bayreuth und Hof und sind u.a. auch den Malerweg gegangen, den sie wie wir sehr genossen haben.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025.
Oktober? April!
Schild größer als mein Handy
Riesenwalnüsse
Kurz nach acht im Frühstücksraum die Hölle, eine Busgruppe liegt in den letzten Zügen, das Büffet ist zum Teil abgefrühstückt. Ruhe kann man ja in der Natur suchen.
Wir kaufen Datteln im Dorfladen, wettermäßig sieht es trüb aus. Wir werden den ganzen Tag von längeren Regenpassagen heimgesucht, die Schirme tun ihren Dienst.
Heute haben wir Halbzeit und es steht eine Rundwanderung um Obertrubach auf dem Programm, quasi eine Eintagsrunde innerhalb der Fünftagsrunde um Pegnitz. Wir brauchen also keine Rucksäcke. Ich nehme allerdings einen Daypack aus leichtem Textil mit, der mittags auseinanderreißen wird, weil die zwei 1,1 Literflaschen mit Wasser zu schwer für ihn sind.
Der Weg geht mal wieder durch Wiesen und Wald. Unser erstes Zwischenziel hinter dem Dorf Hundsdorf ist der Signalstein bei Sorg, von dem man früher Signale zu anderen Punkten aussandte, wenn sich z.B. Feinde näherten. Wir gehen die steile Aluleiter hoch, was mich etwas an Überwindung kostet. Die Sicht ist mittelprächtig.

Kurz vor 12 Uhr setzt ein Regenschauer ein, wir kommen leicht durchnässt im belebten Café in Egloffstein an, wo wir uns einen Cappucino mit einem Stück Blechkuchen gönnen.
Der Ort wird überragt von der noch im Besitz der Familie befindlichen Burg Egloffstein, deren einer Turm gerade restauriert wird.

Wir gehen den insgesamt gut 1 km langen Umweg durch den Wald zum Wilhelmsfelsen, von wo aus man einen lohnenswerten Blick auf die Burg und aufs Tal hat. Auf dem Weg finden wir riesige Walnüsse so groß wie kleine Kartoffeln (s. Erntedankfestbild), um die sich niemand zu kümmern scheint, die jedoch bereits sehr gut schmecken.

Beim Gang aus dem Ort heraus weist mich der von der Website des deutschen Wanderverbands runtergeladene Track in Richtung einer Schäferei an einem Stallgebäude entlang. Der Schäfer ist not amused und ruft uns aus der Ferne zu, dass es beim Eintritt aufs Grundstück – ich hatte gedacht, es gäbe ein Wegerecht – ein Verbotsschild größer als mein Handy gegeben hätte. Er hat natürlich recht, wir gehen einen Umweg.

Wir kommen nun zur ehemaligen Kirche von Egloffstein, die recht weit außerhalb liegt und von mehreren Gemeinden genutzt wurde. Es handelt sich um die Ruine der Dietersberger Kirche, wo die Familie von Egloffstein lange ihre Toten ablegte.

Es geht weiter über Wiesen hinauf ins idyllische Thuisbrunn durch eine Art Park. In der Kirche liegen vor dem Altar noch die Früchte der diesjährigen, reichhaltigen Ernte. Heute fand der Erntedankfestgottesdienst statt.

Wir gehen einen kleinen Umweg aus dem Dorf raus, der uns an Birnbäumen vorbei führt. Die reifen, auf dem Boden liegenden Birnen munden ganz vortrefflich.
Über einen auch von Autos befahrenen Blocksteinweg gehen wir weiter, es regnet mal wieder, wir stellen uns unter Bäume am Straßenrand. Heute bewähren sich übrigens die schmalen, leichten Isokissen, die uns die Nässe auf den Bänken vom Leib halten.
Plötzlich – wie durch ein Wunder – hört der Regen auf und die Sonne scheint als gäbe es kein Morgen. Ein magischer Moment, der den ganzen restlichen trüben Tag vergessen macht.

Wir kommen nun an einem völlig einsam gelegenen Haus vorbei, dem Dörnhof, den C. am liebsten gleich beziehen möchte. Der Name kommt von der Trockenheit, die hier früher herrschte. Man hat den weiter unten fließenden Bach aber dann kanalisiert und dadurch die Ernte verdoppelt.

Es geht jetzt noch durch den Weiler Großenohe und dann bei strömenden Regen auf einer Abkürzung durch den Wald nach Untertrubach, das allerdings immer noch fast 5 km von Obertrubach entfernt ist. Dazwischen befindet sich Wolfsberg, wo wir versehentlich nach rechts abdriften und einen unfreiwilligen Abstecher nach Schossaritz machen. Dort sehen wir eine Gruppe von drei jungen Wanderern im Bundeswehroutfit, die Äpfel futtern. Wir machen es ihnen gleich, die Äpfel sind herzhaft und erfrischend.
Nach einem weiteren Stück auf einer Blocksteinstraße kommen wir bei dem Kletterfelsen an der Schlössermühle raus. Der Regen hat jetzt aufgehört und wir erreichen bald unser Hotel.

Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025.
Morgens kommen wir nur schwer aus dem Bett. Der Körper hat nach der gestrigen anstrengenden Etappe den Schlaf dringend benötigt. Draußen ist das Wetter umgeschwungen, es ist trüb und hat am frühen Morgen bereits geregnet. Gegen halb neun sind wir somit mit die letzten, die frühstücken.
Es geht nun erstmal an der Püttlach im Tal entlang, wo wir eine Kläranlage passieren, die die Enten entdeckt haben. Anschließend steigen wir hinauf nach Gößweinstein. Hier gibt es noch einige Eiben, deren Holz früher z.B. für Bögen sehr begehrt war. Auf dem Aufstieg treffen wir mehrere Wandergruppen mit lauten, jungen Männern, die offensichtlich gut gelaunt sind.


Das Wetter hält bis zum Nachmittag. In Gößweinstein statten wir der Burg einen Besuch ab, von der man einen schönen Blick auf den Ort nebst Basilika hat. In der von Balthasar Neumann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entworfenen Basilika ist heute ein Firmungsgottesdienst, hierzu ist extra der Erzbischof aus Bamberg gekommen, die Kirche ist knackevoll. Wir kommen deswegen nicht rein, ich muss allerdings gestehen, dass der spätbarocke Stil, insbes. der für meine Begriffe völlig überladene Altar überhaupt nicht mein cup of tea ist.

In der Burg kann man einzelne Zimmer besichtigen, es steht dort u.a. ein Lutherstuhl, der ein Vorläufer des Klappstuhls ist.

Angeblich hat sich Richard Wagner – Bayreuth ist ja nicht weit – von der Burg für die Gralsburg im Parsifal inspirieren lassen.


Nach einem kurzen Abstecher in den Klosterladen und einem Cappucino mit Kuchen beim Bäcker geht es weiter. Zunächst über Wiesen mit schönen Ausblicken. Ich koste von den Schlehen, die nicht so sauer sind wie befürchtet.
C. macht mich auf ein Reh aufmerksam, das sich flink mit eleganten Sprüngen durch das hohe Gras von uns weg bewegt. Es kommen nun längere Waldpassagen, der Weg ist eine Wohltat für die Füße. Wir machen eine kurze Trinkpause auf einem Hochstand. Die jungen Rotbuchen am Wegrand werden von einem Trupp Forstarbeiter mit der Motorsäge abgesäbelt.
Gegen Mittag kommen wir in dem Dorf Wichsenstein an, das auch wieder einen für die Gegend charakteristischen Kalksteinfelsen aufweist.

Mitten im Ort steht eine beeindruckend große Linde, in der an Festtagen auch heute noch getanzt wird.

Es zieht sich hier nun gegen 14 Uhr zu und beginnt zu regnen. Wir können uns in der hölzernen Bushaltestelle unterstellen nachdem wir uns vorher noch mit kühlen Getränken aus dem Wandererkühlschrank eingedeckt haben. Dazu gibt es Müsliriegel, das Gasthaus hat geschlossen.
Die nächsten drei Stunden stapfen wir mit unseren kleinen Regenschirmen bewaffnet durch feuchte Wiesen und Wälder. In Bärnfels stellen wir uns erst in der Autowerkstatt und dann an einer Bushaltestelle im Souterrain unter, als es richtig zu plästern anfängt und der Wind die Regenmassen über die Straße peitscht.

Die letzten 2,5 km zu unserem Ziel Obertrubach schaffen wir jetzt auch noch. Die Regentristesse wird aufgehellt durch das Kornblumenblau der Wegwarten am Wegesrand. Hosen und Schuhe sind nun gut durchfeuchtet. Gut, dass uns unser Gastwirt Zeitungspapier für die Schuhe besorgen kann. Nach der Dusche gehen wir in unserem Hotel um 18 Uhr essen, einige ältere Herrschaften sind um diese Zeit schon fertig mit ihrem Abendmahl. Als Schlummertrunk leisten wir uns einen hochprozentigen Schlehengeist, der nach Mandel und Alkohol schmeckt. Viertel vor zehn schlafen wir tief.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025.
Die nächste Wanderung steht auf dem Programm. C. und ich machen uns am Vorabend des Tages der deutschen Einheit von Niederhöchstadt auf nach Pegnitz, dem Tor zur Fränkischen Schweiz. Die A3 ist viel befahren und voller Baustellen, aber wir kommen in ca. dreieinhalb Stunden gut durch.
Vor Ort gehen wir noch in eine urige Kneipe, das Schnerpfl – die eine Bedeutung ist Wurstzipfel, die andere ist Glied – wo uns der gesprächige Wirt am Ende lokalen, fruchtigen Wassermelonenlikör offeriert.
Am nächsten Morgen bewegt sich die Außentemperatur um den Gefrierpunkt während die Sonne lacht. Wir parken den Wagen um auf den nahegelegenen P+R-Parkplatz und gehen durch den schmucken Ort.
Die evangelische Kirche – hier war die Reformation schon 1529 erfolgreich – ist geöffnet, es sitzt sogar jemand drin, so dass ich mich nicht traue, ein Foto von innen zu machen. Es gibt zwei Emporen und viele Fenster, so dass die Kirche sehr hell erscheint, sie mutet italienisch renaissancehaft an, wenngleich der Altar aus der Barockzeit stammt.

