Luxemburg, Party
Hier geht grade die Post ab
Wir tanzen alle
[The Lemonheads – Bit Part von It’s a Shame About Ray, 1992]
Luxemburg, Party
Hier geht grade die Post ab
Wir tanzen alle
[The Lemonheads – Bit Part von It’s a Shame About Ray, 1992]
Blond und blauäugig
Die Erste im Krankenhaus
Separat zahlen
Ein paar Monate
Waren wir beste Freunde
Doch du wusstest es
Ein Künstlerleben
Von einem Freund komprimiert
Auf drei Minuten
[John Cale – Style It Takes von Songs for Drella, 1990]
Wandlöcher bohren
Männer unter sich auf See
Alles mit Maßen
[Die Buchhändlerin rät ab: Casanova – Geschichte meiner Flucht, Patrick O’Brian – Master und Commander, James Hilton – Shangri La]
Du bist verschwunden
Und mein Autoschlüssel auch
Am Neujahrsmorgen
Mein Körpertempel
Sofort nach dem Aufstehen
Zwölfkampf mit mir selbst
Nach dreißig Jahren
Dank für die Einführung in
Kultur und Bücher
Du springst hinunter
Vom Euratomgebäude
Freitagnachmittag
Über die Wange
Streichen die Pinselhärchen
Der Ton rein und sanft
[Fresu, Galliano, Lundgren – Que reste-t-il de nos amours? (Trenet) von Mare Nostrum, 2007]
Draußen vor Disco
Eyes closed. Lasse Kopf kreisen
Dreht sich schon alles?
Rotkehlchen zwitschert
Windschutzscheibe freigekratzt
Nachbarin joggt längs
Mittendrin Abbruch
Aus dem Leben gerissen
In Takt 2-3-9
[JS Bach – Die Kunst der Fuge (Contrapunctus XIV) gespielt von András Schiff@Casals Forum, Kronberg]
Steh im Handballtor
Rossi wirft Ball in Ecke
Halte mit Hechtsprung
Ein Korkenzieher
Dreht sich peu à peu ins Herz
Minimal kitschig
[Phil Glass – Glassworks: Opening (Ólafsson, 2017)]
Der Wald steht nie still
Baerler Busch zerschnitten von
A42
Am Meisenknödel
Fünf Schwanzmeisen hauen rein
Reiher guckt auf Teich
Treppe hochgestürzt
Quiche am Achtundachtzigsten
Keramik verschenkt
Wiedersehensglück
Großes Personentableau
Rückwärtserzählung
[Iris Wolff – Lichtungen]
Geräusche im Raum
Talk Talk, ick hör dir trapsen
Trip ins Offene
[Apparat – Hum of Maybe]
Hinter der Ecke
Auf der Hecke, in Greifnähe
Steht ein Graureiher
Erdnussbutter scheint
Ratte geschmeckt zu haben
War Henkersmahlzeit
Graue Ratte huscht
hin und her vor schneeweißer
Nachbarsgarage
Manchen Menschen kann
man nicht helfen, egal wie
nah man ihnen ist
[John Cale – Close Watch, Version von Music for a New Society, 1982]
Tag nach weißer Nacht
Wagen kommt ab, stoppt auf Feld
Sie: „Arme Eltern“
Krokusse sprießen
Dauerregen beendet
Der Frühling ist da!

