Archive for the ‘DEU’ Category

1160

März 7, 2021

Das Schrittezählen

nimmt dem Gehen die Freiheit,

die Unbändigkeit.

1159

März 6, 2021

Mandarinente

bringt Farbe in tristgraue

Schlachtenseerunde.

1158

März 6, 2021

Gesichtsausdruck von

Caetano Veloso

als João singt.

1157

März 6, 2021

Ein zärtlicher Kuss,

frappant frei interpretiert.

Besser als Stille.

[João Gilberto – Bésame mucho, über diesen profunden Artikel]

1156

März 6, 2021

Schaffe etwas, denn

immer nur Kritik üben

zieht einen runter.

[Für J.]

Das Verschwinden der Lieblingsmusik

März 5, 2021

Ganz grob dürfte ungefähr 90% der Musik, die mir so über den Weg läuft (Radio, Internet, Streaming, früher Fernsehen, Cafés, Bars, Kneipen und Discos) gleichgültig lassen bzw. sogar nicht gefallen. 9% finde ich interessant und gut, sie wird aber auch nach mehrmaligem Anhören meistens keine Lieblingsmusik. Und wenn doch, dann geht es ihr am Ende wie den 1%, die mich sofort umhauen. Bei denen ist es anfangs fast immer so, dass bei den ersten drei Malen, wenn ich sie höre, der Enthusiasmus am größten ist und dann mit jedem Hören etwas abnimmt bis mir das Stück aus den Ohren heraushängt, bis ich es zu Tode geliebt habe. Es scheint also so zu sein, dass die Musik, die ich gerade liebe, dauernd weniger zu werden scheint. Bis nur noch die Stille übrigbleibt. Außer es käme genug neue, frische, tolle Musik nach, was aber derzeit nicht der Fall ist.

1154

März 5, 2021

Leben ist Rhythmus.

Wenn die Trommeln verstummen,

ist das Ende nah.

[Fire! – Defeat (Only Further Apart)]

1153

März 5, 2021

Wie Leonore

Kleidungsstücke fallen lässt

auf dem Weg hinauf.

[Detail aus Das bist du von Ulrich Peltzer]

1152

März 5, 2021

Als ich ankomme,

wenden beide Eichhörnchen

auf dem Lindenstamm.

1151

März 4, 2021

Spatzengejubel

als ich den Meisenknödel

ins Gebüsch hänge.

1150

März 4, 2021

Gleich nach Aufstehen

täglich zwanzig Minuten

aufräumen, putzen.

[Rat eines Japaners von hier]

1149

März 4, 2021

Notizen als Zaum

gegen Vergaloppieren.

Mehr Stimme wagen!

1148

März 4, 2021

Die Korrelation

zwischen Alter und Krankheit

nähert sich der Eins.

1147

März 4, 2021

Bei uns verboten.

Wetten auf Hunderennen.

Tierlobbyerfolg.

1146

März 4, 2021

Morgendämmerung.

Amselgezwitscher im Hof.

Odysseus‘ Wachstrick.

1145

März 3, 2021

Statt des Experten

persona ex machina.

Wen überzeugt das?

1144

März 3, 2021

TV-Beiträge

von auf den Teleprompter

starrenden Leuten.

1143

März 3, 2021

Fast alle Menschen

erzählen gerne von sich.

Wenn man sie anspricht.

1142

März 3, 2021

Die Erhebungen

in Berlin zum großen Teil

nur Trümmerberge.

1141

März 3, 2021

Regeneration

der Füße nach langem Marsch:

Wunder des Körpers.

1139

März 3, 2021

Der Volksparkboden

nach zwanzig km Asphalt:

Füße im Himmel.

1138

März 2, 2021

Einmal um Berlin.

Gebäude von vor dem Krieg:

Recht überschaubar.

1137

März 1, 2021

Beats, schleppend-scheppernd.

Auf der Oberbaumbrücke.

Der Club auf dem Rad.

1136

März 1, 2021

Vor Friseursalons

Schlangen bis auf Bürgersteig,

die sich auflösen.

1135

März 1, 2021

Tempelhofer Feld.

Blauer Himmel, Sonne pur.

Feldlerchengesang.

1134

März 1, 2021

Tastuntersuchung

von Hoden und Prostata

durch Urologin.

1133

Februar 28, 2021

Am Rand der A9

zwischen Leipzig und Potsdam

zig Streifenwagen.

1132

Februar 28, 2021

Ostautobahnen.

Kleine Tempovarianz.

Entspanntes Fahren.

1131

Februar 28, 2021

Hinter den Bergen

im Rückspiegel verschwindet

orange Sonne.

1130

Februar 27, 2021

Zwei Nager erwischt

im Blumenbeet, die panisch

zum Kompost flüchten.

