Im Ohr ein Rauschen
Eingesponnen in Kokon
aus Pastis und Wachs
Im Ohr ein Rauschen
Eingesponnen in Kokon
aus Pastis und Wachs
Deine Stimme nicht
so maniriert wie meistens,
die Musik subtil
Mehr rot als braun
Pflaume, Leder, Lebkuchen
Noch ausbaufähig

Ganz langsam fräst sich
in die Gehirnwindungen
die Melodie rein
[American Analog Set – Everything Ends in Spring]
Gassi mit Rudel
Am Wegrand lila Astern
neben dem Bahndamm
Wir erträumen uns
eine Welt ohne Bezug
zu der Jetzigen
[American Analog Set – Diana Slowburner II]
Mit dem goldnen Saft
gut haushalten, das Revier
will gut markiert sein
Zweiweltenbummler
Zwischen Stadt und Land pendelnd
Reizflut und Erdung
Entgeisterter Mann
– Kimba schnüffelt an Pfosten –
Pfefferspraybereit
Berlin nach Frankfurt
Die Autobahn übersät
mit Tierkadavern
Cosmic, astral jazz
Polyrhythms all around
The bass is the boss
[Yussef Dayes feat. Tom Misch – Rust]
Eine Melodie
ganz genau kennen, doch nicht
mehr wissen woher
[Sverre Gjørvad – If You Were a Melody]
Zergehen lassen
zwischen Zunge und Gaumen:
Das Lakritzbonbon
Keinen Blick haben
für die Menschen links und rechts
auf dem Trauermarsch
[The Cure – All Cats Are Grey]
Ne Supernova,
Der kleine Bruder von Jim,
Viel zu früh verlöscht
[Gun Club – Idiot Waltz]
Das Portemonnaie weg.
Renne dem Dieb hinterher.
No chance. Aufgewacht.
Roll den Teppich aus
Aus Gitarre und Cello
und dem Glockenspiel
[Pale Saints – Shell]
Zurück zum Ursprung
Das Tier mit den zwei Rücken
Für den Eindringling
Die Gelenke steif
Skelett in Vorfreude auf
die Leichenstarre
Die Stille beginnt.
In den Moment einsinken.
Worte, halb verschluckt.
[Mark Hollis – The Colour of Spring]
Aus Saitenklängen
ein luftiges Bett zimmern,
ein dichtes Gespinst
[Wolfgang Muthspiel – Invocation (Album Dance of the Elders)]
Zusammengezuckt
im Halbschlaf vorm Einnicken
Ein Rad kommt von links
—
Finger linker Hand bremsen
Heute keine Siesta
Jeder macht seins an
Klavier, Bass und Percussion
Blindes Verstehen
[Gary Peacock – Vignette]
Ohne viel reden
gemeinsam Musik machen
Die Welt verschönern
[Leth/Koefoed – Music for Black Pigeons (über Jakob Bro & seine Mitspieler)]
P. S. Hier etwas mehr zum Film.
Langsam eintauchen
in dein Meer, von dem Maelstrom
verschlungen werden
Die Sehnsucht nach dir
nahm mit jedem Tag ab, wo
du nicht mehr da warst
Runder, weicher Tritt
Geölte Fahrradkette
Lautloses Gleiten
I want the last thing you see in this world be a face of love. So you look at me.
Helen to Matthew in Dead Man Walking (Tim Robbins)
Blicke von A4
20 km auf Wartburg
10 auf Buchenwald
Flitzer, tiefliegend
vor mir auf der Autobahn,
ein gelber Trabbi
Velvet Underground
spielt im Himmel mit Nico
das erste Album
Mittendrin schwimmen
in einem Gemälde aus
dem 19. Jahrhundert
Das Wasser plätschert
aus dem Regenbehälter
in die Gießkanne
Nach vier Stunden Schlaf
geträumt vom Weckerklingeln
Danach gedämmert
Erst die Urweisse,
jetzt Schneider Original
Es wird alles gut
Alleine essend
In dem stickigen Bistro
In schwarz gekleidet
Sehnsüchtig verträumt
Deck mich zu, leiser Windhauch:
Tenorsaxofon
[Jerry David DeCicca – Lost Days feat. James Brandon Lewis]
Die Stirn runter rinnt
der Schweiß, tropft hinab ins Klo
im Sekundentakt
Finger auf die Stirn
Ausatmen in Pulsader
Hand auf dem Gesicht
[Atemübung aus Gabriele von Arnim – Der Trost der Schönheit]
Morgens nach dem Tee
Der Gang aufs stille Örtchen
Die Erleichterung
Jemanden völlig
aus den Augen verlieren.
