Archive for the ‘DEU’ Category

1088

Februar 13, 2021

Sennenhündin rutscht

vereisten Weg hinunter.

Geschwindigkeitsrausch.

1086

Februar 12, 2021

Hätte nie gedacht,

mich je zurückzusehnen

nach dem Fernsehen.

1085

Februar 12, 2021

Kahler Baum am Rand.

Repetitives Zwitschern.

Eine Blaumeise!

1084

Februar 12, 2021

Nach dreißig Jahren

auf ein Foto gestoßen.

Ist er’s, ist er’s nicht?

1083

Februar 12, 2021

Trip zum Komposter.

Frau Amsel im Futterhaus

lässt sich nicht stören.

1081

Februar 11, 2021

Warum sich quälen,

wenn schon ein Teil des Kraftakts

zum Wohlgefühl führt?

1080

Februar 11, 2021

Mieten sinken leicht,

Wohnungspreise auf Höchststand.

Warten auf den Crash.

1078

Februar 10, 2021

Wieder im Warmen.

Das Auftauen der Füße.

Abwechselnd kalt-heiß.

1077

Februar 10, 2021

Knirschen und Knistern.

Der Boden hart gefroren.

Knacken und splittern.

1076

Februar 10, 2021

Die Wege vereist.

Die Dunkelheit fällt nieder.

Die S-Bahn fährt leer.

1075

Februar 10, 2021

Nach dem Abendrot:

Orion am Himmelszelt.

Fern leuchtet Frankfurt.

1074

Februar 10, 2021

Auf offener Flur.

Ein einsamer Wanderer.

Der Nordwind bläst stramm.

1072

Februar 9, 2021

Die Hände brennen

bei minus acht Grad draußen

in der Eishölle.

1071

Februar 9, 2021

Durch den Schnee gestapft.

Kopfschmerzen von kaltem Wind.

Auf Eis gegangen.

1070

Februar 8, 2021

Mit gutem Beispiel

vorangehen bringt mehr als

Vorwürfe machen.

1068

Februar 8, 2021

Fette Schneeflocken

tanzen munter durch die Luft.

Symphonie in weiß.

1067

Februar 7, 2021

Spaziergangsrunde

auf betonierten Wegen

um Morast herum.

1065

Februar 7, 2021

Rodomontade

in Bücherschrank verfrachtet.

Bye, bye Netzkarte.

1063

Februar 6, 2021

Sich erst auspowern,

dann jede Muskelfaser

einzeln entspannen.

1062

Februar 6, 2021

Die Sennenhündin

zieht beim Start an der Leine

und bei der Rückkehr.

1061

Februar 6, 2021

Vom Sauerbornbach,

Schwalbach, Sulzbach, Nidda, Main,

Rhein in die Nordsee.

1060

Februar 6, 2021

Es riecht leicht muffig.

Kirschkernkissen aufgewärmt

in Mikrowelle.

1057

Februar 5, 2021

Kiwi, Pink Grapefruit

und selbstgemachter Joghurt.

Herb-süß. Ekstase.

1056

Februar 5, 2021

Sich ärgern bringt nichts

es sei denn, man ärgert sich

nur über sich selbst.

1055

Februar 5, 2021

Strömender Regen.

Rotkehlchen nimmt langes Bad

in Vogeltränke.

[Flashback nach vorgestern]

1054

Februar 5, 2021

Zu früher Stunde

werde ich in der Küche

mit Gähnen begrüßt.

1053

Februar 5, 2021

Morgendämmerung.

Ich öffne die Klappläden.

Rotkehlchengesang.

1052

Februar 4, 2021

Dachte ganzen Tag,

dass es heute Mittwoch ist.

What a nice surprise!

1051

Februar 4, 2021

Zu zweit auf der Couch.

Jeder vor seinem Bildschirm.

Ist das die Zukunft?

Ian McEwan – Machines Like Me (Maschinen wie ich)

Februar 4, 2021

Dieses Buch zu lesen, ist mir schwergefallen. Der Einstieg war sehr zäh. Ich glaube, es hatte damit zu tun, dass Ian McEwan nicht sofort auf den Punkt kommt, viel um das Thema herumschwadroniert. Außerdem war es nicht so einfach zu lesen auf Englisch wie ich es mir vorgestellt hatte, McEwan benutzt manchmal ein ausgesuchtes Vokabular und ich bin fast immer zu faul, nachzuschlagen. Mein persönliches Problem ist, dass ich nur selten die Muße habe, Bücher zu lesen. Abends im Bett passiert es mir oft, dass ich beim Lesen einnicke. Wenn ich morgens sehr früh aufwache weil ich schlecht schlafe, habe ich oft noch keine Lust zu lesen, weil ich zerschlagen bin. Trotzdem habe ich meist zu diesen beiden Zeiten gelesen und gerade abends wegen der Müdigkeit Konzentrationsschwierigkeiten gehabt.

