Das Vertrauen weg
mit Diktaturerfahrung
Welt doppelbödig
Das Vertrauen weg
mit Diktaturerfahrung
Welt doppelbödig
Die Tankwärtin dreht
an der Preisschraube immer,
wenn ich aufkreuze
Ihrem Blick gefolgt:
In Liegestützposition,
Frauen auf Wiese.
Öffne dich! Sei nackt!
Und auch dein Gegenüber
wird sich dir öffnen.
Das Rhythmusherz schlägt
Töne, in der Luft hängend
Lang lebe Talk Talk!
Lösbar oder nicht?
1 e4, im fünften Zug
Springer schlägt Turm matt
Die Nachbarshündin
jauchzt und tanzt um uns rum, wenn
wir rüberkommen.
Wenn die Gitarre
und die Stimme wetteifern
um mehr soulfulness.

wieviel freude man
anderen lebewesen
zum schluss machen kann
In V-Formation
Riesige Wildgansschwärme
ziehen gen Westen
Vom Nachbarn geschenkt
Grüne Weintrauben mit Kern
Sehr aromatisch
Ins alte Auto
doppelt so viel Geld gesteckt
wie es noch wert ist war.
Leute, die bereits
unterm Regenschirm laufen,
wenn es bedeckt ist.
In Eingeweiden
tummeln sich weiße Maden
Totes Reh Toter Fuchs beim Bach
Jog, Portemonnaiekauf,
Wasser bewegt, Eibenschnitt,
Weißer Apfelsack
Feldspieler Tauben
Schiedsrichter ein Greifvogel
Im Tor ’ne Krähe
Überschwänglichkeit
kaschiert Tieferliegendes
Gegenreaktion
Wenn du schon drin bist
im Maelstrom, dann zieht er dich
noch tiefer runter
Kimba setzt sich hin.
Ich geh weiter. Sie legt sich.
Wir gehn ihren Weg.
Spiegel der Seele
Die Privatbibliothek
Fixierte Neugier
Das Wiedersehen
Die Treppe runterpurzelnd
Ungestüm schwänzelnd
Hinter der Wolke
lugt der fahle Mond hervor,
liegt im Himmelsbett.
Ein Lüftchen regt sich.
Eicheln fallen zu Boden.
Hör! Regentropfen!
Hörst du sie denn nicht?
Wen denn? Die Totenglocken.
Sie läuten für uns.
Werratalbrücke
Nebelschwaden steigen hoch
Vom Fluss nix zu sehn
Eine Rarität:
Leute, die sonntagmorgens
mitfahren möchten.
Deutschland, immer noch
das zweitlangweiligste Land
weltweit nach der Schweiz
Der Trucker pinkelt
lieber an der frischen Luft
als auf dem Pissoir.
Nichts von der Landschaft
hat das Pferd im Anhänger
auf der Autobahn
Zig Tierkadaver
mitten auf der Autobahn
am Sonntagmorgen
Sieben Grad. Sonne.
Nebelbänke. Zugvögel,
in V-Formation
Texte, die klingen
Dem Rauschen der Ruhr lauschen
Wir haben uns lieb
Was bedeutet das?
Man spricht und das Gegenüber
redet gleichzeitig.
Die Mischlingshündin
einmal ganz kurz gestreichelt
und sie zeigt den Bauch.
Der Bordeaux hat nach
vierundzwanzig Stunden
den Gipfel erreicht
Pedalritterin
Sandfarbene Wollmütze
Beige Bermuda
Zehn Kilometer
im Stehen radgefahren
Viel geschwitzt heute
Mit leiser Stimme
spricht der Mann auf der Mauer
die Passanten an.
Leicht zu berechnen:
Fußgänger, die nicht gucken
(für Fahrradfahrer)
Ein leichter Windzug
Nieselregen, Winternacht
Im Baum hängt etwas
[Wolfert Brederode – Ruins and Remains, 2022 (ältere, kürzere, weniger atmosphärische Version)]
Je suis un nègre.
Texan dub reggae vibes meet
Mali desert blues
Vor fünfzig Jahren:
eine Woche Leichtigkeit,
dann der Terror live.
Recht lange gebraucht,
um zu kapieren, von wem
der Blumenstrauß kam
Nach einem Weißbier
vor Mitteilungsbedürfnis
übersprudeln. Zisch!
Noch ein Toter mehr
Deine ruhige Stimme
hallt wider im Ohr
Nicht mehr hochkommen
aus dem Sofa. Nicht alles
ist schlecht im Alter.
Fluktuation
so groß, dass Namen merken
überflüssig ist.
Die Unfähigkeit,
den Fahrer anzuschauen,
der mich fast anfährt
Beim Inder Männer,
über das Smartphone wischend,
alleine essend
Die Radfahrerin
schenkt mir einen kurzen Blick.
Es fühlt sich gut an.
1972 war Jesse Owens ein Jahr jünger als ich heute bin. Jesse Owens, der 1936 zu einem Zeitpunkt, der für mich in der Frühgeschichte der Menschheit liegt, auf dem Höhepunkt seines Lebens war. Während 1972 für mich vorgestern war. Ein ziemlich aufregendes Jahr. Ein Jahr, das in gewisser Weise den Beginn der modernen, unsicheren Zeit darstellt. Ich lese gerade ein Buch über die Olympischen Spiele in München. An die Namen vieler Olympiasieger erinnere ich mich noch.
Am folgenden Tag
nach Ergometer-Einheit:
Der Gang federleicht
Der alten Dame
politisches Kabarett
Leben einhauchen.
Schachspieler im Park
Tischlampe beleuchtet Brett
in der Dämmerung
Joggende Frauen,
die mich erst überholen,
dann weitergehen
Freilich muss man aushalten lernen, was Jünger schreibt. Man muss einmal mehr auf Zehenspitzen durch die Hölle wandern. Mag sein, dass das erst dann gelingt, wenn man gewisse Leseerfahrungen gemacht, und das Stadium überwunden hat, in dem man Werke nur noch daraufhin liest, ob sie politisch korrekt sind.
Jürgen Nielsen-Sikora in Glanz & Elend zur Neuausgabe von Ernst Jüngers Strahlungen
Deine Musik klang
schon immer überirdisch.
Nun bist Du drüben.
Ins Kino gehen,
nur um neunzig Minuten
ganz still zu sitzen
Menschen, die lieber
E-Mail-Pingpong betreiben,
als anzurufen
Es ist extrem schwer,
sich von Büchern zu trennen.
Keiner möchte sie.
[frei nach Verabredungen mit einem Dichter – Michael Krüger (Frank Wierke)]
