Stündlich aufgewacht
Immer wieder eingepennt
Scheibe zugefrorn
Stündlich aufgewacht
Immer wieder eingepennt
Scheibe zugefrorn
Welten vereinen
zu etwas Transzendentem
In der Musik gehts
[Peter Gabriel – A Different Drum von Passion, 1989]
Rotkehlchen im Baum
Die ersten Töne morgens,
die letzten abends
Provokation
Warsaw zu Joy Division
Seinen Sound finden
[Joy Division – No Love Lost, 1978]
Novembersonntag
Sonne bricht durch: Blätter gefegt
Eimer Moos gekratzt
Auf rotem Handtuch
Weiße Zahnpastaflecken
Mir unerklärlich
Drei Finnen im Schloss
Subtiles Zusammenspiel
Finger gelockert
[Iiro Rantala, Kaisa Mäensivu, Morten Lund – Beautiful Love (Bill Evans)]
Quitten aus Dresden
Flaum abpoliert, zerkleinert
Ab in Entsafter
Oben im Himmel
Ätherische Wohlklänge
Engelschorgesang
[Lush – Lovelife von Split, 1994]
Achterbahnschlafen
Eine Nacht ein Murmeltier
Dann wie gerädert
Early nineties vibes
An irresistible voice
Ethereal stuff
[Lush – Love at First Sight (The Gist), 1994]
Arbeitslunch zu acht
Leisesprecher, verständlich
nur für Nachbarin
Perlend, expressiv
Zeitlos frisch, unbekümmert
Das Piano strahlt
[Iiro Rantala – In a Sentimental Mood (Duke Ellington)]
Ich weiß nicht warum,
aber in diesem Klangbett
streck ich mich gern aus.
[Björn Meyer – Provenance, 2017]
Ingwertee abends
reinigt mein System, der Kopf
wird klarer, freier
Sie konnte es nicht
fassen, dass ich schon länger
über sechzig bin
Um 6 schellt Wecker
Dann 50 Atemzüge
à 12 Sekunden
Geflecht aus Rhythmen
In den Körper einfahrend
Hypnotischer Groove
[Simon Popp – Hain]
Die nächsten beiden Wanderungen stehen. Zumindest in meinem Kopf. Im Dezember vier Tage Taunusdurchquerung von zu Hause in Niederhöchstadt bis nach Assmannshausen am Rhein (ca. 85 km). Dort hatten mein Vater und ich vor 14 Jahren unsere knapp einwöchige Rheinsteigwanderung begonnen. Im Februar dann eine Woche auf dem Schinderhannespfad rund um den Taunus (ca. 190 km).
P.S. Sehe gerade, dass in der zweiten Februarhälfte ja die Berlinale ist, wie jedes Jahr. Ich glaube, das mit dem Schinderhannespfad wird schwierig. Vielleicht nehme ich ja den Jakobsweg von Berlin nach Bad Wilsnack (ca. 130 km), den kann man in 6 Tagen gut schaffen. Mal sehen.
Gimme those lyrics
Gimme that tune and that voice
Gimme that guitar
[Scout Niblett – No Scrubs (TLC), 2012]
L’as de TRÈFLE qui
PIQUE ton CŒUR, CAROline…
Elle était ma came
[MC Solaar – Caroline, live 1998]
Wenn er’s Hörgerät
rausnimmt und akustisch nicht
mehr erreichbar ist
Retro im Quadrat
Nach ner durchgetanzten Nacht
Geht die Sonne auf
[The Whitest Boy Alive – Golden Cage (Fred Falke Remix), 2008]
Anruf aus dem Nichts
Eigentlich mag ich sie ja
Direkte Frauen
Nach ein paar Tönen
wissen welche Band es ist
Vibraphonträume
[Tortoise – A Title Comes]
In einem Leben
für jeden US-Bürger
einen Atemzug
Nicht selbstverständlich
Schlüssel im Schloss umdrehen
Lichtschalter drücken
Für dreißig Euro
drei Blatt Papier von Eschborn
nach Berlin bringen
Internes Meeting
Ein paar Minuten Vortrag
Große Resonanz
Sofort mittendrin
Den vier Violinsaiten
Leben einhauchen
[Johann Sebastian Bach – 2. Partita d-moll BWV 1004 Sarabande (Hilary Hahn)]
Die Deutschen hätten
vorrücken sollen, Paris
(dann) nehmen können
[Ulrich Wickert – Salut les amis – Meine Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen in Denkanstöße 2026, ein haikufiziertes Zitat seines Großvaters]
Wie das dahinfließt
Romantische Träumerei
Nick Drake’s Muttermilch
[Nitai Hershkovits – Dream Your Dreams (Molly Drake) von Call on the old wise, 2023]
Mundharmonika!
Sprühend vor Lebensfreude
Und noch ein Einsatz
[Talk Talk – Living in Another World von The Colour of Spring, 1986]
Hausbesichtigung
Senfgelbe Fliesen im Bad
Wir haben’s gekauft
Abstrakt, frei fließend
Jeder Ton öffnet den Raum
Zu dem Dahinter
[Leo Genovese – Brooklyn de Noche]
Rückenhaut strafft sich
bei Herabschauendem Hund
Heftiger Juckreiz
Südasiate
setzt sich im Bus neben mich
Weihrauch-/Myrrheduft
Umsonst Bus fahren
weil Fahrerkasse kaputt
Auto abgeholt
Theatergruppe
stolpert durch den Regenwald.
Es wird abgeschweift.
Ich halte mich fest
an bunten Jonglierbällen,
die herabfallen
I blee-ee-ee-eed
(everything is breaking down)
I blee-ee-ee-eed
[Pixies – I Bleed von Doolittle, 1989]
Wenn es nicht mehr klappt,
die Haustür abzuschließen
mit dem Schlüsselein
Den Rücken hinab
übers Steißbein rinnt der Schweiß
in die Poritze
Ins Ohr geflüstert
Diskrepanz von Wort und Tat
Harmonikafest
[Cowboy Junkies – He Will Call You Baby, live 2013]
Über Eingangstür
Spinnennetz im Gegenlicht
Niemand zuhause
Überm Horizont
– zwischen Sternen Flugzeuge –
Mondsichel, strohgelb
Einmal durch Deutschland
mit ner Kolumbianerin
und nem Afghanen
The Cure wohnen jetzt
in Wien, singen auf Deutsch und
sind nicht gealtert
[Julia Effekt – Streichholz]
Feuerwehr, Polizei,
fünfzehn Rettungsfahrzeuge,
zwei Helikopter
[A5 bei Friedberg, 13h15]
Beim Zahnarzt zwar noch
die Bohrgeräusche, aber
kein Schmerz: Ultraschall!
Dass nur eine Frau
mich retten kann, habe auch
ich lange geglaubt
[Guided by Voices – Cut-Out Witch von Under the Bushes Under the Stars, 1996]
Im Kopf zwei Zahlen
mit n Stellen malnehmen.
Wie groß ist dein n?
Don’t remember shit
about this but it captures
Luxembourg good times
[Prefab Sprout – The Sound of Crying, 1992]
Büroboxenstopp
Das Strahlen in den Augen
der Kolleg:innen
Blick in ihr Gesicht
Letztes Mal war sie noch jung
Zeit kennt kein Pardon
Schwarze Romantik
Lautstärke bis zum Anschlag
Gitarrenmælstrom
[Julia Effekt – Die Birken]
Klarheit brauch ich jetzt
Jemanden, der mich festhält
Und diese Stimme
Lesen macht traurig
Ordner mit Abschieds-E-Mails
von Ex-Kollegen
Sitzfleisch angesagt
Tod, Sex, Gewalt, doch kein Plot
Film für Kritiker
[Mascha Schilinski – In die Sonne schauen (5/10)]
Direkt vor Bühne
Dichter, dynamischer Sound
Jeder macht sein Ding
[Giant Sand, Danish line-up@Lido, Berlin]

