Durch Streuobstwiesen
Spätsommermorgensonne
Satte Grüntöne
Durch Streuobstwiesen
Spätsommermorgensonne
Satte Grüntöne
Die Musik ist aus
Der Kühlschrank brummt vor sich hin
Die Küchenuhr tickt
Sag mal, dein Auto
putzt du aber nicht gerne
(’ne Beifahrerin)
Verdammt, das riecht gut
Kimba schnüffelt am Boden
Darauf ein Pipi
Blubber blubbe blubb
Blub blu bl b bl blu blub
Blubb blubbe blubber
Wenn Schweigen Gold ist
Eine Schönheit, die weh tut
Nicht von dieser Welt
[Beth Gibbons & Rustin‘ Man – Sand River von Out of Season, 2002]
Eichhörnchen springt rum
Gitterstäbe trennen uns
Wer ist da wohl frei?
In Abendsonne
glitzernde Perlenkette
von Klaviertönen
[Oscar Peterson Trio – You Look Good to Me, live Holland 1965]
Ian’s letztes Wort
Trauer in Musik gebannt
Auf dem Weg nach vorn
[New Order – Truth von Movement, 1981]
Im ganzen Leben
Eine Stunde Seligkeit
Ist das nicht genug?
[Fjodor Dostojewski – Weiße Nächte]
Ian’s Vermächtnis
Das Keyboard stimmt an und wir
wissen wo’s hingeht
[Joy Division – Decades, letztes Lied von Closer, 1980]
Erster Sonnenstrahl
An alte Zeiten denken
Beide verbinden
[Paolo Fresu, Richard Galliano, Jan Lundgren – Float]
Bridge for dead people
Hair-thin, sword-sharp, hell below
Paradise ahead
Ein Haus, zwei Frauen
Beim Tanzen eingeschlafen
Sprudelnd vor Worten
[Dörte Hansen – Altes Land]
Beautiful actress
puts headphones around his ears
so that all will change
[The Shins – New Slang, 2001]
Dumpfe Beats, Drones, Hall
Wüstentrip zum nächsten Kick
(Do not) watch your steps
[Óliver Laxe – Sirāt (Soundtrack: Kangding Ray), 3 von 5]
Nach vierzehn Stunden
Hungergefühl im Magen
Freuen aufs Breakfast
So stark verbunden
mit anderen Menschen wie
in einer Seilschaft
Fliegender Teppich
Webstuhl Tenorsaxofon
Verträumte Töne
[Joe Lovano – Seeds of Change von Trio Tapestry, 2019]
Gitarrentöne
Heller am Himmel glitzernd
Als die Fixsterne
[Felt – Fortune, 1982 (remastered)]
Wie konntest du mich
damals nur so gut kennen,
ich war noch nicht fünf
[Nick Drake – Man in a Shed von The Making of Five Leaves Left, März 1968]
„Sie findet den Mund nicht,“
schmatzt trotzdem mit den Lippen,
„krallt sich an mir fest.“
[Annie Ernaux – Ich komme nicht aus der Dunkelheit heraus]
In der Luft hängen
Nicht wissen, wie’s weitergeht
Es kommen lassen
[Big Star – Kanga Roo von Third/Sister, 1978]
Es hat „Klick“ gemacht
Sechsundzwanzig Minuten
Im Flug vergangen
[The Necks – Causeway von Disquiet, das am 10.10. erscheint]
Große Befreiung,
abends zu Hause nichts mehr
essen zu müssen
When you need it most
A stroke of the forearm’s hair
A slow motion hug
[Bonny Light Horseman – The Roving, 2020 (via)]
Bürodissonanz
Klärendes Gespräch zu dritt
Erinnerungen
Sommermorgen, kühl
Minzduft betört die Nase
Während des Gießens
In Gitarrenbauch
Ganz tief reinkriechen wollen
Im Riff verschwinden
[Flowerpornoes – Herz aus Stein von … red‘ nicht von Straßen, nicht von Zügen, 1994]
Westküstenfeeling
Lied für späte Abende
In wilden Zeiten
[Cracker – Kerosene Hat, 1993]
Freitagabend, lau
Zu zweit zwei Flaschen süffeln
Es nicht bereuen

