So funky wie Chic
Die Gitarre grinst sich eins
Die Nacht durchgetanzt
So funky wie Chic
Die Gitarre grinst sich eins
Die Nacht durchgetanzt
Der Geruch nach Schweiß
Die Hand unterm Kopfkissen
Kopf unter Achsel
Morgens. Noch im Bett.
Von oben Klackgeräusche.
Das Apfelschneiden.
Aufgehoben sein
im gemeinsamen Gesang
eines Kirchenlieds
Blut auf dem Boden
Die Fußsohlen kleben fest
Blaulicht unterwegs
[Neneh Cherry – Red Paint]
Unterm Kirschlorbeer
liegt die Katze im Schatten,
leckt sich das Fell ab.
Perplexe Katze
Sie schwirren über den Teich
Riesenlibellen
Sich in den Himmel
reinbohrende Gitarren
Hat sie sie gehört?
[The Wedding Present – Dare]
Plöner Stadtkirche
Familienorchester
Sie war mit dabei
[Johann Sebastian Bach – Konzert für 2 Violinen, Streicher und Basso continuo d-Moll]
Sechstausend km
Acht Monate Deutschlandtour
Nächte unterm Tarp
[Gerald Klamer – Der Waldwanderer]
Lautstarkes Zirpen
Auf dem Schrank im Wohnzimmer:
Riesenheuschrecke
How I missed your voice
In all those twenty-three years
It hasn’t changed a bit
[Gillian Welch & David Rawlings – Empty Trainload of Sky]
Das Eichhörnchen springt
tarzangleich vom Nussbaumstamm
auf den Apfelbaum

Trippin‘ through the night
The American nightmare
Going on and on
[Alan Vega, Alex Chilton & Ben Vaughn – Fat City]
Fallobst aufsammeln
Der Schönste in das Kröpfchen
Der Rest zum Kompost
Es schüttelt jemand
Streichhölzer in der Schachtel.
Die Elster schackert.
Die Töne hüpfen
Ganz entspannt im Hier und Jetzt
Lass rüberwachsen
[Burning Spear – I and I Survive (Slavery Days)]
Kreisbewegungen
Die Seele baumeln lassen
Im Hängesessel
Langsamer werden
Ohne stehen zu bleiben
Den Schwerpunkt finden
[Tord Gustavsen Trio – The Old Church]
Versprengter Soldat
An Schwelle zur Moderne
Tragische Figur
[Peter Michalzik – Kleist]
Dieser Anzug sitzt
Alles fällt auf seinen Platz
Saxofon ist King
[Giovanni Guidi – Wonderland (album)]
In Tierkadavern
– der strenge Geruch zieht an –
muss sie sich wälzen
Sie legt sich ins Gras.
Wir gehen scheinbar zurück,
einen andren Weg.

Über meinem Kopf
schlagen Wellen zusammen
In Gischt begraben
Nach dem Abendbrot
Müdigkeit überkommt mich
nach zwei Gläschen Wein
Nur zwei Minuten
Herabschauender Köter
Eine Ewigkeit
Kimba bleibt sitzen
auf der Wiese neben dem
Mirabellenbaum
Ein Gesprächsfaden
Fünfhundertsiebendreißig
Kilometer lang
Junge Tramperin
steigt zu zwei alten Säcken
in die Blechkiste
Erdung am Sonntag
Perlenkette aus Tönen
Balsam für Seele
[Heitor Villa-Lobos – Prélude No. 3 (Segovia)]
Essays zu Moral,
Natur, Wald, Alter, Klima,
Eltern, Mafia…
[Denkanstöße 2024 (Piper)]
In das Gras fallen
Den Kopf in das Gras stecken
Den Bauch vorzeigen

