Seifenblasenschwert
Die kleine Philharmonie
U-Bahn-Lüftungsschacht
Davon zu träumen,
aufgeweckt zu werden von
dem Weckerklingeln
Das orange Fleisch
der Cantaloupemelone:
weiche Erfrischung
Am Autobahnrand
Totgefahrene Katzen
Zur Seite geschafft
Aus der Karaffe
steigt ein Duft von Keller und
Fermentation.
[Château de Rochemorin 2016, Pessac-Léognan]

Im Hängesessel
mit Pomuskeln rotierend
unterm Apfelbaum
Im Haselnussbaum
sitzt das Eichhörnchen und sägt
unreife Nüsse.
Mit jedem Tropfen
besser werdend, kann noch nicht
ganz überzeugen
[Château de Barbe Blanche, Lussac-Saint-Emilion, 2016]
Dachdecker rastet
an Apfelbaumstamm gelehnt
morgens im Schatten
Komplexe Struktur
Waldfrüchte streicheln Gaumen
Noch ausbaufähig
[Madiran Tannat Paradox 2018]

Dachdecker startet
im Schatten des Apfelbaums
den Tag mit Frühstück.
Weiche Stimme liest
vom Kampf des jungen Selbst mit
unwirtlicher Welt.
[Werner Herzog – Vom Gehen im Eis (Hörbuch)]
Vor uns der Taunus
Auf der Wiese Heuballen
Sisyphus, your turn
Kaum Wasser im Bach
Japanischer Knöterich
wuchert den Weg zu
Sennenhündin macht
auf kurz gemähter Wiese
Eskimorollen
Um fünf Uhr elf wach
Singdrosselmorgensolo
Emmy pflückt Äpfel
Malteserwelpe
beschnuppert unbefangen
die Sennenhündin
Die Grillen zirpen
Die Wespen schlafen im Nest
Laue Sommernacht
Einsamer Morgen
Jog durch gemähte Wiesen
Im Heu versunken
Das Lied zum Sommer:
schon zwei Jahre alt und noch
immer erfrischend
Auch ich bin ein Krebs,
der gern angreift, bevorzugt
per Königsgambit.
Mit jedem Menschen,
der sich dieses Lied anhört,
wird die Welt besser.
In die Nase steigt
der Geruch frischer Farbe
nach Fensteröffnen.
Mir fällt es leichter
ein hartes Ei mit links als
mit rechts zu schälen.
Nach Sport kalt duschen
und nie mehr damit aufhör’n,
zum Fisch mutieren
Lauter Schlag auf Rad
Sattelstützenklemmbolzen
hat es zerbröselt
Gekochte Penne
flutschen aus den Fingern wie
glitschige Fische
Erst mit den Fingern
schnipsen gelernt, als es mir
nichts mehr gebracht hat.
Schickes Blumenkleid
Breites Sunny Girl-Lächeln
Der Tag gerettet
Gedankenlosen
Türknaller auf frischer Tat
erwischt und gestellt.
Kwas sieht aus und schmeckt
wie Cola, süßlich bitzelnd
und riecht malzig streng

In den Tag geträumt
mit Trompetenmelodie,
hauchzart fortschwebend
In diesem Leben
möchte ich Lili Marleen
nie wieder hören.
Waldseegottesdienst
mit Kinderschmetterlingen
und Gospelabschluss
Auf den Standstreifen
weicht Wagen vor mir aus, will
mich vorbeilassen.
Wie die Unterschrift
nach rechts oben abdriftet
nach zehntem Encore.
Wie Du Dich opferst,
um uns nicht zu blamieren
nach dem Namen fragst.
And’re Autos und
Verkehrsschilder erkennen.
Rote Ampeln nicht.
Auf der Suche nach
dem Netzwerkdrucker, auf dem
Dokument rauskommt.
Sekundenblackout
Stochern im Namensnebel
In Boden geschämt
Eichelhäher trinkt
Knisternde Stromleitungen
Saurer deutscher Wein
Kaninchen en masse
Elektrorollstuhlfahrer
Drei Walkerinnen
Keinen Berg zwischen
Eisenach und Budapest
zu Fuß auslassen.
[Rebecca Maria Salentin – Klub Drushba]
Das Stöckchen im Maul
des and’ren aufregender
als das im eig’nen.
Mit Maul pflückt Emmy
von tief hängenden Zweigen
unreife Äpfel.
Emmy voll verwirrt
als ich plötzlich zwei „Stöckchen“
in der Hand halte.
Auf dem Bärenmarkt
gibt es nach dem Kursverfall
keinerlei Rebound.
Kollege ruft an,
fängt plötzlich an, zu stottern.
Fühle mich hilflos.
Nächsten Atemzug
überspringen, loslassen.
Welche Befreiung!
Bestes Antidot
gegen Depressionen:
’ne Stunde gehen.
Die Malven blühen
Der Sperber im Rüttelflug
Zwei Bücher verschenkt
Am besten schläft man
mit dem Kopf und den Füßen
in Nord-Süd-Richtung.
[Bernd Brunner – Die Kunst des Liegens]
Mit jedem Laufschritt
klebt nasses T-Shirt fester
an Oberkörper.
Loblied auf Menschen,
die Hundekot anderer
Leute entsorgen.
Die Asymmetrie
zwischen P. und Millionen
macht mich wahnsinnig.
Maler kommen früh,
malen Fassade beige-gelb
in rund vier Stunden.
fast erwischt werden
bei etwas, bei dem man noch
nie erwischt wurde
Entgegen kommt uns
junger Mann, ist plötzlich weg,
sitzt auf dem Hochstand.
Aus dem Gebüsch stürzt
ein Reh zur Blumenwiese
und springt meterhoch.
Die Sennenhündin
geht weit in das hohe Gras,
wälzt sich auf Rücken.
Das leise Knarren
der Holzfassadenbretter
von Wespenfüßen
Auf nur einem Bein
mit drei Bällen jonglieren:
noch Luft nach oben
Quietscht die Schuhsohle?
Nein, der Rauchmelder wimmert:
Schwache Batterie
’ne Stunde Arbeit
30 Minuten Pause
Ruhe bewahren