Knacken der Schaltuhr.
Ticken der Uhuwanduhr.
Duschwasserfälle.
Knacken der Schaltuhr.
Ticken der Uhuwanduhr.
Duschwasserfälle.
Wie ein Scherenschnitt:
Schwanzmeisen auf Zierpflaume
vor Morgenrosa.
Mit der linken Hand
massier‘ ich dir frühmorgens
deinen Rücken warm.
Sorglose Jungens
sowie störrische Alte
sind nicht zu stoppen.
Kein Melatonin,
kaum Schritte, kein Frost, kein Schnee.
Trotzdem durchgepennt.
Das Allerschlimmste
am Reflux, dass er einen
auf sich zurückwirft.
Gegen Reflux hilft
nur ein bewährtes Gerät:
die Guillotine.
Wundere mich, dass
der Reflux in meinen Hals
noch kein Loch gebohrt.
Der tiefe Schlummer
in Frostnächten, in denen
morgens der Schnee fällt.
Die Impfbereitschaft
des Pflegepersonals liegt
bei fünfzig Prozent.
Woran liegt es nur,
dass die Leute neuerdings
so empfindlich sind?
Bei Eiseskälte
plantschen die Spatzen munter
in Vogeltränke.
Am Horizont färbt
Abendsonne Kumulus
bedrohlich rosa.
Rotbraune Eichkatz
verfällt an Haselnussbar
in Totenstarre.
Mädchen fragt, ob sie
Hund streicheln darf und sorgt sich
um fleckiges Fell.
Hinter uns tönt es:
„Ich fahre jetzt links vorbei!“
vom Rollskifahrer.
Sennenhündin trifft
im Schnee auf weißen Riesen:
Caspar, den Kuvasz.

Vor Bankentürme
schiebt sich orange Kugel.
„Ti kanis, Eos?“
Das Fenster öffnen
und „Moin“ in die ganze Welt
hinausposaunen.
Reflux weckt mich auf.
Linderung durch Kaugummi,
Wasser, Heilerde.
Das Fensteröffnen
lässt mich frösteln, bin bereit
für Klimawandel.
Taubenkadaver
vom Straßenrand gekratzt und
notdürftig verscharrt.
Auf Brückenfussweg
nach Blick zurück gestolpert.
Zum Glück nur Schürfung.
Zurück in Deutschland.
Leute tragen kaum Masken
und grüßen selten.
Im Bett gefroren.
Trotzdem bis sieben gepennt.
Bei dir aufgewärmt.
Im Südbadischen
tauschen zwei Rappen sanfte
Nasenstüber aus.
Auf der Autobahn
im Burgund schwingt sich ein Storch
über uns hinweg.
Die Zeit dehnt sich aus
bis Seelenwunden heilen
zwischen den Tönen.
[Benjamin Moussay – Villefranque]
Ununterbrochen
vom Aufgang zum Untergang
scheint uns die Sonne.
Kleine Eidechse
gefunden, die anmutet
wie quicklebendig.
Erst zwackt das linke,
dann tut das rechte Knie weh.
Schließlich Wadenkrampf.
Vor mir die Corbières
wie ein schlafender Riese
fern im Morgenlicht.
Auf dem Weg zurück
läuft sie voraus, blickt zu uns
und hebt die Pfote.
Bei großer Freude
tanzt sie mir auf zwei Beinen
staksend entgegen.
Sie will aufs Sofa,
traut sich aber den Sprung nicht
und verschmäht Hilfe.
Strauch mit Wurzelwerk
aus der Erde gerissen,
händisch zerkleinert.
Ein laues Lüftchen
strömt mir im Bett entgegen.
Dein Lebensodem.
Orange Dyane
mit „Nucléaire? Non merci!“
steht am Straßenrand.
Wild-wirr geträumt
in frühen Morgenstunden.
Augen auf und weg!
Die neuen Häuser
bejubeln meinen Einlauf
ins Dorf Villelongue.
Hinter den Albères:
Die hohen Haufenwolken
brennen lichterloh.
Schnee? Puderzucker?
Das Massiv des Canigou
oder ein Stollen?
Alle fünf Meter
guckt die Hündin hinter sich,
ob wir noch da sind.
Wir treffen Alte,
die redefreudig sind und
Junge mit Masken.
