Kaum angekommen und schon wieder auf dem Sprung
Archive for the ‘DEU’ Category
Experten
Februar 20, 2010Nix dazugelernt oder Jedes Zocken hat ein Ende
Februar 20, 2010Den Inhalt dieses Artikels muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Hypo Real Estate, die es nicht mehr geben würde, wenn der Staat – und damit wir Steuerzahler – ihr nicht Garantien von über 100 Milliarden Euro gegeben hätte und die seit Oktober letzten Jahres verstaatlicht ist, hat – mit unseren Garantien – von März bis September für mehrere Milliarden Euro Forderungen gegenüber Griechenland eingekauft. Die schlafmützigen Landesbanken (LBBW, BayernLB) sind natürlich auch wieder mit von der Partie. Diesen Dilettanten sollte man die Geldanlage verbieten. Denn inzwischen wetten die Spekulanten auf eine Staatspleite von Griechenland. Die Finanzmärkte werden uns alle auffressen, wenn der Spekulation nicht bald ein Riegel vorgeschoben wird. Lippenbekenntnisse tun es nicht mehr Obama, Merkel und Konsorten. Noch nicht mal eine Spekulationssteuer haben die bis jetzt auf die Reihe gekriegt. Jetzt muss endlich Butter bei die Fische. Sonst geht der Kapitalismus genauso unter wie der Kommunismus vor 20 Jahren. Das wird dann aber keine Implosion sondern eine Riesenexplosion. Am Ende einer Zockerkarriere steht immer der Bankrott.
Man muss sich das nochmal verdeutlichen, die Banken werden mit hunderten von Milliarden rausgeboxt aus der selbst verschuldeten Pleite und werden dann auch noch dafür belohnt, indem ihnen keine Finanzmarktsteuer aufgebrummt wird. Damit sie schön weiter mit fremdem Geld spekulieren können. Die Steuern kann man sich ja beim Bürger holen, der ist so blöd und zahlt alles. Und geht inzwischen ja nicht mal mehr zur Wahl, wo es im Grunde auch gar nichts mehr zu wählen gibt.
P.S. Es wird gerade ein 25 Milliardenpaket von der EU für Griechenland geschnürt, davon 5 Milliarden aus Deutschland. Mit der üblichen Begründung: Deutschen Banken droht sonst der Bankrott. Dabei wird es bestimmt nicht bleiben, sag ich mal. Somit werden also auch die Griechen dafür belohnt, dass sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Und jahrelang gelogen noch dazu. Deswegen werden sie jetzt ganz bestimmt sofort anfangen, zu sparen und uns die ganze Kohle schnellstmöglich zurückzahlen. Da lachen ja die Hühner. Die wären ganz schön blöd, wenn sie das machen würden. Das Schlimmste ist ja auch noch, dass viele Leute meinen, Merkel & Co. würden uns gut durch die Krise führen.
HME zur EU
Februar 5, 2010Bereits 2005 wog das Amtsblatt der Union insgesamt mehr als eine Tonne, soviel wie ein junges Nashorn.
[Hans Magnus Enzensberger echauffiert sich über die Eurokratie.]
Flotte Lotte
Februar 3, 2010Als ich das erste Mal davon gehört habe, dass Thomas Mann in seinen Tagebüchern – vor allem gegen Ende, iirc – ausgiebig über seinen Stuhlgang berichtet hat, habe ich damals gedacht typisch. So ein Spinner, der nimmt sich so wichtig, dass er seine eigene Scheiße in Literatur umwandeln muss. Am Samstag war ich bei meinem Gastroenterologen und er hat eine Magenspiegelung gemacht, die nichts erbracht hat. Der Grund für meine Durchfälle wurde weder im Dick- oder Dünndarm noch im Magen gefunden. Die Fruktose- und Laktosetests ergaben auch keine Unverträglichkeiten. Jetzt soll ich in den Fußstapfen von Thomas Mann wandeln und Tagebuch über meinen In- und Output führen. Ich erspare meinen Lesern weitere Ausführungen. Außer, dass es meiner Meinung nach mit dem Weißwein zu tun hat, den ich nur noch in kleinen Dosen zu verdauen scheine. Vielleicht habe ich ihn ja zu Tode geliebt. Vor allem den Retsina.
P.S. Die Lösung meines Problems hat ein hilfreicher Kommentator gegeben. Flohsamenschalen. Die ballaststoffreichen Schalen saugen sich voller Flüssigkeit, weiten sich aus und sorgen so für Druck im Darm. Mal wieder typisch, dass die diversen Spezialisten (drei Gastroenterologen!) nur ihre Instrumentenmedizin im Kopf hatten. Und dafür gebe ich Krankenkassenbeiträge bis zum Abwinken aus. Was ein Scheiß!
Was
Januar 14, 2010ist das eigentlich für ein Mist mit der neuen Firefox-Version? Ich hatte bis jetzt 3.0.17, jetzt lautet die Versionsnummer 3.5.7 irgendwas. Hä? Und derdie Googletoolbar geht gar nicht mehr und es gibt angeblich keine funktionsfähige neue Version. Ich hasse Updates.
P.S. Hat sich erledigt, statt über den Add-On-Manager direkt von der Toolbaradresse neu runterladen und es klappt.
P.P.S. 18.1.10 Ein neues Problem, kriege beim Versuch, Sites in meinem Google Account zu bookmarken jetzt folgende (falsche) Fehlermeldung:
Es konnte keine Verbindung zum Google-Lesezeichen-Service hergestellt werden. Ihr Browser ist offline…
Außerdem sind Googlesuchen, wenn ich gleichzeitig in mein Account eingeloggt bin, unendlich lahm. So ca. 30 Sekunden bis eine Minute pro Suche. Sehr nervig, wenn ich Zeit habe, probier ich mal die De- und Neuinstallation des Toolbar Add-Ons wie hier angesprochen. Bis dahin werde ich mich wohl vorerst mal von meinem Big Brother Google(-Account) verabschieden.
Rohmer und Thome
Januar 12, 2010Bezüglich Rohmer ist mir heute noch einmal aufgefallen wie sehr ich seine Fiilme doch gegenüber denen von Thome bevorzuge. In Rohmerfilmen wird die Konversation gepflegt, da wird philosophiert und drumherum geredet, die Handlung ist nicht so wichtig. Die Filmszenen sind dann auch oft so natürlich, nicht so spröde und ungelenk inszeniert wie bei Thome. Bei Rohmer hat man das Gefühl, dass die Kamera versehentlich mitläuft während ein paar Leute sich treffen und austauschen während bei Thome meist klar ist, dass die Leute nur da sind wegen der Kamera, das ist fast immer so unglaublich gekünstelt. Rohmer weiß, was er erzählen will, er hat auch was zu erzählen. Bei ihm immer das Gefühl, dass trotz all der Worte, trotz all dem Gequatsche ein mystisches, unerklärliches Element bleibt. Bei Thome hingegen verflüchtigt sich dieses Element trotz des vielen Schweigens, dass eigentlich das Geheimnisvolle betonen sollte, häufig völlig. Ich muss unbedingt mal den ersten Film von Rohmer von 1959 sehen, da war er schon 39. Es geht um einen Straßenmusiker, der in Paris zum Clochard wird weil sich das Erbe auf das er wartet, dann doch nicht realisiert. Rohmer war übrigens 12 Jahre älter als Truffaut, eine halbe Generation.
Dr. Feelgood – Roxette (Live 1975)
Januar 12, 2010Dr. Feelgood ist ein englisches Slangwort für Heroin, aber auch für einen Doktor, der einem zu starke Medikamente verschreibt. So hieß auch eine englische Band aus der Vorpunkzeit der Mittsiebziger, die ich später sehr gemocht habe. Als Rhythm & Blues noch eine eigene Bedeutung hatte und nicht ein Synonym für weiblichen Soul & Funk war. Bei I Love Music wurden sie gerade mal wieder ausgegraben, ein kleines Livevideo aus dem Thread.
Da stimmt einfach alles. Der Drummer leitet ein mit einem herrlich simplen Rhythmus. Lee Brilleaux mit seiner knarzigen, erdigen, maskulinen Stimme und einem fetzigen Mundharmonikaspiel, von dem sich Bob Dylan ein Scheibchen hätte abschneiden können. Wilko Johnson mit einer knallharten, furztrockenen Gitarrenattacke. Außerdem ständig in Bewegung, dauernd vor und zurück rennend und wie ein Roboter mit dem Kopf nickend. Absolutely classic!
Château Grivière 2006. Bordeaux.
Januar 12, 2010
Zusammenfassung: Schlechtester als Cru Bourgeois klassifizierter Bordeaux, den ich je getrunken habe, soweit ich mich erinnere. Der Wein ist nicht mal den halben Preis wert. Falls es nur die eine Flasche gewesen sein sollte, Pech gehabt, eine Zweite probier ich jetzt nicht mehr. Unter den Namen haben sie dann auch noch Cuvée Le Vivier gesetzt. Eine Nummer kleiner hätte sich bei dem miesen Tropfen wahrscheinlich gar nicht mehr verkauft.