Der Einstieg zum 5-Tage-Weg ist schnell gefunden, unsere erste Etappe verläuft größtenteils auf dem Jakobsweg von Hof nach Nürnberg.

Wir gehen hinauf zum Burgberg und kommen an einer Kriegsgedenkstätte vorbei. Der Weg durch lichten Buchenwald geht über viele Baumwurzeln und ist sehr angenehm für die Füße. Wir kommen allerdings nicht sehr schnell vorwärts, es geht viel auf und ab, zudem verlieren wir gelegentlich die Markierungen, machen aber keine nennenswerten Umwege. Die heutige Etappe wird als schwer eingestuft.
Unterwegs treffen wir immer wieder auf höfliche Mountainbiker, die sich mit einem „klingeling“ diskret ankündigen. Wie man überhaupt sagen muss, dass der Menschenschlag hier nett und zuvorkommend ist, so gut wie alle Spaziergänger, die uns über den Weg laufen, grüßen mit einem Lächeln auf den Lippen und lassen einen auch gerne vorbei, wenn es eng ist.
Wir kommen zur etwas abseits den Hang hoch gelegenen Zwergenhöhle, die sowohl von der Höhe als auch von der Breite nicht für Erwachsene geschaffen ist.

Es geht weiter hoch zur Burgruine Hollenburg, die von Karl IV. gebaut wurde, von der aber außer einer Mauer und einem Turmeck nicht viel geblieben ist. Dafür ist die Aussicht über die grünen Wipfel der Fränkischen Schweiz grandios. Wir rasten und bleiben nicht lange allein. Eine ältere Dame verstrickt uns in ein Gespräch übers Wandern.

Unten im Ort gibt es eine Bergstation, die aus einem kleinen Holzhäuschen besteht, wo wir eine schmackhafte Schwammerlsuppe aus Steinpilzen sowie selbstgebackenes Roggenbrot mit sehr knuspriger Kruste bekommen. Auch die alkoholfreie Maisel’s Weisse aus Bayreuth mundet hervorragend.
Nach der Stärkung passieren wir im Wald die wiederhergestellten Reste einer Kapelle. Daneben hat der Förster einen Aushang gemacht, wo er darum bittet, wegen der Waldbrandgefahr doch bitte keine Kerzen anzuzünden. Wörter sind von anderen, die das nicht einsehen wollen, gestrichen und er lächerlich gemacht worden. Ein Dummejungenstreich?


Nach einer längeren Passage durch den Wald kommen wir nun in dem schönen Fachwerkort Pottenstein an, der heute am Feiertag von vielen Tagesausflüglern besucht wird. Wir ergattern noch einen Platz neben einem älteren Herrn in der Sonne, wo wir Cappuccino und ein leckeres Stück Zwetschgenkuchen zu uns nehmen.

Über uns thront im Gegenlicht die Burg. Außerdem gibt es in dem Ort ein Scharfrichtermuseum.

Das letzte Stück der heutigen Etappe verläuft meist nahe der Straße im Tal der Püttlach. Aber erst einmal geht es auf einem alpinen Steig den Berg hoch. Die Felsen, die wir passieren, werden gerne zum Klettern genutzt.

Wir kommen jetzt zu einem vielfotografierten Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz, einem sich an die Felsen schmiegenden Fachwerkhaus.

