Knie hat gehalten
Kollegen kennengelernt
T-Shirt durchgeschwitzt
[b2run Berlin]
Traf auf Nachbarin
Sofort zum Wesentlichen
Ich sag nur „Yoga‘
Sie geht erst nach links,
dann wieder zurück nach rechts
Google maps sei Dank
Vom Buntspecht geweckt
Zug über ’ne Stunde spät
Frau hilft mit Koffer
Bei off’nem Fenster
Regen rieselt auf Rasen
Ein Zauberrauschen
Mäusebussardin
auf ’nem Baum, Mäusebussard
auf ’nem anderen
Nachbars Rollrasen
nun gelber als unsere
Wiese aus Unkraut
Das Reiherpärchen
– wilde Schreie ausstoßend –
schwebt über Bäumen
Die Schritte zügeln
als es zu regnen anfängt.
Den Tropfen frönen.
Voll in jedem Schritt
aufgehen, ganz ich selbst sein
und dann umknicken
Nach dem Untergang
pinselt die Sonne das Feld
in rotem Ocker
In dem Blumenbeet
erschnüffelt Labradorin
schlummerndes Fallobst
Wolkendecke dicht
Es fallen ein paar Tropfen
Auf den heißen Stein
Ein dünner Rotfuchs
schaut mir in die Augen und
flüchtet ins Maisfeld.
Der Briefträger kommt.
Hinter mir schnappt die Tür zu.
„Schlüssel vergessen?“
Durch die Luft gleitet
rauhe Schreie ausstoßend
der schwarze Milan
Mitten auf Wiese
der Boden trocken, steinhart
ein toter Maulwurf
Bouncing up and down
in waters far out in space
slowly in reverb
Morgens und abends
Eibenhecke geschnitten
Geschwitzt wie ein Schwein
Pastis avec eau,
Du milchig-trüber Schlaftrunk.
Don’t forget the rocks!
Zum Aperitif
Muscat mit Honigbukett
im Mund die Traube
Behindertes Kind
wartet mit Großeltern auf
Hündin hinterm Tor
Süße Brombeeren
leisten keinen Widerstand,
lassen sich fallen
Blättergeraschel
Oben im Baum ’ne Taube
Auf einer zweiten
Graureiher im Flug
’ne flüssige Nabelschnur
hinter sich lassend
Wenn das Blut anfängt
zu kochen draußen ohne,
dass man wütend ist
Mirabellen, reif
Schleierwolken, zartrosa
Milane, schwarze
Leute, die über
andere lästern, die noch
in Hörweite sind
Von Wiese entfernt
2 Tüten McDonald’s-Müll
Mit Profi gequatscht
Die Hündin trottet
durch das trockene Bachbett
bis zu den Pfützen
Joggerin lächelt
als Sennenhund trotz Appell
nicht aus dem Weg geht
Lockere Essays
über Leute und Orte,
sich selbst nicht schonend
[Paul Theroux – Figuren in der Landschaft]
Wiesen gelb verdorrt
Sonne brennt morgens um acht
Kühler Wind erfrischt
Mit einem Kopfsprung
ins seichte Wasser sterben
nur meist junge Männer
Hängengeblieben
bei Krankenhausserie
Sonst gar nicht mein Ding
[Doctor’s Diary auf RTL Up]
Wecker ausgestellt
Exakt um halb sechs erwacht
Die alte Weckzeit
Korrelation
zwischen Ausgeschlafenheit
und leichten Beinen
Körper- und Außen-
temperatur identisch
Wind: Teufelsatem
Unheimliche Nacht
Der Mond scheint helle und wirft
Schatten an die Wand
Wie superschnell mann
mit der Exfreundin wieder
in der Kiste liegt
In der Dämmerung
Tiefflieger an dem Waldrand
Hunderte Schwalben
Auf der Autobahn
Schwertransporter gen Norden
Teilweise verhüllt
Auf Überholspur
links von Motorradfahrer
überholt werden
’ne Blutorange
sinkt im Zeitlupentempo
hintern Horizont
Die Pfote hebend,
fauchend pariert die Katze
den Yorkshire-Angriff
Schwalben füttern Brut
auf der Telefonleitung
mitten im Fluge
Tiefe Traurigkeit
Nebelschwaden, Dunstschleier
Offene Weite
[Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aarset, Jan Bang – Tsirani Tsar (snippet)]
Schuhsohle löst sich
nach Regenguss ab und wird
mit Strick befestigt.
Eins mit dem Smartphone
Mädchen rührt Pizza nicht an
Karton als Rettung
Stetig Fuß vor Fuß
Sechshundert Höhenmeter
Nach Mariailles
Aufstieg zum Refuge
Langsame Bewegungen
Ununterbrochen
Im dichten Bergwald
Frischlinge, den Weg querend.
Wo ist die Bache?
Rauf zum Col de Jou
Traumaussicht am Goa-Turm
Verfluchter Abstieg
Drastische Szenen
zu Kriegsende, plastisch erzählt.
Familienforschung.
[Ralf Rothmann – Im Frühling sterben]
Morgenschwimmrunde
Wasser vierundzwanzig Grad
Am Strand von Racou
Befreit aufspielen
ohne Würfe zu zählen:
Jonglierhamsterrad
Karambolage,
Fangfehler, seitlicher Wurf,
Kein Fang-Wurf-Umstieg
Morgenluft schon lau
„Kalte“ Dusche erfrischt noch
nach Joggingrunde
Wenn die drei Bälle
die beiden Hände spielen,
geht’s Jonglieren los.
Glutofenhitze.
Wie groß sind eure Sünden,
Jakobswegpilger?
Traf Dich zuletzt vor
fünf Jahren. Jetzt bist Du tot.
Mit fünfundzwanzig
Wer bei diesem Lied
nicht vollkommen dahinschmilzt,
hat ein Herz aus Stein.
Nach Zähneputzen
Schweiß im Waschbecken lange
abtropfen lassen
Um sieben gejoggt
Thermofenster ausgenutzt
Bachstelze fliegt vor
Kassiererin hält
meinen Französischversuch
für ’ne Fremdsprache.
Französisch lernen
hätte unendlich viel mehr
Spaß machen können
In Zelle schreiben
In Gruppe drüber sprechen
Verrohung stoppen
Ist das noch Sommer
bei siebenunddreißig Grad?
Oder schon Hölle?
Schweiß rinnt in Strömen
Sofa wehrt sich dagegen,
zum Bett zu werden
Letzter Sonnenstrahl
Canigou im Dunst vor uns
Schwenk zu den Albères
Der Fenstervorhang
bewegt sich im Morgenlicht
vom kühlen Luftstrom
Vor Sehnsucht klopft’s Herz.
Wir tanzen auf den Wolken.
Immer im Kreise.
[Erik Satie – Pièces froides II. Danses de travers 2. Passer (Two Lane rework)]