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Januar 8, 2010die geschichte des ex-mannes einer arbeitskollegin. er soff. eines tages vermissten sie ihn auf der arbeit, allerdings erst nach 18 tagen, die er nicht erschienen war. bei ihm zuhause floss der briefkasten vor post über. die tür war zu, keiner öffnete. die polizei wurde verständigt und brach die tür auf. er saß auf dem sofa. und war tot. es lagen verschiedene schachteln mit vergammeltem essen rum. in einem schrank waren 15 leere flaschen wodka (oder whisky, aber ich glaube wodka, das würde besser passen). er hatte das essen mit dem alkohol bei einem indischen restaurant bestellt und nur den sprit getrunken. nach außen hin hat er bis zum ende nicht zugeben können, dass er alki war. er war gerade mal 50. leider gibt es einen befreundeten kollegen, der dabei ist, diese geschichte zu wiederholen.
Wolf Blass Heritage Release. Adelaide Shiraz 2006
Januar 8, 2010Zusammenfassung: Guter eichenfassgelagerter Shiraz, an dem mich vor allem überrascht hat wie leicht er daherkommt, bei 14,5% hätte ich mehr Schwere erwartet. Der Geschmack wird von Pflaumenaromen bestimmt, etwas Lagerung sollte dem Wein gut tun.
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Januar 7, 2010keinen bock mehr auf:
- weißweinunverträglichkeit
- schmacht nach zichten
- datenbankprojekte
- shuffle, rate & skip
- berlingejammer
- profilneurotiker
- gelalle
- frost
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Januar 5, 2010zumindest hab ich jetzt das tonträgersystem gefunden von meinem neuen usb-plattenspieler von omnitronic (günstiger technics-nachbau), es war im styropor versteckt (dank und sorry an den händler). der klang ist allerdings nicht so toll, scheinbar wenig dynamik, ich hab da eine in new york gekaufte platte vom love unlimited orchestra (barry white mit orchester und ohne gesang) auf dem plattenteller drauf, die ich noch nie vorher gespielt habe. der sound scheint mir so dumpf. hab ich evtl. das auflagegewicht falsch (2,5 g) eingestellt? oder ist die nadel so schlecht? da muss ich nochmal ran. ansonsten ist es mir gerade viel zu kalt irgendwas vernünftiges zu machen. der arbeitstag war lausig. ein superlied zum abschluss, dass meinen trüben abend aufgehellt hat (wirklich sehr sehr schade, dass david berman seine band aufgelöst hat):
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Januar 3, 2010wache nach ca. 4h schlaf um halb drei auf. schäfchenzählen bringt mich nicht weiter, mir gehen 1000 sachen durch den kopf: der job, berlin etc.pp. kurz nach vier bin ich soweit, dass ich endlich das weckerklingeln (5h45) ersehne. werde dann doch von einem geräusch – mit dem ich aber sowas von nicht mehr gerechnet habe – geweckt, natürlich es ist der wecker. bin wohl ganz kurz vorher eingenickt, für den beginn eines alptraums hat es gereicht. ich bin bei einem familienfest in einer größeren lokalität in einer kleinstadt, wo auch festfremde rumlungern. das fest findet irgendwie ohne mich statt, wenn irgendetwas losgeht (die festrede, das essen etc.) muss ich aus irgendeinem grunde weg. treffe in einer oberen etage die beiden von portishead, frage sie was sie in diesem gottverlorenen nest machen, etwa eine neue platte? geoff lächelt vielsagend und nickt. geh dann wieder zurück zum fest, muss durch einen größeren raum. als ich durchgegangen bin, fehlt mir plötzlich mein sacko, das hat mir jemand klammheimlich vom leib gezogen. ich fange an, ein riesentheater zu machen. da klingelt es. der wecker. schnelles teefrühstück. 6h30 los. fahrt durch die frühmorgentliche dämmerung nach girona ohne besondere vorkommnisse. stimmt nicht ganz, im auto vorne rechts bzw. oben ein seltsames geräusch, das wir nicht identifizieren können. als wäre das fenster nicht geschlossen. wir interpretieren es schließlich als nordwind (tramontan), der ab 100 deutlich hörbar wird. in girona trinken wir noch einen cafe con leche und essen von c’s leckerer selbstgebackener galette des rois. am flughafen recht wenig los. heute fliegt nur ryanair. im flieger allerdings mehrere bekannte. c trifft 2 kollegen von der ezb, ich im flugzeug schräg vor mir a aus luxemburg, mit dem ich damals den schachklub gegründet hatte. er würde normalerweise von barcelona-reus fliegen, der flughafen ist aber bis zum frühjahr geschlossen. das flugzeug ist wahrscheinlich auch deswegen proppevoll. quatsche mit a, der mir von seinen erwachsenen söhnen erzählt. der eine macht jazz in london, der andere ist in barcelona. habe den ganzen tag fürchterliche schmacht, jetzt gerade besonders stark. hat bestimmt auch mit den pastillen zu tun, von denen ich bestimmt zehn gelutscht habe. rauchen war natürlich auch ein thema im gespräch mit a. er raucht immer noch eine packung pro tag. schach spielt er nicht mehr, aber er schreibt. fiktion mit einem icherzähler. das lesen dann seine freunde und bekannten, die auch gelegentlich leute darin wiedererkennen. das ganze ist natürlich schwer autobiographisch. in hahn liegen einige zentimeter schnee und es ist etwas unter null. der wagen springt sofort an, die tür hinter der fahrertür klemmt allerdings. nach einer knappen viertelstunde auf der hunsrückhöhenstraße geht plötzlich die innenbeleuchtung an und die offenetürwarnleuchte geht an. nach einem stopp im tiefverschneiten hunsrück stellt sich raus, dass es die besagte hintere tür ist, die inzwischen aufgetaut ist. schwein gehabt. nothing special auf dem restlichen weg nach niehö. außer dass die leute wie immer zu viel auf den linken spuren fahren und außerdem nach dem überholen zu früh vor einem einscheren, so dass man den getauten schnee auf die windschutzscheibe kriegt. verbringe die halbe fahrt mit regenwischerfeintuning, tempomat ist fast permanent an. wir sind um 1 da. packe aus, surfe etwas im netz und halte von 2-3 siesta. schlummere im tiefschlaf, der wecker erscheint mir im moment des klingelns wieder wie ein böses, monströses, extraterrestrisches objekt, dass sich beim besten willen nicht in meine schlafwelt integrieren lässt. lade dann noch diverse fast durchgängig miese elektronische und halbelektronische musik aus dem netz, die ein blogger empfohlen hat. der nachmittag wird vertändelt, komme mit meinem jakobswegfotobuch kaum weiter. abends gibt es minestrone und ich entdecke im kühlschrank eine große pet-flasche mit muscat drin. was für ein göttlicher nektar, dank an c, die gerade den frankfurter tatort zu ende geguckt hat. berlinfahrt um zwei wochen verschoben. da war noch irgendwas wichtiges, tolles, ich hab es aber vergessen.
2009 war
Januar 1, 2010das Jahr, in dem mir klar geworden ist, dass jeder Mensch so gut wie permanent mindestens mit einem Pfund Scheiße durch die Gegend läuft.
P.S. Das Gefühl, einen über einen Meter langen Schlauch im Darm stecken zu haben und auf dem Bildschirm das Ende der Reise der Kamera am Schlauchende kurz vor dem Dünn- und Blinddarm durch eine braune, stinkende Brühe zu sehen während einem in jeder Sekunde der Dickdarm platzen will (ohne dass man es selber wollte) und man nur notdürftig mit einem Handtuch bedeckt zwei Fremden, darunter einer jungen Frau, mehr oder weniger den nackten Hintern hinstreckt, ist ziemlich unbeschreiblich. Allerdings glaube ich jetzt eine Ahnung davon zu haben, wie es ist, wenn man gerade seine Jungfernschaft verloren hat. Dagegen ist die Beobachtung eines abgezwackten, blutenden Polypen eigentlich schon fast wieder eine Wohltat. Der Polyp war nicht bösartig, aber in drei Jahren muss ich wieder hin, denn die Dinger können ja recht schnell das Lager wechseln.
Château Grand Clapeau Olivier 2006. Bordeaux.
Dezember 19, 2009- Alkoholgehalt: 13%
- Klassifikation: Cru Bourgeois
- Region: Haut-Médoc
- Reben: 55% Cabernet Sauvignon, 45% Merlot
- Preis: 7 Euro
- Laden: Tengelmann
- Entkorken mit deutlichem Zischen, Korken ok
- Korklänge: 48 mm
- Depot: nicht vorhanden
- Farbe: dunkles bordeauxrot
- Bukett: Bittermandel, Rauch, Cassis
- Konsistenz: schon leicht samtig, die Tannine sind zu einem nicht unerheblichem Teil bereits abgebaut, Wein schäumt nicht
- Geschmack: relativ wenig ausgeprägt, neben der Rauchnote und der schwarzen Johannisbeere evtl. auch Brombeere
- Abgang: für einen Cru Bourgeois eher kurz
- Reife: Wein ist schon gut trinkbar, kann aber auch noch ein paar Jahre liegengelassen werden. Großartige Geschmacksverbesserungen bei Lagerung sind nicht zu erwarten.
