Emmy ist eine fünf Jahre alte fuchsbraune Labradorhündin. Momentan kommt ihr Herrchen zweimal in der Woche morgens mit dem Wagen, parkt auf der anderen Straßenseite und lässt sie, wenn gerade kein Verkehr ist, frei. Wie sie über die Straße rast zum gerade geöffneten Tor unseres Nachbarn, alles um sich herum vergessend. Wie sie dann vor Freude und purer Lebenslust an mir hochspringt und dann Kimba, die Sennenhündin, die hier wohnt, begrüßt mit einem Schmatzer auf die Wange. Dann die Treppe hoch rast, nach Futter suchend im Napf von Kimba. Ja, sie ist verfressen. Und dann wieder die Treppe runter läuft. Und über das ganze Hundegesicht strahlt.
Wenn sie sieht, dass ich dabei bin, einen Apfel aus der Tasche zu holen – und sie merkt das sofort, sozusagen, wenn der Plan hierzu in meinen Synapsen zum Gehirn übertragen wird – ist sie nicht mehr zu halten. Springt hoch an mir, lässt nicht locker bis ich ihr etwas abgegeben habe. Wenn sie dann weit vor uns läuft, Kimba trottet meist hinterher, und dann zum Beispiel meint, sie müsste jetzt unbedingt über den Bahndamm, die S-Bahnstrecke überqueren weil ja auf der anderen Seite die Streuobstwiesen sind, wo es bestimmt noch einen überreifen, alten Apfel zu naschen gibt und ich sie dann rufe und sie ihren Namen hört und innehält, sich den Bruchteil einer Sekunde fragt, was sie machen soll und dann sofort wieder anstandslos zurückkommt, mich unverwandt anguckt, keiner Schuld bewusst und damit natürlich vollkommen recht hat. Ich kenne keinen Hund, der gleichzeitig so wild und eigenständig ist und so gut hört.
Oder wenn sie einen Stock gefunden hat und damit eine Weile lang im Maul herumläuft. Irgendwann legt sie den Stock dann vor sich hin und trippelt ein paar Schritte zurück, legt sich in Deckung hin und wartet mit wachem, gespannten Blick darauf, dass ich den Stock nehme, wofür ich allerdings höchstens ein bis zwei Sekunden Zeit habe, da sie ihn sich sonst selber wieder schnappt. Nun schaut sie mich mit ihrem offenen, unverwandten Hundeblick aus ihren braunen Augen an, was ich denn nun machen werde. Wenn ich nun weit aushole, lässt sie sich nicht von meinen Wurffinten täuschen und läuft fast immer in die richtige Richtung los noch bevor ich den Stock loslasse. Anschließend kommt sie zurück mit dem Stock, lässt mich ihn anfassen, würde ihn aber niemals hergeben, man glaubt nicht was für eine Kraft so ein kleines Hundegeschöpf hat. Sie schafft es zum Beispiel Kimba, die an die 60 Kilo wiegt, an einem Stock zu sich zu ziehen. Auch sehr lustig, wenn die beiden einen längeren Stock im Maul tragen, Emmie links, Kimba rechts und im Tandem über die Wiese rennen. Das geht nicht immer ohne Aufheulen von ihrer Seite aus ab, wenn sich der Stock verklemmt. Böse Absicht ist da aber nie hinter.
Auf den Spaziergängen kommt sie immer wieder von hinten auf Kimba zugelaufen und schleckt sie an der Backe ab, die sich das gerne gefallen lässt. Was für eine völlig entwaffnende, verspielte Zärtlichkeit. Die beiden sind etwa gleich alt und kennen sich schon seit der Welpenzeit.
Emmy ist immer völlig unverstellt, ganz Hund, also sie selbst. Wenn ich sie so sehe, denke ich, dass ich auch gerne mal so lebendig und ausgeschlafen wäre wie sie. So ganz im Hier und Jetzt. 100% ich selbst. Wobei es allein schon unglaublich schön ist, nur so ein Wesen zu kennen.
Wenn man sich dieses Interview mit dem Putin-Kenner Michel Eltchaninoff von kurz vor der Invasion anhört, da scheint klar, dass die Ukraine für Putin nur ein Anfang ist. Er will den Westen, die NATO angreifen und sich rächen für in seinem Hirn herumgespensternde Kränkungen. Die erstaunlich rigiden Sanktionen, die jetzt von einer großen westlichen Allianz gegen Russland beschlossen wurden, werden ihn sicherlich nicht besänftigen. Er steht mit dem Rücken zur Wand. Was würde ein Judoka jetzt machen?
ich jetzt draußen Explosionen hören würde, würde es mich nicht wundern. Im Grunde höre ich sie schon in meinem inneren Ohr. Ich bin gerade in Berlin. Wie kann Europa in nullkommanix wieder in die Barbarei eines physischen Krieges zurückfallen? Ein Mann, der versucht, uns sein Psychopathenhirn aufzudrängen. Im Grunde ist das ein Stoff für eine Dystopie aber nicht für die Realität. Ich springe jetzt runter, um aus dem Alptraum zu erwachen. Das hat bis jetzt jedes Mal geklappt.
„Es gibt kein Fegefeuer für Kriegsverbrecher. Sie gehen direkt in die Hölle, Botschafter.“ [Der ukrainische Botschafter zu seinem russischen Kollegen in der UN-Dringlichkeitssitzung, Quelle]
Ich bin kein Pessimist weil ich weiß, wir alle gemeinsam sind nur übrig geblieben in der Evolution weil wir irgendeinen Schatz in uns tragen. In den Zellen, im Ohr, in den Irrtumsfähigkeiten selbst, ja. Und deswegen traue ich Menschen sehr viel zu. Was uns wieder rausholt. Ich habe Menschen 1946 noch gesehen wie sie improvisieren können. Menschen sind sehr kluge Lebewesen. Klug wie die Elefanten.