1129

Februar 27, 2021

Auf Lokus im Bad.

Blick auf senfgelbe Kacheln.

Rausch ohne Droge.

1128

Februar 27, 2021

Chihuahua

verrückt nach Sennenhündin,

die ihn nicht bemerkt.

1127

Februar 26, 2021

Überflutet von

Desinformation, nicht

Information.

1126

Februar 26, 2021

Die weiße Katze

schleicht in Dämmerung ums Haus.

Jetzt nicht Ratte sein.

1125

Februar 26, 2021

Auf dem Weg ein Hund,

humpelt, bleibt steh’n, guckt mich an

voller Erwartung.

1124

Februar 26, 2021

Im Regen klettert

Ratte Deutzienzweig hoch

zum Meisenknödel.

1123

Februar 26, 2021

Öffne Balkontür.

Blick hinunter ins Gebüsch.

Spatzenschar fliegt auf.

1122

Februar 25, 2021

Gebe Ahornfrucht

auf dem Fenstersims ’nen Schubs:

Hubschrauberlandung.

1121

Februar 24, 2021

Hallo Ihr beiden.

Hat es Euch hier gefallen?

Dann sagt es weiter.

1120

Februar 24, 2021

Das Rauschen im Ohr,

wenn es vollkommen still ist.

Verrinnende Zeit.

1119

Februar 24, 2021

Die Füße sinken

mit jedem Schritt leicht ein in

feuchten Lössboden.

1118

Februar 23, 2021

Die Augen schließen,

unter die Decke tauchen

in den tiefen Schlaf.

1117

Februar 23, 2021

Gegähnt, gerechnet,

rückgeschnitten, gehäckselt,

eingekauft, gequatscht.

1116

Februar 23, 2021

Wer gut schlafen will,

darf nicht ins Bett gehen, um

schlafen zu wollen.

1114

Februar 22, 2021

Je ahnungsloser

ich war im Leben, umso

glücklicher war ich.

1113

Februar 21, 2021

Apfelbaum frisiert.

Zig Wassertriebe gestutzt

bei schönstem Wetter.

1112

Februar 20, 2021

Halben Tag gesucht

nach Bauernendspielgewinn

ohne Ergebnis.

1111

Februar 20, 2021

Pulsierender Bass.

Falsetto, das sich anschmiegt.

Tonaler Kollaps.

[Massive Attack – Girl I Love You vom Album Heligoland, anlässlich von Horace Andy’s 70. Geburtstag gestern]

1110

Februar 20, 2021

Die Sennenhündin

versteht nicht wieso alle

vor ihr Angst haben.

1109

Februar 20, 2021

Biobananen

von Labels erlöst, die mit

Schale verbacken.

1108

Februar 19, 2021

Ich glaube es nicht,

halbtrockener Retsina.

Das Weltende naht.

1106

Februar 19, 2021

Der Witz im Leben.

Statt der großen Erleuchtung

Mini-Satoris.

1105

Februar 19, 2021

Ein Jonglierball jagt

dem anderen hinterher

bis sie sich kriegen.

1102

Februar 17, 2021

Baumsilhouetten

vorm blauen Abendhimmel.

Wurzeln der Lüfte.

1101

Februar 17, 2021

Der Schnee verschwunden.

Draußen Grau-, Rot-, Grüntöne.

Frische, feuchte Luft.

1100

Februar 16, 2021

Eine Melodie,

einfach und herzergreifend.

Ein kleines Wunder.

[Mark Robinson (Unrest) – Imperial, vor dem Kölner Dom]

1099

Februar 16, 2021

Eintausend Würfe

bei der Dreiballjonglage.

Rund fünf Minuten.

1098

Februar 15, 2021

Das Knacken hört auf.

Das Eis hauchdünn, unsichtbar.

Rutschend find‘ ich Halt.

1097

Februar 15, 2021

Sich immer schneller

um eigene Achse dreh’n,

ohne zu fallen.

1096

Februar 15, 2021

Vom Strudel verschluckt.

Im Ohr Sirenengesang.

Endlich bewusstlos.

[Pumarosa – Honey von ihrem Debütalbum Witch]

1095

Februar 15, 2021

Unruhiger Schlaf.

Ab eins stündlich aufgewacht.

Vom Hunger geweckt.

1094

Februar 14, 2021

Sonne, Eis und Schnee.

Frankfurt- und Odenwaldblick.

Beide ausgerutscht.

[Dreiburgenweg Kronberg- Falkenstein-Königstein, von zu Hause, 24.800 Schritte, 4 1/2 Stunden] ]

1092

Februar 14, 2021

Smartphone plötzlich weg.

Nach Panik schnell kapiert, dass

alles nur ein Traum.