Energiebündel
Seele der Familie
Der Kreis geschlossen
Parkplatz Vogelsang:
Waschmaschinen, Kühlschränke…
Nach der Ahrtalflut
Den auf den Rücken
gefallenen Mistkäfer
drehst Du wieder um
Wer ist dieser Typ?
Ein Lächeln um die Lippen
Ein Erleuchteter?
Zwölf Tage älter
Luftige Melodien
Texte voll Sehnsucht
[The Chills – Rolling Moon]
Vor dreißig Jahren
Zarter Gitarrenohrwurm
von Romantikern
[The Sugargliders – Ahprahran]
Quelle angezapft
Baumhindernis wird zersägt
Mühsamer Aufstieg
Wir verlassen unsere Ferienwohnung gegen 8h15 und begeben uns auf die Suche nach einer Bäckerei, gar nicht so leicht, im Zentrum der 7.500 Einwohnerstadt gibt es noch eine. Die andere hat gerade endgültig zugemacht.
Der nächste Anlaufpunkt ist der Brunnenplatz an der Kyll, wo die offizielle Zapfstelle für das Gerolsteiner Mineralwasser ist. Es tröpfelt kurz und ich schmecke in der Tat die natürliche Kohlensäure – eher Medium – und eine feine Salznote. Nahebei unter der Kyllbrücke schläft eine Ente auf einem Stein. Die Kyll, die bei Trier-Ehrang in die Mosel mündet und im Zitterwald im deutsch-belgischen Grenzgebiet entspringt ist übrigens mit knapp 128 km der längste Fluss der Eifel, deutlich länger als die Ahr, die nur 89 km misst.


Aus Gerolstein heraus führen uns Stufen nach oben. Es geht los mit einem Anstieg, der uns zur Löwenburg mit Aussicht auf den Ort und die Dolomiten dahinter bringt. Hier treffen wir eine Holländerin, die sich mit ihrem Mann eine Wohnung auf 400 m Höhe gekauft hat, so dass sie vor zukünftigen Überschwemmungen – die Bahnlinie und die Uferstraße waren unter Wasser vor drei Jahren – sicher sind. Ihr Hund wurde gerade eingeschläfert, sie geht jetzt morgens allein spazieren.

Heute sind die Temperaturen angenehm um die 20 Grad und wir kommen gut voran durch den Wald. Wir passieren das Davitskreuz, das von einem Fuhrmann aus Dank errichtet worden sein soll, der am Feiertag gearbeitet hat und mit seinem Ochsengespann trotzdem heil nach Hause gekommen ist. Auch die Büschkapelle wurde aus Dank von den Eltern eines jungen Studenten errichtet, dessen Teilnahme an der 1848er Revolution nur milde geahndet wurde.
Wir kommen nun zum Aussichtspunkt Dietzenley, der auf vulkanischem Basaltgestein liegt. Die Aussicht zeigt vor allem Baumwipfel, man erkennt Birresborn im Südwesten.


Nun geht es wieder hinunter. Mitten im Wald Maschinenlärm. Auf dem Wirtschaftsweg, auf den wir einschwenken wollen, eine Art Bagger, der mit Sägemessern in den Schaufeln in Nullkommanix eine ca. 20 m lange Fichte in kleinere Teile zerlegt, die den Weg blockiert hatte. Sehr eindrucksvoll. Was für ein Service!
Wir kommen flott voran auf der breiten Piste. Kurz vor Neroth endlich eine Bank. Welche Enttäuschung, dass sie in der Sonne liegt und, dass der Jesus am Kreuz daneben im schönsten Schatten hängen darf. Die Prioritäten sind hier klar gesetzt.


Kurz danach treffen wir auf eine Frau, die doch tatsächlich ihre beiden Teenagertöchter überredet hat, ein paar Etappen von Hillesheim bis Himmerod auf dem Eifelsteig zu wandern. Sie übernachten in Jugendherbergen und legen morgen in Daun erstmal einen Ruhetag ein.
Wir gehen jetzt noch ganz runter über die kleine Kyll und quälen uns den steilen Pfad durch den Wald zum Nerother Kopf (652 m) hoch, wo man noch Reste der Burg Freudenkoppe sehen kann. Hier wurde 1919 ein örtlicher Ableger des Wandervogels gegründet.

Wir kommen nun in die finale Phase der heutigen Etappe, deren 820 Höhenmeter gar nicht so schlimm wie befürchtet gewesen sind, wir brauchen am Ende netto fast eine Stunde weniger als die sieben im Führer angegebenen Stunden, machen allerdings den dort vermerkten Schlenker im Wald am Ende in Daun nicht mehr mit.
An der Neunkirchener Mühle – auch nicht im Rotherführer – erholen wir uns vorher kurz bei einer Flasche Mineralwasser. Der über 80 jährige Wirt hat weder Personal noch einen Nachfolger und wird bald schließen. In der Nähe war eine Kaserne. Ein ehemaliger Wehrpflichtiger von 1980 macht eine Erinnerungsreise und fragt uns(!) wie weit es nach Daun ist.
Es geht jetzt noch über den Berg nach Daun, wir können schon mal eine Aussicht an einer neuen, soliden Holzbank ergattern. Man kann auch schon deutlich unsere Unterkunft, das Kurfürstliche Amtshaus – früher die Burg der Grafen von Daun – erkennen.



