Archive for the ‘haiku’ Category

4080

August 24, 2024

So funky wie Chic

Die Gitarre grinst sich eins

Die Nacht durchgetanzt

[Girl Ray – Everybody’s Saying That]

4079

August 24, 2024

Handy aufklappen

Die Nachrichten abrufen

Hurra, ein Haiku!

4078

August 24, 2024

Der Geruch nach Schweiß

Die Hand unterm Kopfkissen

Kopf unter Achsel

4077

August 24, 2024

Morgens. Noch im Bett.

Von oben Klackgeräusche.

Das Apfelschneiden.

4076

August 22, 2024

Aufgehoben sein

im gemeinsamen Gesang

eines Kirchenlieds

4075

August 22, 2024

Blut auf dem Boden

Die Fußsohlen kleben fest

Blaulicht unterwegs

[Neneh Cherry – Red Paint]

4074

August 21, 2024

Unterm Kirschlorbeer

liegt die Katze im Schatten,

leckt sich das Fell ab.

4073

August 21, 2024

Haiku zu schreiben

kommt mir erst in den Sinn, wenn

ich in mir ruhe.

4072

August 21, 2024

Ich kannte einen,

der meinte Haiku wären

vollkommen banal.

4071

August 21, 2024

Perplexe Katze

Sie schwirren über den Teich

Riesenlibellen

4070

August 21, 2024

Beide gewinnen,

wenn der Dialog gelingt

Zuhören nötig

4069

August 21, 2024

Sich in den Himmel

reinbohrende Gitarren

Hat sie sie gehört?

[The Wedding Present – Dare]

4068

August 20, 2024

alles aufschreiben

bevor es verschwunden ist

ganz schnell, zack zack, jetzt!

4067

August 18, 2024

Plöner Stadtkirche

Familienorchester

Sie war mit dabei

[Johann Sebastian Bach – Konzert für 2 Violinen, Streicher und Basso continuo d-Moll]

4066

August 18, 2024

Sechstausend km

Acht Monate Deutschlandtour

Nächte unterm Tarp

[Gerald Klamer – Der Waldwanderer]

4065

August 15, 2024

In den Referrern

20 Hits aus USA

I think I know you

4064

August 14, 2024

Lautstarkes Zirpen

Auf dem Schrank im Wohnzimmer:

Riesenheuschrecke

4063

August 14, 2024

Sie packt immer noch

Magischer Realismus

Erzähl mir alles

[Laurie Anderson – Road to Mandalay]

4062

August 14, 2024

How I missed your voice

In all those twenty-three years

It hasn’t changed a bit

[Gillian Welch & David Rawlings – Empty Trainload of Sky]

4061

August 13, 2024

Das Eichhörnchen springt

tarzangleich vom Nussbaumstamm

auf den Apfelbaum

4060

August 13, 2024

Trippin‘ through the night

The American nightmare

Going on and on

[Alan Vega, Alex Chilton & Ben Vaughn – Fat City]

4059

August 11, 2024

Fallobst aufsammeln

Der Schönste in das Kröpfchen

Der Rest zum Kompost

4058

August 11, 2024

Es schüttelt jemand

Streichhölzer in der Schachtel.

Die Elster schackert.

4057

August 11, 2024

Die Töne hüpfen

Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Lass rüberwachsen

[Burning Spear – I and I Survive (Slavery Days)]

4056

August 10, 2024

Kreisbewegungen

Die Seele baumeln lassen

Im Hängesessel

4055

August 10, 2024

Langsamer werden

Ohne stehen zu bleiben

Den Schwerpunkt finden

[Tord Gustavsen Trio – The Old Church]

4054

August 10, 2024

Versprengter Soldat

An Schwelle zur Moderne

Tragische Figur

[Peter Michalzik – Kleist]

4053

August 9, 2024

Dieser Anzug sitzt

Alles fällt auf seinen Platz

Saxofon ist King

[Giovanni Guidi – Wonderland (album)]

4052

August 9, 2024

In Tierkadavern

– der strenge Geruch zieht an –

muss sie sich wälzen

4051

August 8, 2024

Sie legt sich ins Gras.

Wir gehen scheinbar zurück,

einen andren Weg.