Zusammenfassung: Bereits gut trinkbarer unspektakulärer Bordeaux mit hohem Merlotanteil. Zischen beim Öffnen wegen unsachgemäßer Lagerung beim Händler? Vielleicht deswegen geschmacklich in Mitleidenschaft gezogen. Abgang schwach. Preis-/Leistungsverhältnis eher mau. Für den Preis ist der Chianti von der Tankstelle besser.
Update 31.1.2010: Der 2007er (8 Euro) ist nach mehreren Proben einer meiner Lieblingsweine geworden. Er hat etwas Pflaumiges und ist schon recht rund auf dem Gaumen und im Abgang.
Dreampop post 911 from Austin, TX
November 19, 2009
Ein kleines von einer Sirene gesungenes Schlafliedchen, das einem melodischen Höhepunkt zustrebt und ihn dann in Verzerrung erreicht. Nichts Besonderes eigentlich und doch ein ziemlich hartnäckiger Ohrwurm.
irgendwie
Oktober 19, 2009hab ich es geschafft, heute nicht zu rauchen. aber ich weiß nicht wie. war vorhin im dunklen spazieren, um mich abzulenken. es hat geklappt. im grunde bin ich immer noch ein kleiner hosenscheißer, der beschäftigt werden will, um nicht loszuschreien. höre gerade die neue kings of convenience. sie fängt gut an.
Mehr Transparenz
Oktober 12, 2009Heute morgen als ich vom Hauptbahnhof ins Westend ging, hatte ich plötzlich diese Idee, wie es denn wäre, wenn die Leute etwas offener wären. Etwas mehr Flagge zeigen würden. Und zwar speziell was ihre politische Präferenz angeht. Ich stellte mir vor, dass alle Leute auf ihrer Stirn den Namen der Partei hätten, die sie bei der Bundestagswahl gewählt haben. Und ich musste schmunzeln bei dem Gedanken. Fing intern an, darauf zu wetten, was die einzelnen Leute, die meinen Weg kreuzten, auf der Stirn stehen hätten. Eins scheint mir klar. Wenn das ein Trend werden würde, wenn man sich sozusagen ohne Partei vorm Kopf völlig blöd vorkommen würde in der Öffentlichkeit, dann würde die Anzahl der Nichtwähler rapide sinken. Wer will sich schon in der Gesellschaft dabei erwischen lassen, dass ihm die Gesellschaft total scheißegal ist. Aber vielleicht irre ich mich auch.
keep smiling and dance on
September 23, 2009
heute morgen serviert mir mein ipod ein liedchen von the english beat namens „mirror in the bathroom“. hab es vorher noch nie gehört, bin sofort hin und weg. eine tolle melodie gekoppelt mit einem wahnsinnsgroove plus einer coolen saxophonlinie. wie konnte ich diese band bis jetzt so völlig ignorieren? gefällt mir besser als madness. bessere partymusik als diese reggae-ska-popnummer gibt es ja wohl kaum. auch die band konnte damals ihrem eigenen beat nicht widerstehen wie man im video sehen kann. die dubversion auf meinem ipod hat allerdings noch mehr schmiss. ich höre sie gerade zum gefühlten zwanzigsten mal.
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September 18, 2009den ganzen tag gefragt zu werden und antworten zu müssen, macht mich aggressiv gegenüber leuten, die nichts fragen, die nicht sofort zum punkt kommen, die nichts von mir zu wollen scheinen. heute habe ich ungefähr so viele telefongespräche geführt wie sonst in einem monat.
was mache ich hier?
September 18, 2009habe ich mich heute gefragt. nach dem märchen der alptraum. heute mittag habe ich fast die fassung verloren. manche sachen glaubt man nicht bevor man sie sieht. details kann ich hier nicht preisgeben, aber es hat mit internet, geld und messe zu tun. und „kundenfreundlichkeit“ in ganz fetten anführungszeichen.
fair tale #1
September 17, 2009ich glaube es war am ersten pressetag, am dienstag, gefühlte 10 millionen jahre her, da klingelte kurz nach 7 das telefon in unserer info am torhaus und da war eine weibliche stimme, die ich kaum verstanden habe. sie sprach etwas gebrochen deutsch, sie wollte mit der verkehrszentrale sprechen. oder so was ähnlichem. keine ahnung. sie kam irgendwie nicht dahin wo sie hinwollte. ein schlüsselproblem? ich hab es nicht kapiert. völlig egal. jedenfalls kommt sie gestern nachmittag an unserer info vorbei, lacht mich an und entschuldigt sich für ihren anruf am frühen morgen. wir smalltalken etwas, sie lächelt und lächelt. ich bin total hin und weg. heute kam sie wieder vorbei und sagte mir auf nachfrage, dass sie telefonhotline für die messe macht. und lacht mich wieder an als gäbe es kein morgen. so eine süße habe ich lange nicht mehr getroffen.
wer die wahl hat, hat die qual
September 12, 2009wir haben vorhin einen kleinen spaziergang durch die streuobstwiesen zum kronberger herbstmarkt gemacht. da steht vor uns an einem modestand ein mann mit dem rücken zu uns im anzug. es redet ein kronberger zu ihm über seinen verein (wahrscheinlich den mtv) und guckt ihm tief in die augen. ich denke erst, der mann im anzug ist der besitzer des modeladens, dann sehe ich ihn von vorne und seine rote fliege und sein mönchischer rundhaarschnitt stechen ins auge. es ist heinz riesenhuber. er ist alt geworden, das gesicht fast schon mumienmäßig eingetrocknet. habe gerade gegogelt und gefunden, dass er jahrgang 35 ist. das hätte ich nicht gedacht, hab ihn immer noch als smarten, dynamischen forschungsminister mitte, ende der achtziger im kopf. er ist auch bei dieser bundestagswahl wieder der direktkandidat der cdu. auf den wahlplakaten ist er nicht einmal drauf, wahrscheinlich weil er sowieso den main taunus wahlkreis gewinnen wird, vor 4 jahren bekam er 51%. interessanterweise haben sie 2002 kronberg und königstein, die eigentlich zum hochtaunuskreis gehören wahltechnisch in den mtk eingemeindet. honi soit qui mal y pense. in any case wurde ich wieder an die wahl erinnert und dass ich obwohl ich nur weiß, wen ich nicht wählen will, nämlich eigentlich alle der parteien, die da antreten, doch nicht meine stimme verschenken will. und da am 27. letzter iaa-tag ist, muss ich auch noch die briefwahl beantragen. was für ein theater.
Geheimsprache
September 11, 2009Sie wollen mir etwas sagen, die Kfz-Kennzeichen. Vorhin auf der Autobahn DA-RE 90, dann bei Aldi F-AG 240.
P.S. Heute am Samstag bei Kia wieder DA-RE sowie SO-UL.
Waiting for my woman
September 11, 2009Der Typ, der im Sinne eines System-Shutdowns 200 Gramm Gras in 4 Tagen wegrauchen will und auf die Frau wartet, die ihm den Stoff vorbeibringen soll.
Am besten fickt man erst und badet dann (Brecht)
September 4, 2009Ich höre fern das Plätschern deiner Wasser
Ich fühl das Herz in meine Hode sinken.
Es drängt mich wieder dein Pipi zu trinken,
Weil ich ein ruchlos raffinierter Prasser.
(Friedrich Schlegel)Es drängt mich, dein Pipi zu trinken,
und sieh, nun trinke ich bereits.
O welch Genuss bei deinem Beinespreiz,
o wie die Wasser hurtig blinken.
(Joachim Ringelnatz)
kleine geräusche
September 4, 2009Er war nicht schön, nicht reich, nicht besonders charmant und kein großer Redner, aber er war der Frau mit wunderbarem Gleichmut beständig zugetan, und er machte beim Schlafen kleine Geräusche, „die schöner waren als alle, die ich kannte, weil sie einer machte, den man mochte, und weil er doch leben musste, um Geräusche zu machen, die mir ein Zelt bauten in der Nacht.“
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September 2, 2009kann mal jemand die kifferszenen und die teile, die über alkoholentzug gehen, zusammenschreiben von diesem monstrum? für den rest ist mein interesse begrenzt. über tennis zu lesen ist ja noch öder als tennis zu gucken. tennis kann man eigentlich nur spielen, natürlich geht das nur, wenn man kann. heute müssen einfach mal ein paar worte raus aus dem system. ich bitte das vielmals zu entschuldigen. zu irgendwas muss so ein blog ja gut sein.
coincidentia
September 2, 2009und was spuckt mein ipod vorhin nach zwei drei liedern shuffle aus? eine liveversion von nouvelle vague’s cover von ever fallen in love. buzzcocks, was für ein geiler name und was für wahnsinnsmelodien. ganz klar meine lieblingspunkband. wenn man mal joy division’s anfänge außen vor lässt.
warning
September 2, 2009ich muss jeden, der sich dazu entschlossen hat, mit dem rauchen aufzuhören, dringend davon abraten, eine derart weitreichende entscheidung zu treffen, deren konsequenzen er oder sie zum jetzigen zeitpunkt noch gar nicht absehen kann. ich weiß, wovon ich rede, ein bisschen zumindest. seit einem jahr bin ich nun in diesem langweiligen klub der nichtraucher, es hat mir nix gebracht. die lust, die schmacht hat nie wirklich nachgelassen. der hals tut nach über einem jahr weiter weh, die ganze mundhöhle und der rachenraum sind permanent gereizt. zugenommen habe ich natürlich auch. die hundert kilos sind mal wieder zum greifen nah. wieso tuen sich menschen sowas an? aus masochismus, um sich zu bestrafen. das habe ich verdammt nochmal wirklich nicht verdient.
