Archive for the ‘haiku’ Category

Malerweg, 17.7.25 Hohnstein  – Altendorf 14

Juli 18, 2025

Burg mit Geschichte
Zig Stufen runter und rauf
Verlorener Ort

Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir die Waldstraße hinunter ins Ortszentrum. Wir kommen am Hohnsteiner Kasper vorbei, im Max Jacob Theater werden heute noch Puppenspiele gezeigt.

Hohnsteiner Kasper

Die nach den Plänen  von George Bähr, dem Architekten der Dresdener Frauenkirche, errichtete evangelische Kirche ist vor allem im Innenraum ein lichtdurchflutetes Schmuckstück mit der bunten Holzkassettendecke und den Patronatslogen.

Hohnstein, ev. Kirche

Wir gehen hoch zur Burg, die eine bewegte, moderne Geschichte aufweist. Nach dem 1. Weltkrieg war sie erst Jugendgefängnis, dann Jugendherberge, 1933/34 Konzentrationslager für 5.600 meist politische, kommunistische Gefangene, dann Reichsjugendherberge der Hitlerjugend, im 2. Weltkrieg Kriegsgefangenlager, danach die größte Jugendherberge der DDR und heute Jugendgästehaus der Naturfreunde.

Hohnstein, Burg

Auf dem Malerweg aus dem Ort hinaus überholen wir bald einen fotografierenden Wandergenossen. Wir werden heute immer wieder Wanderer treffen, die ebenfalls den Fernwanderweg gehen.Wir kommen zur Gautschgrotte, einem überhängenden Felsen. Hier in Hohnstein lebte der Ausnahmekletterer Bernd Arnold, nach dem eine Kletterschule und ein Outdoorladen benannt sind.

Hohnstein, Gautschgrotte

Es geht nun auf angenehm zu gehenden, z.T. gesandeten Wegen durch den Wald, am Wegrand entdecken wir kleine, schmackhafte Blaubeeren. Am Ende kommen wir zur Baude an der Brandaussicht, wo man heute eine sehr gute Sicht bis nach Tschechien hat, direkt vor uns der Lilienstein. Hier begann Anfang des 19. Jahrhunderts der Tourismus in der Sächsischen Schweiz. Nach ein paar Minuten gibt es ohrenbetäubenden Lärm: Direkt über uns jagt ein Tiefflieger durch die Luft.

Brandaussicht zum Lilienstein

Der Abstieg ins Polenztal erfolgt über 800 mit Holzbrettern befestigte Stufen, auf der anderen Seite geht es nach ein paar hundert Metern Straße wieder genauso hinauf. Mein Hemd ist oben in Waitzdorf komplett durchgeschwitzt, trocknet aber wieder in wenigen Minuten. Das Gasthaus hier hat wegen Sommerurlaub diese Woche leider gerade geschlossen. Wir essen unseren letzten Proviant, 2 Trockenwürste, 1 Kohlrabi und 2 Müsliriegel.

Im Ort kommen wir an einer eindrucksvollen Linde vorbei, der Stammumfang beträgt sicher an die vier Meter.

Waitzdorf, Linde

Auf dem nächsten Wegstück, dem wildromantischen Kohlichtgraben, treffen wir erneut auf eine Gruppe dreier, junger Wanderer mit großen Rucksäcken, auf ein Paar ungleichen Alters, sowie auf eine junge Einzelwanderin. Der Malerweg ist der meistbegangene Fernwanderweg Deutschlands, den wir bisher kennengelernt haben.

Wir kommen nun nach Kohlmühle, eine alte Linoleumfabrik, die Kunstleder u.ä. sogar noch bis über 20 Jahre nach der Wende produzierte. Heute steht sie verlassen als lost place da.

Kohlmühle

Das ehemalige Bahnhofshotel vergammelt vor sich hin. Es wurde früher auch als Kantine genutzt

Kohlmühle, altes Bahnhofshotel

Nach einem langgezogenen Aufstieg kommen wir zu unserem Etappenziel Altendorf. Auch heute konnten wir dem später einsetzenden Regen ausweichen. Wir kaufen noch etwas Proviant im Hofladen, treffen ein dänisches Wanderpaar wieder und legen heute einen Waschtag ein. Nach dem Essen gönnen wir uns den hauseigenen Kräuterlikör aus 24 Kräutern und Wurzeln.

Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.

4787

Juli 16, 2025

Herumgewirbelt

Boden unter den Füßen

Hinweggeblasen

[Curtis Harding – Time]

4786

Juli 14, 2025

Klamotten vom Leib

Braune Brühe im Abfluss

Wie neugeboren

4785

Juli 13, 2025

Latifundien

Zum Kaffee und Kuchen bei

einem Bücherwurm

4784

Juli 13, 2025

Jingle-jangle joy

Don’t think about tomorrow

The eighties are back!