4050

August 6, 2024

Über meinem Kopf

schlagen Wellen zusammen

In Gischt begraben

[Secret Shine – Captivate this Broken Love]

4049

August 6, 2024

Eine Insel sein

im Ozean des Netzes

Strandgut einsammeln

4048

August 6, 2024

Nach dem Abendbrot

Müdigkeit überkommt mich

nach zwei Gläschen Wein

4047

August 5, 2024

Nur zwei Minuten

Herabschauender Köter

Eine Ewigkeit

4046

August 5, 2024

Kimba bleibt sitzen

auf der Wiese neben dem

Mirabellenbaum

4045

August 4, 2024

Ein Gesprächsfaden

Fünfhundertsiebendreißig

Kilometer lang

4044

August 4, 2024

Junge Tramperin

steigt zu zwei alten Säcken

in die Blechkiste

4043

August 4, 2024

Erdung am Sonntag

Perlenkette aus Tönen

Balsam für Seele

[Heitor Villa-Lobos – Prélude No. 3 (Segovia)]

4042

August 4, 2024

Essays zu Moral,

Natur, Wald, Alter, Klima,

Eltern, Mafia…

[Denkanstöße 2024 (Piper)]

4041

August 2, 2024

Morgen kommt wieder

ne bessere Version

von mir selbst heraus

[Danke, Yana]

4040

August 2, 2024

Nirgends hinführend

Dahinfließend, dann stoppend

Understatement pur

[Howe Gelb – Weathered]

4039

August 1, 2024

In das Gras fallen

Den Kopf in das Gras stecken

Den Bauch vorzeigen

4038

August 1, 2024

Energiebündel

Seele der Familie

Der Kreis geschlossen

4037

August 1, 2024

Parkplatz Vogelsang:

Waschmaschinen, Kühlschränke…

Nach der Ahrtalflut

4036

Juli 31, 2024

Den auf den Rücken

gefallenen Mistkäfer

drehst Du wieder um

4035

Juli 31, 2024

Weißer, alter Mann:

Zum Thema woke einfach mal

die Klappe halten

4034

Juli 30, 2024

Wer ist dieser Typ?

Ein Lächeln um die Lippen

Ein Erleuchteter?

4033

Juli 30, 2024

Grünen Tee trinken

In den Tag hineinleben

Die Zeit vergessen

4032 Fare well, Martin

Juli 29, 2024

Zwölf Tage älter

Luftige Melodien

Texte voll Sehnsucht

[The Chills – Rolling Moon]

4031

Juli 29, 2024

Vor dreißig Jahren

Zarter Gitarrenohrwurm

von Romantikern

[The Sugargliders – Ahprahran]

Eifelsteig, 10. Etappe: Gerolstein – Daun

Juli 23, 2024

Quelle angezapft
Baumhindernis wird zersägt
Mühsamer Aufstieg

Wir verlassen unsere Ferienwohnung gegen 8h15 und begeben uns auf die Suche nach einer Bäckerei, gar nicht so leicht, im Zentrum der 7.500 Einwohnerstadt gibt es noch eine. Die andere hat gerade endgültig zugemacht.

Der nächste Anlaufpunkt ist der Brunnenplatz an der Kyll, wo die offizielle Zapfstelle für das Gerolsteiner Mineralwasser ist. Es tröpfelt kurz und ich schmecke in der Tat die natürliche Kohlensäure – eher Medium – und eine feine Salznote. Nahebei unter der Kyllbrücke schläft eine Ente auf einem Stein. Die Kyll, die bei Trier-Ehrang in die Mosel mündet und im Zitterwald im deutsch-belgischen Grenzgebiet entspringt ist übrigens mit knapp 128 km der längste Fluss der Eifel, deutlich länger als die Ahr, die nur 89 km misst.

Gerolstein, Helenenquelle
Gerolstein, Kyll

Aus Gerolstein heraus führen uns Stufen nach oben. Es geht los mit einem Anstieg, der uns zur Löwenburg mit Aussicht auf den Ort und die Dolomiten dahinter bringt. Hier treffen wir eine Holländerin, die sich mit ihrem Mann eine Wohnung auf 400 m Höhe gekauft hat, so dass sie vor zukünftigen Überschwemmungen – die Bahnlinie und die Uferstraße waren unter Wasser vor drei Jahren – sicher sind. Ihr Hund wurde gerade eingeschläfert, sie geht jetzt morgens allein spazieren.

Gerolstein, Hintere Löwenburg

Heute sind die Temperaturen angenehm um die 20 Grad und wir kommen gut voran durch den Wald. Wir passieren das Davitskreuz, das von einem Fuhrmann aus Dank errichtet worden sein soll, der am Feiertag gearbeitet hat und mit seinem Ochsengespann trotzdem heil nach Hause gekommen ist. Auch die Büschkapelle wurde aus Dank von den Eltern eines jungen Studenten errichtet, dessen Teilnahme an der 1848er Revolution nur milde geahndet wurde.

Wir kommen nun zum Aussichtspunkt Dietzenley, der auf vulkanischem Basaltgestein liegt. Die Aussicht zeigt vor allem Baumwipfel, man erkennt Birresborn im Südwesten.

