Fahrt durch Schneelandschaft
mit Kindergesang im Ohr.
Es weihnachtet sehr.
Fahrt durch Schneelandschaft
mit Kindergesang im Ohr.
Es weihnachtet sehr.
Autobahnblindfahrt
im weißen Nebelkokon
über Elbbrücke.
In Deutschland wären
die Impfskeptiker:innen
eine Volkspartei.
Morgens um sieben
sich das Ohr streicheln lassen
am Strand von Rio.
Einfach losgehen.
Die Ängste zurück lassen.
Sich die Zeit nehmen.
[Gespräch mit Rebecca Maria Salentin über den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest]
Alles vermasseln.
Tief im Schlamassel stecken.
Nur Massel haben.
Beim Orthopäden
neunzig Minuten warten
und der Groll legt sich.
Der Typ, der abends
zehn Runden um den Block läuft
in kurzer Hose.
Blanke Todesangst
in den winzigen Äuglein.
Die Freiheit suspekt.
Dem Kuchengeruch
sechs Tage widerstanden.
Klappe zu. Maus lebt.

Eine Frau flüchtet
im Wald an einer Lichtung
auf einen Hochsitz.
[Karen Köhler – Wild ist scheu, Hörspiel]
Vom Himmel kommend
steigt’s Eichhörnchen Apfelbaum
zur Erde hinab.
Morgendämmerung.
Hochdimmen des Tageslichts.
Sonne-Erde-Spiel.
Morgendämmerung.
Nobles Geschenk der Sonne:
ein raureifer Tag.
Abends Ingwertee.
Mit leerem Magen ins Bett.
Freuen aufs Müsli.
Der Apfelbaum kahl
bis auf die letzten Blätter,
die im Wind zittern.
Funky Antidot
zum trüben Novemberblues.
Gib mir mehr Wah Wah.
gut abgehangen.
bitte nicht warten lassen.
mit kristalldepot.
[Château Bégadanet 2012, Médoc]

Von der Senkrechten
in die Horizontale
im Dunklen im Nu.
Sturkopf, großmäulig.
Vier deutsche Staaten erlebt.
Völlig irrer Typ.
Orgeldrones pushen
zu Hundertertrittfrequenz
auf Ergometer.
Mundharmonika
streichelt waidwunde Seele.
Ein Bad in Streichern.
[John Barry – Theme from Midnight Cowboy with Toots Thielemans]
Junge Frau fixiert
lichte, graue Haarlocke
beim Mittagessen.
Kein Licht im Regen.
Dynamorädchen steht still.
Gleitreibung zu schwach.
sie impft sich. sie impft
sich nicht. sie impft sich. sie impft
sich nicht. sie impft sich.
die seele verkauft
und nicht viel dafür gekriegt
in fausts fußstapfen
Wo sich Video
und Musik perfekt matchen.
Party icebreaker.
Eingesogen von
trock’nen, juckenden Waden:
die Körperbutter.
Fragen an Tanke.
Ist Super E5? E10?
Zahlt man mit Karte?
Tief am Himmelszelt.
Eine reife Banane.
Zum Pflücken bereit.
Die Hündin hechelt.
Die Kirchenglocken läuten.
Es raschelt das Laub.
Novembersonne
bricht durch geschlossene
Augenlider durch.
Tiefe Dunkelheit.
Sennenhund rennt ins Gebüsch.
Rufe verhallen.
Erst Autorauschen,
Bachglucksen, Flugzeuggrollen,
dann Wildgansschreie.
Von Ziegen, Schwänen,
Mauerseglern, Nachtschwalben,
Ameisen, Hasen…
[Helen Macdonald – Abendflüge]
Aus dem Springbrunnen
sprudeln bunte Fontänen
aus Jonglierbällen.
Dem Gehirn einfach
auf die Sprünge helfen mit
Freude, Leichtigkeit.
Vorne ein Muscat.
Zum Hauptgang roten Bordeaux.
Abschluss mit Pastis.
Baumsilhouetten
schälen sich aus Frühnebel.
Sinke ins Geläuf.
[20:22]
Furchtlos springt Winston,
der junge Cockerrüde,
Sennenhündin an.
Modriges Bukett.
Bordeauxfarben, pflaumig, rund.
Auf dem Apogée.
[Château Fontesteau 2014, Haut-Médoc]

Eigentlich müsste ich das Laub im Garten zusammenrechen, aber ich warte erstmal die Langzeitstudien ab. [Kiezschreiber]
Sennenhündin sitzt
anhänglich-aufdringlichen
Cane Corso aus.
Ein Tag, an dem man
das Abblendlicht des Wagens
nicht ausmachen muss.
Ein wärmender Groove.
Die Flöte ist der Star hier.
Lebensfreude pur.
Mit offenem Ohr
begleitet Sohn die Mutter
auf dem letzten Weg.
[Jürgen Wiebicke – Sieben Heringe]
Elfhundert km.
Gut zwei Stunden Verspätung.
Mit Bahn durch Deutschland.
Eine Tankfüllung
für elfhundertelf km
bei hundertzwanzig.
Vom Taunus her fliegt
ein schnatternder Graugansschwarm
über uns im Kreis.
So viele wie nie
auf dem sinkenden Schiff trotz
Fluktuation.
Radler von links fällt
weil alle Vorfahrt haben,
aber keiner fährt.
Eine Schwäche für
neunundzwanzigjährige
Frauen besitzen.
Notorisch gereizt.
Notorisch unterschlafen.
Notorisch schlecht drauf.
Beide Zahnreihen
mit Drachenblut versiegelt
in zwei Minuten.
Zigarettenrauch
aus Etage unter mir
hängt in Nase fest.
Kaninchenblumen.
Leuchtende Gassigeher.
Jog ins Morgenrot.
Gespaltene Nacht.
Vier Stunden geschlafen, dann
vier Stunden gewacht.
„Ich muss los!“, ruft sie
und springt flugs mit dem Hündchen
über die Straße.
Spüre schon wenig.
Früher war ich stolz darauf,
viel zu vertragen.
Von der Dämmerung
in das Morgenlicht gejoggt.
Wolkendecke dicht.
Ein Falke, ganz nah,
auf einem Pfosten thronend.
Die Hündin sieht nix.
Rauhreif auf Wiesen.
Hänger voller Pferdemist.
Dampfschwaden wabern.
Nach Sonnenaufgang
durch feuchte Wiesen gestreift.
Füße unterkühlt.
Ganz im Hier und Jetzt.
Anders priorisieren.
Stimmungen spüren.
Streicheln angesagt.
Kondensstreifen kreuzen sich.
Fallobst riecht süßlich.
Drehe Laufrunde,
sehe fern am Horizont
Sonne aufgehen.
Gellende Schreie
Am Himmel Kranichschwärme
Nach Süden ziehend