Über Abendrot
neben strahlender Venus
steht rechts Mondsichel.
Über Abendrot
neben strahlender Venus
steht rechts Mondsichel.
Herbstsonne zeichnet
bewaldete Hügel weich
im Herzen Deutschlands.
Theaterdonner.
So ’ne Leber, kein Rückgrat.
Der Rest ist Schweigen.
[Klaus Pohl liest Sein oder Nichtsein]
Sie haucht Leben ein
in alles, was sie anfasst.
Und ganz viel Seele.
Junger Schwede reist
durch ein Land in Ruinen,
schildert das Elend.
[Stig Dagerman – Deutscher Herbst]
Schonungslos notiert.
Wie graue Zellen langsam
zu Schlamm mutieren.
[Michael Buselmeier – Elisabeth: Ein Abschied]
Von Ast zu Ast springt
das Eichhörnchen, fällt runter.
Unten steht ein Hund.
Sägegeräusche.
Oben in Eiche baumelt
ein Eichhörnchenschwanz.
Aufwachen! Endspurt!
Fuzz guitar blues riff maelstrom.
Sprung in Jungbrunnen.
Duft, süßlich-rauchig.
Naturschutzbund-Holzfeuer.
Pfeife, wo bist du?
Augentropfenbad.
Gel kühlt juckende Lider.
Abtupfen mit Pad.
Orgelstimmender
bibelfester Apostat
versteht die Frauen.
[Maarten `t Hart – Der Nachtstimmer]
Seit ich wählen darf,
weiß ich nicht, wen ich wählen
soll. Auch dieses Mal.
Ein graues Cover,
erinnert mich verdammicht
an Unknown Pleasures.
[Low – Hey What]
Nehme ab sofort
Beschwerden über Dritte
nicht mehr entgegen.
Anfangs geschwätzig.
Dann wird man reingezogen.
Was ist sein Problem?
[Emmanuel Carrère – Yoga]
Brett samt Figuren
falten, in den Kopf schieben,
Züge durchspielen.
Morgenfrische-Jog.
Fenchel-, Kamillendüfte.
Spätsommer gibt Gas.
Trotten im Tunnel.
Kurze Rast mit Eiskaffee.
‚A new man was born…‘
Nach dreißig km.
Jeder Schritt ein Schmerzexzess.
Am Morgen voll fit.
Zähle vier Uhr früh
wie oft ich beklaut wurde.
Im Türschloss knackt es.
Ich stürze täglich.
Falle aber immer „weich“.
Wie ein Judoka.
Plausch mit alter Frau.
„Vorsicht! Bitte stürzen Sie nicht!“,
warnt sie am Ende.
Oft dahingeschleppt.
Weg mäandert. Rauf. Runter.
Viel zu viel Asphalt.
Schonungsloser Blick
auf Vergreisung und Demenz.
Rollentausch. Heimkehr.
[Claudia Wolff – Letzte Szenen mit den Eltern]
Nach dem Aufmachen
der Müslibox flattern mir
Motten entgegen.
ebener asphalt.
kollidiere mit bordstein.
fall ohne folgen.
am frühen morgen.
ich hole einen sandstrand
aus meinen augen.
fünfzehn minuten
zwischen den kirchturmschlägen.
zeit zum wegdämmern.
pure erfrischung.
kühles, süßes, rotes fleisch.
wassermelone!
ein schrei aus dem nichts.
catherine rettet schmetterling
just aus spinnennetz.
gute laune rat.
tv und internet aus.
einfach losgehen!
wassermelone
nach zwanzig sonnen-km.
himmel auf erden.
abstecher machen,
um den weg zu genießen.
etappen kürzen!
mit dem wanderweg
stimmt was nicht, wenn wegen uns
die autos halten.
[Erste Stunde auf dem EB raus aus Oelsnitz]
wasser in oelsnitz
schmeckte wie korkiger wein
ohne alkohol.
so locker flockig
gewandert heute und doch
blase bekommen.
Gitarrenloops, die
von den Grillen da draußen
sanft umzirpt werden.