Dietzenley
Dietzenley, Blick nach Südwesten

Nun geht es wieder hinunter. Mitten im Wald Maschinenlärm. Auf dem Wirtschaftsweg, auf den wir einschwenken wollen, eine Art Bagger, der mit Sägemessern in den Schaufeln in Nullkommanix eine ca. 20 m lange Fichte in kleinere Teile zerlegt, die den Weg blockiert hatte. Sehr eindrucksvoll. Was für ein Service!

Wir kommen flott voran auf der breiten Piste. Kurz vor Neroth endlich eine Bank. Welche Enttäuschung, dass sie in der Sonne liegt und, dass der Jesus am Kreuz daneben im schönsten Schatten hängen darf. Die Prioritäten sind hier klar gesetzt.

Neroth, Bank
Neroth, Kreuz

Kurz danach treffen wir auf eine Frau, die doch tatsächlich ihre beiden Teenagertöchter überredet hat, ein paar Etappen von Hillesheim bis Himmerod auf dem Eifelsteig zu wandern. Sie übernachten in Jugendherbergen und legen morgen in Daun erstmal einen Ruhetag ein.

Wir gehen jetzt noch ganz runter über die kleine Kyll und quälen uns den steilen Pfad durch den Wald zum Nerother Kopf (652 m) hoch, wo man noch Reste der Burg Freudenkoppe sehen kann. Hier wurde 1919 ein örtlicher Ableger des Wandervogels gegründet.

Nerother Kopf

Wir kommen nun in die finale Phase der heutigen Etappe, deren 820 Höhenmeter gar nicht so schlimm wie befürchtet gewesen sind, wir brauchen am Ende netto fast eine Stunde weniger als die sieben im Führer angegebenen Stunden, machen allerdings den dort vermerkten Schlenker im Wald am Ende in Daun nicht mehr mit.

An der Neunkirchener Mühle – auch nicht im Rotherführer – erholen wir uns vorher kurz bei einer Flasche Mineralwasser. Der über 80 jährige Wirt hat weder Personal noch einen Nachfolger und wird bald schließen. In der Nähe war eine Kaserne. Ein ehemaliger Wehrpflichtiger von 1980 macht eine  Erinnerungsreise und fragt uns(!) wie weit es nach Daun ist.

Es geht jetzt noch über den Berg nach Daun, wir können schon mal eine Aussicht an einer neuen, soliden Holzbank ergattern. Man kann auch schon deutlich unsere Unterkunft, das Kurfürstliche Amtshaus – früher die Burg der Grafen von Daun – erkennen.

Blick auf Daun
Daun, Kurfürstliches Amtshaus
Daun, Fürstensuite im Kurfürstlichen Amtshaus

Wieso uns die Fürstensuite zugeordnet wird, ist uns unklar, das von der Inneneinrichtung etwas in die Jahre gekommene Etablissement scheint recht gut gefüllt zu sein. Wir begeben uns noch in den Fitnessbereich, C. ins Pool und ich in die Sauna, anschließend essen wir auf der knackevollen Terrasse des einzigen heute (Montag!) geöffneten Kroaten nach längerer Wartezeit ratzeputz unsere Fleischgerichte auf und verdünnisieren uns in unser Schlafgemach.

Kurfürstliches Amtshaus, Bett der Fürstensuite

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Eifelsteig, 9. Etappe: Hillesheim – Gerolstein

Juli 22, 2024

Auf der Stadtmauer
Ziegen auf den Dolomiten
Höhlenmalerei

Frühmorgens kurz nach fünf, als ich beim Tagebuchtippen bin, höre ich ein starkes Rauschen, sehe einen Blitz und höre kurz danach den Donner. Ein starker Schauer geht nieder, gut, dass wir in einer „Zelle“ und nicht in einem Zelt schlafen.

Das Frühstück inkl. gebratenem Ei macht uns der Hausherr selber. Das Hotel steht zum Verkauf, er ist geschieden und kann die Bewirtschaftung inkl. Putzen langfristig nicht alleine machen. Personal findet er nicht.

An der Wand Bilder, die die frühere Verwendung des Gebäudes zum Thema haben. Im Keller wohl auch noch die alten Haftzellen.

Hillesheim, Zum Amtsrichter, Frühstücksraum

Als wir raustreten, scheint schon wieder die Sonne, es ist bereits wieder schwül, die heutige Etappe ist glücklicherweise nur 20 km lang, hat es aber insbesondere am Ende in sich.

In Hillesheim lassen wir uns die alte, begehbare, sehr gut erhaltene Stadtmauer nicht entgehen. Am Sonntagmorgen haben wir die Aussicht aufs Umland ganz für uns allein. Teile der Stadtmauer werden sogar bewohnt.

