Ich steig in Dusche
Nachbar öffnet das Fenster,
grüßt die Welt mit „Moin!“
Ich steig in Dusche
Nachbar öffnet das Fenster,
grüßt die Welt mit „Moin!“
Gassitratschpause
Auf meinem rechten Fuß sitzt
fremder Sennenhund
Draußen die Wege
leuchten fahl, blass, bleich, milchweiß
Der Mond scheint helle
Das Licht auslöschen
Unter die Decke kuscheln
Den Tag wegschlafen
Einlauf in den Darm
Erst gewöhnungsbedürftig,
dann eine Wohltat.
Der Blick der Hündin:
Ich lieg längs auf dem Boden,
hab Draht übersehn.
Leichtigkeit des Seins
Bei jedem Schritt 5 Kilo
weniger tragen
Erdgasversorger
will Hahn abdrehen wegen
Dezemberabschlag
Rosa Cumulus
Temperatur 16 Grad
Das Windrad dreht sich
Der Groove drängt nach vorn,
verästelt sich immer mehr,
ist unser Schicksal.
Morgen früh sind wir
unserem Sieg (schon) wieder
einen Tag näher
Vom Winde verweht
Die weißen Kondensstreifen
am blauen Himmel
Sonne und Regen
Lebensfrohe Verspieltheit
Tiefe Traurigkeit
Trotz Reservierung
vom Gastgeber vergessen.
Idealer Start.
Es ruft die Amsel.
Es lüftet sich der Schleier.
Es grüßt der Morgen.
Nettoergebnis
5 Kilo in 6 Tagen
Fastenwandern wirkt!
Kinderkrippenspiel
Schmettern von Weihnachtsliedern
Bescherung zu siebt
Maus verschmäht Käse.
Nach Öffnung der Fallentür:
Speedy Gonzales!
RB verspätet
S-Bahn nach Hause fällt aus
Steig in falschen Bus
Wispertal hinauf
Unter den Füßen gleitet
der Weg nach hinten
Wiesenweg im Wald
Massage für Fußsohlen
Schon wieder vorbei
Das Morgengrauen
lüftet das Mysterium
der pechschwarzen Nacht
Schöne Aussichten
Nur Niesel aus Regenfront
Abstieg zur Wisper
5 Tage Fasten
und ich fliege schon beinah
die Berge hinauf!
In jedem Zielort
auf einer Fernwanderung
zwei Nächte bleiben!
In Nacht aufwachen
Sich auf dem Grat bewegen
links Schlaf, rechts Wachsein
Relativierung
von der Ausdrucksfähigkeit
menschlicher Sprache
[Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium – Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen]
Morgens im Spiegel
mir in die Augen guckend
’ne Vogelscheuche
Ich werfe Geld ein.
Es kommt nichts raus. Mann sieht das,
zieht mir den Spezi.
„Welches Tier ist das?“
fragt Ukrainerin in Lorch
„’ne Maus.“ Sie lächelt.
Mit 13 Gleisen
erinnert Höchster Bahnhof
an andre Zeiten
Vor sechzig Jahren
Die Hochzeit meiner Eltern
Ich war mit dabei
Die Viertelstunde
zwischen Kirchturmuhrschlägen
Völlige Stille
Felsenweg geschafft
Waldabhang runtergerutscht
Im Zickzack ins Kaff
[Wispertaunussteig: Lorch-Espenschied]
Zahlen bis hundert
Substantive zuordnen
Geschichten spinnen
[Gedächtnissportler über seine Techniken: „Ohne Emotionen geht das nicht“]
Denken wie Karpov
Mit jedem Zug die Stellung
etwas verbessern
Nach 16 km
kurz vorm Ziel, der Weg fast flach
legt es mich längs hin
Weg völlig vereist
Hinter mir Fahrgeräusche
Ein Mountainbiker!
[Heute um elf am Fuchstanz]
Vierbeiner rutschen
auf spiegelglatten Wegen,
Zweibeiner fallen
Um sechs aufgewacht
nach über acht Stunden Schlaf
Der Kopf dankt’s mit Schmerz
Wege spiegelglatt
Sichere Fortbewegung
nur noch querfeldein

Weinberge im Schnee
Die Wacht am Rhein schlummert noch
Nebel lichtet sich
Leonbergerin
interessiert Kimba mehr
als zwei Jagdhunde
Spielt noch langsamer!
