2008

Vergessen können.

Die wichtigste Fähigkeit,

um glücklich zu sein.

6 Antworten to “2008”

  1. Libralop Says:

    100% Nietzsche.

  2. ohrenschmaus Says:

    ist das so? Ist mir altem Nietzsche-Fanboy gar nicht aufgefallen. Hatte ich wohl vergessen. Der Gedanke kam mir als ein Bekannter sich uns gegenüber darüber beklagte, dass seine vor Jahren gestorbene Lebensgefährtin ihm damals nicht gesagt hat, dass sie eine neue, gute Autowaschanlage entdeckt hat. Er kann nicht vergessen.

  3. Libralop Says:

    Vom Nutzen und Nachteil der Historie: »Betrachte die Herde, die an dir vorüberweidet: sie weiß nicht, was Gestern, was Heute ist, springt umher, frißt, ruht, verdaut, springt wieder, und so vom Morgen bis zur Nacht und von Tage zu Tage, kurz angebunden mit ihrer Lust und Unlust, nämlich an den Pflock des Augenblicks, und deshalb weder schwermütig noch überdrüssig. Dies zu sehen geht dem Menschen hart ein, weil er seines Menschentums sich vor dem Tiere brüstet und doch nach seinem Glücke eifersüchtig hinblickt – denn das will er allein, gleich dem Tiere weder überdrüssig noch unter Schmerzen leben, und will es doch vergebens, weil er es nicht will wie das Tier. Der Mensch fragt wohl einmal das Tier: warum redest du mir nicht von deinem Glücke und siehst mich nur an? Das Tier will auch antworten und sagen: das kommt daher, daß ich immer gleich vergesse, was ich sagen wollte – da vergaß es aber auch schon diese Antwort und schwieg: so daß der Mensch sich darob verwunderte.

    Er wunderte sich aber auch über sich selbst, das Vergessen nicht lernen zu können und immerfort am Vergangenen zu hängen: mag er noch so weit, noch so schnell laufen, die Kette läuft mit. Es ist ein Wunder: der Augenblick, im Husch da, im Husch vorüber, vorher ein Nichts, nachher ein Nichts, kommt doch noch als Gespenst wieder und stört die Ruhe eines späteren Augenblicks. Fortwährend löst sich ein Blatt aus der Rolle der Zeit, fällt heraus, flattert fort – und flattert plötzlich wieder zurück, dem Menschen in den Schoß. Dann sagt der Mensch »ich erinnere mich« und beneidet das Tier, welches sofort vergißt und jeden Augenblick wirklich sterben, in Nebel und Nacht zurücksinken und auf immer verlöschen sieht…«

    Quelle: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Unzeitgem%C3%A4%C3%9Fe+Betrachtungen/2.+Vom+Nutzen+und+Nachteil+der+Historie+f%C3%BCr+das+Leben

  4. ohrenschmaus Says:

    Danke. Das hört sich ja vom leicht feierlichen Ton her schon ein bisschen wie der Zarathustra an, für mich heute etwas schwer erträglich. Obwohl er es ja in jüngeren Jahren geschrieben hat. Aber er beschreibt das Phänomen wortgewandt und treffend. Wobei mir die Beschränkung auf das Tier etwas zu kurz gegriffen scheint. Mit Alzheimer will ich jetzt gar nicht kommen, wer weiß schon wie die Betroffenen sich genau fühlen. Aber ich glaube schon, dass man als gesunder, vernunftbegabter Mensch vergessen üben und somit lernen kann. Der Versuch im Moment glücklich zu sein, kann sich gelegentlich auch in einem geglückten Haiku äußern. Einfach nur die Gegenwart wahrnehmen und auf 17 Silben komprimieren. Man kann es versuchen.

  5. Libralop Says:

    Stichwort Alzheimer: Mit „Everywhere of the end of time“ hat der Musiker Caretaker ein Album produziert, das die Phasen des Übergangs ins sich selbst Vergessen hörbar machen soll. Es ist das beklemmendste, was mir je zu Ohren kam:
    https://thecaretaker.bandcamp.com/album/everywhere-at-the-end-of-time

    Weit entfernt von Glück.

  6. ohrenschmaus Says:

    Danke, die ersten paar Stücke haben etwas sehr Nostalgisches, habe noch nicht die Zeit gefunden, mir das Gesamtwerk anzuhören, das zieht sich ja ziemlich hin.

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