Wabernde Sphären
Als Zukunft noch sexy klang
Dahingeschmolzen
[Leftfield – Melt von Leftism, 1995]
Abendspaziergang
Kimba macht im Stoppelfeld
Eskimorollen
Direct, dense, cosy
Warm, intimate chord shower
To look forward to
[Joan Shelley – Real Warmth (out Sep., 19th) listening party]
In Unterhose
Pieksende Eibennadeln
Auf Haut festklebend
Emsige Hände
bringen Gefühle rüber,
wenn wir sprachlos sind
[Jonathan Richman – O Guitar]
Auf Leiterpodest
Eibe in Augenhöhe
Heckenscherenschnitt

No one wrote lyrics like you
We miss you so much
[Silver Jews – Random Rules, 1998]
Wie lange brauchst du,
um herauszubekommen,
welches Stück das ist?
[Vincent Meißner – ??? von Eigengrau]
Vor Abendsonne
steigt ein Nebelschleier auf
Getreideernte
Handsägezähne
sich langsam hineinfressend
in Haselnussstamm
Sonne lacht mich an
Gerste lässt Ähren hängen
Tau benetzt Schuhe
Nach dem Leckerli
Kimba springt hoch, bellt um sich
Da muss noch mehr sein
Life is but a dream
Haunting us until the end
This is the soundtrack
[The Rolling Stones – Heaven from Tatoo You, 1981]
Gefallne Äpfel
Mirabellenparadies
Brombeerhimmel
Endlich weiß ich es
9 mm mit Übergang
So heißt mein Haarschnitt
Eintausend Meilen
längs durch Großbritannien
Parkinson fuck off!
[Raynor Winn – Über Land]
Gitarrenzauber
Unvergessliche Stimme
Knochentiefer Groove
[Jeff Tweedy – Enough]
Man sieht ihn förmlich
an sich vorbeirauschen und
wie er verschwindet
[Hermann van Veen – Kleiner Fratz (live 1975)]
Bleierne Schwere
Müdigkeit übermannt mich
Auf dem Weg nach Haus
Melodrama-Kitsch
Wohl zu schön, um wahr zu sein
Aber der Weg reizt
[Marianne Elliott – Der Salzpfad nach dem Buch von Raynor Winn]
Erst schilfig, dann voll
Trompetenklangverwandlung
Mittenrein ins Herz
[Mathias Eick – September, s.a. 4792]
Sag jetzt lieber nichts
Spanne nur die Ohren auf
Lass die Töne rein
[Mathias Eick – September]
Tempo rausnehmen
Sein verspultes Ding machen
Es fließen lassen
[Kurt Vile – hit of the highlife]
Ganz tief in mir drin
etwas zum Schwingen bringen,
das ich nicht kannte
[Eliana Glass – Flood]
Als Fan sein Idol
wieder zurückschubsen auf
den richtigen Weg
[James Griffiths – The Ballad of Wallis Island]
Herumgeturne
inmitten Sandsteinfelsen
Renaissancekleinod
Morgens nehmen wir unser Frühstück ganz allein im großzügigen Frühstücksraum ein. Bezahlen tun wir in cash, der ältere der beiden Jungens des Hofes, die sich hier in den langen Sommerferien etwas zu langweilen scheinen, nimmt das Geld entgegen. Im Garten ist der Großvater in den Blaubeeren zugange, der uns von ehedem erzählt.
Kurz nachdem wir aus Weißig raus sind, türmt sich vor uns der Rauenstein auf.

Über Treppenstufen kommen wir zum Gasthaus, das gerade eben geöffnet hat. Die beste Aussicht auf Bastei, Lilienstein, Pfaffenstein, Königstein und die beiden Bärensteine hat man von einem Standpunkt etwas unterhalb des Plateaus, da sonst Bäume die Sicht versperren. Der Lilienstein auf der anderen Elbseite verdeckt den Papststein und den Gohrischstein auf dieser Seite. Das liegt daran, dass die von hier aus unsichtbare Elbe im Tal eine große Schleife um den Lilienstein macht.


Hinter dem Gasthaus geht es weiter treppauf und treppab, alles ist perfekt durch Geländer gesichert. Auch um halb elf morgens kommen uns hier schon einige Touristen entgegen, man ist hier wirklich mittendrin im Felsenlabyrinth des Elbsandsteingebirges.