[Gwenno – Dancing on Volcanoes]

4783

Juli 13, 2025

Immer wieder schön,

zufällig Nick Drake-Musik

hören zu dürfen

[Nick Drake – Brittle Days III/Work in progress No. 4 (piano)]

4782

Juli 11, 2025

Im Mondlicht am Meer

Wellen treffen auf den Strand

Laufen langsam aus

[Robert Schumann – Kinderszenen No. 12, Kind im Einschlummern (Horowitz)]

4781

Juli 11, 2025

Niesel auf der Haut

Abgestandenes Wasser

Raubvogelschreie

4780

Juli 10, 2025

Um zehn unterm Dach

Auf Julivollmond warten

Und es ist bewölkt

4779

Juli 10, 2025

Hundert Sekunden

Das Ende einer Liebe

Wenn die Zeit stillsteht

[Neil Young – Mexico von Homegrown 2020, eigentlich 1975]

4778

Juli 9, 2025

Der Julivollmond

Heute noch unvollkommen,

der Vollmundige

4777

Juli 9, 2025

Zerschellt am Ufer

der unwirtlichen Insel,

Sirene aus Wales

[Gwenno – Utopia]

4776

Juli 8, 2025

Im abgebrannten

Festsaal Kreuzberg sah ich ihn

mal live. A class act!

[Jonathan Richman – Night Fever (Bee Gees)]

4775

Juli 8, 2025

Am Wegrand leuchten

unbenutzte Kackbeutel

im Regen orange

4774

Juli 7, 2025

Die Särge fertig

Die Blumen im Wald gepflückt

Das Feuer lodert

[Brüder Grimm – Die zwölf Brüder]

4773

Juli 7, 2025

Es regnet sich ein

Hinter uns nasse Hündin,

das Örtchen suchend

4772

Juli 6, 2025

Mittelgebirge!

Die Seele wandern lassen

Das Glück liegt so nah!

[Sebastian Schoepp – Seelenpfade]

4771 there is no time

Juli 6, 2025

The past is over

The future has not started

The present passes

[after a Buddhist saying]

4770

Juli 4, 2025

Das kürzeste Lied

beendet er im Sitzen

Meine Augen feucht

[Neil Young (& the Chrome Hearts) @Waldbühne – The Needle and the Damage Done]

4769

Juli 1, 2025

Morgens um sieben

Der Tiergarten in der Hand

der Dauerläufer

4768

Juli 1, 2025

Fünfzig mal atmen

Alle vier von sich gestreckt

Der Körper wird schwer

Juni 30, 2025

Bei seiner Gefangennahme wog er 120 Kilogramm, bei der Freilassung im Januar 2024 war es nur noch die Hälfte.

4767

Juni 30, 2025

Da tickt eine Uhr

Da ist jemand tieftraurig

Da zieht es mich hin

[Ludovico Einaudi – Punta Bianca]

4766

Juni 30, 2025

Frischer Morgenwind

Sonne blendet an Ampel

Baumfällarbeiten

4764

Juni 29, 2025

In dem Spiegelbild

der eigenen Seele tun

sich Abgründe auf

[Bruce Springsteen – Blind Spot]

4763

Juni 29, 2025

Sofort mittendrin

Schatten der Vergangenheit

Die Rollen vertauscht

[Tara Meister – Wakaschu oder, Bachmannwettlesen 2025]

4762

Juni 29, 2025

Ein Strom aus Tönen

fließt langsam durchs Trommelfell

bis er versickert

[Louis Sclavis – Extases von Characters on a Wall, 2019]

4760

Juni 27, 2025

Baby auf Schultern

Strahlende junge Mutter

Knipsender Vater

[Brandenburger Tor]

4759

Juni 26, 2025

Ihre Stimme kühl

Kristallklar wie ein Bergsee

Texte rein wie Schnee

[Dota Kehr – Das wogende Meer]

4758

Juni 26, 2025

Fünfzehn Minuten

Morgenprogramm begonnen

Muskeln wachsen spürn

4757

Juni 25, 2025

Das Gefühl haben,

in der Nachspielzeit zu sein,

seit vielen Jahren

4756

Juni 25, 2025

Erster Durchlauf: nix

Beim zweiten Mal aufgehorcht

Nun bin ich gespannt

[Held By Trees – Hinterland]

4755

Juni 24, 2025

Vor achtzehn Jahren

Auf Jakobswegteststrecke

Vom Kätzchen becirct

4754

Juni 24, 2025

Einmal durch Deutschland

Zu viert bei offnen Fenstern

Fünfunddreißig Grad

[22.6.]

4753

Juni 24, 2025

Anrührender nie

Die ältesten Instrumente

Menschliche Stimmen

[Johann Sebastian Bach – Kunst der Fuge, Contrapunctus 1 (Netherlands Bach Society)]

4752

Juni 24, 2025

Mit Kopf durch die Wand

Eine Stunde von New York

Wölfin zeigt den Bauch

[Hélène Grimaud – Wolfssonate]

4751

Juni 23, 2025

Tiergartenstraße

Äste fliegen durch die Luft

Radler vor mir stoppt

4750

Juni 22, 2025

Schwirrende Schwärme

Hufeisen-Azurjungfern

Rosa Teichrosen

4749

Juni 22, 2025

Gurrende Taube

Trällernde Mönchsgrasmücke

Zilpzalp, einsilbig

4748

Juni 21, 2025

Den Rhein hinauf schnauft

ein Erz- und Kohlenfrachtschiff

in Ufernähe

4747

Juni 19, 2025

Sie bedankt sich, dass

ich es mit Fassung nehme

Lichte Momente

4746

Juni 19, 2025

angekommen sein

nicht mehr weitergehen wollen

und auch nicht müssen

[Sandro Perri – Floriana von Soft Landing, 2019]

4745

Juni 18, 2025

Drei, sechs, neun oder

zwölf Monate wandern, das

ist hier die Frage

4744

Juni 18, 2025

Nachtgeruch draußen

bei hoher Luftfeuchtigkeit

nach Chlor(ophyll), Moos

4743

Juni 18, 2025

Nach vier Minuten

fängt Musik an, zu flirren

Bitte halt an, Zeit!