Wieso uns die Fürstensuite zugeordnet wird, ist uns unklar, das von der Inneneinrichtung etwas in die Jahre gekommene Etablissement scheint recht gut gefüllt zu sein. Wir begeben uns noch in den Fitnessbereich, C. ins Pool und ich in die Sauna, anschließend essen wir auf der knackevollen Terrasse des einzigen heute (Montag!) geöffneten Kroaten nach längerer Wartezeit ratzeputz unsere Fleischgerichte auf und verdünnisieren uns in unser Schlafgemach.

Auf der Stadtmauer
Ziegen auf den Dolomiten
Höhlenmalerei
Frühmorgens kurz nach fünf, als ich beim Tagebuchtippen bin, höre ich ein starkes Rauschen, sehe einen Blitz und höre kurz danach den Donner. Ein starker Schauer geht nieder, gut, dass wir in einer „Zelle“ und nicht in einem Zelt schlafen.
Das Frühstück inkl. gebratenem Ei macht uns der Hausherr selber. Das Hotel steht zum Verkauf, er ist geschieden und kann die Bewirtschaftung inkl. Putzen langfristig nicht alleine machen. Personal findet er nicht.
An der Wand Bilder, die die frühere Verwendung des Gebäudes zum Thema haben. Im Keller wohl auch noch die alten Haftzellen.

Als wir raustreten, scheint schon wieder die Sonne, es ist bereits wieder schwül, die heutige Etappe ist glücklicherweise nur 20 km lang, hat es aber insbesondere am Ende in sich.
In Hillesheim lassen wir uns die alte, begehbare, sehr gut erhaltene Stadtmauer nicht entgehen. Am Sonntagmorgen haben wir die Aussicht aufs Umland ganz für uns allein. Teile der Stadtmauer werden sogar bewohnt.


Alsbald geht es ins Grüne. Der Eifelsteig folgt einem Fitnessparcours an einem Teich und später an einem Bach entlang in Richtung Bolsdorf. Hier draußen ist es gleich spürbar kühler. Wir treffen zweimal eine Frau, die die ganze Runde macht.

In Dohm ist die laut Führer einzige Einkehrmöglichkeit heute – stimmt nicht, es hätte auch im Bungalowdorf später ein Lokal gegeben – noch geschlossen. Es geht nun über die Bahnlinie, die aufgrund einer Reparatur unterbrochen ist und dann über die Kyll in den Wald hinein, wo wir zu einem Aussichtspunkt mit Schutzhütte hochsteigen und unsere erste Trinkpause einlegen.

Auch heute sind wir wieder viel auf Gras- und Wiesenwegen unterwegs, es ist allerdings rund fünf Grad kälter als gestern. Ins Schwitzen kommen wir trotzdem. Am Wegesrand jede Menge wilde Blumen.

Vor Roth schicken uns die Markierungen sehr weit nach Osten, was nicht zum GPS-Track passt. Ich entscheide mich dann, durch den Ort zu gehen, wir treffen bei den Mühlsteinhöhlen im Wald dann wieder auf den ausgeschilderten Weg. Vor den Höhlen ist es bestimmt fünf Grad kälter, ich gehe in eine mit meiner Stirnlampe ein paar Meter hinein und sehe an einem Stein eine moderne Felsmalerei.

Oben am Rother Kopf machen wir bei schönster Sicht unsere überschaubare Mittagspause mit je drei Crackern, einem Honigbrötchen, einem halben Apfel und viel Wasser.

Es geht nun wieder bergab und wir landen schließlich an einem Fischteich und kommen zum Bungalowdorf. Auch heute treffen wir wieder auf viele Holländer, für die die Eifel und die Ardennen ja die nächstgelegenen Berge darstellen und daher gerne besucht werden.
Hinter dem Auberg, den es rauf und runter geht und dessen aus Korallen entstandenen Felsen bereits den Anfang der Gerolsteiner Dolomiten darstellen, geht es in einem weiten Bogen von rund fünf Kilometern auf dem Vulkanweg weiter bis hinauf zur Munterley. Man hätte hier zwar auch direkt in den Ort gehen können, aber der Eifelsteig nimmt wie so oft einen Umweg, der die Schönheiten der Natur berücksichtigt.
Oben auf den Felsen der Munterley sehen wir Ziegen, von denen wir uns fragen, wie sie da wohl hochgekommen sind.