Es geht nun hinunter durch den Wald gen Pötzscha (gegenüber der Stadt Wehlen), wo wir vor einigen Tagen übernachtet hatten. Eine Mönchsgrasmücke singt laut ihr schönes Lied. Am Wegesrand neben Getränken zur Erfrischung, selbstgemachten Marmeladen (u.a. Minzgelee) und Hufeisen auch in die Natur integrierte Wanderschuhe.

Der Weg geht weiter zur letzten signifikanten Steigung hinauf nach Naundorf. Hinter dem Ort durchqueren wir einen Laubwald, einzelne Wegpassagen sind aufgrund des Regens der letzten Tage immer wieder matschig. Ich höre die Rufe einer Mäusebussardfamilie, die Eltern miauen, die Jungvögel fiepen.
Wir treffen eine einheimische Gruppe älterer Wanderer, die den Malerweg in Tagestouren von Pirna in Gegenrichtung laufen. Kurz vorm Abstieg hinunter ins Elbtal nach Obervogelsang halten wir Mittagsrast mit den Pizzaresten von gestern und einem großen Apfel als Nachtisch.
Unten ist es spürbar heller und die Sonne knallt runter. Wir gehen auf dem sehr stark frequentierten Elberadweg noch rund eine Stunde bis nach Pirna. Die Kajaks auf der Elbe sind kaum schneller als wir, obwohl sie mit der zugegeben recht moderaten Strömung paddeln.
In Pirna gönnen wir uns einen Eiskaffee und ich kaufe mir ein Buch einer Bestsellerautorin über diverse Fernwanderungen in England und eins über den historischen Malerweg. Um 17 Uhr machen wir eine anderthalbstündige Führung durch die von den Weltkriegen verschonte Renaissancealtstadt mit. Der Führer stellt positiv heraus, dass in der DDR anders als im Westen alte Bausubstanz bei Neubau nicht zerstört wurde, sondern sich selbst überlassen und damit erhalten blieb. Dass die Sanierung Pirnas aber dann nach der Wende passiert ist, wird nur beiläufig erwähnt. Wie er überhaupt offensichtlich zu den in Pirna knapp 50 Prozent Wählern einer rechtsextremen Partei bei der letzten Bundestagswahl gehört; er leugnet den Klimawandel, schwadroniert in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wäre es hier viel wärmer gewesen als heute. Dresden bekommt natürlich auch sein Fett ab, dort wurden viele Hexen verbrannt, in Pirna keine.
Pirna zeichnet sich durch seine vielen schmucken Erker aus, neben dem Engelserker gibt es auch einen Teufelserker, der von Teufeln getragen wird.

Immerhin kann er nicht umhin, zu erwähnen, dass auf dem Schloss Sonnenschein, einer damals führenden reformpsychiatrischen Heilanstalt für Geisteskranke, 1940/41 weit über 10.000 Menschen – Stichwort Euthanasie – ermordet wurden, für jeden Toten haben Freiwillige ein buntes Kreuz auf dem Weg vom Schloss hinunter in die Altstadt bis zur Elbe gemalt.

Die meisten Portale in Pirna sind sich sehr ähnlich mit Jakobsmuscheln und Eiformen. Aber es gibt auch prachtvolle Ausnahmen wie das Portal des Hauses von Wolf Blechschmidt, einem Baumeister des 16. Jahrhunderts, das heute den Eingang eines Hotels ziert.

Der Führer zeigt uns das Geburtshaus des Predigers Johann Tetzel, der mit seinem Ablasshandel ein wichtiger Anlassgeber für Martin Luthers 95 Thesen war. In diesem Haus wurde vor rund 20 Jahren hinter vielen Tapetenschichten eine Holzbohlenstube aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Das Holz wurde solange versteckt, weil die Feuerversicherungspolicen für holzvertäfelte Häuser früher deutlich höher waren als für Unvertäfelte.

Schließlich gehen wir zurück zum Marktplatz, den Canaletto im 18. Jahrhundert in seinem bekannten Gemälde abgebildet hat.

