Sich erst online sehn,
dann sagen, „real siehst du
ja noch besser aus.“
Sich erst online sehn,
dann sagen, „real siehst du
ja noch besser aus.“
Dicke Schneeflocken
begrüßen mich zuhause.
Eine Welt in Weiß.
Ankunft in Fulda
Am Bahnsteig küsst sich ein Paar
Und hört nicht mehr auf
Der Zug rappelvoll
Die Gelenke rosten ein
Allein im Gang stehn
Ein Weidmann erzählt
slowakische Geschichten
aus dem Waldrevier
[Rudo Moric – Aus des Försters Tasche]
Im blauen Himmel
fliegen die weißen Tauben
das ganze Jahr lang.
[2023er Kalender von Hulda K.]
Ein Pole fragt mich
nach süßem Wein für die Frau
Meine beiden Tipps:
—
Ein sweet Vinho Verde sowie
ein halbtrockener Riesling
Es braut sich etwas…
Die schwarze Wolke hängt so…
Doch sie zieht an uns…
[Ryuishi Sakamoto – 20220202]
Ampel springt auf rot
Freude des Innehaltens
Still Beobachtens
Die Joggerin stoppt,
wirft Erdnüsse auf den Weg.
Die Krähen landen.
Im Winde flatternd
am Strauch die leeren Netze
der Meisenknödel
Sachen, durchgeschwitzt
auf Wäscheleine trocknend,
stark nach Chlor riechend
Ein Rettungsanker
bei Wortfindungsstörungen:
die Synonyme
Den letzten Moment
mit dem Vater erleben.
Treppe hoch, singend.
Sie machen heute
noch so coole Musik wie
vor dreißig Jahren
König kriegt Dame
im Schach nur als Opfer
oder Verwandlung
Und wenn die Beatles
nur eine lokale Band
geblieben wären
[Christian H. Smith – Through a Glass Onion, übersetzt von Stefan Kalhorn]
Morgens benommen
Gerissen aus tiefstem Schlaf
vom Weckerklingeln
Verstopfung lösen
mit Pressluft-Rohrreiniger
Pumpen, abdrücken
Tiefes Erschrecken
Im Gesicht des anderen
Altgewordensein
Die Kundennummer
in Hotlines meistens mehrmals
aufsagen müssen
Weitergehen, mehr
braucht es nicht, dass am Ende
meist alles gut wird.
[Wolfgang Büscher – in Porträts, Filmprojekt von Thomas Henke via kraulquappe]
Treffen in Paris
Corona kam dazwischen
Would-have-been-DJ
„Könnten Sie bitte
den Bauch etwas freimachen?“
fragt Urologin.
Erstickungsängste,
wenn ich mir bewusst mache,
dass ich einatme
Am Lebensende
Sich völlig gehen lassen
und es ist ok
Die Musik so schlecht
so viel Oropax gibts nicht,
wie ich brauchen tät
Morgendämmerung
Rutsche durch Obstwiesenmatsch
Der Regen setzt ein
Unter der Knolle
wächst ein weißes Wollknäuel
Hydrokultur live

Schokolade, Rum,
Tannine fast abgebaut,
Brombeeren, trinkreif
[Château de Villeclare, Ma Préférence 2017]

Auf der Terrasse.
Ratte steigt in Abflussrohr.
Stein drauf und gut ist.
Vor dem Supermarkt.
Kimba sitzt auf meinem Fuß.
Die Menschen lächeln.
Ich steig in Dusche
Nachbar öffnet das Fenster,
grüßt die Welt mit „Moin!“
Gassitratschpause
Auf meinem rechten Fuß sitzt
fremder Sennenhund
Draußen die Wege
leuchten fahl, blass, bleich, milchweiß
Der Mond scheint helle
Das Licht auslöschen
Unter die Decke kuscheln
Den Tag wegschlafen
Einlauf in den Darm
Erst gewöhnungsbedürftig,
dann eine Wohltat.
Der Blick der Hündin:
Ich lieg längs auf dem Boden,
hab Draht übersehn.
Leichtigkeit des Seins
Bei jedem Schritt 5 Kilo
weniger tragen
Erdgasversorger
will Hahn abdrehen wegen
Dezemberabschlag
Rosa Cumulus
Temperatur 16 Grad
Das Windrad dreht sich
Der Groove drängt nach vorn,
verästelt sich immer mehr,
ist unser Schicksal.
Morgen früh sind wir
unserem Sieg (schon) wieder
einen Tag näher
Vom Winde verweht
Die weißen Kondensstreifen
am blauen Himmel
Sonne und Regen
Lebensfrohe Verspieltheit
Tiefe Traurigkeit
Trotz Reservierung
vom Gastgeber vergessen.
Idealer Start.
Es ruft die Amsel.
Es lüftet sich der Schleier.
Es grüßt der Morgen.
Nettoergebnis
5 Kilo in 6 Tagen
Fastenwandern wirkt!
Kinderkrippenspiel
Schmettern von Weihnachtsliedern
Bescherung zu siebt
Maus verschmäht Käse.
Nach Öffnung der Fallentür:
Speedy Gonzales!
RB verspätet
S-Bahn nach Hause fällt aus
Steig in falschen Bus
Wispertal hinauf
Unter den Füßen gleitet
der Weg nach hinten
Wiesenweg im Wald
Massage für Fußsohlen
Schon wieder vorbei
Das Morgengrauen
lüftet das Mysterium
der pechschwarzen Nacht
Schöne Aussichten
Nur Niesel aus Regenfront
Abstieg zur Wisper
5 Tage Fasten
und ich fliege schon beinah
die Berge hinauf!
In jedem Zielort
auf einer Fernwanderung
zwei Nächte bleiben!
In Nacht aufwachen
Sich auf dem Grat bewegen
links Schlaf, rechts Wachsein
Relativierung
von der Ausdrucksfähigkeit
menschlicher Sprache
[Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium – Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen]
Morgens im Spiegel
mir in die Augen guckend
’ne Vogelscheuche
Ich werfe Geld ein.
Es kommt nichts raus. Mann sieht das,
zieht mir den Spezi.
„Welches Tier ist das?“
fragt Ukrainerin in Lorch
„’ne Maus.“ Sie lächelt.
Mit 13 Gleisen
erinnert Höchster Bahnhof
an andre Zeiten
Vor sechzig Jahren
Die Hochzeit meiner Eltern
Ich war mit dabei
Die Viertelstunde
zwischen Kirchturmuhrschlägen
Völlige Stille
Felsenweg geschafft
Waldabhang runtergerutscht
Im Zickzack ins Kaff
[Wispertaunussteig: Lorch-Espenschied]
Zahlen bis hundert
Substantive zuordnen
Geschichten spinnen
[Gedächtnissportler über seine Techniken: „Ohne Emotionen geht das nicht“]
Denken wie Karpov
Mit jedem Zug die Stellung
etwas verbessern
Nach 16 km
kurz vorm Ziel, der Weg fast flach
legt es mich längs hin
Weg völlig vereist
Hinter mir Fahrgeräusche
Ein Mountainbiker!
[Heute um elf am Fuchstanz]
Vierbeiner rutschen
auf spiegelglatten Wegen,
Zweibeiner fallen
Um sechs aufgewacht
nach über acht Stunden Schlaf
Der Kopf dankt’s mit Schmerz
Wege spiegelglatt
Sichere Fortbewegung
nur noch querfeldein