Uns bietet sich von oben eine schöne Aussicht auf den langgezogenen Ort, der als Eisenbahnknotenpunkt gegen Ende des 2. Weltkriegs zu 80 Prozent zerstört wurde.
Das weltberühmte Mineralwasser mit natürlicher Kohlensäure, das vulkanischer Tätigkeit zu verdanken ist, hat auf dehydrierte Wanderer wie uns eine besonders belebende Wirkung.

Auch heute sind die letzten Kilometer die Längsten, sie ziehen sich wie Kaugummi. Wir kommen noch am Wunschkreuz mitten im Wald vorbei, wo man so ähnlich wie beim Cruz del Ferro auf dem Jakobsweg seine Wünsche auf Steinen notieren bzw. in sie hineinsprechen und dann hier ablegen kann.

Unten in der Stadt angekommen, erwartet uns noch eine unliebsame Überraschung. Die Fußgängerbrücke über die Kyll ist gesperrt, wir müssen also einen Umweg über den Bahnhof machen und dann wieder auf der anderen Seite zurücklaufen, um noch Abendessen bzw. Frühstück im Tankstellenshop zu kaufen, weil ja Sonntag ist und wir in einer Ferienwohnung nächtigen.
Netterweise wäscht unser Gastgeber, der 300 m entfernt wohnt, unsere vollgeschwitzte Wanderkluft. Es hatte allerdings auch in der Beschreibung gestanden, dass es eine Waschmaschine gäbe.
Die Ferse rollt ab
Die Zehen stoßen sich ab
Die Sohle setzt auf
Eine weitere erholsame Nacht. Zum Frühstück u. a. eingemachte Kirschen und Pflaumen mit Joghurt und Quark sowie Honig von dem Klosterbienenvolk. Es fällt auf, dass das Frühstück im Vergleich zur Abendvesper deutlich entzerrt ist. Um halb acht morgens sind erst eine Handvoll Gäste da, während wir abends um halb sieben Schlange stehen mussten und natürlich auch ein ganz anderer Geräuschpegel herrschte.


Mein Mikrobiom hat nach dreitägigem Streik seine Arbeit wieder aufgenommen. Ein phantastischer Start in den Tag.
Das Wetter sommerlich trocken mit an die 25 Grad, sehr angenehm zum Wandern. Wir steigen gegen 9 auf teilweise immer noch leicht matschigen Wegen hinauf zum Königsberg, von wo wir eine sehr schöne Aussicht zurück auf den Klosterkomplex haben.

Der heutige Wandertag ist trotz der rund 24 km ziemlich entspannt, es gibt keine nennenswerten Anstiege – trotzdem 500 m Höhenunterschied insgesamt – und wir bewegen uns viel durch von Blumen und Gräsern übersäte Wiesen. Man sieht z. B. Malve, Flockenblume, Schafgarbe und Johanniskraut. Bald schon kommen wir an einer Liegebank vorbei, die wir nicht links liegen lassen können.

Wir erreichen das Eichtertal, wo die römische Via Agrippa nach Köln verlief. Man kann noch Fahrspuren im Fels entdecken. Etwas später kommen wir zur Brunnenstube Grüner Pütz. Von hier hatten die Römer eine Wasserleitung nach Köln gebaut, die bei nur 300 m Höhendifferenz ca. 95 km lang war. Ein architektonisches Meisterwerk, das als Äquadukt über Täler verlief und sogar die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein überwand. Sie war mit Erdreich bedeckt, so dass sie im Winter nicht zufror.

Unser Weg ist heute zu einem Teil ein schmaler Wiesenpfad, ich muss sagen, dass ich von der Naturnähe und dem Abwechslungsreichtum des Eifelsteigs zunehmend begeistert bin. Der einzige Weg mit so wenig Asphalt und so viel Natur, den wir bisher gegangen sind, ist der wunderschöne, gewundene Stevensonweg in den Cevennen, den der Schriftsteller mit einer Eselin ging. Lustigerweise sind wir damals – ich glaube es war Juli 2011 – dort auf mehreren Etappen sehr nass geworden, obwohl es in Südfrankreich im Sommer normalerweise nur wenig regnet.

