Beim Wandern im Flow
Sobald du nicht mehr wahrnimmst,
dass du dich bewegst
Beim Wandern im Flow
Sobald du nicht mehr wahrnimmst,
dass du dich bewegst
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Oben die Sterne
Unten die Erde ganz klein
Durchs Leben fliegen
[Goldfrapp – Pilots von Felt Mountain, 2000]
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Blinde und Riesen
stoßen sich gelegentlich
an Gegenständen
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Des Blinden Augen
sind auf den Host gerichtet,
wenn dieser redet
—
Des Blinden Augen zeigen
aufwärts, wenn er selber spricht
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In großen Schwüngen
Haiku aus Netz in Kladde
per Hand kopieren
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Großer Bruder, der
mit langen Armen Dinge
in der Ferne greift
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Gelassenheit, dann
zunehmende Aufregung,
die sich wieder legt
[Bill Laurance – Mantra]
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Zuhaus aufwachen
Keine Ahnung mehr haben
Wie man dort hinkam
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Das Befreiende,
das Meiste im Leben nicht
wissen zu müssen
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Die Musik-Playlist
mit allen Lieblingsstücken
Ein Weg ohne Ziel
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Immer mehr gewollt
von anderen Menschen als
sie geben konnten
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Etwas aufschreiben,
nur um es sofort wieder
ganz zu vergessen
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Noch nicht oft genug,
zu oft, genau richtig oft
gehörte Musik
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Reich an Vokalen
Beliebig erweiterbar
Wortstellung wählbar
[Roland Kaehlbrandt – Von der Schönheit der deutschen Sprache]
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Ich würde so gerne etwas schreiben über das Buch, das mich in meinem Leben am meisten beeindruckt hat. Siddartha von Hermann Hesse. Ich hatte große Angst, es wieder zu lesen. Es muss im Sommer 1981 gewesen sein, als ich es entdeckt habe, ich war um die 18 und ich habe dieses dünne Buch in einem Rutsch runtergelesen. In Moers, draußen im Garten in der Sonne, wenn ich es recht erinnere. Übrigens das einzige Buch von Hesse, das mich jemals gepackt hat. Hesse wurde sonst immer von etwas älteren Hippie-Typen in der Schule während des Unterrichts unter der Schulbank gelesen.
Als ich das Büchlein vor ein paar Tagen wieder zur Hand genommen habe, war ich gleich positiv überrascht. Es hat mich ein zweites Mal sofort mitgenommen auf den Trip. Die Sprache war etwas gedrechselt, aber das war egal. Im Gegenteil, das hat dem Text sogar eine gewisse Aura gegeben. Was mich sehr bald frappiert hat und was ich nach 44 Jahren völlig vergessen hatte. Der Brahmane Siddartha und sein Freund Govinda, die sich beide den Samanas angeschlossen haben und den Asketenweg gehen, um leer zu werden, treffen Buddha, aber Siddartha geht weiter, während Govinda bei Buddha bleibt. Der Grund ist einfach. Siddartha interessiert sich nicht für Buddhas Lehre, er interessiert sich eher dafür, wie Buddha seine Erleuchtung gefunden hat, was jedoch im Buch nicht aufgelöst wird. Also verlässt er seinen Freund und Buddha und geht seinen eigenen Weg. Einen Weg, der zurück führt ins Leben, einen Weg der Praxis. Er verliebt sich in eine Kurtisane, die ihn in die Liebe einführt, sie bekommt nach einer Weile ein Kind von ihm. Er wird Kaufmann und genießt das Leben in vollen Zügen, ab einem gewissen Punkt ist er jedoch satt und durchschaut Sansara, den Kreislauf des Lebens, der ihn nie erfüllen wird. Dann wird er zum Fährmann, der den Fluss als Allegorie des Lebens betrachtet und mit ihm spricht. Ab da flacht das Buch ab und mein Interesse schwindet. Außerdem ist es gleichnishaft bzw. parabelhaft geschrieben, wenig konkret, recht abstrakt. Man merkt, dass es mehr ein Gedankenspiel ist, ihm keine reale Erfahrung zugrunde zu liegen scheint. Das hat mich damals nicht gestört. Siddartha kann nach seinen eigenen Worten nur drei Sachen. Warten, denken und fasten. Aber zum Fasten steht wenig in dem Buch, so ein faszinierendes Thema, aber Hesse lässt diesen Acker brach liegen. Er hat anscheinend nie gefastet. Zum Warten und Denken liest man auch kaum etwas. Dazu hatten später Samuel Beckett und Paul Auster – oder vorher Edgar Allen Poe – mehr zu sagen. Alles Kopfgeburten. Diese Inkonsequenz, Kerneigenschaften in den Raum zu werfen und dann in keinster Weise zu präzisieren bzw. zum Leben zu erwecken, ist schon etwas ernüchternd.
