Wie sich der Moment
zum Haiku kristallisiert
einen Tag später.
Junge Frau fixiert
lichte, graue Haarlocke
beim Mittagessen.
Kein Licht im Regen.
Dynamorädchen steht still.
Gleitreibung zu schwach.
sie impft sich. sie impft
sich nicht. sie impft sich. sie impft
sich nicht. sie impft sich.
die seele verkauft
und nicht viel dafür gekriegt
in fausts fußstapfen
Wo sich Video
und Musik perfekt matchen.
Party icebreaker.
Eingesogen von
trock’nen, juckenden Waden:
die Körperbutter.
Fragen an Tanke.
Ist Super E5? E10?
Zahlt man mit Karte?
Tief am Himmelszelt.
Eine reife Banane.
Zum Pflücken bereit.
Die Hündin hechelt.
Die Kirchenglocken läuten.
Es raschelt das Laub.
Novembersonne
bricht durch geschlossene
Augenlider durch.
Tiefe Dunkelheit.
Sennenhund rennt ins Gebüsch.
Rufe verhallen.
Erst Autorauschen,
Bachglucksen, Flugzeuggrollen,
dann Wildgansschreie.
Von Ziegen, Schwänen,
Mauerseglern, Nachtschwalben,
Ameisen, Hasen…
[Helen Macdonald – Abendflüge]
Aus dem Springbrunnen
sprudeln bunte Fontänen
aus Jonglierbällen.
Dem Gehirn einfach
auf die Sprünge helfen mit
Freude, Leichtigkeit.
Vorne ein Muscat.
Zum Hauptgang roten Bordeaux.
Abschluss mit Pastis.
Baumsilhouetten
schälen sich aus Frühnebel.
Sinke ins Geläuf.
[20:22]
Furchtlos springt Winston,
der junge Cockerrüde,
Sennenhündin an.
Modriges Bukett.
Bordeauxfarben, pflaumig, rund.
Auf dem Apogée.
[Château Fontesteau 2014, Haut-Médoc]

Eigentlich müsste ich das Laub im Garten zusammenrechen, aber ich warte erstmal die Langzeitstudien ab. [Kiezschreiber]
Sennenhündin sitzt
anhänglich-aufdringlichen
Cane Corso aus.
Ein Tag, an dem man
das Abblendlicht des Wagens
nicht ausmachen muss.
Ein wärmender Groove.
Die Flöte ist der Star hier.
Lebensfreude pur.
Mit offenem Ohr
begleitet Sohn die Mutter
auf dem letzten Weg.
[Jürgen Wiebicke – Sieben Heringe]
Elfhundert km.
Gut zwei Stunden Verspätung.
Mit Bahn durch Deutschland.
Eine Tankfüllung
für elfhundertelf km
bei hundertzwanzig.
Vom Taunus her fliegt
ein schnatternder Graugansschwarm
über uns im Kreis.
So viele wie nie
auf dem sinkenden Schiff trotz
Fluktuation.
Radler von links fällt
weil alle Vorfahrt haben,
aber keiner fährt.
Eine Schwäche für
neunundzwanzigjährige
Frauen besitzen.
Notorisch gereizt.
Notorisch unterschlafen.
Notorisch schlecht drauf.
Beide Zahnreihen
mit Drachenblut versiegelt
in zwei Minuten.
Zigarettenrauch
aus Etage unter mir
hängt in Nase fest.
Kaninchenblumen.
Leuchtende Gassigeher.
Jog ins Morgenrot.
Gespaltene Nacht.
Vier Stunden geschlafen, dann
vier Stunden gewacht.
„Ich muss los!“, ruft sie
und springt flugs mit dem Hündchen
über die Straße.
Spüre schon wenig.
Früher war ich stolz darauf,
viel zu vertragen.
Von der Dämmerung
in das Morgenlicht gejoggt.
Wolkendecke dicht.
Ein Falke, ganz nah,
auf einem Pfosten thronend.
Die Hündin sieht nix.
Rauhreif auf Wiesen.
Hänger voller Pferdemist.
Dampfschwaden wabern.
Nach Sonnenaufgang
durch feuchte Wiesen gestreift.
Füße unterkühlt.
Ganz im Hier und Jetzt.
Anders priorisieren.
Stimmungen spüren.
Streicheln angesagt.
Kondensstreifen kreuzen sich.
Fallobst riecht süßlich.
Drehe Laufrunde,
sehe fern am Horizont
Sonne aufgehen.
Gellende Schreie
Am Himmel Kranichschwärme
Nach Süden ziehend
Über Abendrot
neben strahlender Venus
steht rechts Mondsichel.
Herbstsonne zeichnet
bewaldete Hügel weich
im Herzen Deutschlands.
Theaterdonner.
So ’ne Leber, kein Rückgrat.
Der Rest ist Schweigen.
[Klaus Pohl liest Sein oder Nichtsein]
Sie haucht Leben ein
in alles, was sie anfasst.
Und ganz viel Seele.
Junger Schwede reist
durch ein Land in Ruinen,
schildert das Elend.
[Stig Dagerman – Deutscher Herbst]
Schonungslos notiert.
Wie graue Zellen langsam
zu Schlamm mutieren.
[Michael Buselmeier – Elisabeth: Ein Abschied]
Von Ast zu Ast springt
das Eichhörnchen, fällt runter.
Unten steht ein Hund.
Sägegeräusche.
Oben in Eiche baumelt
ein Eichhörnchenschwanz.
Aufwachen! Endspurt!
Fuzz guitar blues riff maelstrom.
Sprung in Jungbrunnen.
Duft, süßlich-rauchig.
Naturschutzbund-Holzfeuer.
Pfeife, wo bist du?
Augentropfenbad.
Gel kühlt juckende Lider.
Abtupfen mit Pad.
Orgelstimmender
bibelfester Apostat
versteht die Frauen.
[Maarten `t Hart – Der Nachtstimmer]
Seit ich wählen darf,
weiß ich nicht, wen ich wählen
soll. Auch dieses Mal.
Ein graues Cover,
erinnert mich verdammicht
an Unknown Pleasures.
[Low – Hey What]
Nehme ab sofort
Beschwerden über Dritte
nicht mehr entgegen.
Anfangs geschwätzig.
Dann wird man reingezogen.
Was ist sein Problem?
[Emmanuel Carrère – Yoga]
Brett samt Figuren
falten, in den Kopf schieben,
Züge durchspielen.
Morgenfrische-Jog.
Fenchel-, Kamillendüfte.
Spätsommer gibt Gas.
Trotten im Tunnel.
Kurze Rast mit Eiskaffee.
‚A new man was born…‘
Nach dreißig km.
Jeder Schritt ein Schmerzexzess.
Am Morgen voll fit.
Zähle vier Uhr früh
wie oft ich beklaut wurde.
Im Türschloss knackt es.
Ich stürze täglich.
Falle aber immer „weich“.
Wie ein Judoka.
Plausch mit alter Frau.
„Vorsicht! Bitte stürzen Sie nicht!“,
warnt sie am Ende.
Oft dahingeschleppt.
Weg mäandert. Rauf. Runter.
Viel zu viel Asphalt.