3484

Oktober 14, 2023

Im Ohr ein Rauschen

Eingesponnen in Kokon

aus Pastis und Wachs

3483

Oktober 13, 2023

Das Wort Narrativ:

Nur noch ein Synonym für

Lügengeschichte

3482

Oktober 13, 2023

Deine Stimme nicht

so maniriert wie meistens,

die Musik subtil

[Richard Barbieri & Steve Jansen – Mother London]

3481

Oktober 13, 2023

Mehr rot als braun

Pflaume, Leder, Lebkuchen

Noch ausbaufähig

Barolo 2017

3480

Oktober 13, 2023

Ganz langsam fräst sich

in die Gehirnwindungen

die Melodie rein

[American Analog Set – Everything Ends in Spring]

3479

Oktober 13, 2023

Gassi mit Rudel

Am Wegrand lila Astern

neben dem Bahndamm

3478

Oktober 11, 2023

Wir erträumen uns

eine Welt ohne Bezug

zu der Jetzigen

[American Analog Set – Diana Slowburner II]

3477

Oktober 10, 2023

Mit dem goldnen Saft

gut haushalten, das Revier

will gut markiert sein

3476

Oktober 9, 2023

Zweiweltenbummler

Zwischen Stadt und Land pendelnd

Reizflut und Erdung

3475

Oktober 9, 2023

Entgeisterter Mann

– Kimba schnüffelt an Pfosten –

Pfefferspraybereit

3474

Oktober 8, 2023

Ein Fluss aus Saiten

Sprudelnd, plätschernd, (be)rauschend

Zum Meer hinströmend

[Blue Lake – Bloom]

3473

Oktober 8, 2023

Berlin nach Frankfurt

Die Autobahn übersät

mit Tierkadavern

3472

Oktober 7, 2023

Cosmic, astral jazz

Polyrhythms all around

The bass is the boss

[Yussef Dayes feat. Tom Misch – Rust]

3471

Oktober 7, 2023

Winterfeldplatzmarkt

In der hintersten Ecke

Granatapfelsaft

3470

Oktober 7, 2023

Nicht gleich urteilen

Die Einsamkeit aushalten

Mehr beobachten

[Sternstunde der Philosophie mit Ferdinand von Schirach]

3469

Oktober 7, 2023

Eine Melodie

ganz genau kennen, doch nicht

mehr wissen woher

[Sverre Gjørvad – If You Were a Melody]

3468

Oktober 7, 2023

Haiku vom Bildschirm

ins Notizbuch kopieren:

„Ich habe gelebt.“

3467

Oktober 6, 2023

Zergehen lassen

zwischen Zunge und Gaumen:

Das Lakritzbonbon

3466

Oktober 6, 2023

Rehaugen groß wie

kanadische Bergseen

Alles nur ein Traum?

3465

Oktober 6, 2023

Beethovens Fünfte

Wer kennt erste vier Töne?

fragt Musiklehrer

[Uwe Johnson – Jahrestage]

3464

Oktober 5, 2023

Nen Ex-Kollegen

im Tiergarten beim Joggen

zufällig treffen

3463

Oktober 4, 2023

Keinen Blick haben

für die Menschen links und rechts

auf dem Trauermarsch

[The Cure – All Cats Are Grey]

3462

Oktober 4, 2023

Ne Supernova,

Der kleine Bruder von Jim,

Viel zu früh verlöscht

[Gun Club – Idiot Waltz]

3461

Oktober 4, 2023

Das Portemonnaie weg.

Renne dem Dieb hinterher.

No chance. Aufgewacht.

3460

Oktober 2, 2023

Roll den Teppich aus

Aus Gitarre und Cello

und dem Glockenspiel

[Pale Saints – Shell]

3459

Oktober 2, 2023

Zurück zum Ursprung

Das Tier mit den zwei Rücken

Für den Eindringling

3458

Oktober 2, 2023

Die Gelenke steif

Skelett in Vorfreude auf

die Leichenstarre

3457

Oktober 1, 2023

Die Sonne geht auf!

Überstrahlt die ganze Welt!

Eine Trompete!