Eiskalt und sonnig.
Der Himmel blitzblank geputzt
von der Tramontane.
Nina rast im Kreis
und fliegt über den Rasen
wie ein Wirbelwind.
Vier Pfoten rutschen
den blanken Felsblock runter.
She has lost control.
Im Morgengrauen
sachte gejoggt wegen Knie.
Canigou in clouds.
Die Yorkshire-Hündin
will dauernd mit mir spielen,
gibt aber nichts her.
Aus der Küche tönt
ein Brummen, Seufzen, Schluckauf.
Der Mann im Kühlschrank.
Immer abwechselnd
lesen und Liebe machen
in der längsten Nacht.
Wirf die Bälle hoch
und pflücke sie in der Luft.
Und wieder von vorn.
Lebenserwartung
noch rund hundert Millionen.
In Atemzügen.
Auf Rücken liegend,
die Glieder von mir gestreckt,
im Weltraum schwebend.
Das Gefühl, dass sie
um mich herum sterben
wie die Fliegen
und dass mich
jeder neue Tod
immer mehr mitnimmt
und ich so dünnhäutig
werde, dass man von außen
in mich reinsehen kann.
Der Maskenball jetzt
auch in der freien Natur.
Leben ist Schauspiel.
Die Geschichte vom Laufen. Laufen, um von etwas wegzukommen. Mit dem eigenen Körper das System Weißer Hirsch ausschwitzen, wegarbeiten, aus sich rauskriegen. Schritt für Schritt. Bis ich so schnell rennen konnte, dass ich aus mir rauslaufen würde. Der Körper sollte herhalten, um in einen Zustand zu kommen, der nur mir allein gehörte. Ganz vorn war der. Und da so schnell demmeln, dass ich nicht mehr erreichbar sein konnte von niemanden und nichts. Darum ging es.
[Ines Geipel – Mauerkinder, S. 93/94]
Sie spielt Mikado
mit dem Plastikknochen vor
der Volvicflasche.
Nicht der Esel schreit,
die Alarmanlage schrillt.
Man nennt es Fortschritt.
Seltsames Zittern.
Denke erst die Erde bebt.
Es sind die Schenkel!
Zwölfhundert Km
im Verkehr mitgeschwommen
in Richtung Sonne.
Um vier vor halb neun
steigt eine orange Kugel
links der A5 auf.
Morgens geweckt von
Akkualarm des Tablets,
der klingt wie Windspiel.
Öffne Klappläden:
Süßlicher Geruch in Luft.
Diesiger Morgen.
Wach‘ zwar auch nachts auf
mit Melatonin, schlafe
aber wieder ein.
Fünfzehn Minuten
die Sonne übers Gesicht
streichen gelassen.
Der Eichhörnchenkopf
steckt in der Haselnussbar.
Nur der Schweif schaut raus.
Cello und Klavier
anmutig melancholisch,
vornehm traut vereint.
[Anja Lechner, François Couturier – Vague / E la nave va (Anouhar Brahem) vom Album Lontano]
Der Westerbach rauscht,
plätschert, gluckert, sprudelt, gluckst,
tost in Dunkelheit.
Mittags von Berlin
mit dem Wagen nach Eschborn
der Sonne gefolgt.
Dobermann schnüffelt
unter dem Schurwollmantel
als ich vorbeigeh‘.
Auf Friedrichstraße
älterer Typ mit Flip-Flops
in dicken Socken.
Ein Grünfinkpaar trennt
emsig Kerne von Schalen
an Futtersäule.
Straße leergefegt
als wär‘ Deutschland im Endspiel
der Fußball-WM.
Braunes Eichhörnchen
rast Baum hoch, holt Haselnuss,
vergräbt sie. Repeat.
Im Apfelbaum sitzt
mit Schwanz wackelnde Eichkatz
bis ich auftauche.
Die zweite Dusche:
Auf den erhitzten Körper
prasseln Eisblöcke.
Die Füße schmatzen
auf stark durchweichtem Boden,
der kaum Halt bietet.
Zwei Paar Stieglitze
zwitschern ihr Liedchen auf dem
Purpur-Sonnenhut.
Der Paketbote
klingelt, rennt die Treppe hoch,
wirft Päckchen vor Tür.