Nuclear missile
Hitting USA mainland
In eighteen minutes
[Kathryn Bigelow – A House of Dynamite, 9 out of 10]
Nicht zu bändigen
Stimme, die man nie vergisst
Kein Glück mit Männern
Draußen herbstet es
Unter Decke verkriechen
Balladen hören
[Say She She – Little Kisses]
Im Laden fällt mir
Luftpumpe runter, die mir
junge Frau aufhebt
Auf- und Abwogen
Ins Gehirn eingeschrieben
Geister mit Körpern
[The Police – Spirits in the Material World von Ghost in the Machine, 1981, via]
Von Autobahnen
Auf Raststätten abfahren
Nach Trampern gucken
In der Geiselhaft
ist einer ihrer Freunde
erschlagen worden
Is it just a walk
in a New York winter when
the ice is cracking?
[Suzanne Vega – Cracking, 1985]
Dionysos, Gott
des Rausches, der Ekstase
Kater inklusiv
Mit dem Bass schwingen
Intrikates Mannschaftsspiel
Kammerjazzmusik
[Oregon – Yellow Bell von Out of the Woods, 1978]
Heute ist unser letzter Tag auf der Rundtour durch die Fränkische Schweiz. Wir haben es etwas eilig, weil C. um 16h50 den Schienersatzverkehrsbus von Pegnitz nach Nürnberg kriegen muss und die Etappe nach der Wegführung ca. 26 km lang sein sollte. Daher frühstücken wir um 7. Die Hausherrin brät uns Spiegeleier und wir genießen die würzige, geräucherte Stadtwurst.
Um 5 vor 8 sind wir auf der Piste. Es ist stark bewölkt und tröpfelt im Laufe des Wandertags auch immer wieder, wir werden jedoch von Regengüssen verschont.
Aus dem Ort raus gehen wir den markierten Weg durch den Wald, der direkt nach Riegelstein führt und den Track über die Straße nach Schermshöhe abkürzt. Abkürzen werden wir heute noch öfter, so dass wir am Ende rund 6 km einsparen können, was dem schnellen Fortkommen sehr förderlich ist.
Es geht nach Osten unter der A9 durch, ich zähle 42 Schritte, also gut 30 Meter für die 4+2 Spuren. Nach gut eineinviertel Stunden kommen wir in den größten Ort auf der heutigen Etappe, Plech. Vom Gottvaterberg hat man einen Blick über die größtenteils modernen Häuser der kleinen Gemeinde. Hier oben befinden sich die Felsenkeller, in denen früher Kartoffeln und Rüben sowie Bier gelagert wurden.