[Jerry David DeCicca – Angelina]

3456

Oktober 1, 2023

Die Stille beginnt.

In den Moment einsinken.

Worte, halb verschluckt.

[Mark Hollis – The Colour of Spring]

3455

Oktober 1, 2023

Aus Saitenklängen

ein luftiges Bett zimmern,

ein dichtes Gespinst

[Wolfgang Muthspiel – Invocation (Album Dance of the Elders)]

XIII

Oktober 1, 2023

Zusammengezuckt

im Halbschlaf vorm Einnicken

Ein Rad kommt von links

Finger linker Hand bremsen

Heute keine Siesta

3454

September 30, 2023

Jeder macht seins an

Klavier, Bass und Percussion

Blindes Verstehen

[Gary Peacock – Vignette]

3453

September 30, 2023

Dass die Playlisten

von anderen fast immer

so enttäuschend sind

3452

September 30, 2023

Mit Playlist im Ohr

immer auf demselben Weg

den Kiez umrunden

[vague.]

3451

September 30, 2023

Ohne viel reden

gemeinsam Musik machen

Die Welt verschönern

[Leth/Koefoed – Music for Black Pigeons (über Jakob Bro & seine Mitspieler)]

P. S. Hier etwas mehr zum Film.

3450

September 30, 2023

Mobile im Wind

Gitarrenklänge perlen

Das Saxofon schwebt

[Jakob Bro – Laxness]

3449

September 30, 2023

Langsam eintauchen

in dein Meer, von dem Maelstrom

verschlungen werden

3448

September 28, 2023

Die Sehnsucht nach dir

nahm mit jedem Tag ab, wo

du nicht mehr da warst

[Lloyd Cole – Myrtle and Rose]

3447

September 28, 2023

Durch Katakomben

Olympiastadion

Das T-Shirt klatschnass

[Berliner Firmenlauf b2run]

3446

September 27, 2023

Runder, weicher Tritt

Geölte Fahrradkette

Lautloses Gleiten

September 26, 2023

I want the last thing you see in this world be a face of love. So you look at me.

Helen to Matthew in Dead Man Walking (Tim Robbins)

3445

September 24, 2023

Blicke von A4

20 km auf Wartburg

10 auf Buchenwald

3444

September 24, 2023

Flitzer, tiefliegend

vor mir auf der Autobahn,

ein gelber Trabbi

3443

September 23, 2023

Eine Musik spielt

zwischen dieser Welt hier und

der nächsten danach

[David Sylvian – I Should not Dare (for N. O.)]

September 22, 2023

Der Geist der späten Talk Talk lebt!

3442

September 19, 2023

Wilder Schachspieler

erzählt gern Anekdoten

aus seinem Leben

[Im Gespräch: Matthias Deutschmann]

3441

September 19, 2023

Velvet Underground

spielt im Himmel mit Nico

das erste Album

3440

September 19, 2023

Mittendrin schwimmen

in einem Gemälde aus

dem 19. Jahrhundert

[Gabriele von Arnim – Der Trost der Schönheit]

3439

September 18, 2023

Erst auf dem Boden

kann Kimba die Leckerlis

wirklich ernst nehmen

3438

September 17, 2023

Während des Laufens

völlig vergessen, was man

da gerade tut

3437

September 16, 2023

Das Wasser plätschert

aus dem Regenbehälter

in die Gießkanne

3436

September 15, 2023

Sie geht auf und ab,

zeigt mir ihr hübsches Gesicht

und haucht: „Hast du Lust?“

3435

September 15, 2023

Nach vier Stunden Schlaf

geträumt vom Weckerklingeln

Danach gedämmert

3434

September 14, 2023

Hör mal, die Vögel!

Das Instrumentestimmen!

Welche Harmonie!

[Held By Trees – Next to Silence]

3433

September 14, 2023

Was hat er vererbt?

