Auf Synth-Linien
verdammter Welt entschweben
Zum Schlosshund werden
[Talk Talk – Renee von It’s My Life, 1984]
Auf Synth-Linien
verdammter Welt entschweben
Zum Schlosshund werden
[Talk Talk – Renee von It’s My Life, 1984]
In einem Keller
Mystische Keys, Hypno-Beats
Sirenenstimme
[Jenny Hval – The Artist Is Absent (89 seconds rewrite)]
Frühmorgens geweckt
während Intervallfastens
von grummelndem Bauch
Aussie-Dickschädel
humpelt nach Santiago
und weiß nicht warum
[Bill Bennett – The Way, My Way]
Beach Boys vibrations
Catchy, psychedelic tune
I hear Nick Drake’s Know
[Cream – I Feel Free, 1. Song auf dem US-Release ihres Debüts Fresh Cream, 1967]
20 Grad, Sonne
Gelb leuchtende Rapsfelder
Rechts Tierkadaver
Sich blind verstehen
Perlende Klaviertöne
Hingetupfter Bass
[Keith Jarrett & Charlie Haden – For All We Know von Jasmine, 2010]
Eine Flasche Wein.
Am nächsten Tag Probleme,
Worte zu finden.
Man redet sehr viel,
kommt aber auch zur Sache
Schöne Stadt am Meer
[Dag Johann Haugerud – Oslo-Stories: Liebe, 8/10]
Kollegen von Lux.
nach Vierteljahrhundert nicht
wiedererkennen
Melodietrunken
Auf den Lippen ein Lächeln
Ansteckende Grooves
[Nils Kugelmann Trio – A Good Day]
World deconstruction
Rock’n’roll made of debris
Off to the stars now
[Rocket from the Tombs – 30 Seconds over Tokyo (live 1975)]
Süßkirsche, süffig
samtig, würziger Abgang
Alkoholbombe

Unten Grüntöne
Oben Grauschattierungen
Regen tropft ins Bild
Unter Fußsohlen
Nadelstiche, Madeleines
letzter Wandertour
Falsche Galgenfrist
Mit Rucksack durch Nacht streifen
Zurück ins Leben
[Rudolf von Waldenfels – In die Nacht]
Manchmal reicht nicht mal
dieses beschwingte Lied, um
mich aufzumuntern
[Mike Scott – Bring’em All in, 1995]
Er bringt die Päckchen.
Er guckt mir nicht ins Gesicht.
Er zieht Kimba weg.
Im Meer versinken
Auf dem Boden auftreffen
Die Weichheit spüren
[David Darling – No Place Nowhere von Cello, 1992]
Mit dem Rollator
von der Mitte des Waldwegs
dauernd abrutschen
Nachsaison am Strand
TV gucken ohne Ton
Honey-slides futtern
[Neil Young – Motion Pictures (For Carrie), 1974]
Spring is here again
And he likes to shoot his gun
Knows not what it means
[Nirvana – In Bloom, 1991]
Kirche proppevoll
Chorgesang macht was mit mir
Sitzfleisch notwendig
[Bach – Matthäuspassion @Friedenskirche Krefeld]
Lass uns wegfliegen
Immer weiter bis ins All
Es gibt kein Ende
[Santana – Waves Within von Caravanserai, 1972]
Noch zweimal schnackseln
Bevor es in den Krieg geht
Traurig aktuell
[The Doors – Love Me Two Times, 1967]
Von 0 auf 100
unter einer Sekunde
Pakt mit dem Teufel?
[Stevie Ray Vaughan – Skuttle Buttin‚, Live Montreux 1985]
Stell dir vor, morgen
kommt der Weltuntergang und
du tanzt die Nacht durch
[Anne Clark – Our Darkness, 1984]
Über den Wiesen
Wasser sprudelt im Himmel
Feldlerchengesang
Rosa ist er nicht
Letzter Vollmond vor Ostern
Benannt nach dem Phlox
[Nick Drake – Pink Moon, 1972]
Erinnerungen
an schlimm schmerzende Füße
auf dem Weg lassen
Kirchengesänge
Auf Umwegen zum Einstieg
Emsiges Treiben
Der Tag beginnt mit einem umfassenden Frühstück. Auffällig sind die 24 Teedosen und es sind sogar drei unparfümierte Sorten dabei, ich greife zum grünen Sencha. Am Nachbartisch erklärt ein ungefähr zehnjähriger Junge seinen Eltern und seiner älteren Schwester, was ein Haiku ist: 5-7-5. Das erste Mal in den letzten fünf Jahren, dass jemand in meiner Umgebung unabhängig von mir von Haiku spricht.
Ich komme recht spät los, neben dem Warten auf den 14 Stundenabstand zur letzten Mahlzeit, lasse ich mir generell Zeit, dies ist immerhin ein Urlaub. Die Trödelei verhindert allerdings nicht, dass ich wie mir später bewusst wird, meine gestern als Badehose genutzte Laufhose, die ich zum Trocknen aufgehängt hatte, auf dem Bügel vergesse. Sie wird mir nachgeschickt.
Anbei der Blick aus meinem Zimmerchen.