Das Verrückte ist, dass ich mehr oder weniger ein Jahr nachdem ich das Buch gelesen habe, meinen Weg gegangen bin. Weg von den Büchern, der Theorie, dem inneren Widerstand gegen das „System“ hinaus in die offene Welt. Das Ziel war Indien, angekommen bin ich dort nie. Es musste sein. Und es hat so gut getan. Sich durchzukämpfen auf dem Rad. Auf dem Autoput in Jugoslawien und dann im gelobten Griechenland in diesem superheißen Sommer. Ohne funktionierende Gangschaltung. Der auf den Anstiegen in die Augen laufende Schweiß, das teuflisch in den Augen brennende Salz, der Stolz, nicht aufzugeben und abzusteigen. Jeden Morgen Feuer zu machen, von wenig zu leben, zu betteln. Für sich selbst verantwortlich zu sein, für Fehler einstehen zu müssen. Leute zu treffen, die ähnlich dachten. Frei zu sein. Jung zu sein. Naiv zu sein. Man selbst zu sein. Das Abenteuer zu suchen und zu finden. Und irgendwie ging es immer weiter, auch wenn die Lage zum Teil schwierig war. Ich will jetzt gar nicht auf Details eingehen, vielleicht später. Aber diese Geschichte, dieser lange Sommer von vier Monaten, hat mir ein unheimliches, inneres Selbstbewusstsein gegeben. Was ich vorher überhaupt nicht hatte. Vorher hatte ich nur die Arroganz des neunmalklugen Besserwissers. Keinem Lehrer zu folgen, war das Beste was ich machen konnte. Der beste Lehrer ist das Leben. Ganz einfach.
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Lehrern nicht folgen
Den eigenen Weg gehen
Das Leben leben
[Hermann Hesse – Siddartha]
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Kopf in Sand gesteckt
In den Tag hineingelebt
Viel Zeit vertändelt
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Wieso erzählt man
immer dieselben Stories,
obwohl man es weiß?
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Unterwegs offline
Internet nur im WLAN
Welch großes Geschenk!
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stream of consciousness
Ist die innere Stimme
das einzig Wahre?
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Die liebsten Haiku
Die Widerborstigen, die
Nicht gleich aufblühen
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Manchmal muss man erst
Öl ins Feuer gießen, so
dass es gelöscht wird
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Die Welt wieder durchs
Wurmloch verlassen durch das
wir sie betreten
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Auf Leserspuren
Eigene Blogposts lesen
War das wirklich ich?
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„Der Tag ist zu kurz.“
In meinem Leben haben das
nur Frauen gesagt.
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Vor 20 Jahren
referenzierten sich Blogs
viel mehr als heute
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Über Leute, die
Du überhaupt nicht magst,
lieber nichts sagen
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Einem Haiku nicht
die Mühsamkeit ansehen,
es zu erstellen
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Was ist wichtiger?
Kompetenz oder Freundschaft?
Umdenken nötig?
[Karsten Brensing – Die Magie der Gemeinschaft – Was uns mit Tieren und künstlichen Intelligenzen verbindet in Denkanstöße 2026]
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Im Anthropozän
Neue Eiszeit verhindern
Cradle to Cradle
[Michael Schmidt-Salomon: Die Evolution des Denkens – Das moderne Weltbild – und wem wir es verdanken in Denkanstöße 2026]
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Straight into the face
Siebzehn Silben nicht genug,
um rumzueiern
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„Schlaues“ Gelaber
Praktischer Nährwert gleich 0
Zurück in den Schrank!
[Otfried Höffe – Die hohe Kunst des Alterns. Kleine Philosophie des guten Lebens]
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Am Ende zählt nur
das wirklich selbst Erlebte
Der Rest ist Schweigen
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Negativität
Nie endende Spirale
In die Finsternis
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Beim langen Gehen
Gedanken gehen im Kopf,
überholen mich
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Nach dem Aufwachen
In den Ohren ein Geräusch
Das Rauschen der Zeit
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In Parallelwelt
Der mächtigste Mann der Welt
Zu irr für SciFi
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Treue Leser, die
ganz plötzlich verschwinden und
man weiß nicht warum
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Im Schneckentempo
Mit jedem Schritt, den man geht,
bei sich ankommen
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Mit sechs schlauer sein
als die Mehrzahl der Großen
Mit acht ein Engel
[Fynn – „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“]
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Sekundenzeiger
der Küchenuhr, der nicht springt,
sondern stetig läuft
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Täglich fünfhundert
vorbeidefilierende
News im Feedreader
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Es fühlt sich so an,
als bekäme das Leben
erst durchs Gehen Sinn
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Augen aufschlagen
Selbstbewusstsein erlangen
Die Welt bestaunen
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Mutig beginnen
Tapfer Scheitern ertragen
Sanft zu Menschen sein
[Ein alter Pater im Internat zu Friedrich von Schirach, auf 17 Silben gekürzt]
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More than one digit
visitors per day for a week
That is a party!