Eine Playlist mit ein paar

hundert Musiktracks

3432

September 14, 2023

Nicht mehr ironisch

sein müssen, erster Schritt zur

Selbstverwirklichung

3431

September 14, 2023

Erst die Urweisse,

jetzt Schneider Original

Es wird alles gut

3430

September 14, 2023

It is getting dark

In the air there are all those

beautiful noises

[Held By Trees – Nightfall]

3429a

September 14, 2023

Alleine essend

In dem stickigen Bistro

In schwarz gekleidet

3428

September 12, 2023

Sehnsüchtig verträumt

Deck mich zu, leiser Windhauch:

Tenorsaxofon

[Jerry David DeCicca – Lost Days feat. James Brandon Lewis]

3427

September 12, 2023

Die Stirn runter rinnt

der Schweiß, tropft hinab ins Klo

im Sekundentakt

3426

September 12, 2023

Versöhnlicher Blick

auf die Welt nach Höllenritt

auf Ergometer

3425

September 12, 2023

Finger auf die Stirn

Ausatmen in Pulsader

Hand auf dem Gesicht

[Atemübung aus Gabriele von Arnim – Der Trost der Schönheit]

3424

September 11, 2023

Zwischen bedeutsam

und banal balancierend

Das ist das Leben

[Held By Trees – The Tree of Life]

3423

September 11, 2023

Morgens nach dem Tee

Der Gang aufs stille Örtchen

Die Erleichterung

3422

September 11, 2023

Jeder Atemzug

verbindet meine Seele

mit der Weltseele

[alte religiöse Weisheit]

3421

September 9, 2023

Jemanden völlig

aus den Augen verlieren.

Steel guitar heaven.

[Lucinda Williams – I Don’t Know How You’re Livin‘]

3420

September 9, 2023

In Amerika

auf dem Highway unterwegs

Die Seele kommt nach

[Sarah Jarosz – Jealous Moon]

Wenn Tiere trauern

September 9, 2023

Auf der Straße liegt

ein Tauber. Überfahren.

Ich begrabe ihn.

Die Täubin, völlig erstarrt,

sitzt auf dem Kompostdeckel,

hat alle Scheu verloren,

sucht ihn auf dem Bürgersteig.

3419

September 9, 2023

Im Auto hör ich

Klassik, Pop et cetera

Die Tränen fließen

3418

September 9, 2023

Und wenn das Leben

während der Wimpernschläge

stattfinden sollte

3417

September 8, 2023

Kimba fällt ins Gras,

dreht sich, zeigt den weißen Pflaum:

„Mein Bauch gehört dir.“

3416

September 8, 2023

The bass is bubbling

Funky geht die Welt zugrund

Die Kirchturmsuhr schlägt

[Chic – I Want Your Love]

3415

September 7, 2023

Der einzige Tag,

um keinesfalls die Bahn nach

München zu nehmen

3414

September 7, 2023

Nürnberg-Hauptbahnhof

Ein Entlebucher guckt mir

tief in die Augen

3413

September 4, 2023

Der Abend dämmert

Aus dem Gebüsch springt ein Reh,

durchquert die Wiese

3412

September 3, 2023

Diese Gitarren,

diese Stimme/n, diese Drums

fehlen sowas von

[Sonic Youth – Drunken Butterfly, Brooklyn, NY 2011]

3411

September 2, 2023

Stillstand in Deutschland

Die Hälfte der Windräder

heute ausgestellt

3410

September 1, 2023

file under tracks which

will never sound better than

on the first listen

[Slowdive – chained to a cloud]

P. S. Etwas mehr zu dem neuen Album everything is alive hier.

3409

September 1, 2023

Nach dem Landregen

Wie aus dem Nichts Nacktschnecken

Dazu viel Knoblauch

3408

August 31, 2023

Treffe ich heute

alte Leute, so seh ich

die eigne Zukunft

3407

August 30, 2023

Die Sushi so frisch

Die Bedienung so emsig

Loblied aufs ishin

3406

August 30, 2023

Jeder geschlosse

ne Raum ist ein Sarg. Mehr Luft.

Die letzten Worte

[Blumfeld – Verstärker]

3405

August 29, 2023

Freiheit notwendig

für eine lange Liebe

zu einer Musik

3404

August 29, 2023

Das i-Tüpfelchen

auf dem Berner Sennenhund:

weiße Schwanzspitze

3403

August 29, 2023

Morgens geschmeidig

Am Abend eingerostet

Rücken und Beine

Ans Ziel kommen

August 28, 2023

Wenn die Füße nicht mehr wollen,

noch einen Schritt machen.