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September 2, 2009Platthaus findet es gespenstisch, dass das Unvorstellbare, Jens könne irgendwann einmal Goethe-Verse vergessen, nun tatsächlich eingetreten ist, und hofft beklommen, dass er aber die Sturmaufstellung von Eimsbüttel noch parat hat.
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September 2, 2009Während sie die Schlaflosigkeit zunächst als Zuwachs an Vitalität und Lebensqualität erlebe, kommt ihr nach 17 Tagen der erschreckende Gedanke, dass sie vielleicht in Wirklichkeit gestorben sei und der Tod somit keineswegs ewigen Schlaf, sondern immer währendes Wachsein bedeutet
Obsessed
August 26, 2009
Ganz viel Charme. Eine tolle, soulige Stimme. Ein Liebeslied, das schon jetzt wie ein Klassiker klingt. Amanda Zelina aus Kanada (via). Wer könnte da widerstehen?
There ain’t nothing you can say,
Baby that will take my love away.
Seems there’s nothing you can do,
That will take my eyes from you.
Reminiszenzen an den Jakobsweg
August 2, 2009Auf den letzten hundert Kilometern hinter Sarria waren so viele Leute auf dem Camino, dass man sich wie ein Massentourist vorkam. Begrüßungen wurden nicht mehr erwidert, Kontaktaufnahme fand nicht mehr statt. Man versuchte, sich soweit wie möglich zu ignorieren. Im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Weg zu gehen. Der Mensch braucht halt seinen Freiraum, um andere Menschen zu schätzen. Mit anderen Worten, wir haben kaum noch mit Leuten gesprochen, die wir nicht schon vorher kannten. Und das waren schon relativ wenige.
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Wieder einen verrückten Frankokanadier kennengelernt. Er war 64, gerade im Ruhestand Anfang Juni in Orléans losgewandert, mit uns am 22. Juli in Santiago eingelaufen. Mit einem unglaublich starken kanadisch-französischen Akzent. Ich kam mir immer vor als wäre ich mit der Zeitmaschine ins 17./18. Jahrhundert versetzt, wenn er sprach. In Québec benutzen sie noch viele Worte von damals und sprechen sie auch so aus wie vor 300 Jahren. Zum Teil so wie man spricht, also das ai in „affaire“ wie ei und nicht wie ä. Ich liebe diesen schrägen Akzent auch wenn ich oft nur die Hälfte verstehe.
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Nach einem längeren Anstieg verspürt man plötzlich ein laues Lüftchen. Der Gipfel ist fast erklommen. Der Wind begrüßt den Gipfelstürmer schon mal und trocknet die schweißtriefenden Klamotten. Was für eine Wohltat. Allein wegen dieser kurzen befreienden Momente hat sich der Weg gelohnt.
Jakobsweg-Ausklang
Juli 30, 2009Vorgestern morgen um 8 Uhr im Bus vom Plaza de Galicia, Santiago de Compostela auf einer Ausfallstraße nach Osten zum Flughafen. Hinter uns eine deutsche Familie: Vater (etwa in meinem Alter), Mutter und drei Kinder. Zwei Söhne ca. 14 und 16, eine Tochter um die 11. Aus Rheinland-Pfalz. Zwischen dem jüngeren Sohn und dem Vater entspinnt sich ein Dialog.
S: Ich frag mich, ob wir da gerade über den Tennisball gefahren sind, der vor uns auf die Straße gerollt ist. Das war ganz knapp. Ich glaube ja.
V: Dem Bus macht so ein Tennisball nichts.
S: Aber dem Tennisball!
V: Der Trend geht zum Zweittennisball. Die Spieler haben ja immer mehrere Bälle in der Tasche, so dass sie immer einen Ersatzball haben, wenn der erste ins Aus gegangen ist. So ein Tennisball ist bis zu 160 Stundenkilometer schnell. Der geht schnell mal ins Aus.
S: Und beim Squash? Wie schnell ist da der Ball?
V: Das weiß ich nicht, aber beim Squash sind die Wege ja viel kürzer, da muss der Ball nicht so schnell sein.
Das ging dann noch ewig weiter über andere Themen, z.B. die Pilgerbrüder, die wir am Straßenrand wandern sahen, die angeblich nach Leon und noch irgendwo anders hin „per Anhalter“ fahren sollten (hab nicht so genau hingesehen, eventuell hatten die Schilder), der Vater wusste über so ziemlich alles Bescheid und war dadurch auch etwas besserwisserisch, ich als außenstehender Lauscher empfand das aber nicht als störend. Ich hab ihn und seine so heil erscheinende höchstwahrscheinlich recht katholische Familie irgendwo bewundert. Noch physisch in Santiago wurde ich so geistig bereits in den Hunsrück teleportiert.
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Ich werde danach gefragt, ob ich nun die Erleuchtung gefunden habe. Hab ich nicht. Jedenfalls nicht im landläufigen, platten, endgültigen Sinne. Nur so ein paar winzigkleine Einsichten. Noch kleiner als unsere kleinen Schritte von im Schnitt 85 Zentimeter, die in ihrer millionenfachen Sequenz ziemlich weit nämlich gut 1000 km von Aire sur l’Adour nach Muxía geführt haben. Auch wenn ich an ein Ziel gekommen bin, zuerst in die Kathedrale von Santiago de Compostela, wo mir das qualmende 50 Kilo schwere Botafumeiro fast gegen die Stirn geschwungen wäre, dann an den Atlantik am Cabo Fisterra, wo es per pedes wirklich nicht mehr weiter geht. Wenn ein Weg zu Ende ist, dann beginnt ein neuer. Ans Ziel gelangt man nie. Die wichtigste und folgenreichste Erkenntnis vielleicht: Der Camino ist jetzt in mir. Ich krieg ihn aus meinem System nicht mehr raus. Nicht dass ich das wollte. I have been hooked. So wie die mittelalte, gläubige, deutsche Pilgerin, die wir mit ihrem Mann letztes Jahr vor Pamplona Burgos trafen über ihn sagte: „Der ist für jeden anderen Urlaub verdorben, der kann nur noch pilgern. Jeder andere Urlaub wäre viel zu ereignislos und langweilig für ihn.“ Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob es nächstes Mal unbedingt ein anderer der vielen Jakobswege sein muss oder es nicht vielleicht zum Beispiel auch der Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden sein könnte. Und noch was scheint sich immer mehr festzusetzen in mir. Wir gehen immer noch viel zu schnell. Wir sollten noch viel langsamer gehen, dass wir noch mehr fühlen, sehen, riechen und hören von der Natur und Kultur um uns herum. Man kommt so leicht in einen süchtig machenden Trott, der einen zwar geographisch weiterbringt aber nicht unbedingt innerlich. In dem Zusammenhang kaum noch erstaunlich, dass fast alle auf dem Camino noch hablbwegs normal gehen weil sie den Schmerz in den Füßen und Beinen aufgrund der im Hirn ausgeschütteten Neurotranmitter nicht mehr spüren, ihn quasi totgetreten haben, abends jedoch auf den Straßen in den Etappenorten sofort aufgrund ihres Ganges erkennbar sind weil fast alle lahmen und hinken. Kurze Wege gehen nicht mehr. Die Füße sind zum Dieselmotor geworden. Sie wollen laufen und laufen und laufen. In dem Zusammenhang natürlich die Theorie der unnötigen Pause. Pausen sollte man nicht machen, denn danach dauert es schmerzlich lange bis man seinen Tritt wieder gefunden hat. Stimmt nicht ganz aber die Länge der Pause sollte man sich schon überlegen. Das ist so wie mit der Siesta: Über eine halbe Stunde macht einen anschließend nur noch fertiger.
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Juli 3, 2009Was unterscheidet den Kapitalismus vom Kommunismus? Im Kommunismus werden die Betriebe zuerst verstaatlicht und dann ruiniert. Im Kapitalismus werden sie erst ruiniert und dann verstaatlicht.