Lächeln auf Saiten
Gitarrenloop. Federleicht.
Sich selbst erneuernd
[John Cale/Brian Eno – Spinning Away von Wrong Way Up, 1990]
Nachbar begrüßt mich
Als wär nie was gewesen
Gassi mit Kimba
Mythenumwoben
Beobachter des Menschen
Unzähmbar, trickreich
[Cord Riechelmann – Krähen (aus einem Wilmersdorfer Bücherschrank)]
Am 1. April
eingezogen, mit Abi
allein auf Stube
Fünf Waschmaschinen
Gesaugt, gebügelt, gekocht
Steuer begonnen
Sich auf Flucht finden
Verlorener Sohn kehrt heim
Gerührt vom Vater
Medienfuzzi
erliegt Charme des Lebens auf
Hof in Brandenburg
[Dieter Moor – Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht]
Mehr Groove, mehr Coolness
Mehr Spiel- und Lebensfreude
Mehr Seele geht nicht
[Jill Scott – Beautiful People vom Tiny Desk Concert, 16.2.2026]
Schon seit zwei Tagen
Flaues Gefühl im Magen
Kombucha gekippt?
Sehr lange gesucht
Eine Landschaft tut sich auf
Bukolisch. Friedlich.
[Ralph Towner – Drifting Petals von Solstice, 1975]
Eine Frau sagt mir
Wieviel Kilo ich verlor
In der letzten Zeit
Außer Kontrolle
Teekochfeuer spätmorgens
Abends vor Gericht
Erstes Treffen bei
diesem Stück und die Liebe
wird ewig halten
[Bill Evans Trio – My Foolish Heart (Young/Washington) von Waltz for Debby, 1962 (mehr)]
Ten days from Cape Town
Bœuf et homard gratuit
Inselglück finden
Minnesota nach
New York mit einem Koffer,
sechs Bücherkisten
Timing ist alles
Nebel hängt über der Nacht
Drei harmonieren
[Bill Evans & Stan Getz – But Beautiful von Undercurrent, 1962]
Sonntagvormittag
Lacht die Sonne in München,
ruft der Biergarten!
Klackernde Stöcke
Im Schnee knarschende Schuhe
Krächzende Krähen
Zu wenig essen
erzeugt ein Hungergefühl
Nichts essen keines
Filmriss auf Ios
Ich glaub, wir haben geküsst
Retsina und mehr
[Talking Heads – Road to Nowhere von Little Creatures, 1985]
Mad Max-Disco, M.
Blauäugige Brünette
Um mich ist’s geschehn
Viertel vor sechs kommt die SMS
Mit dem fünfstelligen Zugangscode
Kurz vor sechs gehe ich
Über den vereisten Schnee
Hinüber zum Wellnessgebäude
Code eingeben und es kommt ein Signal
Die Tür ist entriegelt, ich trete ein
Ziehe meine Klamotten aus
Lege sie auf einen Stuhl
Schnappe mir das bereit gelegte große Handtuch
Öffne die Glastür zur Sauna
Eine Hitzewand schlägt mir entgegen
80 Grad, 15% Luftfeuchtigkeit, die auf
20% ansteigen nach dem Aufguss
Mit der Kupferkelle geschöpft
Es zischt, die Steine knacken, es dampft
Dezenter Mentholgeruch steigt mir in die Nase
Ich werfe das Handtuch auf die Bank im 2. Stock
Lege mich auf das Handtuch,
So flach und tief wie möglich
Beginne die Atemzüge zu zählen
Sie werden langsamer und am Ende schneller
Atme erst durch den Mund
Doch die Zunge wird trocken
Dann durch die Nase
Die Hitze stößt gegen die Nasenscheidewand
Es brennt schlimmer als ein Wüstensturm
Von draußen ächzende, knarrende Geräusche
Bei hundert stehe ich auf
Öffne die Saunatür
Setze mich auf den Stuhl
Lege das Handtuch auf den Schoß
Nach fünfzig Atemzügen
Hört das Tropfen auf
Ich schwitze fast nur am Kopf
Der ist am wichtigsten
Der muss zuerst gekühlt werden
Bin nun bereit zum nächsten Gang
Tequilaparty
Der Kopf wird immer klarer
Blackout aus dem Nichts
Olydisco M.
Iren voll aus dem Häuschen
Auf die Tanzfläche!
[U2 – Sunday Bloody Sunday, live 1983 auf Under a Blood Red Sky]
Zurückgeworfen
Schneeweißer, vereister Weg
Gut geknirscht, Löwe!
Es geht los auf meine nächste Wandertour. Im Winter war ich schon öfter fastend unterwegs, allerdings noch nicht im winterlichen Winter mit Schnee und Eis. Das ist dieses Mal anders.
Bevor es losgeht, mache ich mir zuhause noch einen Einlauf und stelle so den Schalter um auf die Verbrennung der eigenen Reserven (erst Kohlehydrate, dann Fett).
Mit der U7 fahre ich nach Spandau, wo mir der Bus nach Henningsdorf vor der Nase wegfährt: 3 Minuten Umsteigzeit waren nicht genug bzw. der Bus wartet nicht. Auf dem Display an der Haltestelle steht „59 Minuten X36“, allerdings stellt sich raus, dass bereits in 20 Minuten ein Bus vom Rathaus Spandau fährt.
In Henningsdorf kaufe ich mir noch Pastillen im Supermarkt und verlasse den Ort über den Stadtpark, auf dem mich ein Langläufer im Trikot überholt und darauf hinweist, dass heute kein idealer Wandertag ist. Das wird die einzige Person bleiben, die ich heute auf dem Weg treffen werde.