Ich hatte von McEwan vorher Kurzgeschichten und den Stalker-Roman Enduring Love gelesen, den ich vor rund 20 Jahren sehr genossen hatte. Dieses neue Buch widmet sich dem Thema Roboter. Charlie, der Ich-Erzähler und Miranda, die seit noch nicht so langer Zeit ein Paar sind, schaffen sich einen menschenähnlichen Roboter an, Adam. Dieser Roboter ist sehr gebildet, er weiß so ziemlich alles da er permanent im Internet rumsurft, sich alles merkt und seine Schlüsse zieht. Da er gut bewerten und rechnen kann – welche Überraschung – ist er auch erfolgreich beim Daytraden, bei dem er eine gute Stange Geld verdient für den finanziell eher schwach aufgestellten Haushalt. Er weiß auch Sachen über die Protagonisten, insbesondere über Miranda, die Charlie nicht weiß. Hier zeichnen sich die Konflikte ab. Sehr früh läuft etwas zwischen Miranda und Adam, aber das ist nicht die Crux. Obwohl das Thema Liebe sowohl für Adam als auch für Charlie ein ganz wichtiges ist. Im Mittelpunkt des Romans steht vielmehr eine Geschichte von früher, die sich um eine Freundin Mirandas dreht, die sich umgebracht hat. Diese Geschichte ist sehr konstruiert, so ähnlich wie die extremen Settings von Ferdinand von Schirach, die ich nervend und uninteressant finde. Auf jeden Fall steuert die Ménage à trois, aus der eigentlich eine richtige Familie mit einem Adoptivkind werden soll, auf einen Showdown zu, den es am Ende auch gibt. Wenn man die Situation analysiert und weiß wie der Roboter programmiert ist, nimmt die Geschichte ihren zwangsläufgen, schicksalhaften Lauf. Ich sage mal, der Roboter kommt am Ende fast sympathischer rüber als Miranda und Charlie, aber das ist evtl. meine persönliche Ansicht. Was mich ein bisschen geärgert hat ist, dass der Erzähler etwas abschätzig auf den literarischen Output von Adam herabsieht, der tausende von Haiku schreibt. Von denen aber nur sehr wenige – natürlich eher schwachbrüstige – zitiert werden. Das ist einfach arrogant. Insgesamt werden ziemlich gut nachvollziehbar die Konflikte aufgezeigt, die es mit Robotern geben könnte, die ganze Robotergeschichte hat mich von Anfang an gefesselt.

Was drumherum erzählt wird, die Rahmenhandlung in einem alternativen Großbritannien nach dem Falklandkrieg mit einem Labour-Premier Tony Benn, der durch ein Attentat umkommt, hat mich dagegen tödlich gelangweilt. Es fahren zu dem Zeitpunkt schon viele Autos autonom mit schlafenden Fahrern, Alan Turing lebt noch und spielt eine wichtige Nebenrolle. Ich finde dieses Drumherumgespinne hat der Geschichte nicht gut getan. Außerdem gibt es immer wieder Exkurse über naturwissenschaftliche Themen, die ich als nervtötend und schlaumeierisch empfinde. Gut gefällt mir, dass das Buch in zehn Kapitel à ca. 30 Seiten eingeteilt ist, die man jeweils ganz gut in einer Sitzung lesen kann. Allerdings hätte man den Plot des Buches wahrscheinlich auch auf eine dreißigseitige Kurzgeschichte zusammendampfen können. Der Roman hat etwas Aufgeblasenes. So schnell werde ich wohl kein Buch von McEwan mehr lesen, dieses hatte mich vom Thema interessiert, fast alle seine Bücher der letzten zwanzig Jahre hatten mich schon vom Sujet her nicht angesprochen.

7/10

1050

Februar 4, 2021

Nach langsamem Druck

auf Lichtschalter im Flur

brennt Glühfaden durch.

1049

Februar 4, 2021

Beim Gehen senkt sich

ein Mantel in Zeitlupe

über mich: die Nacht.

1048

Februar 3, 2021

Aljechin, Fischer

Kasparov, Shirov, Dubov,

Tal, Morozevich.

1046

Februar 3, 2021

Mein Blick durchs Fenster

vertreibt die Spatzen sofort.