Hinter Plech kommen wir bald in den Veldensteiner Forst, einen Mischwald mit vielen intakten Fichten. Wir passieren die eindrucksvolle Felsformation Kuckucksloch.


An dieser Stelle muss ich mal wieder Kritik an den Markierungen anbringen. Das grüne Nr. 5 Dreieck, das unseren Weg markiert, führt uns raus in die offene Landschaft – der Track wäre weitergegangen im Wald – und wird dann nicht mehr weitergeführt. Das ist kein Einzelfall. Natürlich ist es mit der Wander-App kein Problem wieder zum Weg zurückzufinden, der dann übrigens noch etwas abkürzt. Aber es ist doch irgendwie nervig, wenn man den Markierungen nicht so richtig trauen kann. Häufig gibt es auch Schilderwälder mit 3 verschiedenen Wegen in denselben Ort mit 3 verschiedenen Distanzen, an denen man anhalten muss, wenn man sie lesen möchte. Unser Weg ist da häufig gar nicht mal dabei. Beliebt sind auch Markierungen genau an Abzweigungen, wo unklar ist, ob der Weg geradeaus weitergeht oder abzweigt. Mit anderen Worten m.E. kann man sich die Markierungen komplett sparen. Außerdem gehen ja sowieso alle nach ihrem Handy.

Die Waldwege im Veldensteiner Forst sind schön breit und wir kommen gut voran. So nah am Flow wie heute war ich während der ganzen Wanderung bisher nicht. An zwei Stellen können wir über Anstiege abkürzen.

Für die Pause, wo wir die beim Frühstück geschmierten Stullen – Alufolie gab es auch – verzehren, brauchen wir keine zehn Minuten.
Wir kommen jetzt zum Großen Lochstein, der mich doch sehr an den Kuhstall in der Sächsischen Schweiz erinnert, er ist nur deutlich kleiner, aber man kann auch sehr schön hindurchsehen in den Wald auf der anderen Seite.

Wir erreichen schließlich Horlach, von wo wir direkt nach Pegnitz auf dem Rad-Fußweg spazieren. Kurz nach eins nach gut 5 Stunden und einem Schnitt von fast 4 km/h sitzen wir im Café von Kaufland beim wohlverdienten Cappuccino. Ich bringe C. zum Bus am Bahnhof. Dann gehe ich noch einmal durch den Ort zur Egidienkirche. Es ist zwar wieder jemand in der Kirche, als ich die Pforte öffne, aber er studiert „nur“ das „Gästebuch“, so dass ich endlich mein Foto von den Emporen mit den vielen Fenstern machen kann. Obwohl es draußen bewölkt ist, ist die Kirche trotzdem herrlich erleuchtet.

Ich versuche noch vergeblich, in zwei Läden und später dann an einer Autobahntankstelle den Spiegel zu bekommen, den ich in der Badewanne zuhause in Berlin nach 4 Stunden Autofahrt lesen möchte. Aber dort gibt es nur haufenweise Illustrierte und Tageszeitungen, die Zeit der gedruckten Nachrichtenmagazine scheint endgültig vorüber.
Hier ist die Übersicht über unsere 5-Tage- Rundwanderung in der Fränkischen Schweiz Anfang Oktober 2025
Fernwanderungen
12 Stunden im Bett, 4 on
8 auf 2 Beinen
Gitarre schneidend
Hart, kreativ, melodisch
In Ohren läutend
[Kings of Leon – The Bandit, 2021 (via radioeins)]