Genesis – The Battle of Epping Forest von Selling England by the Pound, 1973]

4742

Juni 18, 2025

Katze sieht Kimba,

rast in Sprüngen übers Feld

Hase verfolgt sie

4741

Juni 18, 2025

Wege voller Heu

Sonnenlicht zeichnet Welt weich

Sommerabend, lau

4740

Juni 18, 2025

Ein wildes Geschrei

weckt mich morgens vor 5 auf

Vogel-Crescendo

4739

Juni 17, 2025

Nervöses Schlagzeug

Wink an Boards of Canada

Opake Songlines

[Patrick Wolf – Jupiter]

4738

Juni 16, 2025

Vorsicht Rehkitze!

Erst Alarm, dann Durchsage:

Es wird bald gemäht

4737

Juni 16, 2025

meinen wir, etwas

wäre schlecht gealtert, sind

wir’s vielleicht selber

4736

Juni 16, 2025

Auf die Knie gehen

Haarsträhnen herumwirbeln

Kellerdisco dampft

[Golden Earring – Radar Love, 1973]

4735

Juni 16, 2025

Kühler Morgenwind

In den Wiesen ein Summen

Das Gras taubenetzt

4733

Juni 14, 2025

Tanzfeld beackern

Innehalten. Nachdenken.

Tempo rausnehmen

[Nathan Salsburg – Ruby’s Freilach / Low Spirits von Third, 2018]

4733

Juni 13, 2025

Vielleicht das erste

Lied, welches mich vollkommen

umgehauen hat

[Supertramp – School von Crime of the Century, 1974]

4732

Juni 13, 2025

Eine Rundreise

ums Mittelmeer aus über

zwanzig Blickwinkeln

[Das weiße Meer. Erkundungen des Mittelmeers (Anthologie)]

4731

Juni 13, 2025

Aus dem Paradies

musst du vertrieben werden,

um es zu merken

[frei nach Mohammed Dib]

4730

Juni 13, 2025

Funk meets rap meets jazz

Cool dance into the weekend

Wait. Another war?

[Us3 – Cantaloop (Flip Fantasia) von Hand on the Torch, 1993]

4729

Juni 12, 2025

thirty-six minutes

twenty km, three hills with

two-seven-o watts

[ergometer stats]

4728

Juni 12, 2025

Limpertsberg, Sommer

Chillen in meiner Küche

Im Bauch der Mutter

[Weezer – My Name Is Jonas, 1994]

4727

Juni 12, 2025

Brandenburger Tor

Menschen mit bunten Schirmen

Strahlende Sonne

4726

Juni 11, 2025

Der Mund abgeklebt

in Blogs, in denen man nicht

kommentieren kann

4725 Bye, Brian

Juni 11, 2025

Jemand verlässt uns,

der niemals wirklich da war

und doch fehlen wird

[The Beach Boys – Til I Die (A Cappella) von The  Sunflower & Surf’s Up Sessions 1969-1971]

4724

Juni 11, 2025

Krähe fliegt heran,

erreicht Balkongeländer,

pickt Walnussstückchen

4723

Juni 10, 2025

Durch das Vergessen

schaff ichs, nach jedem Knock-out

wieder aufzustehn

4722

Juni 10, 2025

Ein langer Anstieg

einfacher als drei Kurze

mit Verschnaufpausen

[Ergometerweisheit]

4721

Juni 10, 2025

Zipfel der Decke

Die Erinnerung schlummert

Pack ihn, weck sie auf!

4720

Juni 8, 2025

Tatsachenroman

Vier Menschen zuhause tot

Ein Buch wie ein Film

[Truman Capote – Kaltblütig (mehr)]

4719

Juni 8, 2025

Der Blick der Greisin

Diffus, durchdringend, entfernt

Aus dem Zwischenreich

Juni 8, 2025

Am schlimmsten fand ich allerdings, dass ich als Rechtshänder mit links masturbieren musste. Monatelang.

[MPF über die Folgen eines Oberarmbruchs]

4718

Juni 8, 2025

Nebelgestocher

Glasklarer Frauensprechgesang

Klingende Worte

[Bryan Ferry – Orchestra (feat. Amelia Barrett)]

4717

Juni 7, 2025

Ein trauriges Lied

wunderschön beruhigend

Der Hund versteht ihn

[Lambchop – My Blue Wave von Is a Woman, 2002]

4716

Juni 6, 2025

Ohne Corona

wär ich DJ gewesen

Danke, Costanza

4715

Juni 6, 2025

Unten sitzt ein Typ

Er zeichnet den Löwenkopf

auf der Eingangstür

4714

Juni 6, 2025

Time runs at half-speed

A world made of cotton wool

A voice from heaven

[Brian Eno & Beatie Wolfe – Play On]

4713

Juni 4, 2025

Die Natur erwacht

Sonnenstrahlen streicheln dich

Liebe in der Luft

[Max Richter – Spring 1, Vivaldi’s Four Seasons recomposed]

Mutter

Juni 4, 2025

In deinem Bauch war es wohlig warm.
Doch nach neun Monaten war es dort zu eng für mich.
Ich musste raus an die frische Luft.
Jedoch bin ich dir lange nicht von der Seite gewichen.

