Der alte Wein schmeckt
in einem anderen Schlauch
bittersüß wie je.
Der alte Wein schmeckt
in einem anderen Schlauch
bittersüß wie je.
Hoher Ruhepuls.
Warm. Anfangs langsamer Tritt.
Durchgebissen. Yeah!
In Streuobstwiese
erste Süßkirsche probiert.
Kann man schon essen.
Endlich blüht der Mohn.
Felder mit roten Sprengseln
und solche ohne.
Keller ist wärmer
als andere Etagen.
Sommer macht Pause.
Nach der Wiesenmahd:
Inmitten der Saatkrähen
stolziert ein Reiher.
Im Hängesessel knapp über der Grasnarbe liegend.
Auf den lang ausgestreckten Füßen, leicht unterstützt von der Gesäßmuskulatur, um die eigene Achse rotierend.
Die perfekte Fusion von Bewegung und Stillstand, absolut süchtig machend.
Der Amselfrau bei ihrem ausgiebigen Bad in der Vogeltränke zuguckend wie sie das Wasser aus ihren Federn schüttelt und danach ganz zerzaust am Kopf ausschaut.
Die roten Rosen und die hohen, übereinander hängenden rosa-violetten Blüten des Fingerhuts, beide sowohl bei uns als auch beim Nachbarn, bestaunend.
Der Ringeltaube mit dem grün schillernden Halsfleck zuschauend, die ein paar Meter entfernt auf dem Rasen herumspaziert, sich aber nicht in meine unmittelbare Nähe wagt.
Dazu ein im Oktober 2020 abgelaufenes alkoholfreies Weißbier ohne Kohlensäure süffelnd.
Die Seele baumeln lassend, nichts tuend, nur Passagier seiend.
Das alles bei 29 Grad.
Ausguck: „Land in Sicht!“
Wir fangen von vorne an.
In der neuen Welt.
Das alte Schachbrett aufgeräumt und unter dem alten Holztisch verstaut. Nicht ein Mal wirklich gespielt sondern die Figuren willkürlich aufgestellt, weil man da noch Kind war. Der Turm in der ersten Reihe und die Bauern alle beim Namen genannt. Das Holzbrett schon ganz verbogen wie eine hügelige Landschaft. Und rollt und rollt, so wie das Mädchen die Wiese hinunter.
Sperlinge zwitschern,
S-Bahn hupt und rauscht vorbei,
Waldtauben gurren.
Vom Teich des Nachbarn
tönt Froschgequake rüber.
Sommerabend, lau.
Mit achtzehn Euro
befreit aus kafkaeskem
Impfzentrumsstillstand.
Lange Schürfwunde
am Schienbein nach missglücktem
Mini-Trimm dich-Sprung.
Auf Weg verirrtes
Maulwurfjunges gemeinsam
ins Feld geleitet.
Vor uns ein Hänger.
Heuballen bis zum Himmel.
Der Falke im Feld.
Kopfkinogeschwätz.
Selbst Gretel Adorno kann
den Text nicht retten.
[Andreas Maier – Die Universität]
In Streuobstwiesen
den kühlen Sommermorgen
am Schopfe gepackt.
Wir hören Musik,
der Resonanz wegen, um
nicht allein zu sein.
[frei nach Rick Rubin in diesem phantastischen Gespräch mit Brian Eno im Rahmen seines Podcasts Broken Record]
Wieso sind’s so oft
die traurigen Musiken,
die mich anziehen?
Erst über den Rhein,
danach Weser und Elbe
überquert gen Spree.
Wie die Sicht sich trübt
nach dem Öffnen des Auges
mit Gerstenkorn drin.
Letzte zwei Stunden
Autobahnfahrt nach Berlin:
Tiefenentspannung.
Schmerzmittel nehmen.
Und dann andere gegen
Nebenwirkungen.
West-, Ostdurchquerung.
Gerstenkorn schiebt sich direkt
vor die Pupille.
Auf der Autobahn
DHL- und Primelaster
statt der Flixbusse.
Fast unverändert.
Duze sie, jedoch nicht ihn.
Sie umarmt gestisch.
Eine der Nächte,
in denen man scheinbar nie
eingeschlafen ist.
Die Starrsinnige
und der Stolze machen sich
unnütz das Leben schwer.
Die Brille beschlägt
beim Sommermorgenjogging.
Nachschweiß strömt nur so.
Karnickel flüchtet
vor mir auf dem Weg und schlägt sich
spät in die Büsche.
Humanistische
Bildung feit nicht vor Absturz
in die Barbarei.
[Alfred Andersch – Der Vater eines Mörders]
Nachbar der Eltern
meint, ich wäre der Bruder
von meiner Mutter.
Fräulein erwidert
Morgengruß mit Kopfschütteln
unter Kopfhörer.
Kleiner Zaunkönig
schmettert in höchsten Tönen
sein Lied in die Welt.
Gleichgewicht halten.
Je langsamer ich gehe,
desto labiler.