Nach der Führung machen wir uns zu Fuß auf zu unserem Sporthotel, das nochmal zweieinhalb Km südlich liegt. Eine großartige Wanderung mit einer sehr hohen Dichte an Highlights hat ihr Ende gefunden. Was uns ein Wandergenosse vor einem Jahr sagte, den wir auf dem Eifelsteig trafen, kann ich nun sehr gut nachvollziehen. Ja, dies ist sicher einer der schönsten Wanderwege der Welt. Wenn auch nicht mein Liebster und das nicht nur wegen der mir zu hohen Wandererdichte, zur Ruhe kommt man hier nicht, es ist oft jemand hinter einem, der überholen möchte. Dieses Gedränge kenne ich eigentlich nur von den letzten 100 km des Jakobsweges.
Die Preise sind m.E. auch zu hoch, die Markierungen nicht besonders gut und eher in der umgekehrten Richtung Pirna – Liebethal angebracht. Das kaum sichtbare, dünne, stilisierte „M“ zwar ästhetisch, aber vom praktischen Gesichtspunkt aus Wanderersicht einfach idiotisch.
Der Wegverlauf mit all seinen Volten nicht immer ganz nachvollziehbar, am Anfang war mir auch der Asphaltanteil zu hoch. Am Ende übrigens auch, schnurstracks geradeaus auf dem Elberadweg zu latschen ist nicht meine Vorstellung von Wandergenuss.
Die Menschen häufig sehr nett, manchmal sind es aber auch seltsame Charaktere. Über Politik möchte ich mit den meisten lieber nicht reden. Heimat, Tradition und Lokalpatriotismus spielen mir hier einfach eine zu große Rolle.
Das Wetter war bei unserer Begehung recht wechselhaft, was aber normal zu sein scheint in dieser Gegend. Mein Fazit, im Großen und Ganzen sind meine Kritikpunkte zwar valide, aber nicht wirklich stichhaltig. Ich bin sehr froh, dass ich den Malerweg gegangen bin, er hat mich insbesondere landschaftlich sehr stark beeindruckt.
Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.
Durch Spalte gezwängt
Um Feste herumspaziert
Auf Wiesen flaniert
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit viel Obst gehen wir im leichten Niesel los, eigentlich sah der Wetterbericht gut aus, aber wir werden heute immer wieder vom Regen erwischt. Es geht den angenehmen Muselweg zwischen Kastanien und Linden zurück zum Malerweg, rechts von uns ein kurz vor der Ernte stehendes Roggenfeld.

Wir treffen auf eine größere Touristengruppe und können bald eines der Tagesziele vor uns erkennen, die mächtige, niemals eingenommene Festung Königstein.

Aber zuerst widmen wir uns einem anderen Highlight des Tages.
Exkurs: Der Regen hat aufgehört, wir sehen erleichtert, dass es nicht nur Wähler rechtsextremer Parteien hier gibt.

Vor uns türmt sich der Pfaffenstein auf, den wir über den schweren Aufstieg links bezwingen. Es geht über Leitern etc. bis ganz oben, wo man dann noch etwas auf den Felsen herumkraxeln kann, um eine schöne Aussicht über die Landschaft zu bekommen.

Auf der anderen Elbseite ist der Lilienstein – die Nabe, wenn der Malerweg ein Rad wäre – gut zu erkennen.

Nun machen wir einen kleinen Abstecher von 300 m zum Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, einem 43 m hohen Felsen, der seit 1975 wegen Erosion nicht mehr bestiegen werden darf. Es geht über Leitern und enge Felsspalten hinauf. An einer Stelle, dem sogenannten Nadelöhr, komme ich kaum durch, der Rucksack schrammt mit den Wasserflaschen am Fels vorbei, irgendwie schaffe ich es, mich im Schneckentempo da durchzuzwängen.

Es handelt sich um Barbarine, die der Sage nach zum Blaubeersammeln ging und nicht mehr zurückkehren wollte, so dass ihre Mutter sie zur Strafe in eine Felsnadel verwandelte.

Nach diesem Abenteuer geht es zurück zum Hauptweg und wir treffen beim Abstieg auf der leichten Route unsere französischen Wanderfreunde, die gestern bei dem Sintflutregen zwar noch das Zelt aufgebaut hatten, sich dann aber anders besonnen und ein Zimmer im Trockenen genommen haben.
Wir wandern gemeinsam im Wald auf der sogenannte Quirlpromenade um den gleichnamigen Berg, kommen am Diebskeller, einer geräumigen Höhle mit Steintisch vorbei, gehen auf dem Pflaster hinab nach Königstein und landen schließlich auf dem Stadtplatz, wo sage und schreibe sechs Wohlfühldoppelbänke stehen und C. und ich Mittagsrast einlegen.
Nun geht es hinauf zur Festung Königstein, ein älteres Paar mit Hunden überholt uns, er joggt den steilen Hang hoch, ist aber mindestens so alt wie ich.
Schließlich stehen wir vor dem Eingangstor im Nordwesten, wo wir Tickets kaufen – sie kosten stolze 15 Euros pro Nase – und auf das Festungsplateau hinaufsteigen. In Anbetracht unserer begrenzten Zeit ersparen wir uns die Ausstellungen in den diversen Gebäuden und machen nach dem obligatorischen, köstlich erfrischenden Eiskaffee einen Komplettrundgang an der Festungsmauer um das knapp 10 Hektar große Areal.