Wie so oft ziehen sich die letzten Kilometer zu unserem Tagungs- und Freizeithotel in Behringersmühle. Nach dem Essen in dem sehr belebten Restaurant, wo Reservierung sinnvoll ist und man etwas Geduld mitbringen muss, gehe ich noch in die Sauna, wo ich ganz allein bin und bei 75 Grad fast einschlafe. Noch vor zehn liegen wir in der Koje.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025.
Autobahnrauschen
Man hört es und hört es nicht
6 km entfernt
Vor mir Altkönig
Nadelwald bis zur Kuppe
Hinter mir Sonne
Die Ratte lag da,
öffnete kurz die Augen,
hob nochmal den Kopf
Kürbissuppenzeit
Minze, Ingwer, Zitrone
Scharfer Frischekick
Zärtlicher Anschlag
Klavier, Bass, Drums im Einklang
Lyrisches Motiv
[Fred Hersch – The Surrounding Green]
In erster Reihe
Augen zu, durch Bauch atmen
Schwer werden, hören
[Nicolas Namoradze – Werke von Pärt, Debussy, Bach, Ligeti, Scriabin und Ravel @Kronberg Academy, Bechstein Saal]
Starenschwarm pulsiert
Toter Fuchs am Straßenrand
Buchenwald im Dunst
Rechts der Autobahn
Wolke aus dunklen Körpern
Hin- und herwogend
Zauber im Anfang
Maschine trifft Melodie
Zu Tod genudelt
[The Notwist – Pick up the Phone von Neon Golden, 2003]
Schlaflied deck mich zu
Wenn Saiten Schluckauf haben
Quietschen als Add-on
[The Montgolfier Brothers – Think Once More von The World Is Flat, 2002]
Möglich, doch sinnlos
Ein Leben ohne Gehen
Daher raus. Sofort!
[Robert Walser – Spazieren muss ich unbedingt. Vom Gehen über Stadt und Land]
Tanz und Traurigkeit
Ein hypnotischer Rhythmus
Ein tolles Duo
[Grandbrothers – We Collide]
Kollege trägt Helm
nach Radunfall, an den er
sich nicht erinnert
Die Badewanne
zum Überschwappen gebracht
Nasse Buchseiten
Zieh mich tief runter
Immer tiefer und tiefer
Denn da will ich hin
[dEUS – Bad Timing von Pocket Revolution, 2005]
Während der Nacht zieht ein Regengebiet durch, das laute Geplätscher weckt mich auf, ich kann aber nach einem Melatoninsprühstoß wieder einschlafen.
Nach einem ausreichenden Frühstück, wo wir auch ein Brötchen für unterwegs schmieren können, sind wir gegen 9 auf der Rolle.
Es geht wieder zurück durch die triste Wohnsiedlung, am Stadtsee an der B167 nach Bad Freienwalde entlang auf die letzte Etappe unseres kleinen Wanderabenteuers.

Im Wald sehen wir zwei Rehe, die nachdem sie uns gewittert haben, weit vor uns unseren Weg überqueren, dann aber feststellen, dass dahinter die Bahngleise verlaufen und wieder zurückrennen. Anschließend erreichen wir ein offenes Trockenrasengebiet, das zu DDR-Zeiten vom Militär zu Übungen genutzt wurde und wir kommen zum Ziegelbrennofen von Altgaul, dessen Schornstein seit geraumer Zeit von den Störchen als Nest genutzt wird. Das Storchenpaar scheint bereits in den Süden abgerauscht zu sein. Wenn man sich die Statistik ansieht, dann verschiebt sich der Abflug nach vorne, die letzten Jahre machte sich das Storchenpaar bereits um den 20. August in wärmere Gefilde auf. In Deutschland gibt es übrigens mit rund 1150 Exemplaren in Brandenburg die meisten Störche, Niedersachsen und Baden-Württemberg holen aber kräftig auf.

Weiter geht es an der eingleisigen Bahnstrecke entlang nach Altranft, wo am Wochenende die 650 Jahrfeier stattfand, der Ort ist entsprechend mit Wimpeln, Maiskolben, Kürbissen und jeder Menge phantasievollen Puppen geschmückt. Die Bühnen und Stände auf dem Hauptplatz werden gerade abgebaut.

Eine Frau aus einer Gruppe von Frauen, die abschmücken und aufräumen sagt uns, dass wir einen Tag zu spät gekommen sind. H. verneint dies. Ich preise die Einsamkeit des Wanderns und spüre eine Enttäuschung ihrerseits.
Ein Anwohner trägt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Lächle, du kannst sie nicht alle töten“. Darauf angesprochen, dass zwischen seinem missmutigem Gesichtsausdruck und dem Slogan offensichtlich eine Diskrepanz besteht, bleibt ihm die Spucke weg.
Im Gutspark steht das – natürlich geschlossene – Barockschloss, das heute ein Freilichtmuseum nebst Café beherbergt. Generell sind Montag und Dienstag in der Region meist Ruhetage für die Sehenswürdigkeiten. Im Park wird u.a. ein Mähsammelboot von 1975 ausgestellt, mit dem die Gräben im Oderbruch gekrautet wurden, d.h. die Wasserpflanzen wurden kurz über dem Grund abgeschnitten, um den Wasserabfluss sicherzustellen.


Wir kommen nun kurz vor Bad Freienwalde durch von Laubbäumen dominierten Mischwald zur Abbruchkante des Oderbruchs, man hat hier das Gefühl in einem Mittelgebirge zu sein, es geht permanent rauf und runter.

In Bad Freienwalde, wohin wir einen eigentlich von der Streckenführung des Oderlandwegs nicht vorgesehenen Abstecher machen, genehmigen wir uns im Rosencafé einen großen Kaffee mit Käsekuchen und kämpfen uns anschließend durch die ausgedehnte Baustelle im Stadtzentrum, wo der neue Kreisverkehr kurz vor der Vollendung steht. Wir kommen nun in den Schlosspark mit dem von David Gilly für die preußische Königin Friederika Luise Ende des 18. Jahrhunderts gebauten Sommerhaus, das 1909 von Walter Rathenau erworben wurde, der ihm seine heutige Form gab.

