Umweg durch den Wald
Treckerspuren, Pfützen, Matsch
Eine Rutschpartie
Ich wache morgens um halb sechs nach 7 1/2 Stunden Schlaf auf. Ein schon lange nicht mehr dagewesenes Gefühl der Ausgeschlafenheit macht sich breit. Irgendwann holt sich der Körper, was er braucht.
Wir frühstücken unten in der Gaststube und quatschen dabei mit dem Gastwirt. Er ist zwischen den beiden deutschen Staaten aufgewachsen. Beim Opa im Osten verbrachte er viel Zeit. Im Gegensatz zu seinen Eltern wurde er bei den Grenzübertritten nie kontrolliert. Vitamin B. Es hört sich so an, als hätte die innerdeutsche Grenze für ihn nie existiert. Später machte er eine Fleischerlehre und war bei der Bundeswehr in der Garnisonsstadt Wetzlar Feldwebel der Küche. Eine Zeit, die er nicht missen möchte. Er scheint das Bedürfnis zu haben, uns das zu erzählen, wir haben nicht danach gefragt.
In Fellingshausen kaufen wir im Bäckerladen Brötchen und Leberwurst für unterwegs. Vor der Kirche und oben im Wald fallen die liebevollen Arrangements mit Osterhasen, Ostereiern und Grün auf. Ein heruntergefallenes Ei im Wald hängen wir wieder auf. Die Namen der Familien stehen daneben.



Der Weg führt uns im Streichen durch den Wald, den Abstecher zum 500 m hohen Dünsberg mit der TV-Antenne sparen wir uns wegen des miesen Wetters, heute regnet es noch etwas mehr als gestern, sonnige Abschnitte sucht man vergebens. Außerdem macht der Biergarten, der uns in Wetzlar im Hotel empfohlen worden war, erst nachmittags auf.
Von einem Waldparkplatz begrüßen uns Einheimische und wünschen uns aus der Ferne einen guten Weg. Es geht nun auf sehr matschigem Pfad umständich durch den Wald, wir verlieren kurzzeitig den Weg und kommen in Krumbach an, wo die Kirche geschlossen ist. Neben der Trauerhalle auf dem Friedhof stehen überdachte Bänke, wo wir unsere Apfelpause machen.

Hinter Krumbach geht es wieder in den Wald, eine Schutzhütte mit einer schönen Sicht auf Wald, Wiesen und Felder lädt uns ein. Allerdings sind die Bänke so eng an die Tische gebaut, dass man sich kaum an sie setzen kann. Man merkt förmlich wie unmotiviert die Handwerker beim Bau gewesen sein müssen.

Auch in Kirchvers ist die Kirche geschlossen. Versperrte Türen werden uns den ganzen Tag begleiten. Hier schmieren wir uns auf einer Bank im Wohngebiet unsere Leberwurstbrötchen. Die ganze Zeit über bellen zwei Hunde auf einem von uns nicht einsehbaren Nachbargrundstück vor uns. Auch von dem Hundegebell kriegen wir heute noch mehr als genug. Ich versuche immer, auf die Tiere einzureden und sie zu beschwichtigen, das führt aber eher selten zum Erfolg.
In Weipoltshausen rufe ich beim Heimatmuseum an, wo Dokumente und ein Film zu Elisabeths Leben zu sehen sind. Es meldet sich die Tochter, die Mutter arbeitet noch, das Museum wird erst 18 Ubr geöffnet. Schade, dabei hätten wir heute Zeit gehabt.

In Altenvers gibt es die einzige Hufeisenkirche – Apsis in Hufeisenform – Deutschlands. Ich rufe drei Nummern aus dem Pilgerführer bzw. Internet an. Es geht niemand ran bzw. ich höre „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Auch die beiden Nachbarn, die einen Schlüssel haben sollen, öffnen nicht bzw. sind in Urlaub.
Die kleinen Orte voller Fachwerkhäuser sind zwar schön und schnucklig, aber auch ziemlich verlassen, man möchte hier nicht tot überm Gartenzaun hängen.

Im Wald hören wir knackende Äste. Ein dunkelbraunes Eichhörnchen rast einen Baum hoch, zwei Rehe ergreifen die Flucht.
Der Weg heute eher eine Zumutung, wir haben Glück und fallen nicht in den Modder, in wenigen Fällen haben wir aber auch bessere Alternativen gefunden.

Heute Nacht schlafen wir in einer Ferienwohnung in Lohra 2 km abseits des Elisabethpfads westlich von Damm. Der Hausherr ist sehr nett und erklärt uns alles, bittet um eventuelles Feedback, da er betriebsblind sei. Als Gruß des Hauses gibt es neben Mineralwasser und dem Gummibärchen-Betthupferl Rotkäppchen-Sekt. Der Preis für die Unterkunft ist sehr moderat.
Wir essen im einzigen Restaurant im Ort. Meine Dorade ist riesig. Ein eher misslungener Wandertag findet ein versöhnliches Ende.

Hier der Etappenüberblick über unsere Wanderung auf dem Elisabethpfad von zu Hause in Niederhöchstadt nach Marburg zu Ostern 2024.
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