Ohne Hund gehen
Sich selber Gassi führen
I am multitudes
Braunes Eichhörnchen
Haselnussbar aufgesucht
Köpfchen eingesetzt

Auf dem Speierling
sitzt ein schwarzer Greifvogel,
schwebt majestätisch
Wir fahren hundert
Frau auf dem Seitenstreifen
hält das Schild „ULM“ hoch
nur noch frühmorgens
konzentriert lesen können
abends wegpennen
Streuobstwiesenweg
Dämmerung. Hinterm Maisfeld
lugt ein Reh hervor.
Feuchtkühles Wetter
Sechs Regenjackentaschen
voller Walnüsse
Wie hypnotisiert
Sich dem Grasbüschel nähern,
wo sie gemacht hat
Der Endspurt reicht nicht,
die Nachbarin, die grade
losläuft, einzuholn
Flasche dickwandig
Korken mit Wachs versiegelt
Des fruits rouges, dépot

take me on your trip
you will not be so alone
flutes will follow us
[The Weather Station – Neon Signs]
Ein junges Pärchen
– er Brasilianer, sie Thai –
schlummert hinter mir
Oben verschwinden
Windradflügel im Nebel
Nur kurz im Limbo
Für den Frieden
hier zu protestieren, ist
wohlfeil und zynisch
Im Straßenverkehr
nur auf die Autos achten,
nie auf die Fahrer
Topfpflanzen gießen
Wasser sickert in Erde
Hörst du das Glucksen?
Johnson hats gewusst
Die vollendete Einheit
Die Freiheit feiern
Das Cello klagt weh
Synthiesounds wirbeln im Kreis
Beats flattern davon
Gehen und Schreiben
Fuß- und Handbewegungen
Langsame Rhythmen
[Von Wegen und Umwegen (Anthologie)]
The Scottish accent
The seamless fingerpicking
The cat everywhere
[Donovan – Summer Day Reflection Song]
Dein Anschlag ein Fluss
Von Klaviertasten tropfen
Töne herunter
Die Wände zittern
Die Ohren an der Decke
Der Kosmos stürzt ein
[Mabe Fratti – Kravitz]
Am seidnen Faden
Klaviertöne im Himmel
Sie sind reif, pflück sie!
[Roger Eno – Above and Below]
Erste Herbststürme
Unterm Walnussbaum suchen
Als wär es Ostern
Ausgeschlafensein
nach schlaflosen Nächten
richtig genießen
Linie öffnen
Die Schwerfiguren tripeln
König mattsetzen
An Kimba schnüffeln
vier weiße Retrieverlein,
vier Monate alt
Morgenspaziergang
Geruch geschmorter Zwiebeln
steigt in die Nase
Mit Nelken und Zimt
Birne in Rotwein gekocht
Köstliche Mélange
Blassklare Robe
Frisch, leicht, Zitronenbukett
Wirkung instantan