Wenn es jetzt nicht besser geht,

noch einen etc.

3402

August 28, 2023

Aus dem langen Fluss

der Wanderung gestiegen

in das Hier und Jetzt

3401

August 28, 2023

Ankunft in Berlin.

Zum Wilmersdorfer Friedhof

humpelt Reineke.

XI

August 28, 2023

Viele Windräder

zwischen Leipzig und Berlin

stehen heute still.

Fast alle abgeriegelt.

Energiewende. Real.

3400

August 28, 2023

Landschaft, Geschichte/n,

Menschen, Tiere, Pflanzen, Sand

südlich von Hamburg

[Claus-Peter Lieckfeld – Heide]

3399 Das Heidelied

August 25, 2023

rosemary, and thyme,

and gather it up with a

rope made of heather

[Simon & Garfunkel – Scarborough Fair (wohl auf schottischem Trad. basierend)]

3398

August 25, 2023

Ein Wüstensandkorn

Prärie bis zum Horizont

Laid-back atmosphere

[Jochen Siemer – A Scent of Blues]

3397

August 25, 2023

Farbe purpur-rot

Apogée noch nicht erreicht

Bukett sehr pflaumig

[Château Tanesse 2017, Cadillac, Côtes de Bordeaux]

Der Weg spricht, #1

August 25, 2023

Das zu Fuß durch die Welt ziehen

dem die Welt auf der Mattscheibe

vorbeiziehen zu lassen,

vorziehen

3396

August 25, 2023

Karte aufs Gerät

Die Bedienung dreht sich weg

Ich gebe PIN ein

3395

August 24, 2023

Gegen die Strömung

– das Kaminfeuer knistert –

zur Quelle schwimmen

[Neil Young – Will to Love (1977 acoustic Chrome Dreams version) ]

Heidschnuckenweg

August 21, 2023

Es geht jetzt doch wieder hier mit den Notizen weiter. Die 6. Etappe ging von Soltau nach Wietzendorf.

Heidschnuckenweg 5. Etappe: Behringen – Soltau. 30 km bei 30 Grad.

August 20, 2023

Morgens ein eher übersichtliches Frühstück in der Pension. Wir dürfen uns Butterbrote für den Tag schmieren, es ist jedoch alles genau abgezählt. Gastfreundschaft geht anders.

Die ersten 8 km nach Bispingen sind sehr abwechslungsreich. Zuerst geht es am mit Erlen bestandenen Ufer des Brunauer Sees entlang. In der Ferne hört man das Rauschen der Autobahn. Wir kommen raus an der Raststätte Lüneburger Heide West an der A7 und unterqueren die Autobahn das erste Mal. Nun kommen wir in die Behringer Heide, die Wasserscheide zwischen Weser und Elbe. Hinter Borstel in der Kuhle geht es bergauf in eine hügelige Heidelandschaft mit schönen Ausblicken.

Wir treffen kurz vor Bispingen auf die Luhe, die hier noch ein kleines Bächlein ist. In Bispingen machen wir eine kurze Cappuccinopause beim Bäcker, wo uns unsere das Geld gut zusammenhaltende Gastgeberin nochmals zufällig über den Weg läuft. Nach dem Kauf von weiterem Proviant im örtlichen wegen des Wochenendes sehr gut frequentierten Supermarkt gucken wir uns kurz die schlichte auf Feldsteinen errichtete Ole Kerk von 1353 an. Leider haben wir nicht viel Zeit zum Verweilen, es liegen noch 23 km vor uns und es ist schon Mittag.

Nun geht es parallel zur Bahnlinie nach Soltau durch den Wald an vielen bereits mit dem Kamm abgeernteten Blaubeersträuchern entlang. Im Hintergrund immer wieder der eintönige Ruf des Gartenrotschwanzes. Wir kommen jetzt ins Quellgebiet der Luhe, drei etwas höher gelegene Teiche, die ein Hund zur Erfrischung nutzt. Wir unterqueren die zwei separaten Fahrbahnen der A7 erneut in zwei bestimmt 100 Meter auseinander liegenden dunklen und feuchten Tunneln.