Vor mir liegt ein herrlicher Wandertag bei sommerlichen Temperaturen, gut dass ich meine Camino-Pilgermütze dabei habe, die 2 Liter Wasser trinke ich komplett aus.
Es stellt sich allerdings später heraus, dass ich einen falschen Track des Milseburgwegs runtergeladen habe, so dass ich den Vormittag in der Fuldaer Vorstadt verbringe und ca. 7 km zu viel laufe und das dann auch noch auf Asphalt.

Zuerst geht es aber richtig zur Liobakirche auf dem Petersberg, der ich ja auch schon auf meiner Fastenwanderung im Februar einen Besuch abstattete. Dieses Mal ist die romanische Kirche – eine der ältesten Deutschlands, von Rabanus im 8. Jahrhundert gebaut – jedoch geöffnet. Beim Eintritt schallen mir von einer Frauenstimme begleitete Orgelklänge entgegen. Es wird geprobt, die Musik scheint mittelalterlich zu sein, hier eine Kostprobe:
Ich fühle mich zurückgebeamt in eine uralte Zeit, die Musik strahlt eine große Klarheit und Stärke aus.

Die beiden Musizierenden sehe ich nicht, sie müssen hinter der Orgel sein, was das Ganze noch geheimnisvoller macht. Die Sängerin hebt immer wieder an, es scheint unwahrscheinlich, dass die Musik von der Konserve kommt, dafür klingt sie auch zu gut.

Unten in der Krypta liegt die Heilige Lioba, die im 8. Jahrhundert mit Bonifatius per Brief kommunizierte. Die Briefe kann man in einem Nebenraum nachlesen.
Mich amüsiert eine kleine Passage aus dem Gästebuch, die auf zeitgemäße „Probleme“ eingeht.

Ich gehe nun an einem hässlichen Betonklotz, der sich als Klinikum herausstellt, vorbei und spaziere durch Ziehers, einen Fuldaer Stadtteil. Es muss die A7 überquert werden und ich komme in eine ländlichere Umgebung. Nach einer Pause vor Keulos, erreiche ich über Wissels und Böckels endlich den Einstieg in den Milseburgweg, den richtigen Track habe ich inzwischen auch gefunden.

Ab hier ist der Weg sehr gut mit dem roten Dreieck des Rhönklubs markiert. Die Schilder kommen teilweise im Abstand von 200 m.
Der Weg verläuft im Zickzack und ich komme an der Siedlung Armenhof vorbei; die Rhön war früher eine der ärmsten Gegenden Deutschlands. Es geht nun an einem schmalen Teich vorbei, an dem ich mit einem braungebrannten Pensionär aus Dipperz ins Gespräch komme, der sich in der Gegend sehr gut auskennt. Weiter geht es über den Wanderparkplatz Saubrücke an einem Bächlein entlang über einen Baumwurzelpfad. Schließlich komme ich auf einen geschotterten Weg. Ich treffe auf viele Mountainbiker und später auch auf E-Biker, die die Anstiege hochsausen. Mir kommt sage und schreibe ein junger Wanderer entgegen, der wie ich mit Rucksack und Stöcken unterwegs ist und mir ein Servus entgegenruft.
Man sieht bald die Vulkankuppen der Rhön, ich komme hier gut voran.

In der Ferne erkenne ich im Norden das Schloss Bieberstein auf dem Kugelberg.

Unten schlummert das Malerdorf Kleinsassen, ich folge dem Malerrundweg ein stückweit, die Rhön hat dankbare Motive für Naturbilder vorzuweisen.

Vom Wegrand aus sieht man ein schmuckes Häuschen, das abenteuerlich über mir im Wald steht.

Es blüht viel, das kleine, hellweiß strahlende Buschwindröschen hat es mir besonders angetan.

Kurz vorm Ziel die erste Wohlfühlbank mit einem schönen Blick auf einen Berg, den ich für die Milseburg halte, die morgen auf dem Programm steht.

Schließlich komme ich gegen 17h bei meiner Unterkunft, dem Fuldaer Haus an der Maulkuppe an. Hier herrscht reges Wochenendtreiben. Auf diversen Terrassen kann man seinen Kaffee einnehmen. Ich verziehe mich in mein kleines Turmzimmer, mache mich frisch und esse früh um halb sechs im Gastraum, der sich langsam füllt. Besonders lecker ist der Nachtisch, ein Apfel-Krömbel mit Vanilleeis und Schlagsahne.