Hillesheim, alte Stadtmauer
Hillesheim, bewohnte alte Stadtmauer

Alsbald geht es ins Grüne. Der Eifelsteig folgt einem Fitnessparcours an einem Teich und später an einem Bach entlang in Richtung Bolsdorf. Hier draußen ist es gleich spürbar kühler. Wir treffen zweimal  eine Frau, die die ganze Runde macht.

Hillesheim, Teich

In Dohm ist die laut Führer einzige Einkehrmöglichkeit heute – stimmt nicht, es hätte auch im Bungalowdorf später ein Lokal gegeben – noch geschlossen. Es geht nun über die Bahnlinie, die aufgrund einer Reparatur unterbrochen ist und dann über die Kyll in den Wald hinein, wo wir zu einem Aussichtspunkt mit Schutzhütte hochsteigen und unsere erste Trinkpause einlegen.

Blick zurück nach Dohm

Auch heute sind wir wieder viel auf Gras- und Wiesenwegen unterwegs, es ist allerdings rund fünf Grad kälter als gestern. Ins Schwitzen kommen wir trotzdem. Am Wegesrand jede Menge wilde Blumen.

Ringelbume

Vor Roth schicken uns die Markierungen sehr weit nach Osten, was nicht zum GPS-Track passt. Ich entscheide mich dann, durch den Ort zu gehen, wir treffen bei den Mühlsteinhöhlen im Wald dann wieder auf den ausgeschilderten Weg. Vor den Höhlen ist es bestimmt fünf Grad kälter, ich gehe in eine mit meiner Stirnlampe ein paar Meter hinein und sehe an einem Stein eine moderne Felsmalerei.

Mühlsteinhöhle bei Roth

Oben am Rother Kopf machen wir bei schönster Sicht unsere überschaubare Mittagspause mit je drei Crackern, einem Honigbrötchen, einem halben Apfel und viel Wasser.

Ausblick vom Rother Kopf: Vorne Müllenborn

Es geht nun wieder bergab und wir landen schließlich an einem Fischteich und kommen zum Bungalowdorf. Auch heute treffen wir wieder auf viele Holländer, für die die Eifel und die Ardennen ja die nächstgelegenen Berge darstellen und daher gerne besucht werden.

Hinter dem Auberg, den es rauf und runter geht und dessen aus Korallen entstandenen Felsen bereits den Anfang der Gerolsteiner Dolomiten darstellen, geht es in einem weiten Bogen von rund fünf Kilometern auf dem Vulkanweg weiter bis hinauf zur Munterley. Man hätte hier zwar auch direkt in den Ort gehen können, aber der Eifelsteig nimmt wie so oft einen Umweg, der die Schönheiten der Natur berücksichtigt.

Oben auf den Felsen der Munterley sehen wir Ziegen, von denen wir uns fragen, wie sie da wohl hochgekommen sind.

Gerolstein, unweit Munterley

Uns bietet sich von oben eine schöne Aussicht auf den langgezogenen Ort, der als Eisenbahnknotenpunkt gegen Ende des 2. Weltkriegs zu 80 Prozent zerstört wurde.

Das weltberühmte Mineralwasser mit natürlicher Kohlensäure, das vulkanischer Tätigkeit zu verdanken ist, hat auf dehydrierte Wanderer wie uns eine besonders belebende Wirkung.

Munterley, Blick auf Gerolstein

Auch heute sind die letzten Kilometer die Längsten, sie ziehen sich wie Kaugummi. Wir kommen noch am Wunschkreuz mitten im Wald vorbei, wo man so ähnlich wie beim Cruz del Ferro auf dem Jakobsweg seine Wünsche auf Steinen notieren bzw. in sie hineinsprechen und dann hier ablegen kann.

Gerolstein, Wunschkreuz

Unten in der Stadt angekommen, erwartet uns noch eine unliebsame Überraschung. Die Fußgängerbrücke über die Kyll ist gesperrt, wir müssen also einen Umweg über den Bahnhof machen und dann wieder auf der anderen Seite zurücklaufen, um noch Abendessen bzw. Frühstück im Tankstellenshop zu kaufen, weil ja Sonntag ist und wir in einer Ferienwohnung nächtigen.

Netterweise wäscht unser Gastgeber, der 300 m entfernt wohnt, unsere vollgeschwitzte Wanderkluft. Es hatte allerdings auch in der Beschreibung gestanden, dass es eine Waschmaschine gäbe.