Der Wald weicht nun einer offeneren Landschaft. Der Mais steht kurz vor der Ernte und ist über drei Meter hoch. Die neuesten Errungenschaften von Düngung und Genetik haben wahre Wunder vollbracht. Auf den Wiesen sieht man diverse Schmetterlingsarten, ich kann Zitronenfalter, Kohlweißling und Admiral unterscheiden.

Am Kreuzberg, den man als Erhebung kaum erkennt, machen wir gegen 14 Uhr unsere Pause. Der Himmel ist jetzt bewölkt, das Thermometer hat die 30 Grad durchbrochen. Eine Gruppe von vier jungen Wanderinnen mit Rucksäcken kommt uns entgegen, die über ein Buch sprechen. Im Hintergrund ein paar Windräder – die ersten, die mir seit Hamburg auffallen – sie drehen sich damit die Südländer auch schön günstigen Ökostrom beziehen können. Weiter geht es vorbei an einem Roggenfeld, über das eine Schwalbe so tief fliegt, dass sie mit ihrem Bäuchlein fast die Halmenden touchiert. Regen kündigt sich an, es bleibt aber im weiteren Verlauf nur bei einigen Tropfen.

Wir kommen jetzt wieder in den Wald – über 60% der Lüneburger Heide besteht aus Wald, nur 1/6 aus Heide – und hören schon bald lautes Kindergeschrei von hinter den Bäumen. Es handelt sich um die Fahrgeschäfte des Heide Park Resorts Soltau, insbes. der passenderweise Scream genannte 100 Meter hohe Turm, den die Passagiere mit bis zu knapp 100 km/h in ihren Kabinen hinunterstürzen. Wir überqueren den endlosen Parkplatz, der bei weitem nicht vollständig gefüllt ist, aber doch ganz gut belegt. Hinter dem Erlebnispark tauchen wir wieder in den Wald ein und machen eine Trinkpause auf einem Campingplatz, wo sie gerade Bingo spielen. Der Weg zurück gestaltet sich schwierig, geradeaus kommt man nicht weiter, die Campingplatzwege sind labyrinthisch angelegt und es geht nur auf demselben verschlungenen Pfad zurück, den wir auch gekommen waren.

Die letzten Kilometer durch den Wald – wiederum mit Stimmen bzw. Musik im Hintergrund – sind für die Füße keine Freude mehr. Wir gehen an der Böhme durch den Böhmewald zu der Therme – wir können zwei Radlerinnen sogar den Weg dahin weisen – und weiter in den Ort. Die 18 Uhr Kirchenglocken begrüßen uns. Unsere Unterkunft liegt an der stark befahrenen Straße nach Lüneburg direkt neben der Glockenkirche, das Hotel Heideparadies.

Brunausee am Morgen
Borstel in der Kuhle, Fliegenpilz
Bispingen, Ole Kerk
Bispingen, Kirchenfenster Ole Kerk
Quellteich der Luhe
Feuerstein-Talisman, auf dem Weg gefunden

Hier der Etappenüberblick über unseren Heidschnuckenweg im August 2023.

Heidschnuckenweg 4. Etappe: Undeloh – Behringen. Im Tunnel.

August 19, 2023

Wir hatten Glück. Der große Regen kam an dem  Tag, wo wir die Radenbachschleife um Undeloh vorgesehen hatten, also eine entbehrliche Wanderung im Kreise. Wir verbrachten den Vormittag im Heideerlebniszentrum, wo man so einiges über die Geschichte sowie die Fauna und Flora der Heide erfahren konnte. Z. B., dass abplaggen – hiervon kommt das Wort Plackerei – bedeutet, die Heide mitsamt der oberen Humusschicht mit den Händen abzutragen, eine Sauarbeit. Man tat dies, damit die Heide sich regeneriert und nutzte die Plagge zusammen mit dem Kot der Heidschnucken als Dünger für die nährstoffarmen, sandigen Böden.

