Maßvoll genießen
Auch eine Gitarre fühlt
Behütender Bass
[Terje Rypdal – The Return of Per Ulv von If Mountains Could Sing, 1995]
Maßvoll genießen
Auch eine Gitarre fühlt
Behütender Bass
[Terje Rypdal – The Return of Per Ulv von If Mountains Could Sing, 1995]
Sofort mittendrin
Töne tropfen vom Himmel
In meine Ohren
[Stéphane Kerecki & John Taylor – Gary von Patience, 2011]
Endloses Vorspiel
Perlende Tastenläufe
Eins mit dem Klavier
[Keith Jarrett – New Vienna Part VII, Live 2016]
Überbordender
spiritueller Jazz aus
dem hohen Norden
[Jimi Tenor – Alice in Kumasi]
Trip in das Land von
Liebe, Glaube und Hoffnung
Er ist schon mal vor
[Pharoah Sanders – Thembi, 1971]
Drei Finnen im Schloss
Subtiles Zusammenspiel
Finger gelockert
[Iiro Rantala, Kaisa Mäensivu, Morten Lund – Beautiful Love (Bill Evans)]
Nicht zu bändigen
Stimme, die man nie vergisst
Kein Glück mit Männern
Mit dem Bass schwingen
Intrikates Mannschaftsspiel
Kammerjazzmusik
[Oregon – Yellow Bell von Out of the Woods, 1978]
Zärtlicher Anschlag
Klavier, Bass, Drums im Einklang
Lyrisches Motiv
[Fred Hersch – The Surrounding Green]
Spiritual jazz
Plädoyer fürs Einfache
Wir grooven uns frei
[Yusef Lateef – Like It Is von The Blue Yusef Lateef, 1968]
Hypnotischer Bass
Trip durch brodelnde Klänge
Wie weggeblasen
[Nils Petter Molvær – Song of Sand von Khmer Live in Bergen]
In Abendsonne
glitzernde Perlenkette
von Klaviertönen
[Oscar Peterson Trio – You Look Good to Me, live Holland 1965]
Erster Sonnenstrahl
An alte Zeiten denken
Beide verbinden
[Paolo Fresu, Richard Galliano, Jan Lundgren – Float]
Erst schilfig, dann voll
Trompetenklangverwandlung
Mittenrein ins Herz
[Mathias Eick – September, s.a. 4792]
Sag jetzt lieber nichts
Spanne nur die Ohren auf
Lass die Töne rein
[Mathias Eick – September]

Allein schon das Cover. Ich habe auf den ersten Blick gedacht, das wären zwei Rechtecke. Bis ich gesehen habe, dass es drei sind und davon fast wahnsinnig geworden bin. Eine so simple zweidimensionale, geometrische Darstellung, die mich doch in die Irre geführt hat. So ist es mit dem Leben. Man denkt, man hat es begriffen und man hat nichts verstanden. Hinter seiner Fassade versteckt ein Mensch seine Gefühle. Die Menschen sind so unglaublich dünnhäutig, aber nach außen will es keiner zugeben. Das ist für viele Menschen die Tragödie ihres Lebens.
Dieses Album, das ich kürzlich über eine Playlist, mit dem Titel Zen Piano o.s.ä., die C. auf France Inter gehört hat, kennengelernt habe, ist wahnsinnig entspannend, wenn es abends läuft, legt es sich wie ein Kokon um mich, wird zu einer zweiten Haut. Seit Tagen höre ich nichts anderes. Charlie Haden, mit dem Jarrett schon seit Urzeiten zusammengespielt hat, spielt einen unprätentiösen, straighten Bass, der Jarrett genau den körperlichen Rahmen gibt, den er braucht, um diese einfachen Jazzstandardmelodien aus den Händen zu schütteln. Die beiden führen hier ein sehr intimes Zwiegespräch, können im Duo direkt aufeinander reagieren. Haden’s Free Jazz– Vergangenheit hat er hinter sich gelassen bzw. sublimiert. Selten ist Jarrett seinem großen Vorbild Bill Evans näher gekommen als hier. Natürlich gibt es neben dem Klavier und dem ruhig dahinplätschernden Bass auch noch Jarrett’s Stimme, er summt und stöhnt gelegentlich, er verschmilzt mit dem Flügel. Wie flüssig und organisch das Klavierspiel ist. Man merkt es, da ist jemand zu sich gekommen und das Glück überträgt sich auf den Zuhörer. Charlie Haden hat in etwa gleichzeitig auch in Jarrett’s zum Studio umgebauter Scheune – die besondere, private, gelassene Atmosphäre hört man beiden Alben an – noch die Stücke für das später veröffentlichte The Last Dance mit Jarrett aufgenommen, einem ähnlich großartigen Album. Ebenfalls Late Night Jazz vom Feinsten. 2014 hat er sich dann leider vom Jazzacker gemacht, hier sieht und hört man die beiden über die Jasmine-Sessions sprechen. Es ist wunderschön, dass so eine Musik existiert und ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich dafür bin.