Kostet jeden Ton voll aus!
Lasst es nie enden!
[Sebastian Rochford / Kit Downes – Even Now I Think of Her (snippet)]
Trunkenheit Motiv
der Jäger und Sammler, um
sesshaft zu werden
Die Morgensonne
scheint auf die weißen Hauben
der Maulwurfshügel
Streicherteppiche
quer durch den Wilden Westen
im Breitwandformat
Nicht mehr hochkommen
vom bequemen Canapé
nach der Siesta
Zusehn wie Männer
weiße Flüssigkeit speien
auf grünen Rasen
Das Buch, welches ich
in Deinem Gesicht lese,
soll niemals enden
Einen Zug verpasst,
ein andrer hat schlappgemacht,
doch es geht weiter!
Die kleine Maus lebt,
hat sich am Käse gelabt,
schlüpft in die Freiheit.
Die Benommenheit,
die sanfte Dickhäutigkeit
nach neun Stunden Schlaf
Warnsignal setzt ein
während des Überquerens
der S-Bahngleise
Das ist aber jetzt wirklich Hardcore bei den Temperaturen!
Frau mit Dalmatiner in den Streuobstwiesen zu mir. Dabei hatte es noch nicht mal gefroren.
Heute Falle leer
Zimtsternköder verschwunden
Das Mäusewunder
Noch ne tote Maus
Emmy’s Augen leuchten grün
im dunklen Wäldchen
Ein nasskalter Tag
Novembertrübseligkeit
Gut, dass Häuser hohl
Romantiker, der
zu tief ins Glas geschaut hat
und aufdringlich wird
Im Stirnlampenlicht
reflektieren die Augen
der Hündin orange
Falle voll Köttel
Maus an Gitter festgekrallt
Bewegt sich nicht mehr
Nach Haselnussklau
Lebkuchen angeknabbert
Maus sitzt in Falle
Vorteil der Maske
Beim Gähnen muss man sich nicht
den Mund zuhalten
Austritt statt Ausstieg
Ich trage Mitreisender
Ladekabel nach
Sacko aufgehängt
Hemdsärmel hochgekrempelt
Mollig warm in Bahn
Ex-Kollege grüßt
mich mit Namen, nach Stunden
fällt mir seiner ein.
Es macht dich stärker,
wenn dir nie jemand zustimmt,
egal wie recht du hast.
Vor fünf aufgewacht,
wieder eingeschlafen, schließlich
acht Stunden gepennt.
Ein Mann betet,
im Raum nebenan säuselt
ein nacktes Mädchen
[Magnet – Willow’s Song (aus The Wicker Game)]
Adventspostschwemme
Als Dankeschön fürs Spenden
Aufforderungen
In seinem Beisein
für den eigenen Vater
gehalten werden
Immerzu höre ich von ihr reden
als wär sie an allem schuld.
Seht nur, wie sanft und bescheiden
sie unter uns Platz nimmt!
Warum besudeln wir denn
ihren guten Namen
und leihen ihn
dem Präsidenten der USA,
den Bullen, dem Krieg
und dem Kapitalismus?
Wie vergänglich sie ist,
und das was wir nach ihr nennen
wie dauerhaft!
Sie, die Nachgiebige,
führen wir auf der Zunge
und meinen die Ausbeuter.
Sie, die wir ausgedrückt haben,
soll nun auch noch ausdrücken
unsere Wut?
Hat sie uns nicht erleichtert?
Von weicher Beschaffenheit
und eigentümlich gewaltlos
ist sie von allen Werken des Menschen
vermutlich das friedlichste.
Was hat sie uns nur getan?
Hans Magnus Enzensberger, 1964
Bleischwere Beine
Hunde ziehen Begleitung
hinter sich her
Lauf in Dämmerung
Zig Kaninchen aufgeschreckt
Amsel aufgescheucht
Das laute Sirren
der Hochspannungsleitungen
direkt über mir
Leute, die lieber
sich selbst widersprechen, als
mir zuzustimmen
Auf dem Kopf wachsen
zwei graue Pinselhälften
Dazwischen viel Haut
Das Nasenbluten
als Wink, den Mund zu schließen
und zuzuhören.
Energiesparen
Windows richtig runterfahrn
mit der Shifttaste
Alte Schlafmütze
trifft auf jungen, wachen Geist
Neugieriger sein!