Wir kommen nun nach Ettersheim, wo wir uns beim Bäcker mit Salamibrötchen und Eiskaffee stärken. Die tätowierte, nicht mehr ganz so junge, sympathische Bäckersfrau ist sehr handfest und direkt.
Im Ort gehen wir kurz in das Naturzentrum Eifel, dessen Mitarbeiter gerade in einem Nebenraum zu Mittag essen. Wir sehen dort einen Eifelsteigführer von Freytag & Berndt, der mir übersichtlicher und interessanter geschrieben erscheint als unser Rotherführer, aber wir können natürlich unmöglich zwei Führer mit uns rumschleppen. Unterwegs, als es dann zu spät ist, kommt mir die simple Lösung. Wir könnten den alten Führer ja in einem Bücherschrank lassen…
Auch hier wieder ein Kalkbrennofen, man konnte den fertig gebrannten Kalk unten rauskratzen.

Es fällt mir in den Wiesen vor allem ein kleiner rot gepunkteter Schmetterling auf. Es scheint ein Rotwidderchen zu sein, wieder was gelernt.

Wir nähern uns nun unserem Etappenziel Blankenheim. Es geht noch eine Weile im Zickzack auf schnurgeraden befestigten Wegen durch den Wald bevor wir die vielbefahrene B258 überqueren. Nun verpassen wir im Wald eine Abzweigung und landen auf einem von einem schweren Fahrzeug tief zerfurchten Weg, der plötzlich verschwindet. Wir schlagen uns 100 m durch das Walddickicht und treffen auf dem Weg auf vier junge Wanderer – zwei Pärchen – die wir schon gestern vorm Kloster getroffen hatten und die heute erst um halb elf los sind und uns eingeholt haben. Sie übernachten in der Burg, heute eine Jugendherberge. Wir verzetteln uns noch etwas auf dem Weg zu unserem Hotel unweit eines größeren Teiches – das GPS meines Handies will nicht mehr so richtig – und kommen kurz nach fünf dort an.
Auf der großzügigen Terrasse finden wir ein schattiges Plätzchen in der Mitte, essen sehr schmackhafte Pfifferlinge, um uns herum eine Gruppe von Motorradfahrern. Es schallt hier bis 22 Uhr die Country- und Schlager- sowie Karnevalsmusik (im Hochsommer, die spinnen in der Eifel) einer Liveband hoch. Landrat und Bürgermeisterin sind auch da, es wird u. a. ein älteres Semester aus dem Karnevalsverein geehrt. Es ist eine Wohltat, als der Zinnober vorüber ist und wir in den Schlummer sinken können.
Beine federleicht
Füße gehen von allein
Auf dem Weg zuhaus
In der Jugendherberge morgens beim Frühstück um halb acht anfangs fast nur Familien mit kleinen Kindern. Der eine ca. zweijährige Junge, der gerade laufen kann, läuft dauernd hin und her und zeigt auf alles Mögliche, am Ende auch auf den Platz, wo die Familie sitzt. Das Essen ist ok, jedoch leider ohne Ei.
Wir lassen den Tag heute eher ruhig angehen, die Etappe ist mit knapp 19 km übersichtlich und wir haben Zeit. Allerdings zieht sie sich am Ende doch und ich stelle mir so langsam die Frage, ob mein einbandagiertes linkes Knie durchhalten wird. Der Meniskus zwickt insbesondere nachts und der zum Teil doch recht anspruchsvolle Weg verlangt ihm einiges ab. Gut, dass ich es zumindest geschafft habe, den zweiten Wanderstock auszuziehen, die Abstiege sind damit erträglicher.

In der Touristinfo, die schon um 9 auf hat, gibt es wenig bis keine Auskunft zu Einkehrmöglichkeiten, es gibt schlicht keine wie sich später herausstellt, der Kiosk in Golbach ist nur am Wochenende geöffnet.
Gemünd war offensichtlich stark betroffen von der Flut vor drei Jahren. Wenn man sich die ruhig dahinfließende Urft ansieht, kann man es kaum glauben. Gemünd liegt an der Mündung der Olef in die Urft.