Melodietrunken
Auf den Lippen ein Lächeln
Ansteckende Grooves
[Nils Kugelmann Trio – A Good Day]
Wabernder Nebel
Zwischen Erde und Himmel
Gleißende Sonne
[Polar Bear – Open See von In Each and Every One, 2014]
Cockpit, Luxembourg
Strawberry Daiquiri flash
Sommerterrasse
[Green Cosmos – Opus X von Abendmusiken, 1983]
Vorhin auf dem Ergometer habe ich zur Abwechslung mal Jazz gehört. Es ging recht leise los, also habe ich den Bluetooth-Lautsprecher übers Handy lauter gestellt. Irgendwann – mein Ergometer-Programm steigert die Leistung um 25 Watt alle 2 Minuten bis zum Maximalwert, heute 270 Watt, der dann 15 Minuten gehalten werden muss, bevor es dann 6 Minuten wieder sukzessive runter geht mit der Leistung – habe ich das Handy auf den Teppich geworfen, weil der Tretwiderstand so stark geworden ist, dass er mir alles abverlangt hat, dass ich in meine konstante Trittfrequenz kommen musste, weil ich das 27 Minutenprogramm ansonsten nicht durchstehe. Na ja auf jeden Fall fiel mir dann, nachdem das Handy unerreichbar auf dem Boden lag, plötzlich auf, dass die Musik evtl. etwas zu laut war für die Nachbarn. Vor allem das Saxophon hörte sich so an, als würde es mir jemand in 1 Meter Abstand ins Ohr blasen. Am Ende hat sich niemand beschwert und ich habe mein Programm erfolgreich durchgezogen, es war also alles paletti.
Achso, was ich vergessen habe, das erste Stück auf dem Album, das den Titel Über dem Berg trägt, fängt mit einem repetitiven Kalimbapart an, ein bisschen wie bei Steve Reich’s Drumming, meinem Lieblingsalbum von 1974. Wo sich die Drumpatterns ganz langsam verschieben, so dass man es kaum merkt. Minimal Music, die Erste. Zurück zu Green Cosmos, einer deutschen Band, deren einziges Album Abendmusiken aus dem Jahr 1983 geblieben ist. Ich frage mich gerade, ob man die Platte unter Spiritual Jazz subsumieren könnte. Ich glaube ja, auch oder gerade weil sie in vielen Stücken diese lässige Late Night Atmosphäre ausstrahlt. Ja, es stimmt, der Pianist spielt so locker wie Bill Evans, die Töne perlen z. B. bei Concentration nur so aus dem Klavier. Der Saxofonist hat seinen John Coltrane und seinen Pharoah Sanders inhaliert, wobei er seine eigene Intonation hat, nicht so wild und expressiv wie Pharoah spielt, aber mindestens genauso spirituell. In Vollmondscheinsonate hat er diesen zärtlichen Nebelton, einfach umwerfend. Der Bassist thront über dem Ganzen wie Kronos in der griechischen Mythologie, der Bass – besonders schön blubbernd auf Kalimba Suite, Part 1 – hält den Laden zusammen. Meine Lieblingsstücke sind Lovely Suite und der Closer Opus X. Beide sehr lyrisch und wundervoll melodisch. Aber auch sonst ist dies ein von Grund auf entspanntes Album, das gleichzeitig vor Spielfreude sprüht, an dem man seine Freude haben muss. Jazz at the top of its game. Mit einer großen Bandbreite, ohne Berührungsängste mit verschiedensten Stilen. Mehr kann man von Jazz nicht verlangen.
Ein Dankeschön an Michael Engelbrecht, ohne den ich dieses Album niemals entdeckt hätte.
Beschauliches Meer
Viele emsige Menschen
Friede sei mit euch!
[Bernie Maupin – Ensenada von The Jewel in the Lotus, 1974]
Sperrige Nummern
Wilde Grooves unterm Glaskreuz
Titel wird gesucht
[Johanna Summer, Tobias Fröhlich & Jan-Einar Groh @Stadtkirche Darmstadt]

Ganz unten Cello
In der Mitte Gitarre
Oben Trompete
[Lars Danielsson & Verneri Pohjola & John Parricelli – Cattusella]
not folk music, not jazz,
not pop music, not funk, it’s
just balladeering
[Lee Konitz on Lee Konitz, Bill Frisell, Jakob Bro, Thomas Morgan, Craig Taborn – Vinterhymne]
Warm piano tune
Dreamy sax out of the mist
Northern wistfulness
[Keith Jarrett’s European quartet with Jan Garbarek – My Song]
Welch Saxofonton:
expressiv, jubilierend
Spiel ihn noch einmal!