Wir sagen „Mutter“ zu dir.
Die vielen Pakete, die du gepackt hast.
Die Liebe zu Fremdsprachen, die Freude, zu kommunizieren.
Lange warst du für mich die beste Köchin der Welt.

Heute bewundere ich, wie du versuchst, anderen zu helfen, auch wenn eher du Hilfe benötigst.
Wie ihr beide euch durch den Tag kämpft.

[Die dritte von 112 Stufen der Holsteiner Treppe in Wuppertal, tolle Idee vom Kollegen Grinsekatz]

4711

Juni 4, 2025

Themenvorgabe,

Stückabwahl vom Publikum

Freies Schauspielern

[Gorillas@Ratibor Theater]

4710

Juni 3, 2025

Roadmovie fürs Ohr

Gitarren umgarnen sich

Stereogenuss

[Modern Nature – Pharaoh]

4709

Juni 3, 2025

Harmony is when

everything is falling

into its‘ right place

[Big Thief – Incomprehensible]

Grimmsteig: 4. Hessisch Lichtenau – Wattenbach 13

Juni 2, 2025

Nach der anstrengenden Etappe vom Vortag schlafe ich tief und wache morgens völlig benommen um fünf auf und brauche eine Weile, um überhaupt zu realisieren, wo wir gerade sind. Langsam beim Tagebuchschreiben stellt sich die Erinnerung an gestern wieder ein.

Draußen regnet es. Nachdem der Regen gegen acht nachgelassen hat und wir schon auf dem Weg in den Ort sind, wo wir frühstücken möchten, stelle ich mithilfe von Google zufällig fest, dass auf der anderen Seite des Hotelgebäudes ein Backshop ist, der auch das Frühstück für die Motelgäste anbietet. Das bedeutet, dass wir nicht zurück ins Zentrum gehen müssen, sondern nach dem Frühstück – der Regen hat inzwischen aufgehört – einen Shortcut über die Wiesen und Felder kurz vor Fürstenhagen machen können, um wieder auf den Grimmsteig zu treffen. Heute müssen wir spätestens gegen halb drei am Ziel in Wattenbach sein, wo der Wagen steht, damit C. ihren Zug von Kassel nach Frankfurt kriegt.

Wir hören wieder den sprudelnden Gesang der Feldlerchen und sehen gelegentlich einen der unscheinbaren hellbraunen Vögel aus den Feldern aufsteigen. Nun kommen wir zu einem kurzen, unwegsamen Waldstück, hinter dem ein Weg verläuft, der zum Grimmsteig führt. Wenige Meter vor uns steht ein Reh, das ob unseres Aufeinandertreffens genauso perplex ist wie wir, aber dann schnell ins Unterholz wegspringt. Ich bin mal wieder überrascht, wie klein Rehe doch sind.

Wir erreichen den Grimmsteig und der Weg verläuft im Wald. Am Pistenrand stehen einige Autos mit leicht geöffneten Kofferräumen mit Käfigen, wo zum Teil noch Hunde drin sind. Wir sehen eine Gruppe mit Hunden in der Wiese. Es handelt sich sicher um Jäger und Jägerinnen, die ihre Jagdhunde trainieren.

Der nächste Ort ist Quentel, wird aber eigentlich vom Grimmsteig nur am Rand berührt. Wir entscheiden uns kurzfristig über einen Feldweg dorthin zu gehen, weil es dort laut Internet ein offenes Café gibt. Es stellt sich nach einer Weile heraus, dass der Feldweg zugewachsen ist, unsere Schuhe und Füße werden im hohen Gras nass, wir müssen am Ackerrand laufen und kommen nur schwer vorwärts.

Das Café im Garten ist in einem alten Fachwerkhaus im Innenhof untergebracht. Wir nehmen unseren Cappuccino mit selbst gebackenem Käsekuchen in der Scheune ein. Das Café ist liebevoll eingerichtet und sehr gut besucht. Die Leute frühstücken. Wir kommen mit einer Frau ins Gespräch, die den Grimmsteig schon mehrmals in einem Rutsch bewältigt hat, ihr Rekord für die 85 km ist etwas über 18 Stunden. Ich bin baff.

Quentel, Café im Garten

Der Abstecher nach Quentel war eine weitere Abkürzung, so dass wir gut in der Zeit sind. Allerdings zieht es sich jetzt beim Aufstieg in den Laubwald zu und es fängt an, zu regnen. Mein Regenschirm leistet gute Dienste, C.s Schuhe werden allerdings völlig nass. Plötzlich schlägt kurz vor uns – wir sind am Waldrand – ein Blitz ein, etwas später noch einer. Der Donner kommt wenig später.

Der Regen lässt nun nach und wir gehen hinunter nach Wattenbach, wo wir vor vier Tagen losgegangen sind. Das ausgebrannte Haus haben wir beim Start am ersten Tag, wo wir hier schon einmal vorbeikamen, noch nicht gesehen. Die Brandstiftung fand bereits vor knapp 6 Jahren statt.