Lustig die Geschichte des vom Wein berauschten Pagen, der sich bei einem Fest 1675 auf ein Sims der heutigen Friedrichsburg, einem Pavillion, legte und dort über dem Abgrund einschlief. Er wurde mit Seilen festgezurrt, so dass er nicht runterfallen konnte. Die Stelle nennt man Pagenbett.
Wir haben von dort oben phantastische Aussichten zu den in den letzten Tagen von uns bewanderten Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz.

Unten die sich durch den Sandstein an Königstein vorbeischlängelnde Elbe.

Beim Abstieg ereilt uns bald ein heftiger Regenguss, der aber glücklicherweise nicht ewig anhält.

Bald scheint wieder die Sonne, wir treffen die zwei deutschen, jungen Wanderinnen wieder, mit denen wir in Schmilka gefrühstückt hatten, sie kommen aus Hamburg und haben gerade ihr Abi gemacht.
Es gibt weitere großartige Aussichten in der Nähe der Malerwegkapelle (früher Biedermann-Mausoleum). Man sieht gleichzeitig von links nach rechts Kleinhennersdorfer Stein, Gohrischstein, Papststein, Pfaffenstein und Königstein.

Wir kommen noch nach Thürmsdorf, wo das Schloss eingerüstet ist und gehen dann auf Wiesenwegen leicht abschüssig nach Weißig, wo wir in Nr. 18 – es gibt hier keine Straßennamen – auf einem Bauernhof nächtigen. Zum Abendbrot bestellen wir uns Pizzen aus Pirna und lassen den Abend bei einem Gläschen lauwarmem Rotkäppchensekt ausklingen.
Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.
Dolch im Gewande
Singe mir erst noch ein Lied
Stoss ihn in mein Herz
[Emily Jane White – Dagger ursprünglich von Dark Undercoat, 2007]
Burg mit Geschichte
Zig Stufen runter und rauf
Verlorener Ort
Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir die Waldstraße hinunter ins Ortszentrum. Wir kommen am Hohnsteiner Kasper vorbei, im Max Jacob Theater werden heute noch Puppenspiele gezeigt.

Die nach den Plänen von George Bähr, dem Architekten der Dresdener Frauenkirche, errichtete evangelische Kirche ist vor allem im Innenraum ein lichtdurchflutetes Schmuckstück mit der bunten Holzkassettendecke und den Patronatslogen.

Wir gehen hoch zur Burg, die eine bewegte, moderne Geschichte aufweist. Nach dem 1. Weltkrieg war sie erst Jugendgefängnis, dann Jugendherberge, 1933/34 Konzentrationslager für 5.600 meist politische, kommunistische Gefangene, dann Reichsjugendherberge der Hitlerjugend, im 2. Weltkrieg Kriegsgefangenlager, danach die größte Jugendherberge der DDR und heute Jugendgästehaus der Naturfreunde.

Auf dem Malerweg aus dem Ort hinaus überholen wir bald einen fotografierenden Wandergenossen. Wir werden heute immer wieder Wanderer treffen, die ebenfalls den Fernwanderweg gehen.Wir kommen zur Gautschgrotte, einem überhängenden Felsen. Hier in Hohnstein lebte der Ausnahmekletterer Bernd Arnold, nach dem eine Kletterschule und ein Outdoorladen benannt sind.

Es geht nun auf angenehm zu gehenden, z.T. gesandeten Wegen durch den Wald, am Wegrand entdecken wir kleine, schmackhafte Blaubeeren. Am Ende kommen wir zur Baude an der Brandaussicht, wo man heute eine sehr gute Sicht bis nach Tschechien hat, direkt vor uns der Lilienstein. Hier begann Anfang des 19. Jahrhunderts der Tourismus in der Sächsischen Schweiz. Nach ein paar Minuten gibt es ohrenbetäubenden Lärm: Direkt über uns jagt ein Tiefflieger durch die Luft.