Hinter dem Schlosspark befindet sich der russische Ehrenfriedhof mit 1844 zum Ende des 2. Weltkriegs 1945 zum großen Teil in den nahegelegenen Seelower Höhen gefallenen Soldaten, ich finde sogar eine Inschrift vom 28.5.45.


Nun geht es aus dem Ort hinaus, die Abbruchkante des Oderbruchs hinauf zum Haus der Naturpflege, wo sich Kurt Kretschmann der Rehabilitation der Eule widmete. Wir verpassen erst den Abstecher, ich mache ihn dann alleine, während H. oben wartet. Das Haus ist heute mit dem umliegenden Garten – ich treffe die junge Gärtnerin, die sich nicht über fehlende Arbeit beschweren kann – ein Naturmuseum. Oben steht der acht Meter hohe Eulenturm, von dem man eine schöne Sicht auf die grüne Umgebung hat. Gegenüber kann ich in der Ferne den Aussichtsturm auf dem Galgenberg erspähen.


Wir gehen weiter durch Laubwald zum Teufelssee, wo ein einsamer, versteckter Angler sitzt. Hier machen wir unsere Mittagsrast und verspeisen den letzten Proviant, so dass die Rucksäcke für den Schlussteil der Wanderung, der uns über den 106 m hohen Märkischen Watzmann führen wird, federleicht sind.

Beim Aufstieg treffen wir einen anderen Wanderer in oliver Hose und Wanderstiefeln, der heute Morgen in Eberswalde gestartet ist und als Ziel Bad Freienwalde hat. Er ist begeistert von der vom Höhenprofil abwechslungsreichen Landschaft, die er so nicht erwartet hat. Wir treffen ihn später wieder im Zug zurück nach Eberswalde und dann Berlin. Er hat einen klitzekleinen Akzent, ich vermute einen Französischen.
Von hier haben wir eine schöne Aussicht über das Oderbruch, den Abstecher zum Bismarckturm ersparen wir uns, weil er geschlossen hat.

Nun geht es nur noch bergab nach Falkenberg, wo wir beim Fontanedenkmal an der Hauptstraße rauskommen. Das ehemalige Bahnhofshaus, das zunehmend verfällt, wird von Künstlern bewohnt. Dahinter stehen haufenweise alte Autos wie z.B. Trabis.

Jetzt, wo ich gerade in den Flow gekommen bin, nimmt unsere Wanderung ein Ende. Es gab viel Natur, aber auch die ein oder andere Sehenswürdigkeit zu entdecken, die in einzelnen Fällen sogar geöffnet war. Die nächste Tour ist schon in der Pipeline.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Oderlandweg vom 20.-22.9.2025.
Hund an der Leine
In gebührendem Abstand
folgt brav die Katze
Morgens machen wir uns das Frühstück in der Ferienwohnung selbst. Neben weichen Eiern gibt es aufgebackene Brötchen mit Aufschnitt, Käse und von der Gastgeberin selbstgemachter Marmelade.
Meinen Kompass kann ich nicht mehr auffinden. Wahrscheinlich habe ich ihn gestern beim Baden verloren, wo er wohl aus der Hemdtasche gerutscht ist, als ich das Hemd auf einen Baumzweig zum Trocknen gelegt habe.
Gegen 9 gehen wir los. Die Kirche im Ort ist geschlossen. Generell ist es am heutigen Sonntag sehr ruhig.

Am Dorfteich mit Fontäne haben sich zwei Angler positioniert. Wir gehen die Straße nach Wollenberg, wo uns der bis auf den Fahrer leere Bus, der dann die B158 nach Werneuchen fährt, zweimal passiert. Auch in Wölsickendorf ist niemand zugestiegen.
Mitten auf dem Teich im nächsten Ort angelt eine Attrappe seelenruhig vor sich hin.

Wanderer treffen wir heute keine. Aus dem Wald kommt uns eine alte Frau entgegen, die uns ihre Tasche voller Steinpilze und Pfifferlinge vorzeigt. Aufgrund des feuchten Sommers ist heuer ein gutes Pilzjahr.
Es geht nun über einige Kilometer durch Mischwald, wir machen eine kurze Pause an einer Picknickbank mit Tisch an der Stelle, wo es kurz vor Rädikow scharf links zurück in den Wald geht. Auf dem sich hinziehenden, monotonen Waldweg quäle ich mich etwas, die Wegweiser nach Wriezen zeigen eine größere Entfernung an als von uns ausgerechnet. Das liegt daran, dass der Oderlandweg gar nicht nach Wriezen reingehen würde.
Wir kommen nun zum sagenumwobenen Baasee, der in den letzten Jahren aufgrund der Trockenheit einiges Wasser verloren hat. Wir treffen verschiedene Ausflügler, hier ist ein touristischer Hotspot. Hier befindet sich auch der höchste Baum Brandenburgs, eine ca. 135 Jahre alte 48 m hohe Douglasie, die mit ihrer Spitze durch das Walddach hindurchstößt.
Wir kommen zur sehr gut besuchten, über eine Straße erreichbaren Waldschänke. Wir halten hier Mittagsrast und verputzen einen Großteil unserer Vorräte zu Kaffee bzw. Rhabarberschorle.
Nun geht es etwas hinauf und dann hinab zum sonnendurchfluteten Gut Sonnenburg. Wir leisten uns einen die Lebensgeister weckenden Eiskaffee auf der Sonnenterrasse mit Blick auf den Garten. Es gibt eine gut sortierte Bibliothek, u.a. mit dem Mann ohne Eigenschaften von Musil. Einmal im Monat wird hier Tango getanzt und die Wirtin versucht vergeblich, uns schmackhaft zu machen mitzutanzen, denn es gibt Männermangel.