Wattenbach, ausgebranntes Haus

Der Wagen steht an unserer ersten Unterkunft, dem Waldschlößchen, oben neben den Wohnmobil. Wir essen ein paar Pfefferbeisser mit einem Brötchen und trinken Ayran dazu, C. wechselt die nassen Klamotten und wir fahren nach Kassel-Wilhelmshöhe, wo sich unsere Wege vorübergehend trennen. C. nimmt einen ICE nach Kassel, ich die Autobahn nach Berlin.

Eine rundum geglückte Rundwanderung findet ihr Ende. Vier Tage haben gereicht, um aus dem Alltagstrott für eine kurze Weile völlig auszubrechen.

Wattenbach, Waldschlößchen

Hier ist die Übersicht unserer Wanderung auf dem Grimmsteig Ende Mai/Anfang Juni 2025.

4708

Juni 1, 2025

Auf dem Weg Menschen

Die Frau im Backshop lächelt

Vom Frühstück bleibt nichts

4707

Juni 1, 2025

Im Gartencafé

Unter dem Tisch ein Yorkie

Frauchen wandert gern

4706

Juni 1, 2025

Querfeldein zu Fuß

Durch das hohe, feuchte Gras

Guck! Da steht ein Reh!

4705

Juni 1, 2025

Regen klatscht auf uns

Direkt vor uns zuckt ein Blitz

Der Donner, später

Grimmsteig: 3. Velmeden – Hessisch Lichtenau 28

Juni 1, 2025

Die Nacht ist mit rund 5 Stunden recht kurz, das Melatonin wirkt nicht mehr. Nach halb 4 döse ich nur noch, ab 5 mache ich mich ans Tagebuchtippen.

Beim reichhaltigen Frühstück sind wir die Ersten, eine zehnköpfige, zum Teil schon recht betagte Wandergruppe, die in Velmeden Quartier macht und von hier mit Autos und Öffis – z. B. der Tram von Kassel nach Hessisch Lichtenau – die Start- und Zielpunkte der Etappen anfährt, kommt kurz nach uns.

Es ist heute überwiegend sonnig-sommerlich, uns steht die Königsetappe über den Hohen Meißner bevor. Ich komme nur langsam in meinen Rhythmus. Eine Gruppe friedlicher Lamas lässt sich von uns Wanderen nicht beirren.

Velmeden, Lamas

Es geht nun erst einmal im langgezogenen Zickzack über Wiesen und Felder hinauf nach Hausen; über uns tirilieren die Feldlerchen. Der Weg am Feldrand ist bereits hier zum Teil nur schwer auszumachen, es gibt später noch andere Abschnitte, wo er ziemlich zugewachsen ist, man merkt, dass er nur relativ wenig begangen wird. Generell ist auch zu den Markierungen zu sagen, dass sie oft doppeldeutig angebracht sind, gut, dass ich zusätzlich meine Wander-App konsultieren kann.

Oberhalb von Hausen ist dichter, feuchter Laubwald und wir gehen auf teilweise glitschigem Pfad erst einmal hoch zur Kitzkammer, einer Basaltspalte, die Eingang in die Märchenwelt gefunden hat. Hier soll Frau Holle die zeternden Mädchen, die von ihren Verlobten verlassen worden waren, in Katzen verwandelt haben, die dann den verirrten Wanderern den Weg weisen mussten, wobei die Bösen in die Irre geführt wurden.

Meißner, Kitzkammer

Wir kommen nun zum NaturFreunde Meißnerhaus auf der großen Wiese unterhalb des Hohen Meißners, wo wir uns mit einem Salat stärken. Hier fallen die ersten Tropfen, so dass wir uns nach innen verziehen.

Meißnerhaus

Am Hohen Meißner fand im Oktober 1913 der erste freideutsche Jugendtag statt, wo sich verschiedene Jungendbünde wie z. B. der Wandervogel trafen, um dem wilhelminischen Mief und Hurrapatriotismus etwas entgegen zu setzen. Diese Jugendbewegung war leider nur von kurzer Dauer, da ja schon im nächsten Jahr der erste Weltkrieg begann.

Erinnerung an Hohes-Meißner-Treffen 1913

Von hier aus gibt es auch einen 17 km langen Wanderweg nach Norden zur Burg Ludwigstein oberhalb der Werra, wo heute das Archiv der deutschen Jugendbewegung aufbewahrt wird.

Wir erreichen jetzt den höchsten Punkt des Grimmsteigs gut 40 Meter unterhalb des Hohen Meißners.

Hoher Meißner, nahe des „Gipfels“

Beim Abstieg kommen uns die bisher ersten Grimmsteigwanderer entgegen, zwei junge Männer, die etwas ausgepumpt wirken, was angesichts des langen Anstiegs von der Südseite her wenig verwundert.

Hier liegen Basaltsteine in bizarren Formationen, die sogenannten Seesteine. Die 150 m dicke Basaltdecke des Hohen Meißners, unter der die Braunkohle zu energiereichem Koks komprimiert wurde, ist vulkanischen Ursprungs.

Seesteine

Wir gehen nun im großen Bogen hinunter in Richtung unseres Etappenziels. Plötzlich kommt ein Schauer herunter, den wir in einer Schutzhütte recht trocken überstehen.

Hinter Hasselbach treffen wir unsere Wandergruppe vom Frühstück, die heute von Quentel nach Hasselbach gehen und einige interessante Tipps für Wanderungen für uns haben.