Hinter dem Ort geht es gleich auf einem sanft ansteigenden Pfad in den Wald. Mitten im Wald dann ein Mülleimer, keine schlechte Idee, allerdings wäre er m. E. sinnvoller neben einer Bank, wo es ja in den meisten Fällen keinen gibt.

Wir steigen hinauf zur Kuckucksley, von der man einen schönen Blick auf den Ort Olef im bewaldeten Tal hat. Ich lese etwas vor zu Norbert Scheuer, dem lokalen Schriftsteller aus Kall, dem wir uns bis auf 2 km nähern. Die Frau von der Info hatte gesagt, es gäbe dort nichts zu sehen. Es gibt wohl einen Bahnhof, wie wir später erfahren. Die Eskapade, die an der Straße lang gegangen wäre, sparen wir uns.

Der Eifelsteig trägt seinen Namen zu Recht; der Weg ist oft schmal, steil und steinig bzw. felsig.

in Olef machen wir Mittagsrast. Ich setze mich auf den verrückten Stuhl, bei dem es sich um eine optische Täuschung handelt. Aus dem Blickwinkel werden zwei voneinander versetzte Elemente kombiniert. Im Ortskern nichts los außer den herumkurvenden Lieferwagen von DHL, Hermes etc. Traurige neue Welt.

Es geht bald wieder aufwärts und wir kommen in den Wald. Hier wurde früher Erzbergbau in den sogenannten Pingen (Gruben) betrieben. Die Schächte hatten keinen rechteckigen sondern einen runden Querschnitt. Das war ein Nebenerwerb, da die Landwirtschaft auf den kargen Eifelböden nicht viel abwarf.

Mitten im Wald eine geschwungene Wohlfühlbank, der wir uns nicht entziehen können. Besser relaxen kann man die geschundenen Beine und Füße nicht. Wir machen die Bank frei für zwei ältere Wanderer, die uns entgegen kommen. Sie gehen den Eifelsteig in mehreren Tranchen von Trier nach Aachen. Sie haben im Kloster Steinfeld übernachtet. Der eine ist weitgewandert und schwärmt uns u. a. vom Malerweg im Elbsandsteingebirge vor. Wir verquatschen uns etwas, bevor sie auf der Bank entspannen können.
In Golbach ist der Kiosk wie gesagt geschlossen. Auch hier immer wieder schöne Fachwerkhäuser. Generell sind die meisten Häuser am Wegrand gut in Schuss.

Wir sind nun nicht mehr weit von unserem Ziel entfernt. Auf dem Weg ein totes Wiesel. Wie es wohl umgekommen ist? Vom Fuchs geschlagen? Von einem Raubvogel gerissen? Herzinfarkt? Stoff für einen Eifelkrimi.

Eine Rundbank im Schatten lächelt uns in Steinfelderheistert zu. Wer könnte da widerstehen?

Es geht jetzt noch in ein Bachtal und anschließend auf einem matschigen Pfad durch ein Wäldchen und wir erreichen die Mauer vom Kloster Steinfeld.

Dort herrscht reges Treiben im Café. Catherine kauft im Klostershop Paul Auster’s Vermächtnis Baumgartner, nachdem der Eifelkrimi fast ausgelesen ist. Endlich mal ein Buch, das wir beide lesen können (ich meine den Auster). Wir bewegen uns in Richtung Gästehaus mit sage und schreibe 130 Zimmern, von denen wir eins ergattert haben.
Ab 18h ist Vesperzeit im Refektorium am Kreuzgang. An dem Buffet gibt es diverse vegane Salate – viel mit Kichererbsen – sowie eine Frikadelle mit Kartoffeln. Insbesondere das Klosterbier schmeckt ganz hervorragend. Die anderen Gäste sind meist Seminar- bzw. Schulungsteilnehmer. Es wird hier auch viel meditiert. Uns bekannte Eifelsteigwanderer sehen wir nicht.
Ich falle wieder um halb 10 ins Bett. Die einschläfernde Wirkung der zwei Biere ist phänomenal.
Knistern im Gebüsch
Zaubertrank wird aufgekocht
Genug für alle
[Jon Hassell – Passage D. E.]
Gelbes Oval: Maar
Grüner Hintergrund: Bäume
Gelber Schlenker: Weg