(Václav Klaus)
Autechre – Bike
Juni 29, 2009
das hat mir vorhin beim ipodshuffle die füße unter den beinen weggeknickt. und das trommelfell zum grooven gebracht. der stereoeffekt am anfang hat mir richtig angst gemacht. da springen die töne hin und her von links nach rechts und von rechts nach links als wären sie explodierende mp-patronen. das hört man nur auf ohr- und kopfhörern. und der wahnsinnshall. das ist elektronische musik wie ich sie mag, leute. auf der suche nach den grenzen des bewusstseins. idm nannten sie das genre. gar nicht so blöd auch wenn es angeberisch klingt. techno ist jedenfalls eher ddm. d wie dumb. ob ich die verachtung für techno nochmal aus meinem system krieg? vielleicht demnächst im berghain?
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Juni 8, 2009m. back in the brd. mit 70 dosen kautabak. total durchgeknallt. also ich glaub nicht, dass konsum glücklich macht. vor allem nicht der von 70 dosen wintergreen skoal kautabak. wintergreen, das ist der kloreinigergeschmack. american geschmacksverirrung. da gibt es doch gepflegtere wege, sich den krebs an den hals zu holen. c. hat aufgehört, zu rauchen. ein deal. ich habe vorgelegt mit zwei monaten abstinenz. morgens im badezimmer bevor sie das nikotinpflaster auf den oberarm geklebt hat, ist sie unausstehlich. schreit mich an, schlägt mich gelegentlich gibt mir kläpse auf den rücken. bin im ersten moment völlig perplex, muss mir mühsam den grund herleiten. sie leidet ziemlich. nikotin ist die härteste droge überhaupt. hab ich schon zig mal geschrieben. aber es kristallisiert sich immer mehr als eine der ganz großen lebensweisheiten heraus. nach zehn monaten erlebe ich immer noch momente extremer schmacht. spüre fast permanent eine reizung im hals. vorhin das philosophische quartett gesehen. juli zeh ist genauso alt wie ich dachte. baujahr 74. brünett und blaue augen. wie w., meine erste freundin. außerdem ist sie ähnlich naiv und unbekümmert wie w. und ziemlich intelligent. ich glaube, ich bin gerade dabei, mich zu verlieben.
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Juni 6, 2009In seinen Texten herrscht eine Ruhe, in der wir unser eigenes Herz schlagen hören.
(Vorwort zu Walter Kappacher: Selina oder das andere Leben)
barry white
Mai 23, 2009in diesem plattenladen in new york, in greenwich village, ganz in der nähe von the strand, dem riesigen buchladen, wo sie mich wegen meines rucksackes, den ich nicht durchchecken lassen wollte, nicht reinlassen wollten, da lief eine schallplatte, die mich total umgehauen hat, sie war vom love unlimited orchestra, von barry white, dem alten schwerenöter aus den siebzigern, in denen ich aufwuchs, um genau zu sein aus dem jahr 1974, und das beste war, auf der platte sang keiner weder barry white mit seinem ultrabass noch die mädels vom orchestra, die platte war rein instrumental. und ich habe mich unsterblich verliebt in sie. barry white ohne die stimme, das hat was. ich hör die scheibe gerade auf meinem lausigen halbautomatischen plattenspieler von vor 20 jahren. hört sich scheiße an, so eindimensional blechern, ohne bässe, kann auch an den englischen boxen liegen, vielleicht hätt ich ja statt der platte die anlage in dem laden in new york kaufen sollen.
[muss gerade ganz fürchterlich über den namen lachen. white? schwärzer als barry white, geht das überhaupt?]
nyc war toll, aber ich krieg den post nicht gebacken
Mai 19, 2009heute morgen vorm joggen hatte ich einen puls von 33. wenn das so weitergeht, dann erwartet mich in elf tagen das nirvana. ansonsten will ich unbedingt was über new york schreiben bevor ich wieder alles vergessen habe, eine woche im big apple geht nicht spurlos an einem vorbei. you can call it liebe auf den zweiten blick. 1979 rannte ich im heißen juli durch greenwich village – wo eigentlich nix zu sehen war – und war glaube ich im natural science museum, ein tag, der kaum hängen geblieben ist. nur an die knapp einstündige fahrt vom see in connecticut mit robert, der in meinem alter war, erinner ich mich noch ganz gut. er fuhr glaube ich den bug – beetle sagte damals niemand in den usa – nicht den straßenkreuzer, im radio viele worte und werbung, der morgen hatte noch diese erfrischende kühle, die ihm im sommer noch einen zusätzlichen vorteil gegenüber den anderen tageszeiten beschert. cut. vorhin mal wieder „on the beach“ gehört – da gibt es einen ilm thread drüber was das beste lied auf der platte ist – und die story über die honey slides gehört. also das titellied und „motion pictures“ sind so ziemlich die besten lieder, die gras und honig so hervorgebracht haben. lässiger geht nicht mehr. und das schönste ist, diese backmischung nimmt man oral ein, lungenzüge braucht sowieso kein mensch. wieso ich so derartig over the top bin these days, ist mir auch schleierhaft. weil die zwei monate abstinenz vorbei sind? weil ich immer noch den kick vom fliegen habe? weil der jetlag noch wirkt und mich aufputscht? weil ich heute zweimal sport getrieben habe? weil ich jetzt wieder morgens meinen liter tee trinken kann? wegen der nachmittag-kaffees im büro? oder sind es die altoids? no clue whatsoever. schon viertel vor eins, jetzt aber ab in die heia.
L’espèce humaine
Mai 4, 2009Vor über 5 Jahren habe ich dieses Buch angefangen. Jetzt habe ich es beendet. Für das Lesen habe ich fast genauso lange gebraucht wie die Allierten, Hitlerdeutschland niederzuringen. Und sogar das Anfangs- und Enddatum stimmt nahezu: begonnen Anfang September 2003, beendet Anfang Mai 2009. Coincidentia, ick hör dir trapsen. Wieso hat das nur so lange gedauert? Die Frage habe ich mir beim 2. Weltkrieg auch immer gestellt. Eine unoriginelle Antwort: es war nicht einfach, es war sogar oft abstoßend und nur schwer erträglich. In dem Buch schildert Robert Antelme das Leben im KZ Buchenwald und den Abtransport nach Dachau gegen Ende des Krieges. Er beschreibt das langsame Sterben vieler Mitgefangener, wie sie eingepfercht in Güterwaggons kurz vor ihrem Tod nicht mehr an sich halten können und an Ort und Stelle scheißen. Und wie sie dafür noch von ihren Schergen zur Sau gemacht werden. Bei der Befreiung wog Antelme, der übrigens damals Marguerite Duras‘ Ehemann war, noch 35 Kilo und überlebte überraschenderweise. Eine Passage kurz vor dem Ende nachdem eine Frau in einem tschechischen Dorf den halbverhungerten Gefangenen im Bahnwaggon einige Brotpakete überreicht hat:
Die auf der anderen Seite des Waggons erkundigen sich ängstlich:
„Wir teilen doch alles, ja?“
„Nun heult mal nicht, ihr bekommt euer Teil!“ antwortet Ben. „Ich mache die Portionen und Jo teilt aus… Einverstanden?“
„Einverstanden.“
Aber sie lassen ihn nicht aus den Augen und überwachen die Teilung. Die Brotscheiben liegen aufeinander, groß wie eine halbe Hand und dick wie zwei Finger. Sie bilden einen schönen Haufen. Jo beginnt mit der Verteilung. Die Scheiben gehen von Hand zu Hand; sie kommen durch den ganzen Waggon. Ich beiße in mein Stück hinein. Ich sehe es nicht an. Noch nie habe ich so langsam gekaut. Dieses Stück Brot schläfert mich ein: ich sehe nicht einmal, wie es kleiner wird. Als ich nichts mehr im Mund habe, halte ich einen Augenblick lang inne, dann beiße ich ein anderes Stückchen ab. Der Mund ist vollgestopft mit Brot. Ich habe den Eindruck, daß der Körper dicker wird. (S. 380)
Irrenhaus
April 27, 2009Danach sollen Finanzinstitute ihre derzeit unverkäuflichen Wertpapiere in Zweckgesellschaften zwischenlagern und so mit ihren dann gereinigten Bilanzen wieder Vertrauen im Markt zurückgewinnen. (q)
Träume ich jetzt oder was? Da kommen sie doch her, die Schrottpapiere, die verbrieften faulen Kredite. Es gibt sie doch nur weil die Banken sie in Zweckgesellschaften außerhalb ihrer Bilanzen ausgliedern konnten. Sie jetzt dort wieder hin zu manövrieren ist ja wohl die totale Bankrotterklärung der Regierung. Die Banken tanzen Steinbrück, Merkel et al. auf der Nase herum. Die machen einfach so weiter als wäre nichts geschehen. Fahren im 1. Quartal sogar fette Gewinne ein. Und Ackermann schwadroniert wieder von Renditezielen, die nur erreicht werden können, wenn der Staat, also wir, die Banken dann wieder rausboxen, wenn es in die Hose gegangen ist. Aber vielleicht bin ich ja nur zu blöd, das alles zu kapieren. Hoffen wir mal, dass es so ist.