Er muss stechend sein.

1045

Februar 3, 2021

Atem loslassen.

Innehalten. Bis zwölf zähl’n.

Langsam einatmen.

1044

Februar 2, 2021

Brausetablette

mit Magnesium sprudelt

nassforsch im Wasser.

1042

Februar 1, 2021

Abenddämmerung.

Jeder Fußgänger grüßt mich,

der meinen Weg kreuzt.

1041

Februar 1, 2021

Morgen dicht bewölkt

und zum Teil schauerartig

verstärkter Regen.

1039

Januar 31, 2021

Krähen mit Beute.

Starenschwärme fliegen auf.

Kohlmeisenständchen.

1037

Januar 30, 2021

Zwei km vor Ziel

auf Ergometer entgleist:

Senkel um Kurbel.

1036

Januar 30, 2021

Zwei Stunden spaziert.

Viele Hunde unterwegs.

Dauerschneetreiben.

1035

Januar 30, 2021

Die Sennenhündin

will jeden, den wir treffen,

einzeln begrüßen.

Alles Deppen!

Januar 30, 2021

„Das Gefühl, man hätte den Durchblick, im Gegensatz zu den anderen, den Dummen, den Schlaf-Schafen, scheint eine hochpotente Droge zu sein. Man ernennt sich zum Statistiker, Virologen, Internetforscher, Politiker, was auch immer, ohne Ausbildung, ohne eigene Forschung, aber mit dem Gewicht der überlegenen Gewißheit.“

[Von Theaterliebe: Alles Scheiße, Deine Elly!]

1033

Januar 30, 2021

Antwort, die ausbleibt.

Das falsche Medium gewählt?

Vielleicht mit Absicht?

1031

Januar 29, 2021

Auf je mehr Fremde

man unterwegs trifft, desto

weniger grüßt man.

1030

Januar 29, 2021

Wie Entfernungen

zu Fuß riesig erscheinen

in der Dunkelheit.

1029

Januar 29, 2021

Grünfink gut getarnt

auf grüner Futtersäule

an Haselnussbaum.

1028

Januar 28, 2021

No one in the world

can intone the question „Why?“

like Eddie Chacon.

[Eddie Chacon – Trouble]

1027

Januar 28, 2021

Ist der Geist willig,

beim Sport aufzugeben, wird

das Fleisch sofort schwach.

1026

Januar 28, 2021

Bei Einbruch der Nacht

tänzelt der Rückwärtsläufer

frank an mir vorbei.

1025

Januar 28, 2021

Zu Bächen schwellen

die Betonwege zwischen

dem Weideland an.

1024

Januar 28, 2021

Nach langem Regen

riecht die Luft wie an der See,

nur ohne Salzflair.

1023

Januar 28, 2021

Wenn der Landregen

nicht demnächst mal aufhört, dann

schwimmt der Rasen fort.

1021

Januar 27, 2021

Stapfen im Pappschnee

hinterlässt Fußabdrücke,

knirscht wundersam nach.

1020

Januar 27, 2021

Mit nassen Haaren,

im roten Bademantel

steigt Fisch aus Dusche.

1019

Januar 27, 2021

Es schneit und schneit und

wenn’s damit nicht aufhört, dann

schneit es immer noch.

1017

Januar 26, 2021

Mit achtzehn Stunden

Fasten pro Tag begonnen.

Abendbrot entfällt.

1016

Januar 26, 2021

Dusche so lang kalt,

bis auf dich aus den Düsen

Eiswürfel stürzen!

1014

Januar 25, 2021

Hundert Prozent Match.

Alle von mir Gegrüßten

grüßen auch zurück.

1013

Januar 25, 2021

Hälfte des Himmels

in dunklen Rosatönen,

wolkenverhangen.

1012

Januar 25, 2021

Ergreife den Schnee!

Wiese weiß, weich und sumpfig.

Es taut schon wieder.

1011

Januar 25, 2021

In der Dämmerung

überstrahlen Schneefelder

den grauen Himmel.

1010

Januar 24, 2021

Buttermilchgenuss

nach Schwitzen auf Hometrainer.

Himmel auf Erden.

1009

Januar 24, 2021

Vorn große Schwester.

Zwillingsmädchen angeleint.

Hinten lenkt Mutter.

1008

Januar 24, 2021

Dichtes Schneetreiben.

Buntspecht auf morscher Hasel

bewegt rege Kopf.

1007

Januar 23, 2021

Auf matschigem Pfad

mit links trottender Hündin

rund um das Kronthal.

1006

Januar 23, 2021

Erst tropft’s, dann flockt es.