Steel guitar heaven.
[Lucinda Williams – I Don’t Know How You’re Livin‘]
In Amerika
auf dem Highway unterwegs
Die Seele kommt nach
[Sarah Jarosz – Jealous Moon]
Auf der Straße liegt
ein Tauber. Überfahren.
Ich begrabe ihn.
—
Die Täubin, völlig erstarrt,
sitzt auf dem Kompostdeckel,
hat alle Scheu verloren,
sucht ihn auf dem Bürgersteig.
Kimba fällt ins Gras,
dreht sich, zeigt den weißen Pflaum:
„Mein Bauch gehört dir.“
The bass is bubbling
Funky geht die Welt zugrund
Die Kirchturmsuhr schlägt
[Chic – I Want Your Love]
Der einzige Tag,
um keinesfalls die Bahn nach
München zu nehmen
Nürnberg-Hauptbahnhof
Ein Entlebucher guckt mir
tief in die Augen
Der Abend dämmert
Aus dem Gebüsch springt ein Reh,
durchquert die Wiese
Diese Gitarren,
diese Stimme/n, diese Drums
fehlen sowas von
Stillstand in Deutschland
Die Hälfte der Windräder
heute ausgestellt
file under tracks which
will never sound better than
on the first listen
[Slowdive – chained to a cloud]
P. S. Etwas mehr zu dem neuen Album everything is alive hier.
Nach dem Landregen
Wie aus dem Nichts Nacktschnecken
Dazu viel Knoblauch
Treffe ich heute
alte Leute, so seh ich
die eigne Zukunft
Jeder geschlosse–
ne Raum ist ein Sarg. Mehr Luft.
Die letzten Worte
[Blumfeld – Verstärker]
Das i-Tüpfelchen
auf dem Berner Sennenhund:
weiße Schwanzspitze
Viele Windräder
zwischen Leipzig und Berlin
stehen heute still.
Fast alle abgeriegelt.
Energiewende. Real.
Landschaft, Geschichte/n,
Menschen, Tiere, Pflanzen, Sand
südlich von Hamburg
[Claus-Peter Lieckfeld – Heide]
… rosemary, and thyme,
and gather it up with a
rope made of heather
[Simon & Garfunkel – Scarborough Fair (wohl auf schottischem Trad. basierend)]
Farbe purpur-rot
Apogée noch nicht erreicht
Bukett sehr pflaumig
[Château Tanesse 2017, Cadillac, Côtes de Bordeaux]

Karte aufs Gerät
Die Bedienung dreht sich weg
Ich gebe PIN ein
Gegen die Strömung
– das Kaminfeuer knistert –
zur Quelle schwimmen
[Neil Young – Will to Love (1977 acoustic Chrome Dreams version) ]
Es geht jetzt doch wieder hier mit den Notizen weiter. Die 6. Etappe ging von Soltau nach Wietzendorf.
Morgens ein eher übersichtliches Frühstück in der Pension. Wir dürfen uns Butterbrote für den Tag schmieren, es ist jedoch alles genau abgezählt. Gastfreundschaft geht anders.
Die ersten 8 km nach Bispingen sind sehr abwechslungsreich. Zuerst geht es am mit Erlen bestandenen Ufer des Brunauer Sees entlang. In der Ferne hört man das Rauschen der Autobahn. Wir kommen raus an der Raststätte Lüneburger Heide West an der A7 und unterqueren die Autobahn das erste Mal. Nun kommen wir in die Behringer Heide, die Wasserscheide zwischen Weser und Elbe. Hinter Borstel in der Kuhle geht es bergauf in eine hügelige Heidelandschaft mit schönen Ausblicken.