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April 26, 2009Turbolenz
selbst in schuld
April 24, 2009Hätte ich Idiot nicht mit dem Rauchen aufgehört, dann könnte ich mir jetzt in aller Seelenruhe eine anstecken. Der Gedanke wird zum running gag.
Santana – Samba pa ti
April 23, 2009Zuerst erschienen 1970 auf Abraxas, 1974 dann als Single aus einer Hitkompilation ausgekoppelt.
Die Siebziger waren musikalisch gar nicht so langweilig wie sie mir in der Erinnerung bis vor kurzem erschienen. Sie waren nicht nur das überproduzierte Wasteland aus Progrock, Jazzrock, Glam, Soul, Funk, MoR, Schwedenpop, Schlager usw. Sie waren auch und vor allem das, das stimmt schon, aber sie hatten auch ziemlich gute Musik zu bieten. Und das Erstaunlichste ist, dass ich sie sogar zum Teil gehört habe obwohl ich in den Siebzigern zwischen sechs und sechzehn war und somit nicht unbedingt die Musiktrends jenseits des Mainstreams kennengelernt habe. Ich fange jetzt mal eine lose Reihe mit Posts über Tracks aus den Siebzigern an, die mir mit guten Erinnerungen im Hirn haften geblieben sind und die ich auch heute noch gelegentlich, wenn ich in einer nostalgischen Stimmung bin oder mich in eine versetzen lassen will, gerne höre. Bei sehr vielen Songs aus der Zeit ist das nicht der Fall. Hierunter fällt z.B. das Gesamtwerk von Abba und auch die Fistelstimme des Supertrampsängers Roger Hodgson ertrage ich nicht mehr. Von Freddie Mercury und Queen will ich jetzt gar nicht anfangen.
Samba pa ti (auf deutsch: Samba für dich) habe ich zum ersten Mal Mitte der Siebziger in einer TV-Vorabendserie gehört. Ich glaube es wurde gespielt als sich gerade eine Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und einem Jungen anbahnte. Auf jeden Fall war ich beim ersten Hören sofort hin und weg. Das Instrumental wurde in meinen Gedanken sofort das ultimative Bluesstück. In Frankreich sagt man übrigens erstaunlicherweise slow zu dem Tanz bei dem sich die Partner eng umschlingen und sich gaaanz langsam um die eigene Achse drehen. Natürlich habe ich auf Samba pa ti nicht ein einziges Mal in meinem Leben mit irgendeinem Mädchen getanzt. Dieser Traum wird wohl auf ewig unerfüllt bleiben. Nick Hornby hat sich übrigens gewünscht zu Samba pa ti seine Unschuld zu verlieren, für ihn hörte sich das Lied an wie wenn zwei Liebe machen. Ist nicht völlig abwegig, u.a. auch da die Geschwindigkeit im Laufe des Stücks ansteigt, aber auf den Gedanken wäre ich niemals gekommen. Dazu war es mir damals viel zu verträumt romantisch und zu zärtlich. On second thoughts: Wobei schneller werdende Musik eigentlich gerade nicht zu Sex passt. Weil sich die Bewegung beim Sex schon von ganz alleine beschleunigt. Meine Lieblingsmusiken für dieses Setting sind jedenfalls alle durchgehend langsam.
Bei Samba pa ti fasziniert mich die meditative Ruhe der langsam gespielten Gitarrenmelodie, deren einfache Schönheit fast weh tut, und dieses Innehalten nach der aufsteigenden Tonfolge. Die Pause, in der sich eine starke positive Spannung aufbaut, die erst in einer Wiederholung der Melodie vorübergehend aufgelöst und dann später von einer dissonanten, lauten Keyboardfigur endgültig entladen wird. Danach wird extemporiert und improvisiert, der Track läuft irgendwie ohne klar definiertes Ende aus. Er könnte eigentlich noch ewig weiter gehen.
Carlos Santana sagte kürzlich in Mojo folgendes, was die direkte Emotionalität des Liedes anspricht:
…when I recorded it I was thinking of nothing, it was just pure feeling. I have a suspicion it came from stuff bottled up inside me, that I didn’t know how to express or articulate. (q)
Cocteau Twins – Wax and Wane
April 20, 2009
Das ist das zweite Lied auf der ersten Platte der Cocteau Twins, die im Juni 1982 rausgekommen ist. In dem Monat gegen dessen Ende ich mich auf eine Reise gemacht habe, von der ich eigentlich nicht zurückkommen wollte und in gewisser Weise auch nie zurückgekommen bin. Liz Fraser, die ätherische Stimme der Cocteau Twins, war 18 zum Zeitpunkt der Aufnahme. Sie ist sechs Wochen jünger als ich wie ich vor kurzem herausfand.
Der Song beginnt mit einem langsam anschwellenden Hallton. Die kosmische Hintergrundstrahlung als Geräusch? Und nimmt damit den Faden des ersten Liedes Blood Bitch auf, das entsprechend ausklingt. Enter the drum machine. Sowie der elektrische Bass von Will Heggie, der diesem Album und diesem Lied den sonoren Sound gibt. Ominös und dunkel, in den Vordergrund gemischt, stark hallend, ist der Bass hier das Leadinstrument. Ganz in der Schule von Peter Hook bei Joy Division/New Order. Der schnell gespielte, kraftvolle, erdig-melodische Bass windet sich geschmeidig um die drum machine, deren perfekter, klinischer Rhythmus mich ausnahmsweise mal nicht stört. Er passt in die bedrohliche und bedrückende Atmosphäre. Und akzentuiert das anziehend Hypnotische des repetitiven, minimalistischen Songs noch. Robin Guthrie’s verzerrte, feedbackgetränkte Gitarre versorgt das Stück mit einem zusätzlich verunsichernden, lärmigen Element. On top of that kommt dann nach über einer Minute Liz Fraser’s mädchenhafte, gurrende Stimme hinzu. Sie bringt engelhaftes Licht in die Dunkelheit und hält das Lied davon ab, dass es sich völlig im Schattenreich verliert.
Im Gegensatz zu den anderen federleichten Cocteau Twins Platten, deren Musik zu schweben scheint und den Hörer nach oben Richtung Himmel trägt, zieht dieses ernste und gewichtige Album nach unten auf die Erde. Vielleicht sogar zur Hölle hin. Wie auch einige andere Meisterwerke des cold wave (Joy Division’s Closer, New Order’s Movement, The Cure’s Faith, The Birthday Party’s Junkyard) hat dieses Album einen Titel aus einem Wort, das allerdings weniger abstrakt bzw. schmuckvoller daherkommt: Garlands (Girlanden).
Nachdem ich am Wochenende mal alle knapp hundert Cocteau Twins Lieder außerhalb des Albumkontexts durch- bzw. angehört habe, kam ich übrigens zu dem überraschenden Ergebnis, dass ich Garlands (7/8 Stücke, die ich mag) Heaven or Las Vegas (8/10) vorziehe. Noch erstaunlicher war allerdings, dass diese beiden noch von dem vorletzten, recht poppigen Four-Calendar Café (9/10) übertroffen wurden. Ich bin halt doch sehr simpel gestrickt wie ein guter Kumpel sagen würde.
Umfrage, die erste
April 20, 2009(via)
time flies
April 19, 2009Das Konzert der Go-Betweens vom 9.5.2003 in Darmstadt in seiner vollen Pracht. Das ist schon wieder fast sechs Jahre her. Ich sehe Robert Forster noch vor mir wie er am Schluss zu dem nicht enden wollenden The Farmhouse that Jack Kerouac Built so ausgelassen tanzt, dass er nahezu vom Hallenboden abhebt. Those were the times.
Blitzfrühling
April 2, 2009Vor ein paar Tagen habe ich noch morgens das Eis von der Windschutzscheibe gekratzt und jetzt sind gefühlte 20 Grad und die Forsythien in unserem Garten blühen so gelb, dass es einem in den Augen wehtut. Und von der Blitz-Insolvenz spricht heute auch kaum einer. Noch einen Tag Arbeiten und dann geht es für eine Woche tausend Kilometer Luftlinie gen Südwest. Die Schmacht ist noch da, aber sie kämpft auf verlorenem Posten wie der Winter. Wird jetzt alles gut?