Die Atemzüge
nach dem Klingeln des Weckers
Pure Entspannung
Anderthalb Stunden
zum Mittelmeer. Fünf Stunden
Berlin nach Eschborn
Nicht lang ist es her
Wir saßen zuhause rum
Aufs Ende wartend
[King Krule – It’s All Soup Now]
Hoppla, hier komm ich
Ihr könnt sagen, was ihr wollt
Ich weiß, was ich will
[Bob Dylan – I Want You]
Ein Duft, der betört
Der Lavendel macht sich breit
Die Hummeln freut es

Das Leben danach
in den Griff kriegen wollen
Ein Tag im Baumarkt
[Denis Pfabe – Die Möglichkeit einer Ordnung (Bachmannwettlesen]
Die Welt ist düster
Bandoneon, Gitarre
Hochzeit im Himmel
[Dominic Miller – Ténèbres (von Absinthe)]
Auf der Pergola
Eichhörnchen richtet sich auf,
taucht in die Hecke
Fettjoghurt und Skyr
Charentais-Melone, reif
Erfrischung, süßweich
Direkt über uns
weit und breit die Einzige
Sie regnet sich ab
Auf dem Wiesenweg
Zig Kirschkerne in Losung
Der Dachs ist nicht weit
Inbrünstiger Ton
Auf Zehenspitzen spielen
Alles rausholen
[Oded Tzur – Renata]
Zehn Liter Quader
Rotwein vom Jahresanfang
Schmeckt nun wie Sherry
„Wieso muss der Typ
mich andauernd nerven
mit Gassigehen?“

Das hat er gehört
als seine Wirbelsäule
unten hart aufschlug
Der Himmel reißt auf
Das Augenlicht versengt von
gleißender Sonne
[Robert Wyatt – Little Red Riding Hood Hit the Road]
Vor uns ein Raucher
Wir folgen narkotisiert
Süße Sillage
Die Löffel senkrecht
Meister Lampe im Maisfeld
Die Elster fliegt auf
Alkproblem gelöst
Quantum täglich 20 Gramm
Vom Mund abgespart
Altkönig im Dunst
Davor dunkle Wolkenfront
Wir werden klatschnass
Warm piano tune
Dreamy sax out of the mist
Northern wistfulness
[Keith Jarrett’s European quartet with Jan Garbarek – My Song]
Große Schwarzkirschen
Verlassene Plantage
Unwiderstehlich
Hinter der Wiese
Ein schnell fließendes Flüsschen
Vorsicht, die Rhume!
[Teenage Fanclub – Everything Flows]
Tolles Liebesspiel
der kleinen Kohlweißlinge
auf Sonnenstrahlen
Der Krieg reißt Wunden
in den Seelen der Menschen,
die nie verheilen
[Tijan Sila – Der Tag, an dem meine Mutter verrückt wurde (Bachmannpreisgewinner)]
In ihrer Kehle
lodert eine Stimme, die
Seelen schmelzen lässt
[Gwen McCrae – Let’s Straighten It Out]
Füße Bleikugeln
In mein Tempo ergeben
Schwül. Niesel hört auf.
Nicht quatschen, machen
Energieexplosion
Wenn Punk ins Ohr geht
[Buzzcocks – Boredom (demo)]
Zwei Atemzüge
Der Erste und der Letzte
Lebensleistungen
[Ulrike Haidacher – Schwestern (Bachmannpreis)]
Entspannte Stimmung
in Olydorf-Teestube
in 85
[Dire Straits – Telegraph Road]
A long time ago
Your voice helped me to get through
times of lovesickness
[Sally Barker – Nocturnal Visions (snippet)]
Tänzelndes Klavier
Gelassene Trompete
Diesige Stimme
[Chet Baker – Let’s Get Lost]
Schön und jung und stark
Gib mir ein Brett zum Tanzen
Nimm dir, was du willst
[DAF – Verschwende Deine Jugend]
Wenn der Diktator
dieses Lied hören würde,
statt Krieg zu führen…
[Robert Wyatt – Shipbuilding (Elvis Costello)]
Himmlischer Soul-Groove
Danke für Deine Musik
Sie ändert die Welt
[Meshell Ndegeocello – Love vom neuen Album No More Water. The Gospel of James Baldwin, das am 2.8. erscheint]
Baumstamm im Schatten
Literflasche H2O
Mehr brauchts nicht zum Glück

Werde angeschnorrt,
Menschen reden ins Handy,
mit mir spricht keiner
[F-Hbf]