Das Schrittezählen
nimmt dem Gehen die Freiheit,
die Unbändigkeit.
Ein zärtlicher Kuss,
frappant frei interpretiert.
Besser als Stille.
[João Gilberto – Bésame mucho, über diesen profunden Artikel]
Leben ist Rhythmus.
Wenn die Trommeln verstummen,
ist das Ende nah.
Wie Leonore
Kleidungsstücke fallen lässt
auf dem Weg hinauf.
[Detail aus Das bist du von Ulrich Peltzer]
Als ich ankomme,
wenden beide Eichhörnchen
auf dem Lindenstamm.
Spatzengejubel
als ich den Meisenknödel
ins Gebüsch hänge.
Gleich nach Aufstehen
täglich zwanzig Minuten
aufräumen, putzen.
[Rat eines Japaners von hier]
Notizen als Zaum
gegen Vergaloppieren.
Mehr Stimme wagen!
Bei uns verboten.
Wetten auf Hunderennen.
Tierlobbyerfolg.
Morgendämmerung.
Amselgezwitscher im Hof.
Odysseus‘ Wachstrick.
Regeneration
der Füße nach langem Marsch:
Wunder des Körpers.
Vor Friseursalons
Schlangen bis auf Bürgersteig,
die sich auflösen.
Tastuntersuchung
von Hoden und Prostata
durch Urologin.
Am Rand der A9
zwischen Leipzig und Potsdam
zig Streifenwagen.
Ostautobahnen.
Kleine Tempovarianz.
Entspanntes Fahren.
Hinter den Bergen
im Rückspiegel verschwindet
orange Sonne.
Zwei Nager erwischt
im Blumenbeet, die panisch
zum Kompost flüchten.
Auf Lokus im Bad.
Blick auf senfgelbe Kacheln.
Rausch ohne Droge.
Chihuahua
verrückt nach Sennenhündin,
die ihn nicht bemerkt.
Die weiße Katze
schleicht in Dämmerung ums Haus.
Jetzt nicht Ratte sein.
Auf dem Weg ein Hund,
humpelt, bleibt steh’n, guckt mich an
voller Erwartung.
Im Regen klettert
Ratte Deutzienzweig hoch
zum Meisenknödel.
Öffne Balkontür.
Blick hinunter ins Gebüsch.
Spatzenschar fliegt auf.
Gebe Ahornfrucht
auf dem Fenstersims ’nen Schubs:
Hubschrauberlandung.
Die Füße sinken
mit jedem Schritt leicht ein in
feuchten Lössboden.
Die Augen schließen,
unter die Decke tauchen
in den tiefen Schlaf.
Gegähnt, gerechnet,
rückgeschnitten, gehäckselt,
eingekauft, gequatscht.
Apfelbaum frisiert.
Zig Wassertriebe gestutzt
bei schönstem Wetter.
Pulsierender Bass.
Falsetto, das sich anschmiegt.
Tonaler Kollaps.
[Massive Attack – Girl I Love You vom Album Heligoland, anlässlich von Horace Andy’s 70. Geburtstag gestern]
Die Sennenhündin
versteht nicht wieso alle
vor ihr Angst haben.
Biobananen
von Labels erlöst, die mit
Schale verbacken.
Ich glaube es nicht,
halbtrockener Retsina.
Das Weltende naht.
Ein Jonglierball jagt
dem anderen hinterher
bis sie sich kriegen.
Baumsilhouetten
vorm blauen Abendhimmel.
Wurzeln der Lüfte.
Der Schnee verschwunden.
Draußen Grau-, Rot-, Grüntöne.
Frische, feuchte Luft.
Eine Melodie,
einfach und herzergreifend.
Ein kleines Wunder.
[Mark Robinson (Unrest) – Imperial, vor dem Kölner Dom]
Eintausend Würfe
bei der Dreiballjonglage.
Rund fünf Minuten.
Das Knacken hört auf.
Das Eis hauchdünn, unsichtbar.
Rutschend find‘ ich Halt.
Sich immer schneller
um eigene Achse dreh’n,
ohne zu fallen.
Vom Strudel verschluckt.