An exciting day
April 1, 2009Die Stadt Frankfurt greift im Kampf gegen die stetig wachsenden Populationen von Kaninchen und Tauben im Stadtgebiet nun zu drastischen Mitteln: Nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung hat der Magistrat eine „Abwrackprämie“ zur Bekämpfung der Plagen beschlossen. (mehr)
In the last few months I have read several reports about internet providers working with record labels and the RIAA to cut off the service of anyone who downloads music from sites like this one. Now, there’s finally a plan that makes sense. (more)
leaked.
sounds pretty great.
like Rather Ripped, but with thicker sound – which is better! (more)
Says Sonic Youth’s Thurston Moore, “The first time I heard it, I hated it; but the second time, my brain turned around backwards in my skull. It changed me forever; I think it changed all of us.” (more)
I’ve just heard that FIDE are considering reinstating an old rule that pawns don’t need to promote when they reach the 8th rank, but can simply remain as pawns. (more)
X Mal Deutschland – Orient
März 30, 2009
Dieses Video habe ich mir heute abend bestimmt schon fünf oder sechs Mal angesehen und es langweilt mich immer noch nicht. Das Lied ist von der ersten Platte Fetisch (1983) von der Hamburger Band X Mal Deutschland. Sie waren nicht besonders erfolgreich in Deutschland – kein Wunder bei dem Namen – aber die Engländer und zwar insbesondere John Peel liebten sie. Sie tourten damals mit den Cocteau Twins und landeten dann passenderweise bei 4AD. War auf diesem anspruchsvollen ätherisch angehauchten Indie-Label jemals noch eine andere deutsche Gruppe? Ich weiß es nicht. Im Mittelpunkt der Band stand die charismatische platinblonde Sängerin Anja Huwe, die heute in Kunst macht. Wie sie hier am Anfang mit den Armen und den Schultern sehr energisch tanzt und dann beim Singen die Augen nach oben rollt das hat etwas Berückendes. Der Song bewegt sich irgendwo zwischen NDW-Pop, EBM, Gothic, Punk und Drone Rock, da ist so ziemlich alles drin was mein Herz begehrt. Eine schön verzerrte, lärmende Gitarre, ein satt dahinwummernder Bass, ein lautes, das Ganze nach vorne treibendes Schlagzeug und eine super catchy Synthie-Melodielinie. Die Soundqualität ist eher untergründig, aber das ist gut so.
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März 30, 2009.
März 30, 2009Wurstkäs-Szenario
no future
März 29, 2009Cohn-Bendit: Verstaatlichung ist höchstens als kurzfristige Rettungsmaßnahme sinnvoll. Staatliche Banken sind doch nicht besser als private, wenn sie sich den Marktmechanismen unterwerfen. Die Manager von Staatsfirmen gehen auch nicht verantwortungsvoller mit der Natur um. Unser strategisches Problem ist: Der Markt kennt das Wort Zukunft nicht. Auf dem Markt müssen Sie kurzfristig denken. Aber die Politiker müssen langfristig denken und handeln, wenn sie die Zukunft gestalten wollen. (q)
Den letzten Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der einzige Politiker, der über den Tellerrand des nächsten Wahltermins hinaussieht, ist keiner mehr, denn das wäre höchstens der elder statesman.
Juliane Werding – Am Tag als Conny Kramer starb
März 28, 2009
Neulich hatte ich so nostalgische Anwandlungen und dachte zurück an meine Jugend. Und ich stellte mir die Frage, was eigentlich das erste zeitgenössische Lied gewesen ist, das ich bewusst wahrgenommen habe. Da kam mir sofort die deutsche Version von Robbie Robertson’s (The Band) Bürgerkriegsballade The Night They Drove Old Dixie Down in den Sinn. Ich erinnere mich zwar auch sehr gut an so einen Ohrwurm wie Sugar, Sugar von den Archies, der schon Ende 1969 rauskam, aber ich gehe mal davon aus, dass ich ihn erst später bewusst gehört habe, ich habe jedenfalls keine Erinnerung an einen Ort oder einen Zeitpunkt. Damals wäre ich sechs gewesen. Das war anders mit Conny Kramer. Das Lied habe ich auf dem Schulhof der Grundschule in Moers-Hülsdonk gehört. Wahrscheinlich als ich schon auf dem Heimweg war. Ich war acht Jahre alt und in der 3. Klasse. Die Szene am Grab mit den läutenden Glocken und den weinenden Freunden ist sofort haften geblieben und ich fand sie unheimlich traurig. Allerdings habe ich nie verstanden warum Conny Kramer gestorben ist. Der Schlager tönte glaube ich aus einem Transistorradio. Das war also 1972 noch vor den olympischen Spielen in München, an die ich mich sehr gut erinnern kann, da ich sie vorm Fernseher in Vaters kleinem Zimmer mit der Terrassentür von morgens bis abends verfolgte. Es war ein wunderbarer Sommer. Bis zu dem Terroranschlag im olympischen Dorf. 1972 war das Jahr, in dem der Tod sich das erste Mal ganz fern am Horizont bemerkbar machte in meinem Leben. Juliane Werding war gerade mal 16 als sie mit diesem Schlager ihren Durchbruch hatte. Der Text hat einen autobiographischen Hintergrund. Sie kommt aus Essen und zog dort mit einem Straßenmusikanten namens Peter durch die Fußgängerzone. Er war der erste Drogentote in Essen. Wenn man sich das vergegenwärtigt, dann kommt sie einem hier unglaublich tapfer vor und man versteht auch warum sie so ernst und niedergeschlagen guckt.
saviour’s sex
März 28, 2009William ist von einer Mission beseelt: Er ist überzeugt, dass die Welt in wenigen Stunden untergehen wird – und dass er berufen ist, sie zu retten. Als Einziger hat er die Zeichen erkannt und gedeutet, und jetzt muss er sich beeilen und die überhitzte Welt abkühlen, bevor sie verglüht. Lektürefetzen zur Klimakatastrophe haben sich in seinem Kopf mit diffusen Erlösungsphantasien zu einer bizarren, in sich aber vollkommen schlüssigen Überzeugung verquickt: Die Welt ist in ihm, deshalb kann er sie, indem er sich selbst abkühlt, mitabkühlen. Für diesen Temperatursturz aber muss er ein Opfer bringen, das ihn, ganz wie der Anblick von Geld, mit Sehnsucht und Ekel zugleich erfüllt: Er muss mit jemandem Sex haben.
(Aus einer Besprechung von John Wray’s Retter der Welt (Originaltitel: Lowboy))
Zweimal kurz weggucken
März 23, 2009Noch zwei beschissene Filme mehr gesehen in diesem Leben. Schultze gets the Blues (ein Stern), ein transusiger Film über einen pensionierten Bergmann aus dem Osten, der sein Akkordeonspiel an die neue Weltlage anpasst. Statt Polka spielt er jetzt ein Südstaatentanzliedchen. Einer der lahmsten Filme, den ich je gesehen habe. Nur zwei konnten ihm das Wasser reichen, Tous les matins du monde über diesen französischen Barockmusiker, der die Viola da Gamba spielt und der van Gogh Film, wo Dutronc die Hauptrolle spielt. Man wartet anderthalb Stunden, dass mal was passiert, dass es losgeht. Stattdessen jede Menge kitschige Landschaftsbilder. Ideal für den Schönheitsschlaf vor dem DVD-Player.
Dann noch I’m not there (zwei Sterne), den Dylanfilm, wo der Meister von diversen Schauspielern gespielt wird. Sehr enervierend das Selbstreferentielle und Schnippische von Dylan im Umgang mit der Presse. Man hat es schon oft gesehen, aber er kommt einem vor wie ein kleines, gekränktes Kind mit seiner andauernden Unart, den Fragesteller zu verunsichern und selber in Frage zu stellen. Ansonsten Cate Blanchett ganz klar die beste Dylanpersonifikation. Auch ihre Stimme überzeugt, da sie ähnlich abgehackt und nasal-nuschelig ist. Der Rest ein riesiges Potpourri mit erfundenen Namen und Interviewpartnern, die auch von Schauspielern dargestellt werden. Was Richard Gere als Pat Garrett oder irgend so ein dahingelaufener Cowboy da zu suchen hatte, weiß wohl auch nur der Drehbuchautor. Total lächerlich. Irgendwo passt das natürlich auf Dylan, seine eigene Mystifikation wird ins Absurde weitergetrieben, aber insgesamt nervt das ganz gewaltig. Der beste Dylanfilm bleibt weiterhin ganz klar No Direction Home von Scorsese. Dokumentarisch ohne Firlefanz, mehr brauchts nicht bei Dylan.
How long?
März 23, 2009Es wird einfach nicht besser. Die Kehle brennt, ist irritiert, juckt und kratzt. Ein Königreich für eine Zigarette. Und dieser wirre Gedanke, hätte ich doch gestern schon wieder angefangen, dann könnte ich heute in aller Seelenruhe ohne mir Vorwürfe zu machen, eine rauchen. Und sie vielleicht sogar genießen weil wieder eine ganz dünne Teerschicht auf der Lunge wäre. Wie krank macht einen diese schlimmste weil sanfteste aller Drogen? Für die Raucher ein kleines Filmchen von 1961 (via). Aber erst eine anstecken vorher, okay?
Stadt Land Fluß
März 20, 2009Die Gemeinde Budenheim ist die einzige verbandsfreie Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen und liegt in Rheinhessen, 9 km westlich von der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz, gelegen am Rhein.
Ich sag nur Seite 168.