[David Sanborn – Chicago Song]
Andalusien
Vornehm zurückgenommen
Labsal für das Ohr
[Pat Metheny – You’re Everything (Chick Corea)]
Die Geschmeidigkeit
und Wärme des E-Bassspiels
Jaco lässt grüßen
[Eberhard Weber – The Colours of Chloë]
nicht alleine sein
in fortgeschrittener nacht
angekommen sein
[Fred Hersch – Star-Crossed Lovers (Billy Strayhorn)]
Schilfblätter im Wind
Anschwellendes Vibrato
Den Ton aushauchen
[Charles Lloyd – Defiant, Tender Warrior]
Comment marier
le jazz avec l’électro
sans aucune couture
[Joanna Duda Trio – Grasshopper]
Sympathischer Kerl
Free Jazzer erster Stunde
mit Weggefährten
[Tilmann Urbach – Tastenarbeiter Alexander von Schlippenbach im Rahmen des Berliner Jazzfests]
7/10
Effortless floating,
daydreaming, sipping a glass
of smooth Pomerol
[Gary Burton Quartet – Coral (Keith Jarrett)]
Eins mit dem Kosmos
Auch auf den Antipoden
Pharoah’s Geist lebt!
[The Circling Sun – Kohan]
Sie, die Liebe ist
ein fragiles Gebilde.
Tasten wir uns ran.
[Keith Jarrett – I Loves You, Porgy (Nina Simone)]
Der lange Atem
geht dem Saxofonspieler
irgendwann mal aus
[Wayne Shorter – Infant Eyes]
Ganz im Hier und Jetzt
Nicht sitzen bleiben können
Eins mit dem Klavier
[Keith Jarrett – Solar (Live in Japan 1987) von Miles Davis]
Jazz at the fringes
Musikauswahl exquisit
Treffende Worte
[Klang und Resonanz auf WDR 3 moderiert von Ralf Dombrowski]
Deine Musik klang
schon immer überirdisch.
Nun bist Du drüben.
Die Zeit dehnt sich aus
bis Seelenwunden heilen
zwischen den Tönen.
[Benjamin Moussay – Villefranque]
Sie tastet sich vor
hinein in die Romantik
aus dem Jazz kommend.
[Johanna Summer – Von fremden Ländern und Menschen (Schumann)]
Gefühl, Zärtlichkeit.
Hingetupfte Perfektion.
Für Romantiker.
Das war schon eine ziemlich gute Platte damals, Tutu. Sie hat mich während meines Studiums begleitet und vor allem dieses Stück hatte es mir angetan. Es ist so unglaublich reich, man hat das Gefühl in den knapp sechs Minuten stecken alle Musikstile drin, die man sich vorstellen kann. Neben Jazz und Rock, Zigeunermusik, Funk, Dub Reggae, Anklänge an Techno, moderne, avantgardistische Klassik etc. pp. Und wie das vor Lebensfreude groovt, dieser rumpelnde Bass, diese hallenden Keyboards, dieser kleine (das ist das Adjektiv, das ihn vielleicht am besten in einem Wort beschreibt) Trompetenklang. In diesem Teil steckt das komplette Universum drin. Von der Milchstraße über den Andromedanebel bis zum hintersten schwarzen Loch, da wo die Strahlen unserer Sonne noch nie hingekommen sind. Wer hier seinen Kopf nicht verliert, der hat keinen. Ich übertreibe, dabei hätte es dieses Meisterstück nun wirklich nicht nötig gehabt.
(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 350 Stücke ist hier.)
Wo uns Pharoah – laut dem Heiligen Geist Albert Ayler der Sohn, John Coltrane war der Vater – mitnimmt auf eine Sternenreise durch eine friedliche Galaxie, wo die Vögel zwitschern, der Bass brummt, die Rhythmusglocken erklingen und das Tenorsaxophon die lyrisch-impressionistische Melodie hervorzaubert. Ein Trip in eine sehr entspannte Welt ohne Geschrei und Gelaber, dafür muss man nicht in die Raumkapsel steigen, dafür reichen ein paar gute Ohrhörer.
(Die Liste aller seit 1. Februar 2010 ausgewählten 348 Stücke ist hier.)
Tord Gustavsen has been my favourite jazz pianist for quite a while now. In the early eighties it used to be Keith Jarrett (cf.). One difference between them is that whereas Keith Jarrett used to moan during his solo concerts, Tord Gustavsen remains perfectly quiet and only plays his instrument. The trio is a perfect place for him. Bass, drums and piano, it really is a minimal setting but absolutely sufficient to create the kind of intimate chamber jazz music I adore. Like Jarrett Gustavsen is on the Munich ECM label and he definitely belongs there with his introspective sound. I listened to this phantastic understated piece this morning on our leather couch with the B**e ear plugs and it was a revelation. The tender melody starting the piece, the subtle cymbals, the slow unfolding of things. Marvelous stuff, just listen and forget about these superfluous words…
(The list of all 339 selections since 1st February 2010 is here.)