Wir kommen nun zu den Trockenrasenwiesen der Biesdorfer Kehlen, alten Oderarmen, die für eine abwechslungsreiche offene und hügelige Landschaft sorgen.


Eigentlich ist für 16 Uhr Regen angesagt, aber wir kriegen nur ein paar Tropfen ab. Überall liegen hier Haufen mit großen Steinen rum, die aus den Feldern gesammelt wurden und Pflanzen und Tieren Unterschlupf bieten sollen.

Die Etappe beenden wir im kostenlosen Waldbad Wriezen. Da es sich zugezogen hat sind wir die einzigen Gäste. Das Wasser ist angenehm erfrischend. Erst sehr kalt, da unsere Körper von der Wanderung und den sommerlichen Temperaturen um die 27 Grad aufgeheizt sind. Ist man aber erstmal drin, so möchte man gar nicht mehr raus. Die Wassertemperatur ist m E. mit wohl knapp 20 Grad etwas niedriger als gestern im Gamener See.

Das letzte Stück geht es an der Straße lang nach Wriezen zu unserem einfachen Hotel. Die Rezeption ist unbesetzt, wir kommen mit dem Schlüssel aus dem Safe rein.
Abends essen wir beim Italiener, wo wir neben einem jungen Paar die einzigen Gäste sind. Der Ort macht einen verlassenen, ungepflegten Eindruck und strahlt wenig Hoffnung aus. Viele Gebäude gammeln vor sich hin, man sieht z.T. noch verblichene VEB-Schriftzüge an den Eingängen. Die AfD rechnet sich gute Chancen bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl aus.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Oderlandweg vom 20.-22.9.2025.
Und es geht einmal wieder auf Wanderschaft, dieses Mal auf eine dreitägige Rundtour mit meinem Berliner Nachbarn H.
Wir nehmen bei schönstem Spätsommerwetter 2 U-Bahnen und 2 Regionalzüge über Gesundbrunnen und Eberswalde in das beschauliche Falkenberg im Oderbruch, wo doch einige Wandergenossen/innen aussteigen. Unseren Weg scheint niemand zu gehen, eine größere Gruppe läuft nach Bad Freienwalde, ein junges Paar macht den über 20 km langen „Gipfelsturm“.
Es geht ein Weilchen an der Hauptstraße durch den Ort bevor wir rechts den Einstieg in unseren Weg finden.

Einen Fontanewanderweg gibt es hier natürlich auch, aber wir entscheiden uns für den Oderlandweg, mit dessen offiziell zweiter Etappe wir starten. Da es ein Rundweg ist, ist es egal, wo man losgeht.

Es geht an einem Bächlein mit einer Mühle lang hinauf in den Laubwald, wir kommen bald zu einem offenen Fußballplatz mit ein paar Sitzbänken. Daneben ein Pferdehof.

Es geht nun wieder zurück Richtung Ort bevor wir scharf links abbiegen hinauf zum Restaurant Carlsburg auf dem Paschenberg. Wir treffen dort ein älteres Ausflüglerpaar aus Berlin.
Unser Weg führt uns durch lichten Laub- und Mischwald. Die Temperatur ist aufgrund des leichten Windes und des Schattens sehr angenehm, das wird am Nachmittag anders werden, wo es schwül und stickig wird und der Wind völlig nachlässt. Es fliegen einige unliebsame, kleine Störenfriede durch die Luft, die wir uns mit Spray vom Leib halten.
Wir kommen in dem kleinen Ort Cöthen an, wo wir in dem großzügigen Café Das Gut einkehren, einer ehemaligen Brennerei für Industriealkohol. Neben der Dampfmaschine von 1878, die knapp 100 Jahre in Betrieb war und restauriert wurde, gibt es im 1. Stock eine größere Halle, die für Konzerte und Kunstausstellungen genutzt wird. Die junge Frau, die das Café führt, ist barfuß und erzählt uns ausgiebig von der Geschichte des Gebäudes, das erst 2020 fertig mit Bundesmitteln als Industriedenkmal saniert wurde. Der Cappuccino aus der großen, alten Kaffeemaschine schmeckt hervorragend.

