Verlassen Väter
ihre Frau, so nimmt sich oft
der Sohn ein Vorbild
Verlassen Väter
ihre Frau, so nimmt sich oft
der Sohn ein Vorbild
Söhne von Vätern,
die die Mutter verlassen,
tun oft dasselbe.
Leute, die über
andere lästern, die noch
in Hörweite sind
Das Stöckchen im Maul
des and’ren aufregender
als das im eig’nen.
Kollege ruft an,
fängt plötzlich an, zu stottern.
Fühle mich hilflos.
Aus Position
der Schwäche verhandeln gleich
kapitulieren
Sich nicht erinnern
wegen Desinteresse
oder aus Ohnmacht
Die meisten Menschen
sind viel sensibler als man
annehmen würde.
Ob ein Zauderer
jetzt wirklich der Richtige
an der Spitze ist?
Und wenn Putin sich
einfach mal mit Selenskij
ans Schachbrett setzte
Schule fürs Leben.
An der Schachniederlage
ist man selber schuld.
Aussichtsloser Kampf
gegen Depression, die
mich voll übermannt.
Selten so geschämt.
Kein Wort dazu, den Opfern
direkt zu helfen.
[Ich war heute bei einer Onlineveranstaltung zu diesem Thema]
Das russische Volk
propagandaberieselt
Oblomow im Bett
Wenn man sich dieses Interview mit dem Putin-Kenner Michel Eltchaninoff von kurz vor der Invasion anhört, da scheint klar, dass die Ukraine für Putin nur ein Anfang ist. Er will den Westen, die NATO angreifen und sich rächen für in seinem Hirn herumgespensternde Kränkungen. Die erstaunlich rigiden Sanktionen, die jetzt von einer großen westlichen Allianz gegen Russland beschlossen wurden, werden ihn sicherlich nicht besänftigen. Er steht mit dem Rücken zur Wand. Was würde ein Judoka jetzt machen?
ich jetzt draußen Explosionen hören würde, würde es mich nicht wundern. Im Grunde höre ich sie schon in meinem inneren Ohr. Ich bin gerade in Berlin. Wie kann Europa in nullkommanix wieder in die Barbarei eines physischen Krieges zurückfallen? Ein Mann, der versucht, uns sein Psychopathenhirn aufzudrängen. Im Grunde ist das ein Stoff für eine Dystopie aber nicht für die Realität. Ich springe jetzt runter, um aus dem Alptraum zu erwachen. Das hat bis jetzt jedes Mal geklappt.
Gassi mit Berner
Uns Entgegenkommende
Mit breitem Lächeln
Dem Gehirn einfach
auf die Sprünge helfen mit
Freude, Leichtigkeit.
Nehme ab sofort
Beschwerden über Dritte
nicht mehr entgegen.
Anfangs geschwätzig.
Dann wird man reingezogen.
Was ist sein Problem?
[Emmanuel Carrère – Yoga]
Die Starrsinnige
und der Stolze machen sich
unnütz das Leben schwer.
Vertrauen zeigen.
Gelassenheit bewahren.
Positiv denken.
Schwäche nicht zeigen.
Bis zum letzten Atemzug
Hilfe ablehnen.
Manche seiner Freunde haben geweint, als sie ihn, diesen anderen, zerbrochenen Mann, zum ersten Mal sahen. Ich war zornig. Wie konnten sie ihm ihre Tränen antun.
[Gabriele von Arnim – Das Leben ist ein vorübergehender Zustand]
J’avoue une faiblesse
et l’autre s’ouvre aussi.
Une échange commence.
In der Antike.
Das Abebben der Wollust
im Alter als Glück.
Ich glaube, es war Esther Kinsky, die einmal gesagt hat, wenn man übersetze, müsse man sich bis zur Erschöpfung in den Text vertiefen, bis man in eine Trance gerate und dann in dem anderen sei und nicht mehr in sich selbst.
[Gabriele von Arnim – Das Leben ist ein vorübergehender Zustand]
Vor Stress an Kasse
beim Discounter nebenan
Geheimzahl verkehrt.
Voll aufgedreht nach
morgendlichem Sport-Exploit
für Rest des Tages.
Nicht genug Selbsthass,
um auf dem Ergometer
zum Ziel zu kommen.
Bei der Jonglage
niemals einen Extratrick
gelernt zu haben.
Die Sennenhündin
versteht nicht wieso alle
vor ihr Angst haben.
