Zartbitterschoko
Orangenmarmelade
Wacholderschnäpschen
[Everything but the Girl – Caution to the Wind]
Zartbitterschoko
Orangenmarmelade
Wacholderschnäpschen
[Everything but the Girl – Caution to the Wind]
Duett mit sich selbst
Beats, auf der Stelle tretend
Schwebendes Ende
Kimba im Schwalbach
säuft kaum, spaziert rauf und runter
Sennenhündin kneippt
Ich steh hinter dir
Ein starker Geruch nach Schweiß
Schalottenschalen
Das Herz erwärmen
mit Tracey’s Stimme im nicht
endenden Winter
[Everything but the Girl – Run a Red Light]
Morgens und abends
Erst auf einem Bein, dann auf dem anderen
die Zehen abwechselnd zusammenkrallen und strecken
beim Zähneputzen mit der elektrischen Zahnbürste
Schalk an den Tasten
Sie sprudeln vor Spielfreude
The Groove must go on
[Ahmad Jamal – Poinciana (Olympia, Paris 2012)]
Über ’nem Wäldchen
im gräulichen Ostfrankreich
fliegt ein Storchenschwarm
Wind, Sonne, Regen
Nach elf Stunden Autofahrt
Totale Leere
Die volle Sonne
Seidenweicher Honigsaft
Die volle Rebe
[Château La Roca, Muscat de Rivesaltes 2021,15,5%]

Klein, süß, sehr saftig
Orangen aus dem Garten
Hundert Pro Bio
Schwarzrote Tinte
Bukett wenig ausgeprägt
Fülliger Körper
[Kar Magna, Côtes du Roussillon Villages Rouge 2020]