Es ist in der Tat eine Herausforderung auf dem vereisten Weg nicht hinzufallen, was mir aber gelingt. Ich rutsche immer wieder, lerne abzuschätzen, wo es besonders glatt ist und gehe meist am Rand, wo Fahrzeuge den Schnee bzw. das Eis noch nicht glattgefahren haben. Die Stöcke sind sehr nützlich. Die Temperatur ist heute etwas über Null angestiegen, es taut ein ganz wenig. Mich begleitet als einziges Geräusch neben dem Gesang vereinzelter Vögel das Knirschen und gelegentliche Knacken unter den Füßen. Für die verschiedenen Formen dieses Geräuschs bräuchte man eigentlich mehr Wörter. Der Ton ist oft weniger hoch, Knarschen würde da besser passen.
Ich laufe durch den Wald mit vielen Eichen auf der breiten Alten Hamburger Poststraße, die insbesondere hinter Bötzow kilometerweit schnurgeradeaus verläuft. In Bötzow geht es an der Feldsteinkirche und der alten, völlig überdimensionierten Grundschule vorbei.


Am Ortsausgang ist ein Reiterhof, vier wunderschöne Braune rennen auf mich zu und wollen an der Seite des Kopfes gestreichelt werden. Sie folgen mir noch ein Stück bis zum Ende der Koppel.

Der Weg wird immer wieder von Meilensteinen gesäumt und zwar Viertel-, Halb- und Ganzmeilensteinen. Eine preußische Meile entspricht immerhin 7,53 km, ich bin also schon über 30 km hinter Berlin, nach Hamburg sind es noch gut 255 km.


Der Weg auf der Poststraße durch den Krämer genannten Wald ist schon etwas eintönig, aber zumindest habe ich ihn für mich allein und kann mich langsam eingrooven. Ich bin trotz des trüben Wetters geblendet vom Weiß des Schnees. So einsam durch den festgefrorenen Schnee stapfend komme ich mir etwas vor wie Scott und Amundsen am Südpol. Ich passiere mehrere Schutzhütten, die ich für kurze Trinkpausen im Trockenen nutze. Dabei genieße ich sowohl den Apfel-Rote Bete-Ingwersaft als auch insbesondere den „Sanft wie Seide“- Multifruchtsaft, den ich in kleinen Schlücken „kaue“ und bei dem ich sehr stark Mango und auch Banane rauszuschmecken meine. Die Bänke draußen sind allerdings schneebedeckt und nicht nutzbar.

Am Nachmittag war laut App eigentlich leichter Regen angesagt, der mir aber erspart bleibt.
In der Ferne höre ich ein in meinen Ohren durchaus angenehmes Rauschen, das zu einem Brausen anschwillt, je weiter ich gehe: Es ist die Autobahn. Mein erstes Ziel ist Groß-Ziethen, das etwas abseits des Pilgerwegs liegt. Ich hatte mir gedacht, über die A24 in der Nähe des Autobahndreiecks Havelland, direkt dort hinzugehen, allerdings ist dort statt der erhofften Brücke oder Unterführung – auf der Karte sah es so aus, als käme man weiter – nur ein Zaun. Ich muss also wieder meinen Spuren zurück auf den Pilgerweg folgen und dann erst über die A10, dann durch den Wald und über die A24 nach Staffelde und dann zurück nach Osten nach Groß-Ziethen, mehr als eine Stunde extra.
In Groß-Ziethen erwartet mich meine Unterkunft, das Schloss, ursprünglich von den Bredows 1355 erbaut, das laut Fontane mal im Besitz von Blücher war. Das heutige Gebäude ist ein auf einem Barockbau basierender Umbau aus dem späten 19. Jahrhundert. Es ist sehr gut in Schuss, innen geschmackvoll renoviert. In meiner Kemenate gibt es Fischgrätenparkett, einen kleinen Sekretär in der Ecke, ein Fläschchen Wasser sowie – Gipfel des unerhofften Komforts – einen kleinen Wasserkocher nebst Teekanne, so dass ich mir einen Beeren- und einen Kamillentee kochen kann. Ich bin nach der anstrengenden Wanderung doch relativ dehydriert.