Hier ist der Überblick über meine Wanderung auf dem Milseburgweg von Fulda nach Meiningen im April 2025.
Eines der Lieder,
wo man unbedingt auf die
Tanzfläche musste
[Bronski Beat – Smalltown Boy, 1984]
slackers can jangle too
pedal steel guitar heaven
opaque words flowing
[Pavement – Father to a Sister of Thought von Wowee Zowee, 1995]
Ascher gibts nicht mehr
auf den Terrassentischen
der Havannabar
Merkst du es denn nicht?
Da ist jemand, der will dich
ganz fest umarmen
[Wilco – She’s a Jar, 1999, von Summer Teeth]
Abend für Abend
Die unbändige Freude
Auf die Nacht im Bett
Repetitive
Melodie fräst sich ins Ohr
Sie können es noch
[Stereolab – Aerial Troubles]
Damals die Zukunft
Künstlich, hypnotisch, lasziv
Auf die Tanzfläche!
[Donna Summer – I Feel Love, 12“, 1977, more in BBC Soul Music]
Reh springt ins Dickicht
Mönchsgrasmücke pfeift Weise
Hase schlägt Haken
Lackdoktor lächelt
als er Motorhaube sieht
„Kostet sechshundert“
[The Smile – Bodies Laughing von Cutouts, 2024]
Wabernder Nebel
Zwischen Erde und Himmel
Gleißende Sonne
[Polar Bear – Open See von In Each and Every One, 2014]
Blicke auf Freiturm
Eschborn*, Schwalbach, Neuenhain
Mammolshain, Kronthal
[*E-Niederhöchstadt]


Weißes Blütenmeer
Kirsche, Apfel und Weißdorn
9 Km-Runde
[Mammolshain]
Ein Mann ganz allein
fährt die ganze Weltwirtschaft
voll gegen die Wand
Luftige Nummer
Mit der Erde verbunden
durch kantige Beats
[Tortoise – Oganesson]
Eine Melodie
und Stimme, bei denen man
dahinschmelzen muss
[Dean Wareham – That’s the Price of Loving Me]
My hands in your hair
I need to feel your heartbeat
The Rhythm we made
[King Crimson – Heartbeat, 1982]
Die Jonglierbälle
vom Himmel herabpflücken
und zurückwerfen
rad delivery
rad word trip, rad beats, rad breaks
rad effects, rad vid
[clipping. – Run It]
Ins Stocken kommen
Weglegen, neu ansetzen
Sudoku lösen
Melancholisches
von innen her strahlendes
Tanzintermezzo
[Andrew Wasylyk & Tommy Perman – Communal Imagination]
Achtzig Sekunden
Fingerpicking-Wirbelwind
Für Schwindelfreie
[Bert Jansch & John Renbourn – East Wind, 1966]
Saal voll. Popcornduft.
Summende alte Männer
mit Jungensblasen.
—
Näselnd-nuschelndes Landei
lässt am Ende die Sau raus
[James Mangold – A Complete Unknown]
Übers Mittelmeer
Mit Oud, Cello, Klavier, Bass
Zu neuen Ufern
[Anouhar Brahem, Anja Lechner, Django Bates, Dave Holland – After the Last Sky]
Zwei Herren der Welt
Rechtskräftig Verurteilter
und Massenmörder
Mit Pferdewagen
losziehen, Augen öffnen
Natur einatmen
[Vashti Bunyan – Rose Hip November, 1970]
Gewalt beim Frühstück
Milchkarton im Tetrapack
den Kopf abdrehen
Es entfaltet sich
eine friedliche Landschaft
vor meinen Augen
[Harold Budd & Brian Eno – An Arc of Doves von The Plateaux of Mirror, 1980]
Cockpit, Luxembourg
Strawberry Daiquiri flash
Sommerterrasse
[Green Cosmos – Opus X von Abendmusiken, 1983]
Vor vierzig Jahren
Sonne. Boot. Marmara-Meer.
Mein erster Ayran!
Mütze auf dem Kopf
Kalte Hände auf dem Rad
Wo bleibt der Frühling?
Kehlige Stimme
Als hätte er gesoffen
Trost von down under
[Ed Kuepper – Sea-Air, 1986]
Ein komplettes Buch
über das Lied River Man
von Nick Drake schreiben
[Ich lese gerade die neue, gut recherchierte „Annäherung“ von Jürgen Goldstein an meinen „traurigen Helden“]
Beschauliches Meer
Viele emsige Menschen
Friede sei mit euch!
[Bernie Maupin – Ensenada von The Jewel in the Lotus, 1974]
hartem Widerstand
gleichmäßige Trittfrequenz
entgegensetzen