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Eifelsteig, 6. Etappe: Kloster Steinfeld – Blankenheim

Juli 19, 2024

Die Ferse rollt ab
Die Zehen stoßen sich ab
Die Sohle setzt auf

Eine weitere erholsame Nacht. Zum Frühstück u. a. eingemachte Kirschen und Pflaumen mit Joghurt und Quark sowie Honig von dem Klosterbienenvolk. Es fällt auf, dass das Frühstück im Vergleich zur Abendvesper deutlich entzerrt ist. Um halb acht morgens sind erst eine Handvoll Gäste da, während wir abends um halb sieben Schlange stehen mussten und natürlich auch ein ganz anderer Geräuschpegel herrschte.

Kloster Steinfeld, auf dem Weg zum Refektorium
Kloster Steinfeld, Kreuzgang

Mein Mikrobiom hat nach dreitägigem Streik seine Arbeit wieder aufgenommen. Ein phantastischer Start in den Tag.

Das Wetter sommerlich trocken mit an die 25 Grad, sehr angenehm zum Wandern.  Wir steigen gegen 9 auf teilweise immer noch leicht matschigen Wegen hinauf zum Königsberg, von wo wir eine sehr schöne Aussicht zurück auf den Klosterkomplex haben.

Königsberg, Blick auf Kloster Steinfeld

Der heutige Wandertag ist trotz der rund 24 km ziemlich entspannt, es gibt keine nennenswerten Anstiege – trotzdem 500 m Höhenunterschied insgesamt – und wir bewegen uns viel durch von Blumen und Gräsern übersäte Wiesen. Man sieht z. B. Malve, Flockenblume, Schafgarbe und Johanniskraut. Bald schon kommen wir an einer Liegebank vorbei, die wir nicht links liegen lassen können.

Auf der Liegebank

Wir erreichen das Eichtertal, wo die römische Via Agrippa nach Köln verlief. Man kann noch Fahrspuren im Fels entdecken. Etwas später kommen wir zur Brunnenstube Grüner Pütz. Von hier hatten die Römer eine Wasserleitung nach Köln gebaut, die bei nur 300 m Höhendifferenz ca. 95 km lang war. Ein architektonisches Meisterwerk, das als Äquadukt über Täler verlief und sogar die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein überwand. Sie war mit Erdreich bedeckt, so dass sie im Winter nicht zufror.

Grüne Pütz

Unser Weg ist heute zu einem Teil ein schmaler Wiesenpfad, ich muss sagen, dass ich von der Naturnähe und dem Abwechslungsreichtum des Eifelsteigs zunehmend begeistert bin. Der einzige Weg mit so wenig Asphalt und so viel Natur, den wir bisher gegangen sind, ist der wunderschöne, gewundene Stevensonweg in den Cevennen, den der Schriftsteller mit einer Eselin ging. Lustigerweise sind wir damals – ich glaube es war Juli 2011 – dort auf mehreren Etappen sehr nass geworden, obwohl es in Südfrankreich im Sommer normalerweise nur wenig regnet.

Wiesenpfad

Wir kommen nun nach Ettersheim, wo wir uns beim Bäcker mit Salamibrötchen und Eiskaffee stärken. Die tätowierte, nicht mehr ganz so junge, sympathische Bäckersfrau ist sehr handfest und direkt.

Im Ort gehen wir kurz in das Naturzentrum Eifel, dessen Mitarbeiter gerade in einem Nebenraum zu Mittag essen. Wir sehen dort einen Eifelsteigführer von Freytag & Berndt, der mir übersichtlicher und interessanter geschrieben erscheint als unser Rotherführer, aber wir können natürlich unmöglich zwei Führer mit uns rumschleppen. Unterwegs, als es dann zu spät ist, kommt mir die simple Lösung. Wir könnten den alten Führer ja in einem Bücherschrank lassen…

Auch hier wieder ein Kalkbrennofen, man konnte den fertig gebrannten Kalk unten rauskratzen.

Kalkbrennofen von unten

Es fällt mir in den Wiesen vor allem ein kleiner rot gepunkteter Schmetterling auf. Es scheint ein Rotwidderchen zu sein, wieder was gelernt.

Rotwidderchen

Wir nähern uns nun unserem Etappenziel Blankenheim. Es geht noch eine Weile im Zickzack auf schnurgeraden befestigten Wegen durch den Wald bevor wir die vielbefahrene B258 überqueren. Nun verpassen wir im Wald eine Abzweigung und landen auf einem von einem schweren Fahrzeug tief zerfurchten Weg, der plötzlich verschwindet. Wir schlagen uns 100 m durch das Walddickicht und treffen auf dem Weg auf vier junge Wanderer – zwei Pärchen – die wir schon gestern vorm Kloster getroffen hatten und die heute erst um halb elf los sind und uns eingeholt haben. Sie übernachten in der Burg, heute eine Jugendherberge. Wir verzetteln uns noch etwas auf dem Weg zu unserem Hotel unweit eines größeren Teiches – das GPS meines Handies will nicht mehr so richtig – und kommen kurz nach fünf dort an.