Nachmittags machten wir noch eine Minirunde um Undeloh im nachlassenden Regen. Man hätte nun denken können, dass die nächste Etappe nach diesem Quasiruhetag besonders leicht werden würde, dem war aber leider nicht so. Trotz der nährreichen Milch mit fast 4% Fett vom Bauernhof waren unsere Füße von Anfang an schwer, und das besserte sich auch nicht im Laufe des Tages. Die Bewölkung löste sich auf, die Sonne kam raus, die Temperaturen wurden sommerlich.

In der Undeloher Heide hörten wir mehrmals dumpfe Geräusche. Geschützdonner vom Truppenübungsplatz Munster bzw. Bergen, bestimmt 25 km Luftlinie entfernt. Die anderen Tage waren schon mehrmals Düsenjäger für uns unsichtbar oberhalb der Wolken geflogen, das Militär ist in dieser Gegend weiterhin sehr präsent. Plötzlich tauchen vor uns Tiere auf, direkt am und auf dem Weg grast eine Heidschnuckenherde mit einigen Ziegen, die sich auch an eine Eiche stellen und die unteren Blätter abfressen. Der Schäfer ist etwas weiter hinten ins Gespräch mit dem Förster vertieft, der seinen Geländewagen an einem Heideweg abgestellt hat.

Wir nähern uns Wilsede, dem Heidedorf schlechthin und treffen zunehmend auf meist betagte E-Bikefahrer, Tageswanderer, sowie Pferdekutschen. Im Ort nehmen wir den gut 1 km langen Wanderweg Lila Krönung zum Totengrund. Dieser ist die Keimzelle des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide, er wurde 1906 von privat erworben. Die Aussicht hinunter in den Heidegrund ist lohnend, neben der Heide wachsen hier vor allem Wacholderbüsche in verschiedensten Formen wie oval, eher flach ausgestreckt oder als Säule.

Weiter geht es auf einem anderen Weg zurück zum Dorf, wo wir weiterwandern gen Wilseder Berg, der mit 169 m höchsten Erhebung der norddeutschen Tiefebene. Trotz der vielen Touristen finden wir eine Holzbank für die Mittagspause. Man sieht im Norden in der Ferne Windräder auf Hamburger Gebiet. Beim Abstieg kommen uns zwei Arten von E-Bikern entgegen, diejenigen, die ihr Gefährt mühsam den Weg hochschieben und diejenigen, die die Fahrt im Sattel mit Motorhilfe wagen.

Durch Heidelandschaft geht es nach Niederhaverbeck. Hier erfrischen wir uns im Schatten von Bäumen, der Rhabarbersaft weckt meine Lebensgeister. Wir haben von hier noch rund acht km bis zum Ziel, die sich allerdings ewig hinziehen. Die Sonne brennt runter, Schatten ist kaum vorhanden und unsere Wasservorräte erschöpfen sich langsam. Ich bin im Tunnel unterwegs, Blick starr vor mich auf den Boden gerichtet. Es bleibt nicht aus, dass wir einen Abzweig verpassen und ein gutes Stück in die falsche Richtung laufen. Kurz vor der Bundesstraße treffen wir noch auf eine zweite, kleinere Heidschnuckenherde. Die junge Schäferin ist mit drei angeleinten Hütehunden unterwegs. Auf dem Parkplatz neben der Straße wehen uns verführerische Essensdüfte in die Nüstern, in einem Wohnmobil werden Bratkartoffeln (s. u.) bei offenem Fenster in der Pfanne gewendet. In Behringen kommen wir völlig dehydriert an und inhalieren in unserer Unterkunft in Nullkommanix eine Flasche Mineralwasser. Zum Abendbrot leiste ich mir eine Quittenkaltschale mit Matjes und knusprigen, schön dunklen Bratkartoffeln mit Speck, so mit die besten, die ich je gegessen habe.

Undeloher Heide, Heidschnuckenherde
Undeloher Heide, Wacholderbusch
Undeloher Heide, Heidschnuckenweg
Wilsede, Totengrund

Hier der Etappenüberblick über unseren Heidschnuckenweg im August 2023.