Am Ortsrand steht die Schinkelkirche, die nur selten und natürlich nicht jetzt geöffnet ist, gegenüber eine Wandtafel, die an die 3 Cöthener Gefallenen des 1. Weltkriegs erinnert.


Es geht nun wieder in den Wald auf einem breiten, schnurgeraden Weg. Die Erde am Wegrand ist an mehreren Stellen aufgewühlt, hier haben sich Wildschweine in der schwarzen Erde gesuhlt. Von den Tieren ist natürlich mal wieder nichts zu sehen. Nach einer Weile zweigen wir links ab und kommen auf schmaleren Wegen an einem Gewässer entlang zum Gamensee. Vor uns Mutter und Tochter, die sich die erste Badestelle sichern. An der zweiten Stelle mit schönem Sandstrand treffen wir zwei Frauen, die immer wieder Etappen auf dem 66 Seenwanderweg um Berlin gehen. Dort stürzen wir uns in die Fluten. Das Wasser ist sehr erfrischend mit um die 20 Grad bzw. etwas mehr. Ich bin überrascht, dass ich immer noch auf dem Rücken bewegungslos an der Wasseroberfläche liegen kann, ohne unterzugehen, obwohl ich ja 7 Kilo abgenommen habe nach der letzten Fastenwanderung im Winter. Hier am See machen wir unsere Mittagsrast.

Über uns fliegt ein riesiger, pechschwarzer Rabe und stößt seine beeindruckenden Krächzlaute aus. Wir kommen nun auf einen Wegabschnitt, der völlig zugewachsen ist mit Brennnesseln und Dornengestrüpp, so dass wir ein Stück parallel auf einem etwas besseren auch von Geländewagen genutzten Weg laufen.
Wieder zurück auf dem Oderlandweg geht es durch einen u a. von Obstbäumen beschatteten Hohlweg in Richtung unseres Zielortes. Auf der Wiesenfläche ist die Aufstellung einer großen PV-Anlage geplant, im Moment rotten dort Holzbänke vor sich hin. Hier hocken wir uns auf eine morsche Bank und halten inne, um den genus loci zu genießen. Die einsame, weite Landschaft hat etwas Paradiesisches.

Kurz vor Wölsickendorf
In Wölsickendorf beziehen wir unsere mit viel Liebe restaurierte Ferienwohnung, der Hausherr taucht später mit Brombeeren auf und erzählt uns einiges über den kleinen Ort. Die Restaurierung des riesigen Ritterguts verzögert sich, es soll als Zweit-Kita auf dem Lande für Berliner Kinder genutzt werden.
Wir schieben unsere zwei von der Hausherrin besorgten Tiefkühlpizzen in den Ofen und lassen den Abend bei einem Weißbier aus dem nahegelegenen Frankfurt/Oder ausklingen.
Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem Oderlandweg vom 20.-22.9.2025.
Mit einem Fremden,
der nur serbisch und russisch
spricht quer durch Deutschland
Ich habe gehört
Es gibt Kirchen, in denen
tanzen sie alle
[Marvin Gaye – Inner City Blues (Make Me Wanna Holler) von What’s Going On?, 1971]
Wenn der Blitz einschlägt
Wenn sich dein Leben ändert
Wenn dein Herz stillsteht
[Moriarty – Hanoï Blue, live von Ghee Whiz But This Is a Lonesome Town, 2007]
Sich im Kreis drehen
Mehr als die Worte sagen
Gesten und Blicke
[Christian Petzold – Miroirs No. 3, 3 aus 5]
„passiv aggressiv“
Sie hielt mir den Spiegel vor
Ich war’s und war’s nicht
Rain rain go away
Come again another day
… baby wants to play
[Joan Shelley – Here in the High and Low]
Apokalypse
Nie waren wir dir näher
Teuflischer Soulsong
[Curtis Mayfield – (Don’t Worry) If There Is a Hell Below, We Are All Going to Go von Curtis, 1970]
Liebe auf Prüfstand
Jung sein und das Geld brauchen
Wie geht das wohl aus?
Vor mir zwei Rehe
eilen in weiten Sprüngen
über den Acker
Nazi ermordet
ihren Sohn. Seitdem lädt sie
täglich sein Handy.
Die Erde noch warm
Die Felder abgeerntet
Spinnweben glitzern
[Friedemann – Indian Summer vom gleichnamigen Album, 1987]
Unterm Walnussbaum
Sehe erst keine Nüsse
Und dann ganz viele
Speierlingsbaum steht
ganz allein, Äste gestutzt
Früchte weh’n im Wind
Spiritual jazz
Plädoyer fürs Einfache
Wir grooven uns frei
[Yusef Lateef – Like It Is von The Blue Yusef Lateef, 1968]
Künstler entdecken
einzigartige Landschaft
in Frühromantik
Hypnotischer Bass
Trip durch brodelnde Klänge
Wie weggeblasen
[Nils Petter Molvær – Song of Sand von Khmer Live in Bergen]
Es ist nie zu spät.
Grillabend mit Nachbarspaar.
Regen. Flucht ins Haus.
Den Kasten Weißbier
viel langsamer austrinken
als den ohne Alk
Im Wohlklang schwelgen
Sich vollständig hingeben
Zeit Zeit sein lassen
[Lambchop – Under the Same Moon von I Hope You’re Sitting Down, 1994]
Schon im Hof bellt sie
Das Geschäft fix erledigt
Sie braucht Zuwendung
Tritt in die Füße
Nahtlose Bewegungen
Tanz ins Wochenend
[Jeff Tweedy – Out in the Dark von Twilight Override]
Bei letztem Regen
gefallene Walnüsse
trocknen im Keller
Kommt keine Antwort
auf Drohnenangriff, dann wird
er eskalieren
Dachauer Straße
Aus Absturzbar erste Frau
in Tram abgeschleppt
Dachauer Straße
Mit Rad bei Schnee in Gleisen
steckengeblieben
Fiep. Glitch. Piep. Tick. Rausch.
Geräuschkunstwerk mit Hookline.
Punkte verbinden.
[Fennesz – Aus von Hotel.Parallel, 1997]
Wolfsstunde. Regen.
Wasser, durch Rohre rauschend.
Das Geräusch ebbt ab.
Unten sitzt Katze
Auf Hecke Vöglein. Fliegt weg
nach dem Raubtiersprung
Erhaben weinen
Widerhall der Renaissance
Ruhe-, Kraft-, Trostquell
[Dowland – Lachrimae, or Seven Tears: No. 2 (Jupiter Ensemble) von Thomas Dunford, Lea Desandre – Songs of Passion]
Aus Schlaf geklingelt
Ihr Nachthemd klatschnass geschwitzt
Jammern, Trugbilder
Spätsommerabend
Im Wind wogende Blätter
Blutmond knapp verpasst