Auf der großzügigen Terrasse finden wir ein schattiges Plätzchen in der Mitte, essen sehr schmackhafte Pfifferlinge, um uns herum eine Gruppe von Motorradfahrern. Es schallt hier bis 22 Uhr die Country- und Schlager- sowie Karnevalsmusik (im Hochsommer, die spinnen in der Eifel) einer Liveband hoch. Landrat und Bürgermeisterin sind auch da, es wird u. a. ein älteres Semester aus dem Karnevalsverein geehrt. Es ist eine Wohltat, als der Zinnober vorüber ist und wir in den Schlummer sinken können.

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4030

Juli 18, 2024

Den Tag verträumen

Nase an Scheibe drücken

Draußen regnet es

[Soundwire – Everything Is Real]

Eifelsteig, 5. Etappe: Gemünd – Kloster Steinfeld

Juli 18, 2024

Beine federleicht
Füße gehen von allein
Auf dem Weg zuhaus

In der Jugendherberge morgens beim Frühstück um halb acht anfangs fast nur Familien mit kleinen Kindern. Der eine ca. zweijährige Junge, der gerade laufen kann, läuft dauernd hin und her und zeigt auf alles Mögliche, am Ende auch auf den Platz, wo die Familie sitzt. Das Essen ist ok, jedoch leider ohne Ei.

Wir lassen den Tag heute eher ruhig angehen, die Etappe ist mit knapp 19 km übersichtlich und wir haben Zeit. Allerdings zieht sie sich am Ende doch und ich stelle mir so langsam die Frage, ob mein einbandagiertes linkes Knie durchhalten wird. Der Meniskus zwickt insbesondere nachts und der zum Teil doch recht anspruchsvolle Weg verlangt ihm einiges ab. Gut, dass ich es zumindest geschafft habe, den zweiten Wanderstock auszuziehen, die Abstiege sind damit erträglicher.

Gemünd, Eifelsteigkarte

In der Touristinfo, die schon um 9 auf hat, gibt es wenig bis keine Auskunft zu Einkehrmöglichkeiten, es gibt schlicht keine wie sich später herausstellt, der Kiosk in Golbach ist nur am Wochenende geöffnet.

Gemünd war offensichtlich stark betroffen von der Flut vor drei Jahren. Wenn man sich die ruhig dahinfließende Urft ansieht, kann man es kaum glauben. Gemünd liegt an der Mündung der Olef in die Urft.

Gemünd, Opfer der Flutkatastrophe Juli 2021

Hinter dem Ort geht es gleich auf einem sanft ansteigenden Pfad in den Wald. Mitten im Wald dann ein Mülleimer, keine schlechte Idee, allerdings wäre er m. E. sinnvoller neben einer Bank, wo es ja in den meisten Fällen keinen gibt.

Papierkorb

Wir steigen hinauf zur Kuckucksley, von der man einen schönen Blick auf den Ort Olef im bewaldeten Tal hat. Ich lese etwas vor zu Norbert Scheuer, dem lokalen Schriftsteller aus Kall, dem wir uns bis auf 2 km nähern. Die Frau von der Info hatte gesagt, es gäbe dort nichts zu sehen. Es gibt wohl einen Bahnhof, wie wir später erfahren. Die Eskapade, die an der Straße lang gegangen wäre, sparen wir uns.

Kuckucksley

Der Eifelsteig trägt seinen Namen zu Recht; der Weg ist oft schmal, steil und steinig bzw. felsig.

Abstieg nach Olef

in Olef machen wir Mittagsrast. Ich setze mich auf den verrückten Stuhl, bei dem es sich um eine optische Täuschung handelt. Aus dem Blickwinkel werden zwei voneinander versetzte Elemente kombiniert. Im Ortskern nichts los außer den herumkurvenden Lieferwagen von DHL, Hermes etc. Traurige neue Welt.

Olef, verrückter Stuhl

Es geht bald wieder aufwärts und wir kommen in den Wald. Hier wurde früher Erzbergbau in den sogenannten Pingen (Gruben) betrieben. Die Schächte hatten keinen rechteckigen sondern einen runden Querschnitt. Das war ein Nebenerwerb, da die Landwirtschaft auf den kargen Eifelböden nicht viel abwarf.