Trete aus dem Tor
Kimba sieht mich, auf mich zu
fliegt ein Wollknäuel
ganz sacht der anschlag
zeit steht still in jedem ton
so tief, so traurig
[Anna Gourari – Konzert in d-Moll (Adagio), BWV 974 (Alessandro Marcello transkribiert von JS Bach)]
Der Weg nach oben
Auf Morgensonnenstrahlen
Tautropfen funkeln
[Yo-Yo Ma – Sicilienne, op. 78 (Gabriel Fauré)]
Bordeaux-Weinprobe
Ersten Wein beim zweiten Mal
nicht wiedererkannt
Ein Trompetenton,
Herzen schmelzend in nem Bett
aus Daunenfedern
[Avishai Cohen – The Seventh]
Sie pflegt ihn zuhaus
Das Babyphone Nabelschnur
Der morgende Tag
[Helga Schubert – Der heutige Tag]
Nach dem Durchbeißen
auf der Höllenmaschine
Eins mit dem Körper
Sie schluchzt, bittet mich,
die Türe zuzumachen
Ich versteh warum
Töne wiegen schwer
Klavier trifft Klarinette
Der Drachen steigt auf
[Louis Sclavis & Benjamin Moussay – Loma del Tanto]
Gut artikuliert
verständlich rappen können
nur ganz wenige
[Antilopen Gang – Für wenige]
Das Magenknurren
Immer wieder exakt zur
selben Tageszeit
Im Kanon singen
wir „Viel Glück und viel Segen“
Da fällt der Groschen
Wasserhahn tropft leicht
Wespe nimmt Feuchtigkeit auf
am Rand der Dichtung
Wasserhahn tropft leicht
In Tasse darunter schwimmt
Wespenkadaver
Die Mitfahrerin:
Werden die angetrieben,
all die Windräder?
Im Bett. An der Wand
Der Schatten eines Berges
Mein eigenes Knie
Wenn ich bei euch bin
Gefühl, ich kann nicht helfen
Aber das stimmt nicht
Aus der Waschküche
Frühmorgens leise Stimmen
Philemon, Baucis
Nach dem Aufstehen
Aus Humpeln wird runder Gang
Linker Meniskus
Die Lider schließen
Die Handflächen auflegen
Die Wärme spüren
Ein Zuber Wasser
Frontscheibe undurchsichtig
Autobahn. Hundert.
Punkte verbinden
Töne, aus Fingern fließend
Zum Ursprung zurück
[Bill Evans – Minha (All Mine)]
Speierling, Malve
Topinambur, leuchtend gelb
Ein laues Lüftchen
Verwirrungsstifter
Wer ihm zuhört, verloren
Seine Worte Gift
Streuobstwiesenweg
gepflastert mit Nacktschnecken
Weltherrschaft missglückt
Rücken rundmachen
Maul auf, Zunge raus, gähnen
Was hinten rauskommt
Der Sommer neigt sich
seinem Ende entgegen
Die Wegwarte blüht

Immer noch düster,
deine Stimme, aber auch
warm und heimelig
[Nick Cave & The Bad Seeds – Wild God]
Was ist Empathie?
Ich habe ihn Arschloch genannt.
Er schließt sein Tor zu.
Toxische Liebe
Teenie und Fiftysomething
Ein Staat geht unter
[Jenny Erpenbeck – Kairos.]
Feiner, weißer Sand
Wasser ist wärmer als Luft
Boden unterm Fuß
Rote Fahne weht:
Schwimmen Sie weiter hinten,
da sehn wir Sie nicht.
[Baywatch an Ostseeküste westlich Lontzkedüne]
Draußen raschelt es
Rotes Eichhörnchen begeht
die Eibenhecke
Einsames Prasseln
Die Früchte der Erde reif
Ein dumpfer Aufschlag
Über die Wiesen
Grashalme voll Abendtau
Feuchte Sandalen
Bei Nacht hinfallen
Bis zur Dämmerung warten
Nicht mehr hochkommen
Da baut sich was auf,
stoppt, kommt ganz langsam zurück,
zerbrichts Herz in zwei
Öse gerissen
Geplante Obsoleszenz
der Wanderschuhe
Sie nimmt Reißaus, wenn
sie mich mit der Leine sieht
„Du ziehst mich nicht mehr!“
Deine Haarbüschel
Beim Frisör auf dem Boden
Kurzhaarschnitt. Für dich.
Eine Bank am Rhein
Vater dreht noch ne Runde
Mutter und ich schaun
Den Splitter sehen,
den C. mir aus dem Ballen
rausgezogen hat
Was das Eichhörnchen
übrig gelassen hat, wird
brüderlich geteilt

Muskelkater nach
Spaziergang mit den Eltern
bei drei km/h
Ganz ohne Kaffee
Der Oberkörper vibriert
Das Herz galoppiert
Herausforderung
Bei unter drei km/h
nicht hinzufallen
Das größte Geschäft
des ganzen, langen Lebens
gar nicht mitkriegen
Im Unruhestand
Den ganzen Tag Zeit haben
Dauernd Stress machen
Vom Stuhl erhoben
Gegen Ohnmacht angekämpft
Standhaft geblieben
So funky wie Chic
Die Gitarre grinst sich eins
Die Nacht durchgetanzt