1090

Februar 13, 2021

Starenschwarm besorgt

unverzügliche Leerung

der Futtersäule.

1089

Februar 13, 2021

Sennenhündin wischt

Australian Shepherd eine

mit ihrer Tatze.

1088

Februar 13, 2021

Sennenhündin rutscht

vereisten Weg hinunter.

Geschwindigkeitsrausch.

1086

Februar 12, 2021

Hätte nie gedacht,

mich je zurückzusehnen

nach dem Fernsehen.

1085

Februar 12, 2021

Kahler Baum am Rand.

Repetitives Zwitschern.

Eine Blaumeise!

1084

Februar 12, 2021

Nach dreißig Jahren

auf ein Foto gestoßen.

Ist er’s, ist er’s nicht?

1083

Februar 12, 2021

Trip zum Komposter.

Frau Amsel im Futterhaus

lässt sich nicht stören.

1081

Februar 11, 2021

Warum sich quälen,

wenn schon ein Teil des Kraftakts

zum Wohlgefühl führt?

1080

Februar 11, 2021

Mieten sinken leicht,

Wohnungspreise auf Höchststand.

Warten auf den Crash.

1078

Februar 10, 2021

Wieder im Warmen.

Das Auftauen der Füße.

Abwechselnd kalt-heiß.

1077

Februar 10, 2021

Knirschen und Knistern.

Der Boden hart gefroren.

Knacken und splittern.

1076

Februar 10, 2021

Die Wege vereist.

Die Dunkelheit fällt nieder.

Die S-Bahn fährt leer.

1075

Februar 10, 2021

Nach dem Abendrot:

Orion am Himmelszelt.

Fern leuchtet Frankfurt.

1074

Februar 10, 2021

Auf offener Flur.

Ein einsamer Wanderer.

Der Nordwind bläst stramm.

1072

Februar 9, 2021

Die Hände brennen

bei minus acht Grad draußen

in der Eishölle.

1071

Februar 9, 2021

Durch den Schnee gestapft.

Kopfschmerzen von kaltem Wind.

Auf Eis gegangen.

1070

Februar 8, 2021

Mit gutem Beispiel

vorangehen bringt mehr als

Vorwürfe machen.

1068

Februar 8, 2021

Fette Schneeflocken

tanzen munter durch die Luft.

Symphonie in weiß.

1067

Februar 7, 2021

Spaziergangsrunde

auf betonierten Wegen

um Morast herum.

1065

Februar 7, 2021

Rodomontade

in Bücherschrank verfrachtet.

Bye, bye Netzkarte.

1063

Februar 6, 2021

Sich erst auspowern,

dann jede Muskelfaser

einzeln entspannen.

1062

Februar 6, 2021

Die Sennenhündin

zieht beim Start an der Leine

und bei der Rückkehr.

1061

Februar 6, 2021

Vom Sauerbornbach,

Schwalbach, Sulzbach, Nidda, Main,

Rhein in die Nordsee.

1060

Februar 6, 2021

Es riecht leicht muffig.

Kirschkernkissen aufgewärmt

in Mikrowelle.

1057

Februar 5, 2021

Kiwi, Pink Grapefruit

und selbstgemachter Joghurt.

Herb-süß. Ekstase.

1056

Februar 5, 2021

Sich ärgern bringt nichts

es sei denn, man ärgert sich

nur über sich selbst.

1055

Februar 5, 2021

Strömender Regen.

Rotkehlchen nimmt langes Bad

in Vogeltränke.

[Flashback nach vorgestern]

1054

Februar 5, 2021

Zu früher Stunde

werde ich in der Küche

mit Gähnen begrüßt.

1053

Februar 5, 2021

Morgendämmerung.

Ich öffne die Klappläden.

Rotkehlchengesang.

1052

Februar 4, 2021

Dachte ganzen Tag,

dass es heute Mittwoch ist.

What a nice surprise!

1051

Februar 4, 2021

Zu zweit auf der Couch.

Jeder vor seinem Bildschirm.

Ist das die Zukunft?

Ian McEwan – Machines Like Me (Maschinen wie ich)

Februar 4, 2021

Dieses Buch zu lesen, ist mir schwergefallen. Der Einstieg war sehr zäh. Ich glaube, es hatte damit zu tun, dass Ian McEwan nicht sofort auf den Punkt kommt, viel um das Thema herumschwadroniert. Außerdem war es nicht so einfach zu lesen auf Englisch wie ich es mir vorgestellt hatte, McEwan benutzt manchmal ein ausgesuchtes Vokabular und ich bin fast immer zu faul, nachzuschlagen. Mein persönliches Problem ist, dass ich nur selten die Muße habe, Bücher zu lesen. Abends im Bett passiert es mir oft, dass ich beim Lesen einnicke. Wenn ich morgens sehr früh aufwache weil ich schlecht schlafe, habe ich oft noch keine Lust zu lesen, weil ich zerschlagen bin. Trotzdem habe ich meist zu diesen beiden Zeiten gelesen und gerade abends wegen der Müdigkeit Konzentrationsschwierigkeiten gehabt.