Pingenwanderpfadtafel

Mitten im Wald eine geschwungene Wohlfühlbank, der wir uns nicht entziehen können. Besser relaxen kann man die geschundenen Beine und Füße nicht. Wir machen die Bank frei für zwei ältere Wanderer, die uns entgegen kommen. Sie gehen den Eifelsteig in mehreren Tranchen von Trier nach Aachen. Sie haben im Kloster Steinfeld übernachtet. Der eine ist weitgewandert und schwärmt uns u. a. vom Malerweg im Elbsandsteingebirge vor. Wir  verquatschen uns etwas, bevor sie auf der Bank entspannen können.

In Golbach ist der Kiosk wie gesagt geschlossen. Auch hier immer wieder schöne Fachwerkhäuser. Generell sind die meisten Häuser am Wegrand gut in Schuss.

Golbach, Fachwerkhaus

Wir sind nun nicht mehr weit von unserem Ziel entfernt. Auf dem Weg ein totes Wiesel. Wie es wohl umgekommen ist? Vom Fuchs geschlagen? Von einem Raubvogel gerissen? Herzinfarkt? Stoff für einen Eifelkrimi.

Totes Wiesel

Eine Rundbank im Schatten lächelt uns in Steinfelderheistert zu. Wer könnte da widerstehen?

Rundbank

Es geht jetzt noch in ein Bachtal und anschließend auf einem matschigen Pfad durch ein Wäldchen und wir erreichen die Mauer vom Kloster Steinfeld.

Wiese kurz vor Kloster Steinfeld

Dort herrscht reges Treiben im Café. Catherine kauft im Klostershop Paul Auster’s Vermächtnis Baumgartner, nachdem der Eifelkrimi fast ausgelesen ist. Endlich mal ein Buch, das wir beide lesen können (ich meine den Auster). Wir bewegen uns in Richtung Gästehaus mit sage und schreibe 130 Zimmern, von denen wir eins ergattert haben.

Ab 18h ist Vesperzeit im Refektorium am Kreuzgang. An dem Buffet gibt es diverse vegane Salate – viel mit Kichererbsen – sowie eine Frikadelle mit Kartoffeln. Insbesondere das Klosterbier schmeckt ganz hervorragend. Die anderen Gäste sind meist Seminar- bzw. Schulungsteilnehmer. Es wird hier auch viel meditiert. Uns bekannte Eifelsteigwanderer sehen wir nicht.

Ich falle wieder um halb 10 ins Bett. Die einschläfernde Wirkung der zwei Biere ist phänomenal.

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4029

Juli 16, 2024

Knistern im Gebüsch

Zaubertrank wird aufgekocht

Genug für alle

[Jon Hassell – Passage D. E.]

4028 Der Schrei

Juli 16, 2024

Gelbes Oval: Maar

Grüner Hintergrund: Bäume

Gelber Schlenker: Weg

Eifelsteigmarkierung

4027

Juli 12, 2024

Die Atemzüge

nach dem Klingeln des Weckers

Pure Entspannung

4026

Juli 11, 2024

Anderthalb Stunden

zum Mittelmeer. Fünf Stunden

Berlin nach Eschborn

4025

Juli 11, 2024

Nicht lang ist es her

Wir saßen zuhause rum

Aufs Ende wartend

[King Krule – It’s All Soup Now]

4024

Juli 9, 2024

Freiplatzsysteme

Bulette und Currywurst

Bootsfahrt auf der Spree

4023

Juli 7, 2024

Hoppla, hier komm ich

Ihr könnt sagen, was ihr wollt

Ich weiß, was ich will

[Bob Dylan – I Want You]

4022

Juli 7, 2024

etwas anreißen

nie in die Tiefe gehen

zum nächsten Thema

4021

Juli 6, 2024

Ein Duft, der betört

Der Lavendel macht sich breit

Die Hummeln freut es

4020

Juli 6, 2024

Das Leben danach

in den Griff kriegen wollen

Ein Tag im Baumarkt

[Denis Pfabe – Die Möglichkeit einer Ordnung (Bachmannwettlesen]

4019

Juli 6, 2024

Angekommen sein,

wo man losgegangen ist

und weiter zu sein

[The Beatles – Here, There and Everywhere]

4018

Juli 5, 2024

Die Welt ist düster

Bandoneon, Gitarre

Hochzeit im Himmel

[Dominic Miller – Ténèbres (von Absinthe)]

4017

Juli 5, 2024

Auf der Pergola

Eichhörnchen richtet sich auf,

taucht in die Hecke

4016

Juli 4, 2024

Ein Bier und die Welt ich bin

– die Wirkung kleiner Dosen –

eine andere ein anderer Mensch

4015

Juli 4, 2024

Fettjoghurt und Skyr

Charentais-Melone, reif

Erfrischung, süßweich

4014

Juli 4, 2024

Direkt über uns

weit und breit die Einzige

Sie regnet sich ab

4013

Juli 4, 2024

Auf dem Wiesenweg

Zig Kirschkerne in Losung

Der Dachs ist nicht weit

4012

Juli 4, 2024

Inbrünstiger Ton

Auf Zehenspitzen spielen

Alles rausholen

[Oded Tzur – Renata]