Wir treffen kurz vor Bispingen auf die Luhe, die hier noch ein kleines Bächlein ist. In Bispingen machen wir eine kurze Cappuccinopause beim Bäcker, wo uns unsere das Geld gut zusammenhaltende Gastgeberin nochmals zufällig über den Weg läuft. Nach dem Kauf von weiterem Proviant im örtlichen wegen des Wochenendes sehr gut frequentierten Supermarkt gucken wir uns kurz die schlichte auf Feldsteinen errichtete Ole Kerk von 1353 an. Leider haben wir nicht viel Zeit zum Verweilen, es liegen noch 23 km vor uns und es ist schon Mittag.
Nun geht es parallel zur Bahnlinie nach Soltau durch den Wald an vielen bereits mit dem Kamm abgeernteten Blaubeersträuchern entlang. Im Hintergrund immer wieder der eintönige Ruf des Gartenrotschwanzes. Wir kommen jetzt ins Quellgebiet der Luhe, drei etwas höher gelegene Teiche, die ein Hund zur Erfrischung nutzt. Wir unterqueren die zwei separaten Fahrbahnen der A7 erneut in zwei bestimmt 100 Meter auseinander liegenden dunklen und feuchten Tunneln.
Der Wald weicht nun einer offeneren Landschaft. Der Mais steht kurz vor der Ernte und ist über drei Meter hoch. Die neuesten Errungenschaften von Düngung und Genetik haben wahre Wunder vollbracht. Auf den Wiesen sieht man diverse Schmetterlingsarten, ich kann Zitronenfalter, Kohlweißling und Admiral unterscheiden.
Am Kreuzberg, den man als Erhebung kaum erkennt, machen wir gegen 14 Uhr unsere Pause. Der Himmel ist jetzt bewölkt, das Thermometer hat die 30 Grad durchbrochen. Eine Gruppe von vier jungen Wanderinnen mit Rucksäcken kommt uns entgegen, die über ein Buch sprechen. Im Hintergrund ein paar Windräder – die ersten, die mir seit Hamburg auffallen – sie drehen sich damit die Südländer auch schön günstigen Ökostrom beziehen können. Weiter geht es vorbei an einem Roggenfeld, über das eine Schwalbe so tief fliegt, dass sie mit ihrem Bäuchlein fast die Halmenden touchiert. Regen kündigt sich an, es bleibt aber im weiteren Verlauf nur bei einigen Tropfen.
Wir kommen jetzt wieder in den Wald – über 60% der Lüneburger Heide besteht aus Wald, nur 1/6 aus Heide – und hören schon bald lautes Kindergeschrei von hinter den Bäumen. Es handelt sich um die Fahrgeschäfte des Heide Park Resorts Soltau, insbes. der passenderweise Scream genannte 100 Meter hohe Turm, den die Passagiere mit bis zu knapp 100 km/h in ihren Kabinen hinunterstürzen. Wir überqueren den endlosen Parkplatz, der bei weitem nicht vollständig gefüllt ist, aber doch ganz gut belegt. Hinter dem Erlebnispark tauchen wir wieder in den Wald ein und machen eine Trinkpause auf einem Campingplatz, wo sie gerade Bingo spielen. Der Weg zurück gestaltet sich schwierig, geradeaus kommt man nicht weiter, die Campingplatzwege sind labyrinthisch angelegt und es geht nur auf demselben verschlungenen Pfad zurück, den wir auch gekommen waren.
Die letzten Kilometer durch den Wald – wiederum mit Stimmen bzw. Musik im Hintergrund – sind für die Füße keine Freude mehr. Wir gehen an der Böhme durch den Böhmewald zu der Therme – wir können zwei Radlerinnen sogar den Weg dahin weisen – und weiter in den Ort. Die 18 Uhr Kirchenglocken begrüßen uns. Unsere Unterkunft liegt an der stark befahrenen Straße nach Lüneburg direkt neben der Glockenkirche, das Hotel Heideparadies.






Hier der Etappenüberblick über unseren Heidschnuckenweg im August 2023.
Wir hatten Glück. Der große Regen kam an dem Tag, wo wir die Radenbachschleife um Undeloh vorgesehen hatten, also eine entbehrliche Wanderung im Kreise. Wir verbrachten den Vormittag im Heideerlebniszentrum, wo man so einiges über die Geschichte sowie die Fauna und Flora der Heide erfahren konnte. Z. B., dass abplaggen – hiervon kommt das Wort Plackerei – bedeutet, die Heide mitsamt der oberen Humusschicht mit den Händen abzutragen, eine Sauarbeit. Man tat dies, damit die Heide sich regeneriert und nutzte die Plagge zusammen mit dem Kot der Heidschnucken als Dünger für die nährstoffarmen, sandigen Böden.