Der Abstieg ins Polenztal erfolgt über 800 mit Holzbrettern befestigte Stufen, auf der anderen Seite geht es nach ein paar hundert Metern Straße wieder genauso hinauf. Mein Hemd ist oben in Waitzdorf komplett durchgeschwitzt, trocknet aber wieder in wenigen Minuten. Das Gasthaus hier hat wegen Sommerurlaub diese Woche leider gerade geschlossen. Wir essen unseren letzten Proviant, 2 Trockenwürste, 1 Kohlrabi und 2 Müsliriegel.
Im Ort kommen wir an einer eindrucksvollen Linde vorbei, der Stammumfang beträgt sicher an die vier Meter.

Auf dem nächsten Wegstück, dem wildromantischen Kohlichtgraben, treffen wir erneut auf eine Gruppe dreier, junger Wanderer mit großen Rucksäcken, auf ein Paar ungleichen Alters, sowie auf eine junge Einzelwanderin. Der Malerweg ist der meistbegangene Fernwanderweg Deutschlands, den wir bisher kennengelernt haben.
Wir kommen nun nach Kohlmühle, eine alte Linoleumfabrik, die Kunstleder u.ä. sogar noch bis über 20 Jahre nach der Wende produzierte. Heute steht sie verlassen als lost place da.

Das ehemalige Bahnhofshotel vergammelt vor sich hin. Es wurde früher auch als Kantine genutzt

Nach einem langgezogenen Aufstieg kommen wir zu unserem Etappenziel Altendorf. Auch heute konnten wir dem später einsetzenden Regen ausweichen. Wir kaufen noch etwas Proviant im Hofladen, treffen ein dänisches Wanderpaar wieder und legen heute einen Waschtag ein. Nach dem Essen gönnen wir uns den hauseigenen Kräuterlikör aus 24 Kräutern und Wurzeln.
Hier ist die Übersicht unserer Malerwegwanderung im Juli 2025.
Herumgewirbelt
Boden unter den Füßen
Hinweggeblasen
[Curtis Harding – Time]
Klamotten vom Leib
Braune Brühe im Abfluss
Wie neugeboren
Latifundien
Zum Kaffee und Kuchen bei
einem Bücherwurm
Jingle-jangle joy
Don’t think about tomorrow
The eighties are back!
[Gwenno – Dancing on Volcanoes]
Immer wieder schön,
zufällig Nick Drake-Musik
hören zu dürfen
[Nick Drake – Brittle Days III/Work in progress No. 4 (piano)]
Im Mondlicht am Meer
Wellen treffen auf den Strand
Laufen langsam aus
[Robert Schumann – Kinderszenen No. 12, Kind im Einschlummern (Horowitz)]
Niesel auf der Haut
Abgestandenes Wasser
Raubvogelschreie
Um zehn unterm Dach
Auf Julivollmond warten
Und es ist bewölkt

Hundert Sekunden
Das Ende einer Liebe
Wenn die Zeit stillsteht
[Neil Young – Mexico von Homegrown 2020, eigentlich 1975]
Der Julivollmond
Heute noch unvollkommen,
der Vollmundige

Zerschellt am Ufer
der unwirtlichen Insel,
Sirene aus Wales
[Gwenno – Utopia]
Im abgebrannten
Festsaal Kreuzberg sah ich ihn
mal live. A class act!
[Jonathan Richman – Night Fever (Bee Gees)]
Am Wegrand leuchten
unbenutzte Kackbeutel
im Regen orange
Es regnet sich ein
Hinter uns nasse Hündin,
das Örtchen suchend
Fünfzig mal atmen
Alle vier von sich gestreckt
Der Körper wird schwer
Da tickt eine Uhr
Da ist jemand tieftraurig
Da zieht es mich hin
[Ludovico Einaudi – Punta Bianca]
In dem Spiegelbild
der eigenen Seele tun
sich Abgründe auf
[Bruce Springsteen – Blind Spot]
Sofort mittendrin
Schatten der Vergangenheit
Die Rollen vertauscht
[Tara Meister – Wakaschu oder, Bachmannwettlesen 2025]
Ein Strom aus Tönen
fließt langsam durchs Trommelfell
bis er versickert
[Louis Sclavis – Extases von Characters on a Wall, 2019]