Sich ärgern bringt nichts
es sei denn, man ärgert sich
nur über sich selbst.
Auf je mehr Fremde
man unterwegs trifft, desto
weniger grüßt man.
Die Leute scheinen
mehr Rücksicht zu nehmen
beim Schlangestehen.
Sorglose Jungens
sowie störrische Alte
sind nicht zu stoppen.
Das Allerschlimmste
am Reflux, dass er einen
auf sich zurückwirft.
Die Impfbereitschaft
des Pflegepersonals liegt
bei fünfzig Prozent.
Woran liegt es nur,
dass die Leute neuerdings
so empfindlich sind?
Auf dem Weg zurück
läuft sie voraus, blickt zu uns
und hebt die Pfote.
Sie will aufs Sofa,
traut sich aber den Sprung nicht
und verschmäht Hilfe.
Die Yorkshire-Hündin
will dauernd mit mir spielen,
gibt aber nichts her.
Das Gefühl, dass sie
um mich herum sterben
wie die Fliegen
und dass mich
jeder neue Tod
immer mehr mitnimmt
und ich so dünnhäutig
werde, dass man von außen
in mich reinsehen kann.
Ich frage mich, ob ich besser oder schlechter jonglieren würde, wenn der nächste runtergefallene Ball mein Todesurteil wäre. Natürlich mit einer vorher definierten Mindestwurfzahl z. B. 300. Man muss dazu sagen, ich zähle die Würfe beim Jonglieren und zwar laut. Ich glaube, es würde keinen Unterschied machen. Beim Jonglieren ist man so im Jetzt da lauert die Gefahr hauptsächlich darin, dass man sich ablenken lässt, dass man anfängt, zu denken. Im Moment des Jonglierens würde das über einem schwebende Fallbeil nichts ändern. Während des Jonglierens würde ein Denken daran das Risiko zu versagen sogar eher vergrößern da man ja gerade im Automatismus, sozusagen auf Autopilot sein muss, um es zu schaffen. Da braucht man keine Zusatzmotivation.
Obwohl es sein könnte, dass ich vor Publikum fehlerfreier jongliere als ohne. Weil die Konzentration eine andere ist. Sich vor anderen zu blamieren ist einfach etwas anderes als dies vor sich selbst zu tun. Kann es sein, dass die Eitelkeit stärker ist als die Todesangst? Seltsamer Gedanke.
Ein Fehler, der mir oft passiert ist es, mich in Sicherheit zu wiegen. Sagen wir, ich habe mir 300 Würfe vorgenommen und ich habe 250 geschafft. Wenn ich jetzt anfange zu denken, dass ich schon fast am Ziel bin, der Rest ist ein Klacks, dann ist das der Beginn eines Abschweifens von den Objekten, die im Fokus stehen, den in der Luft fliegenden Bällen und rächt sich meist sofort. Oder ganz ähnlich, ich bin kurz vor dem Ziel und mache mir bewusst, dass ich fast da bin und es schaffen muss. Dann werde ich nervös und verkrampfe mich und mache einen Fehler. Entweder werfe ich zwei Bälle gegeneinander oder schaffe es nicht, einen Ball zu fangen weil z. B. die Würfe nach oben nicht senkrecht genug sind.
Ich kann es bis heute nicht fassen, dass ich noch mit über 35 jonglieren gelernt habe. Damals einfach aus einer schriftlichen Anleitung, erst mit zwei dann mit drei Bällen, schönen bunten Jonglierbällen, die super in der Hand liegen. Man muss es sich trauen, etwas üben und es kommt dann irgendwann. Es wird aber für mich immer ein Wunder bleiben. A propos Jonglierobjekte, habe ich das schon mal geschrieben im Blog? Ich glaube in Boston war es, da sahen wir einen Typen, der hat doch tatsächlich mit Toastern jongliert.
Die Inspektion
per Überweisung bezahlt.
Hier traut man sich noch.
Langes Wachliegen
bis zum Klingeln des Weckers.
Danach Entspannung.
(Er:) Neue Klamotten?
Schon wieder? Wozu denn nur?
(Sie:) Zum Tragen, was sonst?
Menschen mit Demenz
haben keine Sorgen mehr,
und das hält (sie) jung.
[Martina Bergmann – Mein Leben mit Martha]
Aus der Traurigkeit
wurde erst „Dankbarigkeit“
und dann Dankbarkeit.
Ein Tag Müßiggang
und kein schlechtes Gewissen.
Dreißig Jahre D.