Nachmittags machten wir noch eine Minirunde um Undeloh im nachlassenden Regen. Man hätte nun denken können, dass die nächste Etappe nach diesem Quasiruhetag besonders leicht werden würde, dem war aber leider nicht so. Trotz der nährreichen Milch mit fast 4% Fett vom Bauernhof waren unsere Füße von Anfang an schwer, und das besserte sich auch nicht im Laufe des Tages. Die Bewölkung löste sich auf, die Sonne kam raus, die Temperaturen wurden sommerlich.
In der Undeloher Heide hörten wir mehrmals dumpfe Geräusche. Geschützdonner vom Truppenübungsplatz Munster bzw. Bergen, bestimmt 25 km Luftlinie entfernt. Die anderen Tage waren schon mehrmals Düsenjäger für uns unsichtbar oberhalb der Wolken geflogen, das Militär ist in dieser Gegend weiterhin sehr präsent. Plötzlich tauchen vor uns Tiere auf, direkt am und auf dem Weg grast eine Heidschnuckenherde mit einigen Ziegen, die sich auch an eine Eiche stellen und die unteren Blätter abfressen. Der Schäfer ist etwas weiter hinten ins Gespräch mit dem Förster vertieft, der seinen Geländewagen an einem Heideweg abgestellt hat.
Wir nähern uns Wilsede, dem Heidedorf schlechthin und treffen zunehmend auf meist betagte E-Bikefahrer, Tageswanderer, sowie Pferdekutschen. Im Ort nehmen wir den gut 1 km langen Wanderweg Lila Krönung zum Totengrund. Dieser ist die Keimzelle des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide, er wurde 1906 von privat erworben. Die Aussicht hinunter in den Heidegrund ist lohnend, neben der Heide wachsen hier vor allem Wacholderbüsche in verschiedensten Formen wie oval, eher flach ausgestreckt oder als Säule.
Weiter geht es auf einem anderen Weg zurück zum Dorf, wo wir weiterwandern gen Wilseder Berg, der mit 169 m höchsten Erhebung der norddeutschen Tiefebene. Trotz der vielen Touristen finden wir eine Holzbank für die Mittagspause. Man sieht im Norden in der Ferne Windräder auf Hamburger Gebiet. Beim Abstieg kommen uns zwei Arten von E-Bikern entgegen, diejenigen, die ihr Gefährt mühsam den Weg hochschieben und diejenigen, die die Fahrt im Sattel mit Motorhilfe wagen.
Durch Heidelandschaft geht es nach Niederhaverbeck. Hier erfrischen wir uns im Schatten von Bäumen, der Rhabarbersaft weckt meine Lebensgeister. Wir haben von hier noch rund acht km bis zum Ziel, die sich allerdings ewig hinziehen. Die Sonne brennt runter, Schatten ist kaum vorhanden und unsere Wasservorräte erschöpfen sich langsam. Ich bin im Tunnel unterwegs, Blick starr vor mich auf den Boden gerichtet. Es bleibt nicht aus, dass wir einen Abzweig verpassen und ein gutes Stück in die falsche Richtung laufen. Kurz vor der Bundesstraße treffen wir noch auf eine zweite, kleinere Heidschnuckenherde. Die junge Schäferin ist mit drei angeleinten Hütehunden unterwegs. Auf dem Parkplatz neben der Straße wehen uns verführerische Essensdüfte in die Nüstern, in einem Wohnmobil werden Bratkartoffeln (s. u.) bei offenem Fenster in der Pfanne gewendet. In Behringen kommen wir völlig dehydriert an und inhalieren in unserer Unterkunft in Nullkommanix eine Flasche Mineralwasser. Zum Abendbrot leiste ich mir eine Quittenkaltschale mit Matjes und knusprigen, schön dunklen Bratkartoffeln mit Speck, so mit die besten, die ich je gegessen habe.




Hier der Etappenüberblick über unseren Heidschnuckenweg im August 2023.