[Rachika Nayar – august 31st via aquarium drunkard auf Ohrhörer in Markneukirchen im Zimmer bei offenem Fenster]
Kurzer Stopp auf Weg.
Bruchwald an Weißer Elster.
Mückenschwarmangriff.
Zur Hirschraufe hoch.
Wiesenwaldweg bedeckt mit
zig Pfauenaugen.
Im lichten Wald. Stopp!
Am Wegesrand Himbeeren.
Überreif. Ein Traum.
Kreise, konzentrisch.
Auf den Pfützen am Rennsteig.
Der Regen ebbt ab.
Der Himmel bedeckt.
Ein Haufen Haufenwolken.
Die Sonne blendet.
Geflissentliche
Missachtung von Furzlauten
älterer Leute.
Mir Tatoos bedeckt,
Sonnenbrille, Muscle Shirt.
Der Möbelpacker.
Starkregen. Null Sicht.
Strohgelbe Stoppelfelder.
Wohin rasen die?
Rastplatz Rodablick.
Zwischen parkenden Autos
Sicherheitsabstand.
Sommerabend, lau.
Morgens ans Bett genagelt.
Eibe geschnitten.
Amsel pickt Krümel
unter Eichhörnchennussbar.
Berührungspunkte.
Amsel pickt Würmer.
Eichhörnchen vergräbt Nüsse.
Parallelwelten.
Ein Zusammenspiel
von Händen, Augen, Gehirn,
Bällen und Schwerkraft.
Morgenwiesentau
kriecht in Sandalen hinein,
kühlt nackte Füße.
Ausblick verschiebt sich.
Burg Falkenstein, Ort, Schornstein,
Kronberg, Altkönig.
Schach, eine Mischung
aus Gefühl, Berechnung und
Gedächtnisstärke.
[Ellis Schatztruhe: Dynamische Intuition und visuelle Vorstellungskraft]
Raubvogelschreie.
Lärm heumähender Trecker.
Wiesenzirpkonzert.
Auf der Haselnuss
sitzt’s Rotkehlchen und zwitschert
seine Nachtmusik.
Hündin galoppiert
mit wehenden Schlappohren
über Fettwiese.
Auf Bahnübergang
stoppt Hündin und hält Ausschau
nach links und nach rechts.
Auf Ergometer
klatschnass geschwitztes Handtuch
völlig auswringen.
Hundebellen schreckt
Eichhörnchen auf Wiese hoch.
Kopf gereckt und ab!
Drei Sonnenstrahlen
durchstoßen Wolkendecke.
Der Himmel reißt auf.
Die Sennenhündin
weicht vor dem Kapuzenmann
im Regen zurück.
In rot, grün, gelb, blau
umtänzeln sich in der Luft
drei Lederbälle.
Auf die Netzhaut plumpst
und verteilt sich gleichmäßig:
ein Augentropfen.
Schokolade mit
neunundneunzig Prozent ist
mehr bitter als süß.
Terpentingeschmack.
Eiskalt. Geharzt. Retsina.
Kein Wein haut so rein.
Klingeln und rufen
werden vom tiefen Schnarchen
völlig übertönt.
Drei Polizisten
mit Masken vorm Nachbarhaus
um acht Uhr morgens.
Feuchte Obstwiesen.
In Sandalen unterwegs.
Schmatzende Sohlen.
Blitz, Donner, Regen.
Draußen geht die Welt unter.
Im Haus geborgen.
Sie legt sich ins Gras
und guckt zu wie das Frauchen
ihr Geschäft einpackt.
Reichlich tummeln sich
in der Brennnesseljauche
Albino-Würmchen.
Am Kellereingang
Nest mit totem Rotkehlchen,
Frosch, mumifiziert.
Unter dem Kirschbaum
futtern Adam und Eva
halbreife Früchte.
Odenwald im Dunst.
Falke und Mäusebussard.
Herrscher der Lüfte.
Junge beschleunigt
Fahrrad auf volles Tempo
und fährt Treppe hoch.