Wird man gewaltsam
zurückgeholt, geht einen
nichts mehr etwas an.
[Peter Nadas – Der eigene Tod (e-book)]
Auf Beifahrersitz
Berner Sennenhundrüde
Kopf lehnt aus Fenster
Zusammenjammen
bis dass der Tod uns scheidet
Die Wüste in uns
[Giant Sand feat. Rainer Ptacek – The Inner Flame]
An der frischen Luft
Drei Büsche zurückschneiden
Den Dschungel lichten
Wachs in den Ohren
Über das rauschende Meer
durch die Nacht gleitend
Die blutjunge Frau
Auf den Schultern den Jungen
Illusionslos
Kreise, konzentrisch
auf Wasseroberfläche
Fische tauchen auf
Hohlweg, ansteigend
Bambushain, im Wind zitternd
Blick auf Meer, Corbières
Die Putzfrau, die nicht
zum Saubermachen herkommt,
sondern zum Reden.
Zwischen den Schafen
auf der Weide stolzieren
weiße Kuhreiher
Hurra es regnet!
Schwarzkehlchen und Kuhreiher
Artischockenherz
Der Morgen dämmert
Ich lausche deinem Atem
Ein und aus und ein
In sich eingerollt
Die Augen fest verschlossen
Die Yorkshire-Hündin
Auf Windschutzscheibe
handgeschriebener Zettel
mit Handynummer
Entspannter Halbschlaf
Das Beste aus zwei Welten
Ohrstöpselrauschen
Viele Ameisen,
auf die ich getreten bin,
haben überlebt.
Die Goldberg-Variationen in der berühmten 1955er Aufnahme von Glenn Gould gehen reflektiert und präzise los, das Tempo spart sich Gould für später auf. Ich weiß nicht mehr genau in welchem Jahr es war, vielleicht 1986, jedenfalls war ich auf Interrailtour in Griechenland, Italien und Portugal, wo ich gerade noch hingekommen bin in der begrenzten Zeit. Und ich habe in allen drei Ländern rein zufällig morgens zum Frühstück in den Hostels bzw. Privatquartieren die Gouldschen Goldberg-Variationen gehört. Sie waren der Soundtrack zu meiner ersten und letzten Interrailreise. Und mit dieser Aria geht der Trip los. Es gibt schlechtere.
(Die Liste aller seit dem 1. Februar ausgewählten 222 Stücke ist hier.)
Alle tragen schwer
auf der Ameisenstraße
zum Ameisennest
Ein weißes Segel
auf dem dunkelblauen Meer
unterm Horizont
Risse im Gebälk
nachdem plötzlich Halbschwester
bei Lesung auftaucht
[Julia Schoch – Das Vorkommnis (e-book) ]
Das Sägeblatt, das
sich wie in Butter leicht schräg
hineinfräst ins Holz
Diesen Flohzirkus
aus bunten Jonglierbällen
zusammenhalten
Steiler Weg hinab
Halt dich an den Bäumen fest!
Unten tost der Bach
[Casot d’en Lic]
Rosa Judasbaum
Gelber Ginster, Kirsche, weiß
Blauregen in Mauve
Morgens Eis gekratzt
Zwölfhundert km Südwest
Abends zwanzig Grad
Ortseingangsschild durch
Neubaugebiet verschoben:
Lauf am Ziel vorbei
Die Morgenruhe
Vogelstimmen verebben
nach dem Sieg des Lichts
Schwarzes Gewimmel
Am Himmel ein Starenschwarm
auf- und absteigend
Gendarm hält uns an,
lallenden, jungen Deutschen
zu übersetzen
[Mautstelle Le Boulou an A9]
Morgendlicher Kampf
mit aufmüpfiger Armee
aufrechter Haare
Apfelsine mit
selbstgemachtem Joghurt:
herb salzig-süßlich
Hört sich jetzt an wie
das vorweggenommene
eigne Requiem
[Ryuishi Sakamoto – andata]
Auf dem Feld wuseln
kaum zwanzig Meter entfernt
vier fette Ratten
ausgeschlafen, wach
mit der Welt im reinen, weich
entspannt, versöhnlich
schreckhaftes „Raubtier“
phlegmatischer Knuddelbär
nicht ausweichend, treu
Den ganzen Abend
von einem Glas Urweisse
angeheitert sein
Senkrecht aufrichten
nach Schürsenkelzumachen
Fast schwarz vor Augen
Kimba trabt nach vorn
Ein Feldhase! (überquert
die S-Bahngleise)
Der Winter klammert
Beim Öffnen der Klappläden
Brise aus Norden
Über den Äckern
Sperber hält Maus in Fängen
Naturtandemflug
C. sagt, ich hätte
in der Nacht laut geschrien.
Ich weiß davon nichts.
Niesel begrüßt mich
Mehr gerutscht als gelaufen
Vierzig Minuten
Wenn ich aufhöre
mit dem Kraulen hinterm Ohr,
setzt es die Pfote
Aprilwetterchen
Klatschnasse Hunde trocknen
unter der Sonne
Zwergpudel stellt sich
unter die golden showers
der Sennenhündin
Jedes Wort einzeln
bis zur Neige auskosten
als wärs das Letzte
Ausnahmslos jedes
von ihr geschriebene Wort
verschlingen müssen
das törchen schlägt zu
ein herzzereißender schrei
der schwanz abgetrennt
rücklings fortschwebend
das bewusstsein loslassend
von der nacht verschluckt
Tag ohne Haiku
Beinahezusammenstoß
Mittags nicht allein
Die kriegen uns nicht.
Ein lang gehegter Entschluss
Was bleibt von Liebe?
Jemand sieht, wie ich
Meisenknödel aufhänge
und fotografiert
—
anschließend die Narzissen
Ich dann im Gegenzug auch

Das Zukunftsklima
entscheidet sich in China.
Wer demonstriert dort?
Am Ende holt sich
der Körper immer den Schlaf,
den er benötigt.
Die Kurzsichtigkeit
der Politik ist einem
irgendwann egal.
Der Steuerzahler
bezahlt die Streikenden
und wird nicht gefragt.
Tu was fürs Klima
Setze keine Nachkommen
in die Welt. Richtig?
Rechte Hand kälter
als Linke beim Radfahren
ohne Handschuhe
Spatzen, tieffliegend
auf dem Weg vorm Vorderrad
Rechts parken Autos
Tube ausgedrückt
zwischen den Schneidezähnen
Rasiercreme im Mund
sommermorgen, früh
vor uns zwei lange schatten
auf dem jakobsweg
In meinen Körper
fährt der Bass, in meinen Kopf
die hohe Stimme
[Esperanza Spalding, Aruan Ortiz & Francisco Mela – The Peacocks (Jimmy Rowles)]
Geläuf, nachgiebig
Nieselregen, nachlassend
Pferdehufspuren
Saufen und kneippen
Hollerbornbach, Quellenpark
Hundeparadies
Ein Brennen im Mund
beim Ziehen der Zahnseide
durch Zwischenräume
—
Am vorherigen Abend
Pepperoni geschnitten
Das Brennen im Mund
am Morgen nach dem Schneiden
von Pepperoni
Rücklings, Augen zu
Der Körper schwer, in Starre
Bewusstes Dämmern
Ein ganzes Leben
in einem Haus verbringen
Dem eignen Körper