Durch Berlin gleiten
Die Reifen rollen sich ab
Der Fahrtwind säuselt
Schlaglöcher
randvoll mit Himmel
alles was bleibt
Gabriele Hartmann in Sommergras 140
Am schnellsten trocknen
klatschnasse Anziehsachen,
wenn man sie anlässt
Oh mother,
I can feel the soil falling
over my head
[The Smiths – I Know It’s Over]
Ruhige Wasser
Ausbrechende Vulkane
Das Feuer gelöscht
[Bark Psychosis – A Street Scene]
Wie langsamer Sex
Permanente Steigerung,
dann plötzlicher Stopp.
[The Field Mice – Sensitive]
Hey, Ian wake up
Dance, dance, dance to the guitar
Floating in heaven
[The Durutti Column – The Missing Boy]
Beauty and the Beast:
Sanfte Trompete umarmt
düstere Rhythmen
[Nils Petter Molvaer – Tlon (part 1, live)]
Die große Runde
Kimba schnappt sich Kuchenstück
auf Rastbankholztisch
[Niederhöchstadt – Schwalbach – Neuenhain – Mammolshain – Kronthal – Kronberg – Niederhöchstadt, 9 km]
Cumuluswolken
vorüberziehen lassen
Den ganzen Tag lang
Bewegungsablauf
des Rehs in freier Wildbahn:
Mehr Hoch- als Weitsprung
Rehe aufgescheucht
Zwei springen übern Bahndamm
Eins bleibt auf dem Feld
Klappläden klappern
Umgestürzte Gießkannen
Der Herbst im Anmarsch
Im Ohr ein Rauschen
Eingesponnen in Kokon
aus Pastis und Wachs
Deine Stimme nicht
so maniriert wie meistens,
die Musik subtil
Mehr rot als braun
Pflaume, Leder, Lebkuchen
Noch ausbaufähig

Ganz langsam fräst sich
in die Gehirnwindungen
die Melodie rein
[American Analog Set – Everything Ends in Spring]
Gassi mit Rudel
Am Wegrand lila Astern
neben dem Bahndamm
Wir erträumen uns
eine Welt ohne Bezug
zu der Jetzigen
[American Analog Set – Diana Slowburner II]
Mit dem goldnen Saft
gut haushalten, das Revier
will gut markiert sein
Zweiweltenbummler
Zwischen Stadt und Land pendelnd
Reizflut und Erdung
Entgeisterter Mann
– Kimba schnüffelt an Pfosten –
Pfefferspraybereit
Berlin nach Frankfurt
Die Autobahn übersät
mit Tierkadavern
Cosmic, astral jazz
Polyrhythms all around
The bass is the boss
[Yussef Dayes feat. Tom Misch – Rust]
Eine Melodie
ganz genau kennen, doch nicht
mehr wissen woher
[Sverre Gjørvad – If You Were a Melody]
Zergehen lassen
zwischen Zunge und Gaumen:
Das Lakritzbonbon
Keinen Blick haben
für die Menschen links und rechts
auf dem Trauermarsch
[The Cure – All Cats Are Grey]
Ne Supernova,
Der kleine Bruder von Jim,
Viel zu früh verlöscht
[Gun Club – Idiot Waltz]
Das Portemonnaie weg.
Renne dem Dieb hinterher.
No chance. Aufgewacht.
Roll den Teppich aus
Aus Gitarre und Cello
und dem Glockenspiel
[Pale Saints – Shell]
Zurück zum Ursprung
Das Tier mit den zwei Rücken
Für den Eindringling
Die Gelenke steif
Skelett in Vorfreude auf
die Leichenstarre
Die Stille beginnt.
In den Moment einsinken.
Worte, halb verschluckt.
[Mark Hollis – The Colour of Spring]
Aus Saitenklängen
ein luftiges Bett zimmern,
ein dichtes Gespinst
[Wolfgang Muthspiel – Invocation (Album Dance of the Elders)]
Zusammengezuckt
im Halbschlaf vorm Einnicken
Ein Rad kommt von links
—
Finger linker Hand bremsen
Heute keine Siesta
Jeder macht seins an
Klavier, Bass und Percussion
Blindes Verstehen
[Gary Peacock – Vignette]
Ohne viel reden
gemeinsam Musik machen
Die Welt verschönern
[Leth/Koefoed – Music for Black Pigeons (über Jakob Bro & seine Mitspieler)]
P. S. Hier etwas mehr zum Film.
Langsam eintauchen
in dein Meer, von dem Maelstrom
verschlungen werden
Die Sehnsucht nach dir
nahm mit jedem Tag ab, wo
du nicht mehr da warst
Runder, weicher Tritt
Geölte Fahrradkette
Lautloses Gleiten
Blicke von A4
20 km auf Wartburg
10 auf Buchenwald
Flitzer, tiefliegend
vor mir auf der Autobahn,
ein gelber Trabbi
Velvet Underground
spielt im Himmel mit Nico
das erste Album
Mittendrin schwimmen
in einem Gemälde aus
dem 19. Jahrhundert
Das Wasser plätschert
aus dem Regenbehälter
in die Gießkanne
Nach vier Stunden Schlaf
geträumt vom Weckerklingeln
Danach gedämmert
Erst die Urweisse,
jetzt Schneider Original
Es wird alles gut
Alleine essend
In dem stickigen Bistro
In schwarz gekleidet
Sehnsüchtig verträumt
Deck mich zu, leiser Windhauch:
Tenorsaxofon
[Jerry David DeCicca – Lost Days feat. James Brandon Lewis]
Die Stirn runter rinnt
der Schweiß, tropft hinab ins Klo
im Sekundentakt
Finger auf die Stirn
Ausatmen in Pulsader
Hand auf dem Gesicht
[Atemübung aus Gabriele von Arnim – Der Trost der Schönheit]
Morgens nach dem Tee
Der Gang aufs stille Örtchen
Die Erleichterung
Jemanden völlig
aus den Augen verlieren.
Steel guitar heaven.
[Lucinda Williams – I Don’t Know How You’re Livin‘]
In Amerika
auf dem Highway unterwegs
Die Seele kommt nach
[Sarah Jarosz – Jealous Moon]
Auf der Straße liegt
ein Tauber. Überfahren.
Ich begrabe ihn.
—
Die Täubin, völlig erstarrt,
sitzt auf dem Kompostdeckel,
hat alle Scheu verloren,
sucht ihn auf dem Bürgersteig.
Kimba fällt ins Gras,
dreht sich, zeigt den weißen Pflaum:
„Mein Bauch gehört dir.“
The bass is bubbling
Funky geht die Welt zugrund
Die Kirchturmsuhr schlägt
[Chic – I Want Your Love]
Der einzige Tag,
um keinesfalls die Bahn nach
München zu nehmen
Nürnberg-Hauptbahnhof
Ein Entlebucher guckt mir
tief in die Augen
Der Abend dämmert
Aus dem Gebüsch springt ein Reh,
durchquert die Wiese
Diese Gitarren,
diese Stimme/n, diese Drums
fehlen sowas von