Ich hatte von McEwan vorher Kurzgeschichten und den Stalker-Roman Enduring Love gelesen, den ich vor rund 20 Jahren sehr genossen hatte. Dieses neue Buch widmet sich dem Thema Roboter. Charlie, der Ich-Erzähler und Miranda, die seit noch nicht so langer Zeit ein Paar sind, schaffen sich einen menschenähnlichen Roboter an, Adam. Dieser Roboter ist sehr gebildet, er weiß so ziemlich alles da er permanent im Internet rumsurft, sich alles merkt und seine Schlüsse zieht. Da er gut bewerten und rechnen kann – welche Überraschung – ist er auch erfolgreich beim Daytraden, bei dem er eine gute Stange Geld verdient für den finanziell eher schwach aufgestellten Haushalt. Er weiß auch Sachen über die Protagonisten, insbesondere über Miranda, die Charlie nicht weiß. Hier zeichnen sich die Konflikte ab. Sehr früh läuft etwas zwischen Miranda und Adam, aber das ist nicht die Crux. Obwohl das Thema Liebe sowohl für Adam als auch für Charlie ein ganz wichtiges ist. Im Mittelpunkt des Romans steht vielmehr eine Geschichte von früher, die sich um eine Freundin Mirandas dreht, die sich umgebracht hat. Diese Geschichte ist sehr konstruiert, so ähnlich wie die extremen Settings von Ferdinand von Schirach, die ich nervend und uninteressant finde. Auf jeden Fall steuert die Ménage à trois, aus der eigentlich eine richtige Familie mit einem Adoptivkind werden soll, auf einen Showdown zu, den es am Ende auch gibt. Wenn man die Situation analysiert und weiß wie der Roboter programmiert ist, nimmt die Geschichte ihren zwangsläufgen, schicksalhaften Lauf. Ich sage mal, der Roboter kommt am Ende fast sympathischer rüber als Miranda und Charlie, aber das ist evtl. meine persönliche Ansicht. Was mich ein bisschen geärgert hat ist, dass der Erzähler etwas abschätzig auf den literarischen Output von Adam herabsieht, der tausende von Haiku schreibt. Von denen aber nur sehr wenige – natürlich eher schwachbrüstige – zitiert werden. Das ist einfach arrogant. Insgesamt werden ziemlich gut nachvollziehbar die Konflikte aufgezeigt, die es mit Robotern geben könnte, die ganze Robotergeschichte hat mich von Anfang an gefesselt.

Was drumherum erzählt wird, die Rahmenhandlung in einem alternativen Großbritannien nach dem Falklandkrieg mit einem Labour-Premier Tony Benn, der durch ein Attentat umkommt, hat mich dagegen tödlich gelangweilt. Es fahren zu dem Zeitpunkt schon viele Autos autonom mit schlafenden Fahrern, Alan Turing lebt noch und spielt eine wichtige Nebenrolle. Ich finde dieses Drumherumgespinne hat der Geschichte nicht gut getan. Außerdem gibt es immer wieder Exkurse über naturwissenschaftliche Themen, die ich als nervtötend und schlaumeierisch empfinde. Gut gefällt mir, dass das Buch in zehn Kapitel à ca. 30 Seiten eingeteilt ist, die man jeweils ganz gut in einer Sitzung lesen kann. Allerdings hätte man den Plot des Buches wahrscheinlich auch auf eine dreißigseitige Kurzgeschichte zusammendampfen können. Der Roman hat etwas Aufgeblasenes. So schnell werde ich wohl kein Buch von McEwan mehr lesen, dieses hatte mich vom Thema interessiert, fast alle seine Bücher der letzten zwanzig Jahre hatten mich schon vom Sujet her nicht angesprochen.

7/10

1050

Februar 4, 2021

Nach langsamem Druck

auf Lichtschalter im Flur

brennt Glühfaden durch.

1049

Februar 4, 2021

Beim Gehen senkt sich

ein Mantel in Zeitlupe

über mich: die Nacht.

1048

Februar 3, 2021

Aljechin, Fischer

Kasparov, Shirov, Dubov,

Tal, Morozevich.

1046

Februar 3, 2021

Mein Blick durchs Fenster

vertreibt die Spatzen sofort.

Er muss stechend sein.

1045

Februar 3, 2021

Atem loslassen.

Innehalten. Bis zwölf zähl’n.

Langsam einatmen.