Nun steigen wir auf einer Wiese und dann auf einem verwunschenen, zum Teil zugewachsenen Weg hinauf zum aus Muschelkalk bestehenden Kindelberg.

Abstieg nach Reichenbach

Hier grast hinter einem Elektrozaun eine Schafherde, deren Treiben – z. B. die Lämmer, die ihren Müttern an die Zitzen wollen – wir von einer Wohlfühlbank, die gerade recht kommt für unsere geschundenen Glieder, beobachten.  Vor uns erstreckt sich der lange Bergrücken des Hohen Meißners.

Chillen auf Wohlfühlbank mit Blick auf Hohen Meißner

Wir kommen nun zur Burgruine Reichenbach, deren Turm mit dem Geld eines betuchten einheimischen Bürgers saniert wurde. Vor gut 15 Monaten war ich schon einmal hier gewesen, wie mir beim Lesen der Plakette mit dieser Info klar wird.

Es riecht in der Umgebung sehr würzig. Der Bärlauch hat sich hier schon fast unkrautmäßig großräumig ausgebreitet.

Bärlauch
Reichenbachturm

Jetzt sind es nur noch wenige km nach Hessisch Lichtenau, das wir komplett durchqueren müssen, da ich nur ein Motel im Gewerbegebiet als Unterkunft gefunden habe. Wir stärken uns noch mit einer vegetarischen Lahmacun, die wir mit viel Ayran herunterspülen und kommen über die Schlüsselkarte im -safe in unser Zimmer, wo wir erschöpft ins Bett sinken.

Hessisch Lichtenau, Frau-Holle-Museum

Hier ist die Übersicht unserer Wanderung auf dem Grimmsteig Ende Mai/Anfang Juni 2025.

Grimmsteig: 2. Nieste – Velmeden 24

Mai 31, 2025

Nach einer erholsamen Nacht in unserem Airbnb-Studio nehmen wir unser Frühstück im nahegelegenen Café ein, die beiden Rhabarberkuchen stellen sich als sehr gut sättigend heraus.

Nieste, Café

Wir haben heute wunderschönes Sommerwetter und bekommen beide etwas Farbe. Ich verkürze unterwegs meine Hose, da es mir zu warm wird. Wie am ersten Tag, so kommen uns auch heute keine den Grimmsteig „richtig“ gegen den Uhrzeigersinn Wandernde entgegen. Insgesamt sind die Wege heute eher breiter, häufig sind es Pisten. Gleich am Anfang stoßen wir auf eine schöne Schutzhütte des Naturparks Meißner – Kaufinger Wald. Insgesamt finden sich jedoch recht wenig Ruhebänke, insbesondere, wenn man sie braucht, kommt kilometerweise nichts.

Schutzhütte

Wir bewegen uns im Tal der Nieste, auch Gläsnertal genannt, weil hier früher viel Glas hergestellt wurde, was in diversen Schautafeln dokumentiert wird. Interessant z. B., dass die grüne Färbung des Glases daher kam, dass man mit Asche die hohe Schmelztemperatur des Sandes, die 1700 Grad beträgt, gesenkt hat. Es gab zudem eine Art Glasordnung, die regelte, wie viel Glas die einzelnen Glasereien herstellen durften, um den Preis hoch zu halten. Heute würde man von einem Kartell sprechen.

Gläsnertal

Auch heute begleitet uns wieder ausgiebiges Vogelgezwitscher auf dem Weg, als würde nur für uns eine Natursymphonie aufgeführt. Der romantische Pfad an der Nieste ist zum Teil mit vielen Wurzeln bewachsen, man muss aufpassen, wo man hintritt.

Brücke über Nieste

Wir sehen auch heute wieder viele blühende Pflanzen am Wegesrand. Hervorstechend sind die gelb leuchtenden Ginsterbüsche. Das matte Blau des Wald-Vergissmeinnicht – bei der Bestimmung hilft mir C. bzw. eine App, die allerdings meint, dass es sich um Gamander-Ehrenpreis handelt – hat es uns angetan.

Ginster
Wald-Vergissmeinnicht

Wir kommen auch heute durch Mischwald, der allerdings von Laubbäumen dominiert wird. Die Fichten sind häufig vom Borkenkäfer kahlgefressen und sterben ab. Vereinzelt wird auch wieder aufgeforstet. Im Vergleich zum Harz scheint der Wald allerdings relativ intakt zu sein.

In der Nähe vom Kreuzstein (534 m), auf dem oben Windräder stehen, erreichen wir den höchsten Punkt der heutigen Etappe. Es geht nun hinab nach Wickenrode, wo uns die historische Obermühle ins Auge fällt.

Wickenrode, Alte Mühle

In Wickenrode rasten wir an der Kirche und steigen dann wieder den Grimmsteig hoch Richtung Rommerode. Von oben bietet sich ein großartiger Blick zum langgezogenen Bergrücken des Hohen Meißners, der morgen Vormittag auf dem Programm steht.

Blick auf Hohen Meißner vor Rommerode

Wir gehen großräumig um Rommerode herum und erreichen bald Friedrichsbrück, von wo es an zwei Windrädern vorbei – das eine ist abgeregelt – wieder zurück nach Rommerode geht.

Bank mit drapiertem Baum
Hinter Friedrichsbrück

Wir treffen nun auf die Gleise einer alten Eisenbahnstrecke und schließlich bei Rommerode auf die alte Eisenbahnbrücke dieser stillgelegten Strecke nach Hirschhagen.