Räumfahrzeug kämpft links mit Schnee.

Schließlich nur noch trüb.

1005

Januar 23, 2021

Werde überholt

bei Regentempolimit

als Blitzer auslöst.

1004

Januar 23, 2021

Mit hundertzwanzig

fahr‘ ich unter Brücke durch

auf der „DÖDELZ“ steht.

1003

Januar 22, 2021

Kreuze zwei Typen.

Ihre süßliche Sillage

tief eingeatmet.

1002

Januar 22, 2021

Oranger Kübel.

Flashback: Blindfahrt durch Wald nachts

mit Notbeleuchtung.

1001

Januar 22, 2021

Rasiercrèmetube

mit den Zähnen ausgedrückt:

Geschmack süß-seifig.

1000

Januar 22, 2021

Nach dem Aufwachen

völlig von der Nachtischlampe

geblendet zu sein.

999

Januar 21, 2021

In rotem Sweatshirt

rote Bete gegessen,

der Finger blutend.

998

Januar 21, 2021

eins eins zwei drei vier

eins drei minus eins eins eins

drei zwei eins eins zwei

[Gerundete Abweichungen der durchschnittlichen Monatstemperaturen von Oktober 2019 bis Dezember 2020 zum Mittel von 1981-2010 in Frankfurt/Main, in Grad Celsius]

997

Januar 21, 2021

Erstes Rendezvous

mit der Waage dieses Jahr:

Schwelle durchbrochen.

996

Januar 21, 2021

Draußen frühlingshaft.

Einen langen Atem hat

der Klimawandel.

995

Januar 21, 2021

Cam-Aktivierung

bei dem Videomeeting

unter Gruppenzwang.

994

Januar 21, 2021

Die Leute scheinen

mehr Rücksicht zu nehmen

beim Schlangestehen.

993

Januar 21, 2021

Gut ausgeschlafen,

alle Zweifel zerstoben,

ruhe in mir selbst.

992

Januar 20, 2021

Das Wiesel. Zugleich

Akrobat, Hypnotiseur,

eiskalter Killer.

[Video]

990

Januar 20, 2021

Bauernendspiele

können auch mit den Bauern

gewonnen werden.

[Link]

989

Januar 20, 2021

Zehn Meter hohe

Bäume schwanken permanent

im Wind hin und her.

988

Januar 20, 2021

Einen Follower

zu haben, der du selbst bist.

Krasser Geheimtipp!

987

Januar 20, 2021

Die Lunge in uns,

offen wie eine Wunde

zur äußeren Welt.

[ebf. von hier]

986

Januar 20, 2021

Jeder Atemzug

verschmelzt uns mit der Umwelt.

Wir teilen die Luft.

[hiervon inspiriert]

985

Januar 19, 2021

Im wohligen Bett

auch nach dem Weckerklingeln

noch liegenbleiben.

984

Januar 19, 2021

Freudige Stimme

einer unbekannten Frau

holt mich aus dem Schlaf.

983

Januar 18, 2021

Bei Schnee bekunden:

„Hoffentlich war das alles

für diesen Winter.“

982

Januar 18, 2021

Morgens ein Schneeflaum

auf Büschen im Innenhof.

Abends pladdert es.

981

Januar 18, 2021

„Eureka“ singen

die Stare nach Entdeckung

der Futtersäule.

980

Januar 17, 2021

Am Baum ein Apfel.

Amsel stößt mit Schnabel zu.

Es macht „Plumps“ im Schnee.

[Vorgeschichte hiervon]

979

Januar 17, 2021

Ins Herz stechende

sonnig-klare Melodie

mit lässigem Groove.

[Kraan – Path vom neuen Album Sunglass]

978

Januar 17, 2021

Gutes Kilo Schnee

durch die halbe Republik

nach Berlin gefahr’n.

977

Januar 17, 2021

Bin seit einem Jahr

so gelassen und glücklich

wie nie zuvor.

976

Januar 17, 2021

Fahrt quer durch Deutschland:

Schneebedeckte Landschaften,

Autobahnen leer.

975

Januar 17, 2021

Zwei Amseln picken

an etwas Gelbem im Schnee:

dem letzten Apfel.

974

Januar 17, 2021

Taube scharwenzelt

unter Meisenknödeln her,

die voller Spatzen.

973

Januar 16, 2021

In der Dunkelheit

schmeckten die Trockenfeigen

leicht nach Sellerie.

972

Januar 15, 2021

Wie schmeckt ein Weißwein,

der Jahre im Kühlschrank lag?

Wie ein Sherry-Geist.