4011

Juli 4, 2024

Zehn Liter Quader

Rotwein vom Jahresanfang

Schmeckt nun wie Sherry

4010

Juli 3, 2024

„Wieso muss der Typ

mich andauernd nerven

mit Gassigehen?“

4009

Juli 3, 2024

Das hat er gehört

als seine Wirbelsäule

unten hart aufschlug

[Robert Wyatt – Little Red Riding Hood Hit the Road]

4008

Juli 3, 2024

Der Himmel reißt auf

Das Augenlicht versengt von

gleißender Sonne

[Robert Wyatt – Little Red Riding Hood Hit the Road]

4007

Juli 2, 2024

Vor uns ein Raucher

Wir folgen narkotisiert

Süße Sillage

4006

Juli 2, 2024

Ein Sack voll Haiku

Geistesnahrung für die Fahrt

ans andre Ufer

4005

Juli 2, 2024

Die Löffel senkrecht

Meister Lampe im Maisfeld

Die Elster fliegt auf

4004

Juli 2, 2024

Alkproblem gelöst

Quantum täglich 20 Gramm

Vom Mund abgespart

4003

Juli 1, 2024

Es wabert um uns

Eine weibliche Stimme

Sie flüstert ins Ohr

[Loma – How It Starts]

4002

Juli 1, 2024

Altkönig im Dunst

Davor dunkle Wolkenfront

Wir werden klatschnass

4001

Juni 30, 2024

Warm piano tune

Dreamy sax out of the mist

Northern wistfulness

[Keith Jarrett’s European quartet with Jan Garbarek – My Song]

4000

Juni 30, 2024

Große Schwarzkirschen

Verlassene Plantage

Unwiderstehlich

3999

Juni 30, 2024

Hinter der Wiese

Ein schnell fließendes Flüsschen

Vorsicht, die Rhume!

[Teenage Fanclub – Everything Flows]

3998

Juni 30, 2024

Tolles Liebesspiel

der kleinen Kohlweißlinge

auf Sonnenstrahlen

3997

Juni 30, 2024

Der Krieg reißt Wunden

in den Seelen der Menschen,

die nie verheilen

[Tijan Sila – Der Tag, an dem meine Mutter verrückt wurde (Bachmannpreisgewinner)]

3996

Juni 30, 2024

In ihrer Kehle

lodert eine Stimme, die

Seelen schmelzen lässt

[Gwen McCrae – Let’s Straighten It Out]

3995

Juni 30, 2024

Füße Bleikugeln

In mein Tempo ergeben

Schwül. Niesel hört auf.

3994

Juni 28, 2024

Nicht quatschen, machen

Energieexplosion

Wenn Punk ins Ohr geht

[Buzzcocks – Boredom (demo)]

3993

Juni 28, 2024

Zwei Atemzüge

Der Erste und der Letzte

Lebensleistungen

[Ulrike Haidacher – Schwestern (Bachmannpreis)]

3992

Juni 27, 2024

Entspannte Stimmung

in Olydorf-Teestube

in 85

[Dire Straits – Telegraph Road]

3991

Juni 27, 2024

A long time ago

Your voice helped me to get through

times of lovesickness

[Sally Barker – Nocturnal Visions (snippet)]

3990

Juni 26, 2024

Tänzelndes Klavier

Gelassene Trompete

Diesige Stimme

[Chet Baker – Let’s Get Lost]

3989

Juni 24, 2024

Schön und jung und stark

Gib mir ein Brett zum Tanzen

Nimm dir, was du willst

[DAF – Verschwende Deine Jugend]

3988

Juni 21, 2024

Wenn der Diktator

dieses Lied hören würde,

statt Krieg zu führen…

[Robert Wyatt – Shipbuilding (Elvis Costello)]

3987

Juni 18, 2024

Himmlischer Soul-Groove

Danke für Deine Musik

Sie ändert die Welt

[Meshell Ndegeocello – Love vom neuen Album No More Water. The Gospel of James Baldwin, das am 2.8. erscheint]

3986

Juni 15, 2024

Baumstamm im Schatten

Literflasche H2O

Mehr brauchts nicht zum Glück

3985

Juni 14, 2024

Werde angeschnorrt,

Menschen reden ins Handy,

mit mir spricht keiner

[F-Hbf]