Rommerode, alte Eisenbahnbrücke

Es ist jetzt nicht mehr weit zu unserem Etappenziel Velmeden am Fuße des Hohen Meißners. Die Füße werden zwar schwer gegen Ende, aber insgesamt sind wir heute gut durchgekommen. Der Gärtner, der den Rasen um die Kirche mit seinem Aufsitzmäher vorbildlich kurz geschnitten hat, kann uns bzgl. Kirchenschlüssel leider keine befriedigende Auskunft geben. Die meisten Kirchen in der Gegend scheinen abgeschlossen zu sein.

Velmeden, ev. Kirche

Unser Hotel ist gut belegt und sowohl Restaurant innen als auch Biergarten gut besucht. Hier sehen wir auch „endlich“ so einige Wanderer, die sich so bewegen, als hätten sie heute schon einige Kilometer intus.

Hier ist die Übersicht unserer Wanderung auf dem Grimmsteig Ende Mai/Anfang Juni 2025.

4704

Mai 30, 2025

den Vögeln lauschend,

dem Wanderstockgeklapper,

dem Wind, der auffrischt

4703

Mai 30, 2025

vor uns ein Basset

mit seinen langen Ohren

die Straße kehrend

Grimmsteig: 1. Wattenbach – Nieste 20

Mai 30, 2025

Nach einer geruhsamen Nacht nehmen wir morgens um acht ein üppiges Frühstück mit Ei und sehr leckeren, frischen Erdbeeren ein. Vorher hatte ich noch den Wagen umgeparkt neben das Wohnmobil oben, da er ja jetzt vier Tage hier bleibt. Zur Info: Der Grimmsteig ist ein gut 80 km langer Rundwanderweg.

Wattenbach: Morgenblick aus Hotelzimmer

Am Weg und in den Orten treffen wir heute auf viele blühende Blumen, am Auffälligsten sind die zum Teil riesigen Rhododendronbüsche, die ihre volle Pracht ausbreiten.

Rhododendron

Wattenbach liegt nicht direkt auf dem Grimmsteig, wir gehen einen asphaltierten Zubringer hoch, bevor wir auf die erste stilisierte G-Markierung mit dem Scherenschnitt der beiden Brüder treffen, die ihre Märchen ja größtenteils in der Nähe von Kassel gesammelt haben.

Blick zurück gen Wattenbach
Grimmsteigmarkierung

Der Weg ist von nun an extrem naturnah, zunächst geht es auf schmalen Pfaden durch den Laubwald, wo wir uns prompt beim Telefonieren leicht verlaufen und über einen matschigen Weg zurückfinden. Die Wiesenwege werden gesäumt von den gelb leuchtenden Butterblumen.

Butterblumen

Insgesamt gut 2000 Höhenmeter sind angesagt in den nächsten vier Tagen – wir gehen die Runde in vier statt normalerweise fünf Tagen. Bei den Grimmsteig-Tagen kann man am 20.6. die ganze Strecke in 24 Stunden bewältigen, wenn es einen nach einer besonderen körperlichen Herausforderung gelüstet.

An einem Teich blühen gelbe Sumpfschwertlilien. Später kommen wir an den Fahrenbachteichen vorbei. Etwas abseits des Weges vor einer Schutzhütte hinter einer Lichtung links der gut befestigten Franzosenstraße finden wir nach etwas Herumsuchen eine alte Autobahnbrücke, die mitten im Wald steht und nie genutzt wurde. Sie wurde 1939 gebaut für die Autobahn Eisenach – Kassel, die dann aus naheliegenden Gründen nicht vollendet wurde.

Alte Autobahnbrücke

Es geht aufwärts zum höchsten Punkt heute, dem rund 500 m hohen Großen Beigerkopf. Wir treffen hier auf eine Männergruppe mit Bierdosen in den Händen, der Vadderdach wird begangen. Unser Blick schweift nach Westen, wo wir eine größere Stadt, es handelt sich um Kassel, das knapp 15 km entfernt liegt, ausmachen können.

Blick nach Westen von unweit Großem Beigerkopf

Wir befinden uns hier im Stiftswald Kaufungen, wo man seine Asche im Ruheforst beisetzen lassen kann. Dies scheint recht populär zu sein, auf einer Karte sind hunderte Punkte eingezeichnet, wo organische menschliche Überreste liegen. Der Besucherparkplatz ist voll.

Ruheforst Stiftswald Kaufungen

Am Ortseingang von Oberkaufungen, in das wir hinabsteigen, hat sich jemand ein luftiges Baumhaus aufs Grundstück gebaut.

Oberkaufungen, Baumhaus

Man hat einen schönen Blick auf den Ort, die evangelische Stiftskirche ist allerdings leider geschlossen.

Oberkaufungen
Stiftskirche Oberkaufungen

Wir machen hier unsere Mittagsrast inmitten angeheiterter Menschen. Gut, dass neben den Getränken aus der Kneipe im Grillwagen auch Bratwürste etc. für hungrige Wanderer wie uns bereitstehen.

Im Ort ist eine Familienskulptur auffällig. Während der Junge auf einem Skateboard steht, hat das Mädchen einen Walkman umgeschnallt und befindet sich in einer Art Meditationspose. Kopfhörer bzw. In-Ear-Ohrhörer wie sie heute in Berlin gang und gäbe sind, sucht man jedoch vergeblich.