Wanderlust
März 19, 2009Heute morgen war Frühling. Es war schon früh hell, die Sonne konnte ungehindert auf Niederhöchstadt hinunterscheinen heute morgen. Von den Temperaturen her war es immer noch kühl, so um die fünf Grad, aber das sind nur noch Rückzugsgefechte des Winters. Er hat eigentlich keine Chance mehr, es ist sozusagen seine Ardennenoffensive. Was ein Bullshit, egal. Jedenfalls wurde mir heute morgen klar, was das Problem an unserer Jakobswegbegehung ist. Für diejenigen, die dieses Projekt nicht verfolgt haben: Wir wanderten im Sommer 2007 in Aire sur l’Adour los und kamen in zwei Wochen bis Logroño, der Rioja-Hauptstadt. Letztes Jahr gingen wir von dort in drei Wochen u.a. durch die Meseta bis nach Villafranca del Bierzo. Von dort haben wir noch knapp zehn Tage nach Santiago und dann noch ein paar Tage bis nach Fisterra zum Atlantik. Ein großes Rätsel für mich war, dass die Etappe letztes Jahr viel weniger eindrucksvoll als unsere ersten Schritte 2007 gewesen ist. Und es schwante mir schon vorher, dass es mit dem unvermeidlich näher kommenden Ziel zu tun haben könnte. Ich habe jetzt eine neue Idee. Anstatt in Villafranca weiterzumachen und über die galizischen Berge zu ziehen, könnten wir doch ganz von vorne anfangen. In Frankfurt. Das könnte dann so aussehen:
- Frankfurt/Main – Konstanz: Fernwanderweg E1 mit dem Andreaskreuz, 600 Km, ca. 26 Tage
- Konstanz – Genf: Jakobsweg Schweiz, 18 Tage
- Genf – Le Puy, Via Gebennensis, 16 Tage
- Le Puy – Aire sur l’Adour, 23 Tage
Summa summarum 83 Tage mit den zwei Wochen Villafranca bis Atlantik noch 97 Tage. Wenn man davon ausgeht, dass wir im Schnitt maximal 2 1/2 Wochen Urlaub pro Jahr für diesen Spaß übrig haben, dann reicht das auf jeden Fall bis 2014. I am stretching it, I know.
lob der telekom
März 15, 2009habe es jetzt doch noch geschafft mit dem neuen medion netbook in unser wlan reinzukommen. hat länger gedauert, die hotline von medion war wenig hilfreich. am ende hat mir die t-online technikhotline aus der patsche geholfen. eigentlich hatte ich den telekom-support nur wegen der bei uns scheinbar nicht funktionierenden 0900er nummern (der teure medionsupport außerhalb der garantiezeit bzw. wenn es bei funktionierender hardware softwareprobleme gibt, hat so eine nr.) angerufen. dazu gab es zwar keine erklärung aber mein ursprüngliches problem konnten sie lösen. ich hatte festgestellt, dass ich bei kompletter rausnahme des mac filters (jedes gerät hat eine eindeutige adresse, geräte die dort nicht verzeichnet sind, können nicht in das wlan) aus dem wlan-konfigurationsprogramm mit dem netbook doch ins netz kam. das sesam-öffne-dich des technikers lautete dann „ipconfig /all“, unter dos eingegeben, natürlich. nicht die mac-adresse, die auf der rückseite des rechners steht ist hier korrekt, nein es ist die mac-adresse der drahtlosen netzwerkverbindung. im nachhinein ist das eigentlich ziemlich logisch. ich hatte mich mit hex-passwörtern rumgeschlagen und befürchtet, dass es wegen des ollen t-sinus 130 dsl routers der telekom, der nur 11 mbit/s übertragen kann während die wireless lan card des netbooks 100 mbit/s überträgt, kommunikationsprobleme geben könnte und ich einen neuen router kaufen müsste. brauch ich jetzt erstmal nicht, keinen bock auf diesen ganzen installationsmist, der immer stunden an wertvoller lebenszeit auffrisst.
abnabelung
März 15, 200935 rhums von claire denis gesehen. war so wie ich befürchtet hatte. sehr langatmig mit wenig handlung, hat sich gezogen wie ein kaugummi. überraschend gut der soundtrack der tindersticks, die ich als one-trick ponys eigentlich schon vor über 10 jahren abgeschrieben hatte. sehr zurückgenommen und variationsreich mit fender rhodes, flöte, melodica und ohne streicher. einige beschauliche und viele realistische bilder im milieu der zugewanderten afrikanischstämmigen in paris. lionel, der s-bahnfahrer, nervt etwas mit seinem dauerschweigen. als er sich dann auch noch die junge, sexy dunkelschwarze unter den nagel reißt, verscherzt er sich bei mir die letzten sympathien. gönn es ihm nicht und bin neidisch. was für eine erbärmliche kreatur mann doch ist. achso das thema. in dem film geht es um die abnabelung von lionel’s tochter jo von ihrem vater, die beide nach dem tod ihrer deutschen mutter zusammen in einem pariser arrondissement mit vielen einwanderern leben. mit den nachbarn noé, der jo verehrt und gabrielle der taxifahrerin, die lionel liebt, könnte es eine ménage à quatre geben. es reicht am ende aber nur für ein pärchen. viele szenen, die kaum sinn im gesamtzusammenhang ergeben. die wie ein angeklebter bart wirken. neben caven als plappertante in lübeck, eine kurze traumsequenz von lionel und jo auf dem pferd und der bereits genannte one night stand lionel’s. auch der kleine sankt-martinszug, der sich „laterne, laterne“ singend durch die dämmerung der ostseedünen bewegt, erscheint im filmkontext eher als kuriosum von einem anderen stern. schön romantisch verträumt, aber für meine begriffe völlig unpassend. das ist ja auch gar nicht der ort zum singen, das wären eher die straßen in der stadt. am ende das runterkippen der 35 rums, à 2 cl schätze ich mal, bleibt auch eher rätselhaft. man wartet auf eine geschichte hierzu, die lionel am anfang angekündigt hat. es kommt aber nix. das beste am film und an lionel. der von ihm gekaufte rote reistopf.
ganz knapp drei sterne. eigentlich 2 1/2, aber die runde ich auf.
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März 12, 2009Sie findet, dass ein Bett eher dazu da ist, darin zu schlafen.
derwischt
März 12, 2009naked people (via)
(Das Gefühl, dass mich jemand ausspioniert. Nachdem ich einige Frauen ausgezogen habe, kommen fast nur noch Frauen. Als hätte das Programm gemerkt, dass ich ein heterosexueller Mann bin.)
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März 11, 2009Dann stieß ihm seine Freundin zu Weihnachten wütend den neuen Alessi-Korkenzieher in jenen Körperteil, den seine Kollegen Porsche nennen und den Daniel, wie er selbst es formuliert, schon in vielen Garagen geparkt hat.
(aus einem Verriss von Bodo Kirchhoff’s neuem Buch Erinnerungen an meinen Porsche, wo sich ein Investmentbanker an die guten Zeiten erinnert)
Sophie Hunger – Round and Round
März 8, 2009Sophie Hunger – Round and Round
Eines der Lieder, von denen man nach dem ersten Hören meint, es schon einmal gehört zu haben. Aber dadurch, dass man den unmittelbaren Ohrwurm nicht wirklich in seine auditive Rezeptionsgeschichte¹ einordnen kann, so total umwerfend. Wobei ich es wirklich schon einmal gehört hatte, und zwar auf France Inter, wo die Deutschschweizerin Sophie Hunger regelmäßig gespielt wird. Analog zum Döner Kebap könnte man sagen ein Lied mit allem: Da sind vom Rhythmus her Drive und Groove drin, die expressive Stimme hat viel Soul und eine Prise Blues und die unwiderstehliche Melodie schraubt sich wie ein Korkenzieher direkt ins Herz. In seiner Wärme erinnert mich Hunger’s Gesang an den von Leslie Feist, es schwingt aber auf jeden Fall auch ein bisschen Janis Joplin mit und etwas Folkiges à la frühe Michelle Shocked oder Sally Barker. Ihre Stimme schmiegt sich um die Musik und kann auch sehr eruptiv werden. In solchen Momenten muss ich an Jeff Buckley denken. Ich erinner mich an keine andere Sängerin, die ähnlich intensiv und verletzlich gesungen hätte wie der unglückliche amerikanische Troubadour.
Links:
– Homepage (Myspace)
– 15 Lieder im Stream bei last.fm
– 2 mp3s bei aurgasm, wobei die Plattenfirma darüber nicht so begeistert ist
– Video von Ne Me Quitte Pas für die Blogothèque
– Artikel zu einem Konzert in London Ende 2007 in Das Magazin
¹ Oder wie nennt man die Summe aller Musikstücke, die man jemals gehört hat, etwa individuelle Hörgeschichte?
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März 8, 2009Warum aber, so eine der Fragen, über die Medien und Regierung hinweggehen, warum werden dann die Banken mit Geld gefüttert und nicht die Familien und Haushalte, die ihre Kreditzinsen nicht mehr bezahlen können? Dann bekäme das Banksystem Geld, und zugleich würden Eltern und Kinder nicht aus ihren Häusern gejagt. Vermutlich würde dann allerdings deutlich werden, dass die sogenannten faulen Kredite nicht mehr als ein kleiner Auslöser der Krise waren.
(Friedrich Krotz in der taz)





