Reineke

vor ein paar tagen auf meinem fußweg zur arbeit morgens kurz nach dem beginn der schule um kurz nach acht als es völlig ruhig war und ich der einzige mensch weit und breit lief in meinem kiez ein tier an mir vorbei, als ich meinen blick nach links schweifen ließ, sah ich, dass es ein tier war, welches ich nicht erwartet hatte mitten in berlin am morgen, wenig ausgeschlafen, ein völlig surrealistisches bild, ein scheinbar um sein leben rennender fuchs, der die morgendliche ruhe ausnutzte, um von a nach b in einer ihm gegenüber nicht unbedingt positiv eingestellten gegend zu gelangen.

heute abend im dunkeln auf dem rückweg von der arbeit biege ich vom tiergarten kommend in die stauffenbergstraße ein, lasse die österreichische botschaft rechts liegen und wer kommt mir auf dem bürgersteig entgegen? ein tier, das seltsam läuft, fast schon hinkt, ziemlich schlank, abgehärmt, mit einer länglichen silhouette. er schnürt, setzt die läufe hintereinander, in einer linie, wenn es geschneit hätte, hätte es so ausgesehen, als wäre es ein zweibeiner gewesen, die hinterläufe in den spuren der vorderläufe, schlau. es ist reineke, wer sonst. ich verabschiede mich innerlich von ihm, er wird sicher weiterschnüren in richtung tiergarten und dort einen schlafplatz finden. ich gehe weiter erst an der gedenkstätte zum 20. juli, dann am bendlerblock (neue besen… ) vorbei, über die ampel am reichpietschufer, weiter über den landwehrkanal, wo ich an der roten ampel anhalte. und wer überholt mich da links, überquert das schöneberger ufer, ignoriert die rote ampel und den verkehr? reineke. er hat sich anders besonnen, ist den ganzen weg wieder zurück gelaufen, hat im tiergarten nicht sein glück gefunden und will zurück in die stadt. die autos stoppen, lassen ihn vorbei, die menschen gucken nur leicht überrascht. viel glück mein lieber, sei ein fuchs, dann wird es dir in berlin gutgehen!

3 Antworten to “Reineke”

  1. zartgewebt Says:

    *wah!* … ich finde das sooooo, also, der Fuchs und du, mich mutet das fast wie ein mystisches Erlebnis an. Ich finde diese ungewöhnliche Begegnung sehr ergreifend …

  2. ohrenschmaus Says:

    Ob das wohl der Fuchs aus meinem Kiez war, ist jedenfalls nicht sehr weit weg: https://www.tagesspiegel.de/berlin/auto-uberschlagt-sich-junge-berliner-autofahrerin-wollte-einem-fuchs-ausweichen-9212691.html

  3. zartgewebt Says:

    … ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ist ja noch mal „gut“ ausgegangen, für beide. Ein Tier, das dir auf der Straße vor das Auto läuft ist immer eine riesige Gefahrenquelle, ich denke, es gibt da nicht viele, die da nicht automatisch auszuweichen versuchen.
    Als junges Mädl, also ich war noch keine zwanzig, da sprang uns nach einem Disco-Besuch (mein Liebster fuhr mich spät Nachts nach Hause) ein Reh seitlich ins Auto.
    Es war sofort tot …

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