Neugier des Kindes
auf das geheimnisvolle
Reich der Buchstaben
A2 nach Westen
Voller polnischer Laster
Am Samstagmorgen
Piano Magic
American Analog …
The bliss of slowness
[Modern Nature – Radio]
Aktivwortschatz nicht
sofort um neue Wörter
erweitern wollen
Gespreizte Worte
kennen, doch nicht verwenden
Ganz schön arrogant
Höllenmaschine
Besteigung ausgeschlossen
Zu wenig Selbsthass

Neben all dem Dreck
kommt auch ganz Wunderbares
aus den USA
[Gillian Welch & David Rawlings – What We Had, 2024]
In neuem Gewand
Ganz langsam dahinfließend
Flöte im Zentrum
[Ensemble Nirvana – Goldberg Variationen, Aria von JS Bach transkr. für Traversflöte, Violine, Gambe und Orgel]
Konfliktentschärfung
Alle Karten auf den Tisch
Vieraugengespräch
There was a time when
classical guitar music
almost saved my life
[Rolf Lislevand – Intro / Libro primo d’intravoltura di lauto: Toccata sesta von Libro primo]
Kerala, das klingt
nach einem sanften Ort, wo
die Sonne viel scheint
Fünfzehn Minuten
Trip durch weite Landschaften
Im Flug vergehend
[Van Morrison – When Heart Is Open von Common One, 1980]
Saftige Zwetschgen
Clafoutis, Eierteigfond
Geburtstagskuchen!
Prognosen intern
wieder zurück ändern, dass
es kaum jemand merkt
Die Haselnüsse
eingesammelt, hingeguckt
Da sind doch noch mehr
Vor deinen Augen
stirbt dein Freund, du erträgst’s nicht,
gehst, schämst dich dafür
[Van Morrison – T.B. Sheets, 1967]
Kimba’s Hinterteil
Zu immens zum Bespringen
Rudi voll ratlos
Schauer geht nieder
Überall Haselnüsse
Eichhörnchenbar voll
Kerzengerade
Blick nach vorne, Brust geschwellt
Durch die Welt gehen
Reizend ist es, still und gemächlich übers Land zu gehen und von ernsten, starken Bäuerinnen freundlich gegrüßt zu werden. Ein solcher Gruß tut wohl wie der Gedanke an die Unvergänglichkeit. Es öffnet sich ein Himmel, wenn Menschen freundlich miteinander sind.
[Robert Walser – Herbstnachmittag]
Höchste Eisenbahn
Für eine Entziehungskur
Er hat es gewusst
[The Gun Club – Yellow Eyes (live) von Divinity, 1991]
Durch Streuobstwiesen
Spätsommermorgensonne
Satte Grüntöne
Die Musik ist aus
Der Kühlschrank brummt vor sich hin
Die Küchenuhr tickt
Sag mal, dein Auto
putzt du aber nicht gerne
(’ne Beifahrerin)
Verdammt, das riecht gut
Kimba schnüffelt am Boden
Darauf ein Pipi