Karnickel verschreckt.
Kornweihe vom Ast verscheucht.
Am Moersbach gejoggt.
Leute sind dankbar,
wenn man Hündin sagt, sie soll
zur Seite gehen.
Morgens in Frankfurt.
Wanderschuhe, zwei Bücher.
Einkaufsorgie.
Der Rauhhaardackel
springt die Sennenhündin an.
Kein Kamikaze.
Gelbschwarze Federn.
Kaum was übrig vom Stieglitz.
Die Katze war da.
Bauer mäht Wiese.
Drei Schwarzmilane kreisen
über Mammolshain.
Sommer in der Luft.
Die Hündin verkuppelt uns
mit fremden Menschen.
In dem Schlafzimmer
riecht es nach Kürbiskernen,
pfannengeröstet.
Am Abendhimmel
auf östlichem Wolkenmeer
zarter Rosaflaum.
Die Mensch-Maschine
und das Radergometer:
Hochzeit im Himmel.
In Regenpause
tausenden Gänseblümchen
Kopf abgesäbelt.
Die Unteilbarkeit
des körperlichen Schmerzes
nicht akzeptieren.
Manche kommen erst
in der Kiste zur Ruhe.
And’re beim Gehen.
Hatte es geahnt
als ich vor sechs Monaten
die Weste anzog.
Draußen nass und kalt.
Ab in die Badewanne.
Im Schaum versinken.
Eine Schwalbe macht,
tieffliegend über Grasland,
noch keinen Sommer.
Nach Regenschauer.
Ein Raubvogel steigt hoch auf
vorm Regenbogen.
Dunkle Wolkenfront.
Schauer unter Baum verbracht.
Ein Regenbogen!
Unter seinem Schweif
bleibt das Eichhörnchen trocken
im stärksten Regen.
Ich mache das Bett.
Deine Körperwärme steigt
aus Decke hervor.
Wir geh’n um vier los.
Aus dem Wald kommen Grüppchen.
Das Tröpfeln beginnt.
Rostroter Tarzan
springt vom Ahornzweigende
rüber zur Eibe.
Deutsch sein heißt, einen Weltkrieg nicht um sechs Uhr, sondern um 5 Uhr 45 zu beginnen. [Kiezschreiber]
Wenn du Deutschland liebst, dann besuche es lieber nicht. [Jorge Luis Borges laut Christian Kracht]
Schafgarbe, Salbei,
Löwenzahn, Margerite
und Butterblume.
Erst als ich weglauf,
bellt der Hund, den ich joggend
überholt habe.
Vertrauen zeigen.
Gelassenheit bewahren.
Positiv denken.
Starkregen prasselt
auf versperrte Klappläden.
Ein Donnerschlag kracht.
Die letzte Ziffer
der Uhrzeitprojektion
switcht von drei auf vier.
Klappläden klappern.
Der Wind heult wie ein Schlosshund.
Grollender Donner.
Sonne und Wolken.
Der Eichhörnchenschwanz flattert
im strammen Westwind.
Richtig ausatmen,
um genug Platz zu schaffen
für den Sauerstoff.
Durch das hohe Gras
pflügt ein Delfin verkleidet
als Sennenhündin.
Werfen statt denken.
Mit den Bällen verschmelzen.
So geht Jonglieren.
Sieben Stunden Schlaf.
Glück des Ausgeschlafenseins.
Das hat mir gefehlt.
Quakkonzert im Teich.
Die Frösche treiben es wild
trotz Aprilwetter.
Die ersten beiden
Houellebeqs getauscht gegen
Bieneks Die Zelle.
Zwei Turmfalkinnen
holen Geschlechtsgenossin
auf Nachbardach ab.
Von Telefonmast
zu Telefonmast schwingt sich
der Mäusebussard.
Dräuender Himmel.
Blick von neuer Baumstammbank
auf Kronberger Burg.
C. und die Hündin
schlagen laufend ’ne Schneise
durch das hohe Gras.
Die Sennenhündin
verschwindet im hohen Gras
der Magerwiese.
Hundebeschwörung.
C. nestelt an Bauchtasche,
holt Lammlunge raus.
Warten auf Godot,
die Nabu-Vogeltafel
eifrig studieret.

Der Regenbogen,
aus dem Boden aufsteigend,
gewinnt an Farbe.

Traurige Weise,
von Klavier sacht angespielt,
das nicht allein bleibt.
Mandelaugenkind,
bedrängt von Sennenhündin,
die es beschnüffelt.
Der Blick des Falken
auf dem Anhängergitter
schweift über das Feld.
In Regentropfen
im Hundefell spiegelt sich
der Regenbogen.
Auf Treppenstufe
liegende Blüte stellt sich
als Amselkot raus.
Junge Amselfrau
stattet uns Hausbesuch ab,
will gar nicht mehr weg.
Hornhaut, die nachwächst
auf langen Spaziergängen,
täglich abraspeln.