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Den Blick abwenden
Vom Smartphone, hin in die Welt
Nothing can beat it
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Copilot scheitert
an einfachsten Aufgaben
Hoffnung für Menschheit?
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Geschwätziger Text
Ressourcenverschleuderer
Lebenszeitfresser
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Die guten Dinge
Wo sind sie nur geblieben?
Fortschritt war gestern
[Gabriel Yoran – Die Verkrempelung der Welt, 5 Sterne]
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etwas wahrnehmen
in siebzehn Silben gießen
fertig ist’s Haiku
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Nicht Angst vorm Ende
des Lebens, aber davor,
dass es nie anfängt
[nach John Henry Newman]
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dieser musiktrip
das springen von stück zu stück
liebe zum schicksal
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The past is over
The future has not started
The present passes
[after a Buddhist saying]
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Das Gefühl haben,
in der Nachspielzeit zu sein,
seit vielen Jahren
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meinen wir, etwas
wäre schlecht gealtert, sind
wir’s vielleicht selber
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Aus dem Paradies
musst du vertrieben werden,
um es zu merken
[frei nach Mohammed Dib]
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Der Mund abgeklebt
in Blogs, in denen man nicht
kommentieren kann
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Durch das Vergessen
schaff ichs, nach jedem Knock-out
wieder aufzustehn
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Zipfel der Decke
Die Erinnerung schlummert
Pack ihn, weck sie auf!
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Haiku, Hilfsmittel,
Beziehung herzustellen
Zwischen Welt und Ich
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Ein Haiku schreiben
ist immer ein Abnabeln
Schmerzhaft befreiend
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Bei jedem Hören
mehr von sich preis geben, doch
das Geheimnis bleibt
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Wenn du irgendwas
erleben willst, musst du dich
verändern lassen
[Julia Schoch im Interview mit dem SZ Magazin]
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Zum Runterkommen
täglich kurz vorm Einschlafen
dieses Lied hõren
[Talk Talk – New Grass]
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Von Stille geweckt
Von Dunkelheit geblendet
Vom Nichts verschlungen
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Dinge loslassen
Gehören mir die Dinge?
Oder andersrum?
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Morgens wach liegen
Wörter rennen durch den Kopf
Zähm sie aufs Papier!
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Herausforderung,
Sachverhalt darzustellen
in 17 Silben
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Sich widerspiegeln
in Pupille des andern
als kleine Puppe
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Stürmische Zeiten
Worte als Rettungsanker
Schreiben Therapie
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Wie Torschlusspanik
Viel Zeit liegt nicht mehr vor mir
Muss noch viel Wandern
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Vorsatz, Haiku nicht
mehr erst ins Handy tippen
In Kladde schreiben!
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Der Blick ins Leere
„Mit einem Buch in der Hand“
Vogelgezwitscher
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Mit jedem Schritt auf
meinem Weg entfern ich mich
mehr von den Menschen
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Das Wandern genau
wie das Leben, man weiß nicht,
wieso man es tut
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Auf der Bank notiert
Die Gedanken bekommen
beim Gehen Flügel
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Nach all den Jahren
Eine winzige Frage
Wie heißt Du? Stille
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Namenlos schweben
Zwischen Zeilen in Blogposts
Mehr Geist als Mensch sein
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Sind Namen wichtig?
Der erste Buchstabe reicht
ja manchmal schon: K.
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Gleichzeitig glauben
an die Freiheit des Willens
und an das Schicksal
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Im Akt des Gehens
– auf rotierender Erde –
angekommen sein
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8 Aufrufe nach
24 Jahren Blog
Danke, Internet
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Freude darüber,
dass eigne Kommentare
nicht gelöscht werden
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Geist und Körper eins
Komplexität nicht viral
Wir sind Vielheiten
[Siri Hustvedt – Wenn Gefühle auf Worte treffen (Ein Gespräch mit Elisabeth Bronfen)]
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Wahrnehmung zu schwach
Vokabular zu beschränkt
Welt zu beschreiben
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Den Kopf einziehen
Der Welt den Panzer zeigen
Schildkröte werden
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Kann nicht weglaufen
Beschreibt etwas Konkretes
Hat siebzehn Silben
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Einzige Nachricht
auf Anrufbeantworter:
meine eigene
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Je dünner ich bin,
desto mehr bin ich ich selbst.
Ist das Magersucht?
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Notiz an mich selbst
Ratgeberliteratur
Zeitverschwendung pur
[Ken Mogi – Ikigai]
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Klassisch gebildet
Als Schöffe ungeeignet
Kein Lebenskünstler
[Ferdinand von Schirach – Regen]
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Mitten in der Welt
– Fastenwandern im Winter –
aus der Welt fallen
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Die Epiphanie,
erst nicht aufs Wort zu kommen
und am Ende doch
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Nur dieses Leben
und nicht wissen, was danach
Welch riesiges Glück!
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Blogroll
02/06 Beth Gibbons, Berlin