Hier ist die Übersicht über meine Wanderung auf dem brandenburgischen Jakobsweg im Februar 2026.
Pulvriger Schnee knirscht
Morgens unter den Schuhen
White Light, white cold
Dunkelrot, opak
Syrah, Carignan, Grenache
Frisch, kräftig, süffig

Im Reich der Sitar
Stimme klingt müde-weise
Erleuchtung nicht weit
[Beck – Nobody’s Fault But My Own von Mutations, 1998]
Nachts durch Schnee gestapft
Kimba stoppt, guckt in Ferne
Felder strahlen weiß
Im Sphärenklangbett
Harfe trifft auf Theremin
Nicht von dieser Welt
[Nailah Hunter & Alia – The Pavilion of Dreams (Harold Budd)]
Energieriegel
Ohren durchpusten lassen
Die Freiheit lieben
[Jon Irabagon – Routers von Server Farm, 2025]
Wenn Schönheit wehtut
Schlag in die Magengrube
Es zieht uns hinan
[Max Richter – On the Nature of Daylight (Richter/Dangel] von The Blue Notebooks, 2004]
Die Welt nicht mehr heil
Die Musik schon irgendwie
Ich noch kein Teenie
[Steely Dan – Do It Again, 1972]
Wampe wieder da
Fastenwanderung kann bald
Wieder losgehen
Söhne und Väter
Eine Liebesgeschichte?
Allein auf dem Meer
Über die Bühne
Fegt ein skinny Wirbelwind
Frauenpower live
[PJ Harvey – The Whores Hustle and the Hustlers Whore von Stories from the City, Stories from the Sea, 2000]
An der frischen Luft
Pastorale Melodie
Spätsommerabend
[Yusef Lateef – Love Theme from Spartacus von Eastern Sounds, 1961 auch auf dem Soundtrack zu Sentimental Value]
Ich weiß mehr von dir
als du denkst, aber sagen
tu ich es keinem
Whisky on the rocks
In die Nacht hineinswingen
Unten an der Bar
[TrackTribe – A Night Alone von Smoke Filled Rooms, 2019 vom Soundtrack zu Sentimental Value]
Buddhahundnatur
Kimba geht nicht aus dem Weg
Die Leute lächeln
Ampel springt auf grün
Im Rückspiegel A.s Kombi
Mein Wagen ruckelt
——–
Winziger Stups von hinten
Stoßdämpfer an Stoßdämpfer
Der Wagen ruckelt
Du touchierst den Stoßdämpfer
Die Ampel wird grün
Der Orthopäde
sah sich meine Füße an
und lachte lauthals
Mein Englischlehrer
drummte, ließ uns lustige
Sätze translaten
Nachts auf Land torkelnd
Weltumsegler im Dinghi
Zielsicher zum Strand
Dieser Stich ins Herz
Wenn eine Liebe endet
Ein Lied draus machen
[The Field Mice – End of the Affair von Snowball, 1989]
Indische Rhythmen
Klarinettenmelodie
Gitarrengespinst
[Oregon – Sail von Music of Another Present Era, 1972]
Acker umgraben
Feta und Öl bekommen
Schwielen an Händen
Um viertel nach acht
Sonne aufgehen sehen
zwischen Hochhäusern
So nah dran und doch
Meilenweit davon entfernt
Ein gutes Cover
[Slint – Cortez the Killer (Neil Young), Chicago 1989]