Oberkaufungen, Skulptur

Es sind jetzt noch knapp 5 km zu unserem Ziel. Wir kommen an einem Bergbaumuseum vorbei, hier wurde früher das schwefelhaltige zum Färben benutzte Alaun abgebaut. Dann geht es am Mittelalthof mit Ponys und mietbaren, bunten Holzhäuschen vorbei. Schließlich hören wir laute Blasmusik in der Ferne. Auf der schön oberhalb von Nieste gelegenen Königsalm – hier beginnt der 24h-Gewaltmarsch – wird zünftig gefeiert. Sie spielen gerade „Hey Jude“ und dann den Tusch „Ein Prosit der Gemütlichkeit“. Gut, dass die Musikanten, als wir vorbeiziehen, gerade eine Pause machen.

Vor Nieste, Königsalm

In Nieste, wo es anfängt, zu nieseln, finden wir unsere Unterkunft nicht auf Anhieb, weil ich 8 und 9 verwechsele. Es ist ein Airbnb, der Schlüsselcode funktioniert und wir sind in der Einliegerwohnung. Von den Besitzern, die selber unterwegs sind, sehen wir nichts.

Nach der Dusche und dem Eincremen der Füße, die genauso wie die Gelenke schon gut beansprucht wurden am ersten Tag, gehen wir hinunter zur Dorfmitte, wo es doch tatsächlich nur meist geistige Getränke gibt und alle schon ziemlich angeschickert sind und sich über mich in Wandersocken in Flipflops amüsieren. Wir essen dann im einzigen offenen Lokal, der von einem Südasiaten bewirtschafteten Pizzeria, unser Abendmahl.

Zurück in der Unterkunft erholen sich unsere müden Knochen in der Horizontalen und ich höre noch um 9 die Klanghorizonte auf dem DLF von Michael Engelbrecht. Insbesondere die neuen Eno-Alben hören sich recht vielversprechend an. Aufgrund der Wandermüdigkeit döse ich allerdings leicht weg.

Hier ist die Übersicht unserer Wanderung auf dem Grimmsteig Ende Mai/Anfang Juni 2025.

4702

Mai 29, 2025

Der Schmerz transformiert

Kraft durch schlichte Melodie

Im Banjohimmel

[Alan Sparhawk with Trampled by TurtlesNot Broken]

Grimmsteig: Prolog

Mai 29, 2025

Wir verbringen einen regnerischen Tag im Home Office in Niederhöchstadt, die Natur atmet auf, es hat in den letzten Wochen definitiv zu wenig Niederschlag gegeben. Gegen halb fünf packen wir unsere Rucksäcke in den Wagen und fahren los gen Kassel. Die A5 nach Norden ist von Anfang an sehr dicht befahren, den Feiertag haben offensichtlich viele für ein verlängertes Wochenende genutzt und den Freitag als Brückentag genommen. Kurz vor Homburg/Ohm fahren wir runter von der A5 in Richtung der erst vor zwei Monaten fertiggestellten A49, wo es sich besser fährt, kurz vor uns passiert ein Unfall, ein Wagen ist vorne zerdeppert und steht um 180 Grad gedreht auf der Überholspur, die Polizei ist schon da.

Bei Edermünde fahren wir ab und kommen nach knapp 20 Km Landstraße an unserem Startpunkt, dem zu Söhrewald gehörenden Dorf Wattenbach an. Dort beziehen wir unser komfortables Zimmer im Waldschlösschen im 2. Stock und nehmen unten im gut besuchten Gastraum unser Abendessen ein, das Bärlauchschnitzel schmeckt hervorragend. Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den am Hang liegenden Ort, der idyllisch inmitten von Wiesen und Wald liegt. Nach den Nachrichten, in denen sich unser neuer Bundeskanzler leider mal wieder wenig überzeugend präsentiert, gehen wir kurz nach halb elf ins Bett.

Die Wettervorhersage ist wechselhaft. Es soll eventuell Schauer geben die nächsten Tage, aber auch hochsommerlich warm werden.

Wattenbach, Abendblick vom Zimmer

Hier ist die Übersicht unserer Wanderung auf dem Grimmsteig Ende Mai/Anfang Juni 2025.

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Mai 27, 2025

als Chan den Song schrieb,

muss sie sie erblickt haben,

die nackte Wahrheit

[Cat Power – Nude as the News, 1996]

4700

Mai 27, 2025

immer weniger

ändern wollen

alt werden

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Mai 27, 2025

Spaziergang ins Dorf

Gehweg etwa schulterbreit

Rechts Hauswand, links Bus

4698

Mai 27, 2025

Neuen Hund noch nie

von der Leine gelassen

Angst, er nimmt Reißaus

4697

Mai 27, 2025

Unbefangener

schwarzer Labradorwelpe

beschnüffelt Kimba

4696

Mai 26, 2025

Vor uns Dunkelheit

Die Tiefe zieht uns hinab

Hinterm Tunnel Licht

[Julian Knoth – Unsichtbares Meer]

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Mai 26, 2025

Haiku, Hilfsmittel,

Beziehung herzustellen

Zwischen Welt und Ich

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Mai 26, 2025

Bachstelze fliegt auf

Krumme Flugbahn mit Sprüngen

Über hohem Gras