Im Ohr Sirenengesang.
Endlich bewusstlos.
[Pumarosa – Honey von ihrem Debütalbum Witch]
Unruhiger Schlaf.
Ab eins stündlich aufgewacht.
Vom Hunger geweckt.
Sonne, Eis und Schnee.
Frankfurt- und Odenwaldblick.
Beide ausgerutscht.
[Dreiburgenweg Kronberg- Falkenstein-Königstein, von zu Hause, 24.800 Schritte, 4 1/2 Stunden] ]
Starenschwarm besorgt
unverzügliche Leerung
der Futtersäule.
Sennenhündin wischt
Australian Shepherd eine
mit ihrer Tatze.
Sennenhündin rutscht
vereisten Weg hinunter.
Geschwindigkeitsrausch.
Hätte nie gedacht,
mich je zurückzusehnen
nach dem Fernsehen.
Kahler Baum am Rand.
Repetitives Zwitschern.
Eine Blaumeise!
Trip zum Komposter.
Frau Amsel im Futterhaus
lässt sich nicht stören.
Mieten sinken leicht,
Wohnungspreise auf Höchststand.
Warten auf den Crash.
Wieder im Warmen.
Das Auftauen der Füße.
Abwechselnd kalt-heiß.
Knirschen und Knistern.
Der Boden hart gefroren.
Knacken und splittern.
Die Wege vereist.
Die Dunkelheit fällt nieder.
Die S-Bahn fährt leer.
Nach dem Abendrot:
Orion am Himmelszelt.
Fern leuchtet Frankfurt.
Auf offener Flur.
Ein einsamer Wanderer.
Der Nordwind bläst stramm.
Die Hände brennen
bei minus acht Grad draußen
in der Eishölle.
Durch den Schnee gestapft.
Kopfschmerzen von kaltem Wind.
Auf Eis gegangen.
Fette Schneeflocken
tanzen munter durch die Luft.
Symphonie in weiß.
Spaziergangsrunde
auf betonierten Wegen
um Morast herum.
Rodomontade
in Bücherschrank verfrachtet.
Bye, bye Netzkarte.
Sich erst auspowern,
dann jede Muskelfaser
einzeln entspannen.
Die Sennenhündin
zieht beim Start an der Leine
und bei der Rückkehr.
Vom Sauerbornbach,
Schwalbach, Sulzbach, Nidda, Main,
Rhein in die Nordsee.
Es riecht leicht muffig.
Kirschkernkissen aufgewärmt
in Mikrowelle.
Kiwi, Pink Grapefruit
und selbstgemachter Joghurt.
Herb-süß. Ekstase.
Sich ärgern bringt nichts
es sei denn, man ärgert sich
nur über sich selbst.
Strömender Regen.
Rotkehlchen nimmt langes Bad
in Vogeltränke.
[Flashback nach vorgestern]
Zu früher Stunde
werde ich in der Küche
mit Gähnen begrüßt.
Morgendämmerung.
Ich öffne die Klappläden.
Rotkehlchengesang.
Dieses Buch zu lesen, ist mir schwergefallen. Der Einstieg war sehr zäh. Ich glaube, es hatte damit zu tun, dass Ian McEwan nicht sofort auf den Punkt kommt, viel um das Thema herumschwadroniert. Außerdem war es nicht so einfach zu lesen auf Englisch wie ich es mir vorgestellt hatte, McEwan benutzt manchmal ein ausgesuchtes Vokabular und ich bin fast immer zu faul, nachzuschlagen. Mein persönliches Problem ist, dass ich nur selten die Muße habe, Bücher zu lesen. Abends im Bett passiert es mir oft, dass ich beim Lesen einnicke. Wenn ich morgens sehr früh aufwache weil ich schlecht schlafe, habe ich oft noch keine Lust zu lesen, weil ich zerschlagen bin. Trotzdem habe ich meist zu diesen beiden Zeiten gelesen und gerade abends wegen der Müdigkeit Konzentrationsschwierigkeiten gehabt.
Ich hatte von McEwan vorher Kurzgeschichten und den Stalker-Roman Enduring Love gelesen, den ich vor rund 20 Jahren sehr genossen hatte. Dieses neue Buch widmet sich dem Thema Roboter. Charlie, der Ich-Erzähler und Miranda, die seit noch nicht so langer Zeit ein Paar sind, schaffen sich einen menschenähnlichen Roboter an, Adam. Dieser Roboter ist sehr gebildet, er weiß so ziemlich alles da er permanent im Internet rumsurft, sich alles merkt und seine Schlüsse zieht. Da er gut bewerten und rechnen kann – welche Überraschung – ist er auch erfolgreich beim Daytraden, bei dem er eine gute Stange Geld verdient für den finanziell eher schwach aufgestellten Haushalt. Er weiß auch Sachen über die Protagonisten, insbesondere über Miranda, die Charlie nicht weiß. Hier zeichnen sich die Konflikte ab. Sehr früh läuft etwas zwischen Miranda und Adam, aber das ist nicht die Crux. Obwohl das Thema Liebe sowohl für Adam als auch für Charlie ein ganz wichtiges ist. Im Mittelpunkt des Romans steht vielmehr eine Geschichte von früher, die sich um eine Freundin Mirandas dreht, die sich umgebracht hat. Diese Geschichte ist sehr konstruiert, so ähnlich wie die extremen Settings von Ferdinand von Schirach, die ich nervend und uninteressant finde. Auf jeden Fall steuert die Ménage à trois, aus der eigentlich eine richtige Familie mit einem Adoptivkind werden soll, auf einen Showdown zu, den es am Ende auch gibt. Wenn man die Situation analysiert und weiß wie der Roboter programmiert ist, nimmt die Geschichte ihren zwangsläufgen, schicksalhaften Lauf. Ich sage mal, der Roboter kommt am Ende fast sympathischer rüber als Miranda und Charlie, aber das ist evtl. meine persönliche Ansicht. Was mich ein bisschen geärgert hat ist, dass der Erzähler etwas abschätzig auf den literarischen Output von Adam herabsieht, der tausende von Haiku schreibt. Von denen aber nur sehr wenige – natürlich eher schwachbrüstige – zitiert werden. Das ist einfach arrogant. Insgesamt werden ziemlich gut nachvollziehbar die Konflikte aufgezeigt, die es mit Robotern geben könnte, die ganze Robotergeschichte hat mich von Anfang an gefesselt.
Was drumherum erzählt wird, die Rahmenhandlung in einem alternativen Großbritannien nach dem Falklandkrieg mit einem Labour-Premier Tony Benn, der durch ein Attentat umkommt, hat mich dagegen tödlich gelangweilt. Es fahren zu dem Zeitpunkt schon viele Autos autonom mit schlafenden Fahrern, Alan Turing lebt noch und spielt eine wichtige Nebenrolle. Ich finde dieses Drumherumgespinne hat der Geschichte nicht gut getan. Außerdem gibt es immer wieder Exkurse über naturwissenschaftliche Themen, die ich als nervtötend und schlaumeierisch empfinde. Gut gefällt mir, dass das Buch in zehn Kapitel à ca. 30 Seiten eingeteilt ist, die man jeweils ganz gut in einer Sitzung lesen kann. Allerdings hätte man den Plot des Buches wahrscheinlich auch auf eine dreißigseitige Kurzgeschichte zusammendampfen können. Der Roman hat etwas Aufgeblasenes. So schnell werde ich wohl kein Buch von McEwan mehr lesen, dieses hatte mich vom Thema interessiert, fast alle seine Bücher der letzten zwanzig Jahre hatten mich schon vom Sujet her nicht angesprochen.
7/10
Nach langsamem Druck
auf Lichtschalter im Flur
brennt Glühfaden durch.
Beim Gehen senkt sich
ein Mantel in Zeitlupe
über mich: die Nacht.
Aljechin, Fischer
Kasparov, Shirov, Dubov,
Tal, Morozevich.
Mein Blick durchs Fenster
vertreibt die Spatzen sofort.
Er muss stechend sein.
Atem loslassen.
Innehalten. Bis zwölf zähl’n.
Langsam einatmen.