Musikgeschmack

Man kann sich nicht dagegen wehren, Musik – beim ersten Hören – zu mögen oder nicht zu mögen. Und trotzdem denkt man, man hätte in freier Wahl entschieden. Ansonsten wäre man in seiner Eitelkeit tief gekränkt. Trõstend kann hier sein, den Sachverhalt anders zu formulieren. Das erste Musikurteil kommt von ganz tief innen, ist sozusagen ein untrennbarer Bestandteil von einem selbst. Es kann sein, dass es sich nach mehrmaligen Wiederhören ändert, aber auch das hat man nicht in seiner eigenen Hand. Man kann es auch so sagen, wir sind zu uns selbst verdammt oder positiv gesagt, wir dürfen wir selbst sein.

Und was ich auch als sehr tröstend empfinde, die Musikvorschlagsalgorithmen, die mir bisher untergekommen sind, versagen fast komplett, meinen Geschmack vorherzusehen. Jedenfalls mehr als wenn ich mir selbst nach Besprechungen bzw. oft nach meiner Vertrautheit, meiner Hörgeschichte, die Musiker aussuche, deren Stücke ich dann höre. Was mir der Algorithmus vorschlägt ist oft extrem langweilig, wie ein Amalgam aus Sachen, die ich schon kenne. Ich bin aber scharf auf das Neue, nicht auf Recyceltes. Und es scheint so zu sein, dass ich selber besser vorhersehen kann, wer bzw. was mich positiv überraschen kann als die Maschine. Da muss die KI noch etwas dran arbeiten. Oder besser nicht.

P.S. Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich gelegentlich sehr überrascht bin, was Leute, deren Musikgeschmack ich normalerweise mehr oder weniger teile, manchmal für – in meinen Ohren uninteressante – Musik mögen. Aber davon vielleicht ein anderes Mal.

3 Antworten to “Musikgeschmack”

  1. Klagefall Says:

    Ich frage mich, ob das eine Kindheitsprägung ist. Ich kann mich jedenfalls noch an die Platten erinnern, die ich damals gehört habe und viel weiter bin ich nicht gekommen. Neulich bin ich sogar auf The Rubettes gestoßen und es war alles wieder da, ganz schlimm.

  2. ohrenschmaus Says:

    Sicherlich spielt die Kindheit da auch mit rein. Die Rubettes habe ich damals auch gern gehört und sie würden sicherlich auch heute noch bei mir eher positiv-nostalgisches Feedback auslösen. Lange Zeit habe ich mich etwas geschämt für meine frühen Musiklieben. Das ist sicherlich vorbei aber ein ganz kleines bisschen hat sich die Musik, die ich gerne höre, glaube ich schon geändert. Ich bin nicht mehr ganz so direkt impulsiv in meiner Reaktion. Ahne oft beim ersten Hören, dass ein Stück, das mir noch nicht so viel sagt, Potential hat, dass ich es durch Wiederhören mehr und mehr lieben werde. Früher hätte ich, glaube ich, eher aufgegeben.

  3. Klagefall Says:

    Ich bemühe mich inzwischen auch, neue Sachen kennenzulernen, aber es ist gar nicht so einfach, sich dazu zu informieren, weil es das Radio nicht mehr gibt, das früher diese Rolle übernommen hat. Ja, klar, Playlists, Podcasts und so, aber das ist so viel, dass es mir schon wieder zu viel wird. Ab und